1827

42/1.


An den Großherzog Carl August

Ew. Königliche Hoheit

die bevorstehenden erwünschten Familienfeste in guter Gesundheit feyern und die daraus sich entwickelnden glücklichen Folgen gleicherweise genießen zu sehen, bleibt mein erster und angelegentlicher Wunsch.

Sodann belebt mich die Hoffnung, Höchstdieselben werden die mir seit so vielen Jahren gegönnte Neigung, Gunst und Zutrauen fernerhin gewähren.

Und so bleibt mir seit mir nichts übrig als durch möglichst fortgesetzte Tätigkeit in so späten Jahren noch einigermaßen nützlich, vollkommen aber danckbar zu erscheinen.

Verehrend, angehörig

Ew. Königlichen Hoheit

unterthänigster Diener

Weimar d. 1. Januar 1827.

J. W. v. Goethe.[1]


42/2.


An die Großherzogin Louise

[Concept.]

[1. Januar 1827.]

Ew. Königliche Hoheit

geben mir anhaltend so entschiedene verehrliche Beweise fortdauernder Gunst und Gnade, daß ich in der Hoffnung sie fortgesetzt zu sehen durchaus glücklich bin und eingetretenen wünschenswerthen Familienverhältnisse und deren erfreuliche Folgen in erwünschter Gesundheit und heiterem Geiste feyern und genießen.


42/3.


An den Herzog Bernhard

[Concept.]

[1. Januar 1827.]

Ew. Königlichen Hoheit

an dem heutigen Tage persönlich aufzuwarten, meine treuen Wünsche und tiefgefühlte Verehrung auszusprechen werde durch meine schwankenden Gesundheitsumstände zwar verhindert, jedoch mich deshalb entschuldigend verfehle nicht für die gnädigsten Mittheilungen mein dankbarstes Anerkennen auszusprechen. Was davon bisher bey mir verwahrt worden lege mit der Versicherung bey, daß eine so wohl genutzte Reisezeit jedem, der daraus durch die klar und sorgfältig[2] aufgezeichneten Tagebücher das Nähere erfährt, wie mir die reinste Theilnahme und höchste Bewunderung abgewinnen muß.

Höchst erwünscht ergreif ich die Gelegenheit mich dem Durchlauchtigsten Herzoglichen Paare zu ferneren Hulden und Gnaden angelegentlichst zu empfehlen.


42/4.


An Friedrich Johannes Frommann

[Concept.]

Ew. Wohlgeboren

erhalten hierbey die durch Fest- und Feyertage einigermaßen verspäteten Revisionsbogen 3 und 4; der fünfte wird Sonnabends erfolgen, auch liegt eine Fortsetzung des Manuscripts bey. Haben Sie die Güte, Ihre Sorgfalt diesem Geschäft fernerhin wie bisher zu gönnen.

Möge die neue Tages- und Wochenreihe Ihnen und den theuern Ihrigen das Wünschenswertheste bringen, mir aber dieser Folge wieder erlaubt seyn, in Jena persönlich meinen treuen Antheil und aufrichtige Ergebenheit in heitren Stunden auszusprechen.

Mich wiederholt zu geneigten Andenken empfehlend.

Weimar den 3. Januar 1827.[3]


42/5.


An Johann Heinrich Meyer

Mögen Sie, mein Werthester, sich einrichten, daß heute Abend gegen 6 die Kutsche Sie abholen kann.

Hierbey sende die zwey Fauste nochmals, mit Bitte, das Minimum was zu ihren Lobe gesagt werden kann mit wenigen Worten auszudrücken; ich wünsche es nur Nachsatz zu einer Anzeige dieser neuen Ausgabe.

Das Beste wünschend.

Weimar den 3. Januar 1827.

G.


42/6.


An Julius J. Elkan

[Concept.]

[6. Januar 1827.]

Herr Banquier Elkan wird hierdurch höflichst ersucht, an Johann Wilhelm Schneider, Pastetenbäcker in Frankfurt a. M., die Summe von 33 fl. Rheinisch auszahlen zu lassen und deren Wiedererstattung ungesäumt gewärtig zu seyn.

Weimar den 4. Januar 1827.


42/7.


An Rudolf Weigel

Ew. Wohlgeboren

danke verbindlichst für den mir übersendeten Catalog mit verzeichneten Preisen, und bekenne mich gern deshalb zu irgend einer Erwiderung als Schuldner.

[4] Nehmen Sie beykommende Medaille hiervon als Zeugniß und fahren Sie fort meiner mit Antheil zu gedenken.

Noch eine Frage füge bey. Ist etwa ein Catalog vorhanden von Kupferstichen nach van der Helst? oder könnte man irgend nachkommen, was für namhafte Personen, von ihm gemalt, durch den Grabstichel seyen bekannt geworden? Einige Nachricht hierüber würde mir sehr angenehm seyn. Beylage bitte gefälligst zu besorgen.

ergebenst

Weimar den 8. Januar 1827.

J. W. v. Goethe.


42/8.


An Carl Friedrich Zelter

Gleich nach dem neuen Jahr, mein Theuerster, werde ich zu der Frage veranlaßt: ob du etwa Zeit hättest eine kleine Reise vorzunehmen, wo es auch in die Welt hin wäre? Zu diesem wunderlichen Ansinnen ward ich gestern Abend aufgefordert, als ich mit Riemer deine allerliebste Relation von Baden, Wien, Prag u.s.w. durchlas und wir uns daran höchlich ergötzten. Es geht daraus hervor, daß du niemals liebenswürdiger und mittheilender bist als unterwegs; jetzt aber da du den Musen einen Palast und dir einen würdigen Aufenthalt gründest, so schweigst du und scheinst von der auswärtigen Freundeswelt nicht viel zu wissen.

[5] Ich kann dagegen vertrauen, daß es mir diese Tage her sehr wohl gegangen ist, indem Herr v. Humboldt länger als ich hoffen dürfen bey uns verweilte und Gelegenheit gab, eine vieljährige Lücke vertraulicher Unterhaltung auf das allerschönste auszufüllen. Mancherlei anderes Gute will ich nicht articuliren.

Nächstens sende an Doris eine Anzahl Medaillen mit Adressen versehen, nach welchen sie auszutheilen bitte.

Ein Stück Kunst und Alterthum ist im Druck, bey dessen Ausfüllung und Besorgung ich gern im Sinne habe, daß es dir auch Nachdenken erwecken und Freude machen werde.

Herr Geh. Finanz-Rath Beuth hat mir eine kostbare Sendung alter und neuer Kunstwerke zugesandt, an denen ich mich immerfort erbaue. Hast du irgend eine Gelegenheit ihm darüber das Freundlichste zu sagen, so versäume sie nicht. Ich habe ihm zwar schönstens gedankt, wenn ich aber mit Worten aussprechen wollte wieviel mir dergleichen Mittheilungen werth sind, so würde ich zu übertreiben scheinen; denn wenn sich der Berg nicht entschlösse zum Propheten zu kommen, so würde mir in meiner Zelle nur wenig Kunstgenuß zu Gute gehen. Das große Kupfer nach Gérard: Eintritt Heinrichs IV. in Paris, ist auch diese Tage zu mir gekommen und muß vorzüglich beachtet werden, als was der Gipfel dessen was Malerey und Stichkunst in unsern Tagen vereinigt unternehmen und leisten.

[6] Übrigens begreife ich wohl, daß du in dem jetzigen Augenblicke höchst beschäftigt bist; dich aber durch Gegenwärtiges aufregen, Blick und Wort auch zu mir herüber zu wenden. Besonders will ich dich bitten, daß du in der Verwirrung des Aus- und Umzugs die musicalische Tabelle nicht lassest verloren gehen. Ich bin auf einige sehr hübsche Gedanken geführt wor den, wodurch sich für mich Angelegenheit gar lieblich abrundet; ob sie andern auch gemäß sind, wird die endliche Mittheilung ausweisen.

Im Ganzen, soviel mir möglich ist, ziehe ich Latus für Latus summarisch zusammen, aufgefordert durch die übernommene schwere Pflicht meiner neuen Ausgabe; doch hat sich im vergangenen Jahre schon vieles besser gemacht, als denken konnte. Die äußere Ungunst der Ereignisse habe ich durch innere Beharrlichkeit überwunden, und wenn das Laufende mich nur einigermaßen schalten und walten läßt, so führe ich alles dahin wo ich wünsche. Professor Riemer, Göttling, Eckermann greifen thätig und geistreich ein. Noch ein Dutzend Monate hin, so wird mein Testament nicht weitläufiger zu seyn brauchen als das des Evangelisten Johannes. Womit ich denn auf das schönste und beste zu leben wünsche.

Und so fürder

W. d. 9. Jan. 1827.

G.


Beykommender Nekrolog wird dich gewiß erbauen. Du weißt selbst was es heißt, eine Anstalt[7] gründen und sie viele Jahre in zunehmendem Leben aufrecht erhalten; auch ist wohl in deiner Umgebung mancher Ehrenmann dem Blättchen Freude macht.

Die Medaillen an Doris gehen mit der heutigen fahrenden Post ab; grüße sie schönstens und sage ihr, daß sie mir doch auch ein Wort schreiben möchte.


42/9.


An Wilhelm Christoph Leonhard Gerhard

Ew. Wohlgeboren

halten sich mit Recht überzeugt daß ich an den glücklichen Äußerungen Ihrer schönen und frohen Talente immerfort vergnüglichen Antheil nehme, wie ich denn gern die Gelegenheit ergreife, Sie davon zu versichern, und für die beiden Bände, so wie für die letzte serbische Sendung meinen schönsten Dank abzustatten.

Für die kleinen Lieber bin verpflichtet und gedenke, mit Ihrer Erlaubniß, die vier von Ihnen, in singbare Reime gebracht, in Kunst und Alterthum VI, 1, woran gedruckt wird, einzuführen. Auch würde des serbischen Gastes und seiner Serbianca gern erwähnen, Die in Ew. Wohlgeboren Schreiben enthaltene Skizze seines Lebens möchte für diesen Zweck hinreichend zu achten seyn, wenn Sie solche nicht noch einigermaßen auszuführen gedenken. Sodann währe ein kurzer Inhalt der Serbianca wünschenswerth, besonders auch in Sinne, daß man den Gebrauch[8] erkennte, den der Dichter von der griechischen Mythologie gemacht. Hiebey kommt alles auf die Art an wie er verfahren, denn er das Recht und das Glück, daß diese hohe alterthümliche Gestalten ihm als nachbarlich an der Seite stehen und daher, als Nationalgottheiten ununterbrochen wirksam, gar leicht herbeyzurufen sind.

Grüßen Sie den wackern Mann zum schönsten und lassen mich bald das Nöthige hören, damit ich meinen Aufsatz über Poesie abschließen und in den Druck geben kann.

In vorzüglicher Hochachtung

ergebenst

Weimar den 9. Januar 1827.

J. W. v. Goethe.


42/10.


An Peter Christian Wilhelm Beuth

[Concept.]

Ew. Hochgeboren

vermelde schuldigst die glückliche Ankunft der mir gegönnten trefflichen Kunstschätze.

Wenn die alterthümlichen mich über die großen Verdienste jener vorübergegangen Zeiten zu den würdigsten Betrachtungen auffordern, so sehe ich in den hinzugefügten neueren Werken die herrlichsten Fürchte der unermüdeten Sorgfalt, Einsicht und Leitung, welche von Ihnen ausgehend den Künstlern seit[9] so vielen Jahren zu statten kommen, die das Glück haben sich in Ihrer Nähe zu bilden. Nehmen Sie für diese wahrhaft seltenen Genüsse meinen verpflichteten Dank und erlauben mir einige bey diesem Anlaß angestellte Betrachtung in der Folge mitzutheilen. Gedanken Sie mein, wenn den Ihrigen auf diesem Wege etwas Schönes gelingt, und erlauben mir gelegentlich irgend einen bescheidenen Wunsch mit Zutrauen vorzutragen.

Darf ich schließlich hoffen, meinen besten Dank gleichfalls an Herrn Director Frick gefällig abgestattet zu wissen, so kann ich mich in angenehmer Aussicht auf ein ferneres schätzbares Verhältniß mit wahrer Hochachtung unterzeichnen.

Weimar den 11. Januar 1827.


42/11.


An Nikolaus Meyer

Ew. Wohlgeboren

hätten mir angenehmeres Geschenk bereiten können als das wohlgerathene Gemälde, das mich nunmehr täglich in Ihre Nähe versetzt, ohne daß ich es über's Herz bringen könnte, durch irgend einen freventlichen Gebrauch solches zu beschädigen. Nehmen Sie dafür meinen besten Dank, so wie den Jahrgang des Sonntagsblattes, aus welchem deutlich hervorgeht, wie Sie sich an die Kultur Ihrer Stadt und Umgegend[10] treulich anzuschließen und fördern wissen.

Hierauf aber will ich alsobald mein Vergnügen aussprechen über die Absicht, Ihre Söhne nach Berlin zu schicken, welches besonders auch dem Jüngern höchst vortheilhaft seyn wird. Sobald Sie sich hierüber näher bestimmen, soll ein Schreiben an Herrn Rauch abgehen, nicht weniger was musicalische Bildung betrifft an Herrn Zelter. Noch mehrere Empfehlungen könnte ich geben, es ist aber nicht gut dieß zu thun, denn junge Leute kommen dadurch gar oft in widersprechende Verhältnisse. Genannte beiden Männer werden in ihren Kreisen den Jüngling schon zu leiten wissen. Grüßen Sie ihn zum schönsten, und sagen ihm, daß er mir über's Jahr gewiß schon etwas Erfreulich werde senden können. Gründlichkeit verbunden mit der größten Thätigkeit ist in Künsten wohl kaum außer Berlin so glücklich beysammen in Deutschland zu finden.

Das Gegenwärtige sende mit dem schönsten Dank und besten Grüßen auch an Ihre werthe Gattin eiligst ab, das Weitere zu nächst abzusendenden Packet mir vorbehaltend.

Wie immer treu gesinnt und mich früherer neu auflebender Bezüge herzlich erfreuend.

ergebenst

Weimar den 11. Januar 1827.

J. W. v. Goethe.[11]


42/12.


An Johann Heinrich Meyer

Morgen, Montag um zwölf Uhr werde also Ihro Kayserl. Hoheit erfreulicher Gegenwart mit Vergnügen gewärtig seyn.

d. 14. Jan. 1827.

G.


42/13.


An Friedrich Ludwig Schmidt

[Concept.]

[16. Januar 1827.]

Ew. Wohlgeboren

überzeugen sich, daß nur meine hohen Jahre und die vielfachen, Geschäfte, zu denen ich zwischen hier und Ostern verpflichtet bin, mich abhalten können Ihren Wünschen zu genügen. Gern möchte ich den hochgebildeten Bewohnern einer so werthen und bedeutenden Stadt von der Bühne herunter manches Angenehme und Nützliche zusprechen, und was ich über die Leistung der Vergangenheit, die Bemühungen der Gegenwart, die Aussichten auf sie Zukunft im Sinne habe unbewunden offenbaren; es schmerzt mich eine so schöne Gelegenheit versäumen zu müssen.

Freylich würde bey einer solchen Arbeit für mich immer die große Schwierigkeit bleiben daß ich Hamburg niemals gesehen und von dem eigentlichen Sinn und Bestreben, besonders der Klassen die allenfalls das Theater besuchen, keineswegs unterrichtet bin; in[12] solchen Fällen ist das Besondere das eigentlich Wirksame. Nehmen Sie meinen besten Dank für das mir geschenkte Vertrauen, empfehlen Sie mich den würdigen Männern die sich zu diesen Geschäft verbunden haben und gedenken mein zu guter Stunde.


Nachschrift.

Indem ich ungern vorstehende ablehnende Antwort erlasse, geht mir bey, daß nach Ihren Andeutungen gar wohl ein erschöpfendes Vorspiel auszudenken sey. Indem ich nun nochmals die Unmöglichkeit, solches auszuführen für entschieden halten muß, so gedenke ich doch in kurzer Zeit einen Plan zu schicken, nach dessen Anleitung mit eignem Talent, Kenntniß und Geschmack gar wohl...


42/14.


An Walter Scott

[Concept.]

[16. Januar 1827.]

Der mir durch seine Thätigkeit vortheilhaft bekannte Kunstverleger Herr Henderson überschickt mir ein, wie man hoffen darf, wohlgerathenes Bild des zu früh abgeschiedenen Lord Byron und erregt auf's neue den Schmerz, den ich bey einem Verlust fühlen mußte der die Welt im Allgemeinen und mich im Besondern traf, da ich der Neigung eines so allgemein geschätzten Mannes, nach dessen verschiedenen Äußerungen, wohl schmeicheln durfte.

[13] Indeß gereicht den Überlebenden zum besten Troste, wenn sie umhersehen und sich überzeugen, daß, wie der Abgeschiedene nicht allein stand, sondern in Liebe, Freundschaft, Zutrauen gar manchen Guten an sich zog, auch sie nicht allein stehen, sondern einer geistigen Vereinigung mit vielen wackern Männern, die sich mit jenem verbunden fühlten, als der wichtigsten Erbschaft sich erfreuen dürfen.

Indem nun Herr Henderson mir anzeigt, daß er nach Edinburg zurückzukehren denke, so freue ich mich bey dieser Gelegenheit einen schon längst gehegten Vorsatz auszuführen und Ihnen, mein verehrter Herr, den Antheil auszusprechen, den ich an Ihren bewundernswürdigen Darstellungen seit vielen Jahren zu nehmen nicht verfehlen konnte. Auch mangelt es mir nicht am Anlaß von außen, Ihrer zu gedenken, indem in unseren Gegenden nicht etwa nur Übersetzungen Ihrer so reich ausgestatteten Werke, sondern auch die Originale selbst gekannt und wahren Geist und Verdienst nach geschätzt sind.

Bedenke ich nun, so vorzüglicher Mann in früherer Zeit auch von mir und meinen Arbeiten gründliche Kenntniß genommen und, wenn ich nicht irre, sogar seine Nation zum Antheil daran herbeygerufen; so darf ich in hohen Jahren meinen Dank dafür nicht länger verspäten, sondern den Ausdruck desselben bey neuerer Veranlassung um desto lieber beeilen als ich zugleich den Wunsch um Fortsetzung[14] eines freundlichen Wohlwollens und ausprechen und fernere geneigte Theilnahme mir unmittelbar kann.

Weimar den 12. Januar 1827.[15]


42/14a.


An Friedrich Theodor von Müller

[16. Januar 1827.]

Herr Canzler von Müller ist auf Morgen, Mittwoch den 17. Januar zu einem frugalen Mittagsmahl freundlichst eingeladen.

Goethe.[56]


42/15.


An Johann Christian Jüngken

[Concept.]

[17. Januar. 1827.]

Ew. Wohlgeboren

gefällige Sendung erkenne mit dem verbindlichsten Dank, welchen gleichfalls an Herrn Professor Rauch abzustatten bitte. Mit wahrhaften Antheil werde auch in der Folge vernehmen, daß die bedeutenden, in Berlin thätigen Künstlern gegönnten Unterstützungen durch verdienstvolle Kunstwerke immer glücklich erwidert worden.

Der ich mit vorzüglichster Hochachtung unterschreibe.

Weimar den 15. Januar 1827.


42/16.


An Carl Ernst Schubarth

[Concept.]

[17. Januar 1827.]

Wenn ich Ew. Wohlgeboren vertraulichen Brief vom 3. December vorigen Jahres bisher nicht beantwortet, so schreiben Sie solches einer gewissen Verlegenheit wegen Ihres Ansuchens zu; denn indem ich[15] nie aufgehört habe, Antheil an Ihrem Schicksal zu nehmen, so wird es doch nicht leicht seyn Ihren Wünschen gemäß gegenwärtig zu wirken. Damit ich aber nicht als gänzlich ablehnend und jedes Einwirken versagend erscheine, so ersuche Sie ein ostensibles ausführliches Promemoria zu schicken, worin Ihre Lage, Absichten und Wünsche articulirt seyen; nicht weniger die Art und Weise, wie Sie nach Ihrer Stellung glauben, daß sie erfüllt werden könnten.

Zwar enthält Ihr Brief dieß alles, aber es auszuziehen und in eine communicable Form zu bringen ist mir gegenwärtig unmöglich. Verzeihen Sie, wenn ich auf diese Weise interloquire und nur noch den Wunsch hinzusetze, daß die Schritte, die ich nach erhaltenem vorgemeldeten Aufsatz zu thun denke, von einiger Fruchtbarkeit seyn und Ihrem ferneren Andenken empfehlen mögen.


42/17.


An Joseph Natterer

[Concept.]

[17. Januar 1827.]

Ew. Wohlgeboren

säume nicht zu vermelden, daß die hierher bestimmte Sendung Bücher, enthaltend den Anfang einer brasilianischen Flora, sowohl in illuminirten als schwarzen Kupfern seiner Zeit glücklich angekommen ist. Mit vielem Bedauern vernahmen wir, daß Herr[16] Director v. Schreibers auf's neue von bedeutenden Übeln angefallen worden; möchten wir bald bessere Nachrichten deshalb vernehmen. Richten Sie an den werthen Mann von Ihro Königlichen Hoheit, meinem gnädigsten Herr, die besten Grüße und von mir die verbindlichsten Empfehlungen und seyen Sie für die übernommenen und vielleicht zu übernehmenden Bemühungen des besten Dankes durchaus überzeugt.

Weimar den 15. Januar 1827.


Nachschrift.

Ew. Wohlgeboren erlauben mir eine naturgeschichtliche Anfrage: Es geht hier nämlich das Gerücht, als sey in der K. K Menagerie ein Geschöpft, zwischen Hund und Katze fallend, gegenwärtig zu sehen. Naturforscher haben mich um Erkundigung nach diesem Curiosum ersucht, und ich ergreife die Gelegenheit Ew. Wohlgeboren hierüber um einige Notiz zu bitten, welche entweder diese Sage bestätigte oder entkräftete.

In vorzüglicher Hochachtung.


42/18.


An Friedrich Johannes Frommann

[Concept.]

Ew. Wohlgeboren

erhalten hiebey:

1) Den revidirten Bogen Nr. 6.

2) Einiges Manuscript, welches zu dem siebenten Bogen wohl hinreichend seyn möchte.

[17] 3) Wollte Folgendes bemerken: da ich wünsche, daß die erste Anzeige meiner Werke dem gegenwärtigen Heft Kunst und Alterthum zugefügt werde, so könnte, da die Bogen doch gefalzt werden müssen, die nöthige Anzahl sogleich überschicken, da hinreichender Vorrath in meinen Händen ist. Die zweyte Anzeige würde auf den Rücken des Umschlags bringen.

Hierüber gefällige Nachricht erbittend empfehle mich allseits zum allerbesten und schönsten.

Weimar den 17. Januar 1827.


42/19.


An Adam Heinrich Müller

Ew. Hochwohlgeboren

nehmen Sich auch beykommend gemeldeter Angelegenheit gefällig an und leiten die ferneren Schritte als executor testamenti inter vivos.

Mehr füge nicht hinzu als meinen schönsten Dank für das Bisherige, so wie für das in Werk Seyende zunächst und später Folgende.

verpflichtet

Weimar den 18. Januar 1827.

Goethe.


42/20.


An Johann Heinrich Meyer

Geben Sie mir doch, theuerster Freund, nähere Kenntniß über die Venus von Melos: wann sie entdeckt[18] worden, wo sie sich gegenwärtig befindet, welchen Werth man ihr zuschreibt? Vielleicht wissen Sie schon einen Aufsatz darüber; so haben Sie die Güte mir ihn anzudeuten.

Mit den besten Wünschen.

Weimar den 18. Januar 1827.

G.


42/21.


An Sulpiz Boisserée

Hier nun zum letztenmal, mein Bester, eine Abtheilung von Helena; Sie gelangen dadurch unmittelbar bis zu der Axe, auf der das ganze Stück dreht. Das vollständige Manuscript wird vor Ende des Monats abgesendet. Es ist auch hier das alte Autorwesen: man getraut sich nicht Amen zu sagen, bis der Setzer uns an die Fersen tritt.

Das Jahr hat, zwar irdisch genug, mit Freud und Leid angefangen, doch überwiegt jenes; und so müssen wir's dankbar anerkennen. Gebe das waltende Geschick, daß in der Schluß-Bilance die Affirmation das Übergewicht behalte.

Der Eintritt Heinrich in das überwältigte Paris kam denn auch durch Ihre Sorgfalt wohlbehalten an; allerdings bewundernswürdig und zu vielen Betrachtungen über alte und neue Kunst Anlaß gebend. Auf's Lebendige, Wirkliche gegründet, ruht das Werk auf einer sichern Base.

[19] Fortfahrend in meiner testamentarischen Vorsorge habe den 30. December die Notiz wegen der Schillerschen Correspondenz abgesendet, die nun auch wohl angekommen und zu freundlicher Abschließung des Geschäfts Anlaß geben wird. Die Originale sind. nun bey Großherzoglicher Regierung niedergelegt.

Und so habe ich denn, das endliche Ende vorzubereiten, auf unserm neuen lieu de repos, neben der Fürstlichen Gruft, ein anständiges Gehäus projectirt, wo sie dereinst meine Exuvien und die Schillerschen wiedergewonnenen Reste zusammen unterbringen mögen. Die Freunde v. Müller, Coudray und ein wohldenkender Bürgermeister haben die Ausführung unternommen, und ich glaube auf diese Weise jene räthselhaften Schwankungen zu allgemeiner sittlichreligioser Zufriedenheit und beschwichtigt zu haben. Dieses und sonst noch manches ist in der Anwesenheit des wackern Ernst Schiller verhandelt und abgeschlossen worden. Das Local hat vor, neben und besonders hinter sich aufwärts schöne freye Räume, so daß Weimar sich bald eines Père la Chaise-Parks, bey beharrlichen guten Willen und wohlgeleitetem Geschmack, möchte zu erfreuen haben.

Daß ist nun aber zu jenem kunstreich-tumultuarischen Blatte unsers theuren Pariser Künstlers zurückgehe, so vermelde, daß ein an denselben gerichteter Brief auch schon übersetzt vor mir liegt, er will mir aber in Gestalt nicht gefallen, denn[20] die deutschen treuen und gründlichen Äußerungen nehmen sich im Französischen einmal allzu naiv und dann wieder amphigurisch aus. Er sollte mit dem Gegenwärtigen an Sie abgehen, folgt aber bald. Durch Ihre Hand wird er dem werthen Manne gewiß noch willkommner seyn.

Herrn v. Cotta bitte mich bestens und schönstens zu empfehlen, für den mitgetheilten Rechnungsauszug zu danken. Wie ich mir denn vorbehalte, nach Einlangen der zugesagten Faustischen Exemplare noch einiges Weitere vernehmen zu lassen.

An die lieben Ihrigen die besten Grüße. Denken Sie mein im Guten, theilen Sie mir Aufregendes und Erbauliches mit. Wirket so lange es Tag ist!

and so for ever

Weimar den 19. Januar 1827.

G.


42/22.


An Johann Heinrich Meyer

Mögen Sie, mein Theuerster, mit uns speisen, so läßt sich besprechen. Die nöthigen Abbildungen sind bey der Hand, um über die Berliner Statuen einiges Urtheil zu fassen.

Mit den besten Wünschen

Weimar den 23. Januar 1827.

G.[21]


42/23.


An Ernst von Schiller

Nun kann ich endlich, theuerster junger Freund, vermelden wie das zwischen uns Verabredete nunmehr seine Erledigung gefunden hat. Vorerst sind die sämmtlichen, in Händen schon befindlichen Papiere, die Herausgabe meiner Correspondenz mit Ihrem seligen Herrn Vater betreffend, am 1. Januar nach Stuttgart abgegangen, da denn von dorther weitere Erklärung zu erwarten steht.

Sodann wird aus beyliegenden Abschriften ersichtlich: daß das Kästchen mit den Originalbriefen bey Großherzoglicher Regierung wohlgepackt und gesiegelt niedergelegt worden. Die Abschrift der geordneten Briefe, wie Sie solche gesehen, liegt vollständig redigirt und corrigirt bey mir verwahrt, und kann an den Verleger, wenn er die Gebühr leistet, ungesäumt verabfolgt werden.

Und so wäre denn dieses in gar manchem Sinne bedeutende Geschäft auf jede Weise sicher gestellt, die Masse Manuscript, wie sie daliegt, macht einen tüchtigen Schlußstein, meine und Schillers Werke zusammenzuhalten und zu stützen. Der Begriff was wir beide gewollt, wie wir uns an einander gebildet, wie wir einander gefördert, wie weit wir mit unsern Leistungen gediehen und warum nicht weiter? wird alles klarer und denn die auch bestrebsam sind zur guten Leuchte dienen.

[22] Grüßen Sie mir die sämmtlichen lieben Ihrigen und besonders Ihren guten Bruder der mich zu Gevatter gebeten und mir dadurch viel Vergnügen gemacht hat; denn ich finde höchst erfreulich zu erleben daß die Freundschaft der Väter sich durch Kinder und Kindeskinder durchschlinge, ununterbrochen fortlebend und fortwirkend.

Indessen ist das Ihnen auch schon bekannte Geschäft, den beiden Freunden eine gemeinsame Ruhestätte zu bereiten, ebenmäßig vorwärts gegangen. Die nächsten Lebens- und Kunstgenossen wirken dazu in gutem Sinne, auch unser gnädigster Herr, nach seiner höheren Denkweise, hat ihm geneigte Aufmerksamkeit geschenkt.

Und so schließe ich also wirklich mit dem Abschluß! Möge alles den Mit- und Nachlebenden zum Besten und zur Erbauung gereichen.

treu angehörig

Weimar d. 26. Jan. 1827.

Goethe.


42/24.


An den Großherzog Carl August

Ew. Königlichen Hoheit

danke zuvörderst verpflichtet für die mir gegönnten, Geist enthaltenden Flaschen; ich bin überzeugt, daß der Genuß desselben gewisse Systeme anregen und bewirken wird, daß ihre Thätigkeit den übrigen zu[23] Gute komme, sogleich der Versuch mit vollem Vertrauen angestellt werden soll.

Sodann werde zu folgender Frage veranlaßt: Erlauben Höchst Dieselben, daß das gegenwärtig in meinen Händen befindliche und vom Mechanicus Bohne revidirte Amicische Mikroskop dem geheimen Rath Sömmerring in Frankfurt zugesendet werde? Derselbe hat solches schon längst gewünscht und Hofrath Voigt, der gegenwärtig, wie er mir meldet, ein neues aus London empfangenes Instrument, Eye-tube genannt, von dorther für Höchst Dieselben verlangen soll, wünscht gedachtes Amicisches Mikroskop dahin zu senden. Genehmigen es Höchst Dieselben, so werde ich solches vom Mechanicus Bohne einpacken und bei der Rückkunft wieder auspacken lassen, wodurch man wegen der Erhaltung einigermaßen vergewissert wird.

Sodann lege einige neu angelangte serbische Gedichte bey, wovon das größere sich wohl neben die frühern Heldenlieber stellen darf, die kleinern aber auf eine geistreiche heitere Stimmung der Nation und etwas Ironisch-Übersichtliches auch in ganz gemeinen Lebensereignissen bemerken lassen.

Verehrend

unterthänigst

Weimar den 25. Januar 1827.

J. W. v. Goethe.[24]


42/25.


An Johann Friedrich Cotta

Ew. Hochwohlgeboren

wünsche in dem Augenblicke da Sie Gegenwärtiges erbrechen eine frohe ruhige Stunde, denn so möcht ich mich gern wieder einmal mit Ihnen unterhalten. Immer muß ich Sie in den wichtigsten Geschäften zu Hause und auf der Reise denken und scheue mich zu melden was nicht dringend nothwendig ist. Die Vermittelung unseres Boisserée beruhigt mich dabey, ich sende ihm gar manches, daß er zu gelegener Zeit mittheile.

Zuvörderst danke schönstens für den Rechnungsauszug. Das Geschäft ist nun einmal in gehörigem Gange und man kann den Erfolg mit Beruhigung abwarten: die große Genauigkeit Ihrer sämmtlichen Einrichtungen bürgt ja auf's vollständigste für alles.

Die zugesagten Exemplare Faust erwarte mit Vergnügen; auf den Pariser Abdruck bin ich neugierig. Auch bereiten sie dort eine neue Ausgabe der französischen Übersetzung Stapfers, begleitet von lithographirten Blättern von de la Croix. Zwey Probedrücke liegen vor, die wild und geistreich genug sind.

