1827

[1] 42/1.

An den Großherzog Carl August

Ew. Königliche Hoheit

die bevorstehenden erwünschten Familienfeste in guter Gesundheit feyern und die daraus sich entwickelnden glücklichen Folgen gleicherweise genießen zu sehen, bleibt mein erster und angelegentlicher Wunsch.

Sodann belebt mich die Hoffnung, Höchstdieselben werden die mir seit so vielen Jahren gegönnte Neigung, Gunst und Zutrauen fernerhin gewähren.

Und so bleibt mir seit mir nichts übrig als durch möglichst fortgesetzte Tätigkeit in so späten Jahren noch einigermaßen nützlich, vollkommen aber danckbar zu erscheinen.

Verehrend, angehörig

Ew. Königlichen Hoheit

unterthänigster Diener

Weimar d. 1. Januar 1827.

J. W. v. Goethe.


[2] 42/2.

An die Großherzogin Louise

[Concept.]

[1. Januar 1827.]

Ew. Königliche Hoheit

geben mir anhaltend so entschiedene verehrliche Beweise fortdauernder Gunst und Gnade, daß ich in der Hoffnung sie fortgesetzt zu sehen durchaus glücklich bin und eingetretenen wünschenswerthen Familienverhältnisse und deren erfreuliche Folgen in erwünschter Gesundheit und heiterem Geiste feyern und genießen.


42/3.

An den Herzog Bernhard

[Concept.]

[1. Januar 1827.]

Ew. Königlichen Hoheit

an dem heutigen Tage persönlich aufzuwarten, meine treuen Wünsche und tiefgefühlte Verehrung auszusprechen werde durch meine schwankenden Gesundheitsumstände zwar verhindert, jedoch mich deshalb entschuldigend verfehle nicht für die gnädigsten Mittheilungen mein dankbarstes Anerkennen auszusprechen. Was davon bisher bey mir verwahrt worden lege mit der Versicherung bey, daß eine so wohl genutzte Reisezeit jedem, der daraus durch die klar und sorgfältig [3] aufgezeichneten Tagebücher das Nähere erfährt, wie mir die reinste Theilnahme und höchste Bewunderung abgewinnen muß.

Höchst erwünscht ergreif ich die Gelegenheit mich dem Durchlauchtigsten Herzoglichen Paare zu ferneren Hulden und Gnaden angelegentlichst zu empfehlen.


42/4.

An Friedrich Johannes Frommann

[Concept.]

Ew. Wohlgeboren

erhalten hierbey die durch Fest- und Feyertage einigermaßen verspäteten Revisionsbogen 3 und 4; der fünfte wird Sonnabends erfolgen, auch liegt eine Fortsetzung des Manuscripts bey. Haben Sie die Güte, Ihre Sorgfalt diesem Geschäft fernerhin wie bisher zu gönnen.

Möge die neue Tages- und Wochenreihe Ihnen und den theuern Ihrigen das Wünschenswertheste bringen, mir aber dieser Folge wieder erlaubt seyn, in Jena persönlich meinen treuen Antheil und aufrichtige Ergebenheit in heitren Stunden auszusprechen.

Mich wiederholt zu geneigten Andenken empfehlend.

Weimar den 3. Januar 1827.


[4] 42/5.

An Johann Heinrich Meyer

Mögen Sie, mein Werthester, sich einrichten, daß heute Abend gegen 6 die Kutsche Sie abholen kann.

Hierbey sende die zwey Fauste nochmals, mit Bitte, das Minimum was zu ihren Lobe gesagt werden kann mit wenigen Worten auszudrücken; ich wünsche es nur Nachsatz zu einer Anzeige dieser neuen Ausgabe.

Das Beste wünschend.

Weimar den 3. Januar 1827.

G.


42/6.

An Julius J. Elkan

[Concept.]

[6. Januar 1827.]

Herr Banquier Elkan wird hierdurch höflichst ersucht, an Johann Wilhelm Schneider, Pastetenbäcker in Frankfurt a. M., die Summe von 33 fl. Rheinisch auszahlen zu lassen und deren Wiedererstattung ungesäumt gewärtig zu seyn.

Weimar den 4. Januar 1827.


42/7.

An Rudolf Weigel

Ew. Wohlgeboren

danke verbindlichst für den mir übersendeten Catalog mit verzeichneten Preisen, und bekenne mich gern deshalb zu irgend einer Erwiderung als Schuldner.

[5] Nehmen Sie beykommende Medaille hiervon als Zeugniß und fahren Sie fort meiner mit Antheil zu gedenken.

Noch eine Frage füge bey. Ist etwa ein Catalog vorhanden von Kupferstichen nach van der Helst? oder könnte man irgend nachkommen, was für namhafte Personen, von ihm gemalt, durch den Grabstichel seyen bekannt geworden? Einige Nachricht hierüber würde mir sehr angenehm seyn. Beylage bitte gefälligst zu besorgen.

ergebenst

Weimar den 8. Januar 1827.

J. W. v. Goethe.


42/8.

An Carl Friedrich Zelter

Gleich nach dem neuen Jahr, mein Theuerster, werde ich zu der Frage veranlaßt: ob du etwa Zeit hättest eine kleine Reise vorzunehmen, wo es auch in die Welt hin wäre? Zu diesem wunderlichen Ansinnen ward ich gestern Abend aufgefordert, als ich mit Riemer deine allerliebste Relation von Baden, Wien, Prag u.s.w. durchlas und wir uns daran höchlich ergötzten. Es geht daraus hervor, daß du niemals liebenswürdiger und mittheilender bist als unterwegs; jetzt aber da du den Musen einen Palast und dir einen würdigen Aufenthalt gründest, so schweigst du und scheinst von der auswärtigen Freundeswelt nicht viel zu wissen.

[6] Ich kann dagegen vertrauen, daß es mir diese Tage her sehr wohl gegangen ist, indem Herr v. Humboldt länger als ich hoffen dürfen bey uns verweilte und Gelegenheit gab, eine vieljährige Lücke vertraulicher Unterhaltung auf das allerschönste auszufüllen. Mancherlei anderes Gute will ich nicht articuliren.

Nächstens sende an Doris eine Anzahl Medaillen mit Adressen versehen, nach welchen sie auszutheilen bitte.

Ein Stück Kunst und Alterthum ist im Druck, bey dessen Ausfüllung und Besorgung ich gern im Sinne habe, daß es dir auch Nachdenken erwecken und Freude machen werde.

Herr Geh. Finanz-Rath Beuth hat mir eine kostbare Sendung alter und neuer Kunstwerke zugesandt, an denen ich mich immerfort erbaue. Hast du irgend eine Gelegenheit ihm darüber das Freundlichste zu sagen, so versäume sie nicht. Ich habe ihm zwar schönstens gedankt, wenn ich aber mit Worten aussprechen wollte wieviel mir dergleichen Mittheilungen werth sind, so würde ich zu übertreiben scheinen; denn wenn sich der Berg nicht entschlösse zum Propheten zu kommen, so würde mir in meiner Zelle nur wenig Kunstgenuß zu Gute gehen. Das große Kupfer nach Gérard: Eintritt Heinrichs IV. in Paris, ist auch diese Tage zu mir gekommen und muß vorzüglich beachtet werden, als was der Gipfel dessen was Malerey und Stichkunst in unsern Tagen vereinigt unternehmen und leisten.

[7] Übrigens begreife ich wohl, daß du in dem jetzigen Augenblicke höchst beschäftigt bist; dich aber durch Gegenwärtiges aufregen, Blick und Wort auch zu mir herüber zu wenden. Besonders will ich dich bitten, daß du in der Verwirrung des Aus- und Umzugs die musicalische Tabelle nicht lassest verloren gehen. Ich bin auf einige sehr hübsche Gedanken geführt wor den, wodurch sich für mich Angelegenheit gar lieblich abrundet; ob sie andern auch gemäß sind, wird die endliche Mittheilung ausweisen.

Im Ganzen, soviel mir möglich ist, ziehe ich Latus für Latus summarisch zusammen, aufgefordert durch die übernommene schwere Pflicht meiner neuen Ausgabe; doch hat sich im vergangenen Jahre schon vieles besser gemacht, als denken konnte. Die äußere Ungunst der Ereignisse habe ich durch innere Beharrlichkeit überwunden, und wenn das Laufende mich nur einigermaßen schalten und walten läßt, so führe ich alles dahin wo ich wünsche. Professor Riemer, Göttling, Eckermann greifen thätig und geistreich ein. Noch ein Dutzend Monate hin, so wird mein Testament nicht weitläufiger zu seyn brauchen als das des Evangelisten Johannes. Womit ich denn auf das schönste und beste zu leben wünsche.

Und so fürder

W. d. 9. Jan. 1827.

G.


Beykommender Nekrolog wird dich gewiß erbauen. Du weißt selbst was es heißt, eine Anstalt [8] gründen und sie viele Jahre in zunehmendem Leben aufrecht erhalten; auch ist wohl in deiner Umgebung mancher Ehrenmann dem Blättchen Freude macht.

Die Medaillen an Doris gehen mit der heutigen fahrenden Post ab; grüße sie schönstens und sage ihr, daß sie mir doch auch ein Wort schreiben möchte.


42/9.

An Wilhelm Christoph Leonhard Gerhard

Ew. Wohlgeboren

halten sich mit Recht überzeugt daß ich an den glücklichen Äußerungen Ihrer schönen und frohen Talente immerfort vergnüglichen Antheil nehme, wie ich denn gern die Gelegenheit ergreife, Sie davon zu versichern, und für die beiden Bände, so wie für die letzte serbische Sendung meinen schönsten Dank abzustatten.

Für die kleinen Lieber bin verpflichtet und gedenke, mit Ihrer Erlaubniß, die vier von Ihnen, in singbare Reime gebracht, in Kunst und Alterthum VI, 1, woran gedruckt wird, einzuführen. Auch würde des serbischen Gastes und seiner Serbianca gern erwähnen, Die in Ew. Wohlgeboren Schreiben enthaltene Skizze seines Lebens möchte für diesen Zweck hinreichend zu achten seyn, wenn Sie solche nicht noch einigermaßen auszuführen gedenken. Sodann währe ein kurzer Inhalt der Serbianca wünschenswerth, besonders auch in Sinne, daß man den Gebrauch [9] erkennte, den der Dichter von der griechischen Mythologie gemacht. Hiebey kommt alles auf die Art an wie er verfahren, denn er das Recht und das Glück, daß diese hohe alterthümliche Gestalten ihm als nachbarlich an der Seite stehen und daher, als Nationalgottheiten ununterbrochen wirksam, gar leicht herbeyzurufen sind.

Grüßen Sie den wackern Mann zum schönsten und lassen mich bald das Nöthige hören, damit ich meinen Aufsatz über Poesie abschließen und in den Druck geben kann.

In vorzüglicher Hochachtung

ergebenst

Weimar den 9. Januar 1827.

J. W. v. Goethe.


42/10.

An Peter Christian Wilhelm Beuth

[Concept.]

Ew. Hochgeboren

vermelde schuldigst die glückliche Ankunft der mir gegönnten trefflichen Kunstschätze.

Wenn die alterthümlichen mich über die großen Verdienste jener vorübergegangen Zeiten zu den würdigsten Betrachtungen auffordern, so sehe ich in den hinzugefügten neueren Werken die herrlichsten Fürchte der unermüdeten Sorgfalt, Einsicht und Leitung, welche von Ihnen ausgehend den Künstlern seit[10] so vielen Jahren zu statten kommen, die das Glück haben sich in Ihrer Nähe zu bilden. Nehmen Sie für diese wahrhaft seltenen Genüsse meinen verpflichteten Dank und erlauben mir einige bey diesem Anlaß angestellte Betrachtung in der Folge mitzutheilen. Gedanken Sie mein, wenn den Ihrigen auf diesem Wege etwas Schönes gelingt, und erlauben mir gelegentlich irgend einen bescheidenen Wunsch mit Zutrauen vorzutragen.

Darf ich schließlich hoffen, meinen besten Dank gleichfalls an Herrn Director Frick gefällig abgestattet zu wissen, so kann ich mich in angenehmer Aussicht auf ein ferneres schätzbares Verhältniß mit wahrer Hochachtung unterzeichnen.

Weimar den 11. Januar 1827.


42/11.

An Nikolaus Meyer

Ew. Wohlgeboren

hätten mir angenehmeres Geschenk bereiten können als das wohlgerathene Gemälde, das mich nunmehr täglich in Ihre Nähe versetzt, ohne daß ich es über's Herz bringen könnte, durch irgend einen freventlichen Gebrauch solches zu beschädigen. Nehmen Sie dafür meinen besten Dank, so wie den Jahrgang des Sonntagsblattes, aus welchem deutlich hervorgeht, wie Sie sich an die Kultur Ihrer Stadt und Umgegend [11] treulich anzuschließen und fördern wissen.

Hierauf aber will ich alsobald mein Vergnügen aussprechen über die Absicht, Ihre Söhne nach Berlin zu schicken, welches besonders auch dem Jüngern höchst vortheilhaft seyn wird. Sobald Sie sich hierüber näher bestimmen, soll ein Schreiben an Herrn Rauch abgehen, nicht weniger was musicalische Bildung betrifft an Herrn Zelter. Noch mehrere Empfehlungen könnte ich geben, es ist aber nicht gut dieß zu thun, denn junge Leute kommen dadurch gar oft in widersprechende Verhältnisse. Genannte beiden Männer werden in ihren Kreisen den Jüngling schon zu leiten wissen. Grüßen Sie ihn zum schönsten, und sagen ihm, daß er mir über's Jahr gewiß schon etwas Erfreulich werde senden können. Gründlichkeit verbunden mit der größten Thätigkeit ist in Künsten wohl kaum außer Berlin so glücklich beysammen in Deutschland zu finden.

Das Gegenwärtige sende mit dem schönsten Dank und besten Grüßen auch an Ihre werthe Gattin eiligst ab, das Weitere zu nächst abzusendenden Packet mir vorbehaltend.

Wie immer treu gesinnt und mich früherer neu auflebender Bezüge herzlich erfreuend.

ergebenst

Weimar den 11. Januar 1827.

J. W. v. Goethe.


[12] 42/12.

An Johann Heinrich Meyer

Morgen, Montag um zwölf Uhr werde also Ihro Kayserl. Hoheit erfreulicher Gegenwart mit Vergnügen gewärtig seyn.

d. 14. Jan. 1827.

