Zweites Lied

[159] Wie sie schmettert die Kriegesdromete!

Wie sie lauten die Flöten und Hörner!

Wie die Trommel in's Gelaut' rollt!

Denn geklungen, geklungen hat Joseph's Schild.


Wie die Stahlsaat unendlich heranwallt!

Wie die Fahnen die Lüfte beströmen!

Wie das Roß braust! Wie der Huf schlägt!

Denn geklungen, geklungen hat Joseph's Schild.


Nicht der leichtere Schild, den der Gebieter hob,

Wenn in Tagen des Herbst's zu dem ergötzenden

Waffenspiele sein Heerzug

Auf die ruhende Flur erging.


Nein! sein erster, unerhobner,

Schwerer, ernster Mutherwecker,

Schlachtverkünder, gleich dem Monde

Mitten in Gewittern, hat geklungen.


Der König der blauen Geschwader

In blutigen Feldern ergrauet[160]

Hat Joseph ans Ufer der Elbe

Zum zornigen Strauße geladen.


Wie die Stirne der Starken sich einwölkt!

Wie das Aug' flammt! Wie der Fuß drängt!

Wie der Heerruf wildfreudig emporsteigt:

Zu der Elbe, zu der Elbe, zu der Elbe!


Stürm' in den Heerruf, mein Harfenspiel!

Und du, o mein Lied, der Tapferkeit heilig!

Begrüße, so wie sie zur Elbe vorbeiziehn,

Theresien's Krieger und Joseph's.


Dich grüßet das Lied, o du Kern des Heeres!

Schlachtentscheidendes Fußvolk!

Euch, Riesen im Volke, mit pelziger Hauptzier,

Den schönsten Gefahren bestimmt!


Dich auf dem höheren Gaule, du trotziger Mann

Mit eiserner Brust und spaltender Faust!

Dich, Reisiger eiliges Anfalls

Und leichterer Lenkung! euch grüßet das Lied.


Dich grüßet das Lied, o geflügelter Ungar![161]

Treuer Gefährte der Söhne von Teut!

So wie du mit wogiger Schneide

Den stäubenden Wiehrer hinanhängst!


Euch, die ihr auf rasselnden Donnerwagen

Der Erdegötter Stral und Knall führt,

Tiefenerschütterer, Heerevertilger,

Festenzerschmett'rer! euch grüßet das Lied!


Euch grüßet das Lied, Männer der Ehre!

Heldenbewohner Croatiens!

Gleich fertig den nervigen Arm

Zum Pfluge, zum Schwerte zu strecken!


Zwar ist er euch fremd der deutsche Gesang;

Doch hab't ihr auch Barden, und liebet das Lied.

Ich hab' euch behorcht. Es quoll euch herauf

Tieflangsam und fürchterlich ernst.


Fäuste des Todes! ihr ließt in friedlichen Hütten

Braut, Kinder und Aeltern. Die weineten nicht.

Sie wußten, ihr ziehet für ihren

Und euren Joseph zu bluten, zu siegen.
[162]

Männer, blickt um! Es weiß es auch Joseph. Er zeucht

Huldlächelnd hinter euch her.

Und du neige dich tief, Kriegesgesang!

Dem nahenden Herrscher im Heldengefolge.


Heil dir, o Erster der Menschen!

Du zückest zwar jetzo kein Lustschwert;

Doch du beleidigtest auch Friedrichen nicht.

Dein erstes im Ernste gezückt, Heil dir! ist Schutzschwert.


Tief neiget sich dir Spiel und Gesang,

Schützer der Rechte deiner Erzeugerinn!

Großmüthiger Dulder der Kriegesbeschwerden!

Vater des Heeres, dem Liebe zu dir Heldengeist einflammt!


Führ' es hinan dieß Heldenheer!

Pflanze die Stahlwand ans Ufer der Elbe!

Dann komme der Schwall der Krieger aus Norden,

Und breche sich nicht, und ströme sie weg!

Quelle:
Michael Denis: Auserlesene Gedichte, Passau 1824, S. 159-163.
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