1818

[1] 29/7943.

An Sophie Caroline von Hopffgarten

Ew. Gnaden

kommen mir mit einem liebwerthen Schreiben zuvor, aber gewiß nicht mit Gedancken, die ich sehr oft in den freundlichen verehrten Cirkel sende. Möchten Sie mich doch allerseits zum besten und schönsten empfehlen.

Ihro Kayserlichen Hoheit unverbrüchlichst gewiedmet wünschte die wenigen Aufträge zu Höchster Zufriedenheit auszurichten. Soviel vorläufig. Herr von Münchow hat mir zugesagt das Honorar Herrn Weickarts zu reguliren. Ist das geschehen; so bitte mir anzuzeigen wieviel Stunden Müller aufwartet; so wird auch er befriedigt werden können. Mit Herrn von Münchows jedesmaliger Remuneration scheint es mir bedencklich. Ich würde immer rathen Ostern herankommen zu lassen wo man ihm eine ausreichende Summe anbieten könnte. Die Sache ist delicat, ich werde sie durchdencken und Ihro Kayserl. Hoheit nächstens, mit andern Gegenständen, davon unterthänigsten Vortrag thun. Welches, mit meinen dringendsten Empfehlungen, geneigt zu vermelden bitte.

[2] Wegen dem Garten ist leider keine veränderte Gesinnung bey der Besitzerinn zu hoffen. Ew. Gnaden sprechen die Absicht entschieden aus die man hegt dort wieder den Sommer zu zu bringen. Sie sagen es im Vertrauen, allein es ist allgemein angenommen und Fr. G. weis und glaubt es. Nun hat sie ja schon vor einem Jahre über eigne Entbehrung einer Landwohnung geklagt und es ist noch die Frage ob sie nicht Schwierigkeit machen wird ihn diesen Sommer zu vermiehten. Die Art von Maske die ich Ihro Hoheit vorschlug würde unter den gegebenen Umständen keine Wahrscheinlichkeit haben und nicht fruchten ja eher schädlich seyn. Befehlen Ihro Hoheit so will ich durch Freunde Erkundigung einziehen. Die Besitzerinn ist aber viel zu klug, ihrer Sache so gewiß daß direckte und indireckte Behandlung gleiche Wirckung hervorbringen werden.

Aus eigner Erfahrung kann ich sagen wie hartnäckig in solchen Fällen die Besitzer sind. Die Treuterischen Erben wußten daß ich ihren Garten nicht entbehren könnte und ich mußte, nach langem Zögern, endlich doch Haus und Garten um einen übermäßigen Preis acquiriren wenn ich nur einigermassen in meinem Eigenthum Genuß finden wollte.

Soviel, meine gnädige für diesmal, da ich nichts erfreulichers zu sagen habe. Den lieben Zöglingen alles Gute von heut auf lange Jahre! Die bunten Papierchen drehen sich im Kreise und machen wunderliche[3] Sprünge, welche hoffentlich Vergnügen zu verschaffen das Glück haben. Mad. Batsch und Dem. Pallard die besten Empfehlungen mit dem Wunsch alle zusammen, nach überstandnem Winter im Grünen zu sehen.

Mögen Sie mir Neigung und Vertrauen auch fernerhin erhalten!

Ew. Gnaden

ganz gehorsamer Diener

Jena d. 2. Jan. 1818.

Goethe.


29/7944.

An Christian Gottlob Voigt

Exzellenz

Diesmal nur ein Wort zu Begleitung beyliegender dringender Bitte. Ew. Exzell. Geben ja wohl dem Patienten den Erlaubnißschein, sich in's Unglück zu stürzen, aus dem er nicht zu retten ist.

Möge dessen Liebe und Leidenschaft nicht so blaß werden wie seine Dinte.

Mancherley mitzutheilendes nächste Woche. Am lustigsten wird Rath Vulpius seine hiesigen Thaten und Ereignisse erzählen.

Academica nehmen sich schwarz auf weiß immer schlecht aus.

gehorsamst treu ergeben

Jena d. 2. Jan. 1818.

Goethe.


[4] 29/7945.

An Carl Friedrich Ernst Frommann

Haben Ew. Wohlgeb.

vielleicht in diesen Tagen Zeit an den Divan zu dencken. Es wäre mir sehr angenehm, wenn wir bald zum Beschluß gelangten. Die besten Wünsche wiederholend

ergebenst

J. d. 4. Jan. 1818.

Goethe.


[41] 29/7945a.

An Johann Gottfried Ludwig Kosegarten

Haben Ew. Wohlgeboren

vielleicht in diesen Tagen an die Persische Schrift von

Moganni Namé

gedacht. Baldige Mittheilung würde mich in meinen typographischen Fortschritten sehr fördern.

Für jeden Antheil dankbar

ergebenst

J. d. 4. Januar 1818.

Goethe.


[4] 29/7946.

An Christian Gottlob Voigt

Ew. Excellenz

erhalten den verbindlichsten Danck für die geneigten Bemühungen für Weller. Die Ackten folgen zurück. Erhalt ich die Expeditionen; so bescheid ich den jungen Mann darnach und man läßt alles ruhen bis Ostern; alsdann wird er verpflichtet und kann im academischen Bibliothecksgeschäft nützlich werden.

Was in gedachter Angelegenheit zum Beginn geschehen, werden Ew. Exzell. aus beygehendem Bericht und Aufsatz geneigt ersehen, möge es zu einiger Zufriedenheit gereichen. Eine Abschrift welche Kräuter fertigen kann von beyden erbitte mir zurück zur Revision und Unterschrift; noch einiges Anzufügende:

Accorde mit den Handwerckern

Casse Bestand

Allgemeine Anmerckungen

füge sodann hinzu.

[5] Meine Acten theile nächstens Ew. Exzell. im Vertrauen mit, sie sind nicht Canzleymäßig.

Vulpius bringt seine Diarien mit, die auch zu secretiren sind, für uns höchst interessant. Ein Fascikel älterer Müllerischer Privat Protocolle bringt er gleich falls. Ich hoffe er wird meine dringenden Wünsche erfüllen und künftig auf gleiche Weise verfahren.

Eine abermalige Wartburgs Darstellung erscheint. Ich greife dem Urtheil nicht vor. Zu entbehren wäre sie gewesen; doch ist sie klug und absichtlich genug. Okens Rede erinnert an die Perorationen der Feldherrn im Livius. Sie ist offenbar ein spätes Produckt.

Da Weller vor Ostern nicht angestellt wird so schweigen wir bis dahin gegen jedermann.

Mich unter den besten Wünschen zudringlich empfehlend

Jena d. 9. Jan. 1818.

G.


[41] 29/7946a.

An Louise von Knebel

Könnte ich, liebe Freundinn, heute etwas von jener Angelegenheit erfahren? Da heute Abend Post- und Botentag ist.

Zugleich vermelde: daß Wellers Angelegenheit auf einem leidlichen Wege ist. Mit dem Entschluß übereilt man sich nicht.

Den schönsten guten Morgen. Wie befindet sich der Kleine?

G.

J. d. 9 Jan. 1818.


[5] 29/7947.

An Sophie Caroline von Hopffgarten

Ew. Gnaden

Vermelde eiligst durch meinen Sohn daß mir heute gelungen Fr. Griesbach den Garten abzumiethen. Sie überläßt ihn auf die Monate May, Juni, Juli, mit den Möbels die ihr gehören wie voriges Jahr, dafür verlangt sie 150 rh. Und wird ihre übrigen [6] Einrichtungen darnach treffen. Nächstens wegen des Übrigen

gehorsamst

Jena d. 13. Jan. 1818.

Goethe.


29/7948.

An Christian Gottlob Voigt

Ew. Excellenz

Zufriedenheit mit unsern Bemühungen ist mir unendlich viel werth, was wir auch vornehmen und beendigen mögen, bleiben wir doch immer in Ihrer Schuld.

Das Diarium des Bibliothekars ist viel werth, dasselbe und der Bericht zeigen daß die Sache auf gutem Wege ist, schneller und besser als wir hoffen konnten. Nun erbitte ich mir baldige gnädige Resolution damit ich mit den Handwerksleuten abschließen kann, denn es dauert immer eine Zeit bis sie sich einrichten und das Geschäft angreifen. Da es überhaupt aus lauter einzelnen Theilen besteht, so ist es desto nöthiger daß es in einer gewissen Folge geschehe, deswegen ich auch hier bleiben muß, bis alles völlig im Gang ist.

Von dem was nach diesen Vorbereitungen am eigentlichen Geschäft zu thun sey, wird sich noch vor Ostern ergeben.

Dem Bibliothekar habe ich dringend angelegen, daß er auch in Weimar solche Protokolle führe, es [7] ist ja ehrenvoll für ihn, wenn seine Vorgesetzten wissen was er thut.

Die Museumsangelegenheiten bedürfen vor Ostern auch eine genaue Umsicht, es wird uns nicht schwer werden zu zeigen daß wir den Zuschuß von 500 rh. Vierteljährig gar sehr bedürfen.

Möge alles dieses bey Ew. Excellenz zu einiger Zufriedenheit gereichen, Ihr Wohlseyn und Wohlwollen ist mein eifrigster Wunsch.

Und so für alle Zeit

treu anhänglich

Jena d. 15. Jan. 1818.

G.


29/7949.

An Antonia Brentano

Da mein Bürger-Schifflein (leider nicht reichlich beladen) den Anker lichtet, so ist es sehr liebenswürdig daß die Freundinnen mit dem Tüchlein winken, um den Scheidenden zu erinnern daß das Beste zurückbleibe. Haben Sie Dank für Ihren Wink und nehmen meinen Gegengruß in beyliegenden Blättern, die Ihnen ganz allein verständlich seyn können.

Schon im Gedanken freue ich mich ein so kostbares Bild, wie Sie mir anzeigen, in Ihrem Besitz zu wissen. Schreiben Sie mir wie Sie es aufgestellt haben: denn ich weiß noch recht gut wie Ihre Bilder versammelt und vertheilt sind. Vielleicht findet sich auch ein Kupfer desselben.

[8] Ihr Freund ist meist auf Entbehrung eingerichtet, doch besuchen ihn manchmal dergleichen Heilige, Götter und Abgötter, die denn auch nach Würden ihre Verehrung finden.

Den guten Grambs bedaure ich; und doch müssen wir ihn glücklich preisen, daß er ein unerfreuliches, ja leidendes Leben durch die so zarten als hohen Kunstfreuden nicht nur erträglich, sondern auch erquicklich machte.

Freundin Paula meldete mir ihre Abreise nach Paris und erbot sich Aufträge zu besorgen; ich habe von dorther mancherley zu wünschen und will sehen was sie mir mitbringt, es wäre möglich daß sie es ohne Auftrag gerathen hätte. Ihr echt deutsches Wesen mag sich dort nicht sonderlich behagen.

Öffentliche Nachrichten von dem Befinden des Herrn Minister von Stein beunruhigen uns; empfehlen Sie mich ihm dringend, er ist ein Stern den ich bey meinem Leben nicht möchte hinab gehen sehen. Sagen Sie mir auch etwas von seiner zweyten Tochter! Das ist ein wundersames Kindesbild, das ich nicht los werden kann. So verfolgen mich mitunter Gestalten und Wesen mit eigner Lieblichkeit und Kraft. Hätte man aber auch nicht die Sicherheit dieser unwillkürlichen Eindrücke, wie könnten uns unsere fernen Freunde immer gegenwärtig seyn.

Was übrigens Ihr Freund für ein unschuldiges, einsiedlerisches Leben führe, können Sie daraus ersehen, daß ihm keins von denen vielen, tagtäglich [9] bey uns herumflatternden Blättern, Blättchen, Heften und Heftchen vor Augen kommt. Ungerechtigkeit und Unbilligkeit sind an der Tagesordnung; Wie können Partheyen gegen einander irgend eine Rücksicht nehmen? Wie soll man abgeschiedene Vorzüge würdigen, da es nur darum zu thun ist currente Unarten gelten zu machen? Wahrscheinlich ist es so in dem Falle worüber Sie Sich beschweren. An meiner Tagesordnung ist die Maxime: man muß sich selbst schonen wo nichts geschont wird, und wie Diogenes sein Faß in der allgemeinen Verwirrung hin und her wälzen. Das haben Sie denn freylich, verehrte Freundin, um ein Großes besser, am Sonnenende des herrlichen thätigen Frankfurts, wo das schlimme Wetter selbst nicht schlecht aussehen kann, und wo Sie im Hause, wenn Sie im schönsten Familienkreise noch irgend eine Art Ungeduld überfiele, nur vor Ihren van Dyck treten dürfen und von da, an allerley irdischen und himmlischen Bildern vorbey, bis zum berühmtesten aller Hasen zu wandern haben um völlig hergestellt zu seyn. Das alles will ich Ihnen nicht beneiden, sondern im Geiste Ihrem Glück folgen.

Nun aber nehme ich für dießmal Abschied, und bitte, mich Ihrem Herrn Gemahl, in Ihrem Kreise und der Nachbarschaft auf's liebenswürdigste zu empfehlen.

auch aus der Ferne

gegenwärtig

Jena d. 16 Jan. 1818.

Goethe.


[10] 29/7950.

An Johann Gottfried Schadow

Ew. Wohlgeboren

haben mir mit der Sendung der herrlich geprägten Luthers viel Freude gemacht. Meine Schuld konnte ich noch nicht abtragen, die Medaillen liegen in Weimar und bin seit jener Zeit in Jena, auch war bey einigen der Preis nicht beygedruckt. Mögen Sie mir gefällig sagen was ich zu entrichten habe, es soll sogleich erfolgen.

Doch wäre ich vielleicht noch länger in Ihrer Schuld geblieben, wünschte ich nicht in meinem verspäteten dritten Heft Kunst und Alterthum jenen frühern Aufsatz nunmehro zu bringen, wobey ich denn umständlich und genau sagen möchte, wie weit Ostern Ihr großes Geschäft gelangt seyn kann. Lassen Sie mich alles wissen was Sie wünschen daß das Publicum erfahre.

Meine Gedanken besuchen Sie immer in Berlin, zwey Besuche meines ältesten und jüngsten dortigen Freundes, derer Herren Hirt und Schultz, haben mir für den Augenblick doppelte Anregung gegeben als wenn ich Sie allerseits besuchen müßte. Möge mir ein solches Frühjahr heran kommen, daß dieser Wunsch nicht blos ein Traum bleibt.

