[155] 21/5876.
[1809 oder 1810.]
In einigen Tagen sehen Sie den Freund der von Ihnen wohl empfangen zu werden hofft. Die kurze Ehe. Ein lustiger Titel! Erhalten Sie bald sie wird eben abgeschrieben. Darf ich bitten mich dem lieben Vater zu empfehlen auch mit der lieblichen Freundinn meiner zu gedencken, als eines wahrhaften Einsiedlers. Denn ich sehe fast niemand außer dem Klausner Knebel und meinem Klausurfreund Riemer. Soviel! daß Sie nicht etwa dencken wir leben in Zerstreuung und gedencken nicht dorthin.
G.
[156] 21/5877.
[1809 oder 1810.]
Sie hätten, beste Silvie, mich heute schon gesehen, oder von mir gehört, wenn nicht ein grausamer Fleis mich gefangen hielte. Auf Seebecks Garten hatte ich schon meine Hoffnung gestellt. Dort such ich Sie auf, und verweile sehr gern bis ich zu Knebel gehe der uns auf heut Abend zu sich geladen hat. Viele Empfehlungen den scheidenden und bleibenden Lieben.
G.
21/5878.
[1809 oder 1810.]
Meine liebe Freundinn werde ich leider heute nur von ferne begrüßen. Indem ich mich freue sie hier zu wissen, betrübt mich daß mein kleines ausgedachtes Fest nicht statt haben soll.
Erlauben Sie mir bey dieser Gelegenheit den Wunsch zu äußern daß ein freundlicheres Verhältniß zwischen unsern Häusern möge statt finden. Gastfreundlichkeit ist von beyden Seiten und wir genießen ihrer nicht. Die Zeit vergeht der Hindernisse sind viel und wir erschaffen uns selbst welche. Tausend Adieu. Paulinen viel artiges.
G.
[157] 21/5879.
[1809 oder 1810.]
In größter Eil! Tausend Danck für Ihr freundliches Wort mit Bitte die geschickten Kleider des lieben Vaters wohl gepackt wenn Sie Gelegenheit haben herein zu schicken. Ich hoffe wir wollen des Handels einig werden. Nächstens mehr!
G.
21/5880.
[1809 oder 1810.]
Wie sieht es denn in diesen Feyertagen aus. Gäste sind hier angekommen, sollte man nicht auch freundliche Nachbarn hier erwarten können?
21/5881.
[1809 oder 1810.]
Seyn Sie herzlich gegrüßt liebe Freundinn! Wenn die Sonne uns einigermaßen ihre Strahlen lindert, such ich Sie auf. Nach Drackendorf zu kommen ist mein eifriger Wunsch, ich hoffe er soll mir erfüllt werden. Leider sind mir diese Wochen in tausenderley Beschäftigungen verschwunden. Dem verehrten Papa und dem geliebten Paulinchen die besten Empfehlungen und Grüße.
G.
[158] 21/5882.
[1809 oder 1810.]
Die Freundinnen sind herzlich gegrüßt und dies Blättlein fragt an: ob man sie heute vor dem Schauspiel zu Hause findet? Keine Antwort gilt für Ja.
G.
21/5883.
[1809 oder 1810.]
Hier das Versprochene mit einer Zugabe. Es thut mir herzlich Leid die Freundinnen nicht persönlich zu begrüßen.
Der gestrige Theaterbesuch ist der königlichen Theorie nicht so günstig als das Westchen.
Wie ihm auch sey! Leben Sie recht wohl und reisen glücklich durch das schreckliche Wetter.
G.
21/5884.
Herr von Humboldt, der mit durch seinen Besuch auf das angenehmste überrascht, nimmt diesen Brief an Sie mit. Er sollte eigentlich nur einen Dankhymnus enthalten für alles das Gute was Sie uns in und durch Eberwein gesendet. Es entfaltet sich [159] nur erst nach und nach und ich genieße recht glückliche Stunden in dem Abglanz Ihrer Werke, der freylich einigermaßen gedämpft zu mir gelangte. Die Gunst des Augenblicks, Herr Urian und so manches andere erhebt und erfreut uns jedes in seiner Art; ich wüßte nicht wo ich das Kernhafte mit dem Gefälligen so verbunden angetroffen hätte, als in Ihren Arbeiten.
Herr von Humboldt überraschte mich sehr angenehm. Könnte ich doch ein Gleiches auch von Ihnen wieder hoffen! Doch sind Sie jetzt bey sich beschäftigt genug, um Ihren guten Herrscher würdig zu empfangen und die so lang ersehnten Einflüsse wieder zu genießen.
Sagen Sie mir etwas von Zeit zu Zeit; ich habe bis Ostern noch ein schweres Pensum vor mir. Vergessen Sie ja Johanna Sebus nicht und lassen solche nicht wieder untertauchen, da Sie ihr einmal hülfreiche Hand gereicht haben. Tausend Lebewohl.
Weimar, den 4. Januar 181o.
Goethe.
21/5885.
Viel früher hatte ich Ihnen, mein lieber Kaaz, für die angenehme Sendung danken sollen, mit der Sie uns, besonders aber meine Frau, auf's Neue sehr verbunden haben. Sie hat sich das Bild sogleich [160] zu eigen gemacht und solches ihrem Schmuck- und Schatzkästchen einverleibt; es wird zu Ihrem Andenken daselbst sorgfältig verwahrt werden.
Durchlaucht die Prinzeß ist sehr fleißig und arbeitet mancherley, um die guten von Ihnen überlieferten Lehren in Ausübung zu bringen und sich jenen Unterricht, bey mir hat der Nachklang Ihrer Einwirkung einige Zeit fortgewirkt, und noch jetzt finde ich manchmal ein Vergnügen meine alten Entwürfe etwas deutlicher, doch leider immer nur skizzenhaft, auszuarbeiten.
Hofrath Meyer fragt an, ob Sie das übersendete Geld, welches ihm die Prinzeß zur Besorgung übergeben, wohl erhalten haben? Von Zeit zu Zeit wünschte ich zu vernehmen, wie Sie sich beschäftigen.
Weimar, den 4. Januar 1810.
Goethe.
21/5886.
Es soll mir sehr angenehm seyn wenn Sie noch einige vergnügte Tage in Jena zubringen.
Empfehlen Sie mich allen Freunden und übergeben inliegendes Herrn Dr. Seebeck.
W. d. 6. Jan. 1810.
G.
[161] 21/5887.
Ob ich gleich, wie man mir zu vernehmen giebt, mit den Wiener Herrlichkeiten nicht ganz gut bey dir angekommen bin, so will ich es doch wagen, dir abermals ein Heft zu senden, das auch theilweise bedenklich ist, aber doch vielleicht theilweise dein Gefallen erregt. Wenn du es wiedersendest, erhältst du ein anderes, das sehr lesbar und unterrichtend ist, die Fortsetzung von Schlegels Vorlesung. Der Streit den das französische Theater schon über 100 Jahre mit sich selbst und andern Nationen führt, wird hier auf eine sehr kenntniß- und geistreiche Weise auseinandergesetzt. Wird dieß Werk ins Französische übersetzt, so muß es gute Wirkung thun: denn unter den Franzosen sind gleichgesinnte, die aber freilich nicht auftauchen können.
Die Gegenwart des Herrn v. Humboldt hat dir gewiß auch viel Freude gemacht. Wirwar sie belehrend und aufmunternd. Ich erfuhr genauer, wie es im Preußischen mit dem Erziehungs- und Wissenschaftlichen Wesen aussieht und was man davon hoffen darf. In der jetzigen Lage hätte man vielleicht keinen Mann gefunden, der sich zu Restauration so gut geschickt hätte als er.
Er hatte die Artigkeit in den wenigen Stunden, die ihm übrig blieben, meine Farbenlehre und was [162] dazu gehört zu durchlaufen und schien, da ihn der Inhalt eigentlich nicht interessiren konnte, mit der Behandlung und Methode wohl zufrieden. Der erste Band ist nun schon bis zum 39. Bogen gelangt, der zweyte bis zum 30. Und ob ich gleich dem Ende nunmehr entgegensehe, so habe ich doch bis Ostern noch voll auf zu thun. Ich hoffe daß dieses Werk wenn es zu Stande ist, auch dir zur Zufriedenheit gereichen soll. Anders kann ich bis dahin nichts vornehmen.
Von Voigt aus Paris habe ich einen kurzen, aber verständigen Brief. Er geht auf seine Weise unverrückt fort und sieht nun deutlich genug, daß er eigentlich dort aufs Wissen auszugehen hat: denn was das Räsonnement betrifft, darin werden Deutsche und Franzosen wohl nie zusammentreffen.
Wenn ich deinen Saul noch liegen lasse, so verzeihst du mir. Unsere Theaterfreunde haben dazu kein Vertrauen fassen wollen, so daß ich das Stück auf den Geburtstag nicht wagen konnte. Bey genauer Überlegung fast unerläßlich ist, die Gesänge Davids, wenigstens nach Art der Melodramen, mit Musik zu begleiten, und eine solche Composition ist eine sehr schwere, nicht leicht zu lösende Aufgabe; doch habe ich nach Bianca della Porta und Zaire an die Reihe zu bringen.
[163] Dein Carl hat die letzten Köpfchen sehr gut und lobenswürdig nachgeahmt. Wenn er so fortfährt, so wird es ihm wohl gelingen. ich schicke ihm heut wieder einiges. Nächstens aber größere Dinge, damit er nach und nach aus dem engern Wesen herauskommt. Nur müßte man sehen, wie man ihm größere Pinsel verschaffte. Besonders mag er immer mehr auf Licht und Schatten acht geben, Licht und Halblicht. Schatten und Halbschatten von einander gehen. Lebe recht wohl und gedenke unser.
Weimar den 10. Januar 1810.
G.
21/5888.
Beyliegendes räsonnirendes Verzeichniß der geognostischen Sammlung des Herrn Bergrath Voigt zu Ilmenau muß jeden interessiren, der diese Gegenstände liebt und sie theils wissenschaftlich, theils historisch zu studiren denkt.
Mir ist gar wohl bekannt, daß das ganze Leben dieses braven Mannes gleichsam in dieser Sammlung enthalten ist. Seine Reisen in Geschäften, seine Excursionen um der Wissenschaft willen, gaben ihm Gelegenheit so viele wichtige Stücke zusammenzubringen. Seine Beharrlichkeit, der Wissenschaft auf seine Weise nützlich zu seyn, veranlaßte die Methode, [164] nach welcher die Gegenstände aufgeführt sind, so daß man von der Einen Seite Sammlung als ein treues Bild der Natur und von der Andren als ein Document der Meinungen und Ansichten in gewissen Epochen betrachten kann.
Der Besitzer hat bey famosen Streite zwischen Vulcanisten und Neptunisten bey jener Partey unverrückt Stand gehalten und wird in der Geschichte der Geognosie, sowohl wegen des Characters den er bewiesen, eine bedeutende Rolle spielen, als auch von ihr desto mehr begünstigt werden, je mehr es ihn selbst freuen muß noch zu erleben, daß den übermächtigen Neptunisten nach und nach manche ihrer Besitzungen wenigstens einzeln entrissen werden.
Er wünscht diese Sammlung an irgend ein öffentliches Institut abzulassen und das mit so größerm Fug und Recht, als sie in der Folge bey Particuliers, denen doch meistens der Raum abgeht, nicht gut aufzuheben seyn möchte, und weil sie wirklich verdient, öffentlich und unverrückt aus den oben schon angeführten Ursachen aufbewahrt zu werden.
Daß bey der allgemein herrschenden Meinung die Rubrik, Vulcanische Gebirgsarten, unter welcher manches enthalten ist, was die herrschende Lehre keineswegs darunter begreifen möchte, daß diese Rubrik und Abtheilung, sag' ich, bey manchen sonst braven Männern der Sammlung eher schaden als nutzen wird, sieht der Besitzer selbst ein, und ich habe [165] nach der Kenntniß der wissenschaftlichen Welt, die jedesmal nach den neuesten Entdeckungen und Meinungen alles sogleich umrangiren möchte, selbst keinen Zweifel dran.
Dabey aber gestehe ich gern, daß mir dadurch die Sammlung um desto lieber wird, weil man dadurch Gelegenheit bekommt, eine von dem Augenblick nicht begünstigte Methode vor Augen zu sehen. Haben doch die Franzosen, bey einer ihrer mannigfaltigen Anstalten, den guten Gedanken gehabt, die Mineralien einmal nach der Wernerischen, das anderemal nach der Hauyschen Methode geordnet, neben einander aufzustellen.
Gedachte Sammlung kann noch aus einem andern Gesichtspuncte angesehen werden. Sie enthält nicht allein, wie oben bemerkt worden, die Geschichte der eigenen Lebensthätigkeit des Besitzers, sondern auch zugleich einen höchst schätzbaren Beytrag zur Geschichte dessen, was unter Durchlaucht des Herzogs Regierung in diesem Fache gewirkt, unternommen, ausgeführt, angeregt und vorbereitet worden, und wie diese hier begonnene Thätigkeit theils nach innen, theils nach außen sehr weit in die Ferne gewirkt.
Mein Wunsch wäre daher, daß man mit dem Besitzer in Unterhandlung träte. Die Summe die er dafür in verlangt. ist billig und würde, wenn er sie in Terminen bezahlt nähme, von dem Überschuß unserer Museums-Casse, in einigen Jahren gar wohl abzutragen[166] seyn. Sind Ew. Excellenz über das Ob mit mir einverstanden, so will ich die Sache weiter vorbereiten und über die nähern Bedingungen, den Transport nach Jena und die Aufstellung daselbst, meine Gedanken nächstens umständlicher eröffnen.
Weimar den 10. Januar 1810.
Goethe.
21/5889.
Weimar den 11. Jan. 1810.