An Freund Boisserée habe ich diese Tage gesendet was zwischen Ernst v. Schiller und mir bey seinem letzten Hierseyen verhandelt worden. Unsere Vorschläge sind der früheren Verabredung gemäß und ich darf[25] wohl sagen daß Masse Manuscript wie sie daliegt einen tüchtigen Schlußstein macht, meine und Schillers Werke zusammen zu halten und zu stützen. Der Begriff, was wir beide gewollt, was wir uns an einander gebildet, wie wir einander gefördert, was uns gehindert, wie weit wir mit unseren Leistungen gediehen, und warum nicht weiter? wird alles klarer und muß denen die bestrebsam sind zur guten Leuchte dienen.

Alle Freunde, die ich in diese Bände hineinsehen lassen, wünschen baldigsten Abdruck und ich mit ihnen, besonders um der älteren Mitlebenden willen, denen dergleichen höchst willkommen ist.

Auch über das neue Stück von Kunst und Alterthum lassen Sie mich sprechen; ich suchte abermals und zwar von der theoretischen Seite den Blick auf gedachte Correspondenz hinzuleiten und sodann die Aufmerksamkeit der Franzosen auf uns in ihrer innern Bedeutung den immerfort an frühern Eindrucken haftenden Deutschen einigermaßen aufzuklären, so würde fortfahren. Für meine literarische Thätigkeit ist dieses Heft von großen Werth und da ich mich nun für meine künstigen Lebenstage nur in Verbindung mit Ihnen wirksam denken kann, so scheint mir kein Zweifel, daß wenn Sie bey Ihrem unbegränzten Einflusse auch dieses Unternehmen zunächst kräftig begünstigen, gewiß in der deutschen Literatur unsere Bemühungen immer mehr von Bedeutung seyn werden. Wie ich darüber denke läßt sich nicht in wenig Worte[26] fassen und wünsche lieber solches wirksam an den Tag zu legen. Auf die ausländische Literatur muß man besonders jetzt hinweisen, da jene sich um uns zu bekümmern anfangen.

Das Manuscript der Helena geht in diesen Tagen vollständig ab; ich hoffe Sie werden demselben ansehen daß ein vieljährig intentionirtes Werk auch bey'm Abschluß mit möglicher Sorgfalt behandelt worden.

Die letzte Abteilung der zahmen Xenien folgt alsdann; ich habe das neuste Interesse darin zu berühren gesucht, auch mit Gefahr hie und da anzustoßen.

Und so sehen wir denn der ersten Sendung zu Ostern entgegen; die zweyte liegt parat und kann sobald sie verlangt wird abgehen; wobey ich bemerke daß ich den zweyten Termin des Honorars in der zweyten Hälfte März zu erhalten wünschte, indem die Rechnungen unserer Staats-Cassen mit dem 1. April angehen und ich den dort eingegangenen Verbindlichkeiten genügen möchte.

Indem ich nun zum Schluß meinen früheren Wunsch um Zusendung der Aushängebogen und des Originals, nach gemachtem Gebrauche, wiederhole, füge meine treusten Wünsche hinzu und bitte mein bey der Frau Gemahlin zu guter Stunde mich bestens empfehlend zu gedenken. Mich hochachtungsvoll unterzeichnend

Ew. Hochwohlgeb.

gehorsamsten Diener

Weimar den 26. Januar 1827.

J. W. v. Goethe.[27]


42/26.


An Adolf Friedrich Carl Streckfuß

[Concept.]

[27. Januar 1827.]

Ew. Wohlgeboren

Sendung ist mir sehr angenehm gewesen. Ich bin überzeugt daß eine Weltliteratur sich bilde, daß alle Nationen dazu geneigt sind und deshalb freundliche Schritte thun. Der Deutsche kann soll und hier am meisten wirken, er wird eine schöne Rolle bey diesem großen Zusammentreten zu spielen haben.

Der englischen Springflut brauchen wir nicht nachzuhelfen, was aus dieser Überschwemmung wird müssen wir abwarten. Die Franzosen und Italiäner hingegen sind leise wo möglich heranzuführen, deren Werke, selbst verdienstlich, dem deutschen Gaumen und Sinn nicht gerade zusagen.

Nehmen Sie also den besten Dank für die Bearbeitung des Adelchi's; ich weiß recht gut daß man besonders diesen Dichter lieben muß wenn wir uns mit seinen Werken völlig vereinen sollen. Leider ist es mir unmöglich, in der jetzigen Zeit mich auf diesen Punct zu concentriren und demjenigen was ich in Kunst Alterthum gesagt die gehörige Fülle und Abrundung zu verleihen. Daher nur einiges in Bezug auf Ihre Arbeit.

In den Chören thun Sie sehr wohl sich nicht ängstlich an das Originalsylbenmaß zu halten; alles[28] kommt an auf Hauptsinn, Wortstellung und Ton, diese dürfen wir nicht aus Augen und Ohr verlieren.

Ganz richtig wird bemerkt daß der Vortrag ganz wie ein Recitativ klingt, besonders ist zu beachten daß die Hauptworte immer zu Anfang der Zeile stehen, wodurch ein unaufhaltsames Enjambiren bewirkt wird, jener Declamationsart günstig. Sie haben es oft beybehalten, aber wohlgethan auch hierauf nicht zu bestehen; unser deutsches Ohr und Wesen ist nicht dazu gemacht. Ich will die Art nicht anpreisen, aber hätt ich noch für's Theater zu arbeiten, so würde ich bedeutende Stellen auf diese Weise behandeln. Zur Übung hatte ich den Monolog von Swarto sorgfältig übersetzt und da sich besonders diese Stelle zum Recitativ eignet, solche Zeltern mit Bitte sie mit Tönen zu begleiten gebeten; da er Ihnen wohl will und Sie gerne gefördert sieht, so regen Sie ihn an und lassen sich's vortragen.

Ich bin überzeugt daß die Declamation eines vorzüglich geübten Schauspielers, der diesen Monolog ohne Rücksicht auf Musik declamirte, mit einer ächten Composition zusammentreffen und alsdenn ohne Musik vom Theater herab auf ein unbewußtes Publicum die größte Wirkung thun müßte.

Sie sehen hier eine von denen Grillen die ich auszuführen versuchen würde, wenn ich noch mit dem Theater in Verbindung stünde; dergleichen haben mir[29] die Führung des Geschäftes zwanzig Jahre erträglich, ja liebenswerth gemacht.

Nun aber zu der Frage wegen dunkler Stelle am Schluß des Trauerspiels. Ich lege sie mir folgendermaßen aus.


Adelchi.

O! König der König! (Jesus Christus)

Verrathen von einem Treuen (Jünger Judas Ischarioth)

Von andern verlassen (Petrus pp.)

Zu deinem Frieden (der Seligkeit)


Das Wort fedel steht hier wie in dem übrigen Stücke für: Lehnsmann, durch Pflicht und nicht gerade durch Gesinnung verbunden. Dagegen prodi fedeli die eigentlich wackren, wahren, dem Fürsten treu angeeigneten Männer bezeichnet; deswegen auch Carl über sich selbst verdrießlich wird, daß er die longobardischen zu ihm abtrünnigen Fürsten also begrüßt habe.

Nun aber noch ein längst gefühltes Bedenken bey einer Stelle des Originals: ich beharre streng auf der Forderung, die ja auch allgemein anerkannt wird, daß bey jeder Erzählung, besonders der beschreibenden, die strengste Folge der abzubildenden Gegenstände in Verknüpfung, Steigerung, in jeder Art von Vorschritt immer so klar und scharf gezeichnet seyen müsse, daß der Hörer und Leser notwendig so und nicht anders denken könne. Nun ist die Beschreibung des seltsamen Alpenweges die der Geistliche vorträgt von vornenherein gut und gehörig, wenn er an die höchsten[30] Alpen gelangt, wo die unübersteigbaren Schnee- und Eismassen sich erheben und bald darauf von einem Berge spricht, der über die andern seine Stirn erhob, so wird die Einbildungskraft wie durch eine fata morgana verrückt, indem der bewachsene Berg sich über die Gletscher in die Luft bewegt. Der Fehler liegt in der einzigen Zeile:


Der ob den andern seine Stirn erhob.


Das kann wohl heißen: über andern die neben ihm standen, aber dem Vortrage nach bezieht man es auf die eisigen Gipfel. Überhaupt hat uns der geistliche Herr so mühselig und lange steigen lassen, daß er sich wohl auch einige Zeit wieder hätte nehmen können, mit uns wieder herabzukommen, und ich würde ganz unbedenklich die Stelle mit wenigem abändern:


Unübersteigbar hebend. Mühsam half ich

An ihrem Fuß mich hin, und nährte Hoffnung,

In's Land herabzukommen. Fast schon sank

Die dritte Sonne, da erblickt' ich froh

Den grünen, breiten Rücken des Gebirges

Im Abend vor mir. Alsobald nun wandt' ich


Eine solche Willkür soll sich vielleicht der Übersetzer nicht nehmen; aber wer seinen Autor durchdringt, wird doch auch nach was dieser leistete bey sich aufrufen können, was jener hätte leisten wollen und sollen. Ich habe wenigstens bey'm Übersetzen immer so verfahren, will aber nicht behaupten daß es zulässig sey.

[31] Nehmen Sie dieß alles freundlich auf. Jede Mittheilung und Anfrage soll mir stets willkommen seyn; bey solchen Anregungen findet sich wohl eine Sunde zu geselliger Unterhaltung in die Ferne über einen Gegenstand, den wir aus einem Antrieb nicht hervorgerufen hätten. Wie man sich überhaupt immer sagen muß, daß solche ästhetische Beratungen in die Ferne nur als discursiv und läßlich anzusehen, und weder von der einen noch andern Seite als abschließlich und abgeschlossen zu nehmen sind. Sich immer mehr zu verständigen, um da unser Weg zusammentrifft rascher und sicher vorschreiten zu können, dieß ist Absicht und Aufgabe; möge uns gelingen sie aufzulösen.

Herrn Frommann in Jena wird angenehm seyn zu hören, daß Sie Adelchi übersetzen, denn er gibt die beiden Stücke im Original heraus und will dasjenige vordrucken, was ich in Kunst und Alterthum geäußert. Die Verfasser des Zeitblattes für italiänische Sprache werden auch wohl damit zufrieden seyn. Und so möge denn eins in's andere günstig fortwirken! Wir Deutsche hätten sehr viel zu thun, wenn wir auch unterließen uns selbst zu widerstreben.

Weimar den 23. Januar 1827.[32]


42/27.


An Friedrich Siegmund Voigt

Ew. Wohlgeboren

versäume nicht zu vermelden, daß Serenissimus die Absendung des Amicischen Mikroskops an Herrn Geh. Rath v. Sömmerring gnädigst erlaubt haben; ich lasse es daher durch Mechanicus Bohne inwendig und auswendig sorgfältig packen, und wenn Ew. Wohlgeboren Ihr Schreiben an mich senden wollen, so kann das Kästchen portofrey nach Frankfurt gelangen.

Ich habe eine Bronze-Medaille beygelegt, deren Sie mit einem freundlichen Worte von mir in Ihrem Schreiben gedenken mögen.

Das Mikroskop wünschte wieder an mich zurückgesendet, da es denn der Mechanicus Bohne auspacken, revidiren und uns aller weitern Verantwortlichkeit entheben könnte.

Das Beste wünschend, mich angelegentlichst empfehlend habe die Ehre mich zu unterzeichnen

Ew. Wohlgeb.

ergebensten Diener

Weimar den 27. Januar 1827.

J. W. v. Goethe.


42/28.


An Sulpiz Boisserée

Mit wenigem vermelde, daß Helena abgegangen ist, unmittelbar an Herrn v. Cotta. Möge das Ganze Gnade finden vor Ihren Augen.

[33] Auch habe ich einen Brief an unseren Freund geschrieben, ganz in reinem Sinne ein etwas offneres Verhältniß einzuleiten. Seine Antwort wird Ton und Maaß für das Weitere ergeben.

Die angekommenen Steindrucksblätter bewähren sich fort und fort zu unsrer großen Freude. Auch das Porträt ist trefflich gearbeitet, wenn der Herr nur nicht zu spitzfindig aussähe. Ich lege das Ausführlichere über unser Maiseninstitut bey , Sie selbst und gewiß auch andere Welt- und Staatsbürger nehmen Teil an diesem geglückten Unternehmen.

Hätte man vor fünfzig Jahren zu gleicher Zeit ein paar tausend Acker mit Eichen angepflanzt, man müßte jetzt in einem löblichen Schatten spazieren gehen. Ein paar dergleichen stehn in meinem Garten am Stern.

Manches Andere zunächst. Die letzte Abtheilung der zahmen Xenien, die noch zum vierten Theil gehören, geht diese Woche ab. Sodann bereite ich die zweyte Sendung, die auch schon zum Einpacken fertig liegt. Es ist mir ein wunderbares Gefühl wie auch dieses Geschäft zuzurücken anfängt und wie man das vor Augen sieht, was man nicht zu erleben glaubte.

Ober-Baudirector Coudray zeichnet an dem bewußten Zwillingsmonumente, noch gemeinsamer Erfindung und Anordnung. Zu gleicher Zeit arbeitet er an Fest- und Freudegerüsten den verbundenen Fürstenkindern zu Ehren. Und so webt auch dießmal[34] die Kunst so helle als dunkle Lebensfäden durcheinander.

Gelinge Ihnen alles, auch mich fernerhin zu lieben. Gruß und Dank den theuern Ihrigen.

treu an angehörig

Weimar den 27. Januar 1827.

J. W. v. Goethe.


42/29.


An Carl Wilhelm Göttling

Ew. Wohlgeboren

haben die Gefälligkeit, beykommende Sendung noch einmal durchzugehen, besonders aber der letzten Abtheilung eine geneigte Aufmerksamkeit zu schenken, wo besonders auch die Interpunction möchte zu revidiren seyn.

Mit vergnüglichem Dank erkenne ich, daß Sie so wacker und glücklich in die Tagebücher eingegriffen haben und empfinden, welche eine bedeutende und folgereiche Einleitung diese Rechenschaft von einem Geschäft sey, an dessen stetiger Erhaltung, Vermehrung und Benutzung so viel gelegen ist. Wenn solche Anstalten, wie Bibliothek und Museen, nicht erkranken, so überträgt am Ende wohl eine Akademie die Wechselschicksale, wie sie ihr auch bereitet seyn mögen.

Schmeller wird Sie nächstens besuchen und wegen der Porträte das Weitere bereden. Mich wird es sehr hübsch deuchten, wenn sie sämmtlich in einer[35] Größe als Brustbilder, wie etwa das Gabler'sche, behandelt würden, um bey einer natur- und kunstgemäßen Darstellung die Nachwelt zu überzeugen, die jenaischen Herren Professoren seyen keine solche Angeheuer gewesen, wie uns ein gewisses Heft möchte glauben machen.

So eben nimmt Schmeller Urlaub, um nach Jena zu gehen; sprechen Sie die Sache mit ihm durch und lassen Sie mich in einer kurzen Registratur wissen, wie Sie solche am besten einzuleiten, zu fördern und zu endigen denken. Es sollte mir sehr angenehm seyn, wenn wir in kurzer Zeit eine solche Auf- und Ausstellung veranstalten könnten.

Ew. Wohlgeb.

ergebenster Diener

Weimar den 27. Januar 1827.

J. W. v. Goethe.


42/30.


An Johann Heinrich Meyer

Ich wünschte, mein Theuerster, Schmellern auf einige Zeit nach Jena zu schicken, um eine Reihe Professoren wegzumahlen. Wie machen wir es hier mit der Zeichenstunde? Könnten wir nicht Lieder zur zweyten Klasse setzen, und Schuchardt als Interimsgehülfen zur ersten? Er benimmt sich in der Zeichenstunde bey meiner Schwiegertochter recht gescheidt und zweckmäßig, und es wäre mir angenehm ihn auf diese[36] Weise an unsere Anstalt anzuknüpfen und in Thätigkeit zu setzen. Heute Abend sende auf alle Fälle gegen 6 Uhr den Wagen, da denn das Weitere besprochen werden kann.

Auch noch einige andere Puncte werden zu bereden seyn.

treulichst

Weimar den 27. Januar 1827.

Goethe.


42/31.


An die Großherzogin Louise

[Concept.]

Der schöne Wochentag, der mir so oft das Glück verschafft Ew. Königliche Hoheit persönlich zu verehren und manches Angenehme vortragen zu dürfen, beruft mich dießmal schriftlich aufzuwarten und bey der höchst erfreulichen Epoche meine treuen Wünsche darzubringen, welches ich dießmal mit einiger Beruhigung thun kann, als ich hoffen darf zunächst vorzüglich bedeutende sehenswerthe Gegenstände einer gnädigsten Aufmerksamkeit empfehlen zu können. Möge jeder allgemeine und einzelne Wunsch von dem über alles waltenden Wesen heilsam begünstigt werden.

Weimar den 30. Januar 1827.[37]


42/32.


An Leopoldine Grustner von Grusdorf

[Concept.]

[30. Januar 1827.]

Wollen Sie, meine Theuerste, mir eine Anzahl Ihrer Zeichnungen, größere und kleinere, wohlgepackt mit dem Postwagen zusenden, so würde eher dem Vertrauen zu entsprechen [vermögen], das Sie mir zu widmen geneigt sind und welches dankbar anerkenne.


42/33.


An Alfred Nicolovius

[Concept.]

[30. Januar 1827.]

Will der theure Neffe Beykommendes in ein vielgelesenes Blatt einrücken lassen, so verpflichtet er mich auf's neue. Die Leiden des jungen Werther erfolgen nächstens und wünschen den angehenden Gottes- und Weltgelehrten in allen anzutreffen.


42/34.


An Julius J. Elkan

[Concept.]

Herr Banquier Elkan wird hiedurch höflichst ersucht, an Herrn Auctionator und Buchhändler Schmidmer zu Nürnberg die Summe von

55 fl. 27 Kreuzern[38]

gefällig auszahlen zu lassen und deren Wiedererstattung alsobald gewärtig zu seyn.

Das Beste wünschend.

Weimar den 2. Februar 1827.


42/35.


An Johann Lorenz Schmidmer

[Concept.]

Ew. Wohlgeboren

für billige Preise erstandene und sorgfältigst eingepackte Kunstwerke sind glücklich und unversehrt angekommen. Dieselben erhalten die Zahlung der 55 fl. 27. Kreuzer durch den hiesigen Banquier Elkan in diesen Tagen.

Mit der sonntägigen fahrenden Post geht eine Medaille von hier ab, welche mir zu hohen Ehren gereicht und woran ich eine freundliche Theilnahme aller Wohlwollenden hoffen darf. Nehmen Sie solche zu einem geneigten Andenken, daß Sie vor soviel Jahren zu Gründung meines Medaillen-Kabinetts die schönsten Beyträge geliefert und auch die letzte Zeit mit so vieler Sorgfalt und Uneigennützigkeit verschiedene meiner Geschäfte besorgen wollen.

Desto mehr aber muß es mir leid seyn denen zur Ansicht mitgesendeten Sachen wenig Glück versprechen zu können. Aus alten Kunstkammern und sonstigen fürstlichen Besitzungen ist bey uns ein Museum zusammengestellt, welches die vorzüglichsten in Elfenbein[39] und Holz geschnitzten Gegenstände enthält, mit welchen, (es sey zu sagen erlaubt), die Ihrigen keine Vergleichung aushalten. Indessen will ich sie eine Zeitlang bey mir stehen lassen, ob unsere fürstlichen Personen einige Lust solche anzukaufen empfinden.

Hiebey muß ich aber bemerken daß ich das eine Kästchen, worin wohl der Tempel von Elfenbein gepackt ist nicht eröffnet habe; wahrscheinlich befinden sich auch in demselben der kleine Satyr von Holz, das Crucifix und das Büchlein Todtentanz; denn beygepackt in den eröffneten Kistchen fand ich nur den geschnittenen Becher, den gedrehten und die Trinkschale Jaspachat.

Betrachte ich nun schließlich die hohen Preise, da ich nicht die Hälfte dafür zu erlösen hoffen dürfte, so sollte es mir unendlich leid thun solche am Ende wieder sorgfältig einzupacken und zurückzusenden; welches ich um so mehr befürchte, als in der jetzigen glänzenden Epoche unseres fürstlichen Hauses so viel auf Neues, Frisches und Nothwendiges zu verwenden ist, daß schwerlich irgend eine Art von Liebhaberey, die sich auf ältere abgestorbene Zeiten bezieht, wieder dürfte aufgeregt werden.

Mit aufrichtiger Theilnahme und Dankbarkeit.

Weimar den 2. Februar 1827.[40]


42/36.


An Johann Christian Mämpel

[Concept.]

Hierbey erhalten Sie den ersten Bogen der Mémoires de Robert Guillemard mit der Übersetzung zurück. Letztere finde ich, wie Ihre früheren Darstellungen, fließend und lesbar; doch erlaubt mir meine Zeit nicht sie weiter durchzusehen. Senden Sie Herrn [Jasper] einige Musterbogen, so wird derselbige Ihre Arbeit selbst am besten beurtheilen. Einige Blätter zur Einleitung, bin ich, wie die vorigen Male, beyzufügen geneigt, auch habe nichts dagegen daß man meiner auf dem Titel und bey der Ankündigung gedenkt. Auf eine Revision des Manuscripts kann ich mich nicht einlassen.

Möge Ihre, sich immer mehr ausbildende Geschicklichkeit auch billiger Weise immer mehr belohnt werden. Lassen Sie es an redlichem Fleiße niemals fehlen.

Weimar den 3. Februar 1827.


42/37.


An Johann Heinrich Färber

[Concept.]

Besorgen Sie, mein guter Färber, nach und nach Folgendes:

1) Zuerst wünsche einen reinen neuen Glaskolben, wovon die Kugel etwa 4 bis 6 Zoll Diameter hat.

[41] Sollten von dieser Größe keine vorräthig seyn, so hilft Herr Hofrath Döbereiner wohl aus; allenfalls thät es auch ein größerer.

2)Sodann wünsche die beiden Schirme mit schwarzen, weißen und farbigen Papieren herüber, welche bey trockenem Wetter, einigermaßen in Papier eingepackt, zu transportiren wären.

3) Die Pappetafeln, mit schwarzem, weißen und farbigem Papier beklebt.

4) Ferner das Übrige was von mir, bezüglich auf Farbenerscheinungen, sich in Jena befindet; solches kann, wie gesagt, nach und nach durch die Boten herübergebracht werden.

Wenn ich nicht irre, so ist ein Verzeichniß derjenigen Theile meines Apparats, der sich in Ihrer Verwahrung befindet, vorhanden.

Weimar den 5. Februar 1827.


42/38.


An Carl Friedrich Zelter

Eiligst will ich nur sagen, mein Allerbester, daß mich dein letzter Brief ganz eigentlich beruhigt hat; denn wenn ich gleich wegen unseres Innersten ganz gewiß und sicher bin, so will mir doch ein äußeres Lieb- und Gnadenzeichen ganz unentbehrlich bleiben.

Nun kommt auch dein zweyter Brief und ich säume nicht zu sagen daß es mir die Zeit her ganz wohl gegangen; mein Befinden war leidlich, so daß ich die[42] mir zugedachten Besuche mit guter Behaglichkeit verehren und genießen konnte. Von Ihro Königlichen Hoheit dem Kronprinzen sage mit wenigem, daß er auf mich einen vollkommen angenehm-günstigen Eindruck gemacht und mir den Wunsch hinterlassen hat ihn früher gekannt zu haben und länger zu kennen. Die dery Herren Gebrüder, von meinem Fürsten mir zugeführt, sah ich mit Freude und Bewunderung; man kann einem Könige Glück wünschen drey so verschiedenartig wohlgebildete Söhne (mit einem vierten, den ich noch nicht kenne) vor sich heranwachsen zu sehen. Sie haben ein ganz frisches Leben in unsern Zirkel gebracht, und das Behagen unseres Großherzogs an ihnen und an dem neu eingeleiteten Verhältniß war nur mit Rührung anzusehen.

Über die pomejanischen Gemälde vernimm hier der Weimarischen Kunstfreunde redliches Glaubensbekenntniß:

Es sind ganz unschätzbare Documente des Alterthums, an und vor sich in historischer Rücksicht aller Betrachtung werth. Wie hoch wir sie schätzen und wie sehr wir Herrn Ternite Glück wünschen dieses goldne Vließ geholt zu haben, werden wir in Kunst und Alterthum ganz unbewunden aussprechen. Erfreulich ist's mit Herrn Schinkel hierüber zusammenzutreffen, und mit Herrn Hirt hegen wir schon seit 40 Jahren die redlichste Freundschaft bey oftmaliger verschiedener Meynung.

[43] Gib etwa mit meinem schönsten Gruße dein Exemplar der Medaille an Langermann, ich erstatte sie dir; und wenn du sonst noch jemand weißt, so stehen deren noch einige zu Diensten.

Die Tochter der Lust ist ein grandioses Werk! Wie halten sie's denn in Berlin? Denn im Original ist die Absicht daß Semiramis und Ninus von Einer Schauspielerin gespielt werden. Hat man das verändert, so ist der blaue Duft von der Pflaume abgewischt. Übrigens ist auf so eine Person wie Madame Stich, an deren Persönlichkeit und Talent man nichts auszusetzen wüßte, in diesen und in mehreren spanischen Stücken ausdrücklich gerechnet.

Und so fort und fort

Weimar den 6. Februar 1827.

G.


Fast aber, wie es zu gehen pflegt, hätte ich bald einen Hauptpunct vergessen, daß Ihro Königliche Hoheit der Kronprinz mir von deiner musicalischen Aufführung im neuen Saal gesprochen; er schien mit dem neuen Local zufrieden, sprach von deiner Anstalt mit Theilnahme und bemerkte, die Anzahl der Zuhörer sey sehr groß gewesen. Sage mir auch von deiner Seite etwas von dieser gesegneten Einweihung.

wie oben und immer

G.[44]


42/39.


An Johann Lorenz Schmidmer

[Concept.]

Ew. Wohlgeboren

erhalten in beyliegendem Päckchen die angezeigte Medaille. Mögen Sie dabey sich meines Danks für so manche Gefälligkeit freundlichst vergewissern.

Sollten in der Folge Schüsseln und Teller von Majolika, entweder aus freyer Hand oder in Auctionen verkäuflich werden, so blieben Sie mich darauf aufmerksam zu machen.

Weimar den 6. Februar 1827.


42/40.


An Joseph Sebastian Grüner

Ew. Wohlgeboren

habe lange nichts vernehmen lassen, noch von Denenselben einiges vernommen. Nunmehr veranlaßt mich Beykommendes, Sie auch einmal wieder zu begrüßen und an Weimar zu erinnern.

Mögen Sie beykommende Medaillen nach der Adresse geneigt abgeben, auch das Paquetchen an Herrn Lößl gefälligst besorgen. Herrn Fikentscher danken Sie bey dieser Gelegenheit für die gefällig besorgten Glaswaaren, welche, so viel ich höre, glücklich angekommen sind, auch ist deren Betrag gleich besorgt worden.

[45] Die Heidelberger Comptoiristen haben sich nicht auf's freundlichste bewiesen, sie haben mir das Kistchen unter allerlei Vorwänden zurückgeschickt. Es steht noch bey mir, wie es angekommen ist. Soll ich es etwa durch Fuhre wieder zurückschicken?

Wir haben bisher Verlobung und manche festliche Tage gehabt. Daß Prinz Carl von Preußen unsere Prinzeß Marie heirathe, werden die Zeitungen schon vermeldet haben.

Herr Bergmeister Lößl hat mir gar schöne Exemplare und darunter manches neue Mineral geschickt. Ist Ihnen die Zeit über nicht auch irgend etwas Bedeutendes vorgekommen? Vielleicht wohl ein schöner Andalusit? Dagegen erfolgt nächstens etwas Angenehmes aus dem Zillerthal. Haben Sie die Gefälligkeit, mich daran Theil nehmen zu lassen, auf alle Weise sagen Sie mir etwas Näheres von Ihrem Befinden.

Mit den treusten Wünschen

ergebenst

Weimar den 7. Februar 1827.

J. W. v. Goethe.


42/41.


An Friedrich Johannes Frommann

[Concept.]

Ew. Wohlgeboren

übersende das mir früher mitgetheilte Heft Manzoni betreffend zu gefälliger Durchsicht ob Sie noch etwas[46] bey der Behandlung zu erinnern finden. Ich würde sodann das Nöthige über Adelchi, die fünfte geistliche Ode, La Pentecoste, den Trauergesang auf Napoleon, ferner In morte di Carlo Imbonati und Urania beybringen; auch mit einigen freundlichen Worten zu allgemeiner Würdigung seines Talents schließen.

Wünschen Sie sonst noch etwas, so bitte solches anzuzeigen. Nächsten Sonnabend erfolgt auch Manuscript für Kunst und Alterthum. In diesen sehr angenehmen Tagen ist freylich alles Vorgesetzte und Unternommene gestört und retardirt worden, deswegen auch Gegenwärtiges einigermaßen eilig expedirt wird.

Mit den besten Grüßen und Empfehlungen an die werthen Ihrigen.

Weimar den 7. Februar 1827.


42/42.


An Ignaz Lößl

[Concept.]

Ew. Wohlgeboren

haben mir durch die interessante Sendung sehr viel Vergnügen gemacht. Manches war darunter welches ich weder kannte, noch besaß, das übrige aber sind durchaus die schönsten und instructivsten Exemplare. Das wunderbare eyförmige Mineral, welches allerdings für Olivin zu halten ist, finde höchst bedeutend. Mögen Sie mir gelegentlich einige vorkommende schöne[47] Exemplare zurücklegen, um auch Freunden damit dienen zu können, so würden Sie mich sehr verpflichten.

Den Inhalt eines kleinen beygehenden Päckchens bitte gefällig nach den Adressen zu besorgen. Dem guten bedauernswürdigen Fürnstein sagen Sie ein freundliches Wort zu dem Gesendeten. Sein Gedicht zeugt, wie die vorigen, von einen Sinn und guten natürlichen Talent.

Des Herrn Grafen Auersperg Excellenz bitte mich bestens zu empfehlen, wie ich von dem Befinden dieses trefflichen, von mir hochverehrten Herrn wohl einmal wieder Nachricht zu erhalten wünschte.

Mein Wunsch, das böhmische Gebiet abermals zu betreten und meinen dortigen Gönnern und Freunden durch Aufwartung und Besuch mich wieder zu empfehlen, ist bey mir immer gleich lebhaft, deshalb jede Aufmerksamkeit von dorther mich besonders erfrischt und meine Hoffnung belebt.

Möge es nach Verdienst Ihnen wohl gehen und Sie bey manchen Vorkommenheiten sich meiner freundlich erinnern.

Weimar den 7. Februar 1827.


42/43.


An Johann Heinrich Meyer

Da es wohl nicht räthlich seyn möchte, mein Bester, daß Sie in diesen kalten Tagen Ihre Wohnung verlassen,[48] so sende ich , zu einiger Förderniß unserer Zwecke, wenn es Ihnen recht ist, nach und nach erst die Boisseréeschen Steindrücke, dann die Ternitischen ausgeführten, auch die durchgezeichneten und lithographirten Pompejana. Schreiben Sie, beliebter Kürze wegen, nur das Urtheil über das Vorliegende wie Sie es finden; Einleitung und Abschluß will ich schon hinzufügen. Vorläufig sende das Journal von St. Petersburg zu gefälliger Vermittlung, und noch einige Bogen Kunst und Alterthum in Ihr Fach gehörig. Von dem Morbetto ist ein löblicher Abdruck angekommen, ein schon späterer, aber doch vor der Retouche und der Adresse, wo die innern Verdienste dieses Blattes noch vollkommen zu schauen sind.

Baldige völlige Wiederherstellung wünschend

treulichst

Weimar den 9. Februar 1827.

G.


42/44.


An Christian Ernst Friedrich Weller

Beykommendes, mein Werthester, liegt schon längst parat; der gute Schmeller sollte mitnehmen, es wird aber derselbe durch unsern gnädigsten Erbgroßherzog wegen eines zu vollendenden Porträts zurückgehalten, gedenkt jedoch nächsten Montag von hier abzugehen.

[49] Grüßen Sie bey Überreichung den Herrn Bibliothekar zum schönsten und ersuchen denselben um baldige Expedition des neulich übersendeten Manuscripts, da uns der Setzer auf den Fersen ist.

Mögen Sie sich bey der frischen Witterung auch frisch und wohl befinden, mein gedenken und unsern Major auf seiner Warte schönstens grüßen.

ergebenst

Weimar den 10. Februar 1827.

Goethe.


42/45.


An Friedrich Johannes Frommann

[Concept.]

Mit der Versicherung daß es mir sehr angenehm sey auch fernerhin zu Ihren Zwecken erwünscht mitwirken zu können, beantworte die mir vorgelegten Fragen.

19 Die kleinen Gedichte werden ganz richtig in der Ordnung wie sie die italiänische Ausgabe die ich besitze, so wie Ihr französischer Nachdruck angibt, auch dießmal abgedruckt. Über das letzte könnte man gar wohl setzen: In morte di Napoleone.