Erhalten Sie mir ein freundliches Andenken.

ergebenst

Jena d. 16. Jan. 1818.

Goethe.


[11] 29/7951.

An Sulpiz Boisserée

Ihr liebreiches Andenken fand mich gerade allein am Weihnachtsabend, in meiner wunderlichen jenaischen Wohnung, wo aller Comfort nur aus der Seele des Bewohners entspringen kann; ich versetzte mich gern zu den drey Königen an die Krippe und betrachtete mit Freude was auch mir an diesem lieblichen Abende geworden war.

Das Stammbuch in den schwäbischen und Rheingegenden, zu Anfang des dreyßigjährigen Krieges, von Fürsten, Herren und Canzleyverwandten mit Feder und Pinsel gezeichnet, ist höchst merkwürdig: Tüchtigkeit, Ernst und Muth walten überall vor.

Ein mehr wunderliches als beschwerliches Bibliotheksgeschäft habe ich nun so gestellt, daß ich bis Ostern Friede habe. Mein stockendes drittes Heft bewegt sich wieder und wird wohl bis Palmarum beysammen seyn. Wahrscheinlich nehme ich den Aufsatz über das Abendmahl darin auf. Diese Untersuchungen waren für mich von der größten Bedeutung, sie nöthigten mich, dem außerordentlichsten Künstler und Menschen wieder einmal auf allen Spuren zu folgen; wo man denn doch über die Tiefe der Möglichkeit erschrickt, die sich in einem einzigen Menschen offenbaren kann.

Leider ist aber beynahe alles was er geleistet hat[12] den Sinnen entrückt, und wie sehnsuchtsvoll gedachte ich Ihres Christusbildes von Hemmling, von welchem so eben Artaria mit ungewohntem Enthusiasmus gegen mich sprach.

Übrigens muß ich, wie schon vormals gesagt, von Tag zu Tage gehen, das Interesse des Augenblicks bleibt bei mir, und früherer würdiger Zeit. Gestern heißt gar nichts! und so ist denn das allgemeine Menschen-Loos noch immer erträglich genug.

So weit war ich gelangt am 10. Abends, als Ihr lieber Brief ankam. Lassen Sie mich Folgendes dankbar hinzufügen. Zuerst spreche ich meine Freude aus über die sich unter uns immer mehr ausgleichende Überzeugung; auch dießmal stimme ich völlig ein. Winkelmanns Weg, zum Kunstbegriff zu gelangen, war durchaus der rechte, Meyer hat ihn ohne Wanken streng verfolgt, und ich habe ihn auf meiner Weise gern begleitet. Der sonstigen treuen Mitarbeiter in diesem Felde gab es auch wohl noch; sehr bald aber zog sich die Betrachtung in Deutung über und verlor sich zuletzt in Deuteleyen; wer nicht zu schauen wußte fing an zu wähnen und so verlor man sich in egyptische und indische Fernen, da man das Beste im Vordergrunde ganz nahe hatte. Zoega fing schon an zu schwanken, Böttcher tastete überall herum, am liebsten in Dunkeln und man hatte nun immerfort an den unseligen dionysischen Mysterien zu leiden. Creuzer, Kanne und nun auch Welcker entziehen uns[13] täglich mehr die großen Vortheile der griechischen lieblichen Mannigfaltigkeit und der würdigen israelitischen Einheit.

Hermann in Leipzig ist dagegen unser eigenster Vorfechter. Die Briefe, zwischen ihm und Creuzer gewechselt, kennen Sie, der fünfte ist unschätzbar. Dazu nun seine lateinische Dissertation über die alte Mythologie der Griechen macht mich ganz gesund: denn mir ist es ganz einerley, ob die Hypothese philologisch-kritisch haltbar sey, genug, sie ist kritisch-helenisch patriotisch und aus seiner Entwicklung und an derselben ist so unendlich viel zu lernen als mir nicht leicht in so wenigen Blättern zu Nutzen gekommen ist.

Mit meinem Heft Kunst und Alterthum geht mir's wunderlich, die Rhein- und Maynluft verweht nach gerade, und ich habe Sie auch deswegen nicht weiter aufgefordert. Man verlangt von mir des Jahres über so vielerley Gutachten, und nun kann ich mich auf diesem Wege auf einmal an mehrere Fragende wenden; doch so geht Zeit und Raum dahin, ohne daß man sieht, was es fruchtet. Dann kommt uns denn doch wieder, ehe wir uns versehen, und unserm Glauben irgend ein Zeichen zu Hülfe, so erhalte ich vor einigen Tagen ein Heft mit der Überschrift:

»Über die Aufgabe der Morphologie, bey Eröffnung der königlichen anatomischen Anstalt in Königsberg, von C. F. Burdach, Professor der Anatomie.«

[14] Kommt Ihnen das Programm vor Augen, so schenken Sie ihm Aufmerksamkeit, man kann alsdann ehr darüber conferiren.

Tausend Lebewohl!

Jena den 16. Januar 1818.

G.


Lassen Sie mich nun Ihren eigenen Angelegenheiten ein besonderes Blatt widmen! Schon früher wünschte ich, was Sie auch nun zu thun scheinen, daß Sie Ihre Forschungen sammelten und Ihre Überzeugung aussprächen. Richten Sie es ein, daß es ein Bändchen wird, und Sie werden, selbstständig erscheinend, sich und andern Freude machen. Wollen Sie das Manuscript vor meinen Augen vorübergehen lassen, so soll es an freundlichen theilnehmenden Blicken und, wenn Sie's verlangen, an Vorwort nicht fehlen.

Soll ich in Berlin Anregung thun? Ich kann es aufs Unverfänglichste. Doch wünsche Ihre Zustimmung.

Das neuste vom Jahr! Damit die letzte Seite nicht leer bleibe!

G.

Worte find der Seele Bild –

Nicht ein Bild! Sie sind ein Schatten!

Sagen herbe, deuten mild

Was wir haben, was wir hatten –

Was wir hatten wo ist's hin?

[15] Und was ist denn was wir haben? –

Nun! Wir sprechen! Rasch im Fliehn

Haschen wir des Lebens Gaben.


am 10. Jan. 1818.

G.


29/7952.

An August von Rode

[Concept.]

Ew. Wohlgeboren

haben eine vieljährige freundschaftliche Gesinnung sowohl gegen mich als den unvergeßlichen Behrisch ganz unerwartet bethätigt, indem Sie die hinterlassenen Papiere, die auf eine so wundersame Weise verborgen und aufbewahrt geblieben, wieder in meine Gewahrsam bringen. Im allgemeinen war mir schon eine Nachricht davon zugegangen, und ich sehe erst jetzt wie übel ich gethan jenen Wink zu vernachlässigen.

Desto mehr bin ich Ew. Wohlgeboren verpflichtet daß Sie mein Versäumniß unaufgefordert verbessern, und ich werde gewiß mich jederzeit bey dieser mir in manchem Sinne bedeutenden Gabe so wie früherer Tage also auch der guten Stunden erinnern, die ich das Glück hatte in Ihrer Gesellschaft zuzubringen, der ich mich auch für das Künftige Ihrer freundlichen Theilnahme auf's allerbeste empfehlen möchte.

Weimar den 19. Januar 1818.


[16] 29/7953.

An Ambrosius Hubert Eichhorn

Ew. Wohlgeboren

mußten mich länger als zwey Jahre für sehr undankbar halten, daß ich auf die mir 1815 gefällig zugesagte, im April 1816 von Trier abgegangene und unter dem 29. May dieses Jahres mir angemeldete sehr angenehme Mineraliensendung bis jetzt noch kein Lebenszeichen von mir gegeben. Folgendes möge zu meiner Entschuldigung dienen. Jene Sendung kam zur rechter Zeit bey meinen Freunden in Frankfurt an, der zerbrochene Kasten nöthigte die Stufen auszupacken, man legte sie bey Seite, und über mancherley Umstände vergaß man die fernere Expedition. Auch ich, durch mancherley harte Schicksale meinen Studien und Neigungen entfremdet, unterließ zu erinnern. Erst vor kurzem, als ich eben in Betrachtung ähnlicher Gebirgsbildungen beschäftigt war, fand ich unter meinen Papieren jenes Trierische Verzeichniß und erhalte nun auf Anregung, gerade zur rechter Zeit, diesen mir gleichsam aufgehobenen Schatz, nachdem mir von einer ganz anderen Seite, aus den Fassathal nämlich, ähnliche mineralische Gebilde zugekommen waren.

Mögen Ew. Wohlgeboren Sich meines zwar verspäteten aber aufrichtigen und desto lebhaftern Danks versichern, haben Sie die Güte meiner zu gedenken, so wie die mir geneigtest übersendeten Schaustücke Ihr [17] Andenken an meine Studien und Liebhaberey immerfort anknüpfen werden.

ergebenst

Weimar den 19. Januar 1818.

J. W. v. Goethe.


29/7954.

An Sophie Caroline von Hopffgarten

Ew. Gnaden

machen mich sehr glücklich durch die Nachricht daß Ihro Kayserl. Hoheit die Verhandlung wegen des Gartens gnädigst billigen und allzuwohl sehe ich ein daß den lieben Kindern für dieses Jahr besonders ein solcher Aufenthalt unentbehrlich sey. Möchte doch gelingen auch für die Zukunft diese beliebte und erfreuliche Wohnung der höchsten Familie zu sichern.

Wollte man balde jemanden herüber senden daß wegen der Moebles Abrede genommen würde, zuerst was Frau Griesbach überläßt, so dann was allenfalls zu miethen wäre. Dieses Letztere wäre zeitlich abzuthun, und mit den Verleiheren auf die drey Monate May, Juni und Juli zu kontrahiren. Ostern fällt früh, man erwartet mehrere Studirende, die wohlhabenden sehen sich nach guten Moebles um was als dann im April noch zu haben seyn möchte könnte nicht befriedigen. Ich weis nicht ob man es räthlich findet ein paar Wagen damit von Weimar herüber zu senden.

[18] Wegen Weickarts und Müller liegt ein Blätchen bey, wegen v. Münchow habe viel auf dem Herzen. Nach der Persönlichkeit dieses Manns, seiner Anhänglichkeit an die höchste Familie, seinen bisherigen Bemühungen und Opfern, wäre zu wünschen daß er zu Ostern noch eine nahmhafte Summe an Geld erhielte und sodann ausgesprochen würde was ihm vierteljährig zu Theil werden sollte. Auf dem bisherigen Weg kommen wir zu tief in seine Schuld. Deshalb hab ich auch das mir gesendete Gold zurückbehalten. Man brauchte sich beyderseits nicht für immer zu binden; Ein Jahr aber auszusprechen möchte billig, schicklich und beruhigend seyn.

Befehlen Ihro Kayserl. Hoheit; so äußere ich mich weiter darüber, denn ich wünschte daß bey wiederholtem Aufenthalt alle Verhältniße klar würden; alle Verlegenheit wäre verbannt.

Mit den heisesten Wünschen für glückliche Erfüllung unsrer Hoffnungen!

gehorsamst

Jena d. 20. Jan. 1818.

Goethe.


29/7955.

An Carl Friedrich Zelter

Da du deine Kunstgewandtheit dießmal uns zu Gunsten hast eilig walten lassen; so soll der Dank dagegen auch nicht zaudern, sondern sogleich entrichtet werden. Unsere Frauenzimmer haben sogleich gebührende [19] Anstalt getroffen, und sobald ein paar Dutzend Hindernisse werden beseitigt seyn, hoffe ich wieder einmal deine Stimme in so viel andern zu hören.

Was du bey diesem Stück zu erinnern hast, werden wir nicht finden, ob wir gleich auch wohl wissen daß ihr Tonherrn aus dem Stegreif zu arbeiten genöthigt und gewohnt seyd.

Ferner fragt sich, ob du guten Humor genug hast beykommende Noten anzusehen und mir ein Wort darüber zu sagen. Der Kreis, aus dem diese Lieder kommen, ist zwar beschränkt, aber heiter, von gutem Muth und Willen. Ich weiß recht wohl daß daraus kein Kunstwerk entsteht, also hängt es von dir ab, ob wir sollen fallen lassen und ablehnen.

Mein drittes Heft Kunst und Alterthum (denn so muß ich es nennen, da die Rhein- und Maynluft nach und nach darinnen verwehen wird) geht nun rasch vor sich, um es euch vor Ostern in die Hände zu bringen. O! ihr Athenienser, seyd ihr denn werth daß man sich um eurentwillen solche Bemühung giebt? Ein gutes Wort findet eine gute Statt, aber ein vernünftiges keine.

Übrigens habe ich mich nicht zu beklagen, ich finde mich bey einem gleichen Lebenswandel ganz wohl und thätig, und wanke und weiche nicht aus meiner Bahn, obgleich der Journalisten-Teufel, zwischen Weimar und Jena, nicht zu vieren (à quatre) sondern zu Dutzenden los ist.

[20] Daß der Platz ausgefüllt werde einige Excerpta und Notata.

Übrigens, to be or not to be, kommen oder nicht kommen, that is the question!

Man fragte Rossini, welche seiner Opern ihm selbst am besten gefalle? Er antwortete: Il Matrimonio secreto.

In der Oper Elena des alten Mayer von Bergamo soll im zweyten Act ein Sextett vorkommen von der größten Wirkung. Eine böhmische Volks-Melodie, eine Art Notturno, soll zum Grunde liegen. Wäre es wohl möglich zur Partitur dieses Sextetts zu gelangen?

Seit mehreren Jahren liegt in Jena unter mehreren Papieren dein Fasch, dießmal fand ich ihn und las ihn, auf einen Sitz, mit großer Erbauung. Wie versetzt uns das in eine andere Welt! Und wie nimmt sich ein altes Welt-Geschichts-Inventarien-Stück von einem König so gar wunderlich aus. Ich sage alt, und er ist noch nicht vierzig Jahre todt, doch ist sein Thun und Lassen schon veraltet, doch mag das wohl an der Eile der neusten Zeit liegen. Nun lebe wohl! Und melde bald etwas Freundliches.

Und so fort an und für ewig

Jena den 20. Januar 1818.

G.


[21] 29/7956.

