1800

[120] 20/5674a.

An Franz Kirms

Fräulein von Winkel hat höchsten Ortes die Erlaubniß erhalten, künftigen Donnerstag ein Conzert zu geben, wobey derselben die Assistenz der Herzoglichen Capelle nicht zu versagen ist. 1.) Der Conzertmeister [121] wäre also bey Zeiten davon zu benachrichtigen, um sich mit ihr zu besprechen, wie denn auch das Arrangement zu treffen wäre, daß die Conzert-Proben unsern Opern-Proben nicht in Wege stünden.

2.) Nicht weniger würde es ganz schicklich seyn, einer so vorzüglichen Künstlerin, während ihres hiesigen Aufenthalts, bey jeder Vorstellung zwey Billets auf die Loge für sie und ihre Mutter zu senden.

Weimar den 8. Januar 1809.

G.


[276] 20/5675.

An Johann Friedrich Rochlitz

Ew. Wohlgebornen

erhalten abermals einen Brief von mir, mit Bitte um eine kleine Gefälligkeit.

Ein junger Mensch, Fr. Wessel bey der Dessauer Bühne, die sich gegenwärtig in Leipzig befindet, hat[277] sich hier gemeldet und will in jugendlichen seriosen Baßpartien auch komischen Rollen etwas leisten, so wie auch im Schauspiel nicht ganz unnütz seyn. Dürfte ich Ew. W. ersuchen mir etwas über ihn zu sagen, besonders wie es mit seiner Stimme und seinem Gesang beschaffen ist; doch ohne Jemand deshalb etwas merken zu lassen.

Schon aus diesem Auftrag ersehen Sie, daß ich wieder bey unserm Theater einzugreifen bin veranlaßt worden. Ihre Antigone wird ausgeschrieben und wahrscheinlich noch im Januar gegeben. Verzeihung, wenn ich heute nicht mehr sage.

Weimar den 9. Januar 1809.

Goethe.


20/5676.

An Carl Cäsar von Leonhard

Weimar, den 9. Januar 1809.

Ich danke Ihnen auf das Beste für den dritten Jahrgang des Taschenbuches. Er hat mich einige Stunden sehr belehrt und unterhalten. Dabey ist er dazu geeignet, das ganze Jahr über immer zur Hand zu seyn, weil man sein Reichhaltiges sobald nicht erschöpfen möchte.

Habe ich noch nicht ausdrücklich gedankt, daß, die Wetterauische Gesellschaft mich zur Theilnahme an ihren Arbeiten hat, so bitte ich um Verzeihung. Haben Sie die Güte, mir von Zeit zu Zeit [278] in Erinnerung zu bringen, womit ich gefällig seyn könnte.

Glückt es mir diesen Sommer, so verfehle ich nicht, auf eine oder die andere Art, Beyträge für das Taschenbuch zur rechten Zeit zu übersenden. Mögen Sie mich gelegentlich von Ihren Absichten näher unterrichten, so werde ich sehr gern mitzuwirken suchen.

Der ich mich zu geneigtem Andenken empfehle und recht wohl zu leben wünsche.


[121] 20/5676a.

An die Hoftheater-Commission

Es ist wohl keiner Frage unterworfen, daß Herzogliche Theater Commission sich der in der letzten Zeit sehr ausgearteten Redouten anzunehmen Ursache habe, und solche wieder emporzubringen. Denn sie befördert dadurch das allgemeine Vergnügen und ihnen eigenen Vortheil. Das letzte besonders indem sie den Werth des Abonnements erhöht als mit welchem die freye Entree auf die Redoute verbunden ist, und zugleich den Stadtrath in den Stand setzt, den schuldigen Pacht abzutragen. Unterzeichneter hat, auf Veranlassung mehrerer werther Personen, über die Sache nachgedacht und legt Gegenwärtiges zu gemeinsamer Berathung vor.

Der Verfall der Redouten schreibt sich von der Zeit her, da der Hof sie nicht mehr besuchte. Hierauf zog sich der Adel und nach alle Personen [122] von gewissen Anstande zurück, und sie sind gegenwärtig entweder leer oder nicht von der besten Gesellschaft besucht. Diese öffentliche Lustbarkeit wieder zu heben, geschehen folgende Vorschläge, welche sehr schicklich zum 30 Januar oder zu der für Serenissimae Geburtstag bestimmten Redoute könnten in Ausführung gebracht werden.

1.) Man suchte bey Hofe nach, daß wenn man sich auch nicht schmeicheln dürfte die höchsten Herrschaften selbst zu sehen, doch einige Repräsentanten abgesendet würden, etwa in den Personen des Herrn Geheimenrath von Einsiedel und Cammerherrn von Spiegel. Wären noch einige Damen dabey, so würde es noch wirksamer werden.

2.) Die Vorhänge der Estrade würden eröffnet und Personen von Stande, sowie von der vorzüglichen bürgerlichen Classe stünde frey sich daselbst aufzuhalten, eine Partie zu spielen und sonst zu conversiren. Wünschenswerth wäre, daß auch ein Hoffourier oder sonstige Dienstperson sich gegenwärtig befände um von seiner Seite das Anständige einzuleiten.

3.) Niemand könnte in seiner gewöhnlichen Kleidung hinaufgehen, sondern müßte, wenn er nicht eine gefällige Charactermaske wählen wollte, in schwarzem Mantel oder Domino erscheinen.

4.) Keine Drahtaugen würden erlaubt, sondern wenigstens schwarze Masken gefordert.

[123] 5.) In Stiefeln könnte niemand tanzen.

6.) Für Vortänzer müßte gesorgt werden; so wie

7.) für eine Art von Vorsteher und Aufseher, dergleichen bey den Ressourcenbällen sich finden.

8.) Eine Anzeige im Wochenblatt wäre deshalb bey Zeiten zu besorgen, wodurch denn auch

9.) Dienstboten und Personen von zweydeutigem Ruf Auszuschließen wären.


Kommen obige Einrichtungen zu Stande, so hat eine Gesellschaft sich verbunden an dem Tage auf die Redoute zu gehen, durch geistreiche Aufzüge, kleine Gedichte und andere anständige Unterhaltungen den Tag zu feyern; wobey denn eben obige Repräsentanten des Hofs wünschenswerth wären, um im Namen gnädigster Herrschaft diese wohlgemeynten Huldigungen anzunehmen.

Weimar d. 10 Jan. 1809.

Goethe.


[278] 20/5677.

An Charlotte von Stein

Gern hätte ich Ihnen, verehrte Freundinn, dieser Tage aufgewartet, um manches zu erzählen und zu bereden. Es geht mir aber nicht sonderlich und ich habe Ursache mich sehr in Acht zu nehmen.

Gegenwärtiges erlasse ich, um einen Vorschlag zu einer Mittwochs-Unterhaltung zu thun. Ein nordischer gelehrter Antiquarius, mit Namen Arendt, befindet sich hier, der aber nicht mit jenem moralisch politischen Arendt zu verwechseln ist. Der gegenwärtige hat ein unscheinbares, ärmliches äußeres Ansehen; doch ist er nicht unangenehm, vielmehr wenn man seine Originalität einmal zugiebt, ganz erfreulich. Sein Wesen und Wissen erinnert an Büttner und Beyreis, ob er gleich ihr Alter noch nicht erreicht hat. Er ist 1773. in Altona geboren, verdankt seine literarische Cultur [279] dem dortigen Gymnasium, von welchem er erst 1794 abging und im Jahr 96 nach Paris und der Lombardey reiste, um dort Reste der, durch frühere Wanderungen und Schicksale hinverpflanzten, nordischen Alterthümer auszusuchen. Im Jahre 97 ging er von Copenhagen zu Schiff nach Finnmarken und landete bey Hammerfest unter dem 71sten Grad nordischer Breite. Zehn Jahre brachte er in Norwegen und Schweden zu, studirte die Runen, copirte und ordnete sie und bemühte sich überhaupt um eine genaue Kenntniß der alten nordischen, besonders isländischen, Cultur und Literatur. Ihn beschäftigte die scandinavische Sprachlehre so wie die beiden Edden. Nachher hielt er sich in Mecklenburg und Pommern, wegen der wendischen Alterthümer auf, besuchte in der Gegend von Neubrandenburg die Stelle, wo Rethra, ein Hauptort eines alten Völkerstammes, gestanden haben soll, und wo man früher merkwürdige, halbgeschmolzene, eherne, größere und kleinere Götterbilder gefunden hatte. 1808 ging er zum zweyten Mal nach Paris und erneuerte seine Bekanntschaften.

Gegenwärtig kommt er von Bremen und hat einige interessante Alterthümer und Manuscripte bey sich.

Wäre es Durchlaucht der Herzoginn nicht ungefällig, so würde ich ihn Mittwoch vorführen, und die Unterhaltung so zu leiten suchen, daß er 1) von seinen Reisen erzählte, 2) von der isländischen Cultur des 11. und 12. Jahrhunderts einen Kurzen Vortrag [280] thäte, 3) von dem was uns daher übrig geblieben ist, Nachricht gäbe und Einiges vorzeigte. Sein ärmliches Äußere verschwindet dem Blicke gar bald, wenn man seinem bestimmten, lebhaften und heitern Vortrage zuhört. Ich erbitte mir bald eine gefällige Antwort, um mit ihm einige Einleitung treffen zu können.

Weimar den 16. Januar 1809.

Goethe.


20/5678.

An Marianne von Eybenberg

Es ziemt sich, theure Freundin, nun keine weitere Saumniß, und Sie müssen sogleich den lebhaftesten Dank empfangen. Die zierlichen, nickenden, bückenden und salutirenden kleinen Geschöpfe sind glücklich angekommen, und haben nicht allein mir, sondern ganzen Gesellschaften, in denen ich sie producirt, viel Vergnügen gemacht. Ihnen folgten die Fasanen, durch die starke Kälte wohl erhalten und mit Freuden sogleich vergnüglich verzehrt. Seyn Sie für alles das Gute und Artige zum allerschönsten gegrüßt und fügen Sie die Gefälligkeit hinzu, Ihren hohen schönen Freundinnen für das unschätzbare Andenken den besten Dank zu sagen. Gedenken Sie meiner, wenn Sie zusammen sind und glauben Sie, wenn ich mich wieder nach Carlsbad sehne, so ist es nicht zum kleinsten Theil, weil ich hoffen kann, Ihnen wieder näher zu kommen.

[281] Hoffentlich wird Ihre Gegenwart mich wieder zu manchem Guten befeuern: denn leider hab ich seit meinem Hierseyn doch auch gar nichts hervorgebracht. Ja ich kann fast sagen, seit den letzten Kapiteln jenes Romans, die ich so geschwind zusammen schrieb, um Ihnen keinen fragmentarischen Eindruck zu hinterlassen, ist mir fast gar nichts gelungen, was denn auch wohl sehr natürlich ist, weil ich fast gar nichts unternommen habe.

Von meinem Thun und Lassen kann ich daher wenig melden; es verdrießt mich zu sagen, daß dabey nichts geschieht, was sich jemals auf Sie beziehen, Ihnen einiges Vergnügen machen könnte. Wenn sich das Frühjahr nähert, so sagen Sie mir doch etwas von Ihren Planen; da Sie in Prag überwintern, so werden Sie wohl von Töplitz und Carlsbad im Sommer nicht entfernt bleiben. Ich für meine Person kann den May kaum erwarten, um mich zu den Füßen der vielen Kreuzfelsen zu begeben und daselbst mein altes Sommerleben fortzusetzen. Mögen sich Alles so fügen, daß wir uns dort wiedersehen.

Daß Ihre angenehme Societät mitunter tyranisiert wird, bedaure ich von Herzen; doch sind die Frauen immer ein wenig selbst Schuld, wenn die Männer sich zu viel herausnehmen. Man muß dem Männergeschlecht wohl Recht geben, aber nicht Recht lassen. Doch will ich mit solchen machiavellischen [282] Maximen mir nicht selbst das Spiel verderben, um so weniger, als ich jedes Mal, wenn wir uns wieder sehen, auf Ihre Nachsicht allzu sehr rechnen muß. Leben Sie recht wohl, beste Freundin! So oft ich die artigen Figürchen nicken lasse, so oft gedenk' ich Ihrer Anmuth. Gedenken Sie meiner und lassen Sie mich auf ein diesjähriges frohes Wiedersehen hoffen.

Weimar den 16. Januar 1809.

Goethe.


20/5679.

An Charlotte von Stein

[17. Januar.]

Mögen Sie, theure Freundinn, beykommendes an Durchl. die Herzoginn befördern. Ich hoffe es soll dieser wunderliche Mann in mehr als einem Sinne eine angenehme und lehrreiche Unterhaltung verschaffen. In Hoffnung Sie bald zu sehen.

G.


20/5680.

An Carl Adolph Schultze

Ew. Wohlgeboren

mache auf folgendes aufmerksam.

Wenn man Gesetze giebt, so ist wohlgethan, auch zu sorgen, daß sie befolgt werden können. Wir haben verordnet, daß Niemand ohne Gesichtsmaske und ohne [283] irgend ein außerordentliches Überkleid auf die Redoute gehen solle. Nun wär' es möglich, daß Fremde, vielleicht auch Franzosen von Erfurt herüberkämen, welche diese Anordnung nicht so genau beobachteten und vielleicht ohne Maske und Tabarro anlangten. Mein Vorschlag wäre dahero, Sie beredeten mit irgend einem Handelsmann, daß er in einer Ecke hinter den Säulen einen kleinen Laden aufschlüge, wo man Gesichtsmasken, Handschuhe, Tabarros, oder sonstige Überwürfe haben könnte. Wären noch andre Kleinigkeiten als wohlriechende Wasser und dergleichen dabey; so wäre es noch besser und artiger. Für den der es unternimmt ist kein Aufwand, vielleicht einiger Vortheil: denn warum sollte nicht mancher, wenn die Gelegenheit einmal da ist, auch wohl irgend einer artigen Tänzerinn ein kleines Geschenk machen. Drängen sich doch Handelsleute zu allen Kirchweihen und öffentlichen Zusammenkünften. Gut wär' es alsdann, wenn eine solche Anstalt bey jeder Redoute sich oben befände.

Weimar den 20. Januar 1809.


20/5681.

An Silvie von Ziegesar

Von Tag zu Tag, liebste Silvie, hat man mich auf die Seegeschöpfe vertröstet, die Sie zu einem so frommen Gebrauch verlangten, es sind aber deren bis [284] jetzt noch keine angekommen, das mir sehr leid thut; denn zeigt sich bey einem Krancken nur einiges Gelüst, kann man ihm nur einige Erquickung verschaffen; so ist es schon ein großer Trost und wenigstens augenblickliche Beruhigung. Ich fehle gewiß nicht, sobald sie ankommen davon zu senden.