Ew. Wohlgeboren
erhalten hiebey, was schon längst hätte abgehen sollen; aber der Winter ist keines Menschen Freund, und auch nur das Geringste aus kalten Kammern hervorzusuchen, scheint uns oft unbequemer als billig ist. Möge dieses Packet Sie und die lieben Ihrigen in guter Gesundheit antreffen. Sie haben uns indessen durch allerley gute Sendungen erfreut und erquickt, wofür wir Ihnen vielen Dank sagen.
[167] Zunächst wünsche ich wohl, daß Sie uns eine Beschreibung von Ihrem jetzigen Aufenthalt geben, von dem Ort, seiner physischen und politischen Lage, von dem Geschäfts- und Gesellschafts-Kreis, und wie Sie sich daselbst befinden und eingerichtet haben. Eine solche Nachricht würde mir sehr angenehm seyn, weil es uns einen Gedankenbesuch bey Ihnen erleichtert.
Leben Sie recht wohl! Meine Frau schreibt nächstens. Geben Sie mir Nachricht ob Gegenwärtiges angekommen, und was Sie etwa sonst von uns wünschen.
G.
21/5890.
Ew. Excellenz
erhalten hierbey verschiedene mitgetheilte Papiere zurück.
1.) Bey den Pflichts-Rotuln habe ich weiter nichts zu erinnern, als daß man etwa in der Körnerischen, da wo das Fähnchen nach der dritten Zeile steht, wie Ew. Excellenz bemerken, einschalten könnte:
so lange Ihr, nach der Überzeugung und dem Gutbefinden Herzoglicher Commission, in dieser Qualität angestellt seyn werdet.
Die Expedition dieser Sache könnte man solange aussetzen, bis wegen der Besoldung entschieden ist, da man dem Verpflichteten auch bald eine günstige Resolution eröffnen könnte.
[168] 2.) Liegt ein Brief an Professor Voigt nach Paris bey. Er scheint seine Sachen durchaus klug und gut zu machen.
3.) Herr Brecht ist nicht gut berathen, daß er in diesem Ton auftritt. Er hätte das, was er dieses Vierteljahr geleistet, seine Vorträge, die Art derselben, die Zahl seiner Zuhörer und dergleichen erst ausführen, sich auf das Zeugniß einiger wackern Männer in Jena berufen, seine Hoffnungen und nothwendigen Einrichtungen willen, sich eine baldige Entschließung erbitten sollen. Da er aber so peremptorisch erscheint, so möchte man wohl darauf resolviren: wie gebeten abgeschlagen! Ew. Excellenz werden ihn deshalb schon gefällig bescheiden.
4.) Der alte Klötzner hat sich doch lange gehalten. Ich wünschte Herr Schlegel hätte uns das ganze Skelett verschaffen können. Sein Knochenbau muß auf alle Weise merkwürdig seyn. Doch läßt sich freylich so etwas von einem Arzte in einem Landstädtchen nicht verlangen.
5.) Zugleich übersende das räsonnirende Verzeichniß der geognostischen Sammlung des Herrn Bergrath Voigt zu Ilmenau, mit dessen Briefe und einem von mir aufgesetzten Votum. Wenn Ew. Excellenz jenes Verzeichniß durchblättern, so werden Sie sich der guten alten Zeiten erinnern und sich freuen, daß hier noch alle Spuren jener Bemühungen und Arbeiten,[169] jener Reisen und Spaziergänge, so mancher nothwendigen und willkührlichen Expeditionen übrig geblieben und die Resultate so mancher Betrachtungen bey diesen sehr wohl geordneten Resten aufbewahrt sind.
Ew. Excellenz werden es natürlich finden, daß ich die Acquisition der Sammlung wünsche, um mich beym Auspacken und Einlegen derselben in die Schubladen und Repositorien noch einmal in der Vergangenheit zu bespiegeln, und indem ich selbst über diese Dinge noch manches schriftlich mitzutheilen habe, auch von meiner Seite beyzutragen, daß von so manchem geschehenen und geleisteten einiges Andenken übrig bleibe.
Ich glaube nicht, daß man Preis, den der Besitzer verlangt, zu hoch finden werde. Freylich sind keine Prachtstufen, noch Stücke von innerm metallischen Werthe dabey; aber eine solche Sammlung kommt uns durchaus höher zu stehen als eine andre, wie ich nur zu gut aus eigener Erfahrung weiß. Wollte man die Reisen und Transportkosten rechnen, die man nach und nach aufgewendet hat; so würde eine ungeheure Summe zum Vorschein kommen. Und eigentlich wird denn doch am Ende nur im gegenwärtigen Falle die deutliche Kenntniß, das Unterrichtende, die Methode bezahlt.
Wegen einer dereinstigen Aufstellung in Jena werde ich das Nähere zu erkennen geben. Lenzen würde ich [170] sie nicht anvertrauen, dessen Strudeley und wilde Behandlung alles dessen was nicht mit seiner heutigen Meynung zusammentrifft, mir leider nur allzu wohl bekannt ist, und unsere Anstalt gar manchen verschmerzten und verwischten Schaden gethan hat.
In den Zimmern über der Reitbahn ist ein recht hübscher Platz dazu, und die ehmaligen Schränke der Conchylien können vielleicht zu diesem Zwecke recht sauber eingerichtet werden.
Möchten Ew. Excellenz, indem ich über diesen alten Erinnerungen, Resten und Einrichtungen noch immer wie ein Abgeschiedener Geist schwebe, der nach Hofrath Jungs Theorie bey seinen im Leben so sehr geliebten Schätzen wie ein blauer Dunst verweilt, möchten Sie für das Viele was Sie uns sind doch eine recht freudige und lebenvolle Belohnung genießen. Mich zum allerbesten und angelegentlichst empfehlend
Weimar den 14. Januar 1810.
Goethe.
21/5891.
[Concept.]
Wohlgeborner,
Insonders hochgeehrtester Herr,
Wie vielen Dank ich Ew. Wohlgebornen schuldig bin, habe ich nur immermehr entdecken können, je länger mein Sohn sich in meiner Nähe befindet und mir nach und nach von dem Heidelberger Leben, seiner [171] Theilnahme daran und seinen Studien erzählt und eröffnet. Es thut mir daher um so mehr leid, daß ich dem von Ew. Wohlgebornen gegen mich geäußerten Wunsche nicht bereitwillig entgegenkommen kann.
Ich kann zwar nicht in Abrede seyn, daß ich mit einigen Curatoren der russischen Akademie in ganz guten Verhältnissen stehe, auch sonst auf mancherley Weise jenen Gegenden verbunden bin; allein ich mußte mir sowohl aus allgemeinen moralischen, als auch aus besondern Local- und Persönlichen Rücksichten zum strengsten Gesetz machen, Niemanden zu empfehlen, als wenn ich gefragt, aufgefordert und in einem besondern Fall meine Meynung zu eröffnen veranlaßt wurde. Ich habe alsdann die Schilderung der in Frage seyenden Personen nach meiner Überzeugung abgegeben, und die Entscheidung jenen Stellen ohne weiteres überlassen.
Daß man übrigens dortigerseits vielleicht künftig ohne Mittelspersonen direct mit Gelehrten tractiren will, die zu irgend einer solchen Anstellung Lust haben, scheint mir der Aufruf anzudeuten, der in Nr. 2 des Intelligenzblattes der Universität zu Charkow, abgedruckt steht. Wie denn soviel ich weiß sowohl was den Erfolg dieser Anstalten, als die Gesinnungen über dieselben betrifft, sich zeither manche Veränderungen mögen ereignet haben. Dieß ist das Verhältniß wie ich es einsehe und wovon ich Ew. Wohlgebornen vertraulich [172] Eröffnung thue, um allen Verdacht einer Lässigkeit oder Ungefälligkeit von mir abzulehnen.
Ich füge meine besten Wünsche für Ihr Wohl hinzu und werde meinen August auffordern und aufmuntern, daß er zu Ostern von seinem vergangenen halben Jahre Rechenschaft gebe und sich Ew. Wohlgebornen Freundschaft und Antheil dadurch abermals empfehle.
Der ich pp.
Weimar, den 14. Januar 1810.
21/5892.
Ew. Excellenz
ersehen aus beyliegenden Schreiben, daß der Staatsraths-Auditor und Bibliothekar Herr Grimm in Cassel für sich und seinen Bruder um Mittheilungen zweyer auf der hiesigen Bibliothek befindlichen Manuscripte altdeutscher Liedergebeten hat, welche ich mir habe geben lassen und hier zu näherer Einsicht beylege. Was mich betrifft, so würde ich diesen beyden Personen die Communication wohl gönnen, da ich den jüngeren Bruder bey seiner Durchreise hier kennen gelernt und ihn als einen ganz hübschen, in diesem Fache ganz fleißigen Mann gefunden. Nicht weniger muß ich bemerken, daß mir von Göttingen aus alle und jede Bücher auf mein Verlangen, bis auf die neusten Zeiten, mitgetheilt worden, wogegen ich dorthin auch etwas Freundliches zu erzeigen wünschte.
[173] Ew. Excellenz habe jedoch die Sache vorher mittheilen und zu gefälliger Überlegung und Entschließung anheim geben wollen.
Weimar, 18. Januar 1810.
Goethe.
21/5893.
Weimar, 18. Jan. 1810.
Daß unser Freund zurückkäme und sich bey uns pflegte war mein stiller Wunsch, daß er bey Ihnen einkehrt muß ich mir, obwohl ungern, gefallen lassen. Ich bin auf meine Wände beschränkt und mit seinem Übel hat er auch Ursache sich zu Hause zu halten. Doch werden Sie ja, theure Freundin, das beste thun die Mittheilung zu unterhalten. Es ist noch allerley bey mir vergraben, wir wollen die Geister emsig beschwören, daß sie es an's Licht lassen. Die besten Grüße dem Kommenden, dem ich eben einladen zu schreiben im Begriff war.
Goethe.
21/5894.
Wohlgeborner,
Insonders hochgeehrtester Herr,
Das Vergnügen, das ich durch die Bekanntschaft des Herrn Bruders hier genossen, wird nicht wenig dadurch vermehrt, daß ich zugleich zu der Ehre Ihrer Zuschrift gelange. Sehr gern übersende ich die Manuscripte, [174] welche ich auf meinen Namen von Herzoglicher Bibliothek entlehnt. Ich füge die Abschrift des Scheins bey, den ich deshalb ausgestellt.
Es soll mir sehr angenehm seyn, wenn Sie in diesen beyden Bändern einige bedeutende Stücke finden, und indem Sie solche entziffern und mittheilen, das Verdienst, das Sie sich schon um diesen Zweig der deutschen Literatur gemacht, zu unsrer allseitigen Dankbarkeit vermehren.
Der ich die Ehre habe mich zu unterzeichnen
Ew. Wohlgeboren
Weimar
gehorsamsten Diener
den 19. Januar 1810.
J. W. v. Goethe.
[177] 21/5899.
[22. Januar.]
Sie erhalten, theure Freundinn, die mir heute früh mitgetheilten Vorschläge in einem Billet an Herrn Präsidenten von Fritsch sogleich beantwortet zurück, um sie heute Abend, in der wahrscheinlichen Session, noch weiter durchzusprechen. Wie leid thut mirs, daß ich auf meine vier Wände eingeschränkt bin, sonst würde ich gewiß nicht fehlen. ist die Sache etwas weiter, so kommen Sie ja wohl einmal bey mir zusammen: denn das Eisen will freylich geschmiedet seyn, wenn ein Hufeisen daraus werden soll. Grüßen Sie mir das liebe, sonst so genannte Kehlchen, und sagen Sie ihr: es thue mir leid, daß ich mir bey dieser Gelegenheit für sie nichts heiteres erdenken dürfe. Dagegen wollen wir denn mit Erlaubniß, wenn die Sache einmal ausgemacht ist, für unsre schlanke Gräfinn etwas aufgehen lassen. Leben Sie recht wohl und interessiren Sie sich ja für die Sache. [178] Es ist in mehr als einem Sinne nothwendig, daß wir dießmal etwas zusammen bringen, das sich darf sehen lassen. Ich hoffe mündlich bald mehr.
Goethe.
[174] 21/5895.
[26. Januar.]
Mitten im Festgetümmel sende den Gautier. Ein Paar Worte über ihn zu ruhiger Stunde. Ist die Jägerinn zu haben; so bitte darum. Kommen Sie doch heut Abend. Mad. Hendel wird bey uns seyn.
G.
21/5896.
[26. Januar.]
Hier kommt ein Abgesandter, theuerste Freundinn, mit einem großen Blatte, welches er auslegen wird.[175] Haben Sie die Güte ihm die nöthigen Anmerkungen dazu zu dictiren, und was am nächsten zu bestimmen erforderlich wäre, zu bezeichnen.
Herr von Bielke und Boyneburg könnten Nr.7 und Nr. 9 übernehmen. Die Fräul. Täubner, Laßberg, Marwitz hätten Nr. 6 und 8 offen, und für die Überbleibende findet sich gewiß auch noch etwas artiges: denn wir werden noch manches einzuschalten und zu ändern haben. Sie mag vor der Hand zu ihrer Kleidung wählen, was ihr am bequemsten ist und ihr gut steht. Den Charakter wollen wir schon finden. Das Mehrere sagt Überbringer und empfiehlt mich zugleich.
G.
21/5897.
Durchlauchtigste Herzoginn,
gnädigste Frau,
Um an den heutigen schönen Tage nicht ganz leer vor Ew. Durchl. zu erscheinen, nehme ich mir die Freyheit den historischen Theil meiner chromatischen Bemühungen, obgleich leider auch noch unvollendet zu übersenden. Das Buch ist im Ganzen nicht lesbar, vielleicht aber finden Ew. Durchl. beym Durchblättern einiges Geschichtliche, besonders Biographische das Interesse gewährt.