An Friedrich Theodor von Müller

Ew. Hochwohlgeboren

haben mehrmals in Rücksicht auf meine Vorsprache gewisse Geschäfte beschleunigt, und ich stehe daher im Credit daß ich einigen Einfluß zu Beförderung des Guten habe. Nun erinnere ich mich sogar, aus uralten Zeiten, daß bey'm Cammergericht zu Wetzlar das Sollicitiren gesetzlich war. Um so mehr hoffe ich werden Sie entschuldigen, wenn ich beyliegenden Brief übersende. Die Bittende scheint zwischen die neuen Landes- und Staatsverhältnisse gequetscht zu seyn. Wird ihr geholfen, so vermehren Sie dadurch mein moralisches Ansehn, erneuern meine Dankbarkeit und verschaffen mir wahrscheinlich zugleich Gelegenheit, Sie in einem ähnlichen Fall wieder zu begrüßen, denn mannichmal empfind ich gar wohl in meiner jenaischen Einsamkeit, daß ich von meinen lieben Weimaranern allzulang getrennt bin.

Empfehlen Sie mich aller Orten und Enden, und erhalten mein Andenken einigermaßen aufrecht.

gehorsamst

Jena den 22. Januar 1818.

Goethe.


[22] 29/7957.

An Johann August Gottlieb Weigel

[Concept.]

[Jena, 23. Januar 1818.]

Ew. Wohlgeboren

danke für die baldige Sendung der griechischen Autoren und bitte damit fortzufahren wie sie nach und nach herauskommen, ich denke meinen jungen Freunden viel Vergnügen damit zu machen. Die meisten lernen das Altgriechische sehr emsig. Es ist überhaupt ein wundersamer Trieb in dieser Nation.

Von dem beyliegenden Verzeichniß gilt wie von dem vorigen daß mir die roth unterstrichenen vorzüglich wünschenswerth, die übrigen um ein wohlfeilen Preis angenehm find. Sollten bedeutende Blätter von um geringe Preise, wie es wahrscheinlich ist, weg gehen; so sind sie mir willkommen, besonders solche die gleichzeitige Weltbegebenheiten vorstellen. Mehr sag ich dießmal nicht und versichere nur, daß mich das Verhältniß zu Ew. Wohlgeboren das Beste für meine Sammlung hoffen läßt. Können Sie mir einmal eine Zeichnung von dem hoffnungsvollen jungen Schnorr zum Ansehen schicken, so soll es mich freuen auch mit diesem schönen Talent bekannt zu werden. Der ich recht wohl zu leben wünsche.


[23] 29/7958.

An Christian Georg Carl Vogel

[Concept.]

Ew. Wohlgeboren

ersuche abermals um eine Gefälligkeit:

Der Wiener Maler, welcher die herrlichen Blumenstücke malte welche in Serenissimi Zimmern sind, heißt, soviel ich mich erinnere, Koch; nun wünschte ich auch seinen Vornamen und wo möglich etwas von seiner Lebensgeschichte zu wissen. Könnte ich ferner die auf Papier gezeichneten Umrisse, um einen Stab gewickelt, auf kurze Zeit erhalten, nebst Erklärung der Nummern; so würde ich sehr gefördert seyn, indem ich Gelegenheit habe ihm etwas Freundliches öffentlich zu sagen.

Mögen Sie mich Serenissimo zu Gnaden empfehlen, diese Wünsche Höchst Demselben vortragen und, nach Gewährung, die Expedition beschleunigen; so verbinden Sie mich auf's neue.

Mit den besten Wünschen.

Jena den 23. Januar 1818.


29/7959.

An Carl Friedrich Burdach

Ew. Wohlgeboren

gehaltvolle Sendung kommt mir gerade in dem Augenblicke zu gute, als ich mich eben bereite, ältere Arbeiten zusammenzustellen und bey mir jede Betrachtung [24] im Einzelnen wieder anzuknüpfen, die ich im Allgemeinen niemals unterbrochen habe.

Ich schätze mich glücklich zu erleben, daß eine so bedeutende Anstalt wie die Ihrige auf Grundsätzen aufgebaut wird, die ich immer für die rechten gehalten habe, und nun fühle ich mich versichert, daß eine glückliche Methode die Erfahrung erweitern und zugleich erleichtern kann, welches Beides zu verbinden bisher unmöglich schien.

Die großen Vortheile der vergleichenden Anatomie, für deren Grund und Resultat wir die Morphologie wohl ansprechen dürfen, sehe ich täglich vor mir, indem unter Direction des Herrn Prof. Renner eine Veterinärschule gedeiht, die, in fünf Vierteljahren, vom ersten Augenblicke bis jetzt, mannichfache Erfahrung über die Thierkunde verbreitet, von den nothwendigsten und nützlichsten Geschöpfen ausgeht und, um zum vollständigen Begriffe derselben zu gelangen, über alles Lebendige sich ausbreiten muß.

Nach den geforderten Präparaten, die sich schon gesammelt haben, gab es auch Gelegenheit, dergleichen von weiter verwandten Geschöpfen auszuarbeiten und es wird immer augenfälliger, daß eins auf das andere hindeutet, daß, wenn wir den Hauptgedanken festhalten, selbst die größte Mannichfaltigkeit uns nicht mehr irre machen kann.

Ew. Wohlgeboren sehen hieraus, mit welchem Eifer ich Ihr Programm lesen und wieder lesen mußte, da [25] ich es durchaus mit meiner Sinnesweise übereinstimmend fand. Sie haben sich ganz im Allgemeinen gehalten, ich glaube aber, Ihrem Vortrage einen Theil des Besonderen unterlegen zu können, dessen Fülle Sie nach und nach reichlich entwickeln werden.

Zwar ist nicht zu läugnen, daß die Ausbildung der Morphologie, wenn man von der menschlichen Anatomie ausgeht, schon schwieriger wird. Man hat immer nur mit Abweichung der Gestalt zu thun, aber nicht mit Gegensätzen (Weib und Mann allenfalls). Der Menschenzergliederer scheint irre zu werden, wenn er auf die Thiere hinblickt, der Zootom hingegen sieht in der menschlichen Gestalt das vereinigte Ziel aller seiner Wünsche. Da er nun sogar aus Beruf mehrere von einander unterschiedene, ja einander entgegengesetzte Geschöpfe, wie Pferd, Stier, Schaf, Hund behandeln und erforschen muß; so ist er immer fort zu bedeutenden Vergleichungen genöthigt, die ihn früher dem allgemeinen Begriffe entgegenführen. Und so glaube ich denn auch aus Ihrem Programme gesehen zu haben, wie Sie mit Klugheit zu Werke gehen, und aus der höchst geheimnißvollen Beschränkung menschlicher gefunden ja kranken Bildung in die leichter faßlichen thierischen hinüberdeuten, um nach der Stellung, die Ihnen akademisch angewiesen ist, auch an das von vielen seiten zugängliche Ziel gelangen zu können.

Wenn ich hier nichts weiter sage, als was Sie schon denken mußten, ehe Sie Ihr Programm schrieben, [26] so sehen Sie doch daraus den Antheil, den ich an allem zu nehmen genöthigt bin, was Ihre neue und große Anstalt der Wissenschaft gewiß bedeutende Vortheile bringen muß. Haben Sie die Güte, mir von Zeit zu Zeit von Ihren Fortschritten Nachricht zu thun, und schreiben Sich's zu, wenn ich in meinen öffentlichen Mittheilungen vielleicht schneller verfahre, als ich ohne Ihre Anregung würde gethan haben.

[Jena, 25. Januar 1818.]


29/7960.

An Friedrich Theodor Kräuter

Endlich einmal, mein Werthester, einige Aufträge und Notizen.

1) Es ist mir sehr angenehm wenn auf der Bibliothek alles munter geht, zu Ostern wird sich zeigen was für Plane auch für den Sommer zu machen sind, denken Sie indessen immer darüber nach.

2) Liegt ein Billet an Kupferstecher Müller bey, senden Sie das von ihm zu erhaltende Packet unter Bibliothekssiegel hierher an Färber.

3) Sorgen Sie doch dafür daß die beiden Gestelle, worauf das Panoram zu stehen kommt, nächstens durch Schneidewein hierher baldigst gesendet werden.

4) Das große Portefeuille, worauf die Inschrift neuere Florentiner steht, sehen Sie doch einmal sorgfältig durch und nehmen die Blätter heraus, worauf[27] die Propheten und Sibyllen von Michel Angelo gestochen sind. Und senden Sie mir selbige, zwischen ein paar Pappen gepackt, herüber.

5) Die Papier-Rechnung lasse ich gleich bezahlen, schicken Sie mir nur die Rechnung, was Sie von den zwanzig Thalern, die Sie von mir in Händen haben, ausgegeben, damit ich alles auf einmal abthue.

6) Bey meinem Sohn habe ich mir einen Plump Pudding bestellt mit so viel Rum als nöthig ist ihn zu entzünden. Es wäre mir sehr angenehm wenn er Sonnabends mit den Boten ankäme.

7) Sodann wünsche Riemers griechisches Lexikon, sodann das kleine französische Hand-Dictionnaire von Cramer.

8) Beygestecktes Zettelchen wäre Herrn Canzleyrath Vogel mit meinem Complimente zu überbringen, und zur gelegentlichen Besorgung zu empfehlen.

9) Wünschte ich alles was vom Morgenblatt und der Allgemeinen Zeitung angekommen zu erhalten.

10) Auch wünschte ich die Blätter der vorjährigen Isis, sie mögen auf der Bibliothek oder in meinem Hause seyn, zu erhalten. Den Schluß habe ich hier und will das Ganze sogleich binden lassen.

11) An Conceptpapier fehlt es mir ganz und gar, mit einem anderen bin ich ganz reichlich versehen. Doch wünschte ich auch noch etwas blaues Papier.

12) Zufälliger Weise kann ich durch einen rückkehrenden Boten Gegenwärtiges abschicken. Heute[28] Abend geht sowohl an Sie als an meinen Sohn das Weitere fort.

Jena den 27. Januar 1818.

G.


29/7961.

An die Großherzogin Maria Paulowna

Durchlauchtigste Fürstinn

gnädigste Frau,

Von der gnädigsten höchsterfreulichen Morgenerscheinung noch ganz geblendet sage nur, um den rückeilenden Boten nicht aufzuhalten, was freylich Höchstdenenselben längst bekannt ist: daß es mich immer unendlich glücklich macht von Ew. Kayserl. Hoheit Gegenwart nur Augenblicke begnadigt zu seyn, deren Erinnerung durch alle Folgezeit mich erquickt.

Muß ich dieses unschätzbaren Gutes entbehren, so fühle ich nur zu schweer die Bande die mich in ferner Nähe gefesselt halten, meinem Geist aber nicht wehren können Höchstdieselben und alles was Ihnen lieb und werth ist Schritt für Schritt zu begleiten und also auch auf dem Gipfel des Festes ganz nahe zu stehen.

Erlaubt sey mir des Gedichtes mich noch kurze Zeit zu erfreuen und sodann wiederholend mich aber und abermals zu bekennen

Ew. Kayserlichen Hoheit

unterthänigster

Jena d. 27. Jan. 1818.

J. W. v. Goethe.


[29] 29/7962.

An Christian Gottlob Voigt

[Jena, 27. Januar 1818?]

Und was soll ich denn abermals Ew. Exzell. auf alle die unerfreulichen Nachrichten erwiedern? Für deren schnelle Mittheilung ich jedoch höchlich danckbar bin. Jederzeit weis ich vier und zwanzig Stunden voraus was für schlechtes Wetter von Osten in Westen anlangen wird, ohne auch nur im mindesten wehren oder helfen zu können und so beunruhigt mich wieder die Wirckung dieser Meteore die von dort herüber schallt und trifft. Durch dieses Unwesen ist auch hier die Gesellschafft in stumme Apprehension gerathen, niemand traut dem andern, und wäre man nicht genöthigt zu lehren und zu lernen, von Morgens bis in die Nacht würde durchgeklatscht, was mit wenig vernünftigen Worten abzuthun ist.

Wes Brodt ich esse des Lied ich sing. Die Herren essen das Brot der Presfreyheit, kein Wunder daß sie ihr zu Ehren die heftigsten Hymnen singen.

Das Publicum verhält sich wie Beylage sub [*Mars] besagt; doch ist ein merckwürdiges Phänomen daß niemand mehr an die allgemeinen Angelegenheiten denckt; sondern ein gränzenloser Haß gegen Kotzebue sich hervorthut, der denn seinen Feinden gut Spiel macht. Alles was gegen ihn geschieht wird gebilligt, jede Maasregel für ihn getadelt. Barth mit der [30] eisernen Stirn wird an's Licht gezogen und als das willkommenste Document betrachtet. Man droht mit neuem Abdruck desselben, und freylich würde dieser Scandal gutes Geld eintragen.

Bürger wie Studenten wüthen öffentlich gegen den Erbfeind, wie sie ihn betrachten. Alle frühern Geschichten: wie K. der Academie und Stadt zu schaden gesucht werden hervorgehoben, Historien die denn nur allzuwahr sind und jener Zeit uns beyden nicht wenig zu schaffen machten. Es entstehen gewiß noch die unangenehmsten Folgen aus diesem seinen Aufenthalt in W. Daß es schlecht ablaufen würde konnte jeder voraussagen, Wie? ist leider schon offenbar.

ad Seria!

Der Januar geht zu Ende, wie steht es mit dem Depositum das der Bibl. Casse zu Gute gehen sollte? Möchten Ew. Exzell. mir deshalb nähere Nachricht geben! Ich wünschte daß es uns förmlich zugesprochen und vergönnt würde davon zu erheben. Jetzt bedürfen wir's nicht, vielleicht aber verwendete man einen Theil auf die Grunerische Aucktion. Ich lasse gleich die Aushängebogen des Catalogs durchgehen, damit man Zeit hat sich zu berathen. Von 425 Büchern die man nachgesehen hat sind nur 74 auf der academischen Bibliotheck. Einen solchen Fall müssen wir nothwendig zur Sprache bringen.

Prof. Güldenapfel ist sehr kranck, ich erschrack als[31] ich ihn seit vier Wochen zum erstenmal wiedersah. Das Verhältniß zur Literatur Zeitung ist ihm drückender als jemals. Und doch seh ich nicht wie der Sache zu helfen wäre. Die Arbeit kann er nicht thun und das Geld nicht entbehren.

So viel für den Augenblick, mit dringender Bitte um Fortsetzung der Staats Nachrichten.

Verbundenst

Goethe.