Ihren Herrn Vater unsre gute Loder habe ich diese Zeit gesehen, leider konnten sie mir von Ihnen und der theuren Mutter nichts erfreuliches melden. Wie sehr bedaure ich einen so peinlichen, hoffnungslosen Zustand. Auch Sie, liebste Silvie nehmen mehr als jemand Theil und ich weis nur zu gut wie Sie durch eine eingebohrene Sympatie von den mütterlichen Übeln ergriffen werden. Mögte doch Ihre Jugend und gute Complexion solchen leider nur zu oft wiederholten Angriffen widerstehen. Sagen Sie mir von Zeit zu Zeit ein Wort, auch Ihre Klagen thun mir wohl weil ich weis daß Sie Sich dadurch erleichtert fühlen. Mir geht es ganz gut, meine Gesundheit hält sich, meine Geschäfte ziehen wieder ihren alten Gang, Societät und manche fremde Erscheinung geben manche Unterhaltung. Möchten Sie doch Theil daran nehmen können.

d. 22. Jan. 1809.

G.


[285] 20/5682.

An Johann Friedrich Rochlitz

Ew. Wohlgebornen

bin ich höchlich dankbar für die ausführliche Nachricht den Schauspieler und Sänger Wessel betreffend. Wie lehrreich müßte es seyn, mehrere Theaterglieder so recensirt zu sehen! Ja, wie sehr wäre es zu wünschen, daß man werdenden Schauspielern solche klare Spiegel vorhalten könnte; freylich vorausgesetzt, daß sie einen so deutlichen Anblick ihrer selbst ertrügen. Erinnern Sie sich eines Weidners bey der Dresdner Gesellschaft, der mir von einem Reisenden, als Chorführer in der Braut von Messina sehr gelobt worden, so sagen Sie mir ja auch wohl ein Wort über ihn.

Für die Besorgung der Bände gleichfalls meinen aufrichtigen und lebhaften Dank. Hierbey einen Brief an Herrn Hofrath Kapp. Der Geldbetrag folgt mit der fahrenden Post. Heute nichts weiter als meine Besten Wünsche.

Antigone ist auf den 30. angesetzt. Leider füllt sie nicht den ganzen Abend und ich muß eine kleine Operette hinterher geben. Bis jetzt weiß und vermuthet noch Niemand den Autor.

Weimar den 22. Januar 1809.

Goethe.


[286] 20/5683.

An Anton Friedrich Justus Thibaut

[Concept.]

[22. Januar.]

P. P.

Ew. Wohlgeboren erhalten meinen verspäteten aber aufrichtigen und lebhaften Dank für die gütige und freundschaftliche Behandlung der Meinigen. Sie haben meinem Sohn in einer bedenklichen Krankheit Sorgfalt und Hülfe zugewendet und auf die liebreichste Weise die Stelle der Eltern vertreten, und ihm dadurch sowohl als uns eine bleibende Verbindlichkeit aufgelegt. Sie haben meiner Frau dadurch eine liebevolle Aufnahme und manche verschaffte Gelegenheit, die Heidelbergische Gesellschaft so wie die örtlichen Umgebungen zu genießen, eine heitre Erinnerung für das ganze Leben verschafft, indem sie sich nun ihren Sohn in einer angenehmen und sichern Lage denken und mir ihre Empfindung und Überzeugung davon mittheilen kann.

Was die Studien des jungen Mannes betrifft, so werden Sie mich höchlich verpflichten, wenn Sie solche nach Maßgabe seines Talents und Fleißes auch in der Folge dirigiren wollen. Wenn er die Zeit gut an wendet, die er den Studien zu widmen hat; so will ich sie ihm eher verlängern als verkürzen. Je älter man wird, je mehr fühlt man die Kürze der Jahre und sie sind doch auch für die Jugend nicht [287] länger als für das Alter. So bin ich z.B. das Wiederhören der Pandecten betreffend gleichfalls der Überzeugung, daß eine Pause dazwischen zu setzen sey. Ein junger Mann der ein solches bedeutendes Collegium zum zweytenmal hört, muß eigentlich mit Zufriedenheit empfinden, daß er indessen gewachsen ist, und daß er das was ihm vorher Mühe und Beschwerde verursachte, nunmehr mit Leichtigkeit behandelt.

Wegen der landsmannschaftlichen Verhältnisse hat er mir früher geschrieben und ich bin ganz wohl zufrieden damit. Verbindungen sucht sich der Mensch auf eine oder die andre Weise, da er nicht allein stehen kann, und er muß früher oder später lernen sich in Verhältnisse finden, sich ihrer Vortheile zu bedienen, ihre Unbequemlichkeiten zu tragen, oder ihnen auszuweichen. Auch hierüber bin ich um so beruhigter als ich weiß daß Ew. Wohlgeb. über diesen Punckt auf ähnliche Weise dencken.

Unter allen Planen und Wünschen die mir jetzo vorschweben, ist der wohl der angelegentlichste, daß es mir gegönnt seyn möchte, Ihnen und Ihrer Frau Gemahlinn meinen Dank persönlich abzutragen, und meine kleine Familie um Ihr Pianoforte versammelt zu sehen.

Der ich die Ehre habe mich mir besonderer Hochachtung zu unterzeichnen.


[288] 20/5684.

An Christian Erhard Kapp

[Concept.]

[23. Januar.]

Wenn ich Ew. Wohlgebornen die wunderlichen Begebenheiten erzählen könnte, welche sich dazwischen geschoben, so daß Sie gegenwärtig erst durch die Gefälligkeit des Herrn Rath Rochlitz ein Ihnen so lange bestimmtes Exemplar meiner Werke erhalten; so würden Sie daraus abnehmen, daß meine Dankbarkeit zwar immer thätig, doch in ihren Äußerungen nicht glücklich gewesen.

Ist in diesen wenigen Bänden etwas enthalten, das den Wunsch erregen kann einiges Ähnliche zu Tage gefördert zu sehen; so ist es Ihre Kunst allein durch die er befriedigt wird: denn sie hat mir ein Daseyn wiedergegeben, an dem ich schon verzweifelte, und so viel Behagen als nöthig ist, um nicht ganz ungleich voriger Zeiten meine Thätigkeit zu üben. Gedenken Sie, wenn Sie diese Bände auf Ihrem Repositorium stehen sehen, wenn Sie einen und den andern in die Hand nehmen, eines sehr dankbaren und verbundenen Freundes.

Mit Vergnügen kann ich melden, daß ich die trüben und kurzen Tage ganz leidlich überstanden habe, daß ich mich zwar mit besonderer Mäßigung und Vorsicht, aber doch ganz bequem in einem gewissen Gleichgewicht halte und so das Frühjahr zu erreichen[289] hoffe. Meine Frau vereinigt ihren Dank mit dem meinigen und wir beyde hoffen die Erlaubniß zu haben wegen dessen, was für uns im Sommer das räthlichste seyn möchte, in einigen Monaten zutraulich anzufragen.


20/5685.

An Marie Anna Louise Nicolovius

[27. Januar.]

Ihr freundlicher Brief, liebe Nichte, liegt schon wieder zu lange bey mir, ohne daß ich ihn beantwortet hätte. Ich bin überhaupt kein fleißiger Correspondent, aber zwischen uns ist es das Schlimme, daß wir uns nie oder wenigstens so lange nicht gesehen haben; denn in der Persönlichkeit liegt doch eigentlich der wahren Grund menschlicher Verhältnisse. Freylich habe ich von Ihnen Liebes und Gutes genug vernommen, und wenn wir je zusammenträfen, würden Sie finden, daß mit dem Oheim auch ganz leidlich auszukommen ist. Haben Sie indessen recht vielen Dank für die Schilderung Ihrer lieben Familie, deren Verminderung ich herzlich bedaure. Unsere gute Mutter hat uns noch immer zu früh verlassen; doch können wir uns dadurch beruhigen, daß sie ein heiteres Alter gelebt und daß sie sich durch den Drang der Zeiten sicher und selbstständig durchgehalten hat. Ich danke Ihnen und Ihrem lieben Gatten, daß Sie durch Ihr Schreiben ein neues Band anknüpfen wollen, indem[290] sich das alte auflöst... Meine Frau grüßt herzlich und wünscht mit mir, Sie Beyde einmal zu sehen, welches jetzt eher möglich und wahrscheinlich wird, da Sie uns um so vieles näher kommen. Mög' aus dieser Veränderung des Wohnorts und der äußern Verhältnisse alles Gute entspringen... Sagen Sie Ihrem lieben Gatten, für den ich kein besonders Blatt einlege, daß auch ich jenem Mann, dem er seine Bildung verdankt, gar manches, zwar nicht unmittelbar doch durch die Vermittelung unsers trefflichen Herder's schuldig geworden sey, und daß sein Andenken bey allen denen immer lebendig bleibt, die aufrichtig anerkennen, welchen großen Antheil an deutscher Cultur jene Männer gehabt, die in der zweyten Hälfte des vorigen Jahrhunderts in Königsberg zusammenlebten und wirkten... In Berlin treffen Sie einen meiner werthesten Freunde Herrn von Humboldt und treten mit ihm, soviel ich weiß, in ein näheres Verhältniß. Es freut mich für Beyde: denn in der gegenwärtigen Lage der Hauptstadt sowohl als des Staats ist die Mitwirkung einsichtsvoller und aufrichtiger Männer höchst wünschenswerth. Kommen Sie in Berlin an, so lassen Sie es uns erfahren. Verzeihen Sie, daß ich durch eine fremde Hand schreibe. Es ist einmal eine eingewurzelte Unart, daß meine Hand zum schreiben faul und unentschlossen geworden, und meine Freunde haben mich durch ihre Nachsicht verwöhnt. Grüßen Sie die Ihrigen herzlich. Von [291] meinem Sohn in Heidelberg habe ich gute Nachricht.

Gedenken Sie unser in Liebe.


20/5686.

An Christian Gottlob Voigt

Da ich weiß, daß Ew. Excellenz es mit einem eingefrornen und eingeeisten Freunde nicht so genau nehmen und ihm sein Stillschweigen verzeihen, so trete ich um desto zutraulicher an einem äußerlich und innerlich heitren Tage, aufgethaut wieder hervor und erkundige mich nach Ihrem theuern Befinden. Zugleich folgt die Abhandlung über den Kaiserlichen Liebling zurück. Sie hat mir viel Vergnügen gemacht. Dergleichen Monographien sind sehr schätzenswerth, indem sie das Zerstreute in einen engen Raum zusammenbringen. Ich kenne die meisten der angezeigten Monumente theils in Original, theils in Abgüssen und man betrachtet immer mit Vergnügen und Bewunderung was die Zeit Hadrians hervorgebracht. Freylich mußte es ein solch entschiedener Liebhaber des Schönen seyn, der die Kunst in ihrem mächtigen Sinken aufhalten und wieder einen Augenblick erheben wollte.

Einige Notamina aus dem kleinen Geschäftskreise, in dem ich wirke, bin ich nächstens so frey vorzutragen und hoffe Sie heute Mittag bey Hofe zu begrüßen.

Weimar den 29. Januar 1809.

Goethe.


[292] 20/5687.

An Johann Friedrich Rochlitz

Ew. Wohlgebornen

erhalten hierbey die 9 Thaler Sächs. Sollte noch irgend eine Auslage sich nöthig gemacht haben, so bitte mir es zu melden.

Von Antigone habe ich die Leseprobe und eine Theaterprobe gehört. Sie wird gut gesprochen und anständig gespielt. Mir macht es sehr große Freude diesen herrlichen Sophocleischen Schatz in einer Art von Auszug zu sehen und zu vernehmen. Heute Abend ist Hauptprobe; morgen Aufführung. Das was wir in unsern Tagen Effect nennen kann das Stück nicht machen; aber ich glaube doch es wird sich in den Kreis der ruhig edlen Darstellungen, die wir von Zeit zu Zeit vortragen, mit einschließen und sich erhalten. Mehreres nächstens.

Weimar den 29. Januar 1809.

Goethe.


20/5688.

An Johann Friedrich Rochlitz

Weimar den 1. Februar 1809.

Nur mit Wenigem sage ich, daß Antigone Montag den 30. glücklich aufgeführt worden. Der Effect war, den ich voraussah. Das Stück hinterließ einen sehr angenehmen erfreulichen Eindruck. Jedermann [293] war zufrieden und halb erstaunt, indem man von dieser Klarheit und Einfalt kaum etwas kennt. Die verständliche Sprache brachte hierbey den größten Vortheil. Die Schauspieler haben durchaus deutlich und richtig gesprochen, manche vortrefflich durchaus, wo man Madam Wolff als Antigone und ihren Gatten als ersten Chorführer zu rühmen hat, andere theilweise sehr gut, und wie gesagt, man konnte überhaupt völlig zufrieden seyn. Heute wird es wieder gegeben und ich hoffe das Stück soll sich immer mehr bey dem Zuschauer einschmeicheln. Über Ihre Behandlung selbst wüßte ich auch nur Gutes zu sagen; daß sie zweckmäßig sey, hat die Ausführung bewiesen. Etwas von der angegebenen Musik habe ich weggelassen, damit Recitation und Declamation nicht gestört werden. Was ich hie und da geändert, ist nicht der Rede werth. Herr Unzelmann ist nicht zu vergessen, dem ich den Krieger im Anfange und den Boten zuletzt zugleich aufgetragen: er hat trefflich erzählt. Also nur soviel für diesmal mit einem Dank. Wer der Verfasser sey ist bis jetzt ein Halbgeheimniß geblieben.

Goethe.


20/5689.

An August von Goethe

Du hast von mir, mein lieber August, lange nichts gehört. Indessen wirst du von deiner Mutter verschiedenes vernommen und nun auch die 50 Thaler [294] erhalten haben, die du verlangtest. Mache damit deine Haushaltung rein; ich will dir künftig vierteljährlich von hier aus 25 Thaler schicken. Siehe zu, wie du Haus hältst.

Ich habe vor einiger Zeit an Herrn Hofrath Thibaut geschrieben und ihm gedankt, daß er sich deiner guten und bösen Tagen so treulich annehmen wollen. Halte dich ja an diesen trefflichen Mann und Lehrer, so wird dir in jedem Falle geholfen seyn. Auch alle übrigen Freunde grüße schönstens und suche sobald als möglich kleine Misverständnisse die vorkommen, wieder ins Gleiche zu bringen. Schreibe mir von Zeit zu Zeit; besonders auch sage mir, wie es denn mit den Pandecten geht.