G.


42/13.

An Friedrich Ludwig Schmidt

[Concept.]

[16. Januar 1827.]

Ew. Wohlgeboren

überzeugen sich, daß nur meine hohen Jahre und die vielfachen, Geschäfte, zu denen ich zwischen hier und Ostern verpflichtet bin, mich abhalten können Ihren Wünschen zu genügen. Gern möchte ich den hochgebildeten Bewohnern einer so werthen und bedeutenden Stadt von der Bühne herunter manches Angenehme und Nützliche zusprechen, und was ich über die Leistung der Vergangenheit, die Bemühungen der Gegenwart, die Aussichten auf sie Zukunft im Sinne habe unbewunden offenbaren; es schmerzt mich eine so schöne Gelegenheit versäumen zu müssen.

Freylich würde bey einer solchen Arbeit für mich immer die große Schwierigkeit bleiben daß ich Hamburg niemals gesehen und von dem eigentlichen Sinn und Bestreben, besonders der Klassen die allenfalls das Theater besuchen, keineswegs unterrichtet bin; in[13] solchen Fällen ist das Besondere das eigentlich Wirksame. Nehmen Sie meinen besten Dank für das mir geschenkte Vertrauen, empfehlen Sie mich den würdigen Männern die sich zu diesen Geschäft verbunden haben und gedenken mein zu guter Stunde.


Nachschrift.

Indem ich ungern vorstehende ablehnende Antwort erlasse, geht mir bey, daß nach Ihren Andeutungen gar wohl ein erschöpfendes Vorspiel auszudenken sey. Indem ich nun nochmals die Unmöglichkeit, solches auszuführen für entschieden halten muß, so gedenke ich doch in kurzer Zeit einen Plan zu schicken, nach dessen Anleitung mit eignem Talent, Kenntniß und Geschmack gar wohl...


42/14.

An Walter Scott

[Concept.]

[16. Januar 1827.]

Der mir durch seine Thätigkeit vortheilhaft bekannte Kunstverleger Herr Henderson überschickt mir ein, wie man hoffen darf, wohlgerathenes Bild des zu früh abgeschiedenen Lord Byron und erregt auf's neue den Schmerz, den ich bey einem Verlust fühlen mußte der die Welt im Allgemeinen und mich im Besondern traf, da ich der Neigung eines so allgemein geschätzten Mannes, nach dessen verschiedenen Äußerungen, wohl schmeicheln durfte.

[14] Indeß gereicht den Überlebenden zum besten Troste, wenn sie umhersehen und sich überzeugen, daß, wie der Abgeschiedene nicht allein stand, sondern in Liebe, Freundschaft, Zutrauen gar manchen Guten an sich zog, auch sie nicht allein stehen, sondern einer geistigen Vereinigung mit vielen wackern Männern, die sich mit jenem verbunden fühlten, als der wichtigsten Erbschaft sich erfreuen dürfen.

Indem nun Herr Henderson mir anzeigt, daß er nach Edinburg zurückzukehren denke, so freue ich mich bey dieser Gelegenheit einen schon längst gehegten Vorsatz auszuführen und Ihnen, mein verehrter Herr, den Antheil auszusprechen, den ich an Ihren bewundernswürdigen Darstellungen seit vielen Jahren zu nehmen nicht verfehlen konnte. Auch mangelt es mir nicht am Anlaß von außen, Ihrer zu gedenken, indem in unseren Gegenden nicht etwa nur Übersetzungen Ihrer so reich ausgestatteten Werke, sondern auch die Originale selbst gekannt und wahren Geist und Verdienst nach geschätzt sind.

Bedenke ich nun, so vorzüglicher Mann in früherer Zeit auch von mir und meinen Arbeiten gründliche Kenntniß genommen und, wenn ich nicht irre, sogar seine Nation zum Antheil daran herbeygerufen; so darf ich in hohen Jahren meinen Dank dafür nicht länger verspäten, sondern den Ausdruck desselben bey neuerer Veranlassung um desto lieber beeilen als ich zugleich den Wunsch um Fortsetzung [15] eines freundlichen Wohlwollens und ausprechen und fernere geneigte Theilnahme mir unmittelbar kann.

Weimar den 12. Januar 1827.


[56] 42/14a.

An Friedrich Theodor von Müller

[16. Januar 1827.]

Herr Canzler von Müller ist auf Morgen, Mittwoch den 17. Januar zu einem frugalen Mittagsmahl freundlichst eingeladen.

Goethe.


[15] 42/15.

An Johann Christian Jüngken

[Concept.]

[17. Januar. 1827.]

Ew. Wohlgeboren

gefällige Sendung erkenne mit dem verbindlichsten Dank, welchen gleichfalls an Herrn Professor Rauch abzustatten bitte. Mit wahrhaften Antheil werde auch in der Folge vernehmen, daß die bedeutenden, in Berlin thätigen Künstlern gegönnten Unterstützungen durch verdienstvolle Kunstwerke immer glücklich erwidert worden.

Der ich mit vorzüglichster Hochachtung unterschreibe.

Weimar den 15. Januar 1827.


42/16.

An Carl Ernst Schubarth

[Concept.]

[17. Januar 1827.]

Wenn ich Ew. Wohlgeboren vertraulichen Brief vom 3. December vorigen Jahres bisher nicht beantwortet, so schreiben Sie solches einer gewissen Verlegenheit wegen Ihres Ansuchens zu; denn indem ich[16] nie aufgehört habe, Antheil an Ihrem Schicksal zu nehmen, so wird es doch nicht leicht seyn Ihren Wünschen gemäß gegenwärtig zu wirken. Damit ich aber nicht als gänzlich ablehnend und jedes Einwirken versagend erscheine, so ersuche Sie ein ostensibles ausführliches Promemoria zu schicken, worin Ihre Lage, Absichten und Wünsche articulirt seyen; nicht weniger die Art und Weise, wie Sie nach Ihrer Stellung glauben, daß sie erfüllt werden könnten.

Zwar enthält Ihr Brief dieß alles, aber es auszuziehen und in eine communicable Form zu bringen ist mir gegenwärtig unmöglich. Verzeihen Sie, wenn ich auf diese Weise interloquire und nur noch den Wunsch hinzusetze, daß die Schritte, die ich nach erhaltenem vorgemeldeten Aufsatz zu thun denke, von einiger Fruchtbarkeit seyn und Ihrem ferneren Andenken empfehlen mögen.


42/17.

An Joseph Natterer

[Concept.]

[17. Januar 1827.]

Ew. Wohlgeboren

säume nicht zu vermelden, daß die hierher bestimmte Sendung Bücher, enthaltend den Anfang einer brasilianischen Flora, sowohl in illuminirten als schwarzen Kupfern seiner Zeit glücklich angekommen ist. Mit vielem Bedauern vernahmen wir, daß Herr[17] Director v. Schreibers auf's neue von bedeutenden Übeln angefallen worden; möchten wir bald bessere Nachrichten deshalb vernehmen. Richten Sie an den werthen Mann von Ihro Königlichen Hoheit, meinem gnädigsten Herr, die besten Grüße und von mir die verbindlichsten Empfehlungen und seyen Sie für die übernommenen und vielleicht zu übernehmenden Bemühungen des besten Dankes durchaus überzeugt.

Weimar den 15. Januar 1827.


Nachschrift.

Ew. Wohlgeboren erlauben mir eine naturgeschichtliche Anfrage: Es geht hier nämlich das Gerücht, als sey in der K. K Menagerie ein Geschöpft, zwischen Hund und Katze fallend, gegenwärtig zu sehen. Naturforscher haben mich um Erkundigung nach diesem Curiosum ersucht, und ich ergreife die Gelegenheit Ew. Wohlgeboren hierüber um einige Notiz zu bitten, welche entweder diese Sage bestätigte oder entkräftete.

In vorzüglicher Hochachtung.


42/18.

An Friedrich Johannes Frommann

[Concept.]

Ew. Wohlgeboren

erhalten hiebey:

1) Den revidirten Bogen Nr. 6.

2) Einiges Manuscript, welches zu dem siebenten Bogen wohl hinreichend seyn möchte.

[18] 3) Wollte Folgendes bemerken: da ich wünsche, daß die erste Anzeige meiner Werke dem gegenwärtigen Heft Kunst und Alterthum zugefügt werde, so könnte, da die Bogen doch gefalzt werden müssen, die nöthige Anzahl sogleich überschicken, da hinreichender Vorrath in meinen Händen ist. Die zweyte Anzeige würde auf den Rücken des Umschlags bringen.

Hierüber gefällige Nachricht erbittend empfehle mich allseits zum allerbesten und schönsten.

Weimar den 17. Januar 1827.


42/19.

An Adam Heinrich Müller

Ew. Hochwohlgeboren

nehmen Sich auch beykommend gemeldeter Angelegenheit gefällig an und leiten die ferneren Schritte als executor testamenti inter vivos.

Mehr füge nicht hinzu als meinen schönsten Dank für das Bisherige, so wie für das in Werk Seyende zunächst und später Folgende.

verpflichtet

Weimar den 18. Januar 1827.

Goethe.


42/20.

An Johann Heinrich Meyer

Geben Sie mir doch, theuerster Freund, nähere Kenntniß über die Venus von Melos: wann sie entdeckt [19] worden, wo sie sich gegenwärtig befindet, welchen Werth man ihr zuschreibt? Vielleicht wissen Sie schon einen Aufsatz darüber; so haben Sie die Güte mir ihn anzudeuten.

Mit den besten Wünschen.

Weimar den 18. Januar 1827.

G.


42/21.

An Sulpiz Boisserée

Hier nun zum letztenmal, mein Bester, eine Abtheilung von Helena; Sie gelangen dadurch unmittelbar bis zu der Axe, auf der das ganze Stück dreht. Das vollständige Manuscript wird vor Ende des Monats abgesendet. Es ist auch hier das alte Autorwesen: man getraut sich nicht Amen zu sagen, bis der Setzer uns an die Fersen tritt.

Das Jahr hat, zwar irdisch genug, mit Freud und Leid angefangen, doch überwiegt jenes; und so müssen wir's dankbar anerkennen. Gebe das waltende Geschick, daß in der Schluß-Bilance die Affirmation das Übergewicht behalte.

Der Eintritt Heinrich in das überwältigte Paris kam denn auch durch Ihre Sorgfalt wohlbehalten an; allerdings bewundernswürdig und zu vielen Betrachtungen über alte und neue Kunst Anlaß gebend. Auf's Lebendige, Wirkliche gegründet, ruht das Werk auf einer sichern Base.

[20] Fortfahrend in meiner testamentarischen Vorsorge habe den 30. December die Notiz wegen der Schillerschen Correspondenz abgesendet, die nun auch wohl angekommen und zu freundlicher Abschließung des Geschäfts Anlaß geben wird. Die Originale sind. nun bey Großherzoglicher Regierung niedergelegt.

Und so habe ich denn, das endliche Ende vorzubereiten, auf unserm neuen lieu de repos, neben der Fürstlichen Gruft, ein anständiges Gehäus projectirt, wo sie dereinst meine Exuvien und die Schillerschen wiedergewonnenen Reste zusammen unterbringen mögen. Die Freunde v. Müller, Coudray und ein wohldenkender Bürgermeister haben die Ausführung unternommen, und ich glaube auf diese Weise jene räthselhaften Schwankungen zu allgemeiner sittlichreligioser Zufriedenheit und beschwichtigt zu haben. Dieses und sonst noch manches ist in der Anwesenheit des wackern Ernst Schiller verhandelt und abgeschlossen worden. Das Local hat vor, neben und besonders hinter sich aufwärts schöne freye Räume, so daß Weimar sich bald eines Père la Chaise-Parks, bey beharrlichen guten Willen und wohlgeleitetem Geschmack, möchte zu erfreuen haben.

Daß ist nun aber zu jenem kunstreich-tumultuarischen Blatte unsers theuren Pariser Künstlers zurückgehe, so vermelde, daß ein an denselben gerichteter Brief auch schon übersetzt vor mir liegt, er will mir aber in Gestalt nicht gefallen, denn [21] die deutschen treuen und gründlichen Äußerungen nehmen sich im Französischen einmal allzu naiv und dann wieder amphigurisch aus. Er sollte mit dem Gegenwärtigen an Sie abgehen, folgt aber bald. Durch Ihre Hand wird er dem werthen Manne gewiß noch willkommner seyn.

Herrn v. Cotta bitte mich bestens und schönstens zu empfehlen, für den mitgetheilten Rechnungsauszug zu danken. Wie ich mir denn vorbehalte, nach Einlangen der zugesagten Faustischen Exemplare noch einiges Weitere vernehmen zu lassen.

An die lieben Ihrigen die besten Grüße. Denken Sie mein im Guten, theilen Sie mir Aufregendes und Erbauliches mit. Wirket so lange es Tag ist!

and so for ever

Weimar den 19. Januar 1827.

G.


42/22.

An Johann Heinrich Meyer

Mögen Sie, mein Theuerster, mit uns speisen, so läßt sich besprechen. Die nöthigen Abbildungen sind bey der Hand, um über die Berliner Statuen einiges Urtheil zu fassen.

Mit den besten Wünschen

Weimar den 23. Januar 1827.

G.


[22] 42/23.

An Ernst von Schiller

Nun kann ich endlich, theuerster junger Freund, vermelden wie das zwischen uns Verabredete nunmehr seine Erledigung gefunden hat. Vorerst sind die sämmtlichen, in Händen schon befindlichen Papiere, die Herausgabe meiner Correspondenz mit Ihrem seligen Herrn Vater betreffend, am 1. Januar nach Stuttgart abgegangen, da denn von dorther weitere Erklärung zu erwarten steht.

Sodann wird aus beyliegenden Abschriften ersichtlich: daß das Kästchen mit den Originalbriefen bey Großherzoglicher Regierung wohlgepackt und gesiegelt niedergelegt worden. Die Abschrift der geordneten Briefe, wie Sie solche gesehen, liegt vollständig redigirt und corrigirt bey mir verwahrt, und kann an den Verleger, wenn er die Gebühr leistet, ungesäumt verabfolgt werden.