[*Mars]

In Holland 1615

ging es mit Verbietung der allzugemeinen pasquillischen Bücher und Schmähkarten, wie in Deutschland mit der Münz, daß es immer verboten, und doch immer fortgetrieben wurde. Ist also das unnütze Bücher-Schreiben eins von denen Dingen, die jedermann tadelt und jedermann gern hat, kauft und lieset, sonst würde es des Druckens nicht verlohnen.

Renovatum Jena 1818.


29/7963.

An den Großherzog Carl August

Der Director Herr von Schreibers erzählt auf den vier ersten Seiten seines Briefs die Geschichte der Bestellung jener getrockneten Pflanzen-Exemplare, und eine deshalb gepflogene Verabredung, woraus erhellet daß eigentlich die elegante Aufstellung und Verwahrung [32] der Herbarien, welche anfangs beliebt worden, die Kosten um ein so Ansehnliches erhöhe.

Wenn er nun auf der vierten Seite Num. 1 den Vorschlag thut, daß man noch sechs solcher schon fertigen und vorräthig liegenden Lieferungen um den vorigen Preis annehme, dagegen aber terminliche Zahlung leisten möge; so dürfte wohl kaum diesem Antrag auszuweichen seyn und es käme nur drauf an wie man die Zahlungstermine bestimmen wollte? ob zwey? Ostern und Michaelis, oder drey? Ostern, Michaelis und Weihnachten.

Was nun ferner das auf der sechsten Seite Num. 2 Angeführte und Vorgeschlagene betrifft, so könnte man sich vorbehalten: wenn erst die sechs Bände abgeliefert sind und, wie man, bey gefällig zugesagter Aufmerksamkeit, gewiß erwarten kann, allen Beyfall finden; so werde man überdenken was von den übrigen Pflanzen und in welcher äußeren Form zu bestellen seyn möchte. Da denn die von Herrn von Schreibers gethanen Vorschläge auch einer solchen Überlegung nothwendig zum Grunde liegen würden.

Was das Letzte betrifft so möchte dabey kein Bedenken seyn; denn der gedruckten Anzeige nach sub [*Sonne] würden 150 Pflanzen 18 Gulden Wiener Währung kosten, welches gegenwärtig 6 Gulden Münze betrüge. Wobey ganz unbegreiflich scheint wie die luxuriose Aufstellung, wie sie von Schreibers nennt, so außerordentliche Kosten verursachte. Auf alle Fälle sieht [33] man daß die Theilnahme an dem jenaischen Unternehmen mit geringem Aufwand wird fortzusetzen seyn.

Jena d. 30. Jan. 1818.

G.


29/7964.

An die Großherzogin Louise

[Concept.]

Durchlauchtigste Fürstin!

Gnädigste Frau.

Ew. Königliche Hoheit halten Sich überzeugt, daß in jeder Entfernung Höchstdenenselben ich mit treustem Wunsch und Antheil nahe bleibe. Das heutige Fest erlaubt mir auszusprechen was ich alle Tage meines Lebens empfinde. Jedes Glück das Ew. Königlichen Hoheit widerfährt ist auch das meine, so wie alles Unfreundliche was Höchstdieselben berühren könnte auch meine heitersten Stunden zerstört. Möge mir ein gnädiges Andenken von Zeit zu Zeit gewährt seyn.

Jena den 30. Januar 1818.


29/7965.

An Christian Gottlob Voigt

Ew. Exzell.

erhalten das Mitgetheilte danckbarlichst zurück. Was will man zu allem diesem sagen als daß es vorauszusehendes Unheil sey. Der Grhz. Liegt mir am Herzen und ich segne Ew. Exzell. daß Sie auch wie immer an der Stelle halten und dem Tage gemäß das Beste thun.

[34] Das Jenaische Bibl.-Wesen soll, nach nunmehr eingelangtem billigendem Rescript, für das ich zum allerschönsten danke, ungesäumt weiter schreiten.

Möchte ich doch nach Ostern meinen Verehrtesten durch das neue Labyrinth hindurch begleiten!

Können Sie auf Eichstädt einwircken daß er die Bibliothecks-Rechnung abschließe und die, wie Stichling sagt, ganz liquiden 297 Thlr. abzahle; so wäre alles im Reinen. Ich begreife nicht ganz warum er einen endlichen Abschluß verzögert. Er hat Widersacher genug, warum sollen wir auch noch über ihn klagen.

So viel vor heute ein geringer Abtrag großer Schuld.

Jena d. 30. Jan. 1818.

Goethe.


29/7966.

An N.N.

[Concept.]

Ew. Excellenz

verehrten und geliebten Namen finde unter einem gnädigsten Rescript, welches meine bisherigen Bemühungen um die akademische Bibliothek zu bestätigen und zu billigen geruht. Ich unterlasse nicht für geneigte Mitwirkung meinen verbindlichsten Dank abzustatten, und für die Folge mir ein gleiches zu erbitten.

In dieser mit mancherley Bedenklichkeiten durchflochtenen Angelegenheit werde sorgfältig Schritt [35] halten, damit sie in jeder Epoche, deren ihr mancherley bevorstehen, immer zu übersehen sey. Und ob ich gleich nicht verfehle jüngere Untergeordnete dergestalt anzuleiten daß sie den Umständen jederzeit gewachsen seyn, so kommt es doch hauptsächlich darauf an, daß diejenigen denen die oberste Leitung anvertraut ist mit aufmerksamer Neigung den Gang des Geschäfts begleiten. Mögen Ew. Exellenz die mir schon seit langer Zeit geschenkte Theilnahme auch in diesem Falle freundlichst bethätigen.

Jena den [30. Januar?] 1818.


29/7967.

An die Großherzogin Maria Paulowna

Durchlauchtigste Erbgroßherzoginn,

gnädigste Fürstinn und Frau,

Ew. Kayserlichen Hoheit gnädigste Sendung hat mich in die gröste Unruhe versetzt, ja mich völlig mit mir selbst entzweyt: denn schon hatte ich mich darein ergeben die Reihe der schönen Feste, welche gegenwärtig Weimar verherrlichen, diesmal zu entbehren und meine frommen Wünsche aus stiller Einsamkeit den verehrtesten Personen zuzusenden. Nun aber theilen Höchstdieselben mir ein Gedicht mit, das, indem es aufs klarste vorführt was feyerliches dort und anmuthiges erscheinen soll, mich unmittelbar an jene Zeit erinnert wo mir vergönnt war, durch Erfindung[36] und Rath, Anregung und Leitung, manches zum Vergnügen meiner Höchsten Gebieter beyzutragen. Nichts konnte mir das Wegschwinden von Tagen und Kräften mehr zu Gefühl bringen als diese Betrachtung, die, wenn uns gleich nicht fremd, doch unter Umständen, uns immer wieder einmal empfindlich werden kann.

Die vollkommenste Beruhigung jedoch so wie die glücklichste Erheiterung gab mir Ew. Kayserlichen Hoheit gnädigstes Schreiben selbst und heilte mich so schnell als es mich verwundet hatte: denn ich erkannte ja daraus HöchstIhro wohlwollende Gesinnung, welche mir Augenblicke erwünschtester Gegenwart jeder Zeit und um so mehr an den erfreulichsten Tagen gerne gönnen mag. Überzeugen Sich Ew. Kayserliche Hoheit daß ich nur in diesem Gefühl das Leben eigentlichst geniesse und in fortdauernder Überlegung bleibe wie auch den theuren Prinzessinnen ein heitrer und nützlicher Sommer zu bereiten sey. Über Mittel, Art und Weise das Umständlichere zu verhandlen, bleibt noch schöne Zeit, während welcher dieses mir so theure Anliegen aus dem Sinne nicht kommen soll. Mögen Ew. Kayserlichen Hoheit Wünsche und Hoffnungen, mit denen sich die unsern auf das treulichste vereinigen, im reichsten Maase erfüllt und so dieses Jahr zu den schönsten unsres Lebens gezählt werden.

Wie ich denn wohl schlieslich hoffen darf am heutigen und morgenden Tage, denen Beyden verehrten[37] und geliebten Gefeyerten, durch Höchstderoselben gewichtige Worte, für jetzt und immer empfohlen zu seyn.

Ew. Kayserlichen Hoheit

unterthänigster

Jena d. 3. Febr. 1818.

J. W. v. Goethe.


29/7968.

An August von Goethe

Heute, mein lieber Sohn, erfährst du nicht viel von mir ob ich gleich nur Gutes zu vermelden habe, alles geht glücklich ohne sonderliche Anfechtung.

Das Manuscript zu Kunst und Alterthum ist nun ganz in die Druckerey und wird nun bald das Heft beysammen seyn. Sende mir nun den Pappekasten worauf steht Naturwissenschaft. Kann ich auch dieses zweyte Heft vor Ostern, wenigstens die Hälfte zwingen, so ist schon viel gethan.

Der Divan kommt auch in Gang, und so treibt ein Keil den andern.

Soeben kommt die Sendung, die Gestelle sowie der Wein.

Sende jetzt vor allen Dingen das Recept zum Pudding, Knebeln hat er so gut geschmeckt, daß gleich eine Form mußte gemachte werden.

Einige Relation von euern Festlichkeit möchte ich wohl auch vernehmen, nicht weniger die dabey erschienenen Gedichte erhalten.

[38] Mit der Bibliotheksangelegenheit geht es hier so hübsch daß ich nur wünsche sie ebenmäßig bis an's Ende durchzuführen.

Fändest du Gelegenheit das ganze Portefeuille der neuen Florentinischen Schule herüberzuschicken, so brauchtest du dich nicht mit dem Aussuchen zu quälen. Sendest du die Zelterischen Lieder, so lasse ich sie zu unserm Gebrauch hier gleich abschreiben. Drüben kommst du doch nicht dazu und es ist mir sehr viel daran gelegen nicht retardirt zu werden, denn das Leben läuft doch schneller unter uns weg als das neu erfundene Räderwerk unter dem Hintern der Studenten.

Und so lebe wohl, wenn bis Abends nichts sonderliches vorfällt.

Das große Perspecktiv erbitte mir. Es liegt in der obersten Schublade meiner Comode rechts. Ich habe weit umher zu schauen! Valete!

Jena den 3. Februar 1818.

G.


29/7969.

An Carl Franz Anton von Schreibers

[Concept.]

Hochwohlgeborner

Insonders Hochgeehrtester Herr.

Ew. Hochwohlgeboren habe ungesäumt im Namen unseres trefflichen Fürsten mit seinen eigenen Worten »recht viel Schönes zu sagen daß Sie ihn so sorgsam[39] und so weise aus dem fatalen Heuhandel herausgezogen«. Beyliegend finden Sie einen Creditbrief auf Eintausend Gulden Conventions-Münze, woraus ersichtlich daß die fertigen sechs Bände des Herbariums angenommen und die Bezahlung dafür in drey Terminen geleistet werden soll. Die weitern Vierhundert Gulden werden Ew. Hochwohlgeboren laut Inhalt desselbigen Blattes zur Bestreitung vorfallender Ausgaben gefällig erheben, und das Übrige geneigtest besorgen.

Sind die sechs Bände abgeliefert und in unsern Händen; so soll sogleich in Überlegung gezogen werden inwiefern man an der Fortsetzung Theil nehmen möchte; da denn scheint daß man sich für eine bejahende Entschließung entscheiden müßte. Denn nach der gedruckten Anzeige soll eine Centurie 12 Gulden Wiener Währung Pränumeration kosten, wobey denn freylich die ungeheuere Differenz, welche durch die luxuriose Aufstellung entspringt, nur allzusehr in die Augen fällt. Wie denn auch nur zu klar wird daß der gute wohlselige Bertuch nicht nach den Maximen eines Industrie-Comptoiristen gehandelt hat.

Dagegen Ew. Hochwohlgeboren Dero längst erprobten Charakter und ungemeine Geschäftsfertigkeit zu unserer dankbarlichsten Anerkennung abermals bethätigt und das unbegränzte Vertrauen welches Herr sowohl als Diener in Dieselben gesetzt auf das gründlichste bewährt haben.

[40] Der ich um diese Sendung nicht aufzuhalten mich nur noch zu geneigtem Andenken empfehle, und mich mit vollkommenster Hochachtung unterzeichne

gehorsamst

Jena den 4. Februar 1818.

J. W. v. Goethe.


29/7970.

An Friedrich Theodor von Müller

Ew. Hochwohlgeboren

gefällige Sendung erschien freylich höchst contrastirenden Inhalts. An einer Seite fand ich das umständliche, höchst motivirte Urtheil wodurch einem Tagesblättler eine harte, ihn auf eine Zeitlang von der Welt ausschließende Strafe zuerkannt wird, auf der andern ersahe ich aus wenigen dichterischen Zeilen daß eine griechische Gottheit, ungestraft, in wenigen Augenblicken mehr Unheil stiften kann als die sämmtlichen ägyptischen Götter in einem ganzen Jahr. Ich danke meiner Abgeschiedenheit daß ich verschont geblieben, ermangle aber nicht sowohl dem Sonnengotte als dem freundlichen Glück aus der Ferne für die mir schriftlich gegönnten Geschenke den allerschönsten Dank zu sagen.

Die empfohlne Clientin, Wittwe Jacobi geborene Bieglein, hat unter dem 26. Januar ein Schreiben bey Serenissimo einreichen lassen. Kommt dasselbe zur Berichtserstattung, oder durch Subnotation [41] in Ihre Hände so haben Sie die Gefälligkeit nach eigener Überzeugung günstig zu wirken.

Nochmaligen Dank für die schriftliche Copie der wohl ausgesonnen richterlichen Arbeit, worüber ich, wie über manches andere Dieselben bald zu sprechen wünsche. Für dießmal, sowohl zu Hause als in der Nachbarschaft, mein Andenken geneigt zu erhalten bittend.

gehorsamst

Jena den 6. Februar 1818.

Goethe.


29/7971.

An Christian Gottlob Voigt

Ew. Excellenz

habe vor allen Dingen meinen verpflichteten Dank zu sagen für das schöne belobende gnädigste Rescript, welches meinen eifrigen Bemühungen neue Anregung ertheilt. Ich denke täglich und stündlich über die Sache nach, demohngeachtet bleibt die Art der Ausführung immer noch bedenklich. Was wir wollen ist klar, das wie aber muß uns erst noch offenbar werden. Indessen bleibe ich bey dem von Ew. Excellenz gebilligten Gange; noch ist kein Schritt geschehen, der nicht in's Ganze nützlich wäre, im Einzelnen mag geschehen was will.