An Herrn Hofrath Thibaut habe ich schon geschrieben, daß du künftigen Sommer die Pandecten nicht wieder zu hören brauchst. Es ist besser daß einige Zeit verstreicht, ehe man sich wieder zu einer so wichtigen Arbeit kehrt. Indessen erholt sich der Geist, bildet sich an andern Gegenständen und kommt frischer und getroster auf die vorige Stelle zurück.

Mutter und Freunde werden dir umständlich Nachricht von der letzten Redoute gegeben haben. Soviel kann ich dir versichern, daß deiner oft gedacht worden ist und daß man dich mehr als einmal herbeygewünscht hat.

Schreibe mir doch auch etwas von der Witterung. Wir haben in der Nacht vom 30. auf den 31. einen [295] gewaltigen Sturm gehabt. Hat sich etwas Ähnliches etwa bey euch eingefunden? Leider hat diese himmlische Gewalt auch uns einen Schaden gethan, der dich betrüben wird. Der alte Wacholderbaum im untern Garten ist umgestürtzt worden. Wir haben ihn gestern gemessen: er hat die Höhe von 43 Fuß erreicht. Das brauchbare Holz davon will ich ausschneiden lassen, damit wir sein Andenken in irgend einem Hausrath bewahren. Eine nähere Beschreibung dieses merkwürdigen Baumes und wie wir ihn bey seiner Section gefunden haben, steht zu Diensten, wenn du irgend einen botanischen Freund hast, den sie interessieren kann. Aus dem obern Theile, etwa 35 Fuß über der Erde, will ich einige Dosen drehen lassen und eine an Blumenbach schicken dem so etwas Spaß macht.

Und so will ich für dießmal schließen und dir wohl zu leben wünschen.

Weimar den 5. Februar 1809.

G.


20/5690.

An Nikolaus Meyer

Weimar den 10. Febr. 1809.

Ew. Wohlgeboren

haben uns gleich nach Ihrer Zurückkunft mit der Nachricht erfreut, daß Ihre Reise glücklich vollbracht worden, und daß es sich mit Ihrer Gesundheit wieder zum Bessern anlasse. Sie haben uns die schmackhaftesten [296] Fische geschickt, wofür wir zum allerschönsten zu danken haben.

Hinter den Fischen erschien ein anderes scandinavisches und obotritisches Wundergeschöpf, das uns, ob wir gleich darauf vorbereitet waren, in Erstaunen setzte. Wir nahmen den Mann und seine Runen freundlich auf, und geben ihm Gelegenheit seine Verdienste bekannt zu machen und Theilnahme zu erregen. Aber gar bald zeigte sich, daß seine etwas starre Natur und sein eigensinniges Wesen in der Weimarischen Welt nicht gedeihen könne. Aufrichtig zu sprechen, so ist der Ort beydes zu klein und zu gebildet, als daß die Anmaßungen einer Originalität Glück finden könnten. Auch fing der Mann bald an, sich zurückzuziehen, und ist vor einigen Tagen ohne Abschied verschwunden. Mehr sage ich heute nicht und hoffe meine Frau wird etwas von unsern Redouten-Herrlichkeiten melden. Empfehlen Sie mich der lieben Ihrigen und lassen uns bald von sich hören.

Goethe.


20/5691.

An Carl Friedrich Zelter

Sie erhalten, theurer Freund, durch Herrn Eberwein, der von hier abgeht, nur ein kurzes Wort des Grußes, indem er mich, nachdem er lange genug gezaudert, um einen Brief an Sie gerade in einer Stunde mahnt, in der ich meine Gedanken nicht beysammen habe. Nehmen Sie ihn gütig auf und helfen Sie [297] ihm durch Rath, Lehre und Beyspiel weiter fort. Wird auch in den Schülern nicht hervorgebracht was wir wünschen, so werden wir sie ja doch nicht los, und es bleibt uns nichts übrig als uns mit Resignation auch auf diese unvollkommne Weise fortzupflanzen. Ich arbeite an gar manchem das auch Ihnen dereinst Freude machen wird. Deshalb verzeihen Sie mir mein Schweigen und lassen mir gelegentlich einmal wieder etwas von sich hören.

Weimar den 16. Februar 1809.

G.


20/5692.

An Heinrich Carl Abraham Eichstädt

Ew. Wohlgeboren

haben die Gefälligkeit von beygehenden Avertissements wenigstens auszugsweise einigen Gebrauch in Ihrem Intelligenzblatt zu machen. Die Steinbrücke nach Dürerischen Handzeichnungen sind nun complet in meinen Händen und es soll bald ein Nachtrag zu jener Recension, die unsern münchner Freunden große Freude gemacht hat, bey Ihnen eintreffen. Man kann beynahe von dieser letzten Sendung noch mehr Gutes, als von der ersten sagen, und wie glücklich fühlt man sich, wenn man einmal mit Grund etwas aus dem Grunde loben kann!

Mich zu geneigtem Andenken empfehlend

Weimar den 22. Februar 1809.

Goethe.


[298] 20/5693.

An Bettina Brentano

Du bist sehr liebenswürdig, gute Bettina, daß du dem schweigenden Freunde immer einmal wieder ein lebendig Wort zusprichst, ihm von deinen Zuständen, und von den Localitäten in denen du umherwandelst einige Nachricht giebst, ich vernehme gern wie dir zu Muthe ist und meine Einbildungskraft folgt dir mit Vergnügen sowohl auf die Bergeshöhen, als in die enge Schloß und Klosterhöfe. Gedencke meiner auch bei den Eydexen und Salamandern.

Eine Dancksagung meiner Frau wird bey dir schon eingelaufen seyn, deine unerwartete Sendung hat unglaubliche Freude gemacht und ist jede einzelne Gabe gehörig bewundert und hochgeschätzt worden. Nun muß ich auch schnell für die mehreren Briefe dancken die du mir geschrieben hast und die mich in meiner Carlsbader Einsamkeit angenehm überraschten und unterhielten. Damals schickte ich ein Blättchen an dich meiner Mutter, ich weiß nicht ob du es erhalten hast. Diese Gute ist nun von uns gegangen und ich begreife wohl wie Franckfurt dir dadurch verödet ist. Meine Frau war dort, es ist ihr wohl gegangen, doch hat sie dich recht eigentlich vermißt, dagegen hat sie dein Andencken von München her gar sehr erfreut.

Herr v. Humbold hat uns viel von dir erzählt. Viel das heißt oft. Er fing wieder von deiner [299] kleinen Person zu reden an, ohne daß er so was recht eigentliches hätte zu sagen gehabt, woraus wir denn auf ein eigenes Interesse schließen konnten. Neulich war ein schlancker Architect von Cassel hier, auf den du auch magst Eindruck gemacht haben.

Dergleichen Sünden magst du denn mancherley auf dir haben, deßwegen du verurtheilt bist Gichtbrüchige und Lahme zu warten und zu pflegen. Ich hoffe jedoch das soll nur eine vorübergehende Büßung werden, damit du dich das Lebens desto besser und lebhafter mit den Gesunden freuen mögest.

Laß uns von Zeit zu Zeit ein Wort vernehmen, es thut immer seine gute und freundliche Wirckung wenn auch der Gegenhall nicht bis zu die hinüberdringt. Meine Frau höre ich hat dich eingeladen, das thu ich nicht und wir haben wohl beyde recht. Lebe wohl, grüße freundlich die Freundlichen und bleib uns Bettine. Adieu!

W. d. 22. Febr. 1809.

G.


20/5694.

An Johann Christoph von Aretin

[Concept.]

P. P.

Die mir übersendeten Nachrichten nebst den vortrefflichen Mustern des Steinabdrucks habe ich sogleich unserm gnädigsten Herrn vorgezeigt, welcher diesem [300] Unternehmen seien entschiedenen Beyfall nicht versagen konnte, vielmehr sogleich sich entschloß ein paar Subjecte nach München zu schicken, um zu so manchem andern Guten auch diese Kunst nach Weimar zu verpflanzen.

Ich sehe mich daher veranlaßt bey Denenselben anzufragen:

1.) Was das Lehrgeld für zwey Personen betragen könnte? incl. der anzuschaffenden Materialien.

2.) Wie lange sie sich etwa in München aufhalten müssten, um zu ihrem Zweck zu gelangen.

3.) Wie viel man ihnen monatlich zur Sustentation auszusetzen hätte.

4.) Da man schon einigermaßen gebildete Subjecte abschicken muß, welche Vorkenntnisse bey ihnen die vortheilhaftesten seyn möchten. Einen Zeichner und Kupferstecher abzusenden würde wohl rathsam seyn. Was wählte man zur zweyten Person etwa sonst für einen Techniker?

5.) Hätten Ew. h. wohl die Gütigkeit einige Aufsicht über das persönliche Vertragen der Abgeschickten zu führen, damit man wüßte, ob sie ihre Zeit auch gut anwenden.

Weimar den 22. Februar 1809.

pp.


[301] 20/5695.

An den Herzog Carl August

Unterthänigster Vortrag.

Ew. Durchlaucht haben geruht, über ein Vorstellungs – Schreiben des Concertmeisters Destouches unterthänigsten Bericht zu erfordern, welcher hiermit schuldigst abgestattet wird.

Aus beyliegendem Acten-Fascikel werden Höchstdieselben zu ersehen geruhen, daß, nachdem Fol. 1 desselben gefällig gewesen, das Personal der Hof-Capelle in Disciplin, auch Directions- und oekonomischen Sachen der Theater-Commission zu untergeben, man Fol. 2 hiernach die damaligen Capell- und Concertmeister, Kranz und Destouches, gehörig zu instruiren nicht verfehlt. Da sich denn Fol. 3 Nr. 1 ergiebt, daß festgesetzt worden, kein Mitglied der Capelle dürfe ohne eine in der Hofmarschallamts-Canzley gesuchte und von der Fürstl. Theater-Commission erlangte Erlaubniß verreisen, wie denn Fol. 3b Nr. 5 die Einrichtung getroffen worden, daß, wer Urlaub erhalten hat, sich deßhalb bey dem Capell- oder Concertmeister zu melden habe.

Hierbey ist es denn auch bis jetzo geblieben und keine Vorstellung noch Einwendung deshalb laut geworden, wie denn noch vor Kurzem der jüngere Goetze, von Ihro Kaiserlichen Hoheit der Frau Erbprinzeß unterstützt, eines solchen Urlaubs nach Gotha genossen hat.

[302] Was also den Concertmeister Destouches veranlassen können, einer wohlbedachten und sehr zweckmäßigen Beurlaubung des jüngern Eberwein nach Berlin, sich auf die heftigste und umständlichste Weise zu widersetzen, lassen wir ununtersucht. So viel aber können wir nicht verhehlen, daß Herzogliche Commission sich Vorwürfe macht, diejenigen Corrections-Mittel gegen ihn nicht angewendet zu haben, die ihr in den Händen liegen, wenn Untergebene sich auf eine so auffallende Weise vergessen. Der junge Eberwein ist inzwischen nach Berlin abgereis't und wir hoffen, durch eine im Stillen vorbereitete Einrichtung und Anstalt, wenn sie sich in der Folge bewährt, Ew. Durchlaucht gnädigsten Beyfall zu erlangen.

Daß übrigens Fürstl. Commission mancherley bey dem Orchester eingeschlichene Mängel und Fehler recht gut kennen und denenselben abzuhelfen wünscht, ergiebt sich aus einem Aufsatz beyliegender Acten Fol. 19 seq. Es ist zwar diese Verordnung obgleich wohl überlegt, und bedächtig abgefaßt, nicht ausgefertigt worden, sondern ruht nun schon beynahe ein Jahr. Auch bey der neuen Commissarischen Einrichtung hat man diese Gegenstände nicht unbeachtet gelassen und wird gedachtem Aufsatze noch manches in der Folge hinzufügen können, wenn die Plane sowohl das Theater als das Orchester betreffend bey Ew. Durchlaucht eingereicht werden.

Da wir jedoch auf alle Instructionen und Verordnungen [303] weit weniger Zutrauen setzen, als auf die Art, wie die Commissarischen Geschäfte seit dem neuen Jahre verhandelt werden; so ist die Absicht, es von nun an mit dem Concertmeister so wie mit dem jetzigen Regisseur zu halten, als mit welchem er durchaus in Parallel zu setzen ist.

Diese ist nämlich verpflichtet, Donnerstags bey jeder Session zu erscheinen, zu vernehmen, was man von Seiten Fürstlicher Commission anzuordnen habe, und zu referiren, was ihm die Woche über, in seinem Geschäft, Förderliches oder Hinderliches begegnet.

Auf gleiche Weise wird der Concertmeister Destouches künftig angehalten werden, bey jeder Session zu erscheinen, da denn alles, was bey der Capelle nützlich oder förderlich seyn könnte, besprochen, und, damit ihm ja keine Entschuldigung in Ausübung seiner Pflichten übrig bleibe, auch über vorkommende Urlaubsfälle, ob man sie gleich bey Fürstlicher Commission genugsam selbst zu beurtheilen weiß, sein Gutachten vernommen werden kann. Eine Einrichtung, die schon stattgefunden hätte, wenn nicht seine Reise nach Magdeburg und Braunschweig und seine gleich darauf ausgebrochene strafwürdige Unart ein Hinderniß dazwischen gestellt hätte.

Unsere Arbeit ist nun bis zu der achten Session gediehen und die ältern Mitglieder der Commission freuen sich, an einem neuen erst hinzugetretenen, einen Zeugen zu finden, wie schwer die theatralischen Angelegenheiten [304] in eine ordentliche Geschäfts- und Canzleyform einzulenken sind. Doch wird sich in der Continuation alles thun lassen, wenn Ew. Durchlaucht die Gnade haben, diese ganz nach Ihro uns bekannt gewordnen Absichten angelegten Anfängen mit Nachsicht zu betrachten und mit Huld zu behandeln; besonders auch Fürstliche Commission bey ihrer hergebrachten und zu nachdrücklicher Führung eines bedenklichen Geschäfts unerläßlicher Autorität gnädigst zu schützen.

Weimar

Ew. Herzogl. Durchlaucht

am 25. Febr.

unterthänigst treugehorsamste

1809.

Hof-Theater-CommissionJ. W. v. Goethe. Fr. Kirms. L. Kruse.


[123] 20/5695a.

An Franz Kirms

[Weimar, 28. Februar 1809.]

Wegen Je toller je besser bin ich es wohl zufrieden.

Herr Schmidt hat seine Sache gestern recht gut gemacht. Wir wollen uns überhaupt wegen solcher Intermezzo besprechen, wodurch man eine kurze Vorstellung verlängern kann.

