Einzug

[236] (7. Dezember 1864)


Wer kommt? wer? –

Fünf Regimenter von Düppel her.

Fünf Regimenter vom dritten Korps

Rücken durchs Brandenburger Tor;

Prinz Friedrich Karl, Wrangel, Manstein,

General Roeder, General Canstein,

Fünf Regimenter, vom Sundewitt

Rücken sie an in Schritt und Tritt.


Wer kommt? wer? –

Zuerst die Achter. A la bonne heure!

Die Achter; Hut ab, Sapperment,

Vor dem Yorkschen Leibregiment;

Schanze neun und Schanze drei

Waren keine Spielerei.

Hut ab und Hurra ohne End',

Allemal hoch das Leibregiment!


Wer kommt? wer? –

Hurra, die Vierundzwanziger.

Guten Tag, guten Tag und gehorsamster Diener!

Ei, das sind ja meine Ruppiner;

Flinke Kerle, ohne Flattusen,

Grüß' Gott dich, Görschen und Brockhusen![236]

Möchte manchen von euch umhalsen,

Düppel war gut, besser war Alsen –

's war keine Kunst, euch half ja die Fee,

Die Wasserfee vom Ruppiner See.


Wer kommt? wer? –

Hurra, die Vierundsechziger.

Hurra, die sind wieder breiter und stärker,

Das macht, es sind richtige Uckermärker,

Die sind schon mehr für Kolbe und Knüppel,

Conferatur Wester- und Oster-Düppel,

Verstehen sich übrigens auch auf Gewehre,

Siehe Fohlenkoppel und Arnkiel-Öre –

Fünfzig dänische Feuerschlünde

Können nichts gegen Prenzlau und Angermünde.


Wer kommt? wer? –

Füsiliere, Funfunddreißiger.

Hurra, das wirbelt und schreitet geschwinder,

Hurra, das sind Berliner Kinder!

Jeder, als ob er ein Gärtner wäre,

Trägt drei Sträußer auf seinem Gewehre.

Gärtner freilich, gegraben, geschanzt,

Dann sich selber eingepflanzt,

Eingepflanzt auf Schanze zwei –

Die flinken Berliner sind vorbei.


Wer kommt? wer? –

Hurra, unsre Sechziger.

Oberst von Hartmann, fest im Sitze,

Grüßt mit seiner Säbelspitze.

Hut ab und heraus die Tücher!

Das sind unsere Oderbrücher.

Keine Knattrer und bloße Verschluser,

Lauter Barnimer und Lebuser;

Fest ihr Tritt, frank und frei –

Major von Jena ist nicht mehr dabei.[237]


Wer kommt? wer? –

Artillerie und Ingenieur';

Elfte Ulanen, Zieten-Husaren,

Paukenwirbel und Fanfaren.

Halt! – Der ganze Waffenblitz

Präsentiert vor König Fritz.

Alles still, kein Pferdegeschnauf,

Zehntausend blicken zu ihm auf;

Der neigt sich leise und lüpft den Hut:

»Konzediere, es war gut.«


Quelle:
Theodor Fontane: Sämtliche Werke. Bd. 1–25, Band 20, München 1959–1975, S. 236-238.
Lizenz:
Kategorien:
Ausgewählte Ausgaben von
Gedichte (Ausgabe 1898)
Gedichte
Die schönsten Gedichte von Theodor Fontane
Werke, Schriften und Briefe, 20 Bde. in 4 Abt., Bd.5, Sämtliche Romane, Erzählungen, Gedichte, Nachgelassenes
Gedichte in einem Band
Herr von Ribbeck auf Ribbeck: Gedichte und Balladen (insel taschenbuch)

Buchempfehlung

Schnitzler, Arthur

Frau Beate und ihr Sohn

Frau Beate und ihr Sohn

Beate Heinold lebt seit dem Tode ihres Mannes allein mit ihrem Sohn Hugo in einer Villa am See und versucht, ihn vor möglichen erotischen Abenteuern abzuschirmen. Indes gibt sie selbst dem Werben des jungen Fritz, einem Schulfreund von Hugo, nach und verliert sich zwischen erotischen Wunschvorstellungen, Schuld- und Schamgefühlen.

64 Seiten, 5.80 Euro

Im Buch blättern
Ansehen bei Amazon

Buchempfehlung

Romantische Geschichten III. Sieben Erzählungen

Romantische Geschichten III. Sieben Erzählungen

Romantik! Das ist auch – aber eben nicht nur – eine Epoche. Wenn wir heute etwas romantisch finden oder nennen, schwingt darin die Sehnsucht und die Leidenschaft der jungen Autoren, die seit dem Ausklang des 18. Jahrhundert ihre Gefühlswelt gegen die von der Aufklärung geforderte Vernunft verteidigt haben. So sind vor 200 Jahren wundervolle Erzählungen entstanden. Sie handeln von der Suche nach einer verlorengegangenen Welt des Wunderbaren, sind melancholisch oder mythisch oder märchenhaft, jedenfalls aber romantisch - damals wie heute. Nach den erfolgreichen beiden ersten Bänden hat Michael Holzinger sieben weitere Meistererzählungen der Romantik zu einen dritten Band zusammengefasst.

456 Seiten, 16.80 Euro

Ansehen bei Amazon