2)Mit deutschen Lettern bin ich gar wohl zufrieden.

3) Revision soll mir angenehm seyn.

4) Das Fernere werde nächstens besorgen.

Weimar den 10. Februar 1827.[50]


42/46.


An Carl Christoph Haage

[Concept.]

Ew. Wohlgeboren

die auf das nach Dresden zu sendende Bild bezüglichen Papiere anbey zurücksendend, lege eine Rechnung der Herrn Boisserée bey, welche gefällig zu berichtigen bitte, da die früheren Posten bey mir schon einigemal erinnert wurden: Ich werde mich deshalb besonders verpflichtet halten.

Mit den besten Wünschen.

Weimar den 11. Februar 1827.


42/47.


An Friedrich Theodor von Müller

[Concept.]

Ew. Hochwohlgeboren

erhalten endlich das so eben vom Buchbinder absolvirte früher verlangte Werk mit Bitte um dessen geneigte baldige Wiedererstattung. Nicht weniger erfolgen vier Medaillen, wovon eine Herrn Piquot zugedacht wäre. Wobey zugleich seiner Beurtheilung überlassen bliebe ob er schicklich fände, Fürsten Metternich, Grafen Saurau und v. Gentz die übrigen anzubieten.

Das Beste wünschend.

Weimar den 11. Februar 1827.[51]


42/48.


An Johann Isaak von Gerning

Nehmen Sie, mein theuerster Herr und Freund, wie vor Alters ohne Titulatur und Umstände, meinen herzlichsten Dank für das Übersendete und erstatten denselben auf schickliche Weise höchsten und hohen Ortes auf's beste, wie Sie mögen und können, bis ich diesen festlich-bewegten Tagen mich wieder zu Besinnung und Ruhe finden kann, da ich denn nicht verfehlen werde meine Schuldigkeit selbst zu entrichten.

Auch Ihnen, mein Werthester, vermelde alsdann das Weitere, an Ihren Kunst- und Musenfreuden den aufrichtigsten Theil nehmend. Des Herrn Grafen Reinhard Excellenz empfehlen Sie mich dringend; auch diesem würdigen Manne bin ich auf zwey gehaltvolle Briefe Erwiderung schuldig, welche nun nicht lange mehr ausbleiben darf. Möge Ihnen alles zu Glück und Freude gedeihen, damit Ihre treue Gefälligkeit auch gerechte Belohnung finde. Mit der Fahrenden erfolgt eine Medaille zu freundlichen Andenken.

verpflichtet und treu verbunden

Weimar den 12. Febr. 1827.

J. W. V. Goethe.


42/49.


An Wilhelm Reichel

Ew. Wohlgeboren

wünschte genugsam ausdrucken zu können, wie leid es mir thut, solche Bemühung verursacht zu haben; ich[52] hätte früher bemerkten sollen, daß der doppelte Abdruck mit Vorsatz geschehen. Es wird, ich hoffe, diese Wiederholung zu den Eigenheiten gerechnet werden, deren das Publicum mir so viele nachgesehen hat.

Sinn und Absicht hiebey sind aber folgende: Das erstemal stehen die Gedichte im allgemeinen unter ihres Gleichen, mit denen sie nur durch einen gewissen Anklang verwandt sind; das zweytemal aber in Reich und Glied, da sie denn erst ihrem Gehalt und Bezug nach erkannt und gewürdigt werden können.

Im vierten Bande kommt derselbige Fall noch einmal vor. Im dritten nämlich steht ein Gedicht unter der Überschrift: Aussöhnung, als zu einer Trilogie gehörig, und wird dasselbe nachher durch eine besondere Überschrift an Madame Szymanowska gewidmet. Haben Sie die Gefälligkeit in den prosaischen Noten nachzusehen, wo ich dieser Verdoppelung entschuldigend gedenke.

Nun scheint es mir aber, nach dem Anstoß den Ew. Wohlgeboren mit Recht genommen, nothwendig, an derselben Stelle den doppelten Abdruck der bemerkten Gedichte durch ein bescheidenes Wort wo nicht zu rechtfertigen, doch zu entschuldigen.

Auch bekenne gern bey dieser Gelegenheit einen alten Fehler, daß ich meine Intentionen niemals, wie es Autoren sonst vorsichtig und zweckmäßig in einer Vorrede oder in Noten thun, genugsam ausgesprochen,[53] wodurch denn gar manche Mißverständnisse veranlaßt worden.

Um Gegenwärtiges nicht aufzuhalten, sende das an gedachter Stelle allenfalls Einzurückende nach. Wie ich denn für Ihre vorzügliche Aufmerksamkeit, der ich das Geschäft nicht weiter zu empfehlen habe, abermals den besten Dank abstatte.

Könnte nach beendigtem Abdruck des ersten Theils mir ein erstes Exemplar zugleich mit dem Original zukommen, so würde mir solches, wie schon bemerkt, sehr angenehm sehn.

Mit wiederholtem Danke mich zu geneigtem Andenken empfehlend

ergebenst

Weimar den 12. Februar 1827.

J. W. v Goethe.


42/50.


An Carl Cäsar von Leonhard

Wie sehr wünschte ich, daß Ew. Hochwohlgeboren Zeuge seyn könnten, auf welchen Grab Ihr neulichst übersendetes, so vorzüglich gearbeitetes Werk mir zu Nutz bringe; vielmehr ich sagen, wie durch dessen Erscheinung Liebe und Lust an der werthen Mineralogie auf's neue belebt worden, Sie würden den Dank, den ich Ihnen in Gesellschaft Herrn Sorets widme, alsdann zu eigenem und unserem Vergnügen unmittelbar aufnehmen.

[54] Die Übersendung des durch Naturgluthen so merkwürdig veränderten Sandsteins erkenne mit vorzüglichem Dank. Dürfte ich gelegentlich um noch ein paar Exemplare bitten, auch von dem begleitenden Basalt und wo möglich an der Stelle der Berührung. Am meisten würden Sie mich verbinden, wenn eine Zeichnung dieser Localität beygefügt werden könnte, wie ich denn auf den zugesagten näheren Bericht und auf die Schilderung der Rhön-Phonolithe höchst verlangend bin.

Mannichfaltige sonstige Beschäftigungen, besonders die Herausgabe meiner sämmtlichen Werke, ziehen mich leider von den Naturstudien ab; deshalb es eine wahre Wohlthat ist, mich durch neue Sendung und Anregung wieder dahin zu führen. Und wer könnte dieß besser als Sie, dem so vieles Wichtige zu Gebot steht Leid genug thut es mir, daß meine Correspondenz über dergleichen Gegenstände nach allen Seiten hin stockt und ich deshalb gar vieles entbehre. Bleiben Sie Jedoch meines unverbrüchlichen Antheils versichert, wenn er sich auch nicht, wie er sollte, von Zeit zu Zeit in Äußerungen lebendig erweist.

Der Postwagen bringt eine Medaille, die ich zu meinem Andenken geneigt aufzubewahren bitte. Meinen besten Dank und die Versicherung unwandelbarer Anhänglichkeit wiederholend

Am 13. Februar 1827.

Goethe.[55]


42/51.


An Johann Heinrich Meyer

Den besten Dank für die so wohl gerathene Anzeige der Boisseréeschen Steindrücke, womit zugleich die farbigen Nachbildungen der pompejanischen Gemälde mit Wunsch erfolgen, daß Sie dem Vorliegenden nach Ihrer Art stille Gerechtigkeit widerfahren lassen. Nach Rücksendung schicke die Durchzeichnungen und die Lithographieen zu gleichem Zweck.

Möge Ihre Gesundheit bald erlauben das Weitere mündlich zu besprechen; lehnen Sie ja den Wagen nicht beym Kommen und Gehen.

Weimar den 13. Februar 1827.

G.


42/52.


An Gottfried Bernhard Loos

Ew. Wohlgeboren

sage zuvörderst den allerschönsten Dank für die gefällige Mittheilung der neusten aus Ihrer Officin hervorgegangenen Medaillen; die größte Genauigkeit des Stempels und die vollkommene sichere Prägung gereicht ihnen durchaus zur entschiedensten Empfehlung. Desto unangenehmer aber ist mir aussprechen zu müssen, daß ich Ihren Wünschen mich zu fügen auf keine Weise im Stande bin; die Ausgabe meiner sämmtlichen Schriften legt mir die ernsteste Verpflichtung auf und ich darf mich weder rechts noch links[56] umsehen, wenn ich einigermaßen meiner Schuldigkeit nachkommen will. Außerdem kann ich mich folgereicher seit vielen Jahren übernommener Geschäfte nicht entschlagen und nun kommen seit den letzten Wochen so viele angenehme und gesellige Feste hinzu, deren Einwirkung ich sogar in meiner Einsiedeley empfinde. Verzeihen Sie daher ich jede Einwirkung ablehne; denn selbst ein Geschäft wie das wozu Sie auffordern, das wohl als nebenher zu verrichten geeignet schiene, ist bedeutender als man glaubt, es gehört Muße und Glück dazu um das Schickliche zu finden.

Die Rückseite meiner Medaille ist Herrn Levezow sehr gut gerathen; sollte derselbe nicht auch dießmal sein schönes Talent bethätigen mögen?

Mich auf alle Weise geneigtem Andenken enpfehlend.

Ew. Wohlgeboren.

gehorsamster Diener

Weimar den 14. Februar 1827.

J. W. v. Goethe.


42/53.


An Friedrich Johannes Frommann

[Concept.]

Ew. Wohlgeboren

erhalten hiebey wieder einiges Manuscript nebst einer gleichfalls abzudruckenden Tabelle. Die nöthigen Bemerkungen sind beygeschrieben und es bleibt mir[57] dießmal keine weitere Pflicht als mit den besten Wünschen und Empfehlungen zu schließen.

Weimar den 14. Februar 1827.


42/54.


An Ludwig Heinrich von L' Estocq

[Concept.]

Hochwohlgeborener

insonders hochzuehrender Herr!

Ew. Hochwohlgeboren erlauben in einem, für den mir zugetheilten Geschäftskreis nicht unbedeutenden Falle Deren geneigte Vermittlung anzugehen.

Dieselben werden sich gefälligst erinnern, daß in dem Juni vorigen Jahres, auf Anregen des Herrn Minister Grafen Bernstorff Excellenz, mit Verwilligung der hohen Gesammt-Curatel der Academie Jena, ein sogenannter Jenaer Codex der späteren Minnesänger zu Gunsten des Herrn von der Hagen nach Berlin von Unterzeichneten abgesendet worden; worauf denn, unter dem 2. Juli, von dem glücklichen Anlagen desselben durch Herrn Ministers v. Altenstein Excellenz Kenntniß gegeben, auch zugleich die Zusicherung ertheilt ward, daß jenes Manuscript, diesseits gewünschtermaßen, in zwey bis dery Monaten wieder zurückerfolgen solle.

Nun ist aber seit der Zeit schon über ein halbes Jahr verflossen, und die Zurückerstattung des kostbaren[58] Manuscripts wäre in mehr einem Sinne wünschenswerth, indem das längere Entbehren eines solchen Schatzes allerdings bedenklich bleibt, besonders da nach Aussterben der herzoglich gothaischen Linie und der darauf erfolgten Ländervertheilung die Curatel der Academie Jena eine andere Gestalt gewonnen.

Sollte nun die Sache zur Sprache kommen, so würde mir als dem dermaligen Vorgesetzten zur Verantwortlichkeit gereichen, daß ich , da die Vergünstigung nur auf zwey, höchstens drey Monate gelautet, dieser Angelegenheit nicht früher Erwähnung gethan.

Ich nehme mir daher die Freyheit, Ew. Hochwohlgeboren geziemend anzugehen und Dieselben zu ersuchen, sich in geneigter Vermittlung zu bemühen, daß dieses Manuscript, vielleicht ohne weitere Anregung, unter meiner Adresse, wohlgepackt anher gesendet werde. Sollte sich aber hiebey einige Schwierigkeit finden, so füge das gehorsamste Gesuch hinzu, mir einigen Winkt zu geben, welchen Weg ich einzuschlagen habe, um für die jenaische academische Bibliothek auf die schicklichste Weise zu diesem kostbaren Schatze wieder zu gelangen.

Der ich die Gelegenheit ergreife, mich der freudigen Tage zu erinnern, an welchen mir das Vergnügen ward, Ew. Hochwohlgeboren bey uns zu sehen. Wobey ich zu gedenken nicht verfehle, daß sich zunächst die angenehmsten Stunden erneuerten, indem die ersehnte[59] Gegenwart Ihro Königlichen Hoheit des Kronprinzen und Höchst Ihro Geschwister zu frohen, aussichtsreichen Festen einen mannichfaltigsten Anlaß gaben; die denn auch desto vollkommner gefeiert werden konnten, als die besten Nachrichten von Ihro Majestät Genesung von Zeit zu Zeit einlangten. Möge jeder fromme und herzliche Wunsch an allen erfüllt werden.

Indem ich es mir zur Ehre rechne, mich mit vollkommenster Hochachtung unterzeichnen zu können.

Weimar den 15. Februar 1827.


42/55.


An Friederike von Cumberland

[Concept.]

Ew. Königlichen Hoheit

verehrtes Schreiben hat mich in meinem uralten Glauben bestärkt, daß rein und glücklich erfaßte Verhältnisse unauslöschlich fortleben, auch wohl lange Jahre durch ohne mündliche und schriftliche Erneuerungen sich auf das wünschenswertheste erhalten mögen. Wie hoch beglücken Sie mich, gnädigste Frau, da Sie in dem Augenblicke des größten Verlustes Ihre Gedanken, Ihre Feder mir zuwenden, eben als wenn Sie sich unter den Mitlebenden nach verwandter treuer Anhänglichkeit umschauen wollten! Und gewiß, Sie finden in mir den aufrichtigsten Theilnehmenden, der[60] unser Unvergeßlichen seit ihren frühern blühenden Jahren unabläßlich gefolgt ist, sie immer in Gedanken, meist in Ihrer Hoheit Nähe, begleitete und in den sonderbarsten wichtigsten Fällen an ihr die sichere und zugleich anmuthige Entschiedenheit erkannte. Und so bleibt sie mir auch jetzo gegenwärtig, wie sie gleichzeitig auf Erden lebte und wirkte um die Spur ihres mildernden, tröstenden Einflusses in den bedeutendsten Momenten zu dankbar sten Erinnern für ewig zu hinterlassen.

Doch hier will mein Blick in einen Abgrund der Vergangenheit sich verlieren, aus dem freylich auch manche schöne Stunden, wie jene durch die freundlichen Bilder gefeyerten, gar lieblich hervorleuchten. Und so würde es Ew. Königlichen Hoheit gewiß ein Lächeln abgewinnen, wenn ich umständlich erzählen könnte, wie die, so gnädig aufgenommenen Tafeln endlich zu Stande gekommen. Gleich damals waren sie an Ort und Stelle beabsichtigt und begonnen, sodann aber unterbrochen, verloren, wieder angefangen, verschoben, verunglückt und doch zuletzt noch heiter vollendet und durch eine wohlwollende Aufnahme über die Maaßen begünstigt. Sollte dieses Beyspiel nicht darauf hindeuten, daß treue Theilnahme trotz allen Hindernissen in Zwecken endlich obsiegen muß?

Gegenwärtiges ist geschrieben während schöner festlicher Tage, an denen Ew. Königliche Hoheit gewiß auch den herzlichsten Theil nehmen. Möge zunächst[61] ein glücklich Ereigniß dem andern folgend mir Gelegenheit geben, von unwandelbarer Verehrung ein wohlgefälliges Zeugniß abzulegen.

Weimar d. 16. Febr. 1827.


42/56.


An die Cotta'sche Buchhandlung

Bey gegenwärtiger Sendung ist eigentlich nichts zu bemerken; die Xenien werden Seite für Seite gedruckt und darf von keinen Blatt auf das andere etwas herüber genommen werden. In Ganzen gestaltet sich nunmehr wie nachfolgt

der Band IV, vierte Sammlung:

Festgedichte, Inschriften, Denk- und Sendeblätter, nöthige Bemerkungen und Aufklärungen zu den Gelegenheitsgedichten, Dramatisches, Helena, zahme Xenien zweyte Hälfte.

Geneigter Aufmerksamkeit auch Vorstehendes empfehlend.

Weimar den 16. Februar 1827.

J. W. v. Goethe.


42/57.


An Sulpiz Boisserée

Seit Ihren werthen Schreiben vom 28. December v. J., mein Werthester, ist manches von hier abgegangen, welchem glückliche Ankunft und Aufnahme zu wünschen habe.

[62] 1) Am 19. Januar ein Abschnitt Helena, an Sie gerichtet.

2) Den 26. Januar, vollständiges Manuscript der Helena an Herrn v. Cotta, durch die fahrende Post.

3) Den 27. ejusdem Schreiben an denselben.

4) Am gleichen Datum ein Schreiben an Sie mit weiterer Nachricht von unserm Waiseninstitute. Seit jener Zeit ist denn auch Ihr reicher Brief mit den Lithographien glücklich angekommen.

Nun geht ab mit der sonntägigen fahrenden Post, unmittelbar an Herrn v. Cotta, ein Paquet enthaltend die zahmen Xenien und also den Schluß des vierten Bandes mit einigen Bemerkungen, so daß ich nun zu der ersten Lieferung nichts weiter schuldig bin; die zweyte liegt zum Einpacken bereit. Und so möge denn alles rasch und frisch vorwärts gehen. Die Wanderjahre rücken auch zu und es ist wunderbar genug, wenn ich jetzt begreife, daß dieses Werklein nicht eher zu Stande kommen konnte. Das neue Stück Kunst und Alterthum wird auch vor Ostern ausgegeben werden können, worin Ihrer neusten lithographischen Lieferung in allen Ehren gedacht ist.

Übrigens hat Hof und Publicum bisher in Festen, Tafeln, Schlittenfahrten und sonstigen Tages- und Abenderlustigungen geschwelgt, und es konnte nicht fehlen daß diese Rotation auch in meine Einsamkeit eingriff. Des Kronprinzen von Preußen Königliche Hoheit habe zum erstenmal gesehen und gesprochen[63] und seine Gegenwart höchst erwünscht gefunden; er macht mit seinen beiden Herrn Brüdern, wenn man sie zusammen sieht, ein merkwürdiges und erfreuliches Kleeblatt.

Bey dieser Gelegenheit sind mir aus Berlin sehr lobenswürdige Copien mehrerer pompejanischen Gemälde zugekommen, genauer Umriß und sorgfältig nachgebildete Farbengebung; die lieblichsten Gegenstände versetzen uns in eine heitere Zeit die freylich vorüber ist.

Mein Garten, der, wie Sie wissen, nah unter meinen Fenstern liegt, ruht, wie wahrscheinlich ein großer Theil der Nordwelt, unter einer Schneedecke und weiß kaum wie grün werden soll.

Alexander v. Humboldt's Cuba ist durch seine Freundlichkeit zu mir gekommen und versetzt mich am warmen Ofen in die tropischen Gegenden. Es ist ein treffliches Werk, lange vorbereitet und jetzt zu rechter Zeit hervortretend. Einen Auszug daraus werden wir andern Laien mit Behaglichkeit lesen, da jetzt die vielen Zahlen, die wir überschlagen müssen, uns einigermaßen verwirren und im Wege sind. Bewundern muß man es auf alle Fälle wie hier das Erfahrenswerthe, Erfahrene, Wissenswürdige, Gewußte zusammengestellt, und eine Weltübersicht, wie sie sich durch Zahl und Maaß erreichen und überliefern läßt, so ganz vollkommen eröffnet ist; wobey denn doch der Fingerzeig auf das Incommensurable nicht abgeht.

[64] Lassen Sie mich heute schließen und geben mir bald Nachricht von der Ankunft meiner Sendungen, grüßen mir die werthen Ihrigen und erhalten mir ein fortdauerndes Wohlwollen.

Weimar den 17. Februar 1827.

G.


42/58.


An Carl Friedrich Zelter

Nun ist denn, nach mancherlei Festen und Lustbarkeiten, die sich nach und nach ganz glücklich entwickelten, unser junger lieber Bräutigam auch wieder nach Berlin zurückgekehrt, wo denn auch bald unsere wohlgestaltete und wohlgebildete Prinzeß ihre Wohnung aufschlagen wird. Möge das in manchen Sinne wichtige Band gesegnet seyn.

Gegenwärtiges schreibe eiligst, um dich zu ersuchen: mir von Ternite's Geburtsort, Leben, Herkommen, Reisen und Studien das Ostensible zu melden. Da wir von seinen Arbeiten sprechen, auch der Durchzeichnung des Fiesole gedenken wollen, so wird es hübsch, ja nothwendig seyn, wenn dieß mit einiger Einleitung geschieht. Eben das Bild von Fiesole hat er, soviel ich mich erinnere, in Paris nachgebildet. Es freut uns, daß wir mit Überzeugung gut von seinen Arbeiten reden können. Auch hat er ja, wie ich höre, die Stelle des Potsdamer Galerie-Inspectors erhalten, was denn eine gar hübsche Pfründe ist.

[65] Bezeichne mir die Stelle, die dich so hat lachen machen, etwas näher, ich habe sie nicht recht finden können.

Viel Glück zur Einweihung des Hauses; frohe Wohnung in guter Gesundheit wünsche zunächst.

Kannst du dich gegen den Herbst einige Wochen losmachen, so wird es beiden heilsam seyn; der weiße Schwan begrüßt dich jederzeit mit offnen Flügeln.

Den Wunsch wegen Ternite befriedige bald, denn wir schon an den letzten Bogen des neuen Stücks Kunst und Alterthum, worin du mannichfaltiges Hübsche finden wirst.

Manches Andere nächstens. Fasanen werden indeß angelangt seyn; einige Schellfische, Dorsche pp. werden dagegen gewünscht.

treu angehörig

Weimar den 18. Februar 1827.

Goethe.


42/59.


An Johann Heinrich Meyer

In Hoffnung, daß der gestrige Ausgang nicht werde geschadet haben, sende

1) die Durchzeichnungen des Bildes von Fiesole, wie besprochen worden, eine unabhängige Recension in Bezug auf Bedeutung des Bildes, das Sie selbst gesehen, gefällig aufzusetzen.

[66] 2) die Durchzeichnungen der herculanischen Bilder.

3) dieselben lithographirt mit ausgeführten Köpfen.

Bezeichnen Sie nur erst den Kunstwerth dieser Dinge, sodann bereden wir das Weitere. Ich lasse mir von Zeltern etwas von Geburt, Leben und Herkommen des Künstlers anzeigen, damit wir unserm Vortrag auch von dieser Seite eine gute Folge geben können.

Mit den besten Wünschen.

Weimar den 18. Februar 1827.

G.


42/60.


An den Großherzog Carl August

[Concept.]

Ew. Königlichen Hoheit

lege hiebey vor wie ich das wichtige Naturproduct, oder vielmehr die bedeutende Naturanomalie für künftige Zeiten aufzubewahren gesorgt habe. Sollte sie nicht in Belvedere niedergelegt werden? allwo sie Pflanzen-Freunden und Kennern am ersten vor Augen käme?

Dürft ich mir eine nächstens abblühende Strelitzia dieser Species, erbitten, den Stengel so nah als möglich an seinem Ursprunge abgeschnitten, um eine wahre Blume mit dieser Windblume gründlicher vergleichen zu können.

Weimar den 19. Februar 1827.[67]


42/61.


An Carl Jügel?

[Concept.]

Unterzeichneter hat das ihm übersendete Exemplar der Zeitschrift Eos vom Jahre 1826 keineswegs bestellt, sondern es ist ihm solches von dem damaligen Redacteur zu gefälliger Theilnahme zugeschickt worden; wie er denn auch für die erste Hälfte nichts bezahlt. Er kann daher die gegenüberstehende Forderung nicht anerkennen, so wie er sich die fernere Zusendung des gedachten Journals hiemit verbittet, weshalb denn auch die ersten Stücke zurückerfolgen.

Weimar den 19. Februar 1827.


42/62.


An Johann Sckell

[Concept.]

Ew. Wohlgeboren

erhalten hiebey das Verzeichniß des Königsberger botanischen Gartens. Herr Doctor Ernst Meyer, Director desselben, wünscht auch mit Belvedere in Connexion zu kommen. Wollten Sie mir daher gefällig Ihren Catalog mit Preisen zusenden, mit Bemerkung ob Sie etwas aus dem seinigen auf's Frühjahr wünschten, und überhaupt was zu Einleitung und Sicherung eines soliden Verhältnisses zu beobachten wäre, so[68] würde solches alsbald, da ich ihm ohnehin zu schreiben habe, fortsenden können.

Das Beste wünschend.

Weimar den 21. Februar 1827.


42/63.


An Johann Heinrich Meyer

Wie steht es, mein Theuerster, um die Gesundheit? Möchten Sie wohl heute Abend gegen 6 Uhr meinen Wagen besteigen und einer freundlichen Conferenz einige Stunden widmen, wonach mich sehr verlangt.

Weimar den 24. Februar 1827.


42/64.


An Ernst Schubert

[Concept.]

Die Theaterstücke, welche man zunächst auf der weimarischen Bühne aufgeführt wünscht, wären an den Regisseur Herrn Doctor Wagener zu senden.

Weimar den 26. Februar 1827.


42/65.


An die Großherzogliche Bibliothek

[Concept.]

Der Medailleur Herr Posch, soll auf Befehl Serenissimi ein Schillerisches Profil bossiren. Hiezu wäre[69] ihm alle Bequemlichkeit zu verschaffen und die Marmorbüste in ein Zimmer zu bringen.

Weimar den 27. Februar 1827.


42/66.


An Johann Isaak von Gerning

Hierbey also die beiden schuldigen Schreiben. Ich wünsche, daß sie meine gefühlte Dankbarkeit aussprechen mögen; ich habe sie in überdrängten Momentan so gut als es gelingen wollte, das mir verliehene Schöne und Gute dankbar anerkennend, verfaßt. Thun Sie bey gefälligem Überreichen das Beste dazu.

Nur soviel für dießmal, Beykommendes blieb schon einen Posttag liegen. Möge Ihnen alles gelingen und Sie mir Nachricht der glücklichen Ankunft dieser schuldigen Sendung freundlich mittheilen. Ein Brief an Herrn Grafen Reinhardt ist angefangen und soll nächstens abgeschlossen werden.

Mit den treusten Wünschen

wie von Alters

Weimar den 28. Febr. 1827.

Goethe.


42/67.


An Carl Friedrich Zelter

Gestern Abend habe ich wahrhafte Angst für dich empfunden, indem ich bey Revision deiner Briefe mit[70] Riemern die verwegen-gefährliche Fahrt nach Swinemünde wieder aufnahm und durchdachte. Es ist wunderbar daß uns eine längst vorübergegangene Gefahr in ihrer eigenen Gestalt weit größer und wahrhafter erscheint, als wenn wir von derselben, indem sie erst vorüber ist, benachrichtigt werden; denn da stemmt sich wie im Unglück selbst der Geist entgegen, strebt ihren Eindruck zu vermindern, wo denn die Freude der Rettung das ihrige leidenschaftlich dazuthut. Später ist alles anders, denn wir haben Muth das Ungeheure anzuschauen, aber eben deshalb wächst es in der Vorstellung zu seiner wahrhaften Größe.

Deine Relation von dem Abstecher nach Petersburg ward mit vielem Dank aufgenommen; unsere Hofdamen, die das Modell an Ort und Stelle gesehen hatten, erzählten davon, doch nur vorübergänglich. Seitdem das große Unglück die schlechte Lage dieser ungeheuren Stadt erst recht zur Evidenz brachte, bin ich genöthigt, bey jedem tiefen Barometerstand, besonders Nachts wenn der Sturm in meine Fichten braust, an jene Localität zu denken.

Wenn die Menschen aus Noth, wie die Venetianer, sich in den Sumpf setzen, oder aus Zufall an dem ungeschicktesten Ort sich ansiedeln, wie die ersten Römer, so mag das hingehen; aber so von heiler Haut, wie der große Kaiser, das Ungeschickte thun, zu der Seinigen unheilbaren Verderben, ist doch eine gar zu traurige Äußerung des absolut-[71] monarchischen Princips. – Ein alter Fischer soll ihm vorausgesagt haben daß dahin keine Stadt gehöre.

Wenn ich ihn entschuldigen will, so muß ich sagen: daß das große Original-Genie auch durch eine Anwandlung von Nachahmung ist verführt worden. Er hatte Amsterdam und das holländische Deichwesen im Sinne, ohne zu sehen daß es hierher gar nicht passe. Die Holländer selbst begingen den Fehler bey der Anlage von Batavien und bildeten sich ein, man lebe eben so ungestraft im Sumpfe unter der heißen Zone als in der kühlen und kalten.

Nun zu etwas Lustigern! Da du doch auf's Französische eingerichtet bist, so rathe ich zu lesen, wenn es noch nicht geschehen wäre: Le Théâtre de Clara Gazul, Poésies de Béranger. An beiden wirst du auf's klarste erkennen was Talent, um nicht zu sagen Genie, vermag, wenn es in einem prägnanten Zeitpunct auftritt und gar keine Rücksicht nimmt. Haben wir ja ohngefähr auch so begonnen.

Diese Tage her war ich in Frucht, es möge deinen am 21. Februar abgesendeten Fischchen ergehen wie einer verspäteten Schlittenfahrt: Die Kälte war aufgehoben, der Westwind stürmte, eine Schneeschicht nach der andern thaute weg; allein gestern sind sie glücklich angekommen, völlig gesund und genießbar. Empfange daher den allerschönsten Dank! Diese seltene Speise wird nächste Woche Veranlassung seyn zu einigen Gastgeboten.

[72] Eine gar löbliche Relation über Ternite's Pompejana liegt zum Druck bereit zugleich werden wir seines Fiesole mit Ehren gedenken. Meyer kennt das Bild sehr wohl von Florenz her. Freylich muß man jenes irdische Leben in den Augen etwas verklingen lassen, wenn dieses himmlische einigen Eindruck machen soll; denn, Gott sey Dank! wir haben uns vom Pfaffthum eben so weit entfernt als der Natur wieder genähert. Diesem unschätzbaren Vortheil können und dürfen wir nicht entsagen.

Aus Herrn v. Müfflings Reden glaubte ich schließen zu können, daß diese Gemälde noch Herrn Ternite eigen wären, nicht etwa dem König oder einer öffentlichen Anstalt. Ließe er mir für Geld und gute Worte wohl einige davon ab? Ich würde mir die Gesellschaft der drey Frauen, die Gesellschaft der drey Frauen, die Geschwister auf dem Hellespont, Narciß, neben ihm die Nymphe mit dem Kränzchen (wahr scheinlich Echo) vorerst ausbitten. Wenn unsre Recension gedruckt steht, so wünschte doch vorübergehenden Fremden und bleibenden Einheimischen etwas zu unsrer Legitimation vorzuweisen; es wären schöne zur Aldobrandinischen Hochzeit. Seit dem Charon ist mir zwar schon manches Gute dieser Art in's Haus gekommen, doch möchte ich's gern vermehrt sehen, weil ich wahrscheinlich das laufende Jahr in dieser Umgebung verweile.

Grüße Doris zum schönsten und danke ihr für die Küchensorge. Möge euch beiden der Umzug mit gutem[73] Muth und ungetrübter Gesundheit gelingen und ihr sodann eines bequemen froh-thätigen Zustandes genießen!

Weimar d. 2. März 1827.

G.


Nachträglich will ich den Wunsch aussprechen: du mögest mein Verlangen gegen Ternite, nach den drey pompejanischen Zeichnungen, nicht entschieden aussprechen, sondern erst horchen ob er es gerne thäte; denn ich wollte nicht, daß er aus Gefälligkeit oder irgend einer Rücksicht in etwas einwilligte was ihm unangenehm wäre.

Weimar den 3. März 1827.

G.


42/68.


An Franz Baumann

Ich wünsche, mein werthester Herr Hofgärtner, schöne schlanke Akazienstämmchen, gepfropft mit der hübschen Art hängender Zweige, die sich auf dem Carlsplatz und sonst gar artig wie Orangerie ausnehmen. Können Sie mir dergleichen verschaffen, so bitte sie bald herüber zu senden, da es Zeit wird sie zu pflanzen.

Mit den besten Wünschen.

Weimar den 3. März 1827.

J. W. v. Goethe.[74]


42/69.


An Johann Heinrich Meyer

Mögen Sie sich einrichten, mein Werthester, morgen Abend mich zu besuchen und Donnerstag in guter Gesellschaft mit uns zu speisen.

Hiebey sende vorläufig ein salbaderisches Werk, das aber doch lesenswerth ist, weil man daraus manches erfährt, auch gewahr wird wie die Menschen durcheinander denken und meynen.