[124] Durchlaucht der Herzog äußerten, daß Sie nach Blaubart noch ein kleines Stück wünschten. Vielleicht gäbe man die Kleinigkeiten wieder, die zum zweytenmal noch besser gehen werden.

Wenn Herr Secretär Witzel fortfahren will das ausführliche Repertorium auf Blätter auszuschreiben und zuerst die Stücke vorzunehmen, die noch nicht gegeben sind, sodann die schon gegebenen; so geschähe mit einer besonderer Gefallen. Auch könnten sie mir immer Partieenweise, wie die Blätter fertig sind, zugeschickt werden.


[34] 20/5695b.

An Christian Gottlob Voigt

Des Herrn Geheimerath v. Voigt Exellenz hätten ja wohl die Güte die Abgabe vorstehend gebetener vier Klaftern Holz an den Hofrath Meyer bewirken zu lassen.

Weimar den 2. März 1809.

G.


[304] 20/5696.

An Johann Jacob von Willemer

[Concept.]

Verzeihen Sie, theurer Freund, daß ich in meinem vorigen Briefe der 1000 Gulden nicht erwähnt habe, welche Sie die Gefälligkeit hatten meiner Frau, bey ihrem Aufenthalt in Frankfurt, vorzuschießen. Ich bekenne mich durch Gegenwärtiges als Selbstschuldner dieser Eintausend Gulden nebst Interessen, und wünsche, daß Sie mir solche creditiren möchten, bis unsere Erbschaftsangelegenheit berichtigt und die Theilung geschehen ist. Welche Art von Beschreibung Sie zu Ihrer Sicherheit verlangen, bin ich erbötig auszustellen. [305] Möchten Sie die Sache mit Herrn Landrath Schlosser besprechen, der unsre Geschäfte gütig besorgt und dem ich über diesen Punct heute ein Wort zuschreibe. Er könnte vielleicht wegen des Termins der Abzahlung etwas näheres bestimmen. Der ich dankbar für diese wie für so viele andre Gefälligkeiten mich Ihrem freundschaftlichen Andenken empfehle.

Weimar den 3. März 1809.


20/5697.

An Aloys Weißenbach

So angenehm es mir ist, mich in der Gegenwart mit Künstlern über ihre Arbeiten zu unterhalten, so unmöglich wird mir dies in die Ferne. Man muß erst über gar manche Maximen einverstanden seyn, ehe man über ein Kunsturtheil wechselseitig klar werden kann. Verzeihen Sie daher, wenn ich auf Ihr Trauerspiel »der Brautkranz« nur so viel erwidere, daß für uns der Dialog zu ausführlich ist, und fast durchaus die Handlung allzusehr retardirt. Wäre das Stück um ein Drittel kürzer, so dürfte es wohl auch auf unserer Bühne versucht werden. Doch eine solche Operation, die nur dem Autor geziemt, würde diesem selbst schwer werden, weil eben der ausführliche gemüthliche Ton durch das ganze Stück geht und ein vorzügliches Verdienst desselben ausmacht. Mehr sage ich nicht, als daß ich bedauere, daß die [306] Entfernung mich hindert, Ew. Wohlgeboren und Ihre theuere Gattin persönlich kennen zu lernen. Das Manuscript folgt hierbey mit Dank zurück.

Weimar, 3. März 1809.

Goethe.


[142] 20/5697a.

An Anton Genast

[10. März 1809.]

Ich kommuniziere, werther Herr Genast, ein Billet von Mad. Häsler und kann den Inhalt nicht ganz mißbilligen.

Aber warum quälen wir uns um diese Dinge. Haben wir männliche Statisten, warum sollen wir nicht weibliche haben. Sind ja doch unsre Theater Diener, Meister, Schneider pp. nicht ohne Frau und Kinder. Nehmen Sie doch eine von denen Töchtern, Geben Sie ihr ein Regal und lassen Sie das Kindermädchen machen.


[306] 20/5698.

An Carl Ludwig von Knebel

Ich sende dir, mein lieber Freund, Büchelchen und Brief sogleich zurück. Das erste habe ich nur angelesen und dabey genug gehabt. Ich kann nun nach nichts mehr als nach Resultaten fragen und was resultirt aus der ganzen Sache? Daß Götz ein angebornes Talent hatte, das aber durch Zeit und Umstände gehindert sich nicht entwickeln konnte; daß man Ramlern mehr Geschmack und Routine nicht absprechen kann, ob er gleich nicht entschieden wußte was er wollte; daß deine Gutmüthigkeit zwischen Verfasser, Verbesserer und Herausgeber eingeklemmt war; daß nun ein Viertel kommt, der sich für weise und gerechter hält als die Drey. Mehr kann ich mir aus der Sache nicht nehmen. Ich bitte dich inständig, lieber Freund, scheide daraus mir dem wenigsten Aufwand. Ich, nach meiner Art zu seyn, würde gar nicht darauf antworten: denn wenn du dich auch in deiner Relation einigermaßen geirrt hättest, so will das gar nichts heißen. Die Welt hat itzt andre Interesses. Handle jedoch nach deiner Weise. Die [307] Götzischen Pappiere, die noch in meinen Händen sind, erhältst du zugleich.

Die jetzigen Truppenbewegungen bringen uns immer fremde und ungebetne Gäste. Indessen ist bey der Unbequemlichkeit manchmal auch Gewinn; wie ich dir denn zu deinem jungen Corsen gratulire.

Ich bin sehr fleißig an der Geschichte der Farbenlehre und stecke im 17. Jahrhundert, das ich mit Gewalt angreifen muß, wenn es durchkommen will, und es gehört einiger Muth dazu, denn für eine solche Arbeit ist wenig Dank einzuernten.

Lebe recht wohl! Grüße die Deinigen von mir und meinem Hause. Sobald die Vegetation mehr vorrückt und wir milderes Wetter zu hoffen haben, hoffe ich euch zu besuchen und mich herzlich für Gegenwart und Umgebung zu freuen.

Weimar den 18. März 1809.

G.


20/5699.

An Franz Kirms

Auf Serenissimi gnädigste Veranlassung wird der Tod Jesu d. 31. März im Theater Saale gegeben.

Die Entree wird bezahlt, das Eingekommene zum Besten der Kapelle verwendet.

Ew. Wohlgeb. besorgen wohl beyliegendes ins Wochenblatt und was sonst noch nötig seyn möchte.

d. 24. März 1809.

G.


[308] 20/5700.

An Christian Gottlob Voigt

Wege der Vogtischen Instrumente ist eine Erklärung vom Hofrath Vogt und ein Gutachten von Major Hendrich eingegangen. Von mir erfolgt nächstens ein Aufsatz über die Sache nebst beygelegten Papieren.

Mich bestens empfehlend

Weimar den 30. März 1809.

G.


20/5701.

An Heinrich Carl Abraham Eichstädt

Ew. Wohlgeboren

erhalten hiebey ein paar Recensionen, welche den fortgesetzten Bemühungen der Münchner in Absicht auf den Steindruck volle Gerechtigkeit widerfahren lassen. Ich wünsche nur, daß Sie jenen Leuten, die gegenwärtig bedrängt genug sind, zur solchen Stunde anlangen mögen.

Schon mehrere Wochen hoffe ich Ew. Wohlgeboren in Jena zu besuchen, es will mir aber noch nicht gelingen. Wir bedauern, daß Sie durch die neuen Kriegsbewegungen abermals gelitten haben.

Verzeihen Sie, daß ich ein kleines Zettelchen des Hofrath Meyer beylege, der mich an die Programme erinnert, die freylich in der letzten Zeit fast ganz seine Arbeit sind.

[309] Sollten Ew. Wohlgeboren nach Weimar kommen, so gehen Sie uns nicht vorbey.

Der ich mich bestens empfehle und recht wohl zu leben wünsche.

Weimar den 30. März 1809.

Goethe.


20/5702.

An August von Goethe

Du erhältst mit gegenwärtigem, mein lieber August, durch Frau Stock vier und dreyßig Gulden. Dasjenige was an denen dir zugesagt fünf und zwanzig Thalern fehlt, soll nachkommen. Wenn du das Geld empfangen hast, so schreibe mir gleich und laß mich wissen, wie es mit deinen Studien geht und was du auf den Sommer zu treiben vorhast. Wir befinden uns nach unserer Art ganz wohl. Ich bin dieses Jahr von Weimar noch nicht weggekommen. Dafür sieht es aber in unserm Hausgarten recht sauber aus. Hab' ich dir schon geschrieben, daß der große Sturm am 30. Januar den großen Wacholderbaum im untern Garten umgeworfen hat? Ich habe ihn zeichnen und messen lassen. Er war 43 Fuß hoch. Der Hauptstamm, 12 Fuß von der Erde, war inwendig vertrocknet und morsch ja wurmstichig, die Äste aber gesund. Diese letztern habe ich aufheben lassen. Daraus kannst du dir einmal einige Tischarbeiten bestellen. Blumenbach will ich eine Dose aus dem Gipfel [310] drehen lassen. Lebe nun wohl und grüße deine Gönner und Freunde zum schönsten.

Weimar den 31. März 1809.

G.


20/5703.

An Charlotte von Schiller

Morgen zu Mittag werden Herr und Frau von Reck bey uns ein freundschaftliches Mahl einnehmen. Es wäre sehr schön, theure Freundinn, wenn Sie auch von der Gesellschaft seyn wollten. Ich bitte um ein Wort Antwort.

Montag den 3. April 1809.

G.


20/5704.

An Heinrich August Ottokar Reichard

Wohlgeborner

Insonders hochgeehrtester Herr Kriegsrath.

Ew. Wohlgeboren erhalten die mir anvertrauten Bücher mit vielem Dank zurück, wobey ich um Verzeihung bitte, daß ich sie nicht früher abgesendet. Könnten Sie mir nachstehenden Werken, welche leider auf unserer Bibliothek fehlen, für kurze Zeit aushelfen, so geschähe mir eine besondere Gefälligkeit:

Joan Keppleri Somnium seu Opus posthumum de Astronomia lunari. Francof. 1634. in 4°.

Epistola ad Joannem Kepplerum etc. Lipsiae 1718. in fol.

[311] Wären diese Bücher nicht unter denen, welche Ew. Wohlgeboren in Beschluß haben, so finden sie sich vielleicht in der Hauptbibliothek und Herr Professor Ukert hätte wohl die Güthe sie mir zu übersenden.

Mit unserer Badereise sieht es dies Jahr bedenklich aus. Ich läugne nicht, das es mir große Aufopferung ist, wenn ich dem Carlsbader Aufenthalt entsagen soll. Mit den besten Grüßen an die lieben Ihrigen empfehle ich mich zum allerschönsten.

Ew. Wohlgeboren

Weimar

gehorsamster Diener

den 5. April 1809.

Goethe.


20/5705.

An Friedrich Immanuel Niethammer

Wohlgeborner

Insonders hochgeehrtester Herr,

Ich verfehle nicht, Ew. Wohlgebornen sogleich Anzeige zu thun daß der Brief an Herrn Geheimrath Wolf gestern bey mir angelangt und sogleich weiter befördert worden. Sollte er indessen eintreffen, so werde ich das mir aufgetragene wörtlich ausrichten. Zugleich muß ich freylich bitten, daß Sie mir mein bisheriges Stillschweigen verzeihen: denn der Brief, in dem Sie mich an eine mir selbst so sehr am Herzen liegende Angelegenheit erinnern, ist zur rechten Zeit angekommen und ich habe bisher gezaudert darauf zu antworten.

Denn welch eine Litaney von Klagen über innere[312] und äußere Hindernisse müßten Sie hören, wenn ich auseinandersetzen sollte was mir eigentlich im Wege gestanden, daß ich in dieser Sache noch nichts bestimmtes zu äußern fähig bin! Doch man dar das Geschäft nur in seinem eigenen Umfang und innerlichen Schwierigkeiten betrachten; so findet man schon Stoff genug zu mancherley Bedenklichkeiten. Die Übersicht der deutschen Poesie, deren früheste Anfänge jetzt wieder aufgeregt und ans Licht gebracht werden, durch ihre mittlern Zustände bis auf die neuesten, ist schwer zu fassen und je deutlicher man darüber wird, je unmöglicher scheint es aus so widersprechenden Elementen einen Codex zusammenzubringen, dessen Theile nur einigermaßen neben einander bestehen könnten.

Indessen ist die Sache oft genug, ja ich kann wohl sagen von mir und theilnehmenden Freunden bedacht und überlegt worden; ja ein Anfang ist sogar gemacht manches auszuschreiben und zu rangiren. Was aber für eine curta supellex dabey zur Evidenz kommt, wollen wir lieber verschweigen, wenn man zuletzt sähe, daß man die Arbeit aufgeben müßte. Lassen Sie uns noch einige Zeit im stillen fortarbeiten und bleiben Sie in diesen und andern Fällen unsrer Theilnahme gewiß.

Ew. Wohlgeboren

Weimar den 7. April 1809.

gehorsamster DienerGoethe.


[124] 20/5705a.

An Christian Gottlob Voigt

Weimar, 7. April 1809.

Die etwas lebhaften und übertriebenen Forderungen der Herren Voigt und Oken an unsere Bibliothek werden, wenn man sie auch noch so sehr mäßigen sollte, immer sehr unbequem bleiben.

Es ist billig, daß man einem strebenden jungen Manne an die Hand gehe; aber er muß früh oder spät erfahren, daß nicht Alles in der Welt gerade nur um seinetwillen da ist.

Was mir am auffallendsten bei der Sache ist, wie ich gestehen muß, ist, daß die Herren gar nicht bedenken, welch' ein Haus und Zimmer-Raum dazu gehört, um eine Masse solcher Werke, worunter die [125] größten Foliobände oder Blätter sind, auszupacken, aufzubewahren, in der Ordnung zu halten und ohne Schaden zu gebrauchen; was zu gebrauchen; was für Tische, für Gestelle, für Anstalten gehören dazu, wenn nur einigermaßen ordentlich verfahren werden soll.

Da wir aber, wie vorauszusehen ist, die Sache nicht ganz ablehnen können und immer theilweise mehr zugeben müssen, als uns lieb ist, so will ich folgenden Vorschlag thun. Man schaffe die Kupferwerke für diesen Sommer nach Jena, man verwahre sie in einem dazu einzurichtenden Local, man mache durch aufgestellte Tisch und sonst Gelegenheit, die Gegenstände bequem und ohne ihren Schaden zu besehen, man übergebe das Ganze einem Aufseher, mit dem sich die Herren bereden, in dessen Gegenwart sie die Dinge betrachten und studiren können und der auch die jedes mal erforderlichen Blätter in das Collegium schaffen mag. Der Bibliothekar Vulpius kann bei seiner Anwesenheit in Jena jedes mal nachsehen, wie mit den kostbaren Dinge verfahren wird, welches ganz cessirte, wenn man sie massenweis in die Häuser gäbe. Was wollte man machen, wenn sie zu Michael defect, beschmutzt, geknüllt, zerrissen wieder abgeliefert würden.