Gegenwärtiges erlasse ich vom rechten Saalufer aus. Ich habe mich eingerichtet in dem Erker der[42] Tanne, unmittelbar an der Camsdorfer Brücke, die sonnigen Stunden des Tags zuzubringen. Erst Nässe, dann Schnee hinderte die Fußbewegung, nun ein halblahmes Pferd auch die im Wagen. Um nun nicht gar Licht und Luft zu entbehren lasse ich mich täglich, zur guten Stunde, auf diese Zinne bringen welche mit allen schönen Aussichten um Jena wetteifert und begrüße von da im Stillen meine Werthesten.

Wie ich höre hat eine neue Einwirkung der Preßfreiheiterey abermals eine andere, gebe Gott! eine günstige Wendung verliehen. Verlangend bin ich das Innere und Nähere zu vernehmen.

Die übrigen Oberaufsichtlichen Geschäfte sehen ganz gut aus, nichts geht zurück, weniges steht still und das meiste ist im Vorschreiten.

Renner beträgt sich in fortwährender Thätigkeit; Lenz durch seine Capuzinerhafte Unverschämtheit bringt die kostbarsten Dinge zusammen. Ew. Excellenz erinnern sich vielleicht kaum noch daß Sie vor mehrern Jahren, 1801, ein schätzbares Werk über die kärnthnischen Bleierze der Societät verehrt, Lenz hat so lange an einem alten Werkmeister getrieben bis dieser versprochen hat, seine kostbare Sammlung herzugeben, so daß uns das, was dort im Kupfer geweissagt ist, in natura nächstens zukommen wird. So deutet, bey vernünftigem Unternehmen und Beharrlichkeit, eins auf's andere.

[43] Überhaupt! wäre in dem Jena nicht der politische Narrenteufel los, (wodurch denn doch, genau besehn, kein Hund aus dem Ofen gelockt wird, vielmehr die Großen durch solche liederliche Ereignisse immer apprehensiver werden müssen) so wäre eine Masse von Wissenschaft vorhanden, womit man manches andere größere literarische Institut beschämen könnte. Ew. Excellenz haben so viel dafür gethan und kennen es am besten; aber auch am besten die obwaltenden Hindernisse.

Sollten Ew. Excell. die Wellerische Sache zum Schluß bringen; so wäre mir in manchem geholfen. Kann man ihm entschieden sagen was er auf ein Jahr erhalten wird so kann man seine Zeit in Anspruch nehmen und sonst einer gewissen Leitung sich unterziehen. Bis jetzt mußte alles in suspenso, nicht einmal provisorisch bleiben.

Die Reihe von Festen hat auch nicht wenig zerstreut und zum Ablehnen manches Guten geholfen. Das sind wir aber denn gewohnt und lencken endlich wieder ein, wie Ew. Exzell. in benannten Falle zu thun bitte.

Verzeihung! der Promemoria-Form eines vertraulichen Schreibens. Meine über-saalische Canzley ist noch im Werden.

Alles Gute und Liebe!

Jena d. 6. Febr. 1818.

G.

[44] Mit dringender Bitte um Fortsetzung ministeriellen Tagebuchs.

Noch erwähne daß der Versuch zu machen wäre ob der Prinz nicht 150 rh. jährlich opfern wollte. Legten wir die 50 rh. zu die auf Schreiberey ausgesetzt ist; so könnte man die Verwendung seiner meisten Zeit von ihm fordern. Jemand der sich anhaltend auch nur des mechanischen beym Geschäft annimmt ist unentbehrlich, besonders da, wie ich nun wohl sehe, das Verhältniß Güldenapfels zu der A.L. Zeitung nicht wohl zu lösen ist. Noch manches andre spricht für die Sache.

s.t.m.


29/7972.

An Johann August Gottlieb Weigel

[Concept.]

Ew. Wohlgeboren

verzeihen wenn ich Ihre dringenden Geschäfte noch einmal unterbreche; es ist mir aber gar zu viel daran gelegen daß ich

Decandolle, Théorie élémentaire de la botanique,

baldigst erhalte. Haben Sie die Gefälligkeit anzuordnen daß es mir baldigst durch die fahrende Post nach Jena, wo ich mich gegenwärtig befinde, gesendet werde.

[45] Können zwey Exemplare der Dissertation des vortrefflichsten Hermanns, dem ich gelegentlich meine Verehrung auszudrücken bitte,

De Graecorum mythologia antiquissima,

beygelegt werden, so würde es mir sehr angenehm seyn. Auch sollte es mich höchlich erfreuen wenn in der gangbaren Auction etwas Günstiges für mich erstanden wäre.

Mit den besten Wünschen mich zum schönsten empfehlend.

Jena den 10. Februar 1818.


29/7973.

An August und Ottilie von Goethe

[Concept.]

[Jena, 10. Februar 1818.]

Daß ich euch besonders wohl will bemerke ich daran; daß ich niemals auf meine Zinne gelange ohne zu wünschen daß ich euch dort finden, oder empfangen möchte. Heute war Hofrath Voigt und Frau gegen Mittag bey mir, zu welchen Herr von Bielke sich gesellte.

Louise Seidler hat mir ein Geschenk gemacht, wie es die talentreiche Anmuth allein geben kann. Eine Abtheilung des phigalischen Frieses: Herkules mit der Amazonen-Königin in Conflict, noch zwey Streit-Paare und zwey Pferde. Eine Elle hoch, nicht gar drey Ellen lang, auf blau Papier, schwarze [46] Kreide, weiß gehöht. Und wie es, in diesem Sinne, und bey ihrem Talente möglich ist, ein Facksimile in der Größe des Originals, alle Verstümmelungen angedeutet, die verhältnißmäßig gering sind.

Es ist ein Abgrund von Weisheit und Kraft, man wird sogleich 2000 Jahre jünger und besser. Mehr ist nicht zu sagen, komm und sieh!!

Dieser blaue, reich begabte Streifen nimmt sich auf der blaßgelben Wand meiner Zinne, bey vollem Licht gar herrlich aus und macht mich, was viel gesagt ist, glücklich. Wenn die in England bestellten auch so einschlagen, so werden wir viel Freude und Belehrung haben; in eben der Größe habe ich sie verlangt.


29/7974.

An Carl Friedrich Ernst Frommann

Könnten Ew. Wohlgeboren es einrichten, daß der Probebogen vom Divan diese acht Tage gesetzt würde, so geschähe mir ein großer Gefallen, weil ich wahrscheinlich im Laufe der nächsten Woche nach Weimar zu gehen veranlaßt bin. Bey dem ersten heitern Tage lasse anfragen ob's gefällig wäre auf der Zinne einige Morgenstunden zuzubringen, eine vortreffliche Arbeit von der guten Seidler daselbst zu sehen.

ergebenst

Jena den 12. Februar 1818.

Goethe.


[47] 29/7975.

An Luise Seidler

Nicht einen Augenblick will ich säumen, mit den schnellsten Worten zu sagen, daß Sie mich durch Übersendung des Basreliefs in die größte Bewegung und Betrachtung versetzt haben! Jetzt bedarf es nicht mehr zu vergnügtesten Stunden; bisher wiederholte ich nur immer das Lied:

Der Vorhang rührt sich hin und her

Bey meiner Nachbarin etc.

deßhalb auch zuletzt eine Ortsveränderung stattfand. Wo aber Ihr blauer reichlich ausgebildeter Streifen, auf blaßgelbem Grunde, sich herrlich ausnimmt, rathen Sie wohl nicht. Auf dem rechten Ufer der Saale, im Erker der Tanne, wo es wirklich schöner ist, als man es sich denken darf, da bewirthen Sie mich und meine Freunde mit der schönsten Gabe, wofür Ihnen der wärmste Dank entrichtet wird. Wie heute früh bey'm Gläserklang in Gesellschaft von hübschen jungen Leuten geschah. Die hellen, mitunter sonnenreichen Stunden des Tages verbringe ich auf dieser Zinne, wo des letzten Camsdorfer Bogens Wasser immer lebhaft unten rauscht. Nur die Nacht über wohne ich in der alten Nachbarschaft. Gleich jetzt er lebe ich den schönsten Sonnenuntergang. Mehr setze ich nicht hinzu, damit dieses Blatt nicht säume. In wenigen Tagen mehr.

Jena, den 12. Februar 1818.

Goethe.


[48] 29/7976.

An Friedrich Wilhelm Schwabe

[Concept.]

Ew. Wohlgeboren

sende mit vielem Dank die hinterlassene Zeichnung zurück und bitte Herrn Wittich mich bestens zu empfehlen und zu entschuldigen, wenn sich vor der Hand nicht bestimmen läßt welchen Antheil ich an dem Taschenbuche nehmen könnte. Meine Zeit ist genau eingetheilt und ich weiß nicht wie ich alles leisten will was mir dieses Jahr bevorsteht. Mag indessen Ihr Freund mir von den Kupfern, wie sie nach und nach fertig werden, Abdrücke senden, so gäbe das vielleicht Anregung und Gelegenheit. Die Redaction kann ich auf keinen Fall übernehmen, will man mir aber die Mitarbeiter nennen, so kann ich mich darnach richten und, wenn es Bekannte sind, mit ihnen conferiren und dadurch wenigstens den guten Willen zeigen den ich auf deroselbe so wohlmeinende als dringende Vorstellung bey mir gerne walten lasse. Mich bestens zu geneigtem Andenken empfehlend.

Jena den 13. Februar 1818.


29/7977.

An August von Goethe

Du erinnerst mich, mein lieber Sohn, an jenen König der den goldnen Pokal zum drittenmal in [49] den Strudel warf ohne zu bedenken, daß der Taucher indeß seine Kraft erschöpfte.

Ich sage soviel! Hättest du mir, gleich als ihr den Entschluß faßtet, Vorsatz und Wünsche gemeldet; so wäre vielleicht etwas zu thun gewesen; nun scheint es aber ganz unmöglich. Von Herrn von Müller vernahm ich das erste Wort, und dachte in meiner Art nach, was Poetisches allenfalls hier zu Hülfe kommen könnte, wobey ich denn fand daß eine allgemeine Einleitung hinreichend, ja allein schicklich sey: denn da sie lauter bekannte Masken sind, so kann man die leichte Auflösung des Räthsels der Sagacität des Zuschauers wohl überlassen. Wollte man aber ja ein jedes Stück einführen, so würde es ein dritter schicklicher thun als der Dichter selbst, der sich eigentlich nun wiederholen müßte, wenn der dritte gegen ihn und das Publicum zugleich galant seyn darf. Zeige dieses Herrn Canzlar vor, in solchen Dingen ist derselbe gar glücklich. Er hilft euch wohl bald aus aller Verlegenheit. Es müssen ja nicht ewig Stanzen seyn, für jedes Stück fände sich eine eigne Form.

Im Gefühl daß ich auch was Schickliches und Artiges zu dieser Handlung hinzuthun könnte, habe ich schon gestern Abend einiges vorgenommen, es gelang aber nicht und ich mußte es fahren lassen.

Meine Schlußworte sind also diese: helft euch auf obgesagte Weise! dadurch schneidet ihr mir den Weg[50] nicht ab, wenn ich ihn noch betreten kann. Bringe ich etwas zusammen, so laß ich's gleich hier drucken, sende dir's durch einen Boten kurz vor Thorschluß. Rechnet aber nicht darauf: denn ich weiß jetzt noch gar nichts davon.

Daß die drey bösen Dämonen wegbleiben ist sehr gut und braucht keine Entschuldigung. In ihrer alten herrlichen Gestalt sind sie zum Teufel geschickt und wie sie jetzt, von dorther wiederkehrend, abermals unter uns walten, würden sie, obgleich maskirt, sich auf einem Maskenball sehr schlecht ausnehmen.

Soviel für dießmal! Grüße die sämmtlichen Wohlwollenden zum allerschönsten, sie mögen ja fleißig beten, damit noch etwas zu Stande komme; die Muse besonders und die Hoffnung sollen's an ihrem Einfluß nicht fehlen lassen.

Auf dem Tannenwipfel

d. 13. Febr. 1818.

G.


29/7978.

An Johann Friedrich Heinrich Schlosser

[Concept.]

Ihr liebes Schreiben, mein Werthester, Bester, vom 7. Februar erhalte ich, wegen meiner Abwesenheit von Weimar erst heute den 13. Da ich nun daraus und aus der Beylage des Herrn Dr. Schulin einen abermaligen, unerwarteten Verlust von 300 Gulden erblicke, und bey dem neuen Gebot nicht deutlich [51] ist ob und wann die Kaufsumme abgezahlt werden soll, welches bey der vorigen Unterhandlung nicht ausgesprochen war; so bleibt mir, besonders da mich diese Angelegenheit gerade in einem drangvollen Momente berührt, nichts übrig als an Ihre reine Liebe und Güte Anspruch zu nehmen und sowohl für mich als für meine Erben und Nachfahren auf das allerfeierlichste zu erklären:

Daß ich alles das was Sie, mein Werthester, in der Angelegenheit des Verkaufes des Ochsischen Hauses beschließen werden eben so als wenn ich es selbst ausgesprochen hätte ansehn will und werde, so daß gegenwärtiges Blatt die völlige Eigenschaft einer Specialvollmacht haben und behalten solle.

Was den Wustischen Insatz betrifft so ersuche da gegen dessen Verkauf nicht vorzunehmen. Denn da er sicher und gut ist, und Sie wegen des Ochsischen Hauses noch immer einige Qual um meinetwillen haben werden, so lassen wir denn diese Sache auch auf sich beruhen. Fahren Sie nur fort mit der seltenen Gefälligkeit und Treue sich meiner Angelegenheiten so als Ihrer eignen anzunehmen.

Ihrem werthen Familienkreise mich andringlich empfehlend.

Jena den 13. Februar 1818.


[52] 29/7979.

An Friedrich Theodor von Müller

Gar wohl empfand ich daß mein Zutrauen zu Ew. Hochwohlgeboren nicht könnte zu Schanden werden. Also nur eiligst den allerschönsten Dank und einige Bemerkungen.

1) Die Zahlen würde ich weglassen.

2) Es wird abgedruckt jedesmal zwey Stanzen auf eine Seite, und so geben sich die acht ersten Seiten von selbst.

3) Wollen Sie die eingelegte Stanze Seite 9 gelten lassen, so rückte man sie in die Mitte der Seite ohngefähr wie sie hier geschrieben ist.

4) Alsdenn kämen die drey letzten Stanzen gegen einander über Seite 10 und 11 und die Seite 12 blieb leer. Doch alles Ihrer nähern Einsicht überlassend.