Von meinen Wünschen, meiner Freude bey den neuesten glücklichen Ereignissen sey mir erlaubt zu[176] schweigen. Ew. Durchl. kennen als einen ewig treu ergebenen
Höchstihro
d. 30. Jan. 1810.
unterthänigstenJ. W. v. Goethe.
21/5898.
Ew. Hochwohlgeboren
ersehen aus nachstehendem Schema, wie unser Aufzug sich zuletzt gestaltet hat. Ich wünschte dem Arrangement Ihren Beyfall. Die Nummern, wozu die Verse August zu sprechen hat, sind mit Roth unterstrichen, die andern, welche Ihnen empfohlen werden, ohne Bezeichnung. Hiernach werden Sie übersehen können, wenn Sie beykommende Strophen damit vergleichen, welcher Theil Ihrer Rolle noch zurücksteht, welches leider der größte ist. Ich habe alles auf einzelne Blätter schreiben lasen, damit das Einzuschaltende eingeschaltet werden kann; eine schließliche Abschrift wird die sämmtlichen Strophen mit ihren Stichwörtern in der Folge darstellen und aller Verwechslung vorbeugen.
Morgen früh um 12 Uhr, ja eher, werde ich mich im Stadthause einfinden. Die Herren werden gebeten sämmtlich, und von den Frauenzimmern, wer Lust und Muße hat, zu erscheinen. Auch wollte ich bitten, daß man alles, was noch etwa an Requisiten abgeht,[177] in diesem Termin erinnerte und entweder mündlich zum Protokoll gäbe oder schriftlich zu Acten einsendete. Ew. Hochwohlgeboren haben ja wohl die Güte, diesen Wunsch an die Interessenten gelangen zu lassen.
Weimar, den 31. Januar 1810.
Goethe.
[178] 21/5900.
Ew. Hochwohlgeboren
danke nochmals für alles gestern erzeigte Freundliche und Gute. Ich habe noch eine Anzahl Exemplare aus dem gestrigen Getümmel gerettet und sende daher 50, weil sie doch als Novität immer mehr werth sind. Der Satz ist in der Druckerey stehen geblieben, und die Gesellschaft kann nachschießen lassen, so viel sie will. Der Aufwand ist gering. Das Exemplar kommt nicht 18 Pfennige. Da wir Beyfall gefunden haben, so würde ich einen anständigen Titel vordrucken lassen und noch einiges hinzufügen und ändern. Hierüber ließe sich am besten mündlich verhandeln. Wollten Sie daher wohl morgen früh mit Ihrer lieben Frau Gemahlin, der ich für die schöne Stickerey selbst zu danken wünschte, zu unserer Singstunde früh um 11 Uhr sich einfinden? Bis dahin empfehle ich mich zum allerschönsten.
Weimar, den 3. Februar 1810.
Goethe.
[179] 21/5901.
Indem ich mich nach Ihrem Wohlbefinden, theuerste Freundinn, erkundige, so bezeige ich mein Leidwesen darüber, daß Sie gestern Abend die so unvergleichlich als mannigfaltig und kostbar gekleidete Versammlung nicht haben mit ansehen können. Es war wohl der Mühe werth, deshalb noch einige Noth und Angst auszustehen. Haben Sie tausend Dank für alles das Freundliche was Sie mir bey dieser Gelegenheit erwiesen. Dürfte ich nun um die Gefälligkeit bitten, möglichst beyzutragen, daß wir die Zeichnungen, sie seyen in welchem Stande sie wollen, wieder erhalten. Wir wünschen eine Sammlung davon, auf Verlangen, in verificirten Copien den Interessanten zuzustellen.
Wie hat die schlanke Jägerin geschlafen? Hier folgen noch einige Exemplare des Gedichtes. In einigen Tagen stehen mehrere zu Befehl. Werden wir morgen das Vergnügen haben Sie bey uns zu sehen?
Weimar den 3. Februar 1810.
Goethe.
21/5902.
Deine Schachtel, liebe Bettine, ist wie eine Glücksbombe ins Haus gefallen und hat einen herrlichen [180] Effeckt gethan. Meine Frau mag dir selbst schreiben wie verlegen sie um ein Maskenkleid gewesen und wie erfreut sie bey Eröffnung der Schachtel war. Dein lieber Brief mußte als der schönste Schmuck des Ganzen angesehen werden. Nimm in diesen wenigen Worten meinen Danck für deine nie versiegende Liebe, dein immer lebendiges Andencken an die Gegenwärtigen deine Treue für die Vergangenen. Dein Albrecht Dürer wohl restaurirt und eingerahmt, hängt an der Wand zur Lust aller Kunstfreunde und Patrioten. Lebe wohl und laß bald wieder von dir hören.
W. d. 5. Febr. 1810.
G.
[129] 21/5902a.
[Concept.]
[Weimar, 5. Februar 1810.]
V. E.
sera persuadee que l'envoi que je viens de recevoir en me surprenant tres agreablement m'a fait un plaisir infini, tant comme gage precieux de Son Souvenir que comme piece tres interessante d'histoire naturelle.
[130] J'ose bien dire que je ne connois enter les pierres composees aucune qui me paroisse valoir celle la qui jusqu'ici a manqué a ma Collection.
Ayes la bonté Mr. le Comte d'accepter avec les remercimens les plus sinceres une piece que je fais partir par le Chariot de Poste. C'est une Chalcedoine a plusieurs couches qui taillee et gravee sous Votre Direction donnera lieu j'espere a quelque Camee digne de Votre Collection pretieuse.
Ayes la bonte d'agreer en meme tems les assurances les plus respectueuses du parfait devouement de celui qui a l'honneur de se souscrire.
[180] 21/5903.
Es ist mir diese Zeit her, wie du erfahren und gesehen hast, gar wunderlich gegangen, indem ich durch äußern Andrang zu einem Gedicht angeregt worden, woran ich außerdem wohl niemals gedacht hätte. Man hat es überhaupt gut aufgenommen und es freut mich zu vernehmen, daß es auch deinen Beyfall hat. Freylich war der Text zu diesem Commentar sehr schön. Es ist nicht leicht bey uns ein so mannigfaltiger und brillanter Aufzug erschienen. Leider bin ich dadurch von meinem chromatischen Wesen abgeführt worden, und werde zwischen hier und Ostern noch mehr gedrängt seyn. nun steht uns auch der Geburtstag [181] der Hoheit bevor, der auch durch Redouten und Maskeraden gefeyert werden wird. Jener Aufzug wird wiederholt und es wäre schon der Mühe werth, herüber zu kommen und ihn zu sehen. Du brauchtest deswegen dem lärmenden Feste nicht selbst beyzuwohnen.
Mit etwas poetischen müssen wir auch wieder auftreten, und ich fühle mich erschöpft. Ein oder ein paar Sonette will ich wohl zu Stande bringen. Der Schreiber des Gegenwärtigen wird auch nicht feyern. So haben wir auch Gries eingeladen uns etwas dazu zu stiften. Wolltest du in der Distischenform, die dir so wohl geräth, auch ein paar kleine Gedichte hinzufügen; so wäre auch wieder was neues, erregte den Wunsch zu wissen, von wem jedes einzelne entsprungen, und was dergleichen mehr ist; und die Hoheit würde, nach Ihrer äußerst freundlichen Art, Jedem Dank wissen und bezeugen. Es ist noch lange hin, nämlich bis zum 15. Man ließe die Verse in schicklicher Ordnung drucken. Für das alles wollte ich sorgen.
Grüße deinen Carl schönstens. Er macht seine Sachen täglich besser. ich werde ihm nun ernsthaftere Dinge schicken müssen. Nächstens soll etwas folgen.
Laß dir von meinem August das Umständlichere des Aufzugs erzählen, er hat sich dabey sehr gut ausgenommen und producirt. Lebe recht wohl und grüße die Deinigen.
Weimar den 7. Febr. 1810.
G.
[182] 21/5904.
Ew. Hochwohlgebornen
hoffe durch beygehendes einiges Vergnügen zu machen, da ich Ihre Theilnahme sowohl an öffentlichen Dingen, als an dem was uns besonders angeht, zu kennen und zu schätzen weiß. Diese kleinen Heftchen sind erst gestern angekommen und es hat sie noch Niemand gesehen. Sollten aber Ew. Hochwohlgebornen guten Freunden etwas daraus vorlesen wollen, so würde es mir zum Vergnügen gereichen; nur bitte das Bändchen nicht aus Händen zu geben. Mich freundschaftlichen Andenken empfehlend
Weimar den 7. Febr. 1810.
Goethe.
[130] 21/5904a.
Die Anstellung eines neuen Tanzmeisters betreffend, auf welche sich beyliegender Brief so wie das demselben zugefügte Votum bezieht, habe ich folgendes mitzutheilen.
Serenissimus äusserten als Hauptmotiv dieser Berufung, daß Sie von hiesigen Familienvätern und Müttern um Herbeiziehung eines Tanzmeisters angegangen worden; weshalb man denn auch jene Negotiation mit dem Hanauer angefangen.
Allein inzwischen haben mehrere hiesige Personen ein Vertrauen auf einem Tanzlehrer, Namens Langer in Rudolfstadt, geworfen, und ist auch schon, wie aus[131] dem beygelegten Blatte zu ersehen, eine beynah hinlängliche Subscription zu Stande gekommen.
Nun möchte es wohl bedenklich seyn, daß man von Seiten des Theaters jene Negation mit dem Hanauer fortsetze:
1.) Weil man eine beynahe zu Stande gekommen Verabredung von Privatpersonen dadurch störte und ihnen, entweder statt eines Mannes in den sie schon Vertrauen gesetzt, einen Freunden Unbekannten aufdränge; oder, wenn sie bey dem genannten Lenger verharrten, jenen zu einer schon occupirten Stelle beriefe.
2.) Hat man in den gegenwärtigen Falle die Bequemlichkeit, ohne Kosten und Risiko, gedachten Lenger zu beobachten, wie er sich während seiner 3 Monate benimmt. Fällt diese Erfahrung gut für ihn aus, und man wünschte ihn zu behalten: so wird er sich, wie ich vernommen, auch gerne hier fixiren, und es brauchte, wenn er vom Publicum gekannt und für seine Dienste bezahlt ist, nur einen Zuschluß von Serenissimo, um denselben auch noch bey andern Anstalten brauchen zu können.
3.) Gestehe ich aufrichtig, daß ein Ballet, von welcher Art es auch sey, bey unserm Theater nicht leicht gedeihen werde, und seiner Natur nach dennoch die Kosten vermehren und manche Unzufriedenheit erregen muß. Weswegen mir also ein einzelner[132] Mann, wie dieser, einem andern, der Familie hat, vorzuziehen scheint.
Auf alle Fälle kann man sich mit dem Hanauer in Connexion erhalten und, nach Beschaffenheit der Umstände, ihn vielleicht zu Michael auf einige Wintermonate engagiren, da er denn mit seinen Darstellungen eher der Casse nützen, dem Hofe und Publicum erfreulich werden könnte, als im Sommer, wo durch den Lauchstädter Aufenthalt die Sache ohnehin, im Ganzen, ein anderes Ansehen gewinnt.
Gegenwärtiges lege ich zur Prüfung vor, und überlasse, ob man hiernach, oder auf eine sonst gefällige Weise, Serenissimo unterthänigsten Vortrag thun will.
Weimar den 8. Februar 1810.
Goethe.
[182] 21/5905.
Indem ich die neue Ausgabe des Gedichtes vom 30 ten übersende, lege ich folgendes meinem theuren Herrn und Bruder ans Herz. Du hast Pr. Caroline mit einem freundlichen Gedichte begrüßt ich habe dasselbe an der Herzoginn Geburtstag gethan. Nun folgt der Geb. Tag Ihro Hoheit, mehrere Freunde wollen kleine Gaben zusammen spenden, die ich redigiren und, zusammen gedruckt, dem neuen Maskenzug, der aus Russischen Völckern besteht, anvertrauen wollte. Du[183] würdest uns sehr erfreuen wenn du ein weniges mit ins Füllhorn legen wolltest. Die Gedichte werden nicht unterzeichnet. Das Rathen wer sie gemacht ist unterhaltend. Alle formen sind gleich willkommen, die freyeren wie die gebundneren.
In vier fünf Tagen fällt die gewiß was ein. Zum Schönsten bittend. Der Deinige
d. 9. Febr. 1810.
Goethe.
21/5906.
[12. Februar.]
Sie erhalten, theuerster Freundin, noch ein spätes Blatt von mir. August ist angekommen und hätte schon selbst aufgewartet wenn er nicht in einiger Bänglichkeit befangen wäre. Die Vorklage will er dem Vater überlassen. Da ich nun immer als Micio bekannt bin so darf ich es nicht ablehnen. Die schöne Aufforderung macht ihn verlegen. Er glaubt mancherley Gründe zu haben, die alle gut sind und die vielleicht alle nichts taugen. Er mag nur selbst kommen und probiren wie man sich entzieht. Wäre nicht von einer Quadrille die Rede, so böte der Vater sich für den Sohn an, bey dieser schönen Gelegenheit, da es sonst billig ist daß der Sohn für den Vater stehe.
Freundlichkeit und Verzeihung.
Goethe.
[132] 21/5906a.
[Concept.]
[Weimar, Mitte Februar 1810.]
Ew. Wohlgebornen
haben mir noch gestern Abend spät eine Besorgniß geäußert, die darüber entspringen wollen, daß die nächste Sonntags-Redoute wegen der dabey beliebten Einschränkungen etwa weniger besucht werden könnte. Ich sage hierüber ganz aufrichtig meine Meynung, wie ich sie geäußert, als wir über dieser Sache vor einiger Zeit Rath gepflogen.
