Herbstmorgen

[10] Die Wolken ziehn, wie Trauergäste,

Den Mond still – abwärts zu geleiten;

Der Wind durchfegt die starren Äste,

Und sucht ein Blatt aus beßren Zeiten.


Schon flattern in der Luft die Raben,

Des Winters unheilvolle Boten;

Bald wird er tief in Schnee begraben

Die Erde, seinen großen Toten.


Ein Bach läuft hastig mir zur Seite,

Es bangt ihn vor des Eises Ketten;

Drum stürzt er fort und sucht das Weite,

Als könnt' ihm Flucht das Leben retten.


Da mocht' ich länger nicht inmitten

So todesnaher Öde weilen;

Es trieb mich fort, mit hast'gen Schritten

Dem flücht'gen Bache nachzueilen.


Quelle:
Theodor Fontane: Sämtliche Werke. Bd. 1–25, Band 20, München 1959–1975, S. 10.
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