5) Da aus der Bemerkung über der 13. Stanze hervorzugehen scheint, als wollten Sie die drey letzten Stanzen später produciren, so könnte doch die meinige an eben der Stelle mit abgedruckt werden, oder auch auf einem besondern Blatte wie es Ihnen gefällig ist.


[53] Alles ist schön und gut. Um den Boten nicht aufzuhalten sage nur nochmals herzlichsten Dank und wünsche fröhlichstes Gelingen.

mich allerseits

empfehlend

Jena den 16. Februar gegen 9 Uhr. 1818.

G.


29/7980.

An Adalbert Schöpke

[Concept.]

Auf Ihre freundliche Sendung halte ich mich verpflichtet zu erwidern: daß die mir mitgetheilten Compositionen sowohl hier als in Berlin, wohin ich sie an Freunde und Kenner gesendet, gute Aufnahme gefunden, deshalb ich Sie denn wohl ermuntern darf auf dem Wege den Sie erwählt und den Ihnen die Natur anweist treulich zu verharren.

Die Fragen die Sie mir vorlegen lassen sich vielleicht gar nicht beantworten, ob schon im Gespräch Andeutungen zu geben wären, die dem praktischen Künstler Vortheil brächten.

Auf Ihre Frage zum Beyspiel was der Musiker mahlen dürfe? wage ich mit einem Paradox zu antworten Nichts und Alles. Nichts! wie er es durch die äußern Sinne empfängt darf er nachahmen; aber Alles darf er darstellen was er bey diesen äußern Sinneseinwirkungen empfindet. Den Donner in Musik [54] nachzuahmen ist keine Kunst, aber der Musiker, der das Gefühl in mir erregt als wenn ich donnern hörte würde sehr schätzbar seyn. So haben wir im Gegensatz für vollkommene Ruhe, für Schweigen, ja für Negation entschiedenen Ausdruck in der Musik, wovon mir vollkommene Beyspiele zur Hand sind. Ich wiederhole: das Innere in Stimmung zu setzen, ohne die gemeinen äußern Mittel zu brauchen ist der Musik großes und edles Vorrecht.

Empfehlen Sie mich in Ihrem ehrwürdigen Kreise, und [lassen mich] wenn ich dieß Jahr nach Töplitz kommen sollte einer freundlichen Aufnahme genießen.

Jena den 16. Februar 1818.


29/7981.

An Carl Friedrich Zelter

Du hast, mein Werthester, aus dem Abgrunde deines Tonvermögens schöne und gute Worte spendirt, daß ich sogleich die Pflicht fühle dir etwas Freundliches zu erwidern.

Du kennst Jena zu wenig als daß es dir etwas heißen sollte wenn ich sage: daß ich auf dem rechten Saalufer, unmittelbar an der Camsdorfer Brücke, über dem durch die Bogen gewaltsam strömenden, eisbelasteten Wasser, eine Zinne (vulgo Erker) in Besitz genommen habe, die schon seit so vielen Jahren mich, meine Freunde und Nachkommenschaft gereizt [55] hat daselbst zu wohnen, ohne daß nur Jemand sich die Mühe gegeben hätte die Treppe hinauf zu steigen. Hier verweile ich nun die schönsten Stunden des Tags, den Fluß, die Brücke, Kies, Anger und Gärten und sodann das liebe närrische Nest, dahinter Hügel und Berge und die famosesten Schluchten und Schlachthöhen vor mir. Sehe bey heiterm Himmel die Sonne täglich etwas später und weiter nordwärts untergehen, wornach meine Rückkehr zur Stadt regulirt wird.

In dieser, nahezu absoluten, Einsamkeit ist das dritte Heft von Kunst und Alterthum dem Druck zugefertigt. Das zweyte zur Morphologie bewegt sich auch. Die Darstellung der entoptischen Farben, in Zusammenhang mit meiner Farbenlehre, denke ich vor Ostern auch noch zu gewältigen. Sage das Freund Schultzen, wenn du ihn irgend wo habhaft wirst.

Dabey darf ich nicht vergessen daß wir die entschiedensten Anstalten haben Witterung zu beobachten, wobey ich an meiner Seite die Wolkenformen und Himmelsfarben mit Wort und Bild einzuweben suche.

Da das nun aber alles, außer Windesbraut und Wasserrauschen, vollkommen tonlos abläuft, so bedarf es wirklich einiger innern Harmonie um das Ohr aufrecht zu erhalten, welches blos möglich ist im Glauben an dich und was du thust und schätzest. Daher nur einige Stoßgebete, als Zweige meines [56] Paradieses! Magst du sie mit deinem heißen Elemente infundiren, so schlürft man's wohl mit Behagen und die Heiden werden gesund.

Apocalypse am letzten! Vers 2.

Einen Spaß den ich dir meldete hast du nicht verstanden. Jenem Componisten nannte man einige seiner Werke und fragte ihn welches er für das beste hielte. Er antwortete Il matrimonio secreto, die Composition von Paesiello meinend. Dadurch wird die Antwort geistreich, artig, wie ich dir nicht zu entwickeln brauche.

Dem böhmischen Freunde will ich also freundlich antworten. Rath und That muß freylich jeder bey sich selber suchen.

Da ich so manches Liebe von deiner eignen Hand empfange und dagegen wenig erwidere, so sende ich dir ein uralt Blättchen, das ich nicht verbrennen konnte, als ich alle Papiere, auf Neapel und Sicilien bezüglich, dem Feuer widmete. Es ist ein so hübsches Wort auf dem Wendepunct des ganzen Abentheuers, und giebt einen Dämmerschein rückwärts und vorwärts. Ich gönne es dir! Bewahre es fromm. Was man doch artig ist wenn wir jung sind!

und sofort und ewig

Jena den 16. Februar 1818.

Goethe.


[57] 29/7982.

An Carl Wilhelm Stark

[Concept.]

Ew. Wohlgeboren

erhalten hiebey die Erklärung der Frau Geh. Kirchenräthin Griesbach, zugleich ein Verhältniß welches Herr Hof-Marschall von Bielke von Weimar mitgebracht. Was die zehn Bettstellen anbetrifft so war ihm selbst nicht klar ob man denn dazu gar keine Betten verlangt. Dieses wird sich ergeben. Bey Ew. Wohlgeboren jedoch frage ich an ob sich das Verzeichniß der vorjährigen gemietheten etwa gefunden hat? Auch ob wegen der Schornischen Wohnung für die Frau Oberhofmeisterin etwas bewirkt worden? In einigen Tagen gedenke ich nach Weimar zu gehen und wünschte alles dort zu besprechen und abzuthun.

Zugleich soll ich im Namen meiner Kinder Ew. Wohlgeboren ganz freundlichst ersuchen sich der jungen Frau in ihren gegenwärtigen Zuständen gefällig anzunehmen, auch in den kritischen Augenblicken die sich Anfang März einstellen dürften zu unserer aller Beruhigung beyzustehen. Hochachtung und Zutrauen unabänderlich betheurend.

Jena den 17. Februar 1818.


[58] 29/7983.

An Christian Wilhelm von Dohm

Ew. Excellenz

wollte nicht eher für das Übersendete meinen verbindlichsten Dank aussprechen als bis ich diesen schätzbaren Theil eines höchst willkommenen Werks gelesen und mich darüber mit Freunden, nach geschehener Mittheilung, mehrmals besprochen. Nun aber darf ich sagen daß auch diese Fortsetzung allgemeine Zufriedenheit bewirkt, und daß Ew. Excellenz jedermann verpflichtet ist wenn Sie die, von uns zwar verlebte aber, durch neue Zeitereignisse, nur allzusehr in den Hintergrund gedrängte Epoche so lebhaft wieder hervor rufen und uns dadurch ganz eigentlich verjüngen.

In gleicher Gesinnung hat mir mein gnädigster Herr befohlen Hochdenenselben Dank und Antheil zu versichern.

Möge der Winter der mich dießmal ganz freundlich behandelt sich zu Ew. Excellenz Gunsten gleichfalls erklärt haben.

ganz gehorsamst

Jena den 19. Februar 1818.

J. W. v. Goethe.


[59] 29/7984.

An August Claus von Preen

Hochwohlgeborner

Höchstgeehrter Herr

Von Ew. Hochwohlgeboren Sendung habe jedesmal nur Angenehmes zu erwarten und so hat mir auch die letzte besonderes Vergnügen gewährt, welches ich in einer mündlichen Unterhaltung wohl auszusprechen wünschte.

Aus dem beygefügten Aufsatz tritt nun freylich das Einzelne allzulebhaft heraus, was mir im Ganzen, als ich jenen Versuch der Inschriften entwarf, dunkel vorschwebte, deswegen auch jene Zeilen nur als Versuch nicht aber als Vorschlag mitzutheilen wagte.

Die höchst ehrenvolle Theilnahme die mir an dem ersten höchst folgereichen deutschen Monumente gegönnt wird läßt mich auch in dieser Zwischenzeit nicht ruhen, ich habe die Inschriften oftmals hin und wiedergedacht und doch nichts besseres, auch nicht einmal etwas anderes finden können. Der Dichter muß sich in solchen Fällen auf Eingebungen verlassen, die ihm vielleicht ganz allein recht scheinen, weil er sie wiedergiebt wie er sie empfangen hat.

Mit dem Verfasser der Beylage wünschte ich wohl ein paar Stunden eine heitere Unterhaltung, nicht um ihn zu überreden, sondern ihm die Ansichten wie ich sie hege freundlich mitzutheilen. Schriftlich aber mich [60] darüber zu äußern fällt mir ganz unmöglich; indem gerade der jetzige Augenblick für mich in vielfachem Sinne prägnant ist und die Gegenwart alle meine Aufmerksamkeit fordert, so daß Tag und Kraft kaum hinreichen wollen.

Ich eile daher zu versichern: daß alles was man in dieser Angelegenheit beschließen möchte meinen vollkommensten Beyfall hat: denn diejenigen welche auf ein bekanntes Publicum, nach entschiedenen Zwecken zu wirken berufen sind stehen in einem ganz andern Verhältniß als der Entfernte, der von dem was er billigt und mißbilligt nur sich und einem nahen Kreise, und das nicht immer, Rechenschaft geben kann.

Da übrigens die Sache nicht äußerst dringend ist und die Hauptpunkte alle glücklich bestätigt worden, so soll mir höchst erfreulich seyn wenn Ew. Hochwohlgeboren mich mit weiteren Mittheilungen beglücken. Ergibt sich auch indessen bey mir nach Ihren Wünschen ein guter Gedanke, so verfehle nicht ihn, selbst ohne weitere Aufforderung, anzudeuten.

ganz gehorsamst

Jena den 19. Februar 1818.

J. W. v. Goethe.


29/7985.

An Carl Ludwig von Knebel

Schon seit einigen Tagen ist es nicht ganz just mit mir, deswegen ich heute zu einiger Medizin greifen[61] mußte, um nicht morgen von meiner Reise abgehalten zu werden. Ich vermisse daher ungern gute Speise und Gesellschaft zu Mittag. Die besten Wünsche in Hoffnung baldigen Wiedersehens.

Jena den 20. Februar 1818.

G.


29/7986.

An Carl Friedrich Ernst Frommann

Zu freundlichem Abschied und Hoffnung baldigen Wiedersehens, Beiliegendes zur gefälligen Verteilung.

Jena den 21. Februar 1818.

G.


29/7987.

An Georg Sartorius

Eine Antwort, mein Theuerster, auf Ihren lang erwarteten Brief hat sich von Woche zu Woche verzögert. Seit dem 21. November v. J. bin ich anhaltend in Jena, wo ich außer meinen gewöhnlichen Geschäften auch noch die akademische Bibliothek zu behandeln übernommen, worüber die Göttinger aber, ich mag mich bemühen, wie ich will, nicht eifersüchtig seyn werden.

Das dritte Heft von Kunst und Alterthum wird diesem Briefe bald folgen; möge darin einiges für Sie erfreulich seyn. Der Divan ist auch in Druck [62] gegeben, bey dessen Revision ich mich immer mit Vergnügen der guten Stunden erinnere, die ich mit meinen werthen Freunden und Gevattern zugebracht. Gelangt dieser Aftermahometaner dereinst zu Ihnen, so werden Sie ihn in seiner Maskenhülle freundlich aufnehmen, indem Sie einen wohlbekannten Freund dahinter nicht verkennen.

In Jena hab' ich mir ein freundliches Quartier ausgesucht; unmittelbar über der Camsdorfer Brücke, in dem Erker eines hohen Gebäudes, wo ich denn ein bewegtes Hin- und Herwandern der beiderseitigen Uferbewohner täglich vor Augen habe, bald schleichenden, bald rauschenden Fluß, ruhende Stadt, in einem Thale, das täglich anmuthiger zu werden verspricht.

In diesem Jena selbst, das gegenwärtig so viel Lärm in die Welt sendet, ist es jetzt so still als niemals, weil Jeder in seinem eignen Laboratorium die Raketen und Feuerkugeln verfertigt, womit er die Welt in Staunen setzen und womöglich entzünden möchte. Bey diesen Eruptionen sitz ich ruhig wie der Einsiedler auf der Somma. Und hiermit allen guten Geistern empfohlen. Möge ich von Ihrem Befinden das Beste hören.

Gruß und Treue

Goethe.

Weimar [Jena] den 23. Februar 1818.


[41] 29/7987a.

An Johann Friedrich Heinrich Schlosser

[Concept.]

[23. Februar 1818.]

Tausend Dank, mein Werthester, für Ihre genauen und vorsorglichen Bemühungen. Eiligst vermelde nur, [42] erstlich wiederholend: daß ich alles billige was Sie wegen des Ochsischen Hauses abschließen, zweitens: daß auch der Verkauf des Wustischen Insatzes mir sehr angenehm ist. Meine Äußerung: daß man die Sache könne ruhen lassen, bezog sich nur auf die Schwierigkeit einen neuen Creditor zu finden. Gegen Ende März erwarte daher die ganze Summe bey Herrn Frege niedergelegt zu sehen, von woher ich dann sie nach meiner Gelegenheit beziehen lasse.

Mögen Sie mir nur mit Einem Worte sagen: wie viel ohngefähr ich bei ihm anmelden kann.

Die übersendeten Papiere geben einen ernsten, dankbaren Rückblick in das Leben eines bedeutenden Mannes, dessen hoffnungsreichste Jahre in meine beste Zeit fielen, da wir denn manche gute Tage zusammen verlebten; die sich für ihn in große Bedrängniß zuletzt umwandelten.