Herr Dorow hat sich mit einem hübschen Werk über das bey Neuwied gelegene Castrum der Römer abermals legitimirt. Dieser wunderliche und problematische Mann hält sich denn doch auf seinem Felde.

Noch einiges andere wäre mitzutheilen und zu überlegen.

treulichst

Weimar den 6. März 1827.

Goethe.


42/70.


An Heinrich Ludwig Friedrich Schrön

Hiebey erfolgt ein Sextant welcher bisher in Eisenberg verwahrt worden und Serenissimo angehört. Er soll künftig in der Sternwarte niedergestellt werden. Eröffnen Sie die Kiste, und untersuchen mit Sieglitz die Beschaffenheit, auch ob etwas daran wieder herzustellen seyn möchte und geben mir davon Kenntniß.

Mit den besten Wünschen.

Weimar den 10. März 1827.

J. W. v. Goethe.[75]


42/71.


An Friedrich Johannes Frommann

[Concept.]

Ew. Wohlgeboren

melde und bemerke Folgendes: so wohl die Ausgabe von Manzoni weiter zu fördern und abzuschließen wünsche über Nachstehendes unterrichtet zu seyn.

1) Auf beyliegendem Blatte ist der Inhalt der florentinischen Ausgabe aufgezeichnet. Wollten Sie bemerken was bey der Ihrigen wegbleibt, so würde Gelegenheit nehmen diese Auslassung zu bevorworten.

2) Ferner wünsche zu erfahren, wie viel Doppelseiten von der Schriftart des Beyliegenden Sie nöthig hätten um den zweyten Bogen des Vorberichts zu Manzoni zu füllen, damit ich mich mit meinem Aufsatz danach richten kann.

3)Auch haben Sie die Gefälligkeit mir anzuzeigen, wie viel von gleichem Manuscript noch nöthig wäre, um den 11. Bogen von Kunst und Alterthum abzuschließen, so würde ich dasselbige alsobald übersenden können, damit dieser bogen nicht überschritten würde, indem den 12. und 13. mit völliger Freyheit zusammenstellen möchte.

4) Den Titel glauben wir wie beyliegend einrichten und Opere poetiche sagen zu müssen, da, wenn ich recht verstanden habe, die Discorsi sämmtlich wegbleiben. Noch eine Revision und dabey Ihre fernern Gedanken erbittend.

Weimar den 10. März 1827.[76]


42/72.


An den Großherzog Carl August

Ew. Königliche Hoheit

haben einen aus der Eisenberger Gefangenschaft erlösten Sextanten mir gnädigst zugesendet, welchen auf die jenaische Sternwarte schaffen lasse, um vorerst zu vernehmen, in welchem Zustande er sich befindet, und das Weitere sodann anzuordnen.

Ich muß, da von einem Theodoliten die Rede ist, bemerken, daß ein solcher, der früher bey dem Hofrath Voigt verwahrt wurde, in Jena bey dem Professor Fries befindlich ist, der sich ihn zu seinen Vorlesungen ausgebeten, um seinen Zuhörern einen Begriff von diesem Instrument zu geben. Da nun dieser Zweck erreicht ist, so frage an, ob derselbe nicht auch auf der Sternwarte zu verwahren wäre?

Die Nachricht von einigen Kupferstichen nach van der Helst erhielt auf Anfrage von Leipzig. Da der eigentliche Zweck dadurch nicht erreicht worden, so bitte solches wenigstens als schuldige Bemühung anzusehen.

verehrend.

unterthänigst

Weimar den 11. März 1827.

Goethe.[77]


42/73.


An Johann Friedrich Cotta

Ew. Hochwohlgeboren

geneigtes Schreiben hat das bisher gewissermaßen Schwebende auf das freundlichste zurecht gelegt; erlauben Sie eine gleichfalls eilige und summarische Beantwortung.

1) Die Schillerische Correspondenz liegt auf die näher zugesagte Erklärung zum Einpacken bereit; ihr baldiges Erscheinen wird großen Einfluß auf die Ausgabe der Werke beider Freunde beweisen.

2) Der Anschluß von Kunst und Alterthum an das Morgenblatt dünkt auch mir deshalb sehr vortheilhaft, weil bey dem langsamen Vorschreiten meiner Hefte gar manches liegen bleibt und veraltet, was im Augenblick willkommen gewesen wäre. Mit Abschluß des VI. Bandes könnte jene neue Einrichtung eintreten, worüber das Nähere zu verhandeln ist.

Wegen der Abzahlung des zweyten Termins habe Einrichtung getroffen, daß ich erst auf den 14. April die Anweisung zu stellen habe, da ich denn zugleich das Honorar für das neuste Heft erheben und also 8000 rh. empfangen werde.

Die werthen Freunde Boisserée freut mich endlich im sichern Hafen zu sehen, besonders aber daß sie von Ew. Hochwohlgeboren eigentlich nicht getrennt werden, und es ist dieß wirklich als eine große Gunst des Schicksals anzusehen. Die allgemeine Beweglichkeit[78] einer aufgeregten Welt macht freylich jetzt gar vieles möglich, woran man sonst zu denken sich nicht getraute; wie denn auch des Königes Jugendsinn und Kraft Wirkungen hervorbringen muß, von denen man jetzt noch gar keinen Begriff hat.

Die gewünschten Exemplare Faust sind glücklich angekommen, wofür ich zum schönsten danke; die Aushängebogen, wahrscheinlich auch irgendwo beygepackt, kommen wohl nächsten an. Haben Sie die Gefälligkeit zu bestellen, daß damit wenigstens bandweise fortgefahren werde; auch wünsche, wie schon gemeldet, das Original jedesmal zurück. Eine wiederholte Revision und nachträgliche Bemerkung wird dadurch möglich, und unsere Ausgabe erhält erst ihren rechten Werth, als von der letzten Hand dem Publicum zugesagt.

Auch vermelde daß zwey Personen, Herr Genast, sonst Regisseur, und Registrator Schuchardt auf 10 Exemplare subscribirt und pränumerirt haben. Ich bitte diesen wackern und wohlwollenden Personen, jedem sein Paquet besonders adressirt, allenfalls denen an mich zu sendenden Exemplaren beyzupacken. Den Geldbetrag, wenn Sie nicht anders anordnen, werde auf Ihre zu Ostern zu übersendende Rechnung schreiben.

Anderes erlauben Sie an Herrn Boisserée zu melden, auch verfehle nicht das Kästchen mit der zweyten Sendung zunächst abzuschicken.

Mit freudigem Gefühl, daß alles sich auf die beste Weise erzeigt und schickt, empfehle mich Ew. Hochwohlgeboren[79] und Ihrem werthen Kreise auf's andringlichste mit dem treusten Wunsche, daß Ihnen in Ihren wichtigen Geschäften alles zum Vortheil gerathen möchte.

Hochachtend wie vertrauend

Ew. Hochwohlgeb.

gehorsamster Diener

Weimar d. 12. März 1827.

J. W. v. Goethe.


42/74.


An Sulpiz Boisserée

Den Zeitungsnachrichten traute nicht Glauben beyzumessen, Dank zum schönsten daß Sie mir sogleich an der Gewißheit Theil geben; und so bin ich denn einer meiner letzten Sorgen los! Zelters herrliche Anstalt ist nun ein schickliches und hinreichendes Gebäude gegründet, Ihre unschätzbare Sammlung hat Raum und Sie eine willkommene Wohnung gefunden; für meine nächsten Freunde bleibt mir also nichts zu wünschen übrig und für mich nur ausdauernde Kräfte, um zu leisten was mir obliegt; alles sey den waltenden Mächten anheim gegeben.

In Ihren neuen Wohnort nehmen Sie Theil an den größtbewegten Zuständen, die sich in Deutschland hervor thun; alles andere hat schon einen gemeßnern Gang, Bayern ist, wie alle Jugend, nicht zu berechnen. Das Sie sich auch hier der nachbarlichen Theilnahme des Herrn v. Cotta im besten Sinne zu erfreuen haben,[80] ist auch mir sehr angenehm und für eine Umsicht allgemeiner Verhältnisse höchst willkommen. Sagen Sie mir das Nähere nach und nach, wie Sie es gut finden. Es ist mir viel werth, daß ich in jene Zustände durch Sie einen freyern reinern Blick gewinne; denn wie sollte man an einem solchen Werden und Wirken nicht einen redlichen Theil nehmen deshalb von dem Besondersten unterrichtet zu seyn wünschen.

Von Herrn v. Cotta habe ich einen ausführlichen freundschaftlichen, obgleich abermals eiligen Brief. Die Ausgabe der Schillerschen Correspondenz nimmt er im Allgemeinen an, mit dem Vorbehalt, das Besondere mit Ihnen zu besprechen, deshalb ich das Nähere vielleicht durch Sie erhalte; das Manuscript liegt zur Absendung parat. Da er geneigt scheint den Druck gleich anzufangen, so darf ich wohl sagen, es wird für die Ausgabe sowohl meiner als der Schillerschen Werke von großer Bedeutung seyn.

Heute nicht mehr als wiederholten Gruß und Wunsch. Heitere Theilnahme dem Beygelegten wünschend.

unwandelbar

Weimar den 11. März 1827.

Goethe.


42/75.


An Carl Friedrich von Reinhard

[12. März 1827.]

Wie uns der Anfang des vorigen Jahres in Lein und Trauer fand, so erschien das gegenwärtige mit[81] den angenehmsten Ansichten, und hätte nicht der Unfall Ihro Majestät des Königs eine freyere lebhaftere Communication gehindert, so wären unsre Fest zwar nicht die brillantesten, aber doch gewiß die anmuthigsten gewesen die in einem fürstlichen Kreise gefeyert werden. Braut und Bräutigam jung, schön, liebenswürdig und liebend, würden in jeden Verhältnissen Heiterkeit verbreitet haben, und sind uns desto erwünschter in einer höhern Sphäre, wo die ganze Constellation zugleich auf schöne äußere Bezüge und auf ein inneres Behagen hindeuten. Drey hintereinander gefeyerte Geburtstäge, Hoftage, Tafeln, Concert und Bälle und, durch die besondere Gunst des Winters, Schlittenfahrten mit aller Lust und Schmuck, erhielten jung und alt in kreisender Bewegung, wodurch denn meine Einsiedeley gelegentlich sehr freundlich berührt und besucht wurde. Indessen durfte ich mein literarisches Tagewerk nicht vernachlässigen und ich war manchmal wirklich in bedrängter Lage. Auch jetzo muß ich mich zusammennehmen und die Thüre schließen, wenn ich meine Gedanken in die Ferne brieflich in Worte fassen will.

Ihre beiden so reichen als anmuthigen Briefe, verehrtester Freund, sind mir indessen nicht aus dem Sinne gekommen; möge sich nach Ihrer Rückkehr alles nach Wunsche gestaltet haben.

[82] Vorstehendes längst Geschriebenes verfehle nicht endlich heute, den 12. März, kurz vor Frühlings Anfang, bey sicht- und empfindbar scheidendem Winter fortzusetzen und wiederhole, daß es mir seit Anfang des Jahres ganz wohl gegangen. Mein Befinden war leidlich, so daß ich die mir zugedachten höchsten Besuche mit Behaglichkeit verehren und genießen konnte. Auch muß dieser edlen Persönlichkeiten nochmals gedenken. Von Ihro Königlichen Hoheit dem Kronprinzen sage mit Wenigem: daß er auf mich einen vollkommen angenehm-günstigen Eindruck gemacht und mir den Wunsch hinterlassen hat, ihn früher gekannt zu haben und länger zu kennen. Die drey Herren Gebrüder, von meinem Fürsten eines Morgens mir zugeführt, sah ich mit Freude und Bewunderung. Man kann einem Könige Glück wünschen, drey so verschiedenartige wohlgebildete Söhne (mit einem vierten, den ich noch nicht kenne) vor sich heranwachsen zu sehen. Sie haben ein ganz frisches Leben in unsre Cirkel gebracht und das Behagen unsres Großherzogs an ihnen und dem neu eingleiteten Verhältniß war nur mit Rührung anzusehen.

Das wichtige und mit allem Ernst zu behandelnde Geschäft der neuen Ausgabe meiner werke konnte ich den ganzen Winter über sorgfältig verfolgen; auch kommt zu Ostern ein Heft Kunst und Alterthum heraus, welches ungesäumt erfolgen soll. Diese Arbeiten[83] welche mit mir sich niederlegen und wieder aufstehen, die mich Nachts, in durchwachten Stunden, ununterbrochen beschäftigen, sind die eigentliche Ursache meines retardirten Briefschreibens. Da ich meinen Freunden diese Äußerungen meines Daseyns gar oft im Stillen, und zwar persönlich zudenke, so komme ich nicht dazu ihnen einige vertrauliche Worte unmittelbar zu widmen.

Von guten Ereignissen hat mich diese Tage die endliche Bestimmung des Boisseréeschen Schicksals und Besitzes höchlich gefreut; besonders nach meiner Denkweise schien mir die auf ihnen ruhende Last ganz unerträglich; sie können nun doch das, was ihnen obliegt, besonders auch die Herausgabe des Domwerks, mit mehrerem Behagen und ruhigerem Sinne abwarten.

Übrigens kommt mir in meinen alten Tagen der Gährungsprozeß im Königreiche Bayern gar wunderbar vor; es sind und werden dort so vielerlei Elemente versammelt, deren Einigung, Verkörperung und Gestaltung sich niemand denken kann. Indessen werden wir, bey größter Longävität, Probleme hinter uns lassen und in der Hoffnung scheiden, daß die Nachwelt sich unerwartet glücklicher Resultate möge zu erfreuen haben.

Aus Paris ist manches Gute zu mir gekommen, durch die Herrn Boisserée, Coudray und andere. Von Herrn Baron v. Cuvier habe ich eine schöne[84] Sendung Fossilien, theils in natura, theils in Modell; dessen Fräulein Tochter erwi-

Die Fortsetzung nächstens, indess

treulich und herzlich

J. W. v. Goethe.


42/76.


An Carl Georg Hase

Geneigtest zu gedenken.

Da, wie äußerlich zu vernehmen gewesen, Ew. Wohlgeboren in dem Nachlasse der seligen Frau Oberstallmeisterin von Stein und dessen Inventarisation beschäftigt sind, so nehme mir die Freyheit auf einen Gegenstand aufmerksam zu machen, welcher sich wahrscheinlich darunter finden wird und auf welchen ich Ansprüche mit Grund zu machen glaube.

Es ist nämlich ein Portefeuille in großem Format, wenn ich mich recht erinnere mit braunem Papier überzogen, leichte unvollendete Skizzen enthaltend, dergleichen ich in früherer Zeit nach der Natur zu machen pflegte; diese habe ich meiner seligen Freundin wie sie nach und nach entstanden in Verwahrung gegeben, und wir erinnerten uns dabey manches ländlichen Aufenhaltes und sonstiger auswärtiger Localitäten.

Gedachte Blätter, welche eigentlich keinen künstlerischen Werth haben, auf die man nur ein pretium[85] affectionis legen kann, sind immer als gemeinsam angesehen worden, in dem Sinne daß solche dem Überlebenden verbleiben würden.

Sollte noch außer dieser meiner einfachen Darstellung ein Argument nöthig seyn, so füge hinzu: daß die edle Freundin, als sie in meiner Abwesenheit dem Fürsten Reuß zu Köstritz, auf dessen dringendes Verlangen, einige dieser Skizzen überlassen, mich schriftlich davon benachrichtigte, sogleich diese Entfremdung freundlichst entschuldigte und meine förmliche Einwilligung dazu ausdrücklich verlangte.

In diesen Rücksichten mache Ew. Wohlgeboren um so unbewundener aufmerksam als Sie mir schon in mehreren Fällen geneigten Beystand erfahren lassen und füge die Bitte hinzu: sich nach diesem Gegenstand gelegentlich umzusehen und, wie er sich vorfindet, meinen Wunsch, daß derselbe zu meinen Händen gelangen möge, Ihren Herren Principalen, die ich unmittelbar damit nicht behelligen wollen, vorzutragen und zu bewirken, daß ich dessen theilhaft werden möge. Der ich die Ehre habe in Hochachtung und Vertrauen mich zu unterzeichnen

Ew. Wohlgeb.

ergebensten Diener

Weimar den 12. März 1827.

J. W. v. Goethe.[86]


42/77.


An Johann Lorenz Schmidmer

[Concept.]

[Etwa 13. März 1827.]

Ew. Wohlgeboren

erhalten abermals einen kleinen Auftrag, wobey ich mich, wie bey dem vorigen, ganz auf Ihre Einsicht und Beurtheilung verlassen muß. Ich sende nämlich, beliebter Kürze wegen, einen Theil des Catalogs der auf den 21. May ankündigten Bücher- und Kupferstich-Auction nur mit angestrichenen Nummern zurück und bemerke Folgendes:

Man legt auf den Besitz der vorgestrichenen Werke keinen besondern Werth und möchte, da die Abdrücke ohnehin meistens, wie schon aus den Bemerkungen hervorgeht, nicht von der besten Art sind, keine bedeutende Preise zahlen. Sollten jedoch die vorgestrichenen Blätter um mäßige, ja niedere Preise zu erhalten seyn, so würde man sie willkommen heißen. Die beiden roth vorgestrichenen wünscht man entschiedener zu besitzen: den Derschauischen Catalog für den wahrscheinlich schon bestimmten Preis, Nr. 82 S. 52 nach Ew. Wohlgeboren einiger Einsicht und Würdigung. Die übersendeten älteren Kunstwerke lasse noch bey mir stehen, ob ich gleich, selbst bey sehr herabgesetzten Preisen, solche unterzubringen keine Hoffnung [hege].

Mit dem Wunsch für so mannigfaltig erzeigte Gefälligkeiten Ew. Wohlgeboren etwas Angenehmes erweisen zu können.[87]


42/78.


An Friedrich Johannes Frommann

[Concept.]

Ew. Wohlgeboren

erhalten hiebey die Folge des Vorberichtes, später als ich gewünscht und geglaubt. Die wenigen noch fehlenden Blätter kommen zunächst; der Inhalt derselben wird seyn:

1) Entwickelung des zweyten Chors von Adelchi.

2) Über die Ode auf Napoleons Hinscheiden.

3) Etwas von Streckfußens Übersetzung.

4) Ein von mir übersetzter Monolog als Versuch sich ganz nah am Original zu halten.

Vorstehendes soll möglichst gefördert werden.

Mittwochs erfolgt abermals Manuscript zu Kunst und Alterthum; und so werden auch wir zu gerechter Zeit mit unsern Unternehmungen hervortreten können.

In aufrichtiger Theilnahme.

Weimar den 17. März 1827.


42/79.


An Wilhelm Reichel

Ew. Wohlgeboren

weiß nicht genug Dank zu sagen für die Aufmerksamkeit die Sie der Ausgabe meiner Werke zuwenden wollen Freylich erforderte dergleichen die Gegenwart[88] des Autors; doch Sie haben ja die Geneigtheit das Mangelnde zu ersetzen.

Wegen des fünften Bandes war es mir immer bange und ich erwartete schon früher eine Bemerkung deshalb. Ihre gefällige Anfrage veranlaßt nunmehr mich zu folgendem Vorschlag:

Der eigentliche poetische Divan beträgt 15 Bogen gedruckt; nun müßte das neu hinzugefügte wohl auch 3-4 Bogen geben, also wäre hiedurch ein Band wie man ihn im Durchschnitt annimmt gefüllt.

Die als Noten beygebrachten Aufsätze und Ausführung druckten wir sodann als den sechsten Band und ruckten mit dem Nummern der übrigen fort. Wir in der Mitte und am Ende unserer Ausgabe Spielraum, ja es wäre kein Unglück wenn wir zu einer nachträglichen Sendung genöthigt würden.

Die, wenn auch schon durch einen Umweg, bey mir anlangenden Aushängebogen sollen willkommen seyn; die folgenden wären gefällig durch die fahrende Post bandweise zu überschicken, da ich den Vortheil der Portofreyheit genieße. Jede Bemerkung werde dankbar anerkennen. Beyliegende Stellen bitte die eine in Helena, die andere wie angedeutet einzuschalten.

So eben kommt der dritte Band nebst beygefügtem Schreiben unter Kreuzband bey mir glücklich an, die beiden andern angemeldeten werden nun bald gleichfalls einlangen. Nehmen Sie meinen wiederholten Dank freundlich auf, daß Sie die Conformität[89] der Schreibart auch von Ihrer Seite so aufmerksam sorgen wollen.

ergebenst

Weimar den 18. März 1827.

J. W. v. Goethe.


Zum Schlusse verfehle nicht auszusprechen daß ich nur wünsche das Publicum möge Lettern, Papier und Anordnung so wie ich gleicherweise billigen; wir dürfen auf alle Fälle hoffen, daß jenes mißwollende Wiederkäuen des ewigen Vorwurfs wegen der Schillerschen Ausgabe vor dieser ersten Lieferung alsogleich verstummen werde.

Weimar den 18. März 1827.

G.


[Beilage.]

Einzuschalten wären in Helena einige Zeilen, und zwar die letzten Worte derselben folgendermaßen abzudrucken:

Helena.


Ein altes Wort bewährt sich leider auch an mir:

Daß Glück und Schönheit dauerhaft sich nicht vereint.

Zerrissen ist des Lebens wie der Liebe Band,

Bejammernd beide sage schmerzlich Lebewohl

Und werfe pp.


In den nöthigen Bemerkungen und Aufklärungen zu den Gelegenheitsgedichten wäre bey Nr. 38 An Madame Szymanowska hinzufügen:

[90] Auch ist hier wohl der Ort noch mehrere Wiederholungen einzelner Gedichte wo nicht zu rechtfertigen doch zu entschuldigen. Das erstemal stehen sie im Allgemeinen unter ihres Gleichen, denen sie nur überhaupt durch einen gewissen Anklang verwandt sind, das zweytemal aber in Reich und Glied, da man sie denn erst ihrem Gehalt und Bezug nach erkennen und beurtheilen wird. Weitersinnenden und mit unsern Arbeiten sich ernstlicher beschäftigenden Freunden glauben wir durch diese Anordnung etwas Gefälliges erwiesen zu haben.


Der Inhalt des sechsten Bandes wäre also zunächst Folgendermaßen anzugeben:

Noten und Abhandlungen

zu

besserem Verständniß

des

Westöstlichen Divans.

Wer das Dichten will verstehen pp.

Weimar den 18. März 1827.

G.


42/80.


An Georg Friedrich Wilhelm Hegelund Carl August Varnhagen von Ense

Das an mich, hochverehrte Herren, unter' m 6. März freundlichst erlassene Schreiben hat mich zu bedeutenden Erinnerungen veranlaßt. Es sind so eben drey[91] und vierzig Jahre, daß mich Schiller zur Theilnahme an den Horen einlud, und es muß mich höchlich freuen, daß in dieser langen Zeit das Zutrauen meiner Landsleute sich nicht vermindert hat, sondern daß mir vielmehr von einer Gesellschaft der Würdigsten die Ehre erzeigt wird, mich zu frischer vereinter Thätigkeit aufzufordern. Ich erkenne mit besonderm Dank wenn Sie mich unter die Ihrigen aufnehmen und mich auch öffentlich als einen solchen nennen wollen; ich thue dieses desto unbedenklicher als Dieselben in dem Mitgefühl meiner gegenwärtigen Zustände nur eine gelegentliche Theilnahme zu erwarten scheinen.

Lassen Sie mich daher Ihren Arbeiten eine Zeitlang zusehen, damit ich Ihre Zwecke, Absichten, Gesinnungen, die mir im Allgemein gar wohl bekannt sind, auch im Einzelnen kennen lerne, und dadurch veranlaßt werde von demjenigen, was mir am meisten anliegt, den Umständen gemäß etwas Würdiges mitzutheilen.

Entrichten Sie meinen verpflichteten Dank der ganzen Gesellschaft und bleiben in jedem Falle meiner stillen oder ausdrücklich auszusprechenden Theilnahme gewiß.

Verehrend wie vertrauend

Das Beste wünschend,

unwandelbar

Weimar d. 15. März 1827.

J. W. v. Goethe.[92]


42/81.


An Carl August Varnhagen von Ense

Indem ich Gegenwärtiges zu siegeln im Begriff bin, finde ich mich noch glücklicher Weise in dem Falle Ew. Hochwohlgeboren etwas wahrhaft Angenehmes zu melden. Ich hatte nämlich die Ehre Ihro Kaiserlichen Hoheit der Frau Erbgroßherzogin aufzuwarten und von Höchstdenenselben einen entschiedenen, Ihren neusten biographischen Arbeiten gegönnten Beyfall auf das freundlichste zu vernehmen. Nichts wäre mir erwünschter gewesen, als wenn Sie selbst unmittelbar und ausführlich von der reinsten Theilnahme, von einer wahrhaft genialen und gründlich humoristischen Würdigung Ihrer so ernsten als gelungenen Arbeiten sich hätten überzeugen können.

Da ich mich niemals ermächtige, irgend ein Wort solcher höchst schätzenswerthen Unterhaltungen auf irgend eine Weise verlauten zu lassen, so erbat ich mir zur Gnade, gegen Ew. Hochwohlgeboren dießmal eine Ausnahme machen zu dürfen, welches ich denn hiedurch zu thun nicht verfehle. Sie überzeugen sich, daß es mir das größte Vergnügen macht, meine ältesten geprüftesten Freunde auch von einer Dame geschätzt zu wissen, welche jeden Stand zu erhöhen geeignet gewesen wäre, und selbst auf dem höchsten noch persönliche Bewunderung erregt. Ich spreche dieß nicht weiter aus, so wenig als ich zu versichern[93] habe, daß ich in unwandelbarer Theilnahme, mir das Gleiche erbittend, verharre.

gehorsamst

Weimar den 18. März 1827.

J. W. v. Goethe.


Herrn Professor Hegel haben Sie die Güte schönsten zu grüßen und mir vorläufig die Erlaubniß zu erbitten in diesen Tagen ihn mit einem bescheidnen Gesuch um guten Rath anzugehen.


42/82.


An Carl Friedrich Zelter

Was soll der Freund dem Freunde in solchem Falle erwidern! Ein gleiches Unheil schloß uns auf's engste zusammen, so daß der Verein nicht inniger seyn kann. Gegenwärtiges Unglück läßt uns wie wir sind, und das ist schon viel.

Das alte Mährchen der tausendmal und immer noch einmal einbrechenden Nacht erzählen sich die Parzen unermüdet. Lange leben heißt viele überleben, so klingt das leidige das Ritornell unseres vaudevilleartig hinschludernden Lebensganges; es kommt immer wieder an die Reihe, ärgert uns und treibt uns doch wieder zu neuem ernstlichen Streben.

Mir erscheint der zunächst mich berührende Personenkreis wie ein Convolut sibyllinischer Blätter, deren eins nach dem andern, von Lebensflammen[94] aufgezehrt, in der Luft zerstiebt und dabey den überbleibenden von Augenblick zu Augenblick höhern Werth verleiht. Wirken wir fort bis wir, vor oder nacheinander, vom Weltgeist berufen in den Äther zurückkehren! Möge dann der ewig Lebendige uns neue Thätigkeiten, denen analog in welchen wir uns schon erprobt, nicht versagen! Fügt er sodann Erinnerung und Nachgefühl des Rechten und Guten was wir hier schon gewollt und geleistet, väterlich hinzu; so würden wir nur desto rascher in die Kämme des Weltgetriebes eingreifen.

Die entelechische Monate muß sich nur in rastloser Thätigkeit erhalten; wird ihr diese zur andern Natur, so kann es ihr in Ewigkeit nicht an Beschäftigung fehlen. Verzeih diese abstrusen Ausdrücke! man hat sich aber von jeher in solche Regionen verloren, in solchen Sprecharten sich mitzutheilen versucht, da wo die Vernunft nicht hinreichte und wo man doch die Unvernunft nicht wollte walten lassen.

Daß du mitten in deiner Trauer noch des Heftes von Kunst und Alterthum gedenkt, freut mich sehr, weil bey dem größten Verlust wir uns sogleich umherschauen müssen, was uns zu erhalten und zu leisten übrig bleibt. Wie oft haben wir in solchen Fällen mit neuer Hast unsere Thätigkeit erprobt, uns dadurch zerstreut und allem Tröstlichen Eingang gewonnen! Das entdeckte Verständniß der Aristotelischen Stelle[95] war mir ein großer Gewinn, sowohl um ihrer selbst und des ästhetischen Zusammenhanges willen, als weil eine Wahrheit Licht um sich her nach allen Seiten verbreitet.

Ein überzähliger Aushängebogen des dritten Bandes liegt hier bey. Möge er dir ein gutes Vorurtheil für das Übrige geben. Man besorgt den Abdruck mit großer Aufmerksamkeit und Sorgfalt; freylich werden wir immer dabey erinnert, daß wir keine Engländer sind.

Lebe wohl und gedenke meiner treuen Anhänglichkeit in guten und bösen Tagen; setze dich nieder öfters an mich zu schreiben, immer werd ich eine Stunde und genugsamen Anlaß finden zu erwidern und zu senden.

Bey mir geht es ruckweise, erst muß ich den italiänischen Manzoni, dann Kunst Alterthum, die nächste Lieferung meiner Werke, vielleicht bald die Schillerischen Briefe befördern. Auch sonst gibt's allerlei zu thun, Fremde nicht wenig; deshalb denn auch der empfohlene freundlich aufgenommen werden soll.

Für immer und ewig

der Deine

Weimar d. 19. März 1827.

Goethe.[96]


42/83.


An Friedrich Johannes Frommann

[Concept.]

Ew. Wohlgeboren

erhalten hiebey abermals einiges Manuscript, wobey ich mir wenn es abgesetzt ist gefällig anzuzeigen bitte: wie viel Raum noch übrig bleibt. Freylich hätte ich zum Schluß noch einiges Bedeutende nachzubringen und ich wollte daher anfragen: ob man die Tabelle nicht so einrichten könnte, daß sie einen Viertelsbogen unseres Formats ausmachte, welches mir möglich scheint, wenn man die Überschrift in Eine Zeile brächte, sodann aber dem Raum der Bezeichnung einzelner Columnen Naturell, Stoff pp. an seiner Höhe etwas abbräche; alsdann könnte man auf den zweyten Viertelsbogen Schmutz- und Haupttitel bringen und das Bedürfniß wäre durch einen halben Bogen erfüllt. Haben Sie die Güte zu überlegen, ob das was ich wünsche technisch zu leisten sey.

Auf den Sonnabend hoff ich den Abschluß zu Manzoni zu übersenden. Ich hatte diese Aufsätze früher für Kunst und Alterthum bestimmt und die Anlage etwas breit genommen, um manches bey dieser Gelegenheit auszusprechen, nun fürcht ich für Ihre Zwecke weitläufiger als billig zu seyn.

Der ich Ihnen und den lieben Ihrigen mich zum allerbesten empfehle.

Weimar den 21. März 1827.[97]


42/84.


An Johann Heinrich Meyer

Wollten Sie mir das Wort über unsre zertrümmerte Schönheit gefällig mittheilen, so könnte die Sendung heute fortgehen. – Herr Ternite meldet mir daß er mit jeder Lieferung ein colorirtes fac simile irgend eines der Bilder geben wollte. Dieses Empfehlende hab ich am Schlusse nachgebracht.

21. März 27.

G.


42/85.


An Carl Gustav Börner

Aus dem ersten Verzeichniß vorzüglicher Kupferstiche und Radirungen, welche Sie mit beygesetzten Preisen den Liebhabern anbieten, wünsche die in beygehendem Blatt anzeigte zu besitzen. Senden Sie mir solche, aber nicht gerollt, sondern zwischen starken Pappen eingepackt und in Wachstuch eingenäht, mit dem Postwagen unfrankirt, unter beyliegender Adresse.

Die Bezahlung erfolgt sogleich.

Wollten Sie mir bey dieser Gelegenheit eine Anzahl der angebotenen Original-Handzeichnungen mit Bemerkung der genauesten Preise mitsenden, so würde daraus vielleicht auch eine Auswahl treffen können, und das übrige frankirt, gleichfalls wohl eingepackt, zurücksenden. Es sollte mir angenehm seyn, für meine[98] Zwecke hierunter etwas Brauchbares zu finden und dadurch ein näheres Verhältnis einzuleiten.

Ferner ersuche, daß Sie mir Ihre Verzeichnisse und etwa sonstige Catalogen unmittelbar zusenden.

Mit den besten Wünschen

ergebenst

Weimar den 21. März 1827.

J. W. v. Goethe.


42/86.


An den Großherzog Carl August

Ew. Königlichen Hoheit

lege eine angenehme Sendung von Geh. Rath Sömmerring vor, er hatte dem mir zurückgesendeten Amicischen Mikroskop dieselbe beygelegt.

