11. Auf Herrn Damian Gläsers und Jungfrau Marien Reiminnen Hochzeit

[305] Will denn itzo nicht vergünnen

meine zarte Poesie[305]

eine Freude meinen Sinnen,

die sie vor versaget nie?

Schlägt denn mir mein Phöbus abe

eines schlechten Liedes Gabe?


Der ich itzt vor andern Allen

solte mitte frölich sein

und den Gästen zu Gefallen

etwas Lustigs stimmen ein,

bin, als wär' ich selbst nicht meine,

muß hier sitzen so alleine.


Klio, Klio, laß erbitten,

laß erbitten dich doch itzt,

zeige dich einmal in Gütten,

mache mir den Kopf erhitzt,

daß ich nur auf Lustgedichte

meine Faust und Feder richte!


Nein, es will mir nicht von Statten,

nicht nach meinem Wundsche gehn.

Ich muß hier im tiefen Schatten,

weit von Pindus Glanze stehn.

Nichts kan ich itzt lassen hören,

was die bunten Jungfern ehren.


Mir zwar hat das Glück' erwehret,

werter Bräutgam, werte Braut,

daß ich nicht zu euch gekehret

und die Freuden angeschaut;

eure süße Hochzeitfreuden

muß ich durch das Absein meiden,


Glücke, wehre! Doch dein Wehren

kan mir Alles wehren nicht.

Diß mein Hochzeitwundschverehren

alle Glückes Mißgunst bricht.

Dieses Lied, das soll den Willen

meiner Gegenwart erfüllen.


Nehmt es an, gepaarte Herzen!

Nehmt es als mich selbsten an,

der ich eure Liebeskerzen

besser nicht beschenken kan![306]

Der Gesang soll von mir zeugen,

daß ich euer bin zu eigen.


Braut, gedenket unterdessen,

daß an euch was Gläserns ist!

Bräutgam, tut auch nicht vergessen,

was ihr nun fort reimen müßt!

Daß ihr mögt nach kurzen Tagen

neue Reim' und Gläser tragen!


Quelle:
Paul Fleming: Deutsche Gedichte, Band 1 und 2, Stuttgart 1865, S. 305-307.
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