Mögen es Ihnen und den lieben Ihrigen zum aller besten gerathen.


[63] 29/7988.

An Georg Moller

Ew. Wohlgeboren

angenehme Sendung war mir doppelt erfreulich, als sie mir einen Beweis gab Ihrer fortgesetzten Thätigkeit sowohl, als auch eines geneigten Andenkens. Diese Sammlung giebt immer mehr Licht über jene frühern Zustände und über die Art in der Kunst zu denken und zu wirken. Sehr angenehm war mir die Spitze des Pfarrthurms: der wackere Künstler hatte die Absicht dem guten Frankfurt eine ganz andere Ansicht zu geben, die jetzt, bey der noch so schönen Lage, durch den stumpfen Thurm höchst unerfreulich bleibt. Ich habe von Jugend auf das Gefühl gehabt, daß diese flache Mütze durchaus widerwärtig sey.

Das Facsimile des Cölner Doms empfange mit Dank und wünsche irgend etwas Angenehmes und Nützliches dagegen zu erwidern. Die Aufopferung des Originals scheint mir wahrhaft heroisch und um desto löblicher und rühmlicher. Wenn man dort gute Anstalt macht diesen Schatz zu bewahren, so wird dieser Ihr guter Wille noch in späten Zeiten gepriesen werden.

Schließlich darf ich nicht unterlassen die höchst reinliche Genauigkeit Ihrer Blätter zu rühmen; sie erfreut bey allen architectonischen Zeichnungen, am meisten aber ist sie bey dieser altdeutschen Bauart[64] willkommen, weil das Schlanke des Ganzen, das Zarte und Zierliche des Einzelnen uns dadurch auf das Angenehmste entgegentritt.

Womit ich denn, unter den besten Wünschen mich angelegentlichst empfehle.

ergebenst

Weimar den 24. Februar 1818.

Goethe.


29/7989.

An Johann Heinrich Meyer

Wenn Sie, mein Theuerster, diese Zeit in die Ferne nichts von mir vernommen, so war es darum, weil ich eben jetzt Ihre Nähe gar sehr vermißte: Das dritte Heft von Kunst und Alterthum hab ich ausgefertigt, wobey denn freylich Ihr Berath und Beyfall mir sehr heilsam gewesen seyn würde. Veranlaßt durch ein Werk des verstorbenen Bossi in Mayland: über das Abendmahl des Leonardo da Vinci, bey Gelegenheit von Durchzeichnungen die der Großherzog mitgebracht, welche Bossi selbst über verschiedene Copien des Bildes verfertigt, noch mehr angeregt von Bemerkungen welche Ga(tano Cattaneo diesen Blättern hinzugefügt, habe einen Aufsatz geschrieben, der beynahe fünf gedruckte Bogen füllt und das dritte Heft abschließt. Zu meiner großen Erbauung habe bey dieser Gelegenheit mich um Leonardo's Lebensgeschichte und den Inhalt seiner Schriften in der Nähe bekümmert, da man denn mit [65] immer neuer Verwunderung dieses außerordentliche Talent betrachten lernt.

Auch ist der Abdruck eines Manuscripts der Vaticana von seinem Trattato della Pittura in vorigem Jahr zu Rom erschienen, worin mehrere bisher unbekannte Capitel, ja Bücher, befindlich, und auf 22 Kupfertafeln kleine, leichte, geistreiche Figuren beygefügt, wie sie Leonardo zwischen seine Manuscripte hineinzuschreiben pflegte. Es ist nicht unwahrscheinlich daß diese Copie, mit großer Sorgfalt, was Text und Kupfer betrifft, im sechzehnten Jahrhundert gemacht worden. Der römische Herausgeber, unter Beystand des Herrn de Rossi, hat es an größter Sorgfalt nicht fehlen lassen. Nur ein flüchtiger Blick welchen ich hineinthun konnte überzeugt mich von dem großen Gewinn der uns dabey zu Theil wird.

In vielen andern Stücken war mein jenaischer Aufenthalt gleichfalls fruchtbar; Ein Heft zur Morphologie ist vorbereitet, am Divan der Druck angefangen und so wollen wir sehen was wir dieses Jahr fördern können.

In der Naturwissenschaft wird durch vorzüglich gute Köpfe das Summa Summarum gezogen von verschiedenen Capiteln, wodurch uns denn der Erwerb mehrerer Jahrhunderte mit Bequemlichkeit zu Theil wird. Curt Sprengels Geschichte der Botanik und des Dresdner Carus Handbuch der Zootomie geben uns die erfreulichsten Übersichten. Ich, für meine [66] Person, habe dabey die Zufriedenheit, daß meine alten Ideen sich täglich mehr bestätigen und der Einfluß meiner Arbeiten auf die Wissenschaft nach und nach anerkannt wird. Dieses kommt mir sehr zu Paß da ich wirklich einige Ermuthigung brauche wenn ich meine alten Papiere, die mir solchen Bemühungen sehr zerstückelt übrig sind, confrontiren und redigiren soll.

Wünschenswerth ist es für uns daß Sie bald wiederkehren, ob es für Sie selbst ersprießlich und heilsam ist, werden Sie am besten fühlen und beurtheilen. Die Aussicht auf den See läßt sich freylich im mittlern Lande nicht ersetzen, indessen hab' ich mich so gut als möglich postirt, indem ich in Jena mein Quartier über der Camsdorfer Brücke, in dem Erker der Tanne genommen, wohin Sie denn schönstens eingeladen sind um wenigstens eines rauschenden Flusses, einer rauschenden Stadt und eines anmuthigen Thales nicht zu ermangeln. In diesem Jena selbst, das jetzt so viel Lärm in die Welt sendet, ist es stiller als niemals, weil jeder in seinem eignen Laboratorium die Raketen und Feuerkugeln verfertigt, womit er die Welt in Staunen setzen und wo möglich entzünden möchte. Bey diesen Eruptionen sitz ich ruhig wie der Einsiedler auf der Somma. Und hiermit allen guten Geistern empfohlen.

Weimar den 24. Februar 1818.

G.


[67] 29/7990.

An Carl Friedrich Ernst Frommann

Ew. Wohlgeboren

erhalten zugleich mit dem Gegenwärtigen, oder doch bald darauf, durch den Bibliotheks- und Museumsschreiber Färber die Abschrift von den sechs ersten Bogen des dritten Heftes Kunst und Alterthum; haben Sie die Güte solche baldigst nach Wien zu schicken, denn Herr von Cotta in seinem letzten Briefe sagt: daß wenn auch nur ein Theil des Manuscripts bey der Censur eingereicht würde, dadurch schon dem Nachdrucker das Handwerk gelegt sey. Übrigens wird fleißig fortgeschrieben und das übrige Manuscript kann auch bald abgehn.

Hier in Weimar bin ich wiederholten Festlichkeiten nicht entgangen, wobey ich mir gestehn muß, daß unsere Leute ihren Aufzug sehr lobenswerth vollbracht haben.

Mich bestens empfehlend in Hoffnung baldigen Wiedersehens

ergebenst

Weimar den 27. Februar 1818.

Goethe.


29/7991.

An Heinrich Mylius

[Concept.]

Ew. Wohlgeboren

erhalten auch einmal von mir ein Schreiben dessen gute Aufnahme ich mir wohl erbitten darf. Sie haben[68] für unsern gnädigsten Herrn so viele Aufmerksamkeit daß ich wohl hoffen kann daß auch mir davon ein Theil werde zu Gute kommen.

Da Sie mit Herrn Gaëtano Cattaneo in so genauer Verbindung stehen, so lege ein Blatt an denselben bey, welches ihm zu interpretiren bitte. Ich thue dieß mit so mehr Zuversicht, als ich mir die Freyheit nehme die darin gedachte Summe von Franken an denselben auszuzahlen, wogegen ich hier mit Serenissimi Rechnungsführer sogleich Richtigkeit pflegen werde.

Mehr füge ich dießmal nicht hinzu, weil Ihro Königl. Hoheit wegen der Bücher aus Bossi's Auction sogleich zu antworten gedenken.

Ew. Wohlgeboren und Frau Gemahlin empfehle mich zum allerbesten.

Weimar den 28. Februar 1818.


29/7992.

An Gaëtano Cattaneo

[Concept.]

Herr Director Ga(tano Cattaneo hat die besondere Gefälligkeit gehabt mir zwey Verzeichnisse von Bronze-Münzen zu übersenden. Nun ersuche hiermit denselben sowohl aus dem Verzeichniß A als B für die Summe von Franken nach eigner Überzeugung geneigt auszulesen, wobey es denn hauptsächlich darauf ankommt

[69] 1) daß die Medaille ein gutes Kunstwerk und möglichst erhalten sey.

2) stellt sie zugleich eine bedeutende Person vor so ist es desto besser.

3) wäre vorzüglich auf das 15. und 16. Jahrhundert zu reflectiren.

4) lege ein kurzes Verzeichniß bey welche Stücke ich, vorausgesetzt daß sie gut erhalten sind, vorzüglich wünsche.

Ich bitte die Kürze dieses Blattes zu entschuldigen und hoffe nächstens einen Aufsatz über das Abendmahl des Leonard da Vinci, welcher so eben in's Französische übersetzt wird, zu günstiger Prüfung zu übersenden.

Mich angelegentlichst empfehlend, aufrichtige Dankbarkeit versichernd.

Weimar den 28. Februar 1818.


29/7993.

An Johann Gottfried Schadow

Ew. Wohlgeboren

erhalten hierbey mit vielem Dank meine rückständige Schuld, und wünsche daß diese Sendung Sie in gutem Wohlseyn antreffen möge. Für die Notizen, die Sie mir wegen Vorbereitung des Gusses geben, bin ich höchlich dankbar. Es ist sehr interessant zu sehen wie eine solche Technik sich aufklärt und erleichtert. Wie [70] gern möchte ich von diesem bedeutenden Geschäft mich persönlich belehren. In meinem dritten Heft von Kunst und Alterthum geb' ich dießmal nur die allgemeine Einleitung des Unternehmens; wie man von der Arbeit selbst und von der Ausführung dem Publicum Kenntniß giebt, wird erst zu überlegen seyn.

Mit den besten Wünschen und in Vertrauen auf Ihr fortgesetztes Wohlwollen

ergebenst

Weimar den 2. März 1818.

Goethe.


29/7994.

An Dominikus Artaria

[Concept.]

Vielen Dank bin ich Ihnen, mein werthester Herr, für die Gefälligkeit schuldig daß Sie baldigst eine bedeutende Sendung von merkwürdigen Kupfern an mich abgehen lassen; nur muß ich gestehen: ich äusserte jenen Wunsch gegen Ihren Herrn Bruder in der Vermuthung, die Preise der Blätter könnten sich denenjenigen einigermassen annähern, welche ich seit so vielen Jahren, für mich und für öffentliche Anstalten sammelnd, zu zahlen gewohnt war.

Nun ersehe ich aber aus dem nachgesandten Verzeichniß daß der Geldwerth solcher Kunstwercke sehr hoch gestiegen, welches mir zwar angenehm seyn kann, [71] indem ich manche davon besitze, aber mich auch zugleich schmerzt, weil ich auf eine weitere Anschaffung Verzicht thun muß.

Beyliegendes Blatt bemerckt die wenigen Kupfer welche auszuwählen ich mich nicht enthalten konnte. Die übrigen kommen sorgfältig gepackt nächstens wieder zurück. Herr Rath Schlosser in Frankfurt ist angewiesen den Betrag gegen Quittung auszuzahlen und ich verfehle nicht meinen Dank abzustatten für die zwar angenehme aber verführerische Unterhaltung welche Sie mir gestatten wollen. Denn ich will nicht leugnen, daß die meisten Abdrücke vortrefflich und sehr wohl erhalten sind.

Eine Übereinkunft die man mit Ihrem Herrn Bruder von Seiten Großherzogl. Bibliothek getroffen wird mir Gelegenheit geben von Zeit zu Zeit etwas von Ihnen zu vernehmen.

Der ich mich zu geneigtem Andenken empfehle.

Mögen Sie einigen Rabattgeben, so werd' ich es dankbar erkennen; er möchte um so mehr billig seyn als das treffliche Kupfer: die Bekehrung Pauli von Michel Angelo ringsherum beschnitten ist. Leider hatten noch einige schätzbare Blätter dieser Sammlung dasselbe Schicksal, die ich sonst wohl behalten hätte.

Weimar den 2. März 1818.


[72] 29/7995.

An das Großherzogliche Stadtgerichtzu Weimar

[Concept.]

Der neue Besitzer des ehemaligen Hertelischen Hauses am Frauenthor, Kammerdiener Lämmermann, gedenkt, unter Anleitung des Hof-Zimmer-Meisters Schenk, den am meinen Garten stoßenden Theil seines Gebäudes zu verändern. Aus dem eingereichten anliegenden Risse geht hervor daß man eine niedrige Wand über die Gebühr erhöhen, nicht weniger mehrere in meinen Garten schauende Fenster anbringen wollen.

Mündliche Äußerungen des Besitzers und Zimmermanns stimmen mit dem Risse nicht überein, ja man leugnet das was derselbe ganz deutlich ausspricht. Übrigens scheinen zwischen beiden Verhältnisse obzuwalten wodurch die Sache trübe wird.

Da ich nun hieraus manche Unannehmlichkeit und Verdruß zu befürchten habe, und keineswegs zu leiden verbunden noch gesonnen bin daß meine natürliche Freyheit von dergleichen lästigen in mein Garten-Eigenthum gehenden Fenstern willkürlich beeinträchtigt werde; so ersuche hiedurch Hochlöbliches Stadtgericht, gedachten Bau zu sistiren und denen Unternehmern deutlichen Grund- und Aufriß anzubefehlen, woraus ihre Absichten und Wünsche unfehlbar zu erkennen seyen, damit man das Rechtliche ohne Weiteres zugestehen, das Widerrechtliche aber ebenmäßig ablehnen könne.

Weimar den 3. März 1818.


[73] 29/7996.

An Christian Gottlob Voigt

Darf ich Ew. Exzell. um die Acten wegen Wellers bitten? Vor Ostern wünschte die Sache abgethan, da ich Gelegenheit habe den Prinzen zu sprechen übernehm ich es gern.

Vulpius zeigt sich wie immer völlig ohne Reflection über sich selbst.

