Der Alte

[90] Nun steh ich über Grat und Kluft

In abendlichen Rosen

Und höre durch die klare Luft

Das Leben tief vertosen.


Ein Adler rauscht ins Tal hinab,

Wo meine Toten schlafen,

Was ich geliebt dort unten hab,

Weiß ich in sicherm Hafen.


Und bin nun über Leid und Zeit

Und meinen Sternen näher

Und schaue in die Ewigkeit,

Ein stillgemuter Späher.


Durch eine selige Bläue schwimmt

Ein Nachen da herüber,

Naht, neigt den schwanken Bord und nimmt

Sanft schaukelnd mich hinüber.


Quelle:
Gustav Falke: Ausgewählte Gedichte. Hamburg 1908, S. 90-91.
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