[405] Der Schuhu hörte stets mit Ruh,
wenn zwei sich disputierten, zu. –
Mal stritten sich der Storch und Rabe,
was Gott der Herr zuerst erschaffen habe,
ob erst den Vogel oder erst das Ei.
»Den Vogel!« – schrie der Storch –
»das ist so klar wie Brei!«
Der Rabe krächzt: »Das Ei, wobei ich bleibe;
wer's nicht begreift, hat kein Gehirn im Leibe!«[405]
Da fingen an zu quacken
zwei Frösch in grünen Jacken.
Der eine quackt: »Der Storch hat recht!«
Der zweite quackt: »Der Rab hat recht!«[406]
»Was?« – schrien die beiden Disputaxe –
»was ist das da für ein Gequackse??« –
Der Streit erlosch. –
Ein jeder nimmt sich seinen Frosch,
der schmeckt ihm gar nicht schlecht.[407]
»Ja« – denkt der Schuhu – »so bin ich!
Der Weise schweigt und räuspert sich!«
|
Ausgewählte Ausgaben von
Stippstörchen für Aeuglein und Oerchen
|
Buchempfehlung
Der historische Roman aus der Zeit des Dreißigjährigen Krieges erzählt die Geschichte des protestantischen Pastors Jürg Jenatsch, der sich gegen die Spanier erhebt und nach dem Mord an seiner Frau von Hass und Rache getrieben Oberst des Heeres wird.
188 Seiten, 6.40 Euro
Buchempfehlung
Im nach dem Wiener Kongress neugeordneten Europa entsteht seit 1815 große Literatur der Sehnsucht und der Melancholie. Die Schattenseiten der menschlichen Seele, Leidenschaft und die Hinwendung zum Religiösen sind die Themen der Spätromantik. Michael Holzinger hat elf große Erzählungen dieser Zeit zu diesem Leseband zusammengefasst.
430 Seiten, 19.80 Euro