Mit zwanzig Thalern Miethe salvirte man unschätzbare, ja unersetzliche Werke und gäbe zugleich Gelegenheit, sie für den academischen Unterricht zu nutzen.


[313] 20/5706.

An den Herzog Carl August

Nach Ankunft eines Aretinischen Briefes überreiche die wegen des Steindrucks geführten Ackten, so wie dasjenige was Zeither wegen der Voigtischen Instrumente vorgekommen. Mich zu Gnaden und Hulden empfehlend

W. d. 11. Apr. 1809.

Goethe.


[Beilage.]

Durch den vorstehenden von Aretinischen Brief wird die Frage, was gegen des hierher zu verpflanzenden Steindrucks zu bedenken und zu thun seyn möchte, schon zum Theil beantwortet. Mir scheint, daß vor allen Dingen zwey Punkte wohl zu erwägen seyn:

1.) Da, wie man sieht, der Zweck ohne einen bedeutenden Aufwand nicht zu erreichen ist, so kommt es hauptsächlich darauf an, daß man zwey tüchtige und zu dem Geschäft genugsam vorbereitete Personen wählt. Schon mehrere haben sich angeboten und der Zudrang wird noch größer werden, wenn die Sache bekannter wird. Denn wer möchte nicht gern eine solche Reise machen und mehr oder weniger bey dieser Gelegenheit lernen und leisten. Vielleicht wäre es am räthlichsten die Gedanken derer Herren von Wolzogen, von Müssling, Hofrath Meyer, [314] Legationsrath Bertuch zu vernehmen; wodurch man mit dem Verdienst junger Leute von mathematischem, künstlerischem, technischem Talent bekannt würde.

2.) Wie sicherte man sich gegen Personen, denen man ein solches Vertrauen schenkt und auf die man so viel verwendet, daß sie ihre zu erwerbende Geschicklichkeit wirklich zum Nutzen von Weimar, es sey nun bey einem herrschaftlichen oder Privatinstitut verwenden, die ihnen anvertrauten Geheimnisse bewahren und nicht etwa willkührlich, als wenn sie keine Verpflichtungen hätten, den Ort verändern, ohne höhere Erlaubniß und Vergünstigung für eigene Rechnung zu arbeiten anfangen und was dergleichen mehr wäre?


Zur Vorbereitung der Sache würde vor allen Dingen nöthig seyn, auszumitteln, woher die aufzuwendenden Gelder genommen werden sollten, ob, wie es anfänglich schien, Herr Legationsrath Bertuch, welcher am ersten im Falle seyn würde, diese neue Technik zu nutzen, einen Theil dazu herschöffe?

Wie denn nicht weniger gegenwärtig in Betracht kommt, daß wohl ein ruhigerer Zeitpunkt abzuwarten seyn möchte, um eine Absendung solcher Personen nach Bayern zu veranstalten, indem gegenwärtig wohl die Sorge entstehen muß, daß sie sich in Gefahr befänden, [315] jeden Augenblick in das Kriegsgetümmel verwickelt zu werden.

s.m.

Weimar den 11. April 1809.

G.


20/5707.

An Johann Heinrich Meyer

Sie erhalten, theurer Freund, auf Ihr ausdrückliches Verlangen 12 rh. 12 gr. von dem Jenaischen Gelde. Lassen Sie mich aber hiermit erklären daß fürs künftige eine solche Leoninische Theilung nicht mehr statt finden kann. Die Umstände haben sich seit jener Verabredung durchaus geändert und ich hoffe Sie werden sich künftig nicht weigern das Ganze zu empfangen. Wie immer

d. 11. Apr. 1809.

G.


20/5708.

An Carl Friedrich von Reinhard

Die heutig Post will ich nicht abgehen lassen, ohne für Ihren früheren lieben Brief vom 14. September vorigen Jahres zu danken, den mir Herr Sieveking gestern überreicht hat. Ich höre mit Zufriedenheit, daß Sie sich in Cassel befinden und nicht nach Göttingen gekommen sind: denn mein lebhaftester Wunsch war, Sie an dem letzten Orte zu sehen, und seit Ihrem letztern Briefe bin ich mit innern und äußern Umständen soviel zu Rathe gegangen, ob eine [316] Tour dahin für mich möglich seyn könnte, daß ich bis jetzt nicht geantwortet habe. Was hätte mir erfreulicher begegnen können, als Sie, die lieben Ihrigen, unsern Müller und so manchen alten Freund und Wissenschafts Verwandten an dem merkwürdigen Orte zu treffen, der auch jetzt noch so vieles verwahrt und erhält.

Das waren alles aber nur fromme Wünsche, wie man beynahe jetzt nichts thun kann, als fromm und unfromm zu wünschen. Indessen habe ich diesen Winter meine Thätigkeit nach innen, so gut es gehen wollte, fortgesetzt. Ich bin nicht aus Weimar, ja kaum aus der Stube gekommen. Vorzüglich habe ich an der Geschichte der Farbenlehre gearbeitet und bin nun bald mit dem siebzehnten Jahrhundert zu Rande.

Der junge Sieveking hat mir recht wohl gefallen. Ich habe mit ihm über manches was ihn zu interessiren schien, gesprochen, freylich nur fragmentarisch und aphoristisch, und da kommt man denn leider in den Fall misverstanden zu werden. Die Lage der Welt ist so wunderlich und der Zustand eines jungen Mannes der gerade in diese Zeit kommt, bedenklich, und kaum läßt sich, bey diesem Hin- und Widerschwancken, selbst bey anhaltendem Umgange, etwas bedeutendes wirken. Während seines Hierseyns gedenk' ich ihn öfter zu sehen. Daß Jemand von den Ihrigen in meiner Nähe ist, soll mir den Verlust ersetzen, daß ich Sie nicht habe erreichen können. Und [317] soviel für dießmal, mit meinen herzlichsten Wünschen und Empfehlungen.

Weimar den 17. April 1809.

Goethe.


20/5709.

An die Hoftheater-Commission

Da ich leider heute gehindert bin, bey der Session zu erscheinen; so will ich, ohne meinen hochgeehrten Herrn Mit Commissarien in Ihren Entschließungen vorzugreifen, über die vorliegenden Nummern, Salvo meliori, mein Gutachten eröffnen.

Nr. 232. Käme ad Acta.

Nr. 233. Wäre eine Verordnung an den Cassierer zu erlassen; die Oelsische Sage von Morgen an, bis auf weiteres inne zu behalten.

Daß dieses geschehen, wäre Oels durch eine Verordnung zu notificiren, und ihm dabey zu bemerken, daß er die Sage nicht eher erhalten würde, als bis er die Rolle zurückgenommen und dieselbe spielen zu wollen erklärt.

Der gute Oels danke doch ja Gott, daß man ihn erträgt, und poche nicht auf ein Talent, daß täglich zurückgeht.

Nr. 234. Ich würde auf nochmaligen unterthänigsten Vortrag stimmen und zwar mit Beylegung des Concepts der eben zu erlassenden Verordnung an Deny, wobey denn doch wohl der Insolenz von Nr. 226 zu gedenken wäre, wo derselbe [318] sich unterfängt Fürstl. Commission einen Termin zu setzen, wann sie ihm Resolution ertheilen solle. Wenn es so fortgeht, werden wir noch angenehme Sachen erleben.

Nr. 235. Herrn Hunnius werden wir nichts tröstliches zu sagen haben; denn bey uns geht das Einstudieren der neuen Stücke freylich nicht so rasch und wir pflegen auch jede Vorstellung eines Schauspielers, daß seine Rolle groß und schwierig sey, mit vieler Nachsicht zu behandeln.

Nr. 236. Wäre wohl abzulehnen.

Nr. 237. Gleichfalls, besonders da man Herrn Philippi sagen kann, daß die Negotiationen mit Herrn Brand nicht hätte können zu Stande kommen.

Die Munda folgen unterzeichnet und die Concepte signirt.

Mich bestens empfehlend

Weimar den 20. April 1809.

G.


[34] 20/5709a.

An Carl Ludwig von Knebel?

Soviel auf deine Anfrage und ich dencke genug um dich für den Augenbl. zu beruhigen. Behalte mich lieb. Ich hoffe euch bald zu sehen. d. 26 Apr. 1809.

G.


[318] 20/5710.

An Charlotte von Stein

Hierbey, verehrte Freundinn, ein Brief von August, der Sie unterhalten wird. Sie theilen wohl das Blat v. Schiller mit. Morgen will ich einmal wieder versuchen wie es in Jena aussieht. Heute Abend führ ich noch zu guter Letzt meine Geister wieder vor.

d. 28. Apr. 1809.

G.


[319] 20/5711.

An Johann Heinrich Meyer

Da ich morgen früh nach Jena gehe, so wollte ich, lieber Freund, vor meinem Abschied noch einiges übersenden und erwähnen.

1.) Folgt hier die Quittung über die letzte Rechnung.

2.) ein Abdruck der Recension von den Münchner Steindrucken. Vielleicht findet sich ein Stündchen Zeit um aus der ersten und zweyten ein Ganzes zu machen, das wir den Unternehmern gelegentlich zusenden können.

3.) Die Zeichnung des alten Wacholderbaums, mit Bitte sie auf ein weißes steifes Papier auftragen zu lassen, damit man dessen Maß und Geschichte dazu schreiben könne.

Der ich recht wohl zu leben wünsche.

Morgen, Sonabend, 8 Uhr werde ich abgehen.

Weimar den 28. April 1809.

G.


20/5712.

An Friedrich Ludwig Zacharias Werner

Sie erhalten, lieber Werner, hiebey das Original vom 24. Februar; eine Copie so wie die ausgeschriebenen Rollen bleiben in meinen Händen. Wir dürfen uns nicht leugnen, daß die Aufführung des [320] Stücks einige Gefahr hat. Deswegen lassen Sie mich damit so lange zaudern, bis ich mit Muth und Überzeugung daran gehen kann, und glauben Sie daß Sie, daß ich auch hierbey Ihr Bestes im Sinne habe.

Weimar den 28. April 1809.

Goethe.


20/5713.

An die Hoftheater-Commission

Serenissimus haben gegen mich den Wunsch geäußert, den Schauspieler Schwarz in Lorenz Stark zu sehen und zwar auf eine Weise, die ich nicht abzulehnen wüßte. Fürstl. Commision wird daher die Gefälligkeit haben, das Nöthige deshalb zu besorgen. Sodann habe ich überlegt, daß die Unverheirathete recht gut mit dem Hamlet zugleich ausgetheilt werden kann, indem mehrere Personen in dem letztern Stück schwache, in dem erstern starke Rollen haben; deshalb das Einstudieren neben einander hergehen kann. Ich könnte vor meiner Abreise noch die Austheilung unterschreiben.

Weimar den 28. April 1809.

Goethe.


20/5714.

An Christiane von Goethe

Ich muß dir, mein liebes Kind, nur selbst Nachricht geben, daß mir meine Fahrt nicht sonderlich bekomme [321] ist, damit du es nicht etwa von andern erfährst und dir die Sache schlimmer vorstellst. Schon vier Wochen, wie leicht zu bemerken war, befinde ich mich nicht sonderlich wohl, und in den letzten Tagen habe ich mich mehr als billig angegriffen. Ich dachte hier zu mehr Gemüths- und körperlicher Ruhe zu kommen, mich zu pflegen und mit Starke zu unterhandeln. Leider griff mich das Übel schon den ersten Abend an, das ich unterwegs beym Fahren schon empfand. Leider war Starke der Onkel und auch der Neffe nicht hier; doch sah ich mich für die Nacht vor mit allerley Salben und Balsamen und bin noch so ganz erträglich durchgekommen. Ich bin auch heute schon wieder auf und will mich diät und ruhig halten. Mache dir also keine Sorge und komme nicht etwa herüber, denn ich wüßte nicht wo ich dich unterbingen sollte. Major von Hendrich und von Knebel sind mir zur freundlichen Gesellschaft. Mit den dienstägigen Boten erfährst du wie es mir weiter gegangen ist. Ich hoffe, es soll nichts zu sagen haben, weil ich nun aufmerksam bin. Hätte ich früher dazu gethan, so hätte ich diesen Anfall wohl auch übergehen können. Nun wollen wir desto sorgfältiger seyn, und meine hiesige Stille wird alles wieder ins Gleiche bringen. Lebe recht wohl und dictire unserer schönen Freundinn ein weitläufigeres Blättchen als du selbst zu schreiben pflegst. Ich höre du hast Nachrichten von August. Theile sie mir mit. Hiebey folgt auch sein Brief den [322] ich unter meinen Papieren gefunden habe. Er wird dir gewiß viel Freude machen. Lebe wohl und mache deine Einrichtung und gedenke mein.

Jena den 30. April 1809.

G.


20/5715.

An Christiane von Goethe

Mit den heutigen Boten kann ich dir, mein liebes Kind, versichern, daß es mir verhältnißmäßig ganz leidlich geht. Ich bin schon wieder spazieren gegangen und befinde mich auf dem Cabinet, wo man einheizen kann, gar vergnüglich. Major von Knebel und Hendrich sind den ganzen Tag wechselsweise in meiner Nähe. Die gegenwärtigen Zeitläufte geben viel zu sprechen, und wenn ich auch nicht viel zu sagen habe, so habe ich doch viel zu hören. In meinen Geschäften und Arbeiten hole ich das Versäumte nach und will mich einrichten eine Zeitlang hier zu bleiben, weil ich, ohngeachtet mancher Unbequemlichkeit, doch hier eine Gemüthsruhe habe, zu der ich in Weimar nicht kommen kann. Ich bin noch nirgends hingekommen. Die gute Knebel hat ihr Zahneinsetzen zu lustig genommen, weil es immer eine Art von Wunde oder Inoculation ist, wie man will. Sie hat einen Fluß bekommen in das Gesicht, an den ganzen Kopf, woran sie viel gelitten hat.

Die Freundinnen aus der Nachbarschaft haben mir indessen sehr köstlichen Spargel und gute Prunellen[323] zugesendet, und ich hoffe, es soll von nun an recht gut gehen. Herr Geh. Hofrath Starke besucht mich täglich und nimmt sich meiner mit vieler Sorgfalt an.