Sein Schreiben ist allerdings interessant und das colorirte Frauenhoferische Spectrum, dessen Erscheinung nur unter gewissen Umständen und mit einiger Schwierigkeit zu betrachten ist, hier so ausführlich und colorirt mit Bequemlichkeit vor sich zu sehen, ist sehr erwünscht.

Das beykommende Buch gilt nur als Portefeuille.

Durch Schreiben und Tafel nunmehr veranlaßt werde nun bey ihm unmittelbar wegen dem Preis jenes Instrumentes nachfragen.

Mich zu fortdauernder Huld und Gnade empfehlend.

Verehrend

unterthänigst

Weimar den 23. März 1827.

J. W. v. Goethe.[99]


42/87.


An David Knoll

Sie haben, mein werthester Herr, Ihren Wunsch mir zu erkennen gegeben, das Heft zur Kenntniß der böhmischen Gebirge als Beylage Ihrer in Kauf gestellten Müller'schen Sammlung wieder abdrucken zu lassen. Ich gehe hierzu gern die Erlaubniß, und können sich Dieselben bey der allenfallsigen Behörde deshalb durch Gegenwärtiges legitimiren.

Wie es mir nun angenehm ist, daß die von mir und dem verstorbenen Müller mit so vieler Sorgfalt geordnete Sammlung noch immerfort bey Naturfreunden eine geneigte Theilnahme findet, so ist es mir auch sehr angenehm zu hören, daß die in ihrer Art wirklich einzigen Carlsbader Heilwasser mit würdigen Umgebungen geziert werden, ihr Genuß bequemer und dadurch auch gewiß heilsamer gemacht ist.

Schließlich berge ich meinen Wunsch nicht, selbst noch Zeuge von diesen neuen Anstalten zu seyn, da ich denn nichts mehr wünsche, als auch Sie, mein werthester Herr, bey frischer Gesundheit und in glücklichen Geschäften abermals anzutreffen. Wollen Sie die guten Hausbesitzer vom Drey Mohren und vom goldenen Strauß von mir schönstens grüßen, so werden Sie mir eine Gefälligkeit erzeigen. Mit den besten Wünschen und Hoffnungen

ergebenst

Weimar den 23. März 1827.

J. W. v. Goethe.[100]


42/88.


An Christian Daniel Rauch

Ew. Wohlgeboren

nehmen Überbringerin dieses gewiß recht freundlich auf; Demoiselle Facius, Tochter des hiesigen Medailleurs und Steinschneiders, welche Kunstliebe und Fertigkeit vom Vater geerbt hat, kommt mit Herrn Posch nach Berlin, um in der dortigen Kunstwelt erst gewahr zu werden, was von dem Künstler gefordert wird und wozu sie sich auszubilden hat. Sie verdient von allen Wohldenkenden auf das beste gefördert zu werden.

Ich benutze diese Gelegenheit mein Andenken zu erneuern, meine fortwährende Theilnahme an Ihren herrlichen Werken auszusprechen und mich, unter vielen Grüßen an die werthen Ihrigen und Kunstverwandten, angelegentlichst zu empfehlen.

Ew. Wohlgeb.

ergebenster Diener

Weimar den 27. März 1827.

J. W. v. Goethe.


42/89.


An Doris Zelter

[Concept.]

[27. März 1827.]

Lassen Sie das gute Kind manchmal bey sich seyn und des Glücks eines liebevollen Familiengefühls in Ihrer Umgebung genießen. Der gute Vater ist ihr gewiß auch freundlich. Tausend Lebewohl![101]


42/90.


An Carl Friedrich Zelter

Auf deinen lieben Brief, welcher mir heute, am 23. März, zukommt, erwidere Folgendes. Deiner Beystimmung bin ich immer gewiß, denn du liebst wie ich vom Anfang anzufangen und so gehen wir parallel mit einander, können uns auch unterwegs deshalb von Zeit zu Zeit die Hand reichen.

Ich sagte neulich bey einer Gelegenheit, die ich vielleicht bald näher bezeichne: il faut croire à la simplicité! zu Deutsch: man muß an die Einfalt, an das Einfache, an das urständig Prouctive glauben, wenn man den rechten Weg gewinnen will. Dieses ist aber nicht jedem gegeben; wir werden in einem künstlichen Zustande geboren und es ist durchaus leichter, diesen immer mehr zu bekünsteln als zu dem Einfachen zurückzukehren.

Deine Empfehlung des empfehlenswerthen Krügers traf mit einer andern an unsern Großherzog gerichteten gar glücklich zusammen. Er trat gestern Abend als Mortimer mit Beyfall auf; meine Kinder und Freunde sagten hierüber verständig das Beste. Heute bat ich ihn zu Tische, wo die versammelten Theaterfreunde sich reichlich und anmuthig ergingen, wovon er auch gewiß den besten Eindruck in sich aufgenommen hat. Mittwochs spielt er den Orest in meiner Iphigenie, aber es ist mir ohnmöglich hineinzugehen, wie[102] er wohl wünschte. Was soll mir die Erinnerung der Tage, wo ich das alles fühlte, dachte und schrieb.

Doch ist mir in dieser letzten Zeit eine ähnliche Pein geworden. Ein Engländer, der wie andere um nicht Deutsch zu lernen nach Deutschland gekommen war, verführt durch geistreich gesellige Unterhaltung und Anregung, machte den Versuch, meinen Tasso in's Englische zu übersetzen. Die ersten Probestellen waren nicht zu verwerfen, im Fortsetzen ward es immer besser, nicht ohne Eingreifen und Mitwirken meines häuslichen, wie eine Schraube ohne Ende sich umdrehenden Sprach- und Literaturkreises.

Nun wünscht' er, daß ich das ganze Stück gern und mit Bequemlichkeit durchlesen möchte, deshalb ließ er sein Concept in groß Octav, mit neuen Lettern, sehr anständig abdrucken, und ich ward dadurch freylich compromittirt, dieses wunderliche Werk, das ich, seitdem es gedruckt ist, nie wieder durchgelesen, solches auch höchstens nur unvollständig vom Theater herab vernommen hatte, mit Ernst und Sorgfalt durchzugehen. Da fand ich nun, zu meiner Verwunderung, mein damaliges Wollen und Vollbringen erst wieder am Tage, begriff, wie junge Leute Vergnügen und Trost finden können, in wohlgestellter Rede zu vernehmen, daß andere sich auch schon einmal so gequält haben wie sie selbst jetzt gequält sind. Die Übersetzung ist merkwürdig, das wenige Mißverstandene ist nach meiner Bemerkung abgeändert, der[103] Ausdruck kommt nach und nach immer besser in Fluß, die letzten Acte und die passionirten Stellen sind vorzüglich gut.

Nun ist auch, mein Theuerster, dein Brief vom 23. März angekommen und ich habe darauf wie immer zu erwidern, daß es eine Freude sey mit dir zu verkehren. Du nimmst dir, nach alter Weise, einen prägnanten Punct heraus und entfaltest ihn zum besten Verständniß und Nutzanwendung, und mich freut nun erst mein gefundenes Waizenkorn, da du dasselbe zu einer reichen Ernte gefördert hast. Die Vollendung des Kunstwerks in sich selbst ist die ewige unerläßliche Forderung! Aristoteles, der das Vollkommenste vor sich hatte, soll an den Effect gedacht haben! welch ein Jammer!

Stünden mir jetzt, in ruhiger Zeit, jugendlichere Kräfte zu Gebot, so würde ich mich dem Griechischen völlig ergeben, trotz allen Schwierigkeiten die ich kenne; die Natur und Aristoteles würden mein Augenmerk seyn. Es ist über alle Begriffe was dieser Mann erblickte, sah, schaute, bemerkte, beobachtete, dabey aber freylich im Erklären sich übereilte.

Thun wir das aber nicht bis auf den heutigen Tag? An Erfahrung fehlt es uns nicht, aber an der Gemüthsruhe, wodurch das Erfahrne ganz allein klar, wahr, dauerhaft und nützlich wird. Man sehe die Lehre von Licht und Farbe, wie sie vor meinen sichtlichen Augen Professor Fries in Jena vorträgt; es[104] ist die Hererzählung von Übereilungen, deren man sich seit mehr als hundert Jahren im Erklären und Theoretisiren schuldig macht. Hierüber mag ich öffentlich nichts mehr sagen, aber schreiben will ich's; irgend ein wahrhafter Geist ergreift es doch einmal.

Nun aber nur wenige Worte zu den Aushängebogen, die ich dir nur im Allgemeinen empfehlen will – Vater Hamlet im Schlafrock ist dir gewiß willkommen. – Die serbischen lustig-leichtfertigen Weiber, so wie die zarten zärtlichen chinesischen Fräulein wirst du nach Gebühr begrüßen. – Die Tabelle wird eingeschaltet und fordert, wie du wohl siehst, noch ein Vor- und Nachwort, welches denn auch nächstens erfolgen wird.

Vierzehn gedruckte Bogen meines vierten Bandes liegen auch schon vor mir; der nächste Transport bringt die Helena, welches funfzigjährige Gespenst endlich im Druck zu sehen mir einen eignen Eindruck machen wird. In vier bis fünf Wochen habt ihr das Ganze; manches wird neu seyn, manches neu erscheinen, und das Alte hoffentlich nicht veraltet.

In meiner Vorrede zu Manzoni's Werken bey Frommanns findest du nur eigentlich das Bekannte aus Kunst und Alterthum. Doch hab ich bey Gelegenheit Chöre einiges Wunderliche gesagt, das du dir gewiß mit Freunden zueignest.

Das Vortreffliche (so sag ich hier in Bezug auf den Anfang) sollte durchaus nicht bekrittelt noch besprochen,[105] sondern genossen und andächtig im Stillen bedacht werden. Da aber die Menschen dieß weder begreifen noch ergreifen, so wollen wir's thun und uns dabey wohl befinden.

An Doris habe ich ein sehr artiges Fräulein adressirt, das ein wundersames Kunst- und Handwerks-Naturell vom Vater geerbt hat. Wäre ihre Bildung musicalisch, wie jetzt bildnerisch, so würdest du sie nicht von der Seite lassen. Herr Posch, der Wachsbildner, nimmt sie mit nach Berlin. Dieser alte geschickte Künstler hat unserm Großherzog, der ihn von Paris her kannte, vier Wochen lang sehr angenehme Unterhaltung gegeben. Der Fürst ließ die ganze Familie in allen Zweigen und Abstufungen porträtiren; Herzog Bernhard und die Seinigen waren auch noch hier; was profilable war ist gut gerathen.

Noch ist mit wenigen zu melden daß die Revision unsrer Correspondenz immer fortgeht, mir und Riemern Gelegenheit zu den Anmerkungen gibt und die wünschenswertheste Unterhaltung gewährt.

treu der Deine

Weimar den 29. März 1827.

Goethe.


42/91.


An Alfred Nicolovius

[Concept.]

Hierbey, mein Bester, deine Gefälligkeit abermals ansprechend, eine geneigtest bald in's Publicum zu befördernde[106] Anzeige. Deine Sendung und Schreiben vom 14. und 16. März sind wohl angekommen; nächstens Erwiderungen mancher Art.

Empfiehl mich überall. Die Aushängebogen der Taschenausgabe meiner Werke liegen bis in den vierten Band vor mir und nehmen sich recht nett und niedlich aus. Das Äußere soll euch dießmal nicht abhalten am Innern Freude zu haben.

Bis Ostern liegt noch manches schwer auf mir. Die Anzeige von Kunst und Alterthum erfolgt nächstens.

Weimar den 29. März 1827.


42/92.


An Leopoldine Grustner von Grusdorf

Die übersendeten Umrisse zeugen, meine Theuerste, von einem schönen und natürlichen Talent für bildende Kunst. Die Weimarischen theilnehmenden Freunde wünschen Ihnen Glück einen so trefflichen Lehrer gefunden zu haben der Ihnen nur nachahmenswerthe, den Sinn reinigende und erhöhende Blätter vorlegt. Gehorchen Sie ihm in allem, er wird Sie, wie jetzt durch die Gesichtszüge, auch die übrigen Glieder der menschlichen Gestalt durchführen, Sie auf die Bestimmung der einzelnen, ihre Proportion und wechselseitige Einwirkung treulich aufmerksam machen. Das Äußere prägen Sie sich ein, das Innere lernen Sie[107] nach und nach kennen. Alsdann wird er Sie auf das was ein Bild macht, geregelte faßliche Composition, Licht, Schatten, Haltung und zuletzt auf die Farbe hinleiten. Wenden Sie stufenweis Ihre Zeit eifrigst auf dieses ernste Studium.

Die Sie aber einen lebhaften Drang fühlen dasjenige was Ihnen in der sichtbaren Welt begegnet nachzubilden, so bitte ich Sie inständig sich nur an das Bewegte, Thätige, Kräftige und Wirksame zu halten. Um mich verständlich zu machen geh' ich schnell zu Beyspielen: Sehen Sie den Kindern aufmerksam zu, wenn diese nun im Frühjahr ihre Spiele beginnen, es sey nun daß sie Ball werfen und schlagen, den Kreisel peitschen, den Reiftreiben, auf Stelzen gehen, sich überschlagen und wozu sie sonst die Überfülle unausgebildeter Kräfte muthwillig verschwenden. Heften Sie ferner Ihre Augen auf solche Handwerker, welche kräftige tüchtige Bewegungen nachzubilden Anlaß geben; den Schmiedmeister, der seinen Gesellen um den Amboß herwirkend das Eisen bändigt. Lauern Sie ihm wie andern das Charakteristische des Geschäfts ab. Sind Sie zu ruhigern Betrachtungen geneigt, so sehen Sie auf dem Markte Verkäufern und Käufern zu, dort werden einem lebendig aufmerksamen, geistreichen Blick die anmuthigsten Motive sich entdecken.

Nun aber da ich Sie an die nächste Wirklichkeit hinweise, welche fast unwerth schiene von Ihnen nachgebildet zu werden, so sag ich noch: daß der Geist des[108] Wirklichen eigentlich das wahre Ideelle ist. Das unmittelbar sichtlich Sinnliche dürfen wir nicht verschmähen, sonst fahren wir ohne Ballast.

Und auch jenes Wirkliche sollen Sie nicht als gemein nachbliden. Was sich von dem menschlichen Körper nackt mit Anstand zeichnen läßt: Hals, Nacken, Brust, Arme, Schenkel, Füße müssen durch leichte Gewande mehr geziert als versteckt eine freyere Menschheit darstellen. Kinder halb und ganz nackend zu bringen, wird Ihnen nicht verwehrt seyn.

Legen Sie dieses alles Ihrem einsichtigen Meister vor, aber mit der Protestation, daß ich Sie keineswegs von dem ernsten reinen Wege auf dem er Sie führt hiedurch ablenken wolle, sondern daß es nur ein Fingerzeig sey, wie der ungeduldige Schüler einstweilen auf die natürlichste Weise sich beschäftigen und im Denken vorüber könne.

Wie Sie diese meine Vorschläge aufnehmen und sich von Brauchbarkeit derselben überzeugen, wünsche schriftlich, mehr aber bildlich ausgedruckt zu erfahren; wobey ich denn aber- und abermals wiederhole, daß der bildende Künstler sich zuerst an der kräftigen Wirklichkeit durchüben müsse, um das Ideelle daraus zu entwickeln, ja zum Religiosen endlich aufzusteigen.

Leider, meine Gute, muß das Papier auf einmal bringen was eine mündliche Unterhaltung nach und nach schicklicher mittheilte, erst prüfend wie das Gesehene[109] eingesehen und aufgekommen werde. Denken Sie dieß alles durch und melden Sie mir inwiefern Sie sich solches zueignen, oder ob es Ihnen widerstrebt. Vor und nach allem diesen Sie Ihren Meister zum schönsten und folgen ihm ausschließlich, da er Ihnen gewiß darbietet was Sie zunächst brauchen. Eröffnen Sie zunächst Ihre Gedanken hierüber und zeigen mir an, ob ich Ihre Zeichnungen gerade mit dem Postwagen zurückschicken soll.

aufrichtig theilnehmend

das Beste wünschend

Weinar den 30. März 1827.

J. W. v. Goethe.


42/93.


An Johann Heinrich Meyer

Wäre es Ihnen genehm, mein Theuerster, so holte ich Sie bald ab, wir führen ein wenig spazieren, Sie kehrten alsdann bey mir ein, um angebotene Zeichnungen zu sehen, und könnten immer noch zur rechten Zeit bey Tafel erscheinen.

Weimar den 30. März 1827.

G.


42/94.


An Carl Friedrich von Reinhard

... erwiderte gar anmuthig ein durch Ober-Baudirector Coudray ihr überreichtes Schreiben, wie denn dieser werthe Mann sich durchaus gut aufgenommen[110] fand und das Vergnügen hatte seine frühern Lehrer und Freude wieder zu begrüßen; er war zur Zeit jener Höllenexplosion daselbst gewesen.

Ferner hat Herr v. Humboldt mehrere Exemplare meiner Medaille in Paris ausgetheilt, wogegen auch manches Angenehme und Bedeutende zu mir gekommen, besonders ein Brief von Herrn Salvandy, der mich in die innern Zustände dieses merkwürdigen Mannes aus der Ferne hineinblicken läßt.

Nun erwarten wir auch die neue Ausgabe des Faust mit Lithographien von Delacroix, davon einige wundersame Probedrücke zu uns gekommen sind. Und so wirkt unser alter Sauerteig immer fort auf neues Backwerk, das mir uns denn wohl mögen gefallen lassen; und da einmal das Einbringen der deutschen Literatur, das sonst so hoch verpönt war, in Frankreich kein Hinderniß findet, so mögen sie denn auch die guten und schlimmen Wirkungen unser Productionen, die wir selbst durchgenossen und durchgelitten haben, hinterdrein nachgenießen und erdulden.

So weit war ich als mein letztes Schreiben abging gelangt. Nun aber erscheint unverhofft und unerwartet die uns höchst willkommene Übersetzung aus einem wichtigen Stück des, wie bekannt, unter uns hochgefeyerten Dichters. Meine Tochter mag ihren bescheidenen Triumph der ihr dadurch geworden geziemend ausdrücken, ich will nur zum allerbesten danken, daß Sie mich auf dieses Stück, das ich von jeher zum[111] höchsten geschätzt, wieder hingeleitet. Durch dieses Werk zeigt der allzufrüh hingeschiedene Freund, daß er nicht nur ein gegründeter, kräftiger und fruchtbarer Dichter sey, der seiner Kühnheit keine Gränzen, seiner Einbildungskraft weder Maaß noch Ziel zu setzen Lust hat, sondern daß er auch in eine strengere und engere Form, sobald er sie anerkennt, sich zu finden wisse.

Wohl ist es bemerkenswerth, daß das dichterische Naturell des außerordentlich Mannes erst jede Einschränkung und sich nur aus sich selbst seine Formen gestaltend endlich doch den Forderungen der französischen Tragödie sich fügt und wenigstens bis auf einen gewissen Grab ihrer Strenge sich unterwirft. Dieß förderte ihn nun ganz besonders bey diesem Stoffe, indem er dadurch veranlaßt wird alles Beywesen zu beseitigen und sich in den Gränzen des Dramas, mehr oder weniger wie es nach dem Vorbilde der Griechen sich einrichtet, auf das mäßigste zu ergehen.

Die Scene die Sie, mein Verehrter, zum Gegenstand Ihrer Aufmerksamkeit gewählt, reiht sich an das Zärteste was Byron geliefert hat. Wie tief empfand er die Situation des Bejahrten, väterlich Liebenden! und wie natur-sittlich hold ist die jugendlich-kindliche Erwiderung.

Müßte ich noch die Lasten eines Theater-Vorstehers tragen, so würde ich sie mir, wie vormals mit trefflichen[112] Dingen, dadurch erleichtern daß ich auch dieß glänzende Meteor auf die Scene brächte. Wie hochwillkommen würde mir dazu Ihre wohlempfundene Übertragung sey.

Nicht mehr für heute! Die Setzer von Osten und Süden drängen, von der Messe gedrängt, den Autor. Nächstens ein Stück Kunst und Alterthum; Beyliegendes einsweilen zu freundlicher Theilnahme. Ich breche ab um mich zu nächster Fortsetzung zu verpflichten.

treu angehörig

Weimar d. 30 März 1827.

Goethe.


42/95.


An Friedrich Johannes Frommann

[Concept.]

Ew. Wohlgeboren erhalten hiebey:

1) Manuscript zum Abschluß von Kunst und Alterthum VI, 1. Haben Sie nun die Gefälligkeit den 12. und 13. Bogen hiernach absetzen zu lassen. Sollten die beiden letzten Blätter H und J zu viel Materie enthalten, so lassen Sie solche weg, ich sende dagegen kleinere Dinge, die den noch übrigen Raum füllen. Auch kommt der 11. Bogen revidirt zurück, mit einer kleinen Einschaltung S. 168.

Ferner der Bogen b zu Manzoni. Ich erbitte mir einige Exemplare Aushängebogen, wenn es Ihnen genehm ist, zu Mittheilung an Freunde und Empfehlung des Unternehmens.

[113] Ich hoffe daß mein Einladungsbillet Ihren Herrn Vater am Frauenthor begrüßen möge.

Das freundlich zusammengestellte intentionirte kleine Heft werde leider mit einigen Bedenklichkeiten erwidern müssen. Daß Ihre hiebey offenbarten geneigten Gesinnungen mir lieb und werth seyen, davon sind Sie überzeugt.

Weimar den 31. März 1827.


42/96.


An Friedrich Wilhelm Riemer

[März 1827?]

Aristoteles in der Poetick sagt:

»Durch Mitleiden und Schrecken würden die Leidenschaften gereinigt«.

Ich erinnere mich daß darüber viel gesprochen worden. Wo findet sichs? Hat nicht auch Lessing sich darüber geäussert?

G.


42/87.


An Carl Wilhelm Lieber

[Concept.]

Die Anfrage des Herrn Rupprecht zu beantworten vermelde: daß man allerdings einen mit Schreibpapier durchschossenen Catalog wünscht und die Preise gegen jeder Seite über aufgezeichnet. Man würde gern dafür fünf Gulden, auch etwas mehr zahlen. Grüßen[114] Sie den gefälligen Herrn Commissionär auch von mir zum schönsten.

Weimar den 2. April 1827.


42/98.


An Johann Heinrich Meyer

Jakobis Briefe habe gestern dem Buchbinder übergeben, sobald ich sie erhalte theile sie sehr gerne mit.

Dabey wollt ich anfragen ob Sie Sich, mein theurer, einrichten wollten morgen mit uns zu speisen?

Ich käme nach zwölfen sie abzuholen und manches würde zu besprechen seyn.

treulichst

W. d. 2. Apr. 1827.

G.


42/99.


An Henriette von Pogwisch

Ihr Vorwort zu erbitten, verehrte Frau, ist die Absicht des Gegenwärtigen. Mögen Sie bey Ihro Königlichen Hoheit der Frau Großherzoginn mich geziemend entschuldigen wenn ich Morgen nicht aufwarte und können Sie deshalb mir gnädigste Verzeihung erlangen. Die erste Lieferung meiner Wercke, welche zur Messe fertig werden soll, macht mir am Schluß, bey Entfernung des Druckorts, mehr als billig zu schaffen. Ich wünsche von Herzen daß die fünf[115] Bände von Gönnern und Freunden geneigt aufgenommen werden, damit ich so manche, darauf verwendete mühsame Stunde belohnt und vergütet sehe.

Verehrend, wie vertrauend,

verpflichtet, angehörig

Weimar d. 2. April 1827.

J. W. v. Goethe.


42/100.


An Caroline von Wolzogen

Verzeihen Sie, verehrte Freundin, wenn ich für heute mich entschuldige. Die erste Lieferung meiner Werke, welche zur Messe fertig werden soll, macht mir am Schluß, bey der Entfernung des Druckorts, mehr als billig zu schaffen. Ich wünsche sehnlichst, daß die fünf Bändchen Ihnen manches angenehme Neue bringen und Sie das Bekannte an vergangene glückliche Zeiten erinnern möge. In Hoffnung freyerer Augenblicke,

verehrend, vertrauend, treulichst

Weimar den 2. April 1827.

J. W. v. Goethe.


42/101.


An Wilhelm Reichel

Ew. Wohlgeboren

steigen wahrhaft Ihre Aufmerksamkeit mit der Zahl der Bände und verpflichten mich mit jedem Schritt auf's neue.

[116] Zuerst also sey das besondere Vergnügen ausgesprochen das ich über die so schön gelungene typographische Einrichtung der Helena empfunden; gewiß man hätte auf eine Prachtausgabe keine größere Sorgfalt verwenden können.

Zugleich sey denn alles gebilligt was Sie sonst für nöthig und schicklich gehalten haben; eingeschaltete Titel: Prolog, die Note, dem Inhaltsverzeichniß hinzugefügt, der ausgestrichene Titel Prometheus, welches Stück in der Folge an schicklichem Orte nachgebracht wird.

Die bemerkten orthographischen Differenzen kommen, wie ich vermuthe, in dem vierten Bande des Manuscripts hauptsächlich vor, bey dessen Redaction mancherlei Bedenken und mehrmalige Veränderungen statt fanden, so daß er zuletzt nicht noch einmal im Ganzen revidirt ward, deshalb ich denn mit Ihrem Vorschlag übereinstimmend Folgendes bemerke:

Die beiden ersten Bände sind noch nicht angekommen; wollten Sie daher mir bald ein vollständiges Exemplar durch die fahrende Post zuschicken und das Original mit beylegen, so würde für nochmalige Revision und Beseitigung aller etwaigen Anstände gesorgt werden, und wir eines großen Vortheils genießen, wenn die Octavausgabe nach der Taschenausgabe abgesetzt würde, besonders da diese was das Arrangement betrifft wie mich dünkt untadelhaft ist.

Lassen Sie mich in vollem Vertrauen noch ein[117] ernstes Wort hinzufügen. Da ich in meinem hohen Jahren erwarten muß, vielleicht früher als das ganze Geschäft geendigt ist abgerufen zu werden, so freue ich mich der Sicherheit, daß Sie späterhin meinen Manen und den Meinigen in gleichem Sinne förderlich und behülflich bleiben werden; wonach ich denn in diesem wichtigen Geschäft mich eines glücklichen folgerechten Ganges durchaus versichert halten darf. Überzeugen Sie sich, daß mein Dank meinem Zutrauen gleich sey.

Der ich mich mit vorzüglicher Hochachtung unterzeichne,

Ew. Wohlgeb.

ergebensten Diener

Weimar d. 3. Apr. 1827.

J. W. v. Goethe.


42/102.


An Philippe Albert Stapfer

[Concept.]

Auf Ihr werthes Schreiben vom 28. März erwidere, mein hochgeschätzter Herr, Nachstehendes, welches ich wohl in Überlegung zu ziehen bitte.

Zu dem ersten Theil des Faust, den Sie gefällig übersetzt haben, kommt gegenwärtig nichts hinzu, er bleibt in sich rein abgeschlossen. Das neue von mir angekündigte Drama dagegen, Helena überschrieben, ist ein Zwischenspiel, in den zweyten Theil gehörig.[118] Dieser zweyte Theil nun ist in Anlage und Ausführung von dem ersten durchaus verschieden, indem er in höheren Regionen spielt und dadurch von jenem sich völlig absondert. Er ist noch nicht vollendet und ich gebe nur vorläufig das in denselben künstig einzuschaltende Zwischenspiel heraus. Dieses ist meistens in Senaren und andern dem Alterthum nachgebildeten Sylbenmaßen geschrieben, von welcher Art und Weise in den ersten Theilen keine Spur ist.

Sie werden selbst, wenn Sie es lesen, sich überzeugen, daß es mit dem ersten Theil nicht verknüpft werden kann und daß Herr Motte seinem Unternehmen schaden würde, wenn er einen solchen Versuch ma chen wollte.

Haben Sie aber das Stück selbst gesehen und sich zu eigen gemacht, findet es Ihren Beyfall, fühlen Sie Neigung solches zu übersetzen, regt es einen bildenden Künstler auf, der Lust und Talent hätte die mannichfaltigen Situationen darzustellen , entschlösse sich Herr Motte das Werk zu verlegen, so kann es ganz für sich bestehen; denn, wie ich sagte und wie Sie selbst finden werden, es ist in sich abgerundet und abgeschlossen, auch hat es eine gehörige Breite.

Soviel für dießmal. Nehmen Sie meinen Dank für den fortwährenden Antheil den Sie an meinen Werken so freundlich [zeigen].

Empfehlen Sie mich Herrn Motte und fragen ihn, ob zwey Bronce-Medaillen, welche Herr Ober-Baudirector[119] Coudray an ihn gesendet, angekommen sind? Erhalten Sie mir ein geneigtes Andenken. Wünschen Sie etwas in der Folge, womit ich dienen kann, so geschieht es sehr gern.

Weimar den 3. April 1827.


42/103.


An Christian Gottfried Daniel Neesvon Esenbeck

Abschrift.

Vor ein paar Tagen antwortete ich Herrn Nees v. Esenbeck, ihm für überschickte Sämereyn dankend, und fügte ein paar Tragen bey, deren eine ich hier berichtigen muß; ich frug unter andern ihn was eigentlich Arrarut sey? so buchstabirte ich diesen Namen, fand aber hinter drein, da der Brief schon abgegangen war, daß ich ihn falsch geschrieben hatte; Arrow-root muß dieser Name geschrieben werden. In Okens Botanik, 2. Abteilung, 1. Hälfte S. 700 fand ich unter Maranta indica, Pfeil-Wurzel! Auf der vorhergehenden Seite fand ich unten pp. Maranta L. und dabey die Anwendung: »Die Wurzeln heißen Topinambours und werden geröstet gegessen«. Nun ist mir unter diesem französischen Namen eine Kartoffel oder besser gesagt, erdäpfelige Pflanze gar wohl bekannt, die hier in großer Menge gebaut wird, hochstenglicht wächst und alle Winter im Freyen aushält. Soll denn diese Topinambours-Pflanze, die, wie[120] mir bekannt, aus Schweden zu uns gekommen ist und ein treffliches Viehfutter liefert, eine Maranta seyn? und in wahrer Verwandtschaft mit der Maranta indica, welche das Arrow-root, die Pfeil-Wurzel, liefert, stehn?

Wenn doch Herr Ness v. Esenbeck an Herrn Sabine in London die Bitte um einige Pflanzen des Mango, ein paar Exemplare für sich und ein paar für mich, ergehen ließe. Die Beschreibung steht in den neusten Heften des Journal der Royal Society; die Sendung derselben könnte nach Poppelsdorf geschehen; vielleicht wäre auch Samen dieser Pflanze daher zu erhalten, da sie in England reifet.


Vorstehendes Abschriftliche veranlaßt mich Ew. Hochwohlgeboren um einige Wochen früher zu schreiben, als es sonst geschehen wäre. Mein langes Schweigen möge durch die erste Lieferung meiner Werke bey meinen Freunden entschuldigt werden. Ein solches Unternehmen in Ganz zu bringen gibt so viel Beschäftigung, daß es einem fast reuen möchte es unternommen zu haben.

Auch ein Heft Kunst und Alterthum habe ich dieses Vierteljahr über zu Stande gebracht; ich sende es zunächst und vermelde noch Anderes. Herrn v. Niebuhr bin ich auch noch den verbindlichsten Dank für die römische Geschichte schuldig; ich habe sie gleich bey'm Empfang unaufhaltsam durch und durch gelesen[121] und mich daran erbaut. Haben Sie die Güte meine besten Empfehlungen an ihn auszurichten. Sobald ich einigermaßen Luft habe, trage ich selbst meine Schuldigkeit ab. Ich habe Pfingsten noch niemals so sehnlich herbeygewünscht. Möge alles um Sie zur rechten Zeit und Stunde bey Ihnen blühen und fruchten!

Herrn Dalton alles Freundliche!

Ew. Hochwohlgeb.

gehorsamster Diener

W. d. 4. Apr. 1827.

J. W. v. Goethe.


42/104.


An Carl Friedrich Ludwig von Schiller

Ew. Hochwohlgeboren

haben mir, indem Sie, bey einem freudigen Familien-Ereigniß, auch meiner gedenken wollen, eine große Freude gemacht; die gründliche Freundschaft, die sich zwischen mir und Ihrem Herrn Vater bethätigte, soll nicht mit uns beiden vorübergehn, sondern sich billig auf Söhne und Enkel vererben.

Ihr Herr Bruder wird Ihnen mitgetheilt haben, welche Verhandlungen wegen unserer gepflogenen Correspondenz sich ihrem Abschluß nähern, und was zu der Aufbewahrung der theuren irdischen Reste, so wie zu dem Andenken des Würdigen, für Plane weiter im Werk sind.