Und so wäre denn dieses in gar manchem Sinne bedeutende Geschäft auf jede Weise sicher gestellt, die Masse Manuscript, wie sie daliegt, macht einen tüchtigen Schlußstein, meine und Schillers Werke zusammenzuhalten und zu stützen. Der Begriff was wir beide gewollt, wie wir uns an einander gebildet, wie wir einander gefördert, wie weit wir mit unsern Leistungen gediehen und warum nicht weiter? wird alles klarer und denn die auch bestrebsam sind zur guten Leuchte dienen.

[23] Grüßen Sie mir die sämmtlichen lieben Ihrigen und besonders Ihren guten Bruder der mich zu Gevatter gebeten und mir dadurch viel Vergnügen gemacht hat; denn ich finde höchst erfreulich zu erleben daß die Freundschaft der Väter sich durch Kinder und Kindeskinder durchschlinge, ununterbrochen fortlebend und fortwirkend.

Indessen ist das Ihnen auch schon bekannte Geschäft, den beiden Freunden eine gemeinsame Ruhestätte zu bereiten, ebenmäßig vorwärts gegangen. Die nächsten Lebens- und Kunstgenossen wirken dazu in gutem Sinne, auch unser gnädigster Herr, nach seiner höheren Denkweise, hat ihm geneigte Aufmerksamkeit geschenkt.

Und so schließe ich also wirklich mit dem Abschluß! Möge alles den Mit- und Nachlebenden zum Besten und zur Erbauung gereichen.

treu angehörig

Weimar d. 26. Jan. 1827.

Goethe.


42/24.

An den Großherzog Carl August

Ew. Königlichen Hoheit

danke zuvörderst verpflichtet für die mir gegönnten, Geist enthaltenden Flaschen; ich bin überzeugt, daß der Genuß desselben gewisse Systeme anregen und bewirken wird, daß ihre Thätigkeit den übrigen zu [24] Gute komme, sogleich der Versuch mit vollem Vertrauen angestellt werden soll.

Sodann werde zu folgender Frage veranlaßt: Erlauben Höchst Dieselben, daß das gegenwärtig in meinen Händen befindliche und vom Mechanicus Bohne revidirte Amicische Mikroskop dem geheimen Rath Sömmerring in Frankfurt zugesendet werde? Derselbe hat solches schon längst gewünscht und Hofrath Voigt, der gegenwärtig, wie er mir meldet, ein neues aus London empfangenes Instrument, Eye-tube genannt, von dorther für Höchst Dieselben verlangen soll, wünscht gedachtes Amicisches Mikroskop dahin zu senden. Genehmigen es Höchst Dieselben, so werde ich solches vom Mechanicus Bohne einpacken und bei der Rückkunft wieder auspacken lassen, wodurch man wegen der Erhaltung einigermaßen vergewissert wird.

Sodann lege einige neu angelangte serbische Gedichte bey, wovon das größere sich wohl neben die frühern Heldenlieber stellen darf, die kleinern aber auf eine geistreiche heitere Stimmung der Nation und etwas Ironisch-Übersichtliches auch in ganz gemeinen Lebensereignissen bemerken lassen.

Verehrend

unterthänigst

Weimar den 25. Januar 1827.

J. W. v. Goethe.


[25] 42/25.

An Johann Friedrich Cotta

Ew. Hochwohlgeboren

wünsche in dem Augenblicke da Sie Gegenwärtiges erbrechen eine frohe ruhige Stunde, denn so möcht ich mich gern wieder einmal mit Ihnen unterhalten. Immer muß ich Sie in den wichtigsten Geschäften zu Hause und auf der Reise denken und scheue mich zu melden was nicht dringend nothwendig ist. Die Vermittelung unseres Boisserée beruhigt mich dabey, ich sende ihm gar manches, daß er zu gelegener Zeit mittheile.

Zuvörderst danke schönstens für den Rechnungsauszug. Das Geschäft ist nun einmal in gehörigem Gange und man kann den Erfolg mit Beruhigung abwarten: die große Genauigkeit Ihrer sämmtlichen Einrichtungen bürgt ja auf's vollständigste für alles.

Die zugesagten Exemplare Faust erwarte mit Vergnügen; auf den Pariser Abdruck bin ich neugierig. Auch bereiten sie dort eine neue Ausgabe der französischen Übersetzung Stapfers, begleitet von lithographirten Blättern von de la Croix. Zwey Probedrücke liegen vor, die wild und geistreich genug sind.

An Freund Boisserée habe ich diese Tage gesendet was zwischen Ernst v. Schiller und mir bey seinem letzten Hierseyen verhandelt worden. Unsere Vorschläge sind der früheren Verabredung gemäß und ich darf [26] wohl sagen daß Masse Manuscript wie sie daliegt einen tüchtigen Schlußstein macht, meine und Schillers Werke zusammen zu halten und zu stützen. Der Begriff, was wir beide gewollt, was wir uns an einander gebildet, wie wir einander gefördert, was uns gehindert, wie weit wir mit unseren Leistungen gediehen, und warum nicht weiter? wird alles klarer und muß denen die bestrebsam sind zur guten Leuchte dienen.

Alle Freunde, die ich in diese Bände hineinsehen lassen, wünschen baldigsten Abdruck und ich mit ihnen, besonders um der älteren Mitlebenden willen, denen dergleichen höchst willkommen ist.

Auch über das neue Stück von Kunst und Alterthum lassen Sie mich sprechen; ich suchte abermals und zwar von der theoretischen Seite den Blick auf gedachte Correspondenz hinzuleiten und sodann die Aufmerksamkeit der Franzosen auf uns in ihrer innern Bedeutung den immerfort an frühern Eindrucken haftenden Deutschen einigermaßen aufzuklären, so würde fortfahren. Für meine literarische Thätigkeit ist dieses Heft von großen Werth und da ich mich nun für meine künstigen Lebenstage nur in Verbindung mit Ihnen wirksam denken kann, so scheint mir kein Zweifel, daß wenn Sie bey Ihrem unbegränzten Einflusse auch dieses Unternehmen zunächst kräftig begünstigen, gewiß in der deutschen Literatur unsere Bemühungen immer mehr von Bedeutung seyn werden. Wie ich darüber denke läßt sich nicht in wenig Worte [27] fassen und wünsche lieber solches wirksam an den Tag zu legen. Auf die ausländische Literatur muß man besonders jetzt hinweisen, da jene sich um uns zu bekümmern anfangen.

Das Manuscript der Helena geht in diesen Tagen vollständig ab; ich hoffe Sie werden demselben ansehen daß ein vieljährig intentionirtes Werk auch bey'm Abschluß mit möglicher Sorgfalt behandelt worden.

Die letzte Abteilung der zahmen Xenien folgt alsdann; ich habe das neuste Interesse darin zu berühren gesucht, auch mit Gefahr hie und da anzustoßen.

Und so sehen wir denn der ersten Sendung zu Ostern entgegen; die zweyte liegt parat und kann sobald sie verlangt wird abgehen; wobey ich bemerke daß ich den zweyten Termin des Honorars in der zweyten Hälfte März zu erhalten wünschte, indem die Rechnungen unserer Staats-Cassen mit dem 1. April angehen und ich den dort eingegangenen Verbindlichkeiten genügen möchte.

Indem ich nun zum Schluß meinen früheren Wunsch um Zusendung der Aushängebogen und des Originals, nach gemachtem Gebrauche, wiederhole, füge meine treusten Wünsche hinzu und bitte mein bey der Frau Gemahlin zu guter Stunde mich bestens empfehlend zu gedenken. Mich hochachtungsvoll unterzeichnend

Ew. Hochwohlgeb.

gehorsamsten Diener

Weimar den 26. Januar 1827.

J. W. v. Goethe.


[28] 42/26.

An Adolf Friedrich Carl Streckfuß

[Concept.]

[27. Januar 1827.]

Ew. Wohlgeboren

Sendung ist mir sehr angenehm gewesen. Ich bin überzeugt daß eine Weltliteratur sich bilde, daß alle Nationen dazu geneigt sind und deshalb freundliche Schritte thun. Der Deutsche kann soll und hier am meisten wirken, er wird eine schöne Rolle bey diesem großen Zusammentreten zu spielen haben.

Der englischen Springflut brauchen wir nicht nachzuhelfen, was aus dieser Überschwemmung wird müssen wir abwarten. Die Franzosen und Italiäner hingegen sind leise wo möglich heranzuführen, deren Werke, selbst verdienstlich, dem deutschen Gaumen und Sinn nicht gerade zusagen.

Nehmen Sie also den besten Dank für die Bearbeitung des Adelchi's; ich weiß recht gut daß man besonders diesen Dichter lieben muß wenn wir uns mit seinen Werken völlig vereinen sollen. Leider ist es mir unmöglich, in der jetzigen Zeit mich auf diesen Punct zu concentriren und demjenigen was ich in Kunst Alterthum gesagt die gehörige Fülle und Abrundung zu verleihen. Daher nur einiges in Bezug auf Ihre Arbeit.

In den Chören thun Sie sehr wohl sich nicht ängstlich an das Originalsylbenmaß zu halten; alles [29] kommt an auf Hauptsinn, Wortstellung und Ton, diese dürfen wir nicht aus Augen und Ohr verlieren.

Ganz richtig wird bemerkt daß der Vortrag ganz wie ein Recitativ klingt, besonders ist zu beachten daß die Hauptworte immer zu Anfang der Zeile stehen, wodurch ein unaufhaltsames Enjambiren bewirkt wird, jener Declamationsart günstig. Sie haben es oft beybehalten, aber wohlgethan auch hierauf nicht zu bestehen; unser deutsches Ohr und Wesen ist nicht dazu gemacht. Ich will die Art nicht anpreisen, aber hätt ich noch für's Theater zu arbeiten, so würde ich bedeutende Stellen auf diese Weise behandeln. Zur Übung hatte ich den Monolog von Swarto sorgfältig übersetzt und da sich besonders diese Stelle zum Recitativ eignet, solche Zeltern mit Bitte sie mit Tönen zu begleiten gebeten; da er Ihnen wohl will und Sie gerne gefördert sieht, so regen Sie ihn an und lassen sich's vortragen.

Ich bin überzeugt daß die Declamation eines vorzüglich geübten Schauspielers, der diesen Monolog ohne Rücksicht auf Musik declamirte, mit einer ächten Composition zusammentreffen und alsdenn ohne Musik vom Theater herab auf ein unbewußtes Publicum die größte Wirkung thun müßte.

Sie sehen hier eine von denen Grillen die ich auszuführen versuchen würde, wenn ich noch mit dem Theater in Verbindung stünde; dergleichen haben mir[30] die Führung des Geschäftes zwanzig Jahre erträglich, ja liebenswerth gemacht.

Nun aber zu der Frage wegen dunkler Stelle am Schluß des Trauerspiels. Ich lege sie mir folgendermaßen aus.


Adelchi.

O! König der König! (Jesus Christus)

Verrathen von einem Treuen (Jünger Judas Ischarioth)

Von andern verlassen (Petrus pp.)

Zu deinem Frieden (der Seligkeit)


Das Wort fedel steht hier wie in dem übrigen Stücke für: Lehnsmann, durch Pflicht und nicht gerade durch Gesinnung verbunden. Dagegen prodi fedeli die eigentlich wackren, wahren, dem Fürsten treu angeeigneten Männer bezeichnet; deswegen auch Carl über sich selbst verdrießlich wird, daß er die longobardischen zu ihm abtrünnigen Fürsten also begrüßt habe.

Nun aber noch ein längst gefühltes Bedenken bey einer Stelle des Originals: ich beharre streng auf der Forderung, die ja auch allgemein anerkannt wird, daß bey jeder Erzählung, besonders der beschreibenden, die strengste Folge der abzubildenden Gegenstände in Verknüpfung, Steigerung, in jeder Art von Vorschritt immer so klar und scharf gezeichnet seyen müsse, daß der Hörer und Leser notwendig so und nicht anders denken könne. Nun ist die Beschreibung des seltsamen Alpenweges die der Geistliche vorträgt von vornenherein gut und gehörig, wenn er an die höchsten[31] Alpen gelangt, wo die unübersteigbaren Schnee- und Eismassen sich erheben und bald darauf von einem Berge spricht, der über die andern seine Stirn erhob, so wird die Einbildungskraft wie durch eine fata morgana verrückt, indem der bewachsene Berg sich über die Gletscher in die Luft bewegt. Der Fehler liegt in der einzigen Zeile:


Der ob den andern seine Stirn erhob.


Das kann wohl heißen: über andern die neben ihm standen, aber dem Vortrage nach bezieht man es auf die eisigen Gipfel. Überhaupt hat uns der geistliche Herr so mühselig und lange steigen lassen, daß er sich wohl auch einige Zeit wieder hätte nehmen können, mit uns wieder herabzukommen, und ich würde ganz unbedenklich die Stelle mit wenigem abändern:


Unübersteigbar hebend. Mühsam half ich

An ihrem Fuß mich hin, und nährte Hoffnung,

In's Land herabzukommen. Fast schon sank

Die dritte Sonne, da erblickt' ich froh

Den grünen, breiten Rücken des Gebirges

Im Abend vor mir. Alsobald nun wandt' ich


Eine solche Willkür soll sich vielleicht der Übersetzer nicht nehmen; aber wer seinen Autor durchdringt, wird doch auch nach was dieser leistete bey sich aufrufen können, was jener hätte leisten wollen und sollen. Ich habe wenigstens bey'm Übersetzen immer so verfahren, will aber nicht behaupten daß es zulässig sey.

[32] Nehmen Sie dieß alles freundlich auf. Jede Mittheilung und Anfrage soll mir stets willkommen seyn; bey solchen Anregungen findet sich wohl eine Sunde zu geselliger Unterhaltung in die Ferne über einen Gegenstand, den wir aus einem Antrieb nicht hervorgerufen hätten. Wie man sich überhaupt immer sagen muß, daß solche ästhetische Beratungen in die Ferne nur als discursiv und läßlich anzusehen, und weder von der einen noch andern Seite als abschließlich und abgeschlossen zu nehmen sind. Sich immer mehr zu verständigen, um da unser Weg zusammentrifft rascher und sicher vorschreiten zu können, dieß ist Absicht und Aufgabe; möge uns gelingen sie aufzulösen.

Herrn Frommann in Jena wird angenehm seyn zu hören, daß Sie Adelchi übersetzen, denn er gibt die beiden Stücke im Original heraus und will dasjenige vordrucken, was ich in Kunst und Alterthum geäußert. Die Verfasser des Zeitblattes für italiänische Sprache werden auch wohl damit zufrieden seyn. Und so möge denn eins in's andere günstig fortwirken! Wir Deutsche hätten sehr viel zu thun, wenn wir auch unterließen uns selbst zu widerstreben.

