17. An Friedrich Warnecke

[16] 17. An Friedrich Warnecke


Lüethorst d. 12 Juni 57


Mein lieber Freund!

Aus Ihrem werthen und drolligen Rescripte vom 19 v.M. ersehe ich mit Freuden, daß Sie seit und trotz Ihrer Verbannung in die Lüneburger Haide noch immer derselbe geblieben sind, der Sie in Hameln waren; daß Sie sich aber nicht nur die alte gute Laune, sondern mir auch die alte Freundschaft bewahrt haben, das glaube ich auch noch darin gefunden zu haben. Doch nun zu dem, was Sie bei mir zu finden wünschten und noch nicht gefunden haben: Schreibfleiß und Auskunft über die Loccumer Wappenleiste. Den erstern werden Sie, Gott sei's geklagt, vermuthlich niemals bei mir finden; die zweite sei Ihnen gegeben, so weit es mir von hier aus möglich ist. Die Leiste stammt, wenn ich mich recht besinne, aus einer Kirche in Wunstorf, sie ist 7 oder 8 Zoll breit, die Wappen sind in Relief geschnitzt, etwa so wie dasjenige, welches Sie selbst im Besitz haben und mir in Hameln einmal zeigten; die Farben sind neu aufgefrischt. Folgende sechs Wappen sind darauf:

Mandelslo, ein Horn.

Nordecken, rother Balken.

Fresen.

Hörn, drei Hörner

Ramell, drei Rautenreihen, Löwe darüber.

Schleihern, drei Hämmer oder Schlägel.

Etwas näheres kann ich Ihnen jetzt nicht darüber berichten.

Folgendes von Heraldik hat sich noch zufällig in meine Hände verkrümelt; ob es Ihnen von Intereße sein wird, weiß ich nicht, doch schicke ich es Ihnen hiermit zu. Zuerst zwei verschiedene Wappensiegel von derselben Hand: Baron v. Breidbach-Bürresheim auf Heddernheim im Naßau'schen. Dann das Wappen des Baron von Bose, was ich Ihnen früher schon mal zuschickte; hier steht noch ein zweites daneben, vermuthlich das seiner Frau, einer gebornen Prinzeß Witgenstein.

Ein junger Vetter von mir, der in Holzminden auf der Schule ist, brachte mir neulich auch ein sehr altes Siegel eines Fürstbischofes von Corvei. Einer der dortigen Schüler hatte bei einem Ausfluge nach Corwei das eiserne Petschaft im dortigen Schloße zwischen altem Eisengerümpel gefunden und sich zugeeignet. Mein Vetter hatte einen Abdruck davon genommen. Das Siegel ist über zwei Zoll breit; es steht das Wappen des Fürstbischofs darauf. Sollte es Intereße für Sie haben, so steht es zu Diensten; ich habe es diesmal nicht beigelegt, weil ich den Brief nicht unnöthig beschweren wollte.

Dies wenige, lieber Warnecke, ist alles, was ich Ihnen diesmal über Heraldik erfreuliches mittheilen kann. Kommen Sie im Herbst nach Hameln? Wenn das ist, so sehen wir uns dort wohl.

Stets mit aufrichtiger Freundschaft

der Ihrige

Wilh. Busch.


P.S. Über der Thür der Meerbecker Kirche bei Wiedensahl fand ich


17. An Friedrich Warnecke

folgende Wappen in Stein gehauen d. anno 1525: und dann noch an derselben Kirche am Grabmale einer Familie v. Hacken das Wappen derselben:


17. An Friedrich Warnecke

N.B. Ich warte jetzt mit Schmerzen darauf, daß der Xylograph die kleinen Holzschnitte zu den Märchen fertig bringt, daß mit dem Drucke begonnen werden kann. Haben Sie nichts von alten Büchern aufgegabelt, oder Sagen gehört?

W B.

Quelle:
Busch, Wilhelm: Sämtliche Briefe. Band I: Briefe 1841 bis 1892, Hannover 1968, S. 16-17.
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