Die Gotenschlucht

[271] (Valle dei Goti.)


Wo die Lavaklippen ragen

An dem Fuße des Vesuvs,

Durch die Nachtluft hört man klagen

Töne tiefen Weherufs.
[271]

Und die Felsen hallen wider

Worte, stolz und ahnungsvoll, –

Fremde, wunderschöne Lieder

Eines Volks, das lang verscholl.


Hirte, Räuber nicht noch Bauer

Dringet in die Bergschlucht ein

Und es schwebt ein banger Schauer

Brütend ob dem dunkeln Stein.


Denn ein Fluch von großen Toten

Lastet auf dem Felsenring:

Und es ist das Volk der Goten,

Das hier glorreich unterging.

Quelle:
Felix Dahn: Gesammelte Werke. Band 5: Gedichte und Balladen, Leipzig 1912, S. 271-272.
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