Weimar den 23. Januar 1827.


[33] 42/27.

An Friedrich Siegmund Voigt

Ew. Wohlgeboren

versäume nicht zu vermelden, daß Serenissimus die Absendung des Amicischen Mikroskops an Herrn Geh. Rath v. Sömmerring gnädigst erlaubt haben; ich lasse es daher durch Mechanicus Bohne inwendig und auswendig sorgfältig packen, und wenn Ew. Wohlgeboren Ihr Schreiben an mich senden wollen, so kann das Kästchen portofrey nach Frankfurt gelangen.

Ich habe eine Bronze-Medaille beygelegt, deren Sie mit einem freundlichen Worte von mir in Ihrem Schreiben gedenken mögen.

Das Mikroskop wünschte wieder an mich zurückgesendet, da es denn der Mechanicus Bohne auspacken, revidiren und uns aller weitern Verantwortlichkeit entheben könnte.

Das Beste wünschend, mich angelegentlichst empfehlend habe die Ehre mich zu unterzeichnen

Ew. Wohlgeb.

ergebensten Diener

Weimar den 27. Januar 1827.

J. W. v. Goethe.


42/28.

An Sulpiz Boisserée

Mit wenigem vermelde, daß Helena abgegangen ist, unmittelbar an Herrn v. Cotta. Möge das Ganze Gnade finden vor Ihren Augen.

[34] Auch habe ich einen Brief an unseren Freund geschrieben, ganz in reinem Sinne ein etwas offneres Verhältniß einzuleiten. Seine Antwort wird Ton und Maaß für das Weitere ergeben.

Die angekommenen Steindrucksblätter bewähren sich fort und fort zu unsrer großen Freude. Auch das Porträt ist trefflich gearbeitet, wenn der Herr nur nicht zu spitzfindig aussähe. Ich lege das Ausführlichere über unser Maiseninstitut bey , Sie selbst und gewiß auch andere Welt- und Staatsbürger nehmen Teil an diesem geglückten Unternehmen.

Hätte man vor fünfzig Jahren zu gleicher Zeit ein paar tausend Acker mit Eichen angepflanzt, man müßte jetzt in einem löblichen Schatten spazieren gehen. Ein paar dergleichen stehn in meinem Garten am Stern.

Manches Andere zunächst. Die letzte Abtheilung der zahmen Xenien, die noch zum vierten Theil gehören, geht diese Woche ab. Sodann bereite ich die zweyte Sendung, die auch schon zum Einpacken fertig liegt. Es ist mir ein wunderbares Gefühl wie auch dieses Geschäft zuzurücken anfängt und wie man das vor Augen sieht, was man nicht zu erleben glaubte.

Ober-Baudirector Coudray zeichnet an dem bewußten Zwillingsmonumente, noch gemeinsamer Erfindung und Anordnung. Zu gleicher Zeit arbeitet er an Fest- und Freudegerüsten den verbundenen Fürstenkindern zu Ehren. Und so webt auch dießmal [35] die Kunst so helle als dunkle Lebensfäden durcheinander.

Gelinge Ihnen alles, auch mich fernerhin zu lieben. Gruß und Dank den theuern Ihrigen.

treu an angehörig

Weimar den 27. Januar 1827.

J. W. v. Goethe.


42/29.

An Carl Wilhelm Göttling

Ew. Wohlgeboren

haben die Gefälligkeit, beykommende Sendung noch einmal durchzugehen, besonders aber der letzten Abtheilung eine geneigte Aufmerksamkeit zu schenken, wo besonders auch die Interpunction möchte zu revidiren seyn.

Mit vergnüglichem Dank erkenne ich, daß Sie so wacker und glücklich in die Tagebücher eingegriffen haben und empfinden, welche eine bedeutende und folgereiche Einleitung diese Rechenschaft von einem Geschäft sey, an dessen stetiger Erhaltung, Vermehrung und Benutzung so viel gelegen ist. Wenn solche Anstalten, wie Bibliothek und Museen, nicht erkranken, so überträgt am Ende wohl eine Akademie die Wechselschicksale, wie sie ihr auch bereitet seyn mögen.

Schmeller wird Sie nächstens besuchen und wegen der Porträte das Weitere bereden. Mich wird es sehr hübsch deuchten, wenn sie sämmtlich in einer [36] Größe als Brustbilder, wie etwa das Gabler'sche, behandelt würden, um bey einer natur- und kunstgemäßen Darstellung die Nachwelt zu überzeugen, die jenaischen Herren Professoren seyen keine solche Angeheuer gewesen, wie uns ein gewisses Heft möchte glauben machen.

So eben nimmt Schmeller Urlaub, um nach Jena zu gehen; sprechen Sie die Sache mit ihm durch und lassen Sie mich in einer kurzen Registratur wissen, wie Sie solche am besten einzuleiten, zu fördern und zu endigen denken. Es sollte mir sehr angenehm seyn, wenn wir in kurzer Zeit eine solche Auf- und Ausstellung veranstalten könnten.

Ew. Wohlgeb.

ergebenster Diener

Weimar den 27. Januar 1827.

J. W. v. Goethe.


42/30.

An Johann Heinrich Meyer

Ich wünschte, mein Theuerster, Schmellern auf einige Zeit nach Jena zu schicken, um eine Reihe Professoren wegzumahlen. Wie machen wir es hier mit der Zeichenstunde? Könnten wir nicht Lieder zur zweyten Klasse setzen, und Schuchardt als Interimsgehülfen zur ersten? Er benimmt sich in der Zeichenstunde bey meiner Schwiegertochter recht gescheidt und zweckmäßig, und es wäre mir angenehm ihn auf diese [37] Weise an unsere Anstalt anzuknüpfen und in Thätigkeit zu setzen. Heute Abend sende auf alle Fälle gegen 6 Uhr den Wagen, da denn das Weitere besprochen werden kann.

Auch noch einige andere Puncte werden zu bereden seyn.

treulichst

Weimar den 27. Januar 1827.

Goethe.


42/31.

An die Großherzogin Louise

[Concept.]

Der schöne Wochentag, der mir so oft das Glück verschafft Ew. Königliche Hoheit persönlich zu verehren und manches Angenehme vortragen zu dürfen, beruft mich dießmal schriftlich aufzuwarten und bey der höchst erfreulichen Epoche meine treuen Wünsche darzubringen, welches ich dießmal mit einiger Beruhigung thun kann, als ich hoffen darf zunächst vorzüglich bedeutende sehenswerthe Gegenstände einer gnädigsten Aufmerksamkeit empfehlen zu können. Möge jeder allgemeine und einzelne Wunsch von dem über alles waltenden Wesen heilsam begünstigt werden.

Weimar den 30. Januar 1827.


[38] 42/32.

An Leopoldine Grustner von Grusdorf

[Concept.]

[30. Januar 1827.]

Wollen Sie, meine Theuerste, mir eine Anzahl Ihrer Zeichnungen, größere und kleinere, wohlgepackt mit dem Postwagen zusenden, so würde eher dem Vertrauen zu entsprechen [vermögen], das Sie mir zu widmen geneigt sind und welches dankbar anerkenne.


42/33.

An Alfred Nicolovius

[Concept.]

[30. Januar 1827.]

Will der theure Neffe Beykommendes in ein vielgelesenes Blatt einrücken lassen, so verpflichtet er mich auf's neue. Die Leiden des jungen Werther erfolgen nächstens und wünschen den angehenden Gottes- und Weltgelehrten in allen anzutreffen.


42/34.

An Julius J. Elkan

[Concept.]

Herr Banquier Elkan wird hiedurch höflichst ersucht, an Herrn Auctionator und Buchhändler Schmidmer zu Nürnberg die Summe von

55 fl. 27 Kreuzern

[39] gefällig auszahlen zu lassen und deren Wiedererstattung alsobald gewärtig zu seyn.

Das Beste wünschend.

Weimar den 2. Februar 1827.


42/35.

An Johann Lorenz Schmidmer

[Concept.]

Ew. Wohlgeboren

für billige Preise erstandene und sorgfältigst eingepackte Kunstwerke sind glücklich und unversehrt angekommen. Dieselben erhalten die Zahlung der 55 fl. 27. Kreuzer durch den hiesigen Banquier Elkan in diesen Tagen.

Mit der sonntägigen fahrenden Post geht eine Medaille von hier ab, welche mir zu hohen Ehren gereicht und woran ich eine freundliche Theilnahme aller Wohlwollenden hoffen darf. Nehmen Sie solche zu einem geneigten Andenken, daß Sie vor soviel Jahren zu Gründung meines Medaillen-Kabinetts die schönsten Beyträge geliefert und auch die letzte Zeit mit so vieler Sorgfalt und Uneigennützigkeit verschiedene meiner Geschäfte besorgen wollen.

Desto mehr aber muß es mir leid seyn denen zur Ansicht mitgesendeten Sachen wenig Glück versprechen zu können. Aus alten Kunstkammern und sonstigen fürstlichen Besitzungen ist bey uns ein Museum zusammengestellt, welches die vorzüglichsten in Elfenbein [40] und Holz geschnitzten Gegenstände enthält, mit welchen, (es sey zu sagen erlaubt), die Ihrigen keine Vergleichung aushalten. Indessen will ich sie eine Zeitlang bey mir stehen lassen, ob unsere fürstlichen Personen einige Lust solche anzukaufen empfinden.

Hiebey muß ich aber bemerken daß ich das eine Kästchen, worin wohl der Tempel von Elfenbein gepackt ist nicht eröffnet habe; wahrscheinlich befinden sich auch in demselben der kleine Satyr von Holz, das Crucifix und das Büchlein Todtentanz; denn beygepackt in den eröffneten Kistchen fand ich nur den geschnittenen Becher, den gedrehten und die Trinkschale Jaspachat.

Betrachte ich nun schließlich die hohen Preise, da ich nicht die Hälfte dafür zu erlösen hoffen dürfte, so sollte es mir unendlich leid thun solche am Ende wieder sorgfältig einzupacken und zurückzusenden; welches ich um so mehr befürchte, als in der jetzigen glänzenden Epoche unseres fürstlichen Hauses so viel auf Neues, Frisches und Nothwendiges zu verwenden ist, daß schwerlich irgend eine Art von Liebhaberey, die sich auf ältere abgestorbene Zeiten bezieht, wieder dürfte aufgeregt werden.

Mit aufrichtiger Theilnahme und Dankbarkeit.

Weimar den 2. Februar 1827.


[41] 42/36.

An Johann Christian Mämpel

[Concept.]

Hierbey erhalten Sie den ersten Bogen der Mémoires de Robert Guillemard mit der Übersetzung zurück. Letztere finde ich, wie Ihre früheren Darstellungen, fließend und lesbar; doch erlaubt mir meine Zeit nicht sie weiter durchzusehen. Senden Sie Herrn [Jasper] einige Musterbogen, so wird derselbige Ihre Arbeit selbst am besten beurtheilen. Einige Blätter zur Einleitung, bin ich, wie die vorigen Male, beyzufügen geneigt, auch habe nichts dagegen daß man meiner auf dem Titel und bey der Ankündigung gedenkt. Auf eine Revision des Manuscripts kann ich mich nicht einlassen.

Möge Ihre, sich immer mehr ausbildende Geschicklichkeit auch billiger Weise immer mehr belohnt werden. Lassen Sie es an redlichem Fleiße niemals fehlen.

Weimar den 3. Februar 1827.


42/37.

An Johann Heinrich Färber

[Concept.]

Besorgen Sie, mein guter Färber, nach und nach Folgendes:

1) Zuerst wünsche einen reinen neuen Glaskolben, wovon die Kugel etwa 4 bis 6 Zoll Diameter hat.

[42] Sollten von dieser Größe keine vorräthig seyn, so hilft Herr Hofrath Döbereiner wohl aus; allenfalls thät es auch ein größerer.

2)Sodann wünsche die beiden Schirme mit schwarzen, weißen und farbigen Papieren herüber, welche bey trockenem Wetter, einigermaßen in Papier eingepackt, zu transportiren wären.

3) Die Pappetafeln, mit schwarzem, weißen und farbigem Papier beklebt.

4) Ferner das Übrige was von mir, bezüglich auf Farbenerscheinungen, sich in Jena befindet; solches kann, wie gesagt, nach und nach durch die Boten herübergebracht werden.

Wenn ich nicht irre, so ist ein Verzeichniß derjenigen Theile meines Apparats, der sich in Ihrer Verwahrung befindet, vorhanden.

Weimar den 5. Februar 1827.


42/38.

An Carl Friedrich Zelter

Eiligst will ich nur sagen, mein Allerbester, daß mich dein letzter Brief ganz eigentlich beruhigt hat; denn wenn ich gleich wegen unseres Innersten ganz gewiß und sicher bin, so will mir doch ein äußeres Lieb- und Gnadenzeichen ganz unentbehrlich bleiben.

Nun kommt auch dein zweyter Brief und ich säume nicht zu sagen daß es mir die Zeit her ganz wohl gegangen; mein Befinden war leidlich, so daß ich die[43] mir zugedachten Besuche mit guter Behaglichkeit verehren und genießen konnte. Von Ihro Königlichen Hoheit dem Kronprinzen sage mit wenigem, daß er auf mich einen vollkommen angenehm-günstigen Eindruck gemacht und mir den Wunsch hinterlassen hat ihn früher gekannt zu haben und länger zu kennen. Die dery Herren Gebrüder, von meinem Fürsten mir zugeführt, sah ich mit Freude und Bewunderung; man kann einem Könige Glück wünschen drey so verschiedenartig wohlgebildete Söhne (mit einem vierten, den ich noch nicht kenne) vor sich heranwachsen zu sehen. Sie haben ein ganz frisches Leben in unsern Zirkel gebracht, und das Behagen unseres Großherzogs an ihnen und an dem neu eingeleiteten Verhältniß war nur mit Rührung anzusehen.

Über die pomejanischen Gemälde vernimm hier der Weimarischen Kunstfreunde redliches Glaubensbekenntniß:

Es sind ganz unschätzbare Documente des Alterthums, an und vor sich in historischer Rücksicht aller Betrachtung werth. Wie hoch wir sie schätzen und wie sehr wir Herrn Ternite Glück wünschen dieses goldne Vließ geholt zu haben, werden wir in Kunst und Alterthum ganz unbewunden aussprechen. Erfreulich ist's mit Herrn Schinkel hierüber zusammenzutreffen, und mit Herrn Hirt hegen wir schon seit 40 Jahren die redlichste Freundschaft bey oftmaliger verschiedener Meynung.

