Der 29. Psalm

[834] Afferte Domino filij etc.


Zu vngewitters zeit:

Inn der weis des 21. Psalmen.


1.

Ir Gwaltige, pringt dem HERRN her,

pringt her dem HERREN stärk vnd Ehr,

pringt jm seins Namens Ehre!

Bettet im hailgen schmuck jn an,

dan er allain Gwalt zaigen kan,

vnd troz, der sie jm were!

Hört wie erschallt so vngestümm

auf den Wassern des HERREN stimm,

wie schallt es inn dem Thale,

das sie erschrecken alle!


2.

Der GOT der Ehren tonnert her,

der HERR auf grosen Wassern schwer

tritt her, auf finstern Wolken.

Das Mör verwickelt sich inn Wällen,

wais for angst nicht, wie sichs soll stellen,

fliecht hin vnd her mit bolgē.

Das macht, sein Stimm mit pracht herkracht,

des HERREN Stimm bezeugt sein macht,

wie er sein Feind erschrecke

vnd sein Völklin aufwecke.


3.

Des HERREN Stimm vnd herlich thon

pricht die Cedern im Libanon,

die hoch Bäum sie zerschmettert,

Macht hupfē den Berg Libanon

vnd lupft auf den Berg Sirion,

wan er so stark her wettert,

Das sie springen wie Kälber jung

vnd wie ain jungs Ainhorn im sprung,

die Berg sich for jm bigen,

das sie im Thal da ligen.[834]


4.

Des HERREN Red wie Feurflamm häut,

sein Stimm von sich feurflammen speit,

macht das d Wüsten erzittert,

Die Ainöd Kades drob erschrickt,

das halb Araberland erstickt,

wann es so stralt vnd wittert.

Des HERREN Stimm das Wild verfärt,

das for der zeit die Hindiu gbärt,

reißt die Felsen aus fügē,

die Wäld entplößt da ligen.


5.

Deshalben mus nun allszumal

was solches höret vberal

vnter vnd ob der Erden

Im pringen seines Namens Ehr,

vnn welche for erschraken sehr

müsen andächtig werden,

In preisen inn seim Tempel fast,

der aus dem Himel, seim Palast,

also kan sich erzaigen,

das sich alles mus naigen.


6.

Der HERR, so die Sündflut anricht,

sizt ewig zu gnad vnd gericht,

ewig er König pleibet:

Derselbig HERR von groser kraft

seim Volk auch kraft vnd trost verschaft,

das es sein Feind vertreibet:

Derselbig HERR von groser güt

wird sein Volk segnen auch mit frid,

das es vnghindert jme

stäts folg nach seiner stimme.


Quelle:
Philipp Wackernagel: Das deutsche Kirchenlied von der ältesten Zeit bis zu Anfang des XVII. Jahrhunderts, Leipzig 1874, S. 834-835.
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