Ich schicke dir einen Kasten mit schönen Äpfeln. Die oben aufgebundenen Pflanzen laß in den Rabatten vertheilen und an Stäbchen anbinden. Sonst wüßte ich nichts zu sagen, als daß ich dir wohl zu leben wünsche und wünsche, etwas ausführliches von dir zu hören. Von den Äpfeln wirst du mit meinen schönsten Grüßen etwas in der Nachbarschaft abgeben.

Jena den 2. May 1809.

G.


20/5716.

An Christiane von Goethe

Da ein Expresser nach Weimar geht, so will ich dir mit wenigen Worten sagen, daß ich mich ganz hübsch befinde. Da das Übel einmal seyn sollte, so ist es mir sehr tröstlich, den geheimen Hofrath Starke in der Nähe zu haben, welcher mir große Sorgfalt beweist. Der Hauptfehler war, daß ich in den letzten vier Wochen, da ich das Übel kommen sah, nicht öfters kleine Dosen Carlsbader Salz oder dergleichen genommen habe. Man macht sich freylich, insofern es nur einigermaßen möglich, bald von aller Arzney los.

Die Äpfel die ich dir geschickt habe, werden dir Vergnügen gemacht haben. Heute Abend hoffe ich von dir zu hören. Lebe recht wohl und gedenke mein.

Jena den 3. May 1809.

G.


[324] 20/5717.

An Heinrich Carl Abraham Eichstädt

Von der akademischen Bibliothek wünschte ich zu erhalten:

Kircher, Ars magna lucis et umbrae;

Isaac Voissius de lumine;

Somnium Kepleri, opus posthumum;

Irgend eine Nachricht von dem Leben des Antonius de Dominis;

Ein Verzeichniß, was von Kepplers Schriften auf der Bibliothek sey.

Mich bestens empfehlend

Jena den 3. May 1809.

Goethe.


20/5718.

An Christiane von Goethe

Du hast inzwischen durch einen Expressen wohl von mir einen Brief erhalten. Ich kann heute nicht viel sagen, als daß es mir ganz leidlich geht. Du weißt wie es nach solchen Anfällen ist. Man muß sich nur in Acht nehmen, daß man sich nicht gleich wieder für ganz gesund hält und daß man nicht verdrüßlich wird, wenn es mit Geschäften und Arbeiten nicht gleich fort will.

Unser Tisch ist leider nicht der beste; indessen sorgen die Freundinnen für mich und so will ich mich nicht beklagen [325] Hier schicke ich etwas weniges Samen. Laß ihn gleich auf eine schattige Stelle säen, die Stelle aber wohl bezeichnen.

Erkundige dich doch, wie es mit Hamlet steht. Ja du könntest Genasten kommen lassen und ihm sagen, daß es mir unmöglich sey, die nächste Woche nach Weimar zu kommen. Mittwoch könnte allenfalls Egmont gegeben werden; sie waren ja schon darauf vorbereitet. Wie ist Herr Lorenz Stark abgelaufen? und was giebt es sonst gutes Neues?

Wegen der Kriegsgeschichten laß dir gar nicht bange machen. Die Menschen müssen nun einmal Angst haben und machen sich Spaß, den andern Angst zu machen. Das Kriegstheater entfernt sich immer mehr von uns, und es ist höchst wahrscheinlich, daß ich in einigen Wochen nach Carlsbad gehen kann. Denke der Sache von deiner Seite nach; sprich aber mit Niemand darüber. Ich habe schon mit Carln die Sache beredt: wir wollen uns des Herrn von Hendrichs Cosser ausbitten und so wenig an Wäsche und andern Dingen mitnehmen als möglich. Ich werde unsern Wagen und Extrapost nehmen müssen.

Lebe recht wohl und schreibe mir nicht zu kurz.

Jena den 5. May 1809.

G.


[326] 20/5719.

An Heinrich Carl Abraham Eichstädt

Ew. Wohlgeboren

danke zum allerschönsten für die übersendeten Bücher und Notizen. Da ich nun bey meinem Hierseyn noch manchmal nöthig haben werde an die Bibliothek zu recurriren, zugleich aber wünschte die gebrauchten Bücher ungesäumt wieder hinaufzuschaffen, so hätten Ew. Wohlgeboren vielleicht die Gefälligkeit die Einrichtung zu treffen, daß der Bibliotheksdiener jeden Morgen um 9 Uhr zu mir käme, die früher empfangenen Bücher abholte und meine neuern Zettel empfinge. Ich will bey meiner Abreise recht gern diese Bemühung mit einem kleinen Gratial anerkennen.

Jena den 5. May 1809.

Goethe.


[126] 20/5719a.

An Silvie von Ziegesar

Diesmal habe ich meine ienaische Reise nicht mit günstigen Sternen unternommen, Ihre Gegenwart in Weimar versäume ich, liebste Silvie, in Jena überfällt mich sogleich ein Übel vor dem das treue Carlsbad mich solange beschützt hatte. Ich will nicht klagen, sondern Sie nur ausdrücklich und lebhaft versichern daß ich sehnlich wünsche Sie wieder zu sehen. Dazu gelang' ich in Weimar bey Ihrer nächsten Durchreise und in Drackendorf zur Blütenzeit wie der gute Papa mir schon erlaubt hat. Lassen Sie mich Silvien wiederfinden wie ich sie beim Abschied verließ und zweifeln Sie nicht an den Gesinnungen eines treuen Freundes.

Jena. d. 5. May 1809.

Goethe.


[326] 20/5720.

An Heinrich Carl Abraham Eichstädt

Von akademischer Bibliotheck erbitte mir:

Kepleri Strena s. de nive sexangula;

Tertius interveniens;

Nachrichten von Isaak Vossius –

stehen wenn ich nicht irre, umständlich im Chaussepié.

Jena den 6. May 1809.

Goethe.


[327] 20/5721.

An Christiane von Goethe

Du erhälst heute, mein liebes Kind, ein großes Paket und wirst die einzelnen Theile desselben aufs beste besorgen. Die Packete an Herrn Genast und Frau von Stein sendest du gleich fort; das an Herrn Cotta bleibt bey dir liegen. Er kommt wahrscheinlicherweise auch schon an dem Morgen an, da du gegenwärtiges erhältst, wie er mir von Leipzig aus geschrieben hat. Es thut mir sehr leid, daß ich ihn nicht sprechen kann; aber es ist mir jetzt ganz unmöglich nach Weimar zu gehen. Ich erhole mich kaum von dem bösen krankhaften Überfall und betreibe meine nothwendigste Arbeiten kaum nothdürftig. Ob ich nach Carlsbad komme wird täglich zweifelhafter, und ich habe mehr als eine Ursache mich in Acht zu nehmen. Hier tröstet mich doch die Gegenwart des geheimen Hofrath Starke, der sich treulich meiner annimmt, und in der Ruhe und Einsamkeit kann ich mich allenfalls erholen. Auch habe ich mich eingerichtet, so daß ich trotz allen Übeln nicht ganz unthätig bin. Der Druck an der Farbenlehre geht fort und ich habe Hoffnung zu andern guten Dingen. Ich habe deswegen Genast geschrieben, man möchte Hamlet auf Mittwoch den 17. ansetzen. Kann ich Dienstag zur Hauptprobe kommen, so will ich nicht fehlen. Fühle ich mich aber nicht wie ich seyn sollte; so kann[328] diese erste Aufführung ja wohl auch ohne mich geschehen. Dieß ist nicht ein Stück für einmal, und ich kann bey Wiederholung desselben noch immer einwirken. Grüße Wolffs und so auch die theatralischen Nachbarn und schreibe mir deine Gedanken.

Laß dir an den schönen Tagen wohl seyn. Sie werden nicht besser kommen; und wenn du dich leidlich befindest, so sieh ja immer gut Freunde und Personen, denen du was artiges erzeigen willst. Es ist hierzu die beste Jahreszeit. Wenn du manchmal des Abends lange Weile hast, so laß dichs nicht verdrießen. Solltest du 14 Tage in Jena zubringen, so würdest du umkommen: denn wie kummervoll sich hier die Familien und Gesellschaften behelfen müßen, um eine Art von Unterhaltung zu haben, davon kannst du dir keinen Begriff machen.

Mir hingegen ist es für den Augenblick ein höchst glücklicher Aufenthalt. Wäre ich klug gewesen, so hätte ich den letzten Anfall ausweichen können, aber von nun an hab' ich mir auch vorgesetzt, mich durch nichts äußeres so leicht wieder auf ein letztes treiben zu lassen.

Jetzt lebe recht wohl und grüße Carolinchen und ersuche sie, daß sie mir, indem du dictirst, recht viel schreibt. Nächsten Sonnabend, oder wenn dein Bruder wieder hinübergeht, erfährst du mehr von mir. Keine Sorge brauchst du nicht für mich haben. Unser Essen ist ganz leidlich und die Freundinnen helfen [329] mit Spargel und andern guten Dingen nach. Lebe recht wohl und sey nicht karg mit weimarischen Nachrichten.

Die beyden beygelegten Briefe laß nur heute Abend auf die Post geben.

Jena den 9. May 1809.

G.


Vielleicht sprichst du Herrn Cotta; so grüß ihn von mir zum schönsten.


20/5722.

An Charlotte von Stein

Indessen man in Weimar meiner so gnädigst und freundlich gedachte und von meinen romantischen Mittheilungen einen guten Nachklang empfand, ist es mir zum Eintritt hier gleich sehr übel gegangen, indem ich einen Anfall erleiden mußte von dem ich nun drey Jahre befreyt geblieben, und der mir um somehr Apprehension giebt, als es doch immer unwahrscheinlich bleibt, daß ich nach Carlsbad gelangen kann. Für den Augenblick tröstet mich am meisten die Nähe des geheimen Hofraths Stark, der mich täglich besucht, und mich vor einem Rückfall sicher zu stellen und der überbleibenden Schwäche nachzuhelfen. Daß unter solchen Aspecten nicht viel geleistet wird, können Sie wohl denken. Ich habe schon einigemal mein Gebet an die heilige Ottilie gewendet; allein ich habe noch keine Gegenwirkung empfunden. Es [330] jammert mich nur, daß die schöne Zeit so ganz ungenützt vorbeystreichen soll. Vielleicht, wenn ich noch eine Zeitlang hier bleibe, genieße ich besserer Einflüsse. Lassen Sie mich manchmal vernehmen, daß Sie Dienstags und Mittwochs meiner gedenken.

Die Lebensbeschreibung Alfieris liegt hier bey; sie ist höchst interessant. Empfehlen Sie mich Durchlaucht der Herzoginn bey dieser Gelegenheit zum angelegentlichsten.

Knebel besucht mich treulich morgens und Abends. Wir gehen zusammen spazieren und schwätzen manches durch.

Das französische Blättchen das ich beylege werden Sie gewiß mit Theilnahme lesen. Ich erbitte mir es zurück. Leben Sie recht wohl und lassen mich bald wieder vernehmen, daß Sie mein gedenken.

Jena den 9. May 1809.

Goethe.


20/5723.

An Christiane von Goethe

Für deinen ausführlichen Brief danke ich dir zum allerschönsten. Sende mir ja einen ähnlichen alle Boten Tage. Ich will dagegen auch von mir etwas umständlich vernehmen lassen. Du kannst nichts bessers thun als dich des Gartens mit Freunden zu erfreuen. Grüße alles was dich umgiebt zum schönsten. Man kann mir nichts angenehmers erzeigen als wenn [331] es möglich gemacht wird, daß der Hamlet dießmal ohne mein weiteres Zuthun glücklich zu Stande kommt. Ich fühle erst, wie nothwendig ich es habe mich von einem so langen und verdrüßlichen Winter zu erholen und mich noch überdieß von einem neuen unerwarteten Anfall herzustellen. Doch wird es wohl gehen, wenn ich mich eine Zeitlang im Stillen pflegen kann. Ich schreibe dir dieß im botanischen Garten, wo ich mir eine Art von zweyter Wohnung aufgeschlagen habe und mich ganz vergnüglich befinde. Lebe recht wohl, grüße alles. Nächstens mehr.

Jena den 10. May 1809.

G.


20/5724.

An Johann Friedrich Heinrich Schlosser

Wohlgeborner,

Insonders Hochgeehrtester Herr,

Wenn ich auf dem mir schon vor einiger Zeit gefällig übersendeten Entwurf eines Theilungs Recesses noch nichts vernehmen lassen; so entschuldigt mich vielleicht die bedenkliche äußere Lage in der wir uns bisher befunden. Bey einigermaßen entwölktem Himmel verfehle ich daher nicht, sogleich meine Schuldigkeit zu erfüllen.

Wir mögen das übersendete Project so aufmerksam betrachten als wir wollen; so bleibt uns dabey nichts übrig, als Ew. Wohlgebornen und lebhaftesten und[332] aufrichtigsten Dank dafür zu sagen; denn wir finden darin nicht allein den aufmerksamen und genauen Geschäftsmann, sondern auch den wahrhaften wohlwollenden Freund, dem wir diese Abgelegenheit auch für die Folge mit herzlichem Zutrauen überlassen und empfehlen können. Haben Sie die Güte dieselbe nach Beschaffenheit der Umstände weiter zu leiten und, nach eingelangter Entschließung von Königsberg, uns das Weitere gefällig bekannt zu machen, und Ihren einsichtsvollen Rath hinzuzufügen.

Lassen Sie uns gelegentlich wissen, daß Sie sich in Ihrem neuen Zustande recht wohl befinden, und empfehlen uns den theuren Ihrigen aufs allerbeste.

Ew. Wohlgeb.

Jena

gehorsamster Diener

den 10. May 1809.

J. W. v. Goethe.


20/5725.

An Christiane von Goethe

Jena d. 12. May 1809.

Da Riemer wegen eines starken Schnupfens heut in seinem Quartier bleibt; so sage ich dir nur kürzlich und eigenhändig daß es mir ganz wohl geht. Freylich muß ich mich in Acht nehmen. Indessen geht mir was ich arbeite gut von Statten und mehr bedarf ich nicht. Wenn ich noch einige Zeit hier bin soll der Roman hoffe ich zum Druck befördert seyn. [333] Denn ich lasse ihn hier drucken und es soll damit, wie mit einigen andern Dingen rasch gehen. Worüber du dich erfreuen wirst. Sage mir wie dirs geht. Grüße alles und insofern du es vermagst; so trage dazu bey daß ich ruhig hier bleiben kann. Lebe recht wohl.

G.


20/5726.