[44] Gib etwa mit meinem schönsten Gruße dein Exemplar der Medaille an Langermann, ich erstatte sie dir; und wenn du sonst noch jemand weißt, so stehen deren noch einige zu Diensten.

Die Tochter der Lust ist ein grandioses Werk! Wie halten sie's denn in Berlin? Denn im Original ist die Absicht daß Semiramis und Ninus von Einer Schauspielerin gespielt werden. Hat man das verändert, so ist der blaue Duft von der Pflaume abgewischt. Übrigens ist auf so eine Person wie Madame Stich, an deren Persönlichkeit und Talent man nichts auszusetzen wüßte, in diesen und in mehreren spanischen Stücken ausdrücklich gerechnet.

Und so fort und fort

Weimar den 6. Februar 1827.

G.


Fast aber, wie es zu gehen pflegt, hätte ich bald einen Hauptpunct vergessen, daß Ihro Königliche Hoheit der Kronprinz mir von deiner musicalischen Aufführung im neuen Saal gesprochen; er schien mit dem neuen Local zufrieden, sprach von deiner Anstalt mit Theilnahme und bemerkte, die Anzahl der Zuhörer sey sehr groß gewesen. Sage mir auch von deiner Seite etwas von dieser gesegneten Einweihung.

wie oben und immer

G.


[45] 42/39.

An Johann Lorenz Schmidmer

[Concept.]

Ew. Wohlgeboren

erhalten in beyliegendem Päckchen die angezeigte Medaille. Mögen Sie dabey sich meines Danks für so manche Gefälligkeit freundlichst vergewissern.

Sollten in der Folge Schüsseln und Teller von Majolika, entweder aus freyer Hand oder in Auctionen verkäuflich werden, so blieben Sie mich darauf aufmerksam zu machen.

Weimar den 6. Februar 1827.


42/40.

An Joseph Sebastian Grüner

Ew. Wohlgeboren

habe lange nichts vernehmen lassen, noch von Denenselben einiges vernommen. Nunmehr veranlaßt mich Beykommendes, Sie auch einmal wieder zu begrüßen und an Weimar zu erinnern.

Mögen Sie beykommende Medaillen nach der Adresse geneigt abgeben, auch das Paquetchen an Herrn Lößl gefälligst besorgen. Herrn Fikentscher danken Sie bey dieser Gelegenheit für die gefällig besorgten Glaswaaren, welche, so viel ich höre, glücklich angekommen sind, auch ist deren Betrag gleich besorgt worden.

[46] Die Heidelberger Comptoiristen haben sich nicht auf's freundlichste bewiesen, sie haben mir das Kistchen unter allerlei Vorwänden zurückgeschickt. Es steht noch bey mir, wie es angekommen ist. Soll ich es etwa durch Fuhre wieder zurückschicken?

Wir haben bisher Verlobung und manche festliche Tage gehabt. Daß Prinz Carl von Preußen unsere Prinzeß Marie heirathe, werden die Zeitungen schon vermeldet haben.

Herr Bergmeister Lößl hat mir gar schöne Exemplare und darunter manches neue Mineral geschickt. Ist Ihnen die Zeit über nicht auch irgend etwas Bedeutendes vorgekommen? Vielleicht wohl ein schöner Andalusit? Dagegen erfolgt nächstens etwas Angenehmes aus dem Zillerthal. Haben Sie die Gefälligkeit, mich daran Theil nehmen zu lassen, auf alle Weise sagen Sie mir etwas Näheres von Ihrem Befinden.

Mit den treusten Wünschen

ergebenst

Weimar den 7. Februar 1827.

J. W. v. Goethe.


42/41.

An Friedrich Johannes Frommann

[Concept.]

Ew. Wohlgeboren

übersende das mir früher mitgetheilte Heft Manzoni betreffend zu gefälliger Durchsicht ob Sie noch etwas [47] bey der Behandlung zu erinnern finden. Ich würde sodann das Nöthige über Adelchi, die fünfte geistliche Ode, La Pentecoste, den Trauergesang auf Napoleon, ferner In morte di Carlo Imbonati und Urania beybringen; auch mit einigen freundlichen Worten zu allgemeiner Würdigung seines Talents schließen.

Wünschen Sie sonst noch etwas, so bitte solches anzuzeigen. Nächsten Sonnabend erfolgt auch Manuscript für Kunst und Alterthum. In diesen sehr angenehmen Tagen ist freylich alles Vorgesetzte und Unternommene gestört und retardirt worden, deswegen auch Gegenwärtiges einigermaßen eilig expedirt wird.

Mit den besten Grüßen und Empfehlungen an die werthen Ihrigen.

Weimar den 7. Februar 1827.


42/42.

An Ignaz Lößl

[Concept.]

Ew. Wohlgeboren

haben mir durch die interessante Sendung sehr viel Vergnügen gemacht. Manches war darunter welches ich weder kannte, noch besaß, das übrige aber sind durchaus die schönsten und instructivsten Exemplare. Das wunderbare eyförmige Mineral, welches allerdings für Olivin zu halten ist, finde höchst bedeutend. Mögen Sie mir gelegentlich einige vorkommende schöne [48] Exemplare zurücklegen, um auch Freunden damit dienen zu können, so würden Sie mich sehr verpflichten.

Den Inhalt eines kleinen beygehenden Päckchens bitte gefällig nach den Adressen zu besorgen. Dem guten bedauernswürdigen Fürnstein sagen Sie ein freundliches Wort zu dem Gesendeten. Sein Gedicht zeugt, wie die vorigen, von einen Sinn und guten natürlichen Talent.

Des Herrn Grafen Auersperg Excellenz bitte mich bestens zu empfehlen, wie ich von dem Befinden dieses trefflichen, von mir hochverehrten Herrn wohl einmal wieder Nachricht zu erhalten wünschte.

Mein Wunsch, das böhmische Gebiet abermals zu betreten und meinen dortigen Gönnern und Freunden durch Aufwartung und Besuch mich wieder zu empfehlen, ist bey mir immer gleich lebhaft, deshalb jede Aufmerksamkeit von dorther mich besonders erfrischt und meine Hoffnung belebt.

Möge es nach Verdienst Ihnen wohl gehen und Sie bey manchen Vorkommenheiten sich meiner freundlich erinnern.

Weimar den 7. Februar 1827.


42/43.

An Johann Heinrich Meyer

Da es wohl nicht räthlich seyn möchte, mein Bester, daß Sie in diesen kalten Tagen Ihre Wohnung verlassen, [49] so sende ich , zu einiger Förderniß unserer Zwecke, wenn es Ihnen recht ist, nach und nach erst die Boisseréeschen Steindrücke, dann die Ternitischen ausgeführten, auch die durchgezeichneten und lithographirten Pompejana. Schreiben Sie, beliebter Kürze wegen, nur das Urtheil über das Vorliegende wie Sie es finden; Einleitung und Abschluß will ich schon hinzufügen. Vorläufig sende das Journal von St. Petersburg zu gefälliger Vermittlung, und noch einige Bogen Kunst und Alterthum in Ihr Fach gehörig. Von dem Morbetto ist ein löblicher Abdruck angekommen, ein schon späterer, aber doch vor der Retouche und der Adresse, wo die innern Verdienste dieses Blattes noch vollkommen zu schauen sind.

Baldige völlige Wiederherstellung wünschend

treulichst

Weimar den 9. Februar 1827.

G.


42/44.

An Christian Ernst Friedrich Weller

Beykommendes, mein Werthester, liegt schon längst parat; der gute Schmeller sollte mitnehmen, es wird aber derselbe durch unsern gnädigsten Erbgroßherzog wegen eines zu vollendenden Porträts zurückgehalten, gedenkt jedoch nächsten Montag von hier abzugehen.

[50] Grüßen Sie bey Überreichung den Herrn Bibliothekar zum schönsten und ersuchen denselben um baldige Expedition des neulich übersendeten Manuscripts, da uns der Setzer auf den Fersen ist.

Mögen Sie sich bey der frischen Witterung auch frisch und wohl befinden, mein gedenken und unsern Major auf seiner Warte schönstens grüßen.

ergebenst

Weimar den 10. Februar 1827.

Goethe.


42/45.

An Friedrich Johannes Frommann

[Concept.]

Mit der Versicherung daß es mir sehr angenehm sey auch fernerhin zu Ihren Zwecken erwünscht mitwirken zu können, beantworte die mir vorgelegten Fragen.

19 Die kleinen Gedichte werden ganz richtig in der Ordnung wie sie die italiänische Ausgabe die ich besitze, so wie Ihr französischer Nachdruck angibt, auch dießmal abgedruckt. Über das letzte könnte man gar wohl setzen: In morte di Napoleone.

2)Mit deutschen Lettern bin ich gar wohl zufrieden.

3) Revision soll mir angenehm seyn.

4) Das Fernere werde nächstens besorgen.

Weimar den 10. Februar 1827.


[51] 42/46.

An Carl Christoph Haage

[Concept.]

Ew. Wohlgeboren

die auf das nach Dresden zu sendende Bild bezüglichen Papiere anbey zurücksendend, lege eine Rechnung der Herrn Boisserée bey, welche gefällig zu berichtigen bitte, da die früheren Posten bey mir schon einigemal erinnert wurden: Ich werde mich deshalb besonders verpflichtet halten.

Mit den besten Wünschen.

Weimar den 11. Februar 1827.


42/47.

An Friedrich Theodor von Müller

[Concept.]

Ew. Hochwohlgeboren

erhalten endlich das so eben vom Buchbinder absolvirte früher verlangte Werk mit Bitte um dessen geneigte baldige Wiedererstattung. Nicht weniger erfolgen vier Medaillen, wovon eine Herrn Piquot zugedacht wäre. Wobey zugleich seiner Beurtheilung überlassen bliebe ob er schicklich fände, Fürsten Metternich, Grafen Saurau und v. Gentz die übrigen anzubieten.

Das Beste wünschend.

Weimar den 11. Februar 1827.


[52] 42/48.

An Johann Isaak von Gerning

Nehmen Sie, mein theuerster Herr und Freund, wie vor Alters ohne Titulatur und Umstände, meinen herzlichsten Dank für das Übersendete und erstatten denselben auf schickliche Weise höchsten und hohen Ortes auf's beste, wie Sie mögen und können, bis ich diesen festlich-bewegten Tagen mich wieder zu Besinnung und Ruhe finden kann, da ich denn nicht verfehlen werde meine Schuldigkeit selbst zu entrichten.

Auch Ihnen, mein Werthester, vermelde alsdann das Weitere, an Ihren Kunst- und Musenfreuden den aufrichtigsten Theil nehmend. Des Herrn Grafen Reinhard Excellenz empfehlen Sie mich dringend; auch diesem würdigen Manne bin ich auf zwey gehaltvolle Briefe Erwiderung schuldig, welche nun nicht lange mehr ausbleiben darf. Möge Ihnen alles zu Glück und Freude gedeihen, damit Ihre treue Gefälligkeit auch gerechte Belohnung finde. Mit der Fahrenden erfolgt eine Medaille zu freundlichen Andenken.

verpflichtet und treu verbunden

Weimar den 12. Febr. 1827.

J. W. V. Goethe.


42/49.

An Wilhelm Reichel

Ew. Wohlgeboren

wünschte genugsam ausdrucken zu können, wie leid es mir thut, solche Bemühung verursacht zu haben; ich [53] hätte früher bemerkten sollen, daß der doppelte Abdruck mit Vorsatz geschehen. Es wird, ich hoffe, diese Wiederholung zu den Eigenheiten gerechnet werden, deren das Publicum mir so viele nachgesehen hat.

Sinn und Absicht hiebey sind aber folgende: Das erstemal stehen die Gedichte im allgemeinen unter ihres Gleichen, mit denen sie nur durch einen gewissen Anklang verwandt sind; das zweytemal aber in Reich und Glied, da sie denn erst ihrem Gehalt und Bezug nach erkannt und gewürdigt werden können.

Im vierten Bande kommt derselbige Fall noch einmal vor. Im dritten nämlich steht ein Gedicht unter der Überschrift: Aussöhnung, als zu einer Trilogie gehörig, und wird dasselbe nachher durch eine besondere Überschrift an Madame Szymanowska gewidmet. Haben Sie die Gefälligkeit in den prosaischen Noten nachzusehen, wo ich dieser Verdoppelung entschuldigend gedenke.

Nun scheint es mir aber, nach dem Anstoß den Ew. Wohlgeboren mit Recht genommen, nothwendig, an derselben Stelle den doppelten Abdruck der bemerkten Gedichte durch ein bescheidenes Wort wo nicht zu rechtfertigen, doch zu entschuldigen.

Auch bekenne gern bey dieser Gelegenheit einen alten Fehler, daß ich meine Intentionen niemals, wie es Autoren sonst vorsichtig und zweckmäßig in einer Vorrede oder in Noten thun, genugsam ausgesprochen, [54] wodurch denn gar manche Mißverständnisse veranlaßt worden.

Um Gegenwärtiges nicht aufzuhalten, sende das an gedachter Stelle allenfalls Einzurückende nach. Wie ich denn für Ihre vorzügliche Aufmerksamkeit, der ich das Geschäft nicht weiter zu empfehlen habe, abermals den besten Dank abstatte.

Könnte nach beendigtem Abdruck des ersten Theils mir ein erstes Exemplar zugleich mit dem Original zukommen, so würde mir solches, wie schon bemerkt, sehr angenehm sehn.

Mit wiederholtem Danke mich zu geneigtem Andenken empfehlend

ergebenst

Weimar den 12. Februar 1827.

J. W. v Goethe.


42/50.

An Carl Cäsar von Leonhard

Wie sehr wünschte ich, daß Ew. Hochwohlgeboren Zeuge seyn könnten, auf welchen Grab Ihr neulichst übersendetes, so vorzüglich gearbeitetes Werk mir zu Nutz bringe; vielmehr ich sagen, wie durch dessen Erscheinung Liebe und Lust an der werthen Mineralogie auf's neue belebt worden, Sie würden den Dank, den ich Ihnen in Gesellschaft Herrn Sorets widme, alsdann zu eigenem und unserem Vergnügen unmittelbar aufnehmen.