[122] Mögen Sie mit den lieben Ihrigen die Früchte des Segens genießen, den der Verewigte über sein Vaterland gebracht hat! Ein meinem lieben Pathen gewidmetes Andenken bitte demselben für die Zukunft aufzubewahren. Es folgt nächstens. Mich zu dauerndem Andenken bestens empfehlend.

In treuer Anhänglichkeit

Weimar den 6. April. 1827.

J. W. v. Goethe.


42/105.


An Carl Gustav Börner

Ew. Wohlgeboren

erhalten mit der nächsten fahrenden Post diejenigen Handzeichnungen zurück, welche, nachdem ich mir einen Theil ausgesucht, übrig geblieben. Beyliegendes Blatt weist aus, was ich behalten und wie ich für Kupferstiche und Handzeichnungen Ihnen 67 rh. 16 Groschen schuldig geworden, diese übermache alsobald in Hoffnung künstigen angenehmen Verhältnisses.

Wenn Sie wieder eine Partie Zeichnungen schicken, so haben Sie die Gefälligkeit auf einem besondern Blatt die Nummern anzuzeigen, damit man eine sichere Controlle habe.

Auch ersuch ich Sie das nächste Mal 2 Buch von dem großen dunkelbraunen Papier beyzulegen worauf Ihre Zeichnungen geheftet sind.

Mit den besten Wünschen

ergebenst

Weimar den 7. April. 1827.

J. W. v. Goethe.[123]


42/106.


An Franz Baumann

Mit vielem Dank für die gefällig besorgten Akazien werde dieselben pflanzen lassen und die von Ihnen bemerkte Vorsicht soll nicht unbeachtet bleiben, damit ich mich bey einem glücklichen Wachsthum Ihres Antheils an der Erfüllung meines Wunsches immerfort erinnern möge.

Mit den besten Wünschen.

Weimar den 7. April 1827.

J. W. v. Goethe.


42/107.


An Friedrich Johannes Frommann

[Concept.]

Anbey erfolgen

1) der revidirte Bogen 12;

2) Manuscript zum Umschlag;

3) der erste Abzug als Fahne für den 13. Bogen.

Nach Verabredung mit dem Herrn Vater wollen wir noch 14. Bogen anschließen, da denn nicht allein die fol. Manuscript H und J, sondern auch

4) K und L Platz finden würden, welche auch dießmal mit abgedruckt, besonders aber das Gedicht M auf der letzten Seite zu sehen wünschte.

Weimar den 8. April 1827.[124]


42/108.


An Carl Friedrich Zelter

In diesen Tagen, mein Bester, geht die Kiste an Herrn Ternite mit den köstlichen Blättern, wohlgepackt nach Potsdam. Die nächsten Aushängebogen bringen dir unsre guten gründlichen Worte über diesen Schatz. Wir kommen selten in den Fall so ganz nach Herz und Sinn zu loben; denn manches was uns gebracht wird wüßten wir nicht einmal mit einer leidlichen Wendung abzulehnen, und Phrasen mögen wir nicht machen.

Ich erinnere mich in früherer Zeit , als ich mit einem bedeutenden Mann in Verhältniß stand, Folgendes erfahren zu haben. Der Fürst Primas, noch als Statthalter von Erfurt, unser Nachbar und Lebensgenosse, hatte an seiner hohen und einflußreichen Stelle und noch dazu als Selbstautor einen fruchtbaren Zudrang von literarischen Zusendungen, auf die als Mann von Stande, Lebensart und gutem Willen jederzeit etwas, wenn es auch nicht viel war, erwiderte. Nun besaß er zwar ausgebreitete Kenntnisse um solchen Fällen genug zu thun, aber wo hätt er Zeit und Besinnung hergenommen, um einem jeden vollkommene Gerechtigkeit widerfahren zu lassen; er hatte sich daher einen gewissen Styl angewöhnt, wodurch er die Leerheit seiner Antworten verschleierte und jedem etwas Bedeutendes zu sagen schien, indem[125] er ihm etwas Freundliches sagte. Es müssen dergleichen Briefe noch zu Hunderten herumliegen. Ich war von solchen Erwiderungen öfters Zeuge; wir scherzten darüber, und da ich eine unbedingte Wahrheitsliebe gegen mich und andere zu behaupten trachtete (die, weil ich doch auch oft in Irrthum war, manchmal wie eine Art von Wahnsinn erschien), so schwur ich mir hoch und theuer, in gleichem Falle, mit dem mich meine damalige Celebrität schon bedrohte, mich niemals hinzugeben, indem sich dadurch denn doch zuletzt alles reine wahrhafte Verhältniß zu den Mitlebenden auflösen und zerstieben muß.

Daraus folgt denn, daß ich von je her seltener antwortete, und dabey bleibt's denn auch jetzt in höhern Jahren aus einer doppelten Ursache: keine leeren Briefe mag ich schreiben, und bedeutende führen mich ab von meinen nächsten Pflichten und nehmen mir zu viel Zeit weg.

In der Kiste an Ternite liegt auch etwas für dich, ein einzelnes Blatt, aber von bedeutender Größe; befestige es an deine Wand, es ist vielleicht die wahrhaft größte Composition die sich jemals aus einem Menschengeiste entwickelt hat. Du kennst es wohl schon, aber man kennt es nie ganz, es ist wie alles Vortreffliche; wenn es unsern Sinnen entweicht, so sind die Erinnerungskräfte nicht fähig es wieder herzustellen, und wir dürfen uns glücklich schätzen wenn unsere Cultur im Ganzen dadurch einigermaßen zugenommen hat.

[126] Wie du nun bisher die griechischen Trauerspiele beschaut und die Erfordernisse des epischen Gedichts dir vor die Seele gerufen hast, so erfahre hier mit einem Blick was der bildende Künstler vermag. Freylich war es nur Einer, und nach ihm ist Niemand wieder auf diesen Grad begnadigt gewesen. Es wär aber auch nicht nöthig; für Millionen Beschauende und Genießende ist ein Producirender genug: so war es und wird's seyn. Gott sey Dank daß wir dieß kennen und fest daran halten.

Vorstehendes gilt, wie du leicht sehen wirst, vom Schlachtgetümmel; aber das ländliche Heimgehen zum Ausruhen wird dir nicht weniger behagen und zu den besten Betrachtungen Anlaß geben. Der Abdruck ist ursprünglich kostbar, nun verbräunt, beschädigt, befliegenschmutzt, laß dich das nicht irren und sieh durch den Schleyer hindurch. Ich habe noch mehreres von der besten Art, was ich dir nach und nach vor die Augen bringe. In diesem Sinne hab ich mir manches von Leipzig her vor kurzem doppelt verschafft.

Herrn Ternite künde gefälligst die Sendung an, ich weiß für vielfachem Äußern und Innern mich kaum zu lassen. Das Beste ist daß ich mich leidlich befinde und durch kein körperlich Übel gestört werde. Sage mir nun auch von dir, von deinem Haufe; bist du eingezogen? u.s.w.

treulichst

Weimar den 10. April 1827.

Goethe.[127]


42/109.


An Wilhelm Christoph Leonhard Gerhard

Ew. Wohlgeboren

erhalten in kurzem, mit dem besten Dank für freundliche Mittheilung, das neuste Stück Kunst und Alterthum, wodurch unsere gemeinsame Bemühung um die serbische Literatur zu fördern suche. Mögen Sie beyliegende Ankündigungen auf schickliche Weise in's Publicum bringen, so wird wohl dadurch ein allgemeiner guter Empfang vorbereitet.

Unter einigen Rubriken, die Sie gleich unterscheiden werden, habe ich nicht allein auf weitere Verbreitung des Serbischen gedrungen, sondern auch auf das Böhmische angespielt. Die große Leichtigkeit Ihrer Fassungskraft, die Bequemlichkeit Ihres deutschen rhythmischem Vortrags läßt mich wünschen, daß Sie den slavischen Sprachen überhaupt Ihre Thätigkeit schenken mögen. Sie haben Herrn Milutinowitsch bey sich, und es fehlt Ihnen in einer so bedeutenden Handelsstadt gewiß nicht an jeder Bey- und Nachhülfe.

Versäumen Sie nicht auf der Messe nach der Monatschrift zu fragen, welche die Gesellschaft des vaterländischen Museums in Prag herausgibt. Zwey Hefte liegen vor mir. Ein Gedicht: Horimir und sein Roß Semik, wird Sie in Verwunderung setzen; es ist eine höchst merkwürdige parallele Legende zu Marko Cralowitsch und seinem[128] Scharaz. Zugleich empfehle die Königingräzer Handschrift, herausgegeben von Wenzel Hanka, Prag 1819, gedruckt bey Hase, in Commission bey Kraus.

Wenn Sie meine Äußerungen in Kunst und Alterthum gelesen haben, sagen Sie mir Ihre Gedanken; ich wünschte Niemand lieber als Ihnen meine Neigung für, und meine Verhältnisse in Böhmen zu vermachen. Haben Sie hiezu Lust und Absicht, so erfolgt mit Freuden das Weitere. Ich beziehe mich auf die dort angedeutete Recension des Herrn Grimm und empfehle mich durch dieses eilige Schreiben zu fortdauerndem Wohlwollen.

ergebenst

Weimar den 10. April. 1827.

J. W. v. Goethe.


42/110.


An Christian Wilhelm Schweitzer

[Concept.]

Geneigtest zu gedenken.

An den Fortsetzungen möchte wohl nichts zu kürzen seyn; die neu beygefügten beurtheile wie folgt:

1) Ist aus dem colorirten Krönungszug genommen, und also überflüssig.

2) Ist schon vorhanden. Ein treffliches Werk.

3) Wäre überflüssig, denn die besten Vorstellungen besitzen wir schon in den Hauptwerken, woraus dieses compilirt ist.

[129] 4) Wäre zu wünschen, denn es stellt Plan und Aufriß eines wichtigen, wohl durchdachten Gebäudes vor.

5) Möchte der Militarbibliothek kaum zu entbehren seyn.

6) Wegen Merkwürdigkeit der Person allenfalls beyzubehalten; als Kunstwerk von geringem Werth.

W. d. 10. Apr. 1827.


42/111.


An Alfred Nicolovius

[Concept.]

Der Caviar ist glücklich angekommen und bey'm Genuß desselben hat die sämmtliche Familie dich gelobt, welches nicht immer der Fall ist. Nächstens kommt dagegen abermals ein Schwänchen von verschiedenen Ingredienzien. Auch der Inhalt des neusten Stücks von Kunst und Alterthum mit Bitte um gefällige Publication.

Deinen Schützling Reinhardt behalte gern im Andenken, da seine Arbeiten mich selbst höchlich interessiren, doch ist im Augenblicke nichts zu entscheiden. Schreibe mir wie sich die Sammlung der Abdrücke zu dem gedruckten, mir mitgetheilten Catalog verhält und ob sie nach demselben geordnet und numerirt sind. Wenn er etwas von dem Preise nachließe und terminliche Zahlungen annähme, würde sich's vielleicht machen; doch wird sich dieß nur in einiger Zeit bestimmen lassen.

[130] Verziehen sey mir gleichfalls wenn ich Bedenken trage ein Attestat für Lieber auszustellen, da ich seine Persönlichkeit gar nicht kenne und sein Talent nicht zu beurtheilen weiß. Ein mehrjähriges genaues Verhältniß zu Herrn Doctor Noehden (der als trefflicher Sprachforscher in London anerkannt war, Grammatik und ein Dictionnaire geschrieben hatte, hochgeschätzt von allen,) hat mich belehrt, was man dort von einem solchen Manne erwartet und fordert; entschuldige mich auf's beste seinen Gönnern und Freunden.

Die nun auch angekommene überraschende Sendung der schönen Abdrücke in verschiedenen Spiegeln fordert uns zu neuem Danke [auf]. Nimm aber, bis die Zeit einer möglichen Erstattung herankommt, immer noch einige Aufträge gefällig an: und so folgt denn die Anzeige von Kunst und Alterthum, welche zum Drucke zu befördern bitte. Vielleicht kannst du als ein wahrer Diplomat bewirken, daß sie billiger Weise an eine bessere Stelle gelange, als meine letzte Anzeige, die so in den Winkel, unter den Scheffel, gerathen ist, daß sie kaum zu seyn möchte. Die Vorrede zu Manzoni's Werken, oder vielmehr eine traute Einleitung dazu, sende vorläufig; das Werk folgt nach, ein Exemplar soll auch meinem werthen Neffen zugeschrieben werden. Empfiehl mich Herrn Vater bestens und leg ihm zu guter Stunde was von mir einkömmt und anlangt bescheidentlich vor.

[131] Ferner habe zu melden, daß zwischen die Hefte des nächsten Päckchens einige Abdrücke in Siegellack gelegt habe, die vielleicht Herrn Reinhardt angenehm sind, da ich aus den übersendeten Spiegeln sehe, daß er, wie er auch ganz wohl thut, sein Bereich weit auszudehnen Absicht hat. Verzeichniß, Wunsch und Vorschlag liegen bey. Sodann möchte ich auch nach den angeschriebenen Nummern der mir übersendeten Abdrücke dieselben verzeichnet haben. Die meisten erklären sich zwar selbst, aber es sind doch noch problematische darunter. Auch möchte gern nach dem Preise solcher eingerahmten kleinen Sammlungen fragen, theils weil es nicht räthlich ist, bedeutende wechselsweise Schulden zu häufen, ohne einmal abzurechnen, besonders aber denjenigen Auskunft zu geben, welche dergleichen zu besitzen wünschten.

Nun aber noch einen Auftrag: ich wünschte ein Paquetchen Samen vom Seekohl, wenn es auch nur ein paar hundert Körner wären, aber bald, da die Jahrszeit schon weit vorgerückt ist.

Nun aber noch zu einem bedeutenden Auftrage, an dessen gefälliger Besorgung mir viel gelegen ist: In dem Catalog der Hinterlassenschaft des Doctor Kohlrausch findet sich Seite 1 Nr. 15: Antinous von Mondragone (colossal und selten). Erkundige dich, wer ihn erstanden hat, Künstler, Kunstliebhaber oder irgend ein Museum? Wer ihn besitzt, wird ihn nicht wieder herausgeben, aber es entsteht die Frage, ob[132] man nicht selbst räthlich finde, ihn abgießen zu lassen? Ich sollte denken, es wäre in jedem Sinne vortheilhaft; erkundige dich deshalb mit deiner gewöhnlichen Agentenklugheit, wie schon gesagt: wie er sich befindet, und ob das Unternehmen für thunlich gehalten wird?

Weimar den 11. April 1827.


42/112.


An Julius J. Elkan

[Concept.]

Herr Banquier Elkan wird höflichst ersucht an den Maler und Kunsthändler C. G. Börner zu Leipzig, wohnhaft im Brühl, die Summe von

sieben und sechzig rh. 16 Groschen sächsisch

gefällig auszahlen zu lassen und der alsbaldigen Erstattung gewärtig zu seyn.

Weimar den 11 April 1827.


42/113.


An Carl Emil Helbig

[Concept.]

Gefällig zu gedenken.

Doctor Rudolph Brandes, Apotheker zu Salzuflen und Vorsteher des westphälischen Apotheker-Vereins, hat sich schon seit etwa zehn Jahren als Schriftsteller vortheilhaft bekannt gemacht; im vorigen gab er, in Gesellschaft von Doctor Krüger, eine neue physikalischchemische[133] Beschreibung der Mineralquellen von Pyrmont, nebst naturgeschichtlicher Darstellung ihrer Umgebung und topographisch-petrographischer Charte heraus. Ein löbliches Werk. Er hat in seinem Verhältniß zu unsern wissenschaftlichen Anstalten längst schon sehr thätig bewiesen; wir sind ihm ein kostbares Exemplar eines bis in die kleinsten Zweige durchgeführten Blitzröhren-Baumes schuldig, und an meteorologischen Mittheilungen hat er es nie fehlen lassen.

Weimar den 11. April 1827.


42/114.


An Friedrich Wilhelm Ternite

[Concept.]

[14. April 1827.]

Ew. Wohlgeboren

verfehle nicht hiedurch zu benachrichtigen, daß mit der vorgestrigen fahrenden Post die sämmtlichen Zeichnungen an Dieselben wohlgepackt abgegangen sind. Der Drang mannichfach zusammentreffender Umstände nöthigt mich kurz zu seyn; nehmen Sie daher einstweilen einen Auszug aus und Kunst und Alterthum VI, 1, wie es nächstens gedruckt zu lesen wird...

Nächstens die Aushängebogen, aus welchen die Theilnahme der Weimarischen Kunstfreunde an Ihren Bemühungen, ihr guter Wille solche zu fördern genugsam hervorgehen. Wir waren solche Äußerungen als[134] Dank für das Vergnügen schuldig das Sie uns durch Ihre Sendung verschafft haben.

Auch ist Ihrer früheren Arbeit an Fiesole in Ehren gedacht worden.

Weimar den 12. April 1827.


42/115.


An Johann August Gottlieb Weigel

[Concept.]

[14. April 1827]

Wollten Ew. Wohlgeboren die Gefälligkeit haben in der nächsten auf den 18. April angesetzten Auction folgendes Blatt zu erstehen: Seite 14 Nr. 308, Petrus geht auf dem Wasser, gemalt von Lanfranco, gestochen von Dorigny, und solches wohlgepackt anhersenden, so werden Sie mir eine Gefälligkeit erzeigen. Ich wünsche es zu besitzen, daher vielleicht auch etwas mehr als billig darauf zu bieten wäre.

Weimar den 13. April 1827.


42/116.


An Heinrich Mylius

[Concept.]

[14. April 1827.]

Ew. Wohlgeboren

erhalten hierbey vorläufig Kenntniß von einem Abdruck der poetischen Werke Manzoni's welcher in Jena veranstaltet worden, woraus auch meine fortwährende[135] Theilnahme an den Arbeiten dieses vorzüglich begabten und wohldenkenden Mannes hervorgeht. Wollten Sie Sorge tragen, daß das für ihn einstweilen übersetzt würde was ich von Seite XL bis XLVIII über Adelchi gesagt, so würde ihm daraus vielleicht einiges Vergnügen entspringen.

Empfehlen Sie mich ihm bestens, auch Herrn Cattaneo, erinnern Sie Ihre Frau Gemahlin an mich zu guter Stunde. Vor allen Dingen aber haben Sie die Gefälligkeit mir zu melden, wie ich vier Exemplare des gedachten Abdrucks am besten und geschwindesten nach Mayland schaffe, sie sind für den werthen Dichter und für die dortigen Freunde bestimmt. Ich lege auch eine wohlgerathene deutsche Übersetzung des Adelchi bey.

Erhalten Sie mir ein geneigtes Andenken, und lassen mich bald etwas Angenehmes von sich hören.

Weimar den 12. April 1827.


42/117.


An Paul Gotthelf Kummer

[Concept.]

[14. April 1827.]

Ew. Wohlgeboren

erlauben eine von Ausburg aus veranlaßte Aufrage. Herr W. Reichel hatte mir schon vor mehreren Wochen gemeldet, daß die Aushängebogen der ersten zwey Bände meiner Werke nach Leipzig instradirt seyen[136] und von dorther mir zukommen würden. Da dieses bis jetzt nicht geschehen, so habe ich auf Anfrage von dort her die Weisung erhalten, mich deshalb an Ew. Wohlgeboren zu wenden und dieses Anliegen in Erinnerung zu bringen.

Wollten deshalb Ew. Wohlgeboren mir einige gefällige Nachricht geben und, wenn gedachtes, vielleicht durch irgend einen Zufall verspätetes Paquet sich noch in Ihrer Verwahrung befindet, mir solches baldigst zukommen zu lassen, indem mir an der Einsicht dieser Bände im Augenblick sehr viel gelegen ist.

Früherer Gefälligkeiten mich dankbar erinnernd, empfehle mich zu fernerem Wohlwollen und geneigtem Andenken.

Weimar den 12. April 1827.


42/118.


An Alfred Nicolovius

[Concept.]

[14. April 1827.]

Zu beykommenden Abdrücken bemerke Folgendes: Da ich aus den eingerahmten Spiegeln sehe. daß Herr Reinhardt, wie es der Sache ganz gemäß ist, sein Geschäft weiter ausbreitet, so könnte wohl manches Angenehme mittheilen. Nr. 1 wahrscheinlich August, schätzenswerth. Nr. 2 mein Bildniß von Hecker, nach Trippels Büste. Nr. 3 wahrscheinlich ein Seneca. Nr. 4 jugendlich, als Merkur oder Dioskur zu deuten.[137] Nr. 5 ein kleines Porträtköpfchen, dessen Verdienst durch Vergrößerung erst deutlich wird. Nr. 6 naturgeschichtliche Forschung, symbolisch.

Dergleichen könnt ich wohl noch einige Dutzend mittheilen; nun aber werden die Abdrücke in Siegellack niemals rein, besonders die Fläche nicht, und ich wollte fragen, ob mir der gute Mann ein Verfahren andeuten wollte, wodurch man einen schärfern Abdruck erhielte, wie er solche zu seinen Zwecken nöthig hat. Es soll den Weimarischen Kunstfreunden sehr angenehm seyn, wenn sie sich in dem Stande sehen, Vorhaben zu fördern, welches sie selbst so höchlich billigen.

Weimar den 12. April 1827.


42/119.


An Berthold Georg Niebuhr

Römische Geschichte von Niebuhr.

Es möchte anmaßend scheinen, wenn ich auszusprechen wage, daß ich dieses wichtige Werk in wenigen Tagen, Abenden und Nächten von Anfang bis zu Ende durchlas und daraus abermals den größten Vortheil zog; doch wird sich diese meine Behauptung erklären lassen und einiges Zutrauen verdienen, wenn ich zugleich versichere daß ich schon der ersten Ausgabe die größte Aufmerksamkeit gewidmet, und sowohl dem Inhalt als dem Sinne nach an diesem Werke mich zu erbauen hatte.

[138] Wenn man Zeuge ist wie in einem so hellen Jahrhunderte doch in manchen Fächern die Kritik ermangelt, so erfreut man sich an einem Musterbilde, das uns vor das Auge gestellt zu begreifen gibt, was Kritik denn eigentlich sey.

Und wenn der Redner dreymal betheuern muß, daß Anfang, Mittel und Ende seiner Kunst durchaus Verstellung sey, so werden wir an diesem Werke gewahr, daß Wahrheitsliebe, lebendig und wirksam, den Verfasser durch dieses Labyrinth begleitet habe. Er setzt seine frühern Behauptungen eigentlich nicht fort, sondern er verfährt nur auf dieselbige Weise wie gegen alte Schriftsteller so auch gegen sich selbst und gewinnt der Wahrheit einen doppelten Triumph. Denn dieß Herrliche hat sie, wo sie auch erscheine, daß sie uns Blick und Brust öffnet und uns ermuthiget, auch in dem Felde wo wir zu wirken haben auf gleiche Weise umher zu schauen und zu erneuten Glauben frischen Athem zu schöpfen.

Daß mir nach einen eiligen Lesen manches im Einzelnen nachzuholen bleibe, sey denn aufrichtig gestanden; aber ich sehe voraus daß der hohe Sinn des Ganzen sich mir immer kräftiger entwickeln wird.

Indessen ist mir zu einiger froher Aufmunterung schon genug geworden, und ich vermag auf's neue mich eines jeden redlichen Strebens aufrichtig zu erfreuen und mich gegentheils über die in den Wissenschaften obwaltenden Irrungen und Irrthümer, besonders[139] über consequente Fortführung des Falschen, so wie des durch schleichende Paralogismen entstellten Wahrhaften, zwar nicht eigentlich zu ärgern, aber doch mit einem gewissen Unwillen gegen jeden Obskurantismus zu verfahren, der leider nach Beschaffenheit der Individuen seine Maske wechselt und durch Schleyer mancherlei Art selbst gesunden Blicken den reinen Tag und die Fruchtbarkeit des Wahren zu verkümmern beschäftigt ist.


Vorstehendes liegt schon seit dem 8. Februar unter manchen andern stockenden Blättern; es war kein Gebrauch davon zu machen, denn es sagt von dem Buche das mich zu dieser Äußerung veranlaßte eigentlich gar nichts; sondern es drückt nur den damaligen Zustand meines Geistes und Gemüthes leidenschaftlich aus. Doch entschließ ich mich gegenwärtig, da ich dem verehrten Verfasser jenes Werkes von meiner Seite eine kleine Zusendung veranstalte, davon eine Abschrift vertraulich mitzutheilen; denn es kann ihm doch von Bedeutung seyn, zu sehen wie seine eigensten Bemühungen in's Allgemeine wirken, und indem sie unterrichten, auch zugleich, als herrlichste Wirkung, den Glauben an Wahrheit und Einfalt beleben und ermuthigen.

Weimar den 4. April 1827.


[140] Dieses Blatt sollte das neuste Heft von Kunst und Alterthum begleiten; da aber desselben Abschluß zögert, so möge es hiedurch angekündigt und ich selbst zu fernerem wohlwollenden Andenken empfohlen seyn.

treu theilnehmend

Weimar den 15. April 1827.

J. W. v. Goethe.


42/120.


An Samuel Thomas von Sömmerring

Nach einer so langen Pause die getreue so erfreuende als belebende Handschrift wieder zu sehen machte mir die größte Freude. Möge diese Veranlassung den würdigen Abschluß später Tage an jene hoffnungsvollen Anfänge fröhlich knüpfen.

Hier nur kürzlich und eilig, auf Serenissimi Veranlassung die Anfrage: ob Sie wohl die Gefälligkeit hätten wegen des Celestial Pancratic Eye Tube, zu dessen Anschaffung Sie gerathen, in London Erkundigung einzuziehen, wieviel ein solches Instrument wohl kosten könnte, weil man denn doch Ursache hat bey solchen Anschaffungen einigermaßen vorsichtig zu seyn.

Hier sey erlaubt vorläufig zu schließen, dagegen aber nächstens ein Heft als Zeugniß redlicher Bemühung auf interessanten Feldern zutraulich nachzusenden.

treu theilnehmend,

Erwidrung wünschend und hoffend

Weimar den 15. April 1827.

J. W. v. Goethe.[141]


42/121.


An Friedrich Johannes Frommann

Ew. Wohlgeboren

sende die einige liebe Art von Chrestomathie ungern zurück, indeß ich wohl bekennen darf, daß sie mir sehr angenehm ja rührend gewesen. Denn was sollte wohl mehr erfreuen als unsere Gedanken und Empfindungen, welche nach ihrem Entstehen zu rechnen weit auseinander lagen, nunmehr durch Geist, Gefühl, Geschmack und Wohlwollen zusammengefügt zu sehen. Ich darf Sie nicht auffordern, das was Ihnen so werth geworden sorgfältig aufzuheben und gleicherweise fortgesetzt zu vermehren. Das aber kann ich hinzusetzen, daß mir der Augenblick höchst willkommen seyn würde wo ich mich in dem Fall sähe, Ihr freundliches Erbieten annehmen zu können.

Bey dem Bogen 13 bleibt weiter nichts zu erinnern; das kleine Gedicht wäre an der leeren Stelle einzuschalten.

Bey dem Bogen 14 ist auch genau bemerkt, daß der Aufsatz. Naturphilosophie gleich vor der Warnung zu stellen ist; die beiden neuen Columnen folgten gleich hinter Helena.

Ich freue mich, durch Ihre Sorgfalt auch dieses Heft glücklich vollbracht zu sehen, und darf nicht schließen ohne zu vermelden, daß Herr Reichel, früher bey Ihnen angestellt, gegenwärtig in Ausburg, sich[142] auf die thätigste und sorgfältigste Weise meiner neuen Ausgabe annimmt, wie denn auch schon die erste Lieferung abgeschlossen vor mir liegt. Mich und das Meine zu fernerem fortdauernden wohlwollenden Andenken empfehlend.

ergebenst

Weimar den 15. April 1827.

J. W. v. Goethe.


Vom Bogen 14 und dem Umschlag mir noch eine Revision erbittend.


42/122.


An Johann Heinrich Meyer

Sie veranstalten ja wohl, mein Bester, daß Schmeller wieder in seine Function tritt und daß Schuchardt bis wir ihn wieder aufrufen entlassen werde.

Weimar den 15. April. 1827.

J. W. v. G.

Richten Sie sich doch gefällig ein dieser Tage mit uns zu speisen und vorher im Wagen zu promeniren.


42/123.


An den Großherzog Carl August

[Concept.]

[16. April 1827.]

Ew. Königlichen Hoheit

lege

1) hiebey ein Blättchen vor, welches von Bonn gestern angekommen;

[143] 2) zugleich das neuste Serbische, wie es eben bey mir anlangt.

Beiden günstige Aufnahme erbittend, zugleich auch meine verschobene Aufwartung mit der allzugroßen Ungleichheit meines Befindens möglichst entschuldigend, mich zu fernerer Huld und Gnaden andringlichst empfehlend.


42/124.


An Friedrich Jacob Soret

In Ungewißheit ob ich Sie, mein Werthester, heute Abend sehe, vermelde ich daß Herr Ampère bey mir angemeldet ist und wünschte zu hören ob Sie etwa auch davon wissen. Auf alle Fälle frag ich an was man ihm allenfalls Freundliches erzeigte? Die kleine Maschine des magnetischen Rundstabes, um welchen sich die metallnen Eymerchen drehen, besitze, habe aber das Experiment selbst noch niemals angestellt. Es wäre die Frage ob man sich mit ihm darüber unterhalten sollte. Vielleicht gönnen Sie mir heute ein Viertelstündchen.

ergebenst

Weimar den 16. April 1827.

Goethe.


42/125.


An Carl Wilhelm Göttling

Ew. Wohlgeboren

muß ich abermals um gefällige Theilnahme. Ich sende nämlich den Abdruck des ersten Bandes[144] der Taschenausgabe zu nochmals geneigter Revision. Das Original ist beygelegt zu allenfallsiger Ansicht. Einiges mit Papierstreifen Gezeichnetes habe an der Seite mit Puncten bemerkt. Das nächste Blatt erklärt das Weitere.

Wir haben den Vortheil daß nach diesem ersten Abdruck nun die Octavausgabe besorgt wird, welche denn möglichst fehlerfrey werden kann. Dürft ich um Beschleunigung bitten? Die Hälfte dieses ersten Bandes ist in Octav schon abgesetzt und erwartet zum Abschluß unsere letzte Revision.

Die Bemühung entschuldigend, mit den besten Grüßen und Wünschen

ergebenst

Weimar d. 18. Apr. 1827.

J. W. v. Goethe.


42/126.


An Sulpiz Boisserée

Was Sie mir von Ihren neuen Zuständen vertraulich schreiben, stimmt mit meinen Vorstellungen davon gar wohl überein. Sie werden von dem Werthe dessen was Sie überlieferten immerfort alle Ehre haben, und durch Abschluß dieses so wichtigen Geschäfts wird auch hoffentlich für Ihre Freyheit und den heitern Genuß Ihres Lebens gesorgt seyn, ob Ihnen gleich noch genug zu schaffen und zu wirken übrig bleibt.

[145] Der Brief an Herrn Baron Gérard liegt bey, Sie können dessen Verspätung der Wahrheit gemäß durch Ihre Abwesenheit entschuldigen; mein längst verfaßtes Concept liegt bey, keine Übersetzung wollte mir genügen und nur auf Ihre Anmahnung entschloß ich mich zuletzt.

Empfehlen Sie mich zum besten. Ich habe vor kurzen noch sehr Freundliches von Paris erhalten durch Herrn v. Humboldts Vermittlung. Es ist dem velociferischen Jahrhundert gemäß, daß man sich auch in der Ferne mehr kennt und gekannt zu seyn wünscht. Möge diese Rotation auch Ihren großen Unternehmen durchaus zu Gute kommen.

Die vier Bändchen der neuen Ausgabe meiner Werke sind in meinen Händen; man kann durchaus zufrieden seyn. In Augsburg haben Herr Reichel und der Revisor das Mögliche gethan, ich kann nicht genug zu ihrem Lobe sagen. Das Exemplar wird nun zum Behuf der Octavausgabe nochmals revidirt. Empfehlen Sie mich Herrn v. Cotta vielmals, dankend für seinen letzten Brief, der uns einigermaßen beruhigt. Lassen Sie uns nun die Jubilatemesse abwarten.

Meine Einleitung zu dem Abdruck von Manzoni's Werken lege bey; die vordere größere Hälfte kennen Sie aus Kunst und Alterthum; was von Seite XL an über Adelchi gesagt ist, erregt Ihnen ja auch wohl einige gute Gedanken.

[146] Mehr nicht für dießmal, ob sich gleich auch bey mir diese Zeit her manches Gute und Erfreuliche gesammelt hat, wovon wohl zu reden werth wäre. Nächstens mehr, aber lassen Sie mir auch den Fortgang Ihrer bedeutenden Wanderung nach und nach erfahren.

in alter Treue

Weimar den 20. April 1827.