Was soll man zu Fries Selbstvertheidigung sagen?

d. 4. März 1818.

G.


29/7997.

An Johann Gottfried Ludwig Kosegarten

[Concept.]

Ew. Wohlgeboren

werden mit dem Gegenwärtigen die letzte Revision des Ersten Bogens meines Divans erhalten. Mögen Sie die Gefälligkeit haben solchen durchzugehen, wenn Sie etwas zu erinnern finden, es zu bemerken und alsdann an mich zurückzusenden. Sie werden mich durch Ihre einsichtige Theilnahme sehr verpflichten; wie ich denn nächstens wieder einer belehrenden Unterhaltung entgegen sehe.

Mit den reinsten Wünschen und besten Empfehlungen.

Weimar den 5. März 1818.


[74] 29/7998.

An Johann Carl Wesselhöft

[Concept.]

Ew. Wohlgeboren

erhalten hiebey den Correcturbogen zurück. Ich erbitte mir noch eine Revision, welche an Herrn Prof. Kosegarten mit beyliegendem Brief zu übergeben wäre, der sie mir sodann gefällig zurückschicken wird.

Wollten Sie dem Buchbinder bemerken, daß die für mich bestimmten Exemplare des dritten Hefts von Kunst und Alterthum nicht beschnitten werden.

Mit den besten Wünschen und Empfehlungen.

W. den 5. März 1818.


29/7999.

An Friedrich Theodor von Müller

Ew. Hochwohlgeboren

für die Mittheilung der Selbstvertheidigung und der übrigen Acten, welche noch heute zurückerfolgen sollen, höchlich dankbar, bitte nur mit einem Worte anzuzeigen, ob diese Selbstvertheidigung schon im Druck ausgegangen.

Mit den reinsten Wünschen und besten Empfehlungen

gehorsamst

Weimar den 5. März 1818.

Goethe.


[75] 29/8000.

An Ernst Gottfried von Odeleben

[Concept.]

Ein Verzeichniß von italiänischen Mineralien, welches Ew. Hochwohlgeboren den Liebhabern der Oryktognosie und Geognosie anbieten, ist mir zu Handen gekommen. Dadurch veranlaßt, ersuche ich Dieselben mir Nachstehendes gefällig zu übersenden.

Ein Analzim mit Kalkpath, Faserzeolith etc. in Mandelstein.

Drey Fischversteinerungen von Monte Bolca.

Ein Exemplar Grünerde Brentanico (vielleicht krystallisirt?).

- - Bologneserspath.

- - Gyps, krystallisirt, von M. Donato bey Bologna.

- - Ruinenmarmor, rohes Stück.

- - Analzim von den Cyklopeninseln.

Da mir hierbey hauptsächlich zu thun ist, einen Eingang fernerer Verbindung zu machen, so ersuche Dieselben, mir instructive Stücke in Mittelgröße zu senden nebst den nächsten Preisen. Wollen Sie mir überhaupt ein Verzeichniß mit Ihren Preisen schicken, so wird sich eher beurtheilen lassen, inwiefern man weiter gehen könnte.

Der ich mit besonderer Hochachtung unterzeichne.

Weimar, den 6. März 1818.


[76] 29/8001.

An Carl Christian Sondershausen

Indem ich das mitgetheilte Melodram dankbar zurücksende, halte ich für Pflicht zu bemerken, daß der Hauptgedanke nicht deutlich genug ausgesprochen, die Ausführung aber zu weitläufig gerathen ist. Worüber vor allen Dingen ein einsichtiger Componist zu befragen wäre.

ergebenst

Weimar, d. 6. März 1818.

Goethe.


29/8002.

An Carl Ludwig von Knebel

Wenn unser Freund seine Noten an's englische Ministerium nicht reinlicher verfaßt als den beykommenden Brief, so weiß ich nicht, was die Herren denken sollen. Hohler, leerer, absurder und pracheriger ist mir nie etwas vorgekommen und doch zieht der Kerl immerfort seine ewige Knicker-Silhouette, die immer morgerer wird, je vornehmer er thut.

In kurzer Zeit denk ich wieder bey euch zu seyn. Möge dem kleinen Menschenkind das getrocknete Obst wohl bekommen, es ist auch nicht eine Gerningische Mirabelle dabey.

Meine Zustände diese letzten Tage waren nicht die besten. Eine Parallelgeschichte zu deinem Thee hat[77] mich auf eine Weile unbrauchbar gemacht. Ich würge mich indessen durch und bringe Tag vor Tag, ja Stunde vor Stunde, nur das Nothwendigste zur Seite. Man weiß gar nicht, wie viel man trägt und wie viel man sich dazu noch auflädt.

Nun lebe zum schönsten wohl und grüße die Deinigen.

Weimar den 7. März 1818.

G.


29/8003.

An Carl Friedrich Zelter

Den schönsten Dank für dein Mitternachts-Andenken. Hier etwas über den alten Mayer aus einem Buche das dich unterhalten wird. Möchte ich doch auf Fausts Mantel getragen mich in's Opernhaus zu deiner großen Function niederlassen. Irdische Mittel und Wege bringen mich schwerlich nach Berlin. Nächstens mancherley.

den 8. März 1818.

G.


[Beilage.]

A Bergame, on a encore la fureur des musiques d'église. J'ai cru voir les Italiens de 1730.

Les beautés de la musique d'église sont presque toutes de convention, et, quoique Français, je ne puis me faire au chant á tue-tête. Rien ne côute aux Bergamasques pour satisfaire leur passion; elle [78] est favorisée par deux circonstances, le célébre Mayer habite Bergame ainsi que le vieux Davide. Marchesi et lui furent, á ce qu'il me semble, les Bernin de la musique vocale, des grands talents destinés á amener le régne du mauvais goût. Ils furent les précurseurs de madame Catalani, et Pachiarotti, le dernier des Romains.

Mayer eût pu trouver un sort plus brillant, mais le reconnaissance l'attache á ce pays. Né en Baviére, le hasard l'amena á Bergame, et le chanoine comte Scotti l'envoya au Conservatoire de Naples, et l'y soutint plusieurs années; dans la suite on lui offrit la chapelle de Bergame, et, quoiqu' elle ne soit que de douze ou quinze cents francs, les offres les plus brillantes n'ont pu l'attirer ailleurs. Je lui ai ouï dire á Naples, oú il a fait la cantate de Saint-Charles, qu'il ne voulait plus voyager: en ce cas, il ne composera plus. Il faut toujours en Italie que le compositeur vienne sur les lieux étudier la voix de ses chanteurs et écrire son opéra. Il y a quelques années que l'administration de la Scala offrit dix mille francs á Paisiello; il répondit qu'a quatre-vingts ans l'on ne courait plus les champs, et qu'il enverrait sa musique. On le remercia.

Mayer, comme on voit, est dû á la générosité d'un amateur riche; il en est de même de Monti. Le pére de Monti ne lui envoyant plus d'argent, il allait quitter[79] Rome en pleurant; il avait déjà arrêté son veturino. L'avant-veille, il lit par hasard quelques vers á l'Académie des Arcades. Le prince Braschi le fait appeler: »Restez á Rome, continuez á faire de beaux vers; je demanderai une place pour vous á mon oncle.« Monti fut secrétaire des commandemens du prince.

Il trouva dans une maison un moine, général de son ordre, homme plein d'esprit et de philosophie. Il lui proposa de le présenter au prince neveu: il fut refusé. Cette modestie si singuliére piqua le prince; on usa de stratagéme pour lui amener le moine, qui bientôt aprés fut le Cardinal Chiaramonti.

Le patriotisme est commun es Italie; voyez la vie de ce pauvre comte Fantuzzi de Ravenne, que l'on m'a contée á Bergame; mais ce patriotisme est dégoûté de toutes les maniéres et obligé de se perdre en niaiseries.

A Bergame, Mayer et Davide dirigent une musique d'église; on leur donne un oro, c'est-á-dire une piéce d'or.

On nous redonne un opéra de Mayer, Elena, qu'on jouait avant la Testa di Bronzo. Comme il para(t languissant!

Quels transports au sestetto du second acte! Voilá cette musique, de nocturne, douce, attendrissante,[80] vraie musique de la mélancolie, que j'ai si souvent entendue en Bohême. Ceci est un morceau de génie que le vieux Mayer a gardé depuis sa jeunesse, ou qu'on lui a donné; il a soutenu tout l'opéra. Voilá un peuple né pour le beau: un opéra de deux heures est soutenu par un moment délicieux qui dure á peine six minutes; on vient de cinquante milles de distance pour entendre ce sestetto chanté par Mlle Fabre, Remorini, Bassi, Bonoldi etc., et pendant quarante représentations, six minutes font passer sur deux heures d'ennui. Il n'y a rien de choquant dans le reste de l'opéra, mais il n'y a rien.[Keine1]

Vorstehendes sind Auszüge aus einem seltsamen Buche: Rome, Naples et Florence, en 1817. Par M. de Stendhal, Officier de Cavalerie. Paris 1817. welches ztrehbbchtrefhthhh ggggdu dir nothwendig verschaffen mußt. Der Name ist angenommen, der Reisende ist ein lebhafter Franzose, passionirt für Musik, Tanz, Theater. Die paar Pröbchen zeigen dir seine freye und freche Art und Weise. Er zieht an, stößt ab, interessirt und ärgert, und so kann man ihn nicht loswerden. Man liest das Buch immer wieder mit neuem Vergnügen und möchte es stellenweise auswendig lernen. Er scheint einer von den talentvollen Menschen, der als Offizier, Employé oder Spion, wohl auch alles zugleich, durch den Kriegesbesen hin- und wieder gepeitscht [81] worden. An vielen Orten ist er gewesen, von andern weiß er die Tradition zu benutzen, und sich überhaupt manches Fremde zuzueignen. Er übersetzt Stellen aus meiner Italiänischen Reise und versichert das Geschichtchen von einer Marchesina gehört zu haben. Genug man muß das Buch nicht allein lesen, man muß es besitzen.

Weimar den 8. März 1818.

G.


29/8004.

An Christian Gottlob Voigt

Ew. Excellenz

senden, wie ich von Serenissimo vernehme, diese englischen Zeitungen gewöhnlich nach Jena; könnten Sie einleiten daß, nach gemachtem Gebrauch, solche an den Bibliotheks- und Museumsschreiber Färber abgegeben würden, so dürften sie uns sehr zu Gute kommen, denn nach darin enthaltenen Notizen möchte auch wohl in der Folgezeit öfters Nachfrage seyn.

gehorsamst

den 8. März 1818.

Goethe.


29/8005.

An die Großherzogin Maria Paulowna

[Concept.]

Unsern theuern Prinzessinnen hat Herr Professor von Münchow in dem vorigen Jahr nicht allein den[82] auf Mathematik bezüglichen Unterricht selbst in Jena ertheilt sondern auch die Stunden des Professor Weichardt allhier eingeleitet und, von Zeit zu Zeit herüberkommend, nachgesehen und geholfen. Ferner hat er auf Sittlichkeit, Gesinnung und Betragen eingewirkt, Aufmerksamkeit erregt und festgehalten und was er sonst noch für Verdienste um die theuern Zöglinge sich erworben hat. Ihro Kayserl. Hoheit haben deshalb einigemal gnädigste Erkenntlichkeiten ihm zustellen lassen, die er dankbar empfing. Seine Reisen hierher waren frey so wie dessen Wohnung und Verköstigung.

Alles dieses mochte für einen angehenden oder vorübergehenden Zustand gehörig seyn. Da man aber Höchsten Orts wünscht, daß bey nächstem Sommer-Aufenthalte in Jena die Lectionen fortgesetzt, eine theilnehmende Bemühung beybehalten, auch in der Folge ein hiesiger Aufenthalt statt finden möge; so hat man zu Beruhigung beyder Theile annehmlich gefunden, irgend ein Fixum auszusetzen und sich wechselseitig auf das laufende Jahr zu verbinden. Professor von Münchow würde das was bisher geleistet worden fernerhin übernehmen, wogegen man demselben Höchsten Orts [vierhundert Thaler] in vierteljährigen Raten auszahlen zu lassen geneigt wäre. Wegen seiner Anherreise und dessen hiesigem Aufenthalt blieb' es bey'm Alten.

In der Überzeugung daß hiedurch eine größere Freyheit in dem wechselseitigen Verhältniß statt finden [83] werde, hat man Gegenwärtiges Ihro Kayserl. Hoheit, nach manchem Bedacht, vorzulegen für Pflicht geachtet.

Weimar den 10. März 1818.


29/8006.

An Christoph Ludwig Friedrich Schultz

Ihr lieber theurer Brief, mein Bester, fand mich im Bette, unbehaglich an einem vorübergehenden Übel; doch war die Lage keineswegs von der Art daß man mit Frohsinn den Plan einer großen Stadt hätte betrachten können, durch dessen Anleitung man sich munter und schnell durch das Labyrinth der Straßen bis zu seinen Freunden finden sollte.

Bey meinem Winter-Aufenthalt in Jena hab' ich mich gut gehalten, weil ich mit Sorgfalt den drohenden Übeln auszuweichen im Stande war. Hier aber, wo ich mich niemals schonen kann, lag ich schnell darnieder, weil Verkältung und was dem anhängt meine Übel entscheidet. Und so ist denn an keine Reise zu denken so wenig als an einen behaglichen Aufenthalt bey meinen auswärtigen Freunden. Die Ärzte bestehen darauf daß ich Anfang May's nach Carlsbad soll, da ich denn Anfang Juny's wieder zurück seyn werde.

Freund Meyer ist noch in der Schweiz, und wird in gedachter Zeit wahrscheinlich wieder hier seyn. Dieß[84] alles trifft zusammen mit dem Inhalt Ihres Briefes, wenn ich ihn recht verstehe; und so müssen wir denn wohl unsere Wünsche bis auf den Sommer ajourniren.

Überhaupt bin ich genöthigt auszusprechen, daß mir jede Reise und auswärtiger Aufenthalt außer denen Sommermonaten unmöglich wird, auch daß ich der unleidlichste Gast bin, dem man nur auf seine eigenste Art etwas zu Gute thun kann, weil man ihm sonst gewiß immer etwas zu Leide thut. Eben jetzt hat mich das Wohlwollen meiner hiesigen hohen Gönner auf acht Tage unbrauchbar gemacht. Was ich bey dem Sommer-Aufenthalt an einem großen Ort verlöre darf ich nicht fr