[55] Die Übersendung des durch Naturgluthen so merkwürdig veränderten Sandsteins erkenne mit vorzüglichem Dank. Dürfte ich gelegentlich um noch ein paar Exemplare bitten, auch von dem begleitenden Basalt und wo möglich an der Stelle der Berührung. Am meisten würden Sie mich verbinden, wenn eine Zeichnung dieser Localität beygefügt werden könnte, wie ich denn auf den zugesagten näheren Bericht und auf die Schilderung der Rhön-Phonolithe höchst verlangend bin.

Mannichfaltige sonstige Beschäftigungen, besonders die Herausgabe meiner sämmtlichen Werke, ziehen mich leider von den Naturstudien ab; deshalb es eine wahre Wohlthat ist, mich durch neue Sendung und Anregung wieder dahin zu führen. Und wer könnte dieß besser als Sie, dem so vieles Wichtige zu Gebot steht Leid genug thut es mir, daß meine Correspondenz über dergleichen Gegenstände nach allen Seiten hin stockt und ich deshalb gar vieles entbehre. Bleiben Sie Jedoch meines unverbrüchlichen Antheils versichert, wenn er sich auch nicht, wie er sollte, von Zeit zu Zeit in Äußerungen lebendig erweist.

Der Postwagen bringt eine Medaille, die ich zu meinem Andenken geneigt aufzubewahren bitte. Meinen besten Dank und die Versicherung unwandelbarer Anhänglichkeit wiederholend

Am 13. Februar 1827.

Goethe.


[56] 42/51.

An Johann Heinrich Meyer

Den besten Dank für die so wohl gerathene Anzeige der Boisseréeschen Steindrücke, womit zugleich die farbigen Nachbildungen der pompejanischen Gemälde mit Wunsch erfolgen, daß Sie dem Vorliegenden nach Ihrer Art stille Gerechtigkeit widerfahren lassen. Nach Rücksendung schicke die Durchzeichnungen und die Lithographieen zu gleichem Zweck.

Möge Ihre Gesundheit bald erlauben das Weitere mündlich zu besprechen; lehnen Sie ja den Wagen nicht beym Kommen und Gehen.

Weimar den 13. Februar 1827.

G.


42/52.

An Gottfried Bernhard Loos

Ew. Wohlgeboren

sage zuvörderst den allerschönsten Dank für die gefällige Mittheilung der neusten aus Ihrer Officin hervorgegangenen Medaillen; die größte Genauigkeit des Stempels und die vollkommene sichere Prägung gereicht ihnen durchaus zur entschiedensten Empfehlung. Desto unangenehmer aber ist mir aussprechen zu müssen, daß ich Ihren Wünschen mich zu fügen auf keine Weise im Stande bin; die Ausgabe meiner sämmtlichen Schriften legt mir die ernsteste Verpflichtung auf und ich darf mich weder rechts noch links [57] umsehen, wenn ich einigermaßen meiner Schuldigkeit nachkommen will. Außerdem kann ich mich folgereicher seit vielen Jahren übernommener Geschäfte nicht entschlagen und nun kommen seit den letzten Wochen so viele angenehme und gesellige Feste hinzu, deren Einwirkung ich sogar in meiner Einsiedeley empfinde. Verzeihen Sie daher ich jede Einwirkung ablehne; denn selbst ein Geschäft wie das wozu Sie auffordern, das wohl als nebenher zu verrichten geeignet schiene, ist bedeutender als man glaubt, es gehört Muße und Glück dazu um das Schickliche zu finden.

Die Rückseite meiner Medaille ist Herrn Levezow sehr gut gerathen; sollte derselbe nicht auch dießmal sein schönes Talent bethätigen mögen?

Mich auf alle Weise geneigtem Andenken enpfehlend.

Ew. Wohlgeboren.

gehorsamster Diener

Weimar den 14. Februar 1827.

J. W. v. Goethe.


42/53.

An Friedrich Johannes Frommann

[Concept.]

Ew. Wohlgeboren

erhalten hiebey wieder einiges Manuscript nebst einer gleichfalls abzudruckenden Tabelle. Die nöthigen Bemerkungen sind beygeschrieben und es bleibt mir [58] dießmal keine weitere Pflicht als mit den besten Wünschen und Empfehlungen zu schließen.

Weimar den 14. Februar 1827.


42/54.

An Ludwig Heinrich von L' Estocq

[Concept.]

Hochwohlgeborener

insonders hochzuehrender Herr!

Ew. Hochwohlgeboren erlauben in einem, für den mir zugetheilten Geschäftskreis nicht unbedeutenden Falle Deren geneigte Vermittlung anzugehen.

Dieselben werden sich gefälligst erinnern, daß in dem Juni vorigen Jahres, auf Anregen des Herrn Minister Grafen Bernstorff Excellenz, mit Verwilligung der hohen Gesammt-Curatel der Academie Jena, ein sogenannter Jenaer Codex der späteren Minnesänger zu Gunsten des Herrn von der Hagen nach Berlin von Unterzeichneten abgesendet worden; worauf denn, unter dem 2. Juli, von dem glücklichen Anlagen desselben durch Herrn Ministers v. Altenstein Excellenz Kenntniß gegeben, auch zugleich die Zusicherung ertheilt ward, daß jenes Manuscript, diesseits gewünschtermaßen, in zwey bis dery Monaten wieder zurückerfolgen solle.

Nun ist aber seit der Zeit schon über ein halbes Jahr verflossen, und die Zurückerstattung des kostbaren [59] Manuscripts wäre in mehr einem Sinne wünschenswerth, indem das längere Entbehren eines solchen Schatzes allerdings bedenklich bleibt, besonders da nach Aussterben der herzoglich gothaischen Linie und der darauf erfolgten Ländervertheilung die Curatel der Academie Jena eine andere Gestalt gewonnen.

Sollte nun die Sache zur Sprache kommen, so würde mir als dem dermaligen Vorgesetzten zur Verantwortlichkeit gereichen, daß ich , da die Vergünstigung nur auf zwey, höchstens drey Monate gelautet, dieser Angelegenheit nicht früher Erwähnung gethan.

Ich nehme mir daher die Freyheit, Ew. Hochwohlgeboren geziemend anzugehen und Dieselben zu ersuchen, sich in geneigter Vermittlung zu bemühen, daß dieses Manuscript, vielleicht ohne weitere Anregung, unter meiner Adresse, wohlgepackt anher gesendet werde. Sollte sich aber hiebey einige Schwierigkeit finden, so füge das gehorsamste Gesuch hinzu, mir einigen Winkt zu geben, welchen Weg ich einzuschlagen habe, um für die jenaische academische Bibliothek auf die schicklichste Weise zu diesem kostbaren Schatze wieder zu gelangen.

Der ich die Gelegenheit ergreife, mich der freudigen Tage zu erinnern, an welchen mir das Vergnügen ward, Ew. Hochwohlgeboren bey uns zu sehen. Wobey ich zu gedenken nicht verfehle, daß sich zunächst die angenehmsten Stunden erneuerten, indem die ersehnte [60] Gegenwart Ihro Königlichen Hoheit des Kronprinzen und Höchst Ihro Geschwister zu frohen, aussichtsreichen Festen einen mannichfaltigsten Anlaß gaben; die denn auch desto vollkommner gefeiert werden konnten, als die besten Nachrichten von Ihro Majestät Genesung von Zeit zu Zeit einlangten. Möge jeder fromme und herzliche Wunsch an allen erfüllt werden.

Indem ich es mir zur Ehre rechne, mich mit vollkommenster Hochachtung unterzeichnen zu können.

Weimar den 15. Februar 1827.


42/55.

An Friederike von Cumberland

[Concept.]

Ew. Königlichen Hoheit

verehrtes Schreiben hat mich in meinem uralten Glauben bestärkt, daß rein und glücklich erfaßte Verhältnisse unauslöschlich fortleben, auch wohl lange Jahre durch ohne mündliche und schriftliche Erneuerungen sich auf das wünschenswertheste erhalten mögen. Wie hoch beglücken Sie mich, gnädigste Frau, da Sie in dem Augenblicke des größten Verlustes Ihre Gedanken, Ihre Feder mir zuwenden, eben als wenn Sie sich unter den Mitlebenden nach verwandter treuer Anhänglichkeit umschauen wollten! Und gewiß, Sie finden in mir den aufrichtigsten Theilnehmenden, der [61] unser Unvergeßlichen seit ihren frühern blühenden Jahren unabläßlich gefolgt ist, sie immer in Gedanken, meist in Ihrer Hoheit Nähe, begleitete und in den sonderbarsten wichtigsten Fällen an ihr die sichere und zugleich anmuthige Entschiedenheit erkannte. Und so bleibt sie mir auch jetzo gegenwärtig, wie sie gleichzeitig auf Erden lebte und wirkte um die Spur ihres mildernden, tröstenden Einflusses in den bedeutendsten Momenten zu dankbar sten Erinnern für ewig zu hinterlassen.

Doch hier will mein Blick in einen Abgrund der Vergangenheit sich verlieren, aus dem freylich auch manche schöne Stunden, wie jene durch die freundlichen Bilder gefeyerten, gar lieblich hervorleuchten. Und so würde es Ew. Königlichen Hoheit gewiß ein Lächeln abgewinnen, wenn ich umständlich erzählen könnte, wie die, so gnädig aufgenommenen Tafeln endlich zu Stande gekommen. Gleich damals waren sie an Ort und Stelle beabsichtigt und begonnen, sodann aber unterbrochen, verloren, wieder angefangen, verschoben, verunglückt und doch zuletzt noch heiter vollendet und durch eine wohlwollende Aufnahme über die Maaßen begünstigt. Sollte dieses Beyspiel nicht darauf hindeuten, daß treue Theilnahme trotz allen Hindernissen in Zwecken endlich obsiegen muß?

Gegenwärtiges ist geschrieben während schöner festlicher Tage, an denen Ew. Königliche Hoheit gewiß auch den herzlichsten Theil nehmen. Möge zunächst [62] ein glücklich Ereigniß dem andern folgend mir Gelegenheit geben, von unwandelbarer Verehrung ein wohlgefälliges Zeugniß abzulegen.

Weimar d. 16. Febr. 1827.


42/56.

An die Cotta'sche Buchhandlung

Bey gegenwärtiger Sendung ist eigentlich nichts zu bemerken; die Xenien werden Seite für Seite gedruckt und darf von keinen Blatt auf das andere etwas herüber genommen werden. In Ganzen gestaltet sich nunmehr wie nachfolgt

der Band IV, vierte Sammlung:

Festgedichte, Inschriften, Denk- und Sendeblätter, nöthige Bemerkungen und Aufklärungen zu den Gelegenheitsgedichten, Dramatisches, Helena, zahme Xenien zweyte Hälfte.

Geneigter Aufmerksamkeit auch Vorstehendes empfehlend.

Weimar den 16. Februar 1827.

J. W. v. Goethe.


42/57.

An Sulpiz Boisserée

Seit Ihren werthen Schreiben vom 28. December v. J., mein Werthester, ist manches von hier abgegangen, welchem glückliche Ankunft und Aufnahme zu wünschen habe.

[63] 1) Am 19. Januar ein Abschnitt Helena, an Sie gerichtet.

2) Den 26. Januar, vollständiges Manuscript der Helena an Herrn v. Cotta, durch die fahrende Post.

3) Den 27. ejusdem Schreiben an denselben.

4) Am gleichen Datum ein Schreiben an Sie mit weiterer Nachricht von unserm Waiseninstitute. Seit jener Zeit ist denn auch Ihr reicher Brief mit den Lithographien glücklich angekommen.

Nun geht ab mit der sonntägigen fahrenden Post, unmittelbar an Herrn v. Cotta, ein Paquet enthaltend die zahmen Xenien und also den Schluß des vierten Bandes mit einigen Bemerkungen, so daß ich nun zu der ersten Lieferung nichts weiter schuldig bin; die zweyte liegt zum Einpacken bereit. Und so möge denn alles rasch und frisch vorwärts gehen. Die Wanderjahre rücken auch zu und es ist wunderbar genug, wenn ich jetzt begreife, daß dieses Werklein nicht eher zu Stande kommen konnte. Das neue Stück Kunst und Alterthum wird auch vor Ostern ausgegeben werden können, worin Ihrer neusten lithographischen Lieferung in allen Ehren gedacht ist.

Übrigens hat Hof und Publicum bisher in Festen, Tafeln, Schlittenfahrten und sonstigen Tages- und Abenderlustigungen geschwelgt, und es konnte nicht fehlen daß diese Rotation auch in meine Einsamkeit eingriff. Des Kronprinzen von Preußen Königliche Hoheit habe zum erstenmal gesehen und gesprochen[64] und seine Gegenwart höchst erwünscht gefunden; er macht mit seinen beiden Herrn Brüdern, wenn man sie zusammen sieht, ein merkwürdiges und erfreuliches Kleeblatt.

Bey dieser Gelegenheit sind mir aus Berlin sehr lobenswürdige Copien mehrerer pompejanischen Gemälde zugekommen, genauer Umriß und sorgfältig nachgebildete Farbengebung; die lieblichsten Gegenstände versetzen uns in eine heitere Zeit die freylich vorüber ist.

Mein Garten, der, wie Sie wissen, nah unter meinen Fenstern liegt, ruht, wie wahrscheinlich ein großer Theil der Nordwelt, unter einer Schneedecke und weiß kaum wie grün werden soll.

Alexander v. Humboldt's Cuba ist durch seine Freundlichkeit zu mir gekommen und versetzt mich am warmen Ofen in die tropischen Gegenden. Es ist ein treffliches Werk, lange vorbereitet und jetzt zu rechter Zeit hervortretend. Einen Auszug daraus werden wir andern Laien mit Behaglichkeit lesen, da jetzt die vielen Zahlen, die wir überschlagen müssen, uns einigermaßen verwirren und im Wege sind. Bewundern muß man es auf alle Fälle wie hier das Erfahrenswerthe, Erfahrene, Wissenswürdige, Gewußte zusammengestellt, und eine Weltübersicht, wie sie sich durch Zahl und Maaß erreichen und überliefern läßt, so ganz vollkommen eröffnet ist; wobey denn doch der Fingerzeig auf das Incommensurable nicht abgeht.