[133] Es ist Ihnen leider genugsam bekannt, daß die Redouten blos dadurch so tief gesunken, daß man dabey sich allzu läßlich benommen, so daß es dem Niedrigsten leicht geworden sich droben zu ergehen, weshalb sich nicht nur alle vornehme sondern alle anständige Personen davon entfernt; wie denn die zweyte Redoute dieses Winters hievon ein Zeugniß giebt, wobey nur 27 bezahlte Billets eingekommen.
Da man nächsten Freytag bey Hofe einen Maskenball giebt, wobey so ausgezeichnete schöne Kleidungen erscheinen; so wird die Sonntags-Redoute schon höchst brillant seyn, wenn die höchsten Herrschaften die Gnade haben darauf zu erscheinen und die übrigen Personen des Freytägigen Festes ganz gewiß nach ziehen. Sehr viele die an diesem Tage nicht Theil genommen, werden wünschen jene schönen und wohlverzierten Gestalten gleichfalls mit Augen zu erblicken, und die anständigen Personen der Stadt werden auf ihre Weise auch befriedigt werden.
Freylich wäre es höchst wünschenswerth daß die Personen welche die Russischen Völkerschaften vorstellen sich entschlössen auch auf der Redoute ihren Aufzug zu wiederhohlen.
Von Fremden kann man mit Gewißheit sagen, daß viele aus der Nachbarschaft herbeykommen, ja sogar, daß Riesende schon die Einrichtung getroffen haben, sich diesen Tag hier zu befinden.
[134] Von den sämmtlichen Abbonnenten wird niemand fehlen und diese machen schon ein kleines Publicum und ziehen Freunde und Verwandte nach sich.
Glaube man nur nicht, daß die Forderung von Character-Masken den Menschen lästig sey. Jeder freut sich, wenn seine Erfindungskraft, sein Witz einigermaßen angeregt wird, und vergißt darüber manches drängende Übel der Zeit.
Hierzu kommt noch, daß kluge Speculanten schon gefällige Charactermasken-Kleidungen theils zubereiten, theils kommen lassen, deren Miethe sich nicht höher belaufen wird, als in der letzten Zeit die Miethe eines Tabarros, die. . .
Setzt man diese Einrichtung mit Beständigkeit fort, zeigen sich die gnädigsten Herrschaften jeder Zeit geneigt die Redouten zu besuchen; so wird diese Anstalt zum Vergnügen der Einwohner und zum Vortheil des Stadtraths gewiß sobald nicht wieder sinken, da sie durch ein Paar so schöne Feste aus ihrer Erniedrigung mit Entschlossenheit und Anstrengung glücklich erhoben worden.
[184] 21/5907.
Tausend Dank in Einem Worte dir und Herrn Gries für das Übersendete! Die Blätter wandern gleich in die Druckerey. Abdrücke sollen bald möglichst aufwarten. Ich lege noch ein paar vom vorigen Aufzug bey.
Auch die Voigtische Briefe. Ich dachte sie dem Herzog sehen zu lassen, weil sie gar löblich sind und weil ich wünsche, daß der Fürst mit einer mäßigen Gabe den leider so hart verletzten erfreute. Auf alle Fälle trage ich darauf an.
Herrn Doctor Seebeck danke schönstens für seinen Brief. Er wird mir erlauben, ihn in meiner Farbengeschichte abdrucken zu lassen.
Ich schreibe nächstens selbst an ihn und sende die Journaux de Physique.
Heute nicht weiter: denn es geht sehr bunt bey uns zu.
Weimar den 14. Februar 1810.
G.
21/5908.
Hohe herzlichen Dank, Theurer Freund und Bruder, für deine Bemühung und sey ja so gefällig uns deinen Entwurf zu schicken. Wir wollen ihn auf das freundlichste und sorgfältigste in Überlegung ziehen. Sollte[185] auch auf den Freytag kein Gebrauch davon gemacht werden, weil wir freylich sehr im Engen sind; so ist Sonntag doch Redoute, gleichfalls zu Ehren der Hoheit, wo es gewiß gut aufgenommen wird, wenn etwas Bedeutendes erscheint, in einem Augenblick wo man glaubt, daß schon alles vorbey ist. Riemer käme vielleicht den Sonnabend zu dir, das Weitere zu bereden.
Weimar den 14. Febr. 1810.
Goethe.
21/5909.
Gegenwärtiges erhalten Sie, vortreffliche Freundin, durch den Bartkünstler: denn auf alle Fälle bedarf Ihr Herr Gemahl eines solchen russischen Schmucks. Wir sehen ihn doch um 11 Uhr auf dem Schlosse: denn ich habe auch an ihn als Hofmarschall manches Anliegen. Stehen Sie vielleicht auch uns bey?
Die schöne Jugend soll uns nur keine verdrüßlichen Gesichter machen: denn das wäre ein übler Schluß nach so viel Heiterkeit. Zwey Verse für die einwandernden Italiäner stehn schon auf dem Papiere. Mich würde besonders der Reim von Pomeranzen und Tanzen verdrießen, wenn ich ihn verlieren sollte. Ich mache das Gedicht fertig: denn es ist ja nicht der letzte Redoutenabend und wir brauchen noch manchen Spaß und Zierde auch auf den folgenden, [186] wo ja dieser Einfall vielleicht besser und glücklicher als gegenwärtig ausgeführt werden kann.
Leben Sie recht wohl und lassen Sie uns sich empfohlen seyn.
Weimar den 14. Febr. 1810.
Goethe.
21/5910.
Haben Sie, liebste Freundinn, bis jetzt nicht von mir gehört: so verzeihen Sie mir es wohl um der schönen Maske willen die ich Ihnen vorbereitet und um des statlichen Ritters willen den ich Ihnen zugetheilt habe.
Um eilf Uhr versammelt man sich im großen Schloßaale und wünscht Sie dort zu sehen. Ich freue mich sehr Sie wieder zu begrüßen.
W. d. 15. Febr. 1810.
Goethe.
21/5911.
Ew. Hochwohlgeboren
erhalten hierbey 200 Exemplare zu gefälliger Austheilung an die Gesellschaft und sonstige Freunde. Das dritte Hundert ist bey mir schon ziemlich auf die Hälfte zusammengeschmolzen. Es scheint, als ob keine Schriften besser abgingen, als die man gratis austheilt. Mit meinem Rest will ich noch die Nachfragenden zu befriedigen suchen.
[187] Wie befindet sich denn unsere liebe kleine Frau? Kann sie den Zug heute anführen? Das Heizen der obern Zimmer ist besorgt. Genast wird sich mit den Stangenmännern zur rechten Zeit einfinden und weitere Anordnung erwarten. Eberwein der Ältere wird die russischen Melodien mit Instrumentalmusik vortragen, wodurch wieder etwas Neues und Fremdes entsteht. Ich wünsche, daß alles wohl passen und gelingen möge. Ich werde diesmal schwerlich selbst aufwarten können.
Weimar, den 18. Februar 1810.
Goethe.
Noch Eins!
Ist es möglich, so wünschten wir die sämmtlichen ausgetheilten Zeichnungen wieder zurückzuerhalten, in welchem Zustande sie auch seyn mögen. Wir würden sie nebst denen vom ersten Aufzuge in ein Buch zusammenbringen und zum künftigen Gebrauch aufheben. Einzeln nutzen sie niemanden, gesammelt aber können sie künftigen Maskenlustigen zu neuer Anleitung dienen. Der ich wohl zu leben wünsche und mich bestens empfehle.
21/5912.
Dießmal, verehrter Freund, war ich glücklicher und habe die Fürstinn und den Fürsten Repnin gesprochen.
[188] Meine Bemühungen die ich seit den letzten drey Wochen einer großen Maskerade widmen mußte, wurden mir auch dadurch belohnt. Sie werden erzählen, daß ich in einer etwas wunderlichen Gestalt meine Aufwartungen gemacht. Die Maske der Fürstinn war außerordentlich schön und kleidete die schöne Dame sehr gut. Der Fürst erzeigte sich sehr freundlich und sprach über manche interessante Gegenstände, deren weitere Ausführung ich wohl gern vernommen hätte. Sie schienen beyde, so wie Fremde und Einheimische, mit ihrem Abend wohl zufrieden zu seyn.
Sie können denken, daß ich durch diese Erscheinungen von meiner Bahn einigermaßen abgelenkt worden bin. Will ich nicht ganz daraus fallen, so muß ich im März nach Jena gehen, um in absoluter Einsamkeit das Farbenwesen endlich abzuschütteln, das ich Ostern los seyn will und wenn es fragmentarisch geschehen sollte.
Der Cammer Diener des Fürsten nimmt gegenwärtiges Packet mit. Die beyden Maskenzüge welche in diesen Heften celebrirt werden, haben unsere Gäste am 16. vereint auftreten sehen. Möchten Sie beym Lesen einiges Vergnügen empfinden und angereizt werden, sich diese Gestalten durch die Einbildungskraft zu vergegenwärtigen. Mehr will ich jetzt nicht sagen von manchen was mir zu sagen übrig bleibt, weil ich fürchte diese Gelegenheit zu verlieren. Leben Sie recht wohl und lassen Sie mich auch bald [189] wieder vernehmen, daß ich noch in Ihrem Andenken lebe.
Weimar den 18. Februar 1810.
Goethe.
21/5913.
[Concept.]
Ew. Wohlgebornen
sende mit dem lebhaftesten Danke die mir anvertrauten Zeichnungen zurück. Sie haben mir und mehreren Freunden sehr viel Vergnügen und Unterhaltung gewährt. Dem Dichter kann nichts angenehmeres begegnen, als wenn er auf eine so bedeutende Weise erfährt, daß ihm die Einbildungskraft des Lesers entgegenarbeite.
Da Ew. Wohlgebornen von der Landschaft, vom Local, von der Umgebung ausgehen und die Personen als Staffage behandeln; so entspringt daraus eine neue Art von Poesie, die ohne die frühere nachahmen zu wollen, sich mit ihr in Rapport setzt und das Gedichtete von einer Seite darstellt. Nehmen Sie daher nochmals meinen aufrichtigen Dank und lassen mich von Zeit zu Zeit vernehmen, wie Sie sich befinden und womit Sie sich beschäftigen.
Herrn Hof Rath Rochlitz bitte das eine der eingeschobenen Packete zu überreichen, und das andre [190] gefällig aufzunehmen. Der ich die Ehre habe, mich mit vorzüglicher Hochachtung zu unterzeichnen.
Weimar den 18. Febr. 1810.
21/5914.
Sowohl die Briefe des Professors Voigt aus Paris als auch die Nachrichten von manchen Reisenden zeugen von dem besondern Glück das er dort gemacht und von der fortdauernd guten Behandlung die er sich zu erwerben gewußt.
Der Unfall der ihm begegnet ist daher desto bedauerlicher, als er ihn nicht allein auf seinem Wege gehindert, sondern ihm auch, wie sich leicht denken läßt, außerordentliche Kosten verursacht. Außer den körperlichen Leiden, den Cur- und Aufwarte-Kosten, hat er noch den Verdruß, daß ihm dabey ein Rock und Überrock zu Grunde gegangen, welches bey einer so beschränkten Garderobe ein großer Verlust ist. Was wir für ihm thun können, ist erschöpft. Sollten Ew. Excellenz es nicht vermitteln können, daß Serenissimus etwas unmittelbar für ihn thäten, da er wohl schwerlich, ohne noch einen Zuschluß, von Paris wird los und hieher gelangen können.
Möge diese vorsorgliche Bitte mir verziehen seyn.
Weimar den 19. Februar 1810.
G.
[191] 21/5915.
Dürfte ich Sie, mein lieber Freund, nunmehr nur um eine kurze Recension der Gautierschen Tafeln und die Tafeln selbst mir zurück erbitten.
Weimar den 19. Februar 1810.
G.
21/5916.
[Concept.]
Wohlgeborner,
Insonders hochgeehrtester Herr,
Ew. Wohlgeboren verzeihen, daß ich auf die mir schon längst überschickten, höchst interessanten Papiere noch nichts weiter vernehmen lassen. Sie haben dadurch den ganzen Zustand dessen, was mich in jener Gegend angeht, so klar auseinandergesetzt, daß mir weiter nichts zu wünschen übrig bleibt. Wie glücklich ist der Staat, wie glücklich die Einzelnen, um deren Geschäfte Sie sich bemühen wollen.
Haben Sie die Gefälligkeit nunmehr mit dem Abtrag des Capitals an Herrn Geheimenrath Willemer fortzufahren, und wenn diese Obliegenheit ganz erfüllt ist, mir von Zeit zu Zeit einige Nachricht zu geben, was etwa für mich in Casse liegt.
[192] Die verschiedenen Staats Papiere, durch die leider die Achiver gefragt werden für das was die Fürsten rasten, beurtheilen Sie vollkommen richtig. Ich dächte, man sähe noch einige Zeit der Sache zu. Wenigstens kann es beynahe nicht schlimmer werden, als es gegenwärtig steht. Ew. W. befinden sich in einer großen Handelstadt eher im Fall auf diese Verhältnisse Acht zu haben und irgend einen günstigen Augenblick abzuwarten. Consolidirt sich der Zustand unsres Vaterlandes auf eine oder die andere Weise; so verbessern sich vielleicht auch diese Aussichten.