An Friedrich Wilhelm Riemer

Den gestrigen Vorfall sehe ich als ein günstiges Ereigniß an, denn die böse Laune, der Sie Sich zeither übergeben mußte früher oder später eine Scene herbeyführen, und ich gestehe Ihnen Sie haben meine Geduld auf starcke Probe gestellt. Doch will ich gern, da das Übel einen Ausbruch genommen hat, und Sie aus unerfreulicher Erfahrung wissen wohin wir geführt werden können, mich beruhigen und wir wollen es weiter zusammen versuchen. Indessen mache ich Ihnen zur Pflicht an Selbstbeherrschung, ja an Selbstständigkeit zu dencken und sich nach einem Amte umzusehen, deren manche Sie mit Ehren bekleiden könnten und geschähe es nur um die Überzeugung bey Sich zu nähren; daß in jeder Lage des Lebens eine bestimmte Thätigkeit von uns gefordert wird und daß wir nur in sofern für etwas gelten als wir den Bedürfnissen anderer auf eine regelmäßige und zuverlässige Weise entgegen kommen.

Vom Besondern erwähne ich nichts, als daß ich[334] Ihnen eine sorgfältige Prüfung der Manuscripte empfehle eh sie dem Druck übergeben werden. Doch dieses und alles andre wird sich leicht finden, wenn Sie Ihre schönen Einsichten auf die augenblicklichen Lebenspunckte wircksam conzentrieren. Und so lassen Sie uns wieder zusammenkommen als wenn nichts gewesen wäre.

Jena den 19. May 1809.

G.


20/5727.

An Christian Gottlob Voigt

[vor dem 22. Mai.]

Wenn Ew. Excellenz auf so manche freundliche Schreiben und Sendungen bisher nichts von mir vernommen, so bitte ich wegen meiner körperlichen und geistigen Zuständen um Nachsicht. Erst einige Zeit nach einem solchen Anfall wie ich ihn wieder erlitten, bemerkt man wie viel Kräfte aufs Leiden verwendet worden und findet sich ungeschickt selbst zu erfreulichsten Thätigkeit.

Heute will ich vor allen Dingen zu 22. Glück wünschen und hoffen, daß Sie in Ihrer neuen schön bereiteten Wohnung mitten durch ein eifernes Zeitalter der goldnen Hochzeit entgegen gehen werden. Da sich eben Gelegenheit findet, so sende ich etwas unserer jenaischen Garten Cultur, mit Bitte es bey jenem Feste zu meinem Andenken aufzustellen. Es ist zugleich Blume und Frucht und paßt recht gut zu einem[335] solchen Feyertage. Wie sehr freue ich mich Sie in Ihrer neuen Wohnung eingerichtet und ruhig anzutreffen.

Das Münchner academische Taschenbuch hat bey mir die Empfindungen und Gedanken erregt, wie es sonst die Hof- und Staats Calender zu thun pflegen. Ich fragte mich nähmlich, was denn wohl mit einem so großen Personal und so vielen Anstalten ausgerichtet werde? Doch wollen wir so strenge nicht seyn, und uns freuen, daß auf solche Dinge noch eine königliche Aufmerksamkeit stattfindet. Das löblichste bey der ganzen Einrichtung scheint mir zu seyn, daß die Academie alle Sammlungen unter sich hat, die sich nicht unmittelbar auf bildende Kunst beziehen. Es läßt sich denken, daß auf solche Weise so viel bedeutendes Vorhandne gut und gewissenhaft erhalten wird. Die separirten Custodien haben mir niemals gefallen wollen.

Könnten wir gelegentlich erfahren, was Herr Schlichtegroll über Jena geträumt, so würde es höchst interessant seyn, es in der jenaischen Einsamkeit, wo der Tag an Stille der Nacht gleicht, nachzuträumen, und dadurch den Zustand einigermaßen zu beleben.

Beyliegende Briefe von Professor Voigt enthalten einen Privattraum dieses guten jungen Mannes, der sich ganz natürlich erklären läßt. Es ist freylich sehr wenig hier zu thun und der Wunsch sich auswärts an lebhafteren Quellen für die Zukunft besser auszubilden, [336] lobenswerth. Ich habe die beyden Briefe angenommen, weniger sie in forma zu übergeben, als nur den frommen Wunsch aussprechen zu lassen. Vielleicht erwähnen Ew. Excellenz etwas mündlich davon gegen Durchlaucht den Herzog.

Daß Voigt diese halbe Jahr deine Auditoren zusammenbringt, hierin hat... voreilig Unrecht gethan... gefunden, nur mußte er se... Thalern auf drey setzen... diesem Falle; einige habe... geführt, so daß sie eine b... und sie in folle erhalten... daran zahlen, und wie leer... ist. Man hat gegen diese... Kämen bessere Tage, so rückte man ja ohnehin alles ins alte Gleis zurück.

Den Versuch von Stieglitz habe flüchtig durchlaufen. Da ich nach einer ähnlichen Ansicht die alten Münzen schon mehrere Jahre mit Hofrath Meyer studire, so war mir eine solche Arbeit sehr willkommen. Sie kann nicht anders als verdienstlich seyn. Im Ganzen scheint mir jedoch mehr das Historische als das eigentliche Kunsthafte vorzuwalten. In einzelnen Fällen wüßte... bergang, Mittheilung der verschiedenen... und Zeichen genauer anzugeben. Doch... erster Entwurf, daß sich nachher alles... schließen und verbinden kann. Die Berlinischen... der alten deutschen Gedichte und Romane,... Büsching fahren fleißig fort.

... ich, daß die Seite zu Ende geht und... al mich aufs angelegentlichste empfehlen... Güte [337] mich bey Durchlaucht dem Herzog uns... rufen. Die neun Musen, als kluge Jungfrauen,... Lämpchen geschmückt, um ihrem Beschützer entgegen... aber betrübt in ihre Hallen wieder zurückkehren.

Goethe.


20/5728.

An Christiane von Goethe

Ich schicke dir, mein liebes Kind, einen Kasten, eine Schachtel, einen Topf, das alles lässest du in die Rabatten pflanzen. Der Pflanze im Topf lässest du gleich eine hübsche Stange geben denn sie geht hoch. Mir geht es ganz leidlich. Das beste ist daß ich etwas thun kann. Heute kommt der Herzog. Das giebt einen Stillstand in unsern Arbeiten, der mir aber doch in mehr als einem Sinne erfreulich ist. Lebe wohl. Schicke mir die Bücher die ich wünschte oder bringe mir sie mit. Ihr kommt doch Sonntag?

d. 26. May 1809.

G.


20/5729.

An Silvie von Ziegesar

Ihre freundliche Zeilen, liebste Silvie, erfreuen mich sehr. Daß Sie durch Jena gingen ohne mich zu berufen wollte mir nicht gefallen. Wäre ich wie ich seyn sollte; so hätten Sie mich schon in Drackendorf gesehen.

Heute kommt unser Herzog hierher, wie lange er bleibt weiß ich nicht. Verläßt er uns, so säum ich[338] nicht Sie aufzusuchen. Und dancke Ihnen herzlich für Ihr Blat das mich hoffen läßt Sie wieder zu finden wie ich Sie verlassen habe. Tausend Empfehl dem guten Vater.

J. d. 26. May 1809.

G.


20/5730.

An Pauline Schelling, geb. Gotter

Mit einigen Widersprüchen des menschlichen Herzens, liebe Pauline, sind Sie bekannt, und lassen Sich nicht irren, Ihre Veilchen und Mayblumen, die Sie in der Nähe gewiß vortheilhaft anbringen könnten, an einen entfernten Freund zu wenden; und dieser richtet seine Rhythmen und Reime nach einem abgeschiedenen guten Mädchen, demselben im Namen der edleren Menschheit zu danken, indeß er den Dank zu vergessen scheint, den er seinen wohlbehaltenen freundlichen Nachbarinnen schuldig ist. Mit diesen Betrachtungen empfangen Sie gegenwärtiges Gedicht, das eigentlich recht gut gelesen seyn will, wenn es Wirkung thun soll. Deswegen lege ich es in Ihre Hände und an Ihr Herz. Lassen Sie den Verfasser nicht fern seyn!

Jena, den 29. May 1809.

Goethe.


20/5731.

An Christiane von Goethe

Du wirst nun wohl Herrn Kaaz bey dir einlogirt haben und was das häusliche Behagen betrifft, wird [339] er meine Abwesenheit nicht bemerken. Ich schreibe ihm selbst und Hofrath Meyer zu gleicher Zeit und ich bin überzeugt, daß seine Ausstellung und, was er sonst wünscht, gleichfalls gut gerathen werde. Ich werde mit Vergnügen davon durch die rückkehrenden Boten, und mehr noch künftigen Sonnabend belehrt werden. Wende alles was du kannst die nächsten acht Tage von mir ab: denn ich bin gerade jetzt in der Arbeit so begriffen wie ich sie seit einem Jahre habe nicht anfassen können. Würde ich jetzo gestört, so wäre alles für mich verloren was ich ganz nahe vor mir sehe und was in kurzer Zeit zu erreichen ist. Wie gesagt, mein Kind, laß nur die nächsten acht Tage nichts an mich heran was abzuhalten ist. Alle Geschäfte sind ja ohnehin im Gange. Dagegen wollen wir auch an euch denken und euch von Zeit zu Zeit einen Fisch und ein gut Stück Wildpret schicken, damit ihr es in gutem Frieden genießet und euch weiter nichts anfechten lasset.

Solltest du noch etwas von Pflanzen brauchen, so schreibe es mir. Grüße die kleine Gesellschaft die dich neulich begleitete. So viel ich merken kann haben sie einen guten Eindruck zurückgelassen. Weiter wüßte ich nichts zu sagen, als daß ich dir wohl zu leben wünsche.

Jena den 30. May 1809.

Goethe.


[340] 20/5732.

An Charlotte von Stein

Zwar vernehm' ich von Knebeln, theuerste Freundinn, daß wir Sie den Donnerstag hier sehen sollen; darauf wollen wir uns nun möglichst vorbereiten und Ihnen hoffentlich leidlos entgegen kommen, aber doch will ich den heutigen Boten nicht ohne ein lange versäumtes Wort abgehen lassen. Von mir war bisher leider nicht viel zu sagen. An die physische Existenz habe ich keine großen Anforderungen; wenn mir es aber auch nicht einmal gelingt geistig thätig zu seyn, indem ich mich in die Wüste begebe; so wäre mir eine gewisse Ungeduld wohl zu verzeihn. Indeß nun habe ich's auf die alte Art doch wieder durchgesetzt und es ist mir in diesen Tagen gelungen, an dem Roman fortzuarbeiten der mich durch die gute Aufnahme seiner ersten Hälfte erst wieder werth geworden. Mögen Sie unsrer verehrten Fürstinn sagen, daß ich, indem ich mir jene Wirkungen zurückrief, die dasjenige hervorgebracht hatten, was schon auf dem Papier fixirt war, mir den Muth und die Freude geben konnte das übrige was noch zwischen Seyn und Nichtseyn schwebte, hervorzurufen und festzuhalten. So viel habe ich mir fest vorgesetzt: ich will alles abweisen und vermeiden was mich hindern könnte das angefangene zu Stand zu bringen. Verzeihen Sie, wenn ich Sie von dem ausschließlich unterhalte was mich jetzt interessirt. Ein[341] künftiges Interesse hängt vom gegenwärtigen ab. Wenn Sie herüberkommen, sollen Sie dafür blos mannigfaltig grünende Thäler sehen. Die wenigen Blüthen dieses Jahres sind vorüber. Gestern mit einer Gelegenheit schickte ich Ihnen ein Gedicht, gedruckt, das Sie früher wohl schon geschrieben kannten. Ich will keine Reflexion hinzufügen, daß die Poesie zu einer Zeit, wo so ungeheure Thaten geschehen, sich gegen die naivgroße Handlung eines Bauermädchens flüchtet – und da die Seite herunter ist, will ich mich auf Wiedersehen zum besten empfohlen haben.

Jena den 30. May 1809.

Goethe.


20/5733.

An Johann Heinrich Meyer

Jena den 30. May 1809.

Es war mir sehr unangenehm, mein lieber Freund, daß Sie mich gestern verfehlten; denn ich hätte, wegen Kaaz und sonst noch, manches gern mit Ihnen gesprochen. Was unsern landschaftlichen Freund betrifft, so werden Sie sich aus eignem Antrieb gewißlich seiner zum besten annehmen. Er ist nun wohl in mein Haus gezogen und meine Frau wird für ihn, nach ihrer Weise, sorgen. Die Ausstellung seiner Bilder haben Sie ja wohl auch schon mit ihm überlegt und dazu ein schickliches Local gefunden. Sie werden, nach Ihrer gewohnten Weise und unserm [342] alten Übereinkommen, ihm für seine Mühe, sein Zutrauen, sein Wagestück jetzt zu uns zu wandern, bey so entschiedenem Talent, gewiß alles Freundliche erzeigen, daß ich hier ruhig bleiben kann, woran mir soviel gelegen ist: denn würde ich jetzt in meiner Arbeit unterbrochen so verlöre ich ein ganzes Jahr. Ich verlange zwar nicht, daß mir das Jemand glauben soll; weil es aber am Ende immer nur heißt: Arzt hilf dir selber! so bleibt mir nichts übrig als meine eigne Zustände nach meiner Art zu beurtheilen. Lassen Sie mich mit wenigen Worten wissen, wie es ohngefähr steht und ob Sie nicht gelegentlich zu uns herüberkommen, daß ich es nur wenige Stunden zuvor wüßte, um nicht abwesend zu seyn. Ich möchte gar zu gern mit Ihnen über das Stieglitzische Buch, die alten Münzen mit Kunstsinn zu behandeln und zu ordnen, eine Conferenz haben. Es ist darin Kenntniß und guter Wille genug, nur fehlt leider das wovon eigentlich die Rede ist. Wie Kunst zur Sprache kommen sollte, ist gleich wieder nur Geschichtliches da. Wer es ersteht, lernt wohl noch etwas zu, aber betrübt sich, daß er, der es nun nicht versteht, rein gar nicht weiß wovon die Rede ist. Ich habe nun auch zu dem Buche die Pasten erhalten, eine große Gabe fürwahr, besonders für mich, der ich hier herüber nur immer so genascht habe. Die große Consequenz, die ich durchaus zu schauen glaube, wird durch die wunderlichen Nummern der einzelnen Stücke sehr in die Irre geführt.