[65] Lassen Sie mich heute schließen und geben mir bald Nachricht von der Ankunft meiner Sendungen, grüßen mir die werthen Ihrigen und erhalten mir ein fortdauerndes Wohlwollen.

Weimar den 17. Februar 1827.

G.


42/58.

An Carl Friedrich Zelter

Nun ist denn, nach mancherlei Festen und Lustbarkeiten, die sich nach und nach ganz glücklich entwickelten, unser junger lieber Bräutigam auch wieder nach Berlin zurückgekehrt, wo denn auch bald unsere wohlgestaltete und wohlgebildete Prinzeß ihre Wohnung aufschlagen wird. Möge das in manchen Sinne wichtige Band gesegnet seyn.

Gegenwärtiges schreibe eiligst, um dich zu ersuchen: mir von Ternite's Geburtsort, Leben, Herkommen, Reisen und Studien das Ostensible zu melden. Da wir von seinen Arbeiten sprechen, auch der Durchzeichnung des Fiesole gedenken wollen, so wird es hübsch, ja nothwendig seyn, wenn dieß mit einiger Einleitung geschieht. Eben das Bild von Fiesole hat er, soviel ich mich erinnere, in Paris nachgebildet. Es freut uns, daß wir mit Überzeugung gut von seinen Arbeiten reden können. Auch hat er ja, wie ich höre, die Stelle des Potsdamer Galerie-Inspectors erhalten, was denn eine gar hübsche Pfründe ist.

[66] Bezeichne mir die Stelle, die dich so hat lachen machen, etwas näher, ich habe sie nicht recht finden können.

Viel Glück zur Einweihung des Hauses; frohe Wohnung in guter Gesundheit wünsche zunächst.

Kannst du dich gegen den Herbst einige Wochen losmachen, so wird es beiden heilsam seyn; der weiße Schwan begrüßt dich jederzeit mit offnen Flügeln.

Den Wunsch wegen Ternite befriedige bald, denn wir schon an den letzten Bogen des neuen Stücks Kunst und Alterthum, worin du mannichfaltiges Hübsche finden wirst.

Manches Andere nächstens. Fasanen werden indeß angelangt seyn; einige Schellfische, Dorsche pp. werden dagegen gewünscht.

treu angehörig

Weimar den 18. Februar 1827.

Goethe.


42/59.

An Johann Heinrich Meyer

In Hoffnung, daß der gestrige Ausgang nicht werde geschadet haben, sende

1) die Durchzeichnungen des Bildes von Fiesole, wie besprochen worden, eine unabhängige Recension in Bezug auf Bedeutung des Bildes, das Sie selbst gesehen, gefällig aufzusetzen.

[67] 2) die Durchzeichnungen der herculanischen Bilder.

3) dieselben lithographirt mit ausgeführten Köpfen.

Bezeichnen Sie nur erst den Kunstwerth dieser Dinge, sodann bereden wir das Weitere. Ich lasse mir von Zeltern etwas von Geburt, Leben und Herkommen des Künstlers anzeigen, damit wir unserm Vortrag auch von dieser Seite eine gute Folge geben können.

Mit den besten Wünschen.

Weimar den 18. Februar 1827.

G.


42/60.

An den Großherzog Carl August

[Concept.]

Ew. Königlichen Hoheit

lege hiebey vor wie ich das wichtige Naturproduct, oder vielmehr die bedeutende Naturanomalie für künftige Zeiten aufzubewahren gesorgt habe. Sollte sie nicht in Belvedere niedergelegt werden? allwo sie Pflanzen-Freunden und Kennern am ersten vor Augen käme?

Dürft ich mir eine nächstens abblühende Strelitzia dieser Species, erbitten, den Stengel so nah als möglich an seinem Ursprunge abgeschnitten, um eine wahre Blume mit dieser Windblume gründlicher vergleichen zu können.

Weimar den 19. Februar 1827.


[68] 42/61.

An Carl Jügel?

[Concept.]

Unterzeichneter hat das ihm übersendete Exemplar der Zeitschrift Eos vom Jahre 1826 keineswegs bestellt, sondern es ist ihm solches von dem damaligen Redacteur zu gefälliger Theilnahme zugeschickt worden; wie er denn auch für die erste Hälfte nichts bezahlt. Er kann daher die gegenüberstehende Forderung nicht anerkennen, so wie er sich die fernere Zusendung des gedachten Journals hiemit verbittet, weshalb denn auch die ersten Stücke zurückerfolgen.

Weimar den 19. Februar 1827.


42/62.

An Johann Sckell

[Concept.]

Ew. Wohlgeboren

erhalten hiebey das Verzeichniß des Königsberger botanischen Gartens. Herr Doctor Ernst Meyer, Director desselben, wünscht auch mit Belvedere in Connexion zu kommen. Wollten Sie mir daher gefällig Ihren Catalog mit Preisen zusenden, mit Bemerkung ob Sie etwas aus dem seinigen auf's Frühjahr wünschten, und überhaupt was zu Einleitung und Sicherung eines soliden Verhältnisses zu beobachten wäre, so [69] würde solches alsbald, da ich ihm ohnehin zu schreiben habe, fortsenden können.

Das Beste wünschend.

Weimar den 21. Februar 1827.


42/63.

An Johann Heinrich Meyer

Wie steht es, mein Theuerster, um die Gesundheit? Möchten Sie wohl heute Abend gegen 6 Uhr meinen Wagen besteigen und einer freundlichen Conferenz einige Stunden widmen, wonach mich sehr verlangt.

Weimar den 24. Februar 1827.


42/64.

An Ernst Schubert

[Concept.]

Die Theaterstücke, welche man zunächst auf der weimarischen Bühne aufgeführt wünscht, wären an den Regisseur Herrn Doctor Wagener zu senden.

Weimar den 26. Februar 1827.


42/65.

An die Großherzogliche Bibliothek

[Concept.]

Der Medailleur Herr Posch, soll auf Befehl Serenissimi ein Schillerisches Profil bossiren. Hiezu wäre[70] ihm alle Bequemlichkeit zu verschaffen und die Marmorbüste in ein Zimmer zu bringen.

Weimar den 27. Februar 1827.


42/66.

An Johann Isaak von Gerning

Hierbey also die beiden schuldigen Schreiben. Ich wünsche, daß sie meine gefühlte Dankbarkeit aussprechen mögen; ich habe sie in überdrängten Momentan so gut als es gelingen wollte, das mir verliehene Schöne und Gute dankbar anerkennend, verfaßt. Thun Sie bey gefälligem Überreichen das Beste dazu.

Nur soviel für dießmal, Beykommendes blieb schon einen Posttag liegen. Möge Ihnen alles gelingen und Sie mir Nachricht der glücklichen Ankunft dieser schuldigen Sendung freundlich mittheilen. Ein Brief an Herrn Grafen Reinhardt ist angefangen und soll nächstens abgeschlossen werden.

Mit den treusten Wünschen

wie von Alters

Weimar den 28. Febr. 1827.

Goethe.


42/67.

An Carl Friedrich Zelter

Gestern Abend habe ich wahrhafte Angst für dich empfunden, indem ich bey Revision deiner Briefe mit[71] Riemern die verwegen-gefährliche Fahrt nach Swinemünde wieder aufnahm und durchdachte. Es ist wunderbar daß uns eine längst vorübergegangene Gefahr in ihrer eigenen Gestalt weit größer und wahrhafter erscheint, als wenn wir von derselben, indem sie erst vorüber ist, benachrichtigt werden; denn da stemmt sich wie im Unglück selbst der Geist entgegen, strebt ihren Eindruck zu vermindern, wo denn die Freude der Rettung das ihrige leidenschaftlich dazuthut. Später ist alles anders, denn wir haben Muth das Ungeheure anzuschauen, aber eben deshalb wächst es in der Vorstellung zu seiner wahrhaften Größe.

Deine Relation von dem Abstecher nach Petersburg ward mit vielem Dank aufgenommen; unsere Hofdamen, die das Modell an Ort und Stelle gesehen hatten, erzählten davon, doch nur vorübergänglich. Seitdem das große Unglück die schlechte Lage dieser ungeheuren Stadt erst recht zur Evidenz brachte, bin ich genöthigt, bey jedem tiefen Barometerstand, besonders Nachts wenn der Sturm in meine Fichten braust, an jene Localität zu denken.

Wenn die Menschen aus Noth, wie die Venetianer, sich in den Sumpf setzen, oder aus Zufall an dem ungeschicktesten Ort sich ansiedeln, wie die ersten Römer, so mag das hingehen; aber so von heiler Haut, wie der große Kaiser, das Ungeschickte thun, zu der Seinigen unheilbaren Verderben, ist doch eine gar zu traurige Äußerung des absolut- [72] monarchischen Princips. – Ein alter Fischer soll ihm vorausgesagt haben daß dahin keine Stadt gehöre.

Wenn ich ihn entschuldigen will, so muß ich sagen: daß das große Original-Genie auch durch eine Anwandlung von Nachahmung ist verführt worden. Er hatte Amsterdam und das holländische Deichwesen im Sinne, ohne zu sehen daß es hierher gar nicht passe. Die Holländer selbst begingen den Fehler bey der Anlage von Batavien und bildeten sich ein, man lebe eben so ungestraft im Sumpfe unter der heißen Zone als in der kühlen und kalten.

Nun zu etwas Lustigern! Da du doch auf's Französische eingerichtet bist, so rathe ich zu lesen, wenn es noch nicht geschehen wäre: Le Théâtre de Clara Gazul, Poésies de Béranger. An beiden wirst du auf's klarste erkennen was Talent, um nicht zu sagen Genie, vermag, wenn es in einem prägnanten Zeitpunct auftritt und gar keine Rücksicht nimmt. Haben wir ja ohngefähr auch so begonnen.

Diese Tage her war ich in Frucht, es möge deinen am 21. Februar abgesendeten Fischchen ergehen wie einer verspäteten Schlittenfahrt: Die Kälte war aufgehoben, der Westwind stürmte, eine Schneeschicht nach der andern thaute weg; allein gestern sind sie glücklich angekommen, völlig gesund und genießbar. Empfange daher den allerschönsten Dank! Diese seltene Speise wird nächste Woche Veranlassung seyn zu einigen Gastgeboten.

[73] Eine gar löbliche Relation über Ternite's Pompejana liegt zum Druck bereit zugleich werden wir seines Fiesole mit Ehren gedenken. Meyer kennt das Bild sehr wohl von Florenz her. Freylich muß man jenes irdische Leben in den Augen etwas verklingen lassen, wenn dieses himmlische einigen Eindruck machen soll; denn, Gott sey Dank! wir haben uns vom Pfaffthum eben so weit entfernt als der Natur wieder genähert. Diesem unschätzbaren Vortheil können und dürfen wir nicht entsagen.

Aus Herrn v. Müfflings Reden glaubte ich schließen zu können, daß diese Gemälde noch Herrn Ternite eigen wären, nicht etwa dem König oder einer öffentlichen Anstalt. Ließe er mir für Geld und gute Worte wohl einige davon ab? Ich würde mir die Gesellschaft der drey Frauen, die Gesellschaft der drey Frauen, die Geschwister auf dem Hellespont, Narciß, neben ihm die Nymphe mit dem Kränzchen (wahr scheinlich Echo) vorerst ausbitten. Wenn unsre Recension gedruckt steht, so wünschte doch vorübergehenden Fremden und bleibenden Einheimischen etwas zu unsrer Legitimation vorzuweisen; es wären schöne zur Aldobrandinischen Hochzeit. Seit dem Charon ist mir zwar schon manches Gute dieser Art in's Haus gekommen, doch möchte ich's gern vermehrt sehen, weil ich wahrscheinlich das laufende Jahr in dieser Umgebung verweile.

Grüße Doris zum schönsten und danke ihr für die Küchensorge. Möge euch beiden der Umzug mit gutem [74] Muth und ungetrübter Gesundheit gelingen und ihr sodann eines bequemen froh-thätigen Zustandes genießen!

Weimar d. 2. März 1827.

G.


Nachträglich will ich den Wunsch aussprechen: du mögest mein Verlangen gegen Ternite, nach den drey pompejanischen Zeichnungen, nicht entschieden aussprechen, sondern erst horchen ob er es gerne thäte; denn ich wollte nicht, daß er aus Gefälligkeit oder irgend einer Rücksicht in etwas einwilligte was ihm unangenehm wäre.

Weimar den 3. März 1827.

G.


42/68.

An Franz Baumann

Ich wünsche, mein werthester Herr Hofgärtner, schöne schlanke Akazienstämmchen, gepfropft mit der hübschen Art hängender Zweige, die sich auf dem Carlsplatz und sonst gar artig wie Orangerie ausnehmen. Können Sie mir dergleichen verschaffen, so bitte sie bald herüber zu senden, da es Zeit wird sie zu pflanzen.

Mit den besten Wünschen.

Weimar den 3. März 1827.

J. W. v. Goethe.


[75] 42/69.

An Johann Heinrich Meyer

Mögen Sie sich einrichten, mein Werthester, morgen Abend mich zu besuchen und Donnerstag in guter Gesellschaft mit uns zu speisen.

Hiebey sende vorläufig ein salbaderisches Werk, das aber doch lesenswerth ist, weil man daraus manches erfährt, auch gewahr wird wie die Menschen durcheinander denken und meynen.

Herr Dorow hat sich mit einem hübschen Werk über das bey Neuwied gelegene Castrum der Römer abermals legitimirt. Dieser wunderliche und problematische Mann hält sich denn doch auf seinem Felde.

Noch einiges andere wäre mitzutheilen und zu überlegen.

treulichst

Weimar den 6. März 1827.

Goethe.


42/70.

An Heinrich Ludwig Friedrich Schrön

Hiebey erfolgt ein Sextant welcher bisher in Eisenberg verwahrt worden und Serenissimo angehört. Er soll künftig in der Sternwarte niedergestellt werden. Eröffnen Sie die Kiste, und untersuchen mit Sieglitz die Beschaffenheit, auch ob etwas daran wieder herzustellen seyn möchte und geben mir davon Kenntniß.

Mit den besten Wünschen.

Weimar den 10. März 1827.

J. W. v. Goethe.


[76] 42/71.

An Friedrich Johannes Frommann

[Concept.]

Ew. Wohlgeboren

melde und bemerke Folgendes: so wohl die Ausgabe von Manzoni weiter zu fördern und abzuschließen wünsche über Nachstehendes unterrichtet zu seyn.