Das übersendete Verzeichniß der gewünschten Bücher kam leider um 8 Tage zu spät. Bey der Wohlfeilheit der Preise sind freylich die Liebhaber gleich dahinterher. Sollte wieder so ein Ausgebot geschehen, so will ich das Verzeichniß bald möglichst übersenden. Es haben sich bey uns, durch Todesfälle und andre Umstände, so viele Dubletten von sehr bedeutenden Werken gesammelt, welche man nach und nach auf diese Weise anzubringen denkt und ungeachtet des wohlfeilen Ausgebotes noch immer gegen Kosten und Unstatten einer Auction gewinnt. Die Lebensbeschreibung Götzens von Berlichingen hat mein Sohn, der sich gegenwärtig hier befindet und sich bestens empfiehlt, in Jena. Er wird bey seiner nächsten Hinüberkunft sogleich sie mir zusenden, und sie erfolgt alsdann von hier aus aufs baldigste. Die alten Rechnungs-, Haushaltungsbücher, Quittungen und[193] sonstige Papiere, welche noch in Ew. W. Händen sind, bitte in eine Kiste schlagen zu lassen und mir solche durch einen Fuhrmann zu übersenden. Gewiß sind einige Notizen; die mir vielleicht zufällig brauchbar sind, die Fracht werth, die ich daran wende.
An allem Guten, das Ihnen und den Ihrigen widerfährt, welche wir billig auch die unsrigen nennen, nehmen wir den herzlichsten Antheil. Empfehlen Sie uns zum besten sämmtlichen lieben Freunden.
Von Ihres Herrn Bruders Behagen in Rom erhalte ich soeben durch Frau von Humboldt Nachricht, welche sich seines Umgangs vorzüglich erfreut.
Meine Frau, die sich bestens empfiehlt, wird nächstens selbst von sich hören lassen. Sie ist, wie auch ich, seit beynahe einem Monat durch die vielen aufeinander folgenden Geburtstagsfeste, welche durch einen sehr unangenehmen Faden von Einquartirung durchwirkt waren, in steter Beschäftigung und Unruhe gewesen. Sie dankt aber mit mir aufs herzlichste für alle freundschaftlichen Bemühungen, und freut sich mit treuer Theilnahme an den gegebenen guten Nachrichten. Erhalten Sie uns Ihr gütiges Andenken und empfehlen uns den lieben Ihrigen aufs allerbeste.
Weimar den 19. Februar 1810.
[194] 21/5917.
Weimar, den 19. Februar 1810.
Ich sende die, mein lieber Carl, deine Zeichnungen zurück, und da du dich so gut gehalten hast, so traue ich dir etwas Schwereres zu. Aus den mitkommenden Umrissen historischer Bilder, die dich interessiren werden, nimmst du nur einzelne Figuren heraus, wenn die ein ganzes Blatt zu umständlich und schwer vorkommen möchte. Doch kannst du ja auch wohl, wenn du dir Zeit dazu nimmst, ganze Compositionen abzeichnen; denn sie sind hübsch, und du wirst Freude haben, sie in deiner Sammlung von Studien zu besitzen. Empfiehlt mich deinen lieben Eltern. Ich hoffe nun Jena bald wieder zu sehen.
[34] 21/5917a.
Ew. Hochwohlgebornen
aufzuwarten hindert mich nur das wilde Winterwetter, und ich nehme mir daher die Freyheit schriftlich noch [35] einiges über die Angelegenheit zu äußern, welche Sie so gefällig eingeleitet haben. Auf die mir gestern gethane Äußerung habe ich alles nochmal wohl überlegt und ich glaube nun auch, daß es am vortheilhaftesten seyn werde, diese musicalische Unterhaltung im Theater zu geben, weil sich immer zuletzt noch mehr Personen finden welche Theil zu nehmen wünschen, und die man nicht gerne desobligiren möchte.
Die gnädigsten Herrschaften und die ihnen attachirten Personen beträten wie gewöhnlich die Loge, der Adel besetzte den Balcon, was sich aus der Stadt einfindet, die Logen, die Personen vom Theater das Parterre, und so würden wir kein ganz leeres Haus haben. Manches andere macht sich auch diese Weise leichter und bequemer. Hat dieses Beyfall, so bitte ich nur um die Stunde, wann wir die Höfe zu erwarten haben, um die übrige Gesellschaft darnach avertiren zu können. Mich gehorsamst empfehlend
Goethe.
Weimar den 20. Februar 1810.
[194] 21/5918.
Ew. Hochwohlgeboren
gefällige Anfrage beantworte sogleich.
Das Chor bestand aus 26 Sängern. Jeder würde nach unserer Theatertaxe für seine Bemühungen 8 Groschen erhalten haben. Zahlen Sie jedem 12 Groschen, so wird es mit Dank angenommen werden und zur Ermunterung in ähnlichen Fällen dienen. Das Ausschreiben der Stimmen betrug 1 Thaler 8 Groschen.
[195] Mögen Sie mir diese kleine Summe zukommen lassen, so werde ich gern für die Entrichtung und Vertheilung sorgen.
Möchte doch alles, was unternommen und aufgewendet wird, von so guter Wirkung seyn. Ich erfreue mich dessen, indem ich Ihnen und Ihrer lieben Dame meinen Dank und meine Anhänglichkeit auf das beste zu versichern die Freude habe.
Weimar, den 21. Februar 1810.
Goethe.
21/5919.
Ihren erfreulichen Brief, mein verehrter Freund, erhalte ich heute früh, und heute Abend läßt mir der Fürst Repnin gefällig sagen, daß er Ihnen noch etwas von mir gern überbrächte. Da sehe ich um mich her, was ich Ihnen schicken könnte, und wage es die Bogen des zweyten Theils der Farbenlehre, die zu jenem ersten gehören, den Sie schon besitzen, einzupacken und mitzugeben. Lassen Sie solche nur leicht heften, die folgenden sende ich nach. Nur bitte ich, dieses werdende Werk geheim zu halten. Mitwollende giebts wenig, Mißwollende viel. Wenn ich in diese Bogen hineinsehe, so kommt mir's manchmal vor, daß ich älter werde und daß ich radotire: denn radotiren heißt nicht, wies das gemeine Lexicon sagt, allein albernes Zeug reden, sondern auch, das Rechte zur unrechten [196] Zeit sagen; welches dem sogenannten Verstand immer albern vorkommt. Da Sie mir meine liebe Ottilie so ächt, gut und freundlich nehmen und auch dem Eduard Gerechtigkeit widerfahren lassen, der mir wenigstens ganz unschätzbar scheint, weil er unbedingt liebt; so gewinnen Sie gewiß diesem zweyten Theile des Farbenwesens so viel ab, daß er dem ersten, der Ihre Gunst erwerben konnte, die Wage hält. Wie viel anderes wirklich Erfreuendes und Erquickliches hätte ich nicht zu sagen, wenn wir einander gegenüber stünden; jetzt mag es ein Ende haben, weil ich einpacken und fortsenden muß, und mich nur noch Ihrem freundlichen Wollen empfehlen kann.
Weimar den 21. Februar 1810.
Goethe.
[35] 21/5919a.
Ich ermangle nicht, theure Frau Hofräthinn, vorläufig anzuzeigen, daß morgen abend im Theater eine musicalische Unterhaltung statt finden wird. Sie werden daher freundlichst ersucht, Ihre Gesellschaft für dießmal auszusetzen; dagegen ich nicht verfehlen werde Ihnen ein paar Billette auf Ihre Loge zu schicken, und auch [36] die übrigen Freunde soviel als möglich zu versorgen. Der ich recht wohl zu leben wünsche
Goethe.
Weimar den 21. Februar 1810.
[196] 21/5920.
Herrn Stromeyer wären also die beyden Rollen wieder zuzustellen und eine Verordnung an den Cassier zu erlassen, daß ihm die zurückgehaltene Gagenhälfte morgen mit seiner gewöhnlichen Gage zugestellt werde. Übrigens glaube ich nicht, daß man sich weiter gegen ihn zu erklären hat, weil sonst immer wieder neue Schwierigkeiten zur Sprache kommen.
Weimar den 22. Februar 1810.
G.
[197] 21/5921.
Ob die von den Hackertschen Erben beygebrachte Legitimation ausreichend sey, das muß ich zu Ew. erleuchtetsten Ermeßen ausstellen.
Mir hat sie nicht ausreichend geschienen, weil unter dem Blanquet sub E weder Siegel noch Unterschriften der Vormünder befindlich sind.
Da hiernächst die Hackertschen Erben am Schluße ihrer Eingabe vom 20. dieses Monats sich nicht allein die Restitution der ihnen erwachsenen Kosten, sondern auch den Regreß wegen längerer Zurückbehaltung der Papiere und die Anforderung des Manifestations Eides dahin, daß von den Papieren nichts abhanden gekommen sey, oder Auszüge und Abschriften davon genommen worden seyen, vorbehalten; so kann ich die Ausantwortung der befraglichen Papiere an sie vor der Hand auch nicht geschehen laßen, sondern muß dagegen feyerlichst protestiren und um rechtliches Gehör darwider bitten.
Als ich mich erklärte, daß ich alle Ansprüche auf die Hackertschen Papiere aufgeben wolle, waren mir die Hackertschen Erben mit der Erklärung, daß ich solche behalten und bearbeiten möchte, vorangegangen; die Bedingungen aber, unter denen mir solche zur Bearbeitung überlassen werden sollten, konnten wir nicht [198] anstehen, ich that also lieber Verzicht auf meine Ansprüche.
Bis dahin hatten die Hackertschen Erben weder von einem Kostenersatz, noch von einer Entschädigung wegen vermeintlicher Zurückbehandlung dieser Papiere, noch vom Manifestations Eide, das geringste erwähnt; es konnte mir daher auch kein Gedanke daran einfallen. Jetzt nun, da sie mit diesen Dingen hervortreten, kann ich die Ausantwortung der befraglichen Papiere geradehin nicht zugeben, denn, wenn sie wegen des Manifestations Eides oder wegen einer Entschädigung angeblicher Zurückbehaltung halben, den Rechtsweg gegen mich einschlagen wollen, so gehört zu meiner Vertheidigung, daß das Manuscript zur Hand sey, und bevor diese meine Vertheidigung geführt ist, kann ich das Manuscript nicht in fremde Hände laßen.
Wollen daher die Hackertschen Erben von ihren Vorbehalten nicht abgehen, so bitte ich unterthänigst, sie sofort zu deren Anbringung in rechtlicher Ordnung zu verweisen.
In tiefster Ehrerbietung verbleibe ich
Ew.
v. Goethe.
Weimar den 28. Febr. 1810.
[199] 21/5922.
[Concept.]
[28. Februar.]
Hochwohlgeborner,
Insonders hochgeehrtester Herr.
Ew. Hochwohlgeboren haben mir durch die freundliche Sendung eine sehr große Freude gemacht, welche meine hiesigen Freunde sämmtlich mit mir theilen. Die Nachricht von dem wohlthätigen belohnenden Feste war sehr tröstlich und erquicklich, und der Anstand mit dem alles Äußere eingerichtet erschien, höchst achtenswerth.
Soll ich hiebey ganz aufrichtig seyn, so würde ich, wenn ich hätte voraus wissen können, daß ein von mir verlangtes Gedicht bey einem so stattlichen Feste recitirt werden sollte, es vielleicht gar nicht, gewiß aber anders gemacht haben. Ob es besser geworden wäre, wüßte ich selbst nicht anzugeben. Aber Ew. H. haben sich um mich und um diese kleine Production höchst verdient gemacht, da Sie solche auf eine Weise einführten, die ihre Wirkung nicht verfehlen konnte, indem dadurch eine naive Production zu einer feyerlichen erhoben wurde.
Nehmen Sie dafür meinen aufrichtigen Dank, dem ich zugleich die Nachricht hinzufüge, daß einige meiner Freunde sich für diese kleine Production gleichfalls interessirt. Herr Büry in Berlin hat eine colorirte[200] Zeichnung des letzten Momentes gar glücklich gedacht und ausgeführt. Herr Professor Zelter ebendaselbst hat die Ballade componirt. Solostimmen für die Erzählung und Chor für den Refrain. Wir haben nur erst die Partitur beym Clavier durchgegangen; man erkennt jedoch sogleich, daß sie, wie alle Arbeiten dieses außerordentlichen Mannes, von großem Werthe sey. Sie wird auf Ostern in Leipzig gedruckt erscheinen, und wir werden uns die Freyheit nehmen, gleich ein Exemplar an Ew. H. zu dirigieren. Darf ich noch bitten, mich dem Andenken der Frau von Vernejoul bestens zu empfehlen und mir Ihre eigene geneigte Gesinnung zu erhalten.
21/5923.
[Februar.]
Sagen Sie mir, lieber Freund, nur mit einem Wörtchen hierunter, ob Sie die Strahlenkrone für den Prinzen bestellt haben und bey welchem Klempner, daß ich kann darnach fragen und sie abholen lassen. Fällt Ihnen sonst noch was ein, so haben Sie die Güte es auch zu notiren. Wie steht es mit dem Fächern als Fähnchen?
Goethe.
[201] 21/5924.
[Februar oder März.]
Das Denysche Schreiben wird Herzogl. Commission zu beachten die Güte haben.
Wird Zayre wieder aufgeführt; so wünsche ich daß es einen Mittwoch geschehe. Wie ich denn auch eine sorgfältige Probe davon empfehle.
G.
21/5925.
Herrn Docktor Motherby sage ich den aufrichtigsten Danck für die mir verehrten Blätter Kantischer Handschrift. Ich werde sie als Seltenheiten, ja als Heiligthümer bewahren und mich dabey oft des verewigten, dem wir soviel schuldig sind und jener Freunde erinnern die in seinen alten Tagen so treulich an ihm hielten.
Mich zu geneigtem Andencken empfehlend
Weimar, d. 1 März 1810.
Goethe.
[134] 21/5925a.
Wenn von indiskreten Menschen die Rede ist, welche die ihnen gegönnte Benutzung wissenschaftlicher Schätze mißbrauchen, so möchte Herr Oken wohl durchaus den ersten Platz verdienen.
