Christliches Trost-Liedchen

[174] In der Weise: Aus meines Hertzens Grunde.


Im Himmel und auff Erden

Dem gossen Welt-Gebäw

Kan nichts gefunden werden

Das nicht des Herren sey:

Was unser Auge schaut,

Vns kan zu Hertzen dringen

Den Geist von allen Dingen

Hat er aus nichts gebawt.


Als ich bin nichts gewesen,

Wer hat mich da bereit

Aus seinem Buch gelesen

Vnd meine gantze Zeit?

Vnd da ich Anfang nam

Tieff in der Erden Schatten,

Wer war der mir zu statten

In meiner Bildung kam?


Wer zog mich damals eben

Mit Haut und Adern an?

Wer goß in mich das Leben,

Hab' ich es selbst gethan?

Wer zog mich aus dem Koht

Daß ich zu sehn begonnen

Das Licht der rohten Sonnen?

Der Wunderbare Gott.


Er hat mich auffgenommen

Durch trewe Pfleg' und Hut

Zu Kräfften lassen kommen

Mehr als ein Vater thut.

Er macht noch täglich sat

Vnd füllt mit Wolgefallen

Gantz reichlich mich sampt allen

Vnd was sonst Athem hat.


Was hie ein Mensch kan haben

Kömpt bloß aus seiner Hand,

Es sind nur seine Gaben

Weib, Kinder, Gut und Standt,

Die thut er uns zwar ein

Daß wir sie brauchen sollen,

Nicht aber wie wir wollen,

Das Recht dazu ist sein.


Legt er die meinen nieder

Durch einen frühen Tod,

Er nimmt das seine wieder;

Was schrey ich über Noht

Vnd komm' umb alle Ruh?

Es steht in seinen mächten,

Wer wolte mit ihm rechten

Vnd fragen was er thu?
[174]

Ihr die Ihr Gott bekennet,

Seyd Christen in der That

Und nicht allein genennet,

Rhümt seinen weisen Raht,

Vnd sprechet in gemein:

Der Herr, von dem sie kommen,

Hat sie auch weggenommen

Ihm sey die Ehr allein!


Er kan in jenem Leben

(Vertraut nur seiner Macht)

Vnd wird auch wieder geben

Dieß was er weggebracht

Vollkommen, herrlich schön.

Was hie in Angst und Leiden

Geseet wird, wird in Frewden

An jenem Tag' erstehn.


O Gott bild unsern Sinnen

Die selig' Hoffnung ein,

Vnd laß uns Trost gewinnen

In aller unser Pein.

Insonderheit wenn wir

Selbst mit dem Tode streiten,

So steh auff unsrer Seiten

Vnd nimm uns auff zu dir.

Quelle:
Simon Dach: Gedichte, Band 4, Halle a.d.S. 1938, S. 174-175.
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