1) Auf beyliegendem Blatte ist der Inhalt der florentinischen Ausgabe aufgezeichnet. Wollten Sie bemerken was bey der Ihrigen wegbleibt, so würde Gelegenheit nehmen diese Auslassung zu bevorworten.

2) Ferner wünsche zu erfahren, wie viel Doppelseiten von der Schriftart des Beyliegenden Sie nöthig hätten um den zweyten Bogen des Vorberichts zu Manzoni zu füllen, damit ich mich mit meinem Aufsatz danach richten kann.

3)Auch haben Sie die Gefälligkeit mir anzuzeigen, wie viel von gleichem Manuscript noch nöthig wäre, um den 11. Bogen von Kunst und Alterthum abzuschließen, so würde ich dasselbige alsobald übersenden können, damit dieser bogen nicht überschritten würde, indem den 12. und 13. mit völliger Freyheit zusammenstellen möchte.

4) Den Titel glauben wir wie beyliegend einrichten und Opere poetiche sagen zu müssen, da, wenn ich recht verstanden habe, die Discorsi sämmtlich wegbleiben. Noch eine Revision und dabey Ihre fernern Gedanken erbittend.

Weimar den 10. März 1827.


[77] 42/72.

An den Großherzog Carl August

Ew. Königliche Hoheit

haben einen aus der Eisenberger Gefangenschaft erlösten Sextanten mir gnädigst zugesendet, welchen auf die jenaische Sternwarte schaffen lasse, um vorerst zu vernehmen, in welchem Zustande er sich befindet, und das Weitere sodann anzuordnen.

Ich muß, da von einem Theodoliten die Rede ist, bemerken, daß ein solcher, der früher bey dem Hofrath Voigt verwahrt wurde, in Jena bey dem Professor Fries befindlich ist, der sich ihn zu seinen Vorlesungen ausgebeten, um seinen Zuhörern einen Begriff von diesem Instrument zu geben. Da nun dieser Zweck erreicht ist, so frage an, ob derselbe nicht auch auf der Sternwarte zu verwahren wäre?

Die Nachricht von einigen Kupferstichen nach van der Helst erhielt auf Anfrage von Leipzig. Da der eigentliche Zweck dadurch nicht erreicht worden, so bitte solches wenigstens als schuldige Bemühung anzusehen.

verehrend.

unterthänigst

Weimar den 11. März 1827.

Goethe.


[78] 42/73.

An Johann Friedrich Cotta

Ew. Hochwohlgeboren

geneigtes Schreiben hat das bisher gewissermaßen Schwebende auf das freundlichste zurecht gelegt; erlauben Sie eine gleichfalls eilige und summarische Beantwortung.

1) Die Schillerische Correspondenz liegt auf die näher zugesagte Erklärung zum Einpacken bereit; ihr baldiges Erscheinen wird großen Einfluß auf die Ausgabe der Werke beider Freunde beweisen.

2) Der Anschluß von Kunst und Alterthum an das Morgenblatt dünkt auch mir deshalb sehr vortheilhaft, weil bey dem langsamen Vorschreiten meiner Hefte gar manches liegen bleibt und veraltet, was im Augenblick willkommen gewesen wäre. Mit Abschluß des VI. Bandes könnte jene neue Einrichtung eintreten, worüber das Nähere zu verhandeln ist.

Wegen der Abzahlung des zweyten Termins habe Einrichtung getroffen, daß ich erst auf den 14. April die Anweisung zu stellen habe, da ich denn zugleich das Honorar für das neuste Heft erheben und also 8000 rh. empfangen werde.

Die werthen Freunde Boisserée freut mich endlich im sichern Hafen zu sehen, besonders aber daß sie von Ew. Hochwohlgeboren eigentlich nicht getrennt werden, und es ist dieß wirklich als eine große Gunst des Schicksals anzusehen. Die allgemeine Beweglichkeit [79] einer aufgeregten Welt macht freylich jetzt gar vieles möglich, woran man sonst zu denken sich nicht getraute; wie denn auch des Königes Jugendsinn und Kraft Wirkungen hervorbringen muß, von denen man jetzt noch gar keinen Begriff hat.

Die gewünschten Exemplare Faust sind glücklich angekommen, wofür ich zum schönsten danke; die Aushängebogen, wahrscheinlich auch irgendwo beygepackt, kommen wohl nächsten an. Haben Sie die Gefälligkeit zu bestellen, daß damit wenigstens bandweise fortgefahren werde; auch wünsche, wie schon gemeldet, das Original jedesmal zurück. Eine wiederholte Revision und nachträgliche Bemerkung wird dadurch möglich, und unsere Ausgabe erhält erst ihren rechten Werth, als von der letzten Hand dem Publicum zugesagt.

Auch vermelde daß zwey Personen, Herr Genast, sonst Regisseur, und Registrator Schuchardt auf 10 Exemplare subscribirt und pränumerirt haben. Ich bitte diesen wackern und wohlwollenden Personen, jedem sein Paquet besonders adressirt, allenfalls denen an mich zu sendenden Exemplaren beyzupacken. Den Geldbetrag, wenn Sie nicht anders anordnen, werde auf Ihre zu Ostern zu übersendende Rechnung schreiben.

Anderes erlauben Sie an Herrn Boisserée zu melden, auch verfehle nicht das Kästchen mit der zweyten Sendung zunächst abzuschicken.

Mit freudigem Gefühl, daß alles sich auf die beste Weise erzeigt und schickt, empfehle mich Ew. Hochwohlgeboren [80] und Ihrem werthen Kreise auf's andringlichste mit dem treusten Wunsche, daß Ihnen in Ihren wichtigen Geschäften alles zum Vortheil gerathen möchte.

Hochachtend wie vertrauend

Ew. Hochwohlgeb.

gehorsamster Diener

Weimar d. 12. März 1827.

J. W. v. Goethe.


42/74.

An Sulpiz Boisserée

Den Zeitungsnachrichten traute nicht Glauben beyzumessen, Dank zum schönsten daß Sie mir sogleich an der Gewißheit Theil geben; und so bin ich denn einer meiner letzten Sorgen los! Zelters herrliche Anstalt ist nun ein schickliches und hinreichendes Gebäude gegründet, Ihre unschätzbare Sammlung hat Raum und Sie eine willkommene Wohnung gefunden; für meine nächsten Freunde bleibt mir also nichts zu wünschen übrig und für mich nur ausdauernde Kräfte, um zu leisten was mir obliegt; alles sey den waltenden Mächten anheim gegeben.

In Ihren neuen Wohnort nehmen Sie Theil an den größtbewegten Zuständen, die sich in Deutschland hervor thun; alles andere hat schon einen gemeßnern Gang, Bayern ist, wie alle Jugend, nicht zu berechnen. Das Sie sich auch hier der nachbarlichen Theilnahme des Herrn v. Cotta im besten Sinne zu erfreuen haben, [81] ist auch mir sehr angenehm und für eine Umsicht allgemeiner Verhältnisse höchst willkommen. Sagen Sie mir das Nähere nach und nach, wie Sie es gut finden. Es ist mir viel werth, daß ich in jene Zustände durch Sie einen freyern reinern Blick gewinne; denn wie sollte man an einem solchen Werden und Wirken nicht einen redlichen Theil nehmen deshalb von dem Besondersten unterrichtet zu seyn wünschen.

Von Herrn v. Cotta habe ich einen ausführlichen freundschaftlichen, obgleich abermals eiligen Brief. Die Ausgabe der Schillerschen Correspondenz nimmt er im Allgemeinen an, mit dem Vorbehalt, das Besondere mit Ihnen zu besprechen, deshalb ich das Nähere vielleicht durch Sie erhalte; das Manuscript liegt zur Absendung parat. Da er geneigt scheint den Druck gleich anzufangen, so darf ich wohl sagen, es wird für die Ausgabe sowohl meiner als der Schillerschen Werke von großer Bedeutung seyn.

Heute nicht mehr als wiederholten Gruß und Wunsch. Heitere Theilnahme dem Beygelegten wünschend.

unwandelbar

Weimar den 11. März 1827.

Goethe.


42/75.

An Carl Friedrich von Reinhard

[12. März 1827.]

Wie uns der Anfang des vorigen Jahres in Lein und Trauer fand, so erschien das gegenwärtige mit [82] den angenehmsten Ansichten, und hätte nicht der Unfall Ihro Majestät des Königs eine freyere lebhaftere Communication gehindert, so wären unsre Fest zwar nicht die brillantesten, aber doch gewiß die anmuthigsten gewesen die in einem fürstlichen Kreise gefeyert werden. Braut und Bräutigam jung, schön, liebenswürdig und liebend, würden in jeden Verhältnissen Heiterkeit verbreitet haben, und sind uns desto erwünschter in einer höhern Sphäre, wo die ganze Constellation zugleich auf schöne äußere Bezüge und auf ein inneres Behagen hindeuten. Drey hintereinander gefeyerte Geburtstäge, Hoftage, Tafeln, Concert und Bälle und, durch die besondere Gunst des Winters, Schlittenfahrten mit aller Lust und Schmuck, erhielten jung und alt in kreisender Bewegung, wodurch denn meine Einsiedeley gelegentlich sehr freundlich berührt und besucht wurde. Indessen durfte ich mein literarisches Tagewerk nicht vernachlässigen und ich war manchmal wirklich in bedrängter Lage. Auch jetzo muß ich mich zusammennehmen und die Thüre schließen, wenn ich meine Gedanken in die Ferne brieflich in Worte fassen will.

Ihre beiden so reichen als anmuthigen Briefe, verehrtester Freund, sind mir indessen nicht aus dem Sinne gekommen; möge sich nach Ihrer Rückkehr alles nach Wunsche gestaltet haben.

[83] Vorstehendes längst Geschriebenes verfehle nicht endlich heute, den 12. März, kurz vor Frühlings Anfang, bey sicht- und empfindbar scheidendem Winter fortzusetzen und wiederhole, daß es mir seit Anfang des Jahres ganz wohl gegangen. Mein Befinden war leidlich, so daß ich die mir zugedachten höchsten Besuche mit Behaglichkeit verehren und genießen konnte. Auch muß dieser edlen Persönlichkeiten nochmals gedenken. Von Ihro Königlichen Hoheit dem Kronprinzen sage mit Wenigem: daß er auf mich einen vollkommen angenehm-günstigen Eindruck gemacht und mir den Wunsch hinterlassen hat, ihn früher gekannt zu haben und länger zu kennen. Die drey Herren Gebrüder, von meinem Fürsten eines Morgens mir zugeführt, sah ich mit Freude und Bewunderung. Man kann einem Könige Glück wünschen, drey so verschiedenartige wohlgebildete Söhne (mit einem vierten, den ich noch nicht kenne) vor sich heranwachsen zu sehen. Sie haben ein ganz frisches Leben in unsre Cirkel gebracht und das Behagen unsres Großherzogs an ihnen und dem neu eingleiteten Verhältniß war nur mit Rührung anzusehen.

Das wichtige und mit allem Ernst zu behandelnde Geschäft der neuen Ausgabe meiner werke konnte ich den ganzen Winter über sorgfältig verfolgen; auch kommt zu Ostern ein Heft Kunst und Alterthum heraus, welches ungesäumt erfolgen soll. Diese Arbeiten[84] welche mit mir sich niederlegen und wieder aufstehen, die mich Nachts, in durchwachten Stunden, ununterbrochen beschäftigen, sind die eigentliche Ursache meines retardirten Briefschreibens. Da ich meinen Freunden diese Äußerungen meines Daseyns gar oft im Stillen, und zwar persönlich zudenke, so komme ich nicht dazu ihnen einige vertrauliche Worte unmittelbar zu widmen.

Von guten Ereignissen hat mich diese Tage die endliche Bestimmung des Boisseréeschen Schicksals und Besitzes höchlich gefreut; besonders nach meiner Denkweise schien mir die auf ihnen ruhende Last ganz unerträglich; sie können nun doch das, was ihnen obliegt, besonders auch die Herausgabe des Domwerks, mit mehrerem Behagen und ruhigerem Sinne abwarten.

Übrigens kommt mir in meinen alten Tagen der Gährungsprozeß im Königreiche Bayern gar wunderbar vor; es sind und werden dort so vielerlei Elemente versammelt, deren Einigung, Verkörperung und Gestaltung sich niemand denken kann. Indessen werden wir, bey größter Longävität, Probleme hinter uns lassen und in der Hoffnung scheiden, daß die Nachwelt sich unerwartet glücklicher Resultate möge zu erfreuen haben.

Aus Paris ist manches Gute zu mir gekommen, durch die Herrn Boisserée, Coudray und andere. Von Herrn Baron v. Cuvier habe ich eine schöne [85] Sendung Fossilien, theils in natura, theils in Modell; dessen Fräulein Tochter erwi-

Die Fortsetzung nächstens, indess

treulich und herzlich

J. W. v. Goethe.


42/76.

An Carl Georg Hase

Geneigtest zu gedenken.

Da, wie äußerlich zu vernehmen gewesen, Ew. Wohlgeboren in dem Nachlasse der seligen Frau Oberstallmeisterin von Stein und dessen Inventarisation beschäftigt sind, so nehme mir die Freyheit auf einen Gegenstand aufmerksam zu machen, welcher sich wahrscheinlich darunter finden wird und auf welchen ich Ansprüche mit Grund zu machen glaube.

Es ist nämlich ein Portefeuille in großem Format, wenn ich mich recht erinnere mit braunem Papier überzogen, leichte unvollendete Skizzen enthaltend, dergleichen ich in früherer Zeit nach der Natur zu machen pflegte; diese habe ich meiner seligen Freundin wie sie nach und nach entstanden in Verwahrung gegeben, und wir erinnerten uns dabey manches ländlichen Aufenhaltes und sonstiger auswärtiger Localitäten.

Gedachte Blätter, welche eigentlich keinen künstlerischen Werth haben, auf die man nur ein pretium [86] affectionis legen kann, sind immer als gemeinsam angesehen worden, in dem Sinne daß solche dem Überlebenden verbleiben würden.

Sollte noch außer dieser meiner einfachen Darstellung ein Argument nöthig seyn, so füge hinzu: daß die edle Freundin, als sie in meiner Abwesenheit dem Fürsten Reuß zu Köstritz, auf dessen dringendes Verlangen, einige dieser Skizzen überlassen, mich schriftlich davon benachrichtigte, sogleich diese Entfremdung freundlichst e