[135] Zu Ew. Exzellenz gelangt mehr Unangenehmes als Angenehmes und ich mache mirs daher zur Pflicht, mit Allem, was sich schlichten oder übergehen läßt, nicht beschwerlich zu fallen; deshalb ich auch von dem vorjährigen Betragen obgenannten Mannes nichts erwähnte und auch jetzt davon schweigen will. Ob er sich ändern und bessern kann, weiß ich nicht; ich zweifle daran, denn er gehört unter diejenigen, welche grade das höchste Recht zu haben glauben, wenn sie am unerträglichsten sind. Persönlich wünsche ich nie wieder ein Verhältniß zu ihm zu haben.
Wollen aber Ew. Excellenz nach seinem letzten Briefe an Dieselben, von 21. Febr., und dem darauf sich beziehenden Berichte des Bibliothekars von Kommission wegen verfügen, so werde nicht ermangeln meine Unterschrift der Ihrigen beyzusetzen.
Der erste, zweyte und dritte Punkt des bibliothekarischen Berichts könnte genehmigt und allenfalls die Humboldtische Zoologie mit den andern Büchern ins Museum gelegt werden.
Eine solche Unordnung könnte immer auf ein halbes Jahr gelten. Man sähe wie er sich benähme und könnte alsdann, nach den Umständen, die gegebene Erlaubniß erweitern oder verengern. Bey einem so äußerst eigenwilligen und um sich greifenden Manne getraue ich mir kein bleibendes Reglement auszusinnen.
Der ich mich bestens empfehle
W. 3. März 1810.
G.
[201] 21/5926.
[3. oder 4. März.]
Das übersendete Zeitungsblat kommt mit dem besten Dancke zurück. Über dessen Inhalt mündlich.
[202] Wäre der Dienstag Durchl. der Herzoginn angenehm; so stehe ich zu Befehl. Freytag ist Hauptprobe von Mackbeth. Ich hoffe Sie heute bey uns zu sehen.
G.
21/5927.
[4. März?]
Mögen Sie mir, verehrter Freund, noch heute die 50 rh. für Fuchs übersenden, so habe ich Morgen Gelegenheit sie hinüber zu schicken.
G.
21/5928.
[Concept.]
[5. März.]
Ew. W. erlauben mir eine Anfrage und verzeihen eine Bitte um ein Gutachten in einer Angelegenheit, die Sie am besten übersehen.
Die Hackertschen Erben, welche der Herausgabe der biographischen Papiere, von welchen Sie einen Theil kennen, bisher Hindernisse entgegengesetzt, fangen nunmehr, da ich die Sache ganz aufgegeben, sich zu bestimmen an, möchten gerne wieder einlenken, und da gemeinsam mit ihnen nichts vorzunehmen ist; so Thue ich den Vorschlag, die gedachten Manuscripte ihnen abzulaufen, und für eine rechte und billige Summe an mich zu bringen.
Die Papiere, wie sie liegen, würden 10 bis 12[203] Bogen in 8°, gedruckt, wie ohngefähr mein Winkelmann, allenfalls ausmachen. Was könnte eine solide Buchhandlung für ein solches Manuscript zahlen? wobey zu bedenken ist, daß wenn man sie auch ohne weiteres abdrucken wollte, immer, wo nicht ein Redacteur, doch ein geschickter Corrector zu honoriren seyn würde, der mit Sach- und Sprachkenntniß versehen, diese Aufsätze einigermaßen producibel machte.
Was würde dagegen eine gedachte Buchhandlung für ein Manuscript zahlen können, das ohne an Volumen merklich gewonnen zu haben, eben diese Aufsätze, von einem namhaften Schriftsteller verarbeitet, nutz- und genießbarer, lieferte!
Haben Sie die Gefälligkeit mir diese Fragen, ohne weitere Rücksicht, nach Ihrer genauen Kenntniß des Buchhandels zu beantworten, und zwar dergestalt, daß ich allenfalls Ihr Schreiben jenen Interessenten mittheilen könnte.
Wir hoffen nunmehr bald persönlich aufzuwarten. Wenigstens ist unsre Abriese von hier auf Montag den 12. Festgesetzt. Ich wünsche, daß es dabey bleiben möge. Mich bestens empfehlend.
[136] 21/5928a.
[Concept.]
[Weimar, 5. März 1810.]
Ew. Hochwohlgebornen
erlauben in einer Angelegenheit eine gehorsamste Anfrage und Bitte.
Die Nähe der Haufischen Wirtschaft ist für sämmtliche Umwohnende von jeher eine große Unwohnende von jeher eine große Unbequemlichkeit gewesen, und von Jahr zu Jahr hat sich die Sache verschlimmert. Aus Einer Regelbahn sind zwey geworden, und anstatt, daß sonst wenigstens der Morgen ruhig war, und daß auch selbst Nachmittags- und Abendstunden Einschränkung erlitten; so ward zuletzt von Morgen bis in die Nacht gekegelt, wobey es denn an Geschrey, Lärm, Streit und andern Unarten nicht gebracht. Daß man in Kriegszeiten, wo manches gute Gesetz schweigen muß, sich sehr gefallen läßt, als zu Zeiten der Ruhe, daß ich auch mehrere Sommer auswärts gelebt, ist Ursache daß ich nicht früher mich hierüber geäußert.
Nun höre ich aber, daß ein neuer Wirth einzieht, und zwar einer der bisher in Belvedere gesessen, welcher denn diese städtische Anstalt wahrscheinlich, nach Weise eines Landwirthshauses noch zu erweitern und unruhiger zu machen trachten wird.
Darf ich anfragen, ob man bey Ertheilung einer neuen Concession vielleicht schon darauf gadacht hat, [137] eine solche Vergünstigung, wie es früher Sitte gewesen, einzuschränken? Inwiefern diese Sache vom Ressort herzoglicher Polizey ist; oder was sonst noch für Instanzen concurriren? Ob Ew. Hochwohlgeborner auf diese meine Privat-Anzeige gefällig reflectiren mögen und können, oder ob Sie nöthig finden, daß ich deshalb einen förmlicheren Schritt thue?
Ich läugne nicht, daß mir diese Sache sehr angelegen ist: denn eine Hauptursachen, warum ich den Sommer auswärts zubrachte, war eben diese unruhige Nachbarschaft, die mir den ganzen Tag und weit in die Nacht hinein, mein Hinterhaus und meinen Garten unbrauchbar machte. Sie werden mich daher durch gefällige Wirkung oder Anleitung ganz besonders verbinden. Der ich ppp.
[203] 21/5929.
Die Composition von Johanna Sebus habe ich zwar erst unvollkommen gehört, allein genugsam, um versichern zu können, daß sie mir ganz vortrefflich [204] vorkommt. Ich müßte sehr weitläufig seyn, wenn ich alles sagen wollte was mir bey dieser Gelegenheit durch den Sinn gegangen. Nur Eins will ich erwähnen, daß Sie auf eine sehr bedeutende Weise von demjenigen Gebrauch gemacht, wofür ich keinen Namen habe, das man aber Nachahmung, Malerey und ich weiß nicht sonst wie nennt, und das bey andern sehr fehlerhaft wird und ungehörig ausartet.
Es ist eine Art Symbolik fürs Ohr, wodurch der Gegenstand, insofern er in Bewegung oder nicht in Bewegung ist, weder nachgeahmt noch gemalt, sondern in der Imagination auf eine ganz eigene und unbegreifliche Weise hervorgebracht wird, indem das Bezeichnete mit dem Bezeichnenden in fast gar keinem Verhältnisse zu stehen scheint. Daß auf einem ganz natürlichen Wege in der Musik der Donner rollen und die Wellen brausen können, versteht sich von selbst. Wie glücklich Sie aber die Negation kein Damm, kein Feld durch den abgerissenen unterbrochenen Vortrag ausgedruckt haben, ist überraschend, so wie die Anticipation des Gefälligen vor der Stelle Doch Suschens Bild.
Lassen Sie mich nicht weiter gehen, weil man ja des Ganzen so wie des Einzelnen erwähnen müßte. Nächstens hoffe ich es noch einigemal zu hören und mich daran recht von Grund aus zu ergötzen; welches besser ist als Reflexion und Urtheil. Ihre Correcturen sind auch angekommen und eingeschaltet.
[205] Was das Lied betrifft, so könnte man es Pflicht und Frohsinn nennen. Fahren so fort und suchen Sie daß jedesmal, so oft es gesungen wird, von irgend einem wohlgelaunten Manne, eine neue Strophe eingeschaltet oder statt einer andern gesungen wird. Noch habe ich die Melodie nicht gehört; es war diese Tage gar zu vielerley Drang um uns her.
Leben Sie nun recht wohl, und senden mir das Trommellied von Voß: denn Eberwein hat es nicht mitgebracht. Unsere kleine Societät gab vor kurzem im Theater eine musicalische Unterhaltung, wo Ihr In Flammen nahet Gott, so wie die Gunst des Augenblicks und anderes den besten Effect machten.
Weimar den 6. März 1810.
G.
[137] 21/5929a.
[Concept.]
[Weimar, 7. März 1810.]
Ew. Hochwohlgeborner
gefällige Zusicherung, daß Sie bey dem Anzuge des neuen Besitzers auf meine und der ganzen Nachbarschaft mehrere Beruhigung denken wollen, erkenne ich mit ganz besonderem Danke, um so mehr als ich zu Anfang der nächsten Woche nach Jena zu gehen gedenke, in welcher, so wie ich höre, Frau Hauf auszieht und der neue Nachbar Besitz nimmt. Er hat, [138] wie ich vernehme, schon alle Anstalten gemacht, die zweyte, bisher nur unter freyem Himmel angelegte Kegelbahn gleichfalls zu überbauen. Ich wiederhole daher dringend meine Bitte, auf diese Angelegenheit ein wachsames Auge zu haben, damit nicht etwa dasjenige geschieht, was sich späterhin so leicht nicht redressiren läßt.
Ich erkenne mit Dank, daß Sie meine Blätter zu den Acten nehmen wollen, Der ich die Ehre habe mich mit vorzüglicher Hochachtung zu unterzeichnen.
[205] 21/5930.
Sie erhalten hiebey, mein werthester Freund, die Zeichnungen von Menken, die ich glücklicher Weise beym Aufräumen wohlbehalten beysammen gefunden habe. Ich gratulire zu deren Besitz: denn sie sind wirklich sehr schön. Sorgfältig eingepackt, werden sie, hoffe ich, wohlbehalten bey Ihnen ankommen. Haben Sie die Güte mir es anzuzeigen und mir zugleich zu melden, wie Sie sich mit den lieben Ihrigen in der neuen Lage befinden.
[206] Uns geht es ganz wohl. Ich werde in diesen Tagen nach dem alten Jena gehen und mich zur Carlsbader Reise im Stillen vorbereiten.
Der ich recht wohl zu leben wünsche.
Weimar den 9. März 1810.
G.
21/5931.
[12. März.]
Wir sind glücklich hier angekommen, obgleich Wetter und Weg höchst unangenehm waren. Der Hecht, den dir August gesendet hat, ist gewiß gut empfangen worden. Wenn ihr uns auch etwas schmackhaftes dagegen schickt; so soll gelegentlich wieder ein Fisch folgen, sonst gewöhnen wir uns an, sie selbst zu essen.
Sende mir einen von den schwächeren Ästen des Wachholderbaums, nur etwa eine Elle lang; wir wollen einen Versuch machen und sehen, was damit zu thun ist. August legt sich eine artige Sammlung von Holzmuster an; dazu soll auch ein Stück verwendet werden.
Er befindet sich übrigens recht wohl und geht schön gerade. Ich hoffe Carolinchen wird es auch thun.
Sende mir einige Abputztücher, damit es so reinlich um mich bleibe, wie es gegenwärtig ist.
[207] Schicke uns auch von solchen Calendern auf Pappe gezogen. Sie liegen auf dem Bücherrepositorium meines Schreibtisches, rechts, ganz oben. Riemers rothes Brieftäschchen ist am Sonntage im Saale liegen geblieben. Er erbittet sichs zurück.
Noch einiges würde ich hinzusetzen; aber August hat mir so allerley vorerzählt daß die Boten drüber ankommen. Besorge nur das Beyliegende recht ordentlich und lebe wohl.
G.
21/5932.
Sie haben, mein lieber Freund, durch Sachsen wohl nebst andern Dingen auch eine Pappe mit Kupferstichen erhalten, welche Herrn von D'alton gehören. Stellen Sie ihm solche wieder zu, mit Dank, daß er mir sie zu meiner Unterhaltung und Belehrung so lange überlassen wollen. Es fehlen noch einige daran, besonders leider das Beste, die Himmelfahrt Mariä von Guido; sie sollen aber unverloren seyn; sobald ich sie auffinde, gebe ich auch diese mit zurück. Für heute nicht mehr. Leben Sie recht wohl, lassen Sie mich bald hören, wie Sie sich befinden und was sonst vorgeht.
Jena den 13. März 1810.
Goethe
[208] 21/5933.
Da es denn doch nicht wohl angeht, daß man einen so angenehmen Besuch verbittet; so sollt ihr eben Freytags nach eurer Bequemlichkeit willkommen seyn. Das Tagebuch ist recht schön und reichlich, das Übrige wollen wir mündlich besprechen.
Jena den 14. März 1810.
G.
21/5934.
Ew. Wohlgebornen
danke verbindlichst für die mir gegebenen guten Nachrichten. Ich wünsche und hoffe, daß alles so fort einen guten Gang gehen möge.
Was den Urlaub des Ambrosius betrifft, So unterschreibe ich alles was Sie glauben thun und erlauben zu können. Es ist Ihnen ja die Verfassung, sowie das Verhätniß unsres Orchesters am besten bekannt. Es geht mir diese Tage hier ganz leidlich; doch wünsche ich noch immer bessere Wirkung von der Ruhe und Einsamkeit in der ich mich gegenwärtig befinde. Lassen Sie mich von Zeit zu Zeit hören, wie es unserm Geschäft geht. Empfehlen Sie mich Herrn Rath Kruse schönstens und sagen Sie mir doch auch gelegentlich, was der gute Witzel macht. Wegen [209] der Belagerung von Smolensk wird mir wohl Herr Genast selbst schreiben und das Stück schicken. Die Ähnlichkeiten, nach dem Französischen, von Vogel wollen mir nicht recht gefallen. Der ich mich bestens empfehle.