J. W. v. Goethe.


42/127.


An den Baron François Gérard

[Concept.]

Monsieur le Baron,

ne pouvant, ni n'osant me livrer à l'espoir flatteur de vous rendre mes devoirs en personne et de jouir en même tems dans votre attelier, comme mès trèshonorés amis, Messieurs Boisserée et Coudray, des rares trésors de l'embellissent et de la cordialité de votre accueil, je vous rends mille grâces de m'avoir fourni l'occasion de vous assurer que, de tout tems et malgré la grande distance qui nous sépare, je n'ai rien négligé pour me faire une idée claire du talent supérieur qui vous distinguesi avantageusement.

L'excellente copie que je dois à votre bonté particulière me procure le grand avantage de prendre part à un chef-d'oeuvre, qui depuis longtems fixe à si juste titre l'admiration de tous les vrais connoisseurs;[147] plus je l'étudie, plus je me pénètre des grandes beautés et du mérite de l'original.

Veuillez bien agréer, Monsieur, l'expression de la vive gratitude que m'inspire l'envoi de l'inestimable planche, à laquelle vos lignes autographes ajoutent un nouveau prix; conservez moi une part dans votre gracieux souvenir, faites moi la justice de ne jamais douter de la véracité de mon admiration, et soyez bien convaincu de la parfaite estime et de la haute considération, avec lesquelles j'ai l'honneur d'être

Monsieur le Baron

votre très-humble et très-obéissant serviteur.

Weimar ce [20?] Avril 1827.


42/128.


An Rudolf Brandes

[Concept.]

[21. April. 1827.]

Ew. Wohlgeboren

so theoretische als praktische Verdienste um die Naturwissenschaft sind Ihro Königlichen Hoheit meinem gnädigsten Herrn schon längst bekannt geworden; nicht weniger der Antheil, welchen Dieselben an unsern besondern Studien, Bemühungen und Sammlungen genommen.

Höchstdieselben haben daher, bey froher Gelegenheit, auch Ew. Wohlgeboren gedenkend beykommendes[148] Ehrenzeichen Denenselben verliehen. Sie überzeugen sich daß es mir zum größten Vergnügen gereicht solches hiemit zu übersenden; wie ich mich denn hiebey geneigtem Andenken empfehle, auch denen mir untergebenen auf Natur und Kunst sich beziehenden Anstalten fernere Theilnahme vertrauend hoffen darf, indem ich die Ehre habe mich hochachtungsvoll zu unterzeichnen.


42/129.


An Carl Friedrich Zelter

Dein gewichtiges Wort: daß der grundoriginale Bach doch auch einen fremden Einfluß auf sich wirken lassen, war mir höchst merkwürdig, ich suchte gleich Franz Couperin in dem biographischen Lexikon auf und begreife wie, bey damaliger großer Bewegung in Künsten und Wissenschaften, etwas Gallicanisches herüberwehen konnte.

Zunächst gehen mit dem Postwagen eine Partie Medaillen an dich ab; ein Paquetchen an die Herzogin von Cumberland übergebe ich deiner Sorgfalt zu beliebiger gefälliger Ausrichtung. Andere einzelne Päckchen sind mit Inschriften versehen, andere ohne dieselben, alle jedoch mit meinem Ringe versiegelt, wenn du irgend ein Exemplar in meinem Namen verschenken wolltest, sonst aber sind sie durchaus deiner Disposition überlassen.

[149] Um wieder zu Couperin und Bach zurückzukehren, ersuche ich dich schönstens: du mögest demjenigen, was du den französischen Schaum nennst und den du dir von dem deutschen Grundelement abzusondern getraust, einige gewichtige Worte gönnen und auf irgend eine Weise mir dieses belehrende Verhältniß vor den äußern und innern Sinn bringen.

Prinz Carl ist wieder angekommen, und unsre liebe Jugend erfreut sich wieder einander sich anfassender Hoffeste.

Nächstens den Schluß von Kunst und Alterthum; es drängte sich so viel Material zu, daß ich bis auf 14 bogen gelangt bin. Die letzten Blätter sollst du Hoffentlich gesteigert finden. Könnte ich die Herausgabe dieser Hefte beschleunigen, so daß alle Vierteljahr eines erschiene, so würden sie lebhafter und für den Augenblick interessanter seyn; jetzt bleibt manches liegen, das veraltet, wenigstens nicht mehr den Augenblick berührt.

Für Chladni ist es recht Schade; es war ein thätiger und guter Mensch, der dem Gegenstande dem er sich einmal ergeben hatte treu blieb, und so hat er in den entgegengesetztesten Dingen recht glücklich gewirkt. Man sieht er konnte sich rein interessiren, und so gewannen ihm die Meteorsteine nach den Klangfiguren Liebe und Neigung gründlich ab zu unablässigem wissenschaftlichen Behandlen.

[150] Die so hübsche als geschickte Facius hat einen Brief, den ich an Doris mitgab, verloren. Hatte sie nicht den Muth sich auch ohne diese Einleitung zu melden, so laß sie doch aufsuchen; bey Professor Rauch ist sie zu erfragen, der sich ihrer annehmen will, eben so bey dem alten Posch, der sie mit nach Berlin genommen hat.

Weimar den 22. April 1827.


Nun etwas in Bezug auf das mit dem Postwagen abgesendete Paquet. Es befinden sich darin:

1) Zwey Exemplare Manzoni, für dich und Streckfuß, dessen Übersetzung gewiß auch durch diese Ausgabe gefördert wird. Ihm die schönsten Grüße.

2) Ein Päckchen, überschrieben: An die Frau Herzogin von Cumberland, dessen Besorgung dir wohl nicht sauer ankommen wird.

3)Vier Päckchen mit Überschriften zu gefälliger Besorgung; drey ohne Überschrift zu deinem Gebrauch, sämmtlich weiß die Jubelmedaille enthaltend.

4) Die drey blauen enthalten die Genfer Medaille. Wolltest du von diesem sechs etwas in meinem Namen verehren, so sind sie deshalb gesiegelt und du schreibst wohl die Adresse drauf.


Sodann bemerke, daß ich gestern Abend, bey Revision unsrer Correspondenz, mit Riemer, mich an[151] deinem herrlichen Brief vom 20. März 1824 höchlich erfreute, wo du, in Gefolg einer Entwickelung des Händelschen Messias, gar herrlich ableitest, wie der aus dem Canto fermo entstandene Choral sich nach und nach vierstimmig entfaltet. Dieß gibt mir die nächste Hoffnung, du werdest mich auch fernerhin werth finden, mich über Ähnliches aufzuklären und also nächstens mit mir über Couperin und Bach freund-brieflich conversiren.


Verzeih diesem fragmentarischen Blatte! Es geht um mich sehr wild zu, so daß ich in die beiden größten menschlichen Fehler zu verfallen in Gefahr bin: in's Versäumen und Übereilen.

Das Paquet ist gepackt und folgt diesem auf dem Fuße. Tausend Lebewohl, Glück zum neuen Quartier und zum befriedigen Abschluß der Charwoche!

unwandelbar

Weimar den 21. April 1827.

G.


42/130.


An Christian Ernst Friedrich Weller

[Concept.]

Vorgestern Donnerstag den 19. sendete ich durch Expressen ein Paquet an Herrn Professor Göttling, in dessen Abwesenheit bey Ihnen, mein Werthester, abzugeben. Er fand beide nicht und will es in dem[152] Göttlingschen Hause an ein Frauenzimmer gelassen haben. Nun zweifle ich zwar nicht daran, weil aber das Paquet so als die Förderniß des darin Enthaltenen mir sehr wichtig ist, so ersuche Sie mir baldigst Nachricht zu geben, ob Herr Professor Göttling es empfangen und ob ich baldigste Revision des Inhalts hoffen kann; auch wie es mit dessen Reise nach Halle steht und wie lange er abwesend seyn könnte. Von allem diesen geben Sie mir ja wohl Nachricht, da ich dieser Angelegenheit wegen gedrängt werde und deshalb aus jeder Ungewißheit kommen möchte.

Das Beste wünschend, viele Empfehlungen an Herrn Major mir erbittend.

Weimar den 21. April 1827.


42/131.


An Wilhelm Christoph Leonhard Gerhard

Ew. Wohlgeboren

übersende ein paar Blättchen welche den neulich durch Sie eingeführten jungen Männern zugesagt, und nun mit meinen besten grüßen zu überreichen bitte.

Dann aber ersuche Sie um Beantwortung einer durch geselligen Widerstreit veranlaßten Frage: unter den hiesigen Freunden finden sich einige welche dem so hochbeleidigten serbischen Ehegatten dergleichen Nachricht keineswegs zutrauen, vielmehr dem Charakter gemäßer halten wollen, wenn er die Dame durch ihre[153] neun Brüder in soviel Stücke hätte hauen lassen; deshalb beschuldigt man den Übersetzer solcher modernartigen Milderung.

Ich zwar bin geneigt ein so barockes Verfahren einer barbarischen Willkür zuzutrauen, allein ich muß wünschen, daß Sie mir hierüber ein entschiedenes Wort vermelden, auch wohl Nummer und Seite anzeigen wo sich das Original in des guten Wuks Gedichten findet.

Der zunächst erwarteten Wila mich zum voraus erfreuend, mit den besten Wünschen.

ergebenst

Weimar d. 21. Apr. 1827.

J. W. v. Goethe.


42/132.


An Christian Gottfried Daniel Neesvon Esenbeck

[Concept.]

[22. April 1827.]

Nur ein Wörtchen zur Begleitung des Beykommenden. Serenissimus hinterließen [es] mir gestern bey Ihrer Abreise nach Leipzig der Königin von Bayern entgegen. Einen Abdruck von meiner Einleitung zu Manzoni's Werken lege bey; die vordere größere Hälfte kennen Sie aus Kunst und Alterthum. Was ich von Seite XL über Adelchi gesagt habe erregt wohl Sie und einige Freunde weiter zu denken.

Wie sehne ich mich nach Wirkung in die Ferne und aus der Ferne. Der angekündigte Herr Ampère ist noch nicht erschienen.

Weimar den 20. April 1827.[154]


42/133.


An Carl Wilhelm Göttling

Ew. Wohlgeboren

erhalten hiebey den zweyten und dritten Band der Taschenausgabe mit dem Original. Haben Sie die Gefälligkeit sorgsam wie bisher fortzufahren; leider ist die Entfernung aller Accuratesse sehr gefährlich; Cartone, wenn sie jetzt nicht möglich sind, sollten bey der zweyten Lieferung nachgebracht werden; überhaupt auch, wenn das Geschäft im Gange ist, werden sich die Mängel verlieren. Für jetzt müssen wir uns trösten daß diese letzten Bemerkungen der Octavausgabe zu Gute kommen. Corrigirt man doch an den alten Classikern schon einige tausend Jahre, und Gubitz muß sich bey seinen Stereotypen doch noch endlich ein fehlendes Strichelchen nachweisen lassen.

Haben Sie die Güte Ihre Sorgfalt diesem Unternehmen ferner zu schenken und bleiben meiner aufrichtigsten Dankbarkeit gewiß.

Sollte es einen Sonnabend schön Wetter seyn, so versäumen Sie nicht bey uns zu Mittag einzukehren, Sie finden gute Gesellschaft und freundlichsten Empfang.

Ein paar blaue Zeichen finden Sie auch in dem zweyten Bande, doch habe ich's weiter unterlassen; ich werde durch das Gedicht fortgezogen und, was noch schlimmer ist, durch die Erinnerung an vorige[155] Zeiten verwirrt. Es sey Ihnen alles anheim gegeben. Erhalt ich den zweyten Theil bald zurück, so hat es mit dem dritten so große Eile nicht.

ergebenst

Weimar den 23. April 1827.

J. W. v. Goethe.


42/134.


An Wilhelm Reichel

[Concept.]

Ew. Wohlgeboren

erhalten hiebey die Revision des ersten Bandes. Leider kam zu den ersten Verspätungen zuletzt noch der Umstand hinzu, daß bey Ankunst des Originals der sonst gefällige Revisor verreist war. Nach seiner Rückkunst wurde das Nöthige sogleich besorgt; was zu bemerken war liegt auf einem besondern Blatte bey, welches denn alles zusammen der Octavausgabe zu Gute kommen mag. Freylich ist manche Stelle drunter die einen Carton wünschenswerth macht. Sollte man, da es bey der jetzigen Lieferung unmöglich seyn möchte, die nöthigsten Cartone zugleich mit folgender Lieferung zusagen und für die Interessenten nachbringen? Es wäre dieß ein Mittel den Vorwürfen auszuweichen, worauf sich die Widersacher schon vorbereiten.

Ein Theil dieser Mängel scheint sich von dem Maschinendruck herzuschreiben, welcher freylich bey[156] großen Vortheilen auch seine Nachtheile hat. Sollte es möglich seyn die Bogen der Octavausgabe einzeln zur Revision unter Kreuzband zu schicken, so würde man hier alle Sorgfalt dafür tragen.

Die übrigen Bände sollen eiligst folgen und wenn das Geschäft einmal im Gange ist, so werden sich auch die Mängel vermindern, da Ew. Wohlgeboren mit Ihren Assistenten die möglichste Sorgfalt gewiß bis an's Ende fortsetzen.

Einer am 15. d. M. abgegangenen Sendung wünsche glückliches Anlangen und freundliche Aufnahme.

In vollkommener Anerkennung Ihrer geneigten Bemühungen.

Weimar den 23. April 1827.


42/135.


An August von Goethe

[25. April 1827.]

Wolltest du wohl, auf dem Wege nach der Cammer bey Herrn von Schlegel im Erbprinzen eintreten, ihn begrüßen und seinen Reisegefährten auf heute Mittag zu Tische bitten! Es wäre freundlich und artig. Sonst aber will ich es durch eine Karte abthun.

G.[157]


42/136.


An August Wilhelm Schlegel

[Concept.]

[25. April 1827.]

Mit den besten Morgengrüßen frage ich an, ob gestern ausgerichtet worden, daß ich Sie heute von der Bibliothek, mit dem Wagen anfahrend, zur Spazierfahrt abrufen wolle? Dieses hiemit wiederholend lade zugleich Ihren werthen Reisegefährten auf heute 2 Uhr zu einem frugalen Familienmahl freundlichst ein.


42/137.


An Friedrich Heinrich von der Hagen

Ew. Hochwohlgeboren

Wunsch, den jenaischen Codex der Minnesänger in Berlin zu benutzen habe mit höchster Erlaubniß seiner Zeit sehr gern erfüllt und Sie haben dessen längeres Außenbleiben auf meine deshalb gethane Erinerung mit Mittheilung erklärt, dabey auch zugesagt, daß in den Osterferien das genannte Manuscript studirt und alsobald zurück gesendet werden sollte.

Wie ich nun, noch verflossenem diesem Termin, die Angelegenheit abermals in Erinnerung zu bringen verpflichtet bin und mich ein längeres Außenbleiben in nicht geringe Verlegenheit setzen würde, so ersuche Dieselben dringend, gefällige Sorge zu tragen, daß[158] gedachtes kostbare Manuscript wohl eingepackt in einer emballirten Kiste, wie solches hingesendet worden, durch den Postwagen anher unter meiner Adresse gesandt werde, wodurch ich mich denn beruhigt sehen werde.

Für die Mittheilung von Tausend und Einem Tag, erster Band, bekenne mich schönstens dankbar. Schon in den späteren Theilen der von Ihnen gegebenen Tausend und Eine Nacht fand sich ein merklicher Unter schied des Sinnes und Tons, angenehm zu beobachten. Diese neusten Mährchen haben abermals etwas anders, wie es der Zeitgeschmack und das Bedürfniß der Hörer scheint verlangt zu haben.

Den Werth dieser und anderer literarischen Arbeiten die wir Ihnen schuldig sind dankbar anerkennend, empfehle die obige Angelegenheit nochmals dringend, indem ich die Ehre habe mich zu unterzeichnen

Ew. Wohlgeboren

ergebenster Diener

Weimar d. 28. Apr. 1827.

J. W. v. Goethe.


42/138.


An Kunowsky

[Concept.]

Ew. Wohlgeboren

frühere Bemühungen bey Errichtung des Königstädter Theaters sind mir nicht unbemerkt geblieben und ich habe was Sie deshalb öffentlich erklärten mit Beyfall[159] und Vertrauen gelesen, auch ist das Unternehmen so schön geglückt daß ich wohl etwas zu dessen Förderniß beyzutragen wünsche. Desto unangenehmer ist mir's Ihren geäußerten Wunsch nicht erfüllen zu können. Ich habe seit Empfang Ihres Briefs die Sache reiflich durchgedacht und, bey der genausten Betrachtung des vorliegenden Gegenstandes, immer nur soviel einsehen können: die ungeheure Kluft, welche sonst die opera buffa und die hohe tragische Oper geschieden, sey durch eine so große Anzahl von Mittelgliedern nach und nach ausgefüllt worden, daß wohl niemand sich erkühnen dürfte, dazwischen irgend eine Gränze festzusetzen. An Ende in letzter Instanz wird immer hiebey durch Gunst und Zuneigung entschieden werden, und ich gestehe daß ich in einem solchen Fall gerade, wie der Ihrige ist, mich als Richter oder Entscheidender in Verlegenheit finden würde, weil mich beide Theile durchaus für parteiisch halten müßten.

Verzeihen Sie daß ich nicht mehr sage, da ich unmittelbar ein gränzenloses Detail vor mir sehe, und die vieljährigen Zwistigkeiten der in Paris beschränkt privilegirten Theater mir seit Jahren bekannt geworden und noch gegenwärtig sind. Nehmen Sie meinen besten Dank für das mir geschenkte Vertrauen mit der Versicherung, daß es mir immer angenehm seyn werde von dem Gedeihen Ihres Theaters das Beste zu vernehmen.[160]


42/139.


An Carl Wilhelm Göttling

Eiligst, mit dem besten Dank für das Übersendete, lege etwas Freundliches für Halle bey; durch Ew. Wohlgeboren Hand gehend erfreut es gewiß vorzüglich.

ergebenst

Weimar den 28. April 1827.

J. W. v. Goethe.


42/140.


An Johann Heinrich Meyer

Wie wir vorausgesehen fangen nun schon die Differenzien zwischen Quandt und Verlohren an laut zu werden, wie Sie in beyliegendem ersehen. Möchten Sie wohl baldigst den verabredeten beschwichtigenden Brief an Quandt erlassen!

W. 28. Apr. 1827.

G.


42/141.


An den Großherzog Carl August

Ew. Königlichen Hoheit

verfehle nicht schuldigst zu vermelden, daß Hofrath Meyer nach Dresden an den kunstliebenden v. Quandt schreibt, damit dessen wohlwollende Dienstfertigkeit dem von Obrist Verlohren wohl eingeleiteten Geschäft nicht Schaden bringe.

[161] Hier am Orte sucht man indessen einige Gemälde aus, um sie Höchst Denenselben vorzustellen, als der Restauration bedürftig und derselben werth, zu Prüfungs- und Musterstücken geeignet.

Zu Absendung nach Merseburg wüßte nur Schmellern vorzuschlagen; wie dieser jedoch sich in die Art des sechzehnten Jahrhunderts finden wird, wäre nicht gerade voraus zu sehen.

Übrigens aber werden Höchst Dieselben die Gnade haben, den zu beiderseitigen Unternehmungen nicht geringen Aufwand auf irgend eine Kasse anzuweisen, indem die meinige solche zu leisten außer Stande gesetzt ist.

Verehrend

unterthänigst

Weimar den 29. April 1827.

J. W. v. Goethe.


42/142.


An Carl Friedrich Zelter

Deine lieben Schreiben nach einander, auch das vom 22. April, sind glücklich angekommen. Daß die Kupferstiche dich erfreuen würden, war ich überzeugt; jedes ist vielleicht das Vortrefflichste in seiner Art. Die Schlacht des Constantin commentire ich dir wohl einmal zu guter Stunde.

Das Krügern zugedachte Gute hat sich zufällig gesteigert, er möge nun dessen genießen; war er doch[162] von dir empfohlen, gut aufgenommen, und, was mehr ist, es hat ihm geglückt. Was für Terniten geschieht ist noch reiner, der Wahrheit und Intention ganz gemäß. Möge sein Unternehmen vorwärts gehen, damit in die anarchisch-trübe Kunst doch ein guter Stern einmal wieder hereinleuchte. Er hat seine Zeichnungen sämmtlich zurück; grüß ihn zum schönsten.

Übrigens scheint es mir wie den sibyllinischen Heften zu gehen, die Einladungen nach Berlin werden immer vielfacher und dringender; es ist als ob man diesen letzten Lebensblättern einen gesteigerten Werth beylege.

Heute nichts mehr, es hört nicht auf um mich zu sausen, und ich muß sehen wie ich mit meinen Kräften durchkomme.

Lebe wohl und richte dich friedlich ein diesen Sommer, damit es noch möglich werde uns auf den Herbst zu besuchen.

unwandelbar

Weimar den 2. May 1827.

G.


42/143.


An Leopoldine Grustner von Grusdorf

[Concept.]

[2. Mai 1827.]

Ich weiß, meine Theuerste, Ihr Talent, Ihren Geist, Ihren Charakter zu schätzen, die holde Neigung[163] Ihres Gemüths zu erkennen und zu lieben, auch finde ich Wunsch und Drang durch persönliche Annäherung über manches aufgeklärt und beruhigt zu werden ganz naturgemäß. Nun eile zu antworten und folgendes zu sagen:

Ich habe Hoffnung auch dieses Jahr die böhmischen Bäder zu besuchen; dieß würde Gelegenheit geben sich irgendwo zu finden und einer freyen Unterhaltung zu genießen.

Hierher darf ich Sie jetzt nicht einladen; in meinem Hause leidet eine liebenswürdige junge Verwandte an unheilbaren Übel und läßt uns früher oder später ihre Auflösung befürchten. In einen so traurigen Kreis möcht ich Sie nicht einschließen; lassen Sie mir Zeit Ihren Wunsch zu überlegen und dessen Erfüllung einzuleiten.

Jetzt aber vor allen Dingen schicken Sie mir Ihr Bild, entweder Sie versuchen es selbst oder Ihr wackerer Meister, den ich bestens grüße, erzeigt uns wohl diese Gefälligkeit; versäumen Sie nicht diesen ersten Schritt persönlicher Annäherung und vertrauen Sie meiner aufrichtigen freundlichen Theilnahme.

Weimar April 1827.


Noch zwey Fragen: in welcher Gegend liegt der Sommeraufenthalt Ihres Großvaters? und wie heißt der wackere Künstler, Ihr Meister?[164]


42/144.


An Johann Heinrich Meyer

Wollten Sie, mein Theuerster, heute, nach geendigten Stunden, mich wohl besuchen? Ich wünschte die Zahl der Schüler und Schülerinnen in allen Classen zu erfahren; sodann gibt es manches zu besprechen.

Weimar den 2. May 1827.

G.


42/145.


An den Präsidenten von Brenn

Hochwohlgeborener,

insonders Hochgeehrtester Herr!

Ew. Hochwohlgeboren hat mein gnädigster Herr der Großherzog, wie ich unterrichtet werde, die Eröffnung gethan, daß er eine Copie von dem Cranachischen Gemälde im Dom zu Merseburg, die Kreuzigung Christi vorstellend, zu besitzen wünsche. Ich habe daher den höchsten Auftrag erhalten, den Maler und hier als Zeichenmeister angestellten Schmeller dorthin abzusenden und solchen Ew. Hochwohlgeboren zu geneigter Unterstützung zu empfehlen.

Da nun jedoch zu diesem Geschäft einige Vorbereitungen nöthig sind, so wollte ich zugleich mit dieser Anzeige Ew. Hochwohlgeboren geziemend ersuchen, mir das Maß der Höhe und Breite gedachten Bildes[165] nächstens zukommen zu lassen, damit man wegen der Art wie solches nachzubilden wäre sich näher bedenken und einen sichern Entschluß fassen könne.

Der ich, mich zu wohlwollendem Andenken angelegentlichst empfehlend, die Ehre habe mich zu unterzeichnen.

Ew. Hochwohlgeboren

ganz gehorsamster Diener

Weimar den 3. May 1827.

J. W. v. Goethe.


42/146.


An Christian Dietrich von Buttel

Wie sehr mich Ihre Zuschrift gefreut und tief gerührt habe, will ich eilig vermelden. Mußt es mich nicht überraschen, zur Zeit da in meiner nächsten Nähe der alte Schulplunder noch auf dem academischen Trödelmarkt feil geboten wird, von der ultima Thule her ein so frisches Lebenszeichen zu vernehmen? Lieblicher hat mir lange nichts geklungen als Ihre Worte: »Hauptsächlich in der Lehre vom Trüben, diesem Brautbette gleichsam, worin sich Licht und Finsterniß hochzeitlich zur Farbe vermählen, weilen, wohnen und erfreuen. Das Licht bleibt dabey jungfräulich rein, wird nicht in sich selbstgetrübt oder gezwiespaltet – so wenig wie die Finsterniß sich zu etwas anderem als sich selbst aufschlösse. Beide bleiben in ihrer ursprünglichen Reinheit und nur das[166] Mittel ist es, das sie trübt und verbindet.« Nehmen Sie zum Dank dagegen wenige Reimzeilen:


Wann der Blick an heitern Tagen

Sich zur Himmelsbläue lenkt,

Bey'm Siroc der Sonnenwagen

Purpurroth sich niedersenkt,

Da gebt der Natur die Ehre,

Froh, an Aug' und Herz gesund,

Und erkennt der Farbenlehre

Allgemeinen ew'gen Grund.


Ich brauche nicht zu sagen: halten Sie fest daran, es hält Sie fest, Sie werden nicht loskommen.

Sodann wenn Sie bemerken, daß der prismatische Fall, besonders der objective, nicht ganz befriedigend aus jenen Anfängen abgeleitet sey, so gebe ich es gerne zu und eröffne nur soviel im allgemeinsten: wie ein reines Anschauen uns vollkommen überzeugt und beruhigt, so bedienen wir uns der Analogie, um uns selbst und andere einstweilen zu überreden und zu beschwichtigen. Ferner ist ein Urphänomen nicht einem Grundsatz gleichzuachten, aus dem sich mannichfaltige Folgen ergeben, sondern anzusehen als eine Grunderscheinung, innerhalb deren das Mannichfaltige anzuschauen ist. Schauen, wissen, ahnen, glauben und wie die Fühlhörner alle heißen, mit denen der Mensch in's Universum tastet, müssen denn doch eigentlich zusammenwirken, wenn wir unsern wichtigen, obgleich schweren Beruf erfüllen wollen.

[167] Mehr kann ich für dießmal nicht sagen, denn die Herausgabe meiner Werke legt dem schon Verpflichteten vielfache Pflichten auf. Ich habe mich in dem sittlichästhetischen Kunstkreise beschränkt zu erhalten und darf gegen das große Naturleben meine Blicke nicht hinwenden, in Furcht gleich abgelenkt zu werden. Und doch kann ich diesen Betrachtungen niemals entgehen. Wie manche Stunde der, seit dem Abdruck meines Versuchs der Farbenlehre verflossenen siebenzehn Jahre habe ich mich nicht den unerschöpflichen Reizen einer ewigen Natur hingegeben. Auch Sie fahren gewiß fort in dem löblichen Bemühen, die nie veraltende Mutter zu verstehen und zu verkünden, wo sie sich offenbart, sie zu ahnen, wo sie sich verbergen will und, trotz aller Hindernisse, nach Maaßgabe der Kräfte und des Glücks dieselbe sich und den Ihrigen zu enthüllen. Manches ist dem Menschen zugängig, manches nicht; einiges erreichbar auf diese, anderes auf jene Weise. – Und somit dem geübten Denker für dießmal genug. Erregen Sie mich durch fernere Mittheilung! So freundlich genöthigt begebe ich mich wohl gerne wieder auf den alten Pfad, mich umzuschauen, wo mir und andern Probleme liegen geblieben.

Für die uralten Natur- und Säcular-Producte sey Ihnen der beste Dank gesagt; auch mir will eine bewegliche Gliederung sich offenbaren, auch ich kenne Exemplare, die wirklich beweglich sind. Was Sie mir[168] von solchen und ähnlichen Producten der Insel Helgoland und Ihrer Künsten gefällig mittheilen wollen, wird mir und meinem Sohne höchst willkommen seyn, der sich eines schönen, von mir lange gesammelten Vorraths theilnehmend und ordnend erfreut. Die Insel Helgoland ruht, wenn ich nicht irre, auf einem Porphyrfels: auch ein Musterstück hievon und was sich sonst auf die Formation dieses merkwürdigen Erdpunctes bezieht, wird mir sehr angenehm seyn.

Empfehlen Sie mich Ihrer werthen Umgebung und senden unfrankirt, was es auch sey, Briefe, Paquetchen und Kistchen.

treu theilnehmend

Weimar den 3. May 1827.

J. W. v. Goethe.


42/147.


An Johann Heinrich Meyer

Herrn Oppenheim würde ich morgen um 11 Uhr gern bey mir sehen.

Weimar den 4. May 1827.

Goethe.


42/148.


An den Herzog Bernhard

Durchlauchtigster Herzog,

gnädigster Fürst und Herr.

Ew. Königlichen Hoheit schon längst an mich erlassene Anfrage so spät zu beantworten, kann ich nur[169] dadurch entschuldigen, daß ich meine früheren auf die italiänische Reise sich beziehenden Papiere zu durchsuchen erst in diesen Tagen die gehörige Zeit gefunden. Da jedoch in selbigen nichts von einem weitern Verhältniß zu Herrn Moller in Florenz zu entdecken gewesen, mußte ich mich entschließen, Beyliegendes aus dem Gedächtniß zu verzeichnen, welches geneigtest aufzunehmen und meiner auch fernerhin im Guten und Gnaden zu gedenken angelegentlichst bitte.

Verehrend wie vertrauend

Ew. Königl. Hoheitunterthänigster

Diener

Weimar d. 5. May 1827.

J. W. v. Goethe.


[Beilage.]

[Concept.]

Gnädigst zu gedenken.

Als ich im Jahre 1788 von Rom nach Hause kehrend durch Florenz ging, war ich, ohne mich gerade zu erinnern von wem, an daselbst sich schon lange aufhaltenden Fremden, Namens Moller oder Möller empfohlen. Ich fand an ihm einen muntern thätigen Mann, der eine sehr hübsche Frau hatte, und bey der damaligen Aufhebung der Klöster und Entschmückung der Kirchen viele bedeutende Bilder zusammenzubringen gewußt hatte. Die ausgesuchten besseren waren in chronologischer Reihe aufgestellt,[170] um die Geschichte der florentinischen Kunst anschaulich zu machen. Diese Reihe zu vervollständigen war sein ernstes Bestreben, und es ist keine Frage daß diese Sammlung, wie ich sie vorfand, für den Kenner Bedeutung hatte. Außerdem zeigte er mir noch einen großen Scheunenraum, durchaus mit dergleichen Gemälden behangen, welche man späterhin, als die alterthümliche Kunst mehr Freunde gewann, höher als damals würde geschätzt haben. Wir besuchen einander wechselsweise und ich verdanke ihm bey meinem florentinischen Aufenthalt manches.

Von seiner Herkunft aber, seinen früheren Beschäftigungen, seinen nächsten Zwecken und ferneren Absichten habe ich nichts erfahren, indem ich mich darnach zu erkundigen Scheu trug und er von freyen Stücken hierüber mir nichts offenbarte.

Nach meiner Rückkunft mögen wir einige Briefe gewechselt haben, von deren Inhalt ich mich nichts erinnere, wie denn auch kein Schreiben von demselben unter meinen Papieren sich bis jetzt vorgefunden hat.


42/149.


An die Herzogin von Rauzan

[Concept.]

[6. Mai 1827.]

Gnädige Herzogin!

Durch Vermittelung meines vieljährigen edlen Freundes, des Herrn Alexander v. Humboldt, wird mir die Gewißheit daß auch in dem höchst bewegten[171] Paris meiner, eines hochbejahrten Einsiedlers, mit Neigung freundlich gedacht werde.

Gewiß, wir sollten die Beschränktheit, die Verirrungen, die Mängel und Fehler unserer Jugend im Alter segnen, weil die Darstellung derselben uns Gönner und Freunde zu erwerben geeignet ist, in einer Lebensepoche wo mir auf jeden neuen Erwerb Verzicht zu thun alle Ursache haben.

Doch wo sollten sich gute und schöne Seelen eher begegnen als in Betrachtung des Widerstreits, in den sich der freygeborne Geist, das nach allen Seiten hin ahnende Herz mit einer beschränkenden Umgebung, mit einer von allen Seiten andrängenden Gegenwirkung gesetzt findet.

