|
[411] Der Morgen graut. Ich kam per Bahn
Stolz in der Stadt der Welfen an.
[411]
Und wie ich wandle, seh' ich walten
Im Morgenscheine fünf Gestalten.
»Seid mir gegrüßt, ihr edlen Frauen,
So wunderlieblich anzuschauen!«
[412] »Wat het he seggt?!« So tönt's im Chor,
Fünf Besen heben sich empor.
Ich stolp're in ein Kehrichtfaß;
Die Besen sind sehr dürr und naß.
[413] Kaum rett' ich mich, schon halb verdroschen,
Mit 25 Silbergroschen.
[414] Das hemmt der Besengarde Lauf. –
Ein Bad nimmt meine Glieder auf.
So geht's! – Bei Damen sollst du fein
Gar niemals nicht ironisch sein.
Buchempfehlung
Die tugendhafte Sara Sampson macht die Bekanntschaft des Lebemannes Mellefont, der sie entführt und sie heiraten will. Sara gerät in schwere Gewissenskonflikte und schließlich wird sie Opfer der intriganten Marwood, der Ex-Geliebten Mellefonts. Das erste deutsche bürgerliche Trauerspiel ist bereits bei seiner Uraufführung 1755 in Frankfurt an der Oder ein großer Publikumserfolg.
78 Seiten, 4.80 Euro
Buchempfehlung
Biedermeier - das klingt in heutigen Ohren nach langweiligem Spießertum, nach geschmacklosen rosa Teetässchen in Wohnzimmern, die aussehen wie Puppenstuben und in denen es irgendwie nach »Omma« riecht. Zu Recht. Aber nicht nur. Biedermeier ist auch die Zeit einer zarten Literatur der Flucht ins Idyll, des Rückzuges ins private Glück und der Tugenden. Die Menschen im Europa nach Napoleon hatten die Nase voll von großen neuen Ideen, das aufstrebende Bürgertum forderte und entwickelte eine eigene Kunst und Kultur für sich, die unabhängig von feudaler Großmannssucht bestehen sollte. Michael Holzinger hat für den zweiten Band sieben weitere Meistererzählungen ausgewählt.
432 Seiten, 19.80 Euro