Jena den 16. März 1810.
Goethe.
21/5935.
Ew. Wohlgeboren
würden mir eine besondre Gefälligkeit erzeigen, wenn Sie mir die Allgemeine Literaturzeitung von 1792 und sodann einige Nachricht von einem englischen Gelehrten Chester Morehall verschaffen könnten. In Hoffnung einer baldigen persönlichen Zusammenkunft
Jena den 18. März 1810.
Goethe.
21/5936.
[Concept.]
[21. März.]
Wohlgeborner
Insonders hochgeehrtester Herr,
Ew. Wohlgebornen gefälliges Schreiben vom 24. Februar hat mir viel Vergnügen gemacht, indem ich daraus die Möglichkeit sehe, daß mein Verhältniß zu[210] den Hackertschen Erben demjenigen ähnlich werden könne, welches ich zu einem abgeschiedenen hochgeschätzten Freunden gehabt.
Der bisherigen Vorgänge würde ich daher gar nicht erwähnen, wenn es nicht nothwendig schiene, mich von dem Vorwurf zu reinigen, als wenn ich an Verzögrung der Sache schuld sey. Auf meine den 11. May 1808 eingereichten Vergleichs-Vorschläge hat Herr Cammerconsulent Hufeland erst den 3. May 1809 eine Erklärung übergeben, welche so wenig eine gütliche Auskunft und eine gemeinsame Behandlung des Geschäfts hoffen ließ, daß ich mich lieber entschloß die Sache aufzugeben, und deshalb am 1. July 1809 das versiegelte Packet mit den Manuscripten übergab, mit geziemender Bitte, dieselben den Personen, die zu den Eigenthums Rechten auf selbige sich gehörig legitimiren würden, aushändigen zu lassen. Hierauf hat Herr Hufeland erst am 212. Februar dieses Jahrs ein Schreiben und mit demselben mehrere allgemeine Vollmachten, jedoch keine besondere für den vorliegenden Fall, übergeben, dabey auch aufs Neue solche Bedingungen und Vorbehalte hinzugefügt, welche zu freundlicher Beendigung eines so wenig bedeutenden Geschäfts keine angenehme Aussicht eröffnen.
Mit desto mehr Zufriedenheit habe ich Ew. W. gefälliges Schreiben erhalten, und will, ganz frey und unbewunden, über die Sache meine Gedanken mittheilen.
[211] Wie unbedeutend sie sey, fällt sogleich in die Augen, wenn man den Gegenstand des Streits näher betrachtet. Die sämmtlichen Papiere von denen die Rede ist, würden gedruckt nicht mehr als 10 bis 12 Bogen in Octav ausmachen. Eine Buchhandlung könnte dafür allenfalls 12 Louisd'or geben, wobey noch immer, wo nicht ein Redacteur, doch ein geschickter Corrector zu honoriren seyn würde, der mit Sach- und Sprachkenntniß versehen, diese Aufsätze einigermaßen producibel machte. Nicht gerechnet, daß manches daraus noch wegfallen muß.
Da ich die Sache mir aus dem Sinne geschlagen und ganz andere Arbeiten vorgenommen, deren Beendigung ich sobald nicht entgegensehe; so würde ich nicht einmal gegenwärtig die in meinen Vergleichs Vorschlägen angezeigten Vorsätze erfüllen und das Werk, wie ich es mir damals gedacht, zu leisten im Stande seyn.
Um jedoch auch hier meine Bereitwilligkeit zu zeigen; so offerire ich mich, den Hackertschen Erben obgedachte Summe von 12 Louisdor in der Leipziger Jubilate Messe vorauszuzahlen, da ich mich wegen eines Termins der Herausgabe noch sonst auf irgend eine Weise binden oder verpflichten kann.
Sollte jedoch in der Folge, durch meine Bearbeitung, der Werth des Manuscripts über das Doppelte gesteigert werden; so erbiete ich mich das Surplus Ew. Wohlgebornen anzuzeigen und zu entrichten; wobey [212] sich von selbst versteht, daß mein gegebenes Wort hiebey als hinreichende Sicherheit angesehen werde.
Mögen daher Ew. W. bey Herzoglicher Regierung deshalb die nöthige Erklärung thun, oder mir eine zu diesem Geschäft hinlängliche Acte ausstellen; so will ich das versiegelte Packet wieder zurücknehmen, und von meiner Seite die Arbeit möglichst beschleunigen.
In weniger Zeit werde ich von hier abreisen und daher Sommer auswärts zubringen. Ew. W. ersuche daher um eine baldige gefällige Antwort, der ich eine Nachricht beyzulegen bitte, was etwa von Hackertschen Kunstarbeiten noch in Ihren Händen und verkäuflich ist. Es kommen manchmal, ehe mans vermuthet, Gelegenheiten zu Empfehlung solcher Dinge.
[138] Jedoch dieses alles und manches andere Unfreundliche beyseite gesetzt, erkläre ich auf Ew. W. neueren Antrag hiemit, daß ich, ob ich mir gleich die Sache schon gänzlich aus dem Sinne geschlagen, dennoch das Geschäft wieder übernehmen will, wenn man jenerseits dasselbe wieder in den Weg des Vertrauens und der Neigung, wohin es eigentlich gehört, zurückzuführen geneigt ist.
Mögen Ew. Wohlgebornen bey Herzoglicher Regierung deshalb die nöthige Erklärung thun, oder mir eine zu diesen Behuf hinlängliche Acte ausstellen; so werde ich das versiegelte Packet wieder zurücknehmen, und von meiner Seite die Arbeit möglichst [139] beschleunigen; wobey ich das Interesse und die Zufriedenheit der Hackertschen Erben gewiß nicht aus den Augen verlieren werde.
Möchte man doch bedenken, daß die Dazwischenkunft von Sachwaltern und Richter zu einen solchen Zwecke nicht frommen könne, daß wir in einer Zeit leben, wo uns der gute Humor nicht wie sonst zu Gebote steht, wo vielmehr Zufälligkeiten und Hindernisse aller Art jede Thätigkeit, besonders eine geistreiche, leider oft genug unterbrechen und wo Privatpersonen sich ja unter einander nicht noch die wenigen guten Stunden verkümmern sollten.
Die Sache selbst ist von geringer Bedeutung. Die sämmtlichen vorliegenden Papiere würden, gedruckt, nicht mehr als 10-12 Bogen in 80 ausmachen; wobey noch immer, wo nicht ein Redacteur, doch ein geschickter Corrector zu honoriren seyn würde, der mit Sach- und Sprachkenntniß versehen, diese Aufsätze einigermaßen producibel machte; nicht gerechnet, daß manches daraus noch wegfallen müßte.
Ich wünsche diesen Stoff durch meine Bearbeitung so zu steigern, daß die den Hackertischen Erben zukommende Hälfte ihnen einige Zufriedenheit erregen könne. In weniger Zeit werde ich von hier abreisen, und den Sommer auswärts zubringen. Ew. W. ersuche daher um eine baldige gefällige Antwort, der ich eine Nachricht beyzulegen bitte, was etwa von Hackertschen Kunstarbeiten noch in Ihren Händen unverkäuflich [140] ist. Es kommen ehe man es vermuthet Gelegenheiten zu Empfehlung solcher Dinge.
Der ich die Ehre habe mit besonderer Hochachtung mich zu unterzeichnen.
[212] 21/5937.
Um folgende Besorgungen wollte ich dich dießmal gebeten haben:
Erstlich wird Herr von Knebel nach Weimar kommen, den du ohne mein Erinnern gut aufnehmen wirst. Sodann aber suchst du, in der mittleren Schublade meines großen Schreibtisches, rechts, ein Packet, worauf
Saul
geschrieben steht. Dieses eröffnest du und giebst ihm was es enthält.
[213] Zweytens hängen in dem Schranke rechts oben dieses Schreibtisches kleine messingene Schlösser mit Schlüsselchen. Diese schicke mir mit den rückkkehrenden Boten.
Da unser guter Knebel mit den Seinigen dich zu Mittag heimsuchen wird; so richte dich darauf ein. Ich hoffe, daß du dieses Blatt noch zur rechten Zeit erhältst.
Von meiner Seite habe ich, zu ihrer bessern Aufnahme, hierbey auch noch ein Blättchen wegen Entrée des Freundes in meine Loge, solange er in Weimar ist, und ein zweytes geschrieben, damit du für die Familie auch Billette ins Parterre erhalten kannst. Mache übrigens alles, wie du glaubst daß es recht ist.
August hat sich auch entschlossen zur schönen Müllerinn zu wandern. Vielleicht ist er früher da als gegenwärtiges. Du wirst auf alle Fälle einen wohlbesetzten Tisch haben. Lebe recht wohl und schicke uns manchmal Froschkeulchen. Die übersendeten waren ganz vortrefflich. Grüße Carolinchen.
Jena den 23. März 1810.
G.
21/5938.
Wir dreye, meine schönen Freundinnen, könnten wahrscheinlich nichts Bessers thun, als wenn wir aus unsern kleinen Übeln und Gebrechen ein Picknick[214] machten und sie zusammen aufzuzehren suchten. Weil jedoch hierbey die Interessenten wo nicht unter Einem Dache doch wenigstens auf einer Flur sich befinden müssen, so hat mich mein guter Geist schon einigemal der Ihrigen nahe geführt, so daß ich die einzelnen Steine Ihrer alten Burg zwar nicht zählen aber doch unterschreiben konnte. Vermuthlich wird sich die Anziehungskraft mit jedem Mal vermehren und ich werde zuletzt, ohne daran zu denken, vor Ihrer Thüre stehen, da ich mir denn eine freundliche Aufnahme und meinen ärztlichen Vorschlag guten Erfolg wünsche. Sollten sich Übel indessen verloren haben, so wird ja wohl Rath werden, in der Geschwindigkeit neue anzuschaffen. Gedenken Sie mein ja recht freundlich.
Jena, den 23. März 1810.
G.
21/5939.
Nach Empfang Ihres lieben Briefs, mein Theuerster, der mich in Jena antrifft, mache ich sogleich ein Paket zusammen, stark genug um von der fahrenden Post angekommen zu werden. Es enthält allerley, was inzwischen bey uns vorgegangen. Sie sehen daraus, daß wir uns so wenig etwas abgehen lassen, als das heitere Menschengeschlecht vor der Sündfluth, welches freyte und sich freyen ließ, und bey der Zimmerarbeit des Erzvaters weiter nichts zu denken [215] fand. Ich möchte Ihnen gleichen guten Humor wünschen, wie ich denn selbst dießmal mit dem Schicksale nur auf vier Wochen contrahirt habe, in welchen ich die zwey Bände meiner Farbenlehre, nebst einem Hefte Tafeln, nach Leipzig zu spediren hoffe. Ich werde dadurch einer großen Last, aber auch einer guten Unterhaltung los: denn da es ganz einerley ist, woran man sich übt; so war mir dieses Geschäft zuletzt sehr gelenk und bequem, ja sogar anmuthig; und wenn ich denke, daß ich doch getrieben bin, mich wieder in etwas anderes hineinzuarbeiten, so würde ich ungern von diesem scheiden. Da sich jedoch, wie Sie leicht denken können, bey einem solchen Unternehmen, immer Paralipomena finden, auch aus dem Thun immer neue Wirkung entspringen, so werde ich wohl alsbald nicht völlig loskommen.
Von unserm Berliner Geschäft kann ich wenig sagen. Man hat es dilatorisch tractirt und da dieß auch Ihr Wunsch ist; so habe ich weder Gang noch Entschließung beschleunigen mögen. Der Hauptanstand jedoch scheint darin zu liegen, daß man den, mir freylich sehr billig und natürlich scheinenden Wunsch, dem Lehrervorstand auch ein Lebens- und Thatamt verbinden zu können, aus mancherley Rücksichten, die freylich auch von Bedeutung sind, vorerst auch ablehnen möchte. Dieser Hauptpunkt wäre denn freylich vor allen Dingen von Ihnen zu beherzigen um darüber mir vielleicht ein Wort sagen zu können. [216] Zuletzt kommt man freylich immer wieder in diesen Tagen der Ungewißheit auf die Frage zurück, was besser sey: zu fliehen oder zu bleiben? und wer wagt da zu rathen, da man für sich selbst nicht zu wählen wußte.
Gleich nach Ostern hoffe ich Carlsbad wieder zu besuchen. Ich habe mich diesen Winter manchen Übeln, und manchen Sorgen ausgesetzt gesehen, weil ich voriges Jahr jene heilsame Quelle versäumen mußte. Leben Sie wohl und grüßen mir die liebe Gevatterin nebst dem kleinen Pathen, denen ich alles Gute von Herzen wünsche.
Jena, den 23. März 1810.
Goethe.
21/5940.
Jena den 23. März 1810.
Ich will nicht länger säumen, Ihnen, mein lieber Herr Runge, für das übersendete Exemplar zu danken, welches schon einige Zeit bey mir liegt. Ich freue mich vorauszusehen, daß Sie sich mit den beyden Bänden meiner Farbenlehre gut unterhalten werden, wenn sie dieses Frühjahr in Ihre Hände gelangen. Mögen Sie mir alsdann sagen, was Sie am meisten angesprochen, was Sie am meisten gefördert; so werde ich alsdann zu neuer Communication vergnüglich aufgeregt werden.