[343] Der Catalog, oder vielleicht das Buch selbst das ich noch nicht ganz durchgelesen habe, werden uns vielleicht zurechtführen. Wie man nun, unter diesen Umständen und Bedingungen, dieser Bemühung öffentlich etwas freundliches erzeigen und sie fördern könnte, ohne sich zu compromittiren und ohne das was wir eigentlich wünschen, zu retardiren, sehe ich eigentlich nicht ein, und wünschte darüber Ihre Gedanken, freylich am liebsten mündlich, weil sich solche pro und contra's in Schriften schwerer auflösen. Überhaupt ist nichts schwerer, besonders gegen das Publicum, zu behandeln, als diese Präocupationen die eine würdige Aufgabe unzulänglich lösen und einen in den wunderlichen Fall setzen, mit Billigung zu mißbilligen und mit Mißbilligung zu billigen, so daß derjenige der unterrichtet seyn möchte, nicht weiß ob es gehauen oder gestochen ist.

Leben Sie recht wohl, sagen Sie mir von Zeit zu Zeit ein Wort, wäre es auch nur, damit man sich nicht entfremde. Ich befinde mich nicht mehr ganz übel weil ich wieder etwas thun kann. Wenn ein Arzt auf seinem Todbette noch einen andern für ein langes Leben retten kann, so sehe ich nicht ein, warum wir andern nicht noch, indem wir uns übel befinden, etwas thun sollten was die Menschen erfreut. Leben Sie recht wohl und grüßen Sie die nächsten.

G.


[344] 20/5734.

An Carl Ludwig Kaaz

Da ich mich in Jena theils zur Erholung von mancherlei Übeln, theils in Absicht verschiedenes zu arbeiten, befinde, so hätte mir in meinem ruhigen Zustande nicht leicht etwas Unangenehmeres begegnen können, als daß Sie indeß in Weimar angelangt sind mit Kunstschätzen, auf die ich mich so lange gefreut habe, und die ich so bald zu sehen nicht hoffen konnte. Ich kann in diesen Augenblicken nicht von hier abgehen. Sie haben indessen, wie ich hoffe, bey mir Quartier genommen und sich's bequem gemacht. Wegen der Ausstellung Ihrer Werke werden Sie Sich mit den Freunden berathen, die Ihnen auf alle Weise an Hand gehen werden. Wie das alles eingerichtet wird, hoffe ich gelegentlich zu vernehmen, so auch wie Sie Sich befinden und was sonst von Tag zu Tage vorgeht; denn es giebt immer Gelegenheit etwas herüber zu melden. Ich hoffe, daß sich alles wird nach unsern beyderseitigen Wünschen leiten lassen. Leben Sie recht wohl und lassen Sie bald wieder von sich hören.

Jena den 30. May 1809.

Goethe.


20/5735.

An Carl Friedrich Zelter

Von Ihnen, theuerster Freund, wieder einmal einige Worte zu sehen, war mir höchst erquicklich. [345] Ich denke tausendmal an Sie und bedaure, daß diese verworrene Zeit uns noch mehr als sonst von einander trennt. Selbst zum Schreiben fühlt man wenig Kunst. Man entwöhnt sich des Correspondirens, wie man sich in Staaten, wo scharfe Censur ist, das Lesen abgewöhnt.

Eberwein preise ich glücklich, ja ich beneide ihn, daß er in Ihrer Nähe wohnen und von Ihnen Aufklärung über Leben und Kunst gewinnen kann. Da unsere Oper diesen Sommer nicht nach Lauchstädt geht; so ist er wohl entbehrlich, und er mag nur so lange ausbleiben bis er wieder berufen wird. Ein kleines Gedicht lege ich bey. Vielleicht mögen Sie es selbst mit der nöthigen musikalischen Declamation begleiten; vielleicht geben Sie es Eberwein zum Versuch auf. Ich bin dazu veranlaßt worden durch gute Menschen aus jener Gegend, die in einer alles verschlingenden Zeit das Andenken einer reinen Menschenhandlung erhalten wünschten.

Da es noch nicht räthlich war nach Carlsbad zu gehen; so befind' ich mich in Jena, wo ich einen Roman fertig zu schreiben suche, den ich vorm Jahre in den böhmischen Gebirgen concipirt und angefangen hatte. Wahrscheinlich kann ich ihn noch in diesem Jahre herausgeben und ich eile um so mehr damit, weil es ein Mittel ist mich mit meinem auswärtigen Freunden wieder einmal vollständig zu unterhalten. Ich hoffe Sie sollen meine alte Art und Weise darin [346] finden. Ich habe viel hineingelegt, manches hinein versteckt. Möge auch Ihnen dieß offenbare Geheimniß zur Freude gereichen.

Seit Eberweins Abschied und allerley theatralischen Händeln bin ich von der Musik ziemlich abgeschnitten. Ich hoffe künftig durch ihn desto froheren Genuß. Wiederklänge aus Ihrem Himmel zu dem ich selbst leider niemals gelangen sollte; worüber ich denn doch manchmal verdrießlich bin. Jetzt in kriegerischen Zeiten sieht man erst wie unbehülflich und ungeschickt man sich im Frieden betragen hat. Der kleine Ballade, wenn sie componirt ist, geben Sie eine Publicität welche Sie wollen und lassen mich nicht gar zu lange ohne ein aufmunterndes theilnehmendes Wort. Leider ist mir dieser Winter sehr ungenutz und unfreundlich hingegangen. Seit dem Frühjahre habe ich wieder angefangen, an der Farbenlehre zu redigiren und drucken zu lassen, bin in der Geschichte bis zu Ende des 17. Jahrhunderts und im Ganzen bald am 60. Bogen. Es sieht wunderlich aus wenn eine so große Masse eigenen und fremden Lebens auf dem Papier steht und doch immer nicht nach was rechts aussehen will. Das Geschriebene wie das Gethane schrumpft zusammen und wird immer erst wieder was, wenn es aufs neue ins Leben aufgenommen, wieder empfunden, gedacht und gehandelt wird.

Herr Hirt hat mir sein großes Werk über die [347] Baukunst geschickt. Ich habe mich höchlich gefreut, ein so bedeutendes über zwanzigjähriges Unternehmen endlich noch glücklich zu sehen.

Leben Sie recht wohl und gedenken Sie mein.

Jena den 1. Juni 1809.

G.


[126] 20/5735a.

An Anton Genast

Die neuen auszutheilenden Rollen kommen nebst dem beygefügten Blatte zurück. Ich wünsche guten Erfolg.

Wenn die Stücke der Madam Weißenturn ankommen, so lassen Sie doch solche gleich heften, lesen sie und schreiben mir Ihre Meynung. Dadurch wird Überlegung und Entschluß befördert.

[127] Empfehlen Sie mich meinen Herrn Mit-Commissarien vielmals. Es wird sehr angenehm seyn, wenn noch mehrere kleine neue Stücke vorgenommen und bey dem Aufenthalt in Lauchstädt manche andere, unbeschadet der ersten Austheilung umgelernt werden. Machen Sie mich von Zeit zu Zeit mit dem was räthlich und wünschenswerth ist, bekannt. Wohlbefinden und guten Muth anwünschend

Jena den 1. Juny 1809.

G.


[347] 20/5736.

An Christiane von Goethe

Jena den 2. Juni 1809.

Heute weiß ich dir, mein liebes Kind, wenig zu sagen. Gestern ist Frau von Stein, Frau von Seebach und Fräulein Bose hier gewesen und wir haben bey Knebels zusammen gespeist. Meine Arbeiten gehen ganz ordentlich fort, und ich denke in vierzehn Tagen ziemlich weit zu seyn. Schreibe mir, wie dir's mit deinem Gaste geht, ob er vergnügt und fleißig ist. Er soll mir von Zeit zu Zeit etwas von sich sagen. Ich bin voller Verlangen, seine Sache zu sehen, und werde mich einrichten, sie nicht zu versäumen. Du hast mir allerley Papiere geschickt aber kein Conceptpapier; es liegt in demselben Schränkchen aber ganz unter den andern. Es ist ziemlich grau und du wirst es leicht unterscheiden können. Ich schicke gegenwärtiges durch Sprung, der uns den Hamlet ankündigt. Vielleicht siehst du Besuch von Jena. Ich bin recht neugierig wie er zum zweytenmal geht. Passe wohl auf und schreibe mir darüber. Lebe recht wohl.

G.


[348] 20/5737.

An Christian Gottlob Voigt

Serenissimus haben bey Ihrem Hierseyn geäußert, daß Sie gegen die Reise des jungen Voigt nach Paris nichts einzuwenden hätten, ja daß es Ihnen sogar, wegen der zu hoffenden Connexionen und Communicationen mit den dortigen Botanikern, ganz angenehm sey. Zugleich erklärten Sie, daß Sie um die Sache zu facilitiren folgende Einrichtung vorschlügen:

Professor Voigt sollte ein Capital von Vierhundert Thaler, als so viel Zuschuß er benöthigt sey, aufnehmen und Durchlaucht wollten es auf zehn Jahre so wie auch die Interessen davon garantiren, da zu erwarten stehe, daß in dieser Zeit derselbe sich wohl in dem Fall sehen würde, gedachte Summe abzutragen. Professor Voigt hat auch dieses gnädige Anerbieten mit unterthänigstem Danke acceptirt.

Bey näherer Betrachtung jedoch ist mir einiges Bedenken beygegangen. Die Eroberung eines solchen Capitals, die Garantie, die Art die Interessen auszuzahlen, selbst die Amortisationsweise, die man sich doch succesiv denken müßte, das alles hat für beyde Theile mancherley Schwierigkeit und Unbequemlichkeit. Deswegen thue ich Ew. Excellenz folgenden Vorschlag, jedoch nur unter uns; denn ich habe weder gegen Serenissimum noch gegen den jungen Mann etwas erwähnt.

[349] Da es einmal eine Sache der Gnade und Gunst ist, so könnte man dem Prof. Voigt, Vierhundert Thaler aus dem Vorrath unserer Museums Casse, ohne Interessen leihen. Serenissimus zahlten etwa jährlich 25 Thaler, auf acht Jahre an unsre Casse; Professor Voigt ließ sich eben 25 Thaler alle Jahre abziehn; so kämen wir wieder zu unserm Gelde; jener würde seine Schuld los und Serenissimus zahlten nicht mehr als wie Sie angeboten haben.

Billigen Ew. Excellenz diesen Vorschlag, so will ich ihn erst mit Voigt besprechen: wahrscheinlich wird Serenissimus dabey kein Bedenken haben.

Jena den 2. Juni 1809.

Goethe.


20/5738.

An Christiane von Goethe

Ich schicke dir, mein liebes Kind, durch die Freunde noch einen Gruß und will einiges nachbringen was ich gestern versäumte.

Was die neuen Bauanlagen in der Uckerwand betrifft, so ist der Vorschlag der: Durchlaucht der Herzog geben fünf Bauplätze, umsonst, an fünf Baulustige, doch mit der Bedingung, daß die Häuser in zwey bis drey Jahren bewohnbar seyen. Wer anno 1812 den ersten Januar das Haus nicht fertig hat, verliert sein Recht darauf: es wird an den Meistbietenden verkauft und er zwar entschädigt, aber der [350] neue Besitzer muß sich engagiren im Laufe des gedachten Jahrs den Bau zu vollenden.

Aufs Bauen werden wir uns in der Welt wohl nicht mehr einlassen und wir müssen also abwarten ob noch etwas aus der Sache wird und was wir für Nachbarn kriegen. Das schlimmste ist, daß es aussieht, als wenn sie die Linie der Koppenfelsischen Scheune halten wollten, welches ich abzulehnen suchen werde. Das beygeschlossene schicke ja gleich an Herrn von Müffling. Sage aber niemand weiter von dem was ich dir hier mittheile.

Gieb etwa Überbringern mündlich Aufklärung, wie es mit meinem rothen Wein aussieht, und ob du dich nicht etwa vergriffen hast. Denn der an mich geschickte rothgesiegelte ist viel dunkler als der sonstige und will mir gar nicht behagen. Ich habe mir einige Flaschen von den hiesigen Freunden geborgt.

Kein Fisch kann heute mitkommen; doch hat man mir einen auf den Dienstag versprochen. Lebe recht wohl und grüße Herrn Kaaz und die Freunde zum schönsten, und seyd gesund und vergnügt.

Jena den 3. Juni 1809.

G.


20/5739.

An Christiane von Goethe

Es geht mir noch immer vor wie nach. Ich habe mich über nichts zu beklagen, als etwa daß das Essen[351] nicht immer das erfreulichste ist. Die Freundinnen thun noch immer Spargel und sonst noch das Beste.

Werner war einen Tag bey uns. Ich habe ihn Morgens bey mir und Abends bey Frommanns gesehen, bin ihm freundlich und gut begegnet, so daß er von dieser Seite auch ganz heiter abscheiden konnte. Er las eine Art von Ballade, eine dreyfache Heirath schildernd, vor die ihm vielen Beyfall erwarb.

Mit den Bauplätzen im welschen Garten wollen wir uns nicht abgeben. So viel kann ich dir zum Troste sagen, daß die Häuser weit hineingerückt werden und uns eine nahe Nachbarschaft künftig nicht zur Last fällt. Auch ist meine alte und neue Gesinnung den untern Garten für uns und besonders für August zu erhalten. Es müßten denn günstige Umstände eintreten, die wir jetzt nicht voraussehen können.

In einem langen Kasten erhältst du vierundzwanzig Diptampflanzen. Laß sie gleich im Garten herum setzen, wo sie noch anzubringen sind: denn deine Rabatten sind wohl schon voll genug. Alles neugepflanzte muß bey der jetzigen Witterung fleißig begossen werden.

Ich hoffe bis diesen Abend sollen auch die verlangten Kohlrabi und Kohlpflanzen beysammen seyn. Ist ein Fischchen anzutreffen, so erhältst du es gleichfalls. Mit dem neulichen Wein mag es ein Mißgriff gewesen seyn: denn der zuletzt überschickte ist wieder [352] der rechte. Es wäre mir lieb, wenn das noch vorräthige Geld nicht angegriffen würde und du das nöthige vom Johannis Quartal nähmest. Mit dem was ich hier habe, komme ich zwar bis dahin aus; beym Weggehen aber, wo die Trinkgelder zu geben sind, werde ich noch Succurs brauchen. Die Interims Quittung schicke ich dir mit den nächsten Boten.

Mit meinen Arbeiten geht es gut und wenn nichts weiter dazwischen kommt, gedenke ich zu Johannis dich hier zu erwarten, und mich einzurichten, daß wir alsdann zusammen wieder zurückkönnen: denn bis dahin läßt sich noch vieles thun.

Lebe recht wohl, grüße deine nächsten Umgebungen, und wenn ich was sollte vergessen haben, so erinnere mich. Ein paar leichte Nachtwestchen könntest du mir schicken.

Grüße Herrn Kaaz zum allerschönsten, und obgleich ein Künstler nicht gern schreibt; so ersuche ihn