Johann Fauljoch und Maria Fischer

[223] 9. Hornung 1649.


Ein Mann von guttem Rath,

Der beydes Wort vnd That

Nur auff Vernunfft gestellet,

Lebt still vnd vor sich hin,

Was auch von seinem Sinn

Für Vrtheil wird gefället.


Er ist behutsam, schlecht,

Fromm, embsig, trew, gerecht,

Sucht nimmer hoch zu schweben,

Hält allzeit sich zu schwach,

Doch eilt die Ehr jhm nach

Vnd wil jhn gern erheben.


Vnd setzt er jhm was vor,

Er schlägt es an kein Thor,

Wird keinem sich entdecken,

Sein Hertz ist Kammern voll,

Hie weiß er, was er soll,

Vernünfftig zu verstecken.


In mittels nimmt er war

Der Zeiten immerdar,

Biß seine Stund ist kommen,

Die hat er dann in acht,

Vnd stellet fort mit macht,

Was er jhm fürgenommen,


Vnd hört darüber nicht,

Was Nachred vnd Gericht

Beginnt für tolle Sachen,

So eilt ein Wandrer fort,

Was Regen, Schnee vnd Nort

Ihm auch für Händel machen.


Lasst jhn den Alten seyn,

Stellt ewer Vrtheil ein,

Wer tadelt sonst sein Leben?

Wer ist auch überall,

Dem er in diesem Fall

Hat Rechenschafft zu geben?

Quelle:
Simon Dach: Gedichte, Band 1, Halle a.d.S. 1936, S. 223.
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