[217] Übrigens wünsche ich, daß der geheimnißvolle Opal Ihnen nicht als ein Irrlicht vorleuchten und Sie von Ihrem heitern und glücklichen Naturwege in die abstrusen und wunderlichen Labyrinthe einer Denkart hinabziehen möge, von der, wenigstens für Sie, kein Heil zu erwarten ist. Bleiben Sie meines aufrichtigen und herzlichen Antheils an Ihrem Wesen und Wirken vor wie nach überzeugt und lassen mich hoffen, Sie einmal persönlich näher zu lernen.
21/5941.
Ew. Wohlgeboren
erhalten hierbey den Aufsatz über das Weimarische Trauerspiel mit Dank zurück. Es hat mir sehr viel Vergnügen gemacht, und ich wüßte nichts davon noch dazu zu thun. Wollen Sie jedoch die Bemerkungen Ihres zweyten Briefes zum Zeugniß dienen, welche Aufmerksamkeit Sie wiederholt diesem Kunstwerke geschenkt haben.
Was die einzelnen Stellen betrifft, welche Sie zu benutzen wünschen, so darf ich wohl die Einwilligung des Verfassers dazu voraussetzen und sie Ihnen in seinem Namen ertheilen. Er wird sich geehrt finden durch Ihren Aufsatz und billigen, daß ich seinen Dank vorläufig wenigstens zum Theil dadurch abtrage. [218] Lassen Sie mich von Zeit zu Zeit von Ihrer Thätigkeit und von Ihrem Wohlbefinden vernehmen!
Jena, den 23. März 1810.
Goethe.
21/5942.
[24. März.]
Heute schreib ich dir wenig, mein liebes Kind, ich habe Besuch und die Boten wollen fort.
Entschuldige mich bey Herrn Hofkammerrath und Genast daß ich nur schicke und nicht schreibe. Wegen des Treuterischen Hauses schreibe ich nächstens. Auch wegen andrer Dinge die ich geschickt wünsche.
Kannst du die Dose finden die ich von Stuttgard geschickt kriegte, von dem grünen Stein mit Granaten. Sie steht auf meinem Schreibtische in einer kleinen weisen Schachtel, so schicke sie.
Grüße Carlinchen schönstens. August speist und dämmert. Lebe wohl liebe mich.
G.
21/5943.
Da ich Dienstags nicht schreiben konnte, so will ich sehen, diesen Brief früher als Sonnabend zu dir zu bringen, und dir von mancherley Dingen Nachricht zu geben.
[219] 1.) Was das Treutersche Haus betrifft, so liegt ein Blatt an Genast, nach deinen Gesinnungen bey, welche mit den meinigen völlig übereinstimmen. August denkt eben so, und wir finden beyde kein großes Unglück, wenn auch am Ende die Planke wieder hergestellt und unser Garten um so viel kleiner würde. Dieß ist die beste Gesinnung, um nicht übertheuert zu werden. Kann man dieses Besitzthum auf eine Leidliche Weise acquiriren, so ist es etwas anders.
2.) Was den Saul betrifft, der sich nicht finden will, so wären drey Personen denkbar, denen ich ihn gegeben hätte: erstlich Genast, zweytens Wolff, drittens Fräul. von Knebel. Erkundige dich deshalb, finden muß er sich.
3.) Das Holz des Wacholderbaums hebe ja sorgfältig auf und laß nichts mehr davon zerschneiden. Es ist viel kostbarer als wir jetzt denken: denn dergleichen ist unter keiner Bedingung wieder zu haben, und ich würde nicht rathen ein größeres Möbel daraus machen zu lassen, sondern kleinere Dinge, womit es aber noch Zeit ist: denn das Holz kann immer noch austrocknen.
4.) Was deine beyden Schränkchen betrifft, so wird August den Sonnabend, wenn er hinüberkommt, das Maaß nehmen, und alsdann will ich dir hüben ein Paar, wie du sie verlangst, von Pappelholz machen lassen, welches gut in die Augen fällt und ein Zimmer sehr putzt. Auch arbeiten die hiesigen Tischer ungleich [220] besser und wohlfeiler als die Weimarischen. Die Sache wird mit Herrn Obrist von Hendrich besprochen und August betreibt sie alsdann.
5.) Was die Hof Trauer betrifft, so brauchst du mir niemals den Zettel zu schicken. Richte du dich vielmehr darnach: denn es schickt sich immer, daß du Hof Trauer trägst, wie du es Dießmal auch gethan hast. Von Frankfurt laß dir kommen, was für gut gehalten wird, daß du bey den Vermählungsfeyerlichkeiten, in wiefern du dazu gezogen wirst, anständig erscheinen kannst.
6.) Den Brief von Schlossern habe ich erhalten; es ist leider nur Verlust daraus zu ersehen. Indessen da die ganze Welt verliert, so wollen wir uns nicht ausschließen.
7.) Frau von Knebel hat ein Hütchen für dich bestellt, welches hoffentlich fertig wird, um mit den Boten Sonnabend anzukommen. Das ihrige wonach es gemacht wird, ist freylich niedlich genug.
8.) Wenn du etwas weißt, was Carolinchen Vergnügen machte, so sage es mir entweder, oder wenn du die Sachen von Frankfurt verschreibst, laß ihr auch etwas mitkommen.
9.) Die schwarzen Beinkleider sind angekommen und passen gut. Den Schwarzen Hofrock laß mir zu einem Frack umändern. Die alten Beinkleider will ich für Heinrich schicken. August will meinen alten Überrock haben.
[221] 10.) Der Frau von Heigendorf empfehle mich vielmals. Sobald es hier freundlich wird, soll sie förmlich eingeladen werden. Wenn sie sich einrichtet ein paar Tage hier zu bleiben, so wollen wir schon für ein artig Quartier sorgen: denn in einem Tage hin und wieder zu fahren ist für sie und das Kind nicht rathsam. Alles übrige Sonnabend mit dem Boten.
Jena den 29. März 1810.
G.
11.) Federnelken, und zwar gefüllte, erhältst du, sobald es rechte Zeit ist, sie zu verpflanzen. Das allzufrühe hilft nichts. Auch schicke ich Rapontica Samen, welchen zu säen es auch noch Zeit hat. Hebe nur dazu einige sonnige Beetchen auf.
[140] 21/5943a.
Die Lage unseres Hauses und Gartens zu dem Treiterischen ist Ihnen, mein lieber Herr Genast, nicht unbekannt; auch wissen Sie, daß Frau Treiter ihr Besitzthum weggeben will, jedoch vorgibt, daß ihr schon ein ganz disproportionirtes Gebot darauf geschehen.
Wollten Sie wohl, nach Ihrer Einsicht in solche Sachen, das Geschäft gefällig übernehmen, mit ihr sprechen und ihr auf eine freundliche Weise das Gewissen schärfen. Zu gleicher Zeit wäre es wohlgethan, ein wenig zu horchen und zu sondiren, ob es wirklich Liebhaber und Concurrenten und wer sie allenfalls seyn möchten. Kein Gebot wollen wir vorerst nicht thun, sondern das Weitere abwarten.
Indessen passte man auf, ob die Vollmachten der Söhne wirklich ankommen und suchte zu erfahren, was sie enthielten. Die Instanzen, bey denen solche Dinge vorkommen, müssen ja auch davon unterrichtet werden, und haben keine Ursache einige Nachricht vorzuenthalten. Haben Sie die Sache näher mit meiner [141] Frau und August, welcher Sonnabends hinüber kommen wird, überlegt und besprochen; so haben Sie die Gefälligkeit, mir Ihre weitre Meynung zu eröffnen.
Die Eroberung von Smolensk werden Sie wohl erhalten haben. Ich wünsche davon guten Erfolg und hoffe zu vernehmen, daß Sie sich mit den Ihrigen recht wohl befinden. Mir ist es die Zeit über ganz gut gegangen.
Jena den 29. März 1810.
Goethe.
[222] 21/5945.
Heute weiß ich, mein liebes Kind, nicht viel zu schreiben: denn in dem gestrigen, durch Herrn von Egloffstein abgesendeten Brief habe ich alles möglichst bedacht. Ist etwas vergessen, so erinnere mich.
Meine Arbeiten gehen insofern gut, daß wir hoffen können bald fertig zu werden. Freylich keine Störungen dürfen eintreten und wir werden euch nicht eher einladen, als bis wir recht auf dem grünen Zweige sitzen.
August kommt wieder zu euch hinüber und ich freue mich seiner, auf mehr als eine Weise; aber es ist doch etwas Wunderbares in der Sache. Wenn ich es recht übersehe und bedenke, so ist mir sein Heidelbergischer Aufenthalt lieber als sein Jenaischer: es kommt schon etwas Kümmeltürkisches in ihn. Ich[223] habe niemals einen so deutlichen Begriff von diesem Worte gehabt als jetzt. Ich will ihm seinen Sommer nicht verderben, und du brauchst ihm hiervon nichts merken zu lassen; aber wenn es so fortgeht, so muß er auf Michael wieder in eine andere Welt, nach Göttingen oder wohin es auch seyn mag. Da viel Zeit bis dahin ist, so wollen wir's besprechen; aber ich sage es voraus, weil ich nicht viel mehr Zeit habe, etwas lange auf dem Herzen zu behalten.
Du erhältst einen ganzen Kasten voll köstliche gefüllte Federnelken. Lasse sie nicht zu nahe an einander pflanzen: denn sie bestocken sich sehr. Den Kasten schicke zurück.
Auch lege ich Rapontika-Samen bey, davon du die Hälfte jetzt auf ein wohlbestelltes Ländchen säen kannst, die andre Hälfte erst im May auf ein anderes. Wie diese Pflanzen übrigens zu behandeln sind, besprechen wir noch weiter mündlich.
Das Hütchen, hoffe ich, ist auch glücklich angekommen. Es ist wirklich sehr artig und ich glaube, daß es dir gut steht.
Frau von Knebel kommt auch schon wieder hinüber, und August ist vielleicht früher bey dir als gegenwärtiges.
Die Mitglieder der Singestunde grüße zum schönsten. Wenn ich wieder hinüber komme, so müssen wir einen recht vergnügten Donnerstag haben. Erkundige dich im Stillen, ob in der Charwoche ein [224] Oratorium oder etwas dergleichen stattfinden soll. Ich werde mich darnach richten.
Lebe wohl und versäume nicht, zu dictiren was vorgeht, und grüße deinen hübschen Secretär.
Jena den 30. März 1810.
G.
[141] 21/5945a.
[Jena 1. April 1810.]
Wir freuen uns herzlich deiner Ankunft und hoffen, daß du uns, wegen deiner bisherigen Abwesenheit, durch mancherley gute Nachrichten und Erzählungen von Weimar entschädigen sollst. Bey Hanburys werden wir uns wohl diesen Mittag sehen, bis dahin also sey das weitere verspart.
G.
[260] 21/5970.
[Anfang April.]
Heute früh wollt ich Ihnen schreiben, liebste Silvie, da läg nun wenn ich mich nicht von der Sonne hätte auslocken lassen ein Briefchen zum Absenden fertig. Danck also in der Eile für das überschickte, ich will es bald möglich nutzen und zurücksenden. Möge doch manche Melodie darunter zu so guter Stunde gesungen werden als die neuliche. Wir müssen im Stillen auch auf die nächste Zeit einiges vorbereiten. Indessen werden mich die Freundinnen allein nach Carlsbad schicken, und nicht sonderlich bekümmert seyn was für Bilder mir aus Felsen und Bäumen dort entgegen kommen.
Vorher aber muß ich Sie noch einigemal sehen und die Erinnerung der Gestalten und Gesinnungen bey mir anfrischen.
Ausser der unvermeidlichen Arbeit thu ich fast nichts als Zeichnen und bin im Begriff mir [261] Visiten Billete zu radiren, mit denen ich mich nächstens anzumelden hoffe.
Riemer empfielt sich mit mir aufs angelegentlichste.
G.
[224] 21/5946.
August ist glücklich zurückgekommen, hat uns viel erzählt und war von der Aufführung des Hamlets besonders erbaut. Mir geht es auch ganz gut und wir werden vor Ostern, wo nicht fertig, doch ziemlich weit seyn.
Habe Dank für das überschickte Gute. Die Näpfchen sollen heute sämmtlich wieder zurückkommen.
Schicke mir wieder etwas Franzwein, und von Zeit zu Zeit, auch ohne meine Erinnerung, einige Fläschchen.
Von der schwarzen Weste will Carl nichts wissen: er sagt, daß er sie nie gesehen habe.
Das eine Paar Beinkleider für Heinrich kommt mit.
In deinem Garten wird alles wohl schön bestellt seyn. Ich habe vergessen anzuzeigen, daß die Nelken etwas tief gesetzt seyn wollen; doch wird das der Gärtner, als ein verständiger Mann, schon für sich gethan haben.
Ich gehe hier viel spazieren, und das schöne Wetter gefällt mir sehr wohl.
[225] Für heute wüßte ich nichts mehr zu sagen; sollte ich etwas vergessen haben, so sey so gut und erinnere es. Lebe recht wohl und grüße Carolinchen.
Jena den 3. April 1810.
G.
21/5947.
Ew. Wohlgebornen
erhalten hiebey das Concept des abzustattenden unterthänigen Vortrags signirt zurück. Ich habe nur einige wenige Ausdrücke gemildert. Es ist ja wohl nicht nöthig, daß ich das Mundum unterschreibe.
Daß der neue Sänger und Schauspieler gut einschlägt, freut mich sehr. Da wir denn aber doch von außen schwerlich ganz nach unsern Wünschen möchten bedient werden; so ersuche ich meine hochgeehrtesten Herrn Mit-Commissarien aber und abermals das gegenwärtige Personal unsers Theaters, insofern es sich gut beträgt, und bescheidene Wünsche hegt, zufrieden zu stellen und sich diese Personen für das Gegenwärtige und Zukünftige zu attachiren.
Was gebeten worden, davon zeugen unsre Registranden. Deny möchte ich weder d