In der Krankheit

[19] (Brief an E.)


Mein ganzes Zimmer riecht nach Wald,

Das machen die kienenen Tische,

Glaub mir, ich muß genesen bald

In dieser Harzesfrische.


Du bist noch kaum bei uns daheim

An unsres Kindes Bettchen,

Und sieh, schon sitzt ein muntrer Reim

Auf meinem Fensterbrettchen.


Er sitzt allda und schaut mich an

Wie auf dem Felde die Lerchen

Und singt: »Du hast ganz wohlgetan,

Dich still hier einzupferchen.


Steh nur früh auf und schweif umher

Und lache wie der Morgen,

So wird dies grüne Waldesmeer

Schon weiter für dich sorgen.


Und schiedst du doch zu dieser Frist,

So tu es ohne Trauern,

Das Leben, weil so schön es ist,

Kann es nicht ewig dauern.«
[19]

Quelle:
Theodor Fontane: Sämtliche Werke. Bd. 1–25, Band 20, München 1959–1975, S. 19-20.
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