Das liebe, schon längst, und nun durch das zierlichste Äußere und eine kunstreiche Abbildung mir doppelt und dreyfach werthe Büchlein Ourika ist nun in jenem Sinne höchst bedeutend: denn hier steht nicht etwa ein menschliches Innere mit einem herkömmlichen oder auf sonst eine Weise willkührlich verschränkten Äußern im Conflict, vielmehr strebt eine Natur gegen die andere. Der Gegensatz, den der Schöpfer selbst gewollt hat, strebt sich zu einigen, sich auszugleichen und ein liebendes, Liebe verdienendes Wesen geht darüber zu Grunde. Was auch die höheren Elemente einer gebildetern Welt hier noch steigernd hinzuthun ist von geringem Belange, das eigentliche Grundübel hätte müssen auch in den einfachsten Naturzuständen verderblich werden.

[172] Aufgemuntert durch meinen Freund schreib ich dieses an die geneigt vermittelnde Tochter der verehrten Frau, deren edlem, fein und tief fühlendem Geiste ich ein wohlverdientes körperliches Behagen herzlich wünschte, deren schweres, ja gefährliches Übel ich jedoch kummervoll mit empfinde und deshalb mich kaum der guten mir noch so spät gegönnten Tage gründlich erfreuen darf.

Empfehlen Sie mich der würdigen Frau auf's angelegenste und danken ihr für das schöne Zeugniß ihres Andenkens, mit der Versicherung daß ich ihre so geist- und geschmackreichen als bis in's Einzelne tief empfundenen Werke mir zu den schönsten Blumen und Blüthen rechne, welche der allgemeine Lebensgarten so anmuthig umher erzeugen mag. Bewahren auch Sie mir ein freundliches Wohlwollen und bleiben überzeugt, daß in jenen mütterlichen Gaben auch das Gedächtniß einer geneigten Tochter sich, so lang ich lebe, frisch in mir erhalten wird.

Weimar den 30. April 1827.


42/150.


An Johann Christian Ludwig Ludecus

[Concept.]

Ew. Wohlgeboren

wünschte, wenn es Ihre Zeit erlaubt, heute um 10 Uhr etwa bey mir zu sehen, um die Lieberische Angelegenheit näher zu besprechen.

Weimar den 6. May 1827.[173]


42/151.


An Johann Heinrich Meyer

[Concept.]

In Hoffnung baldigen Besprechens berühre vorläufig einige Puncte.

1) Ein Schreiben des Herrn Obrist v. Verlohren meldet umständlich, daß in Dresden alles eingerichtet sey, deshalb nun die Abreise Liebers zu beschleunigen. Mögen Sie deswegen baldmöglichst die allenfalls zu restaurirenden Bilder bey mir aufstellen, damit man sich darüber entscheide und für das Einpacken Sorge trage.

2) Lege hier ein Heft über Restauration bey mit der Anfrage, ob es vielleicht etwas Nützliches und Behüfiges enthalte?

3) Wäre wohl ein Stündchen anzuwenden, die bekannten Gelehrten und Schriftsteller in Berlin hie und da noch näher zu bezeichnen.

Vielleicht speisen Sie in diesen Tagen mit uns, und so könnte dieses und manches andere abgethan werden.

Weimar den 6. May 1827.


42/152.


An Johann Friedrich Röhr

[Concept.]

Ew. Hochwürden

verfehle nicht hiedurch anzuzeigen, daß Anordnung getroffen ist, die empfohlenen Lehrlinge in die Zeichenstunde aufzunehmen. Mit dem Wunsche daß[174] sie beide in der schönen Kunst baldigst fortschreiten mögen habe die Ehre mich zu unterzeichnen.

Weimar den 6. May 1827.


42/153.


An Henriette von Pogwisch

[Concept.]

Indem ich, gnädige Frau, hiebey zwey Thaler und das Büchlein zurücksende, auch mir den Roman Ju Kiao Li erbitte, füge Folgendes hinzu: der Zeichenlehrer Schmeller geht nach Merseburg, um dort für Ihro Königliche Hoheit ein altes Bild zu copiren und einige Freunde auf bekannte Weise zu zeichnen. Wollten Sie ihm nicht einen Brief an Herrn Grafen Henckel mitgeben, um denselben zu ersuchen, gedachtem Künstler einige Sitzungen, sowohl selbst als seiner jungen Frau Gemahlin, zu gönnen, welche Nachbildungen, wenn sie, wie zu hoffen, glückten, der Frau Gräfin so wie sämmtlichen werthen Anverwandten viel Vergnügen machen dürfen. Das Briefchen würde mir jedoch bald ausbitten.

Weimar den 7. May 1827.


42/154.


An Friedrich Jacob Soret

Sie werden sich, mein Theuerster, wohl noch erinnern, daß Sie vor einem Jahre mir den Wunsch[175] Ihro Königlichen Hoheit der Frau Erbgroßherzogin geäußert, daß Höchstdieselbe eine instructive Sammlung sächsischer Mineralien für ein auswärtiges wissenschaftliches Institut zu erhalten wünschten.

Da ich nun hierauf unter dem 30. Juli vorigen Jahrs, wie beyliegende Copie das Näher anzeigt, nach Freyberg geschrieben, diese Zeit her aber weiter nichts vernommen, so ist doch aus beyliegendem Briefe des Herrn Professor Breithaupt zu Freyberg ersichtlich, daß der Auftrag ernstlich beachtet worden sey, und ich habe hiedurch schuldigst zu vermelden, daß die Kiste so eben bey mir niedergesetzt worden.

Da sich für diese Sendung der Ober-Berghauptmann v. Herder als Anordnender und Herr Professor Breithaupt als Besorgender der Sache sorgfältig angenommen, so zweifle ich nicht, daß diese Sammlung völlig wie sie bestellt und gewünscht ausgefallen seyn wird. Wie denn auch dafür angerechnete Summe von 65 rh. 12 Groschen sächsisch mir sehr mäßig erscheint.

Ob ich nun gleich wünschte daß wir uns selbst davon überzeugen könnten, so darf ich doch nicht rathen die Kiste auszupacken, weil es immer schwer seyn würde, sie es bey der Mineralienniederlage gewiß sorgfältig geschehen, wieder einzupacken.

Wollten Sie nun, mein Werthester, der Frau Erbgroßherzogin Königlicher Hoheit hievon gefälligen Vortrag thun und mich benachrichtigen, wo ich obgedachte[176] Summe erheben könnte, um sie baldmöglichst nach Freyberg zu schicken; nicht weniger wohin diese Sammlung bestimmt sey mir nähere Kenntniß geben, damit auch für den Transport zunächst gesorgt werde, indem diese Angelegenheit sich ohnehin schon länger als billig verzogen hat, ob wir uns gleich deshalb darüber beruhigen können, weil gewiß etwas Gutes und wissenschaftlich Bedeutendes geliefert worden ist.

In Hoffnung baldiger mündlichen Unterhaltung

ergebenst

Weimar den 8. May 1827.

J. W. v. Goethe.


42/155.


An den Präsidenten von Brenn

Hochwohlgeborner

insonders hochgeehrtester Herr.

Nach erneuter Versicherung meines gnädigsten Herrn, daß Ew. Hochwohlgeboren dem lebhaften Wunsch desselben, sich in Besitz einer Copie des Bildes einer Kreuzigung von Lucas Cranach zu sehen, mit Vergnügen entgegen kommen würden, sende den Maler und Zeichenmeister Schmeller nach Merseburg, mit demjenigen ausgerüstet was zu diesem Geschäft nöthig seyn möchte , welchem alle Förderniß zu gönnen ich hiedurch angelegentlichst bitte.

Empfangen Dieselben nicht weniger freundlich das beykommende Exemplar einer mir zu hohen Ehren[177] gereichenden Denkmünze, welche fürstliche Gabe bescheidentlich verehrend meine Gönner und Freunde zu geneigter Theilnahme aufzurufen ich mich allerdings nicht entbrechen [kann].

Darf ich dagegen um die Gefälligkeit bitten, dem Überbringer, gedachtem Schmeller, einige Sitzungen zu gönnen, damit derselbe in einer Schwarzkreidezeichnung, wie sie ihm besonders gelingen, das Bildniß eines benachbarten würdigen und allgemein geachteten Geschäftsmannes zurückbringe, dessen Gesinnungen und Einsichten kennen und gehörig schätzen zu lernen ich vor Kurzem das Glück gehabt.

Der ich, mich wohlwollendem Andenken empfehlend, mit vorzüglichster Hochachtung mich zu unterzeichnen die Ehr habe

Ew. Hochwohlgeb.

ganz gehorsamsten Diener

Weimar den 8. May 1827.

J. W. v. Goethe.


42/156.


An Moritz Oppenheim

Herr Oppenheim

wird höflichst ersucht, seine Gemälde wieder abholen zu lassen.

Weimar d. 8. May 1827.

Goethe.[178]


42/157.


An Georg Wilhelm Friedrich Hegel

Als ich, verehrter Mann, Ihre liebwerthe Hand unter einem Schreiben an mich gezeichnet sah, war es eben ein Augenblick, als ich im Sinne hatte einige Zeilen an Sie zu erlassen, ja dadurch ward ich denn aufgemuntert es zu thun und hab es bis jetzt nur wegen zudringender vielfacher Geschäfte unterlassen.

Gegenwärtig nehme mir die Freyheit inliegenden Brief zu übersenden, der die Wünsche des Bittstellers wie ich glaube deutlich genug ausdrückt. Möchten Sie die Gefälligkeit haben mir die Frage zu beantworten: ob, nach Umsicht der in dem preußischen Königreiche gegenwärtig obwaltenden Einrichtungen und Gesinnungen, diese Wünsche wohl Erhörung finden können.

Die Bemühungen, welche dieser junge Mann erst meinem Faust und nachher der griechischen Literatur gewidmet, mußten mich für ihn interessiren und eine nähere Beobachtung seines Lebens- und Studienganges nur dieses Interesse vermehren. Leider sah ich seine Hoffnungen, die er auf eine Anstellung in Berlin gefaßt hatte, zuletzt verschwinden und mußte für ihn auf irgend eine Weise Sorge zu tragen bisher aufgeben.

Das Gesuch das er an mich brachte mußt ich nicht zu fördern; ich wagte nicht, selbst durch nähere Verhältnisse berechtigt, mich denenjenigen zu nähern,[179] welche hierinnen zu entscheiden haben könnten, da ich beiden Theilen das Unangenehme einer abschläglichen Antwort ersparen möchte; deshalb entschließ ich mich jene Frage an Sie zu richten. Haben Sie die Güte mir deshalb Ihre einsichtigen Gedanken zu eröffnen. Freylich weiß ich wohl, daß man eher eine freye Gnade als die Ausnahme von einer bedeutenden Regel zu hoffen hat, indessen wollt ich für den jungen Mann, der mir wirklich am herzen liegt, nicht ganz unthätig seyn und lasse dieses Blatt abgehen, in Hoffnung daß Sie solches nicht ungeneigt aufnehmen.

Ich freue mich und danke schönstens daß Sie mein bey Ihrem bedeutenden literarischen Unternehmen haben gedenken wollen. Sie kennen den Kreis in welchem ich mich mit literarischen Freunden in Weimar bewege; deuten Sie mir auf irgend einen Punct, von wo Ihnen eine Mittheilung angenehm seyn möchte. Zwar gibt mir die Herausgabe meiner Werke viele und nicht immer erfreuliche Beschäftigung, doch ruft uns wohl irgend eine freundliche Aufforderung zu einer Zwischenarbeit auf, zu der wir durch eigenen Trieb nicht veranlaßt wären. Erhalten Sie mir ein wohlwollendes Andenken. Empfehlen Sie mich Herr Varnhagen v. Ense auf's allerbeste und bleiben einer wahrhaften treuen Anhänglichkeit gewiß.

hochachtend wie vertrauend

ergebenst

Weimar den 9. May 1827.

J. W. v. Goethe.[180]


42/158.


An Johann Wolfgang Döbereiner

Ew. Wohlgeboren

erlauben in einem elektro-chemischen Falle Ihre geneigte Mitwirkung zu erbitten.

In dem Jahrbuch für Chemie und Physik von Schweigger für 1827 Band I Heft 1 Seite 8 finde ich einen Aufsatz von Leopold Nobili über eine neue Klasse elektro-chemischer Erscheinungen.

Da er sowohl das Verfahren als die als die Erscheinung deutlich beschreibt, wünsche ich die Seite 11 erwähnten vier bis fünf concentrischen, abwechselnd dunklen und hellen Kreise zu sehen, besonders aber die Seite 13 angezeigten concentrischen mit Regenbogenfarben schillernden Ringe von lebhaft glänzender Farbe.

Wollen Ew. Wohlgeboren mir einige dergleichen Producte jener Wirkungen, die Ihnen leicht gerathen würden, gefällig mittheilen, so würden Sie mir auf's neue die Blicke erheitern, die ich obwohl selten dem herrlichen freyen Naturreiche zuwenden kann.

Mich zu geneigtem Andenken bestens empfehlend.

hochachtungsvoll

ergebenst

Weimar den 9. May 1827.

J. W. v. Goethe.[181]


42/159.


An Alfred Nicolovius

[Concept.]

[11. Mai 1827.]

Hier folgt, mein Bester, ein Exemplar der neuen Ausgabe Manzoni's deiner Bibliothek gewidmet. Dagegen wirst du die Gefälligkeit haben Inliegendes an Herrn Ritter Huygens zu besorgen. Er ging vor einigen Tagen hier ab, gelangt über Dresden nach Berlin, wo er wohl noch nicht angekommen ist, wenn Gegenwärtiges anlangt. Bey der niederländischen Gesandtschaft wirst du leicht seine Ankunft erfahren, und es sollte mir angenehm seyn wenn du ihm das Paquetchen selbst übergeben wolltest, mit der Äußerung daß es uns leid gethan habe, ihm bey augenblicklichem Übelbefinden unserer Ottilie diese freundlichen Zeichen unseres Andenkens [nicht] selbst zu übergeben. Lebe wohl, mein Theurer, empfiehl mich deinem Herrn Vater und gedenke mein.

Weimar den 7. May 1827.


42/160.


An Henriette von Pogwisch

[Concept.]

Abermals, verehrte Freundin, bin ich genöthigt, Sie um geneigte Vermittlung anzurufen, welche Sie mir um so weniger versagen werden als ich wirklich zu bedauern bin: um nur einigermaßen was mir[182] obliegt zu beseitigen, mußte ich mich in meinen untern Garten flüchten, dessen Aufenthalt eine widerwärtige Witterung keineswegs erfreulich macht. Zugleich bin ich, was das Schlimmste bleibt, gehindert, meiner erhabenen Fürstin zu erwünschter Stunde schuldigst aufzuwarten. Sagen Sie das Beste zu meinen Gunsten!

Zugleich ergreife die Gelegenheit, aufmerksam zu machen auf: Les états de Blois, Fortsetzung der Barricaden, ein starker Band, 7 Francs 50 Centimes. Das Werk wird gewiß der ganzen Gesellschaft willkommen seyn.

Weimar den 14. May 1827.


42/161.


An Philipp Christian Weyland

Ew. Hochwohlgeboren

Wider- und Gegenspiegelung jener mannichfaltigen wunderlichen Wesenheiten hat mir in dieser grünen Einöde sehr viel Vergnügen gemacht. Wenn dasjenige, woran wir manchen Tag und Nacht, in vielfacher Überlegung gearbeitet und gebildet, indem es öffentlich erscheint, auf die einsichtig Denkenden und lebhaft Fühlenden harmonische Wirkung hervorbringt, so ist Wunsch und Zweck erfüllt. Ich habe gar manches im Sinne dem ich gleiche Gunst wünsche, welches aber durchzuführen eine absolute Einsamkeit Noth war. Ich lade Sie deshalb nicht in Person; jedes schriftliche[183] Andenken wird mir die nächsten Tage einen höchst erfreulichen Augenblick verschaffen.

Was den Titel für Oppenheim betrifft, so wäre ich auch für den Professor, er profitirt die Kunst (bekennt sich zu ihr) und profitirt von dem Titel, und so wird Serenissimi Gnade alles in's Gleiche setzen.

Mich angelegentlichst empfehlend

Weimar den 14. May 1827.

J. W. v. Goethe.


42/162.


An Ottilie von Goethe

Die Kranken wie die Gesunden begrüßend, sende das Bild für die Frau Mutter und wünsche daß es derselben in meinem Namen, mit der schönsten Empfehlung, übergeben werde. Die Kinder können nächsten Geburtstag allenfalls ihre Pflichten verdoppeln.

Mit den besten Wünschen und Hoffnungen.

Weimar den 16. May 1827.

G.


42/163.


An Wilhelm Reichel

In Erwartung der Aushängebogen vom 6. Bande, welche bis heute den 14. May noch nicht angekommen sind, vermelde wegen des Übrigen vorläufig Folgendes:

1) Die Untersuchung, woher die Druckfehler entstanden und wenn die Schuld beyzumessen, wollen wir ja unterlassen; das Geschäft ist schon complicirt genug,[184] das Verfehlte kann nur die Aufmerksamkeit auf das Folgende vermehren.

2) Ich sende die sorgfältige Revision des zweyten Bandes; die Bemerkungen mögen der Octavausgabe zu Gute kommen. Keine Cartone sind nöthig, auch bitte künftig nur alsdann Cartone zu besorgen wo ich sie ausdrücklich verlange.

3) Die Angabe einer geringen Bogenzahl in der Anzeige war mir niemals deutlich; da wir den Inhalt eines jeden Bandes aussprachen, so konnte eigentlich von der Bogenzahl die Rede nicht seyn. Schon hab ich ungern die Trennung des Divans von seinen Erklärungen zugegeben; nur um die erste Lieferung gewiß auf die Messe zu fördern, geschah es. Künftig muß der Inhalt des Bandes der Anzeige durchaus gemäß bleiben; die gemeldete geringere Bogenzahl möge zur Entschuldigung der schwachen ersten Bände dienen.

4) Wegen der Lettern bestimme ich mich dahin, daß alles was in Versen geschrieben ist, alle eigentliche Gedichte, Theaterstücke, Episches pp. mit kleiner Schrift gedruckt werde wie die ersten Bände. Alle Prosa wird wie die Prosa der Anzeigen gedruckt, und endlich wie der 6. Band, von welchem in diesem Augenblick die Aushängebogen 9-12 ankommen, die vorhergehenden aber noch nicht in meinen Händen sind, deshalb ich bitte, sobald der Band völlig abgedruckt ist, mir ein Exemplar mit der fahrenden Post zuzusenden,[185] damit er zeitig zur Revision in meinen Händen sey.

Die angekündigten Exemplar durch Fuhrgelegenheit erwarte ich täglich und gratulire uns, daß wir so weit gekommen sind. Ew, Wohlgeboren lassen gewiß, nebst den übrigen Beauftragten, Ihre Sorgfalt auch künftig dem Geschäft zu Gute kommen; durch kleine Mängel und Anstöße muß man sich nicht irre machen lassen.

Noch bemerke, daß es freylich wünschenswerth wäre, auch die hie und da vorkommenden Spatien getilgt zu sehen, doch treten solche vielleicht während des Druckens hervor, da sie denn nicht mehr bemerkt werden.

Hochachtend und vertrauend

Weimar den 17. May 1827.

J. W. v. Goethe.


42/164.


An Thomas Carlyle

Daß die angenehme Sendung, begleitet von einem freundlichen Schreiben, abgesendet von Edinburg den 15. April über Hamburg, 15. May bey mir angekommen und mich in guter Gesundheit, für meine Freunde beschäftigt, angetroffen hat, solches vermelde eiligst. Meinem aufrichtigsten Dank den beiden werthen Gatten füge nur noch hinzu die Versicherung, daß nächstens ein Paquet von hier, gleichfalls über Hamburg,[186] abgehen werde, meine Theilnahme zu bezeugen und mein Andenken zu erneuern.

Mit den besten und treusten Wünschen mich empfehlend.

W. d. 17. May 1827.

J. W. v. Goethe.


42/165.


An den Großherzog Carl August

Ew. Königlichen Hoheit

Nachstehendes schuldigst zu übersenden, war ich eben im Begriff, als Schmeller selbst, durch jugendliche Ungeduld angeregt, in Weimar anlangt.

Er hat seine Durchzeichnung vollendet und kann nicht Gutes genug von dem Bilde sagen. Das Ausbleiben der Leinwand bewog ihn zu seiner Herkunft; es soll von hier nun an Lieber und Obrist v. Verlohren geschrieben werden, mit dem Ersuchen, die Sendung der Leinwand zu beschleunigen.

Wollten nun Höchst Dieselben die Gnade haben, da die ihm mitgegebenen dreyßig Thaler auf Reise und Zehrung, dortige Einrichtung, auch auf die Zahlung der zu erwartenden Leinwand aufgehn, [ihm] von dem Tage an, da er sich wieder von hier entfernt, die Diäten von einem Conventionsthaler, gleich Lieber, zuzugestehn, so würde das Geschäft vorerst im Gange seyn. Er wird gewiß alles thun, um sich Ehre zu[187] machen, und das Bild ist denn doch von der größten Bedeutung.

verehrend

unterthänigst

Weimar den 20. May 1827.

J. W. v. Goethe.


42/166.


An Friedrich Wilhelm Riemer

Thomas Carlyle, wohnhaft in Edinburg, Übersetzer des Wilhelm Meister, Verfasser eines Lebens von Schiller 1825, hat auch nun German Romance, worunter alle prosaische romanhafte Erzählungen begriffen sind, in 4 Theilen 8° herausgegeben. Ich wünschte sehr zu wissen, was von seinen Lebensumständen und von seinen Studien bekannt ist, auch was etwa englische und deutsche Zeitschriften über ihn geurtheilt haben. Es ist in jedem Sinne ein höchst interessanter Mann.

Mögen Sie manchmal Abends ein Stündchen bey mir zubringen, so sind Sie willkommen; es gibt doch manches mitzutheilen und zu besprechen.

Im Garten den 20. May 1827.

Goethe.


42/167.


An Friedrich Jacob Soret

Ihro Kaiserliche Hoheit genehmigen gewiß, daß ich die Bezahlung in Freyberg auf's baldigste besorgt.[188] Aus beygehender Elkanischer Rechnung ergibt sich, daß der vorige Ansatz sich um 1 rh. 8 Groschen sächsisch erhöht. Wollen Sie nun gefälligst den Befehl auswirken, daß mir die ganze Summe gezahlt werde, so würde ich quittiren und dieses Geschäft, wie mir herzlich lieb ist, auf eine angenehme Weise beendigt sehen. Ich habe Herrn Breithaupt um eine Abschrift des Catalogs gebeten, welcher in der Kiste mit beygepackt ist; so erfahren wir was sie enthält, zu Belehrung und angenehmer wissenschaftlicher Unterhaltung.

Mich allseits angelegentlich empfehlend.

treulichst

Weimar den 23. May 1827.

J. W. v. Goethe.


42/168.


An Carl Friedrich Zelter

Kund und zu wissen sey hiermit dem theuersten Freunde, daß ich Sonnabend den 12. May ganz unschuldigerweise in meinen untern Garten fuhr, ohne auch nur irgend einen Gedanken als daselbst eine freundliche Stunde zu verweilen. Nun gefiel es mir aber daselbst so wohl, die Frühlingsumgebung war so unvergleichlich, daß ich blieb ohne bleiben zu wollen und heute am Himmelfahrtsfeste mich noch hier befinde, diese Tage her immer thätig und ich hoffe andern wie mir erfreulich. Der zweyte Theil der Wanderjahre ist abgeschlossen; nur weniger Binsen[189] bedarf es um den Straußkranz völlig zusammenzuheften, und das thäte am Ende auch jeder gute Geist, das Einzelne auf- und anfassend, und vielleicht besser.

Nun aber soll das Bekenntniß im Stillen zu dir gelangen, daß ich, durch guter Geister fördernde Theilnahme, mich wieder an Faust begeben habe, und zwar gerade dahin, wo er, aus der antiken Wolke sich niederlassend, wieder seinem bösen Genius begegnet. Sage das niemanden; dieß aber vertrau ich dir, daß ich von diesem Punct an weiter fortzuschreiten und die Lücke auszufüllen gedenke zwischen dem völligen Schluß, der schon längst fertig ist. Dieß alles sey dir aufbewahrt und vor allem in Manuscript aus deinem Munde meinem Ohr gegönnt.

Hier muß ich nun abschließen und dich bitten, deiner guten Doris beykommendes Blättchen zu empfehlen; meine separat-extemporirte Studentenwirthschaft ermangelt gar manches Nothwendigen.

Lebewohl! ich erfreue mich deiner Existenz in dem neuen Palaste! und war ich gestern, als ich von unserer lieben jungen Fürstin einen extemporirten Abschied nahm, ganz froh daß ich wußte sie gehe glücklichen wünschenswerthen Verhältnissen entgegen.

altherkömmlich

Weimar den 24. May 1827.

Goethe.[190]


42/169.


An August Friedrich Breithaupt

Wohlgeborner

hochgeehrtester Herr!

Zwar konnte ich mir, nach sicherer Kenntniß des Wohlwollens meines vieljährigen Freundes, des Herrn Ober-Berghauptmanns v. Herder, gar wohl versprechen, daß er auf meine an ihn unter dem 30. Juli vorigen Jahres gerichtete Bitte reflectiren und seiner Zeit die geäußerten Wünsche freundlich erfüllen würde, ich darf jedoch gestehen, daß Ew. Wohlgeboren angenehmes Schreiben und die mit demselben begleitete wichtige Sendung mich überrascht und mir ein ganz besonderes Vergnügen gewährt haben.

Diese gewiß mit aller wissenschaftlichen Umsicht besorgte Sammlung ist, nach Absicht Ihro Kaiserlichen Hoheit der Frau Erbgroßherzogin, für eine russische Academie bestimmt, wobey man denn sich vor Kennern Ehre zu machen wünschte, welches nun zuverlässig der Fall seyn wird.

Indem ich nun Ew. Wohlgeboren für die dabey übernommene Mühe den aufrichtigsten Dank abstatte, bedaure ich nur, daß man nicht unternehmen kann, diesen kostbaren Schatz hier auszupacken und sich vor Augen zu stellen, weil man schwerlich hoffen darf, solchen wieder so sicher einzupacken, als es in Freyberg von einer öffentlichen Anstalt geschehen.

[191] Zu einiger Entschädigung füge jedoch meinem verpflichteten Dank den Wunsch hinzu: Ew. Wohlgeboren mögen mir die Abschrift des Catalogs zukommen lassen, damit ich das Bekannte recapituliren und das Unbekannte mir vielleicht einzeln aus der dortigen Anstalt gegen die Gebühr erbitten dürfte. Besonders aber wäre ich auf die Reihe der Gangarten begierig, welche in größeren Exemplaren der Sammlung beygefügt worden. Auch in diesem Capitel habe ich, unter Anleitung unseres verewigten Lehrers, mich immerfort bemüht und manches zusammengebracht, was von den Gängen, deren Inhalt, Richtung, Durchschneiden und Verrücken einen anschaulichen Begriff geben könnte, und würde mir unendlich angenehm seyn, wenn Sie die Gefälligkeit hätten, mir eine solche gelegentlich abermals zusammenzustellen und dadurch meinem Blick auf die Natur, den ich freylich nur von Zeit zu Zeit in ihre herrlichen Reiche hinwenden kann, neu zu beleben und zu schärfen.

Mein Sohn erfreute sich sehr Ihres geneigten Andenkens. Gar wohl erinnerte er sich jener bey dem guten Lenz, der sich immer noch rüstig hält, zugebrachten lehrreichen Stunden. Ew. Wohlgeboren haben eine herrliche Wissenschaft zum Zweck Ihres Lebens machen können; er hat wenigstens die entschiedenste Neigung dafür behalten und sucht sich meine diesem Fach gewidmete Sammlungen durch genaue Einsicht anzueignen, indem er als Custode dieselben gut in[192] Ordnung hält. Wie sehr wünschten wir beide uns in Freyberg einmal wieder an der Quelle recht zu erquicken.

Ich wiederhole meine angelegentlichsten Empfehlungen an Herrn an Ober-Berghauptmann v. Herder, nicht weniger meine dankbare Anerkennung Ihrer geneigtesten Besorgungen. Haben Sie die Güte meiner obgemeldeten Wünsche gelegentlich zu gedenken.

So eben versichere ich mich durch die von Denenselben unterzeichnete Quittung, daß unsere dießmalige Schuld abgetragen ist; auch in der Folge würde ich gleicherweise die Gebühr zu erstatten nicht verfehlen.

In vorzüglichster Hochachtung

Ew. Wohlgeboren

ergebenster Diener

Weimar den 24. May 1827.

J. W. v. Goethe.


42/170.


An Alfred Nicolovius

[Concept.]

Schönen Dank, mein theuerster Neffe, für die abermals angenehme Sendung. Zuvörderst aber muß ich mich wegen des Antinous erklären: es kann mir nicht beygehen, daß man den colossalen Antinouskopf um meinetwillen und für mich abformen lasse, auch möchte ich keineswegs eine so hohe Summe als die gemeldete für einen Abguß zahlen. Meine Meinung ist aber diese: wenn man es dort vortheilhaft findet,[193] gedachten Kopf abformen zu lassen, so würde ich gern für den ersten Ausguß etwa bis 20 Thaler zahlen, als soviel der Junokopf kostet. In diesem Sinne bitte ich dich Herrn Professor Rauch mit den besten Empfehlungen die Sache vorzutragen.

Was die Abdrücke der Stoschischen Sammlung betrifft, so gedenke ich sie anzuschauen unter folgenden Bedingungen:

1) daß sie so vollständig sey wie gemeldet;

2) nicht weniger in einem sauber- und zierlichen Kasten und Schubladen geordnet;

3) daß die Summe von 150 preußischen Thalern in drey Terminen: Johannis, Michael und Weihnachten gezahlt werde; sie sollen jederzeit pünctlich an den Verfertiger gelangen;

4) daß sie auf's sorgfältigste und genauste eingepackt, auch die Kiste mit Stroh umlegt und in Leinwand eingenäht werde;

5) daß sie durch Fuhrgelegenheit mit dem Zeichen [*Glas] anher gesendet werde, nicht mit dem Postwagen welcher zu sehr schüttert. Das Einpacken wird mir angerechnet.

6) Sollte sich ohngeachtet sorgfältigen Aufklebens irgend ein Abdruck loslösen und in der Schublade Unheil anrichten, so wäre der Schaden unentgeltlich zu ersetzen. Ich bemerke das, weil in den übersendeten Spiegeln einiges locker geworden, jedoch sich nicht ganz abgelöst und also auch nicht geschadet hat.

Es liegt eine Abschrift für Herrn Reinhardt hier[194] bey, damit diese Bestellung außer allem Zweifel und sonstigen Irrthum gesetzt werde.

Die Originalringe jener abgedruckten Gemmen zu übersenden ist einigermaßen bedenklich, doch wollten wir die Sache nochmals überlegen. Mein Sohn besonders liebt gar nicht dergleichen aus Händen zu geben.

Für die Kantische Handschrift danke schönstens.

Den Kunsthändler, der das Königliche Blättchen mißbraucht, sollte die Polizei auf die Finger klopfen.

Auch kann ich nicht billigen, daß du dich mit den Gothanern eingelassen hast; dergleichen Menschen schmeicheln dir wohl, um dich zu Handlungen zu verführen, die dir und deinen Allernächsten großen Verdruß machen können.

Sodann bitte um Besorgung nach beyliegendem kleinen Druckblättchen:

Gründliche Unterweisung in Blumenzeichnen

1. und 2. Lieferung1 rh. 1 Sgr.

3.-15 –

Anleitung zum Landschaftszeichnen.-15 –

Nächstens werde ich dir eine kleine Casse übermachen, damit du nicht außer deiner Mühe auch mit Auslagen beschwert werdest, da du denn auch den bisherigen Aufwand freundlich anrechnen willst, und ich deiner Gefälligkeit desto eher etwas zumuthen dürfe. Empfiehl mich deinen Herrn Vater zum allerschönsten und gedenke mein.

Weimar den 24. May 1827.[195]


42/171.


An Johann Heinrich Meyer

Hiebey, mein Werthester, ein Brief an Lieber, den ich gleich mundiren ließ, um Ihnen die Mühe des Abschreibens zu ersparen; senden Sie mir solchen unterschrieben durch den Überbringer zurück, so schaffe ich ihn gleich auf die Post. Ein Schreiben an Verlohren hat noch Zeit; ob Sie an Palmaroli schreiben, und wäre es auch nur mit einer Tournure, den Namensirrthum aufzulösen und ihm was Freundliches zu sagen, ist noch Zeit zu bedenken.

Zugleich vermelde, daß ich wegen der zufälligen außerordentlichen Kosten mit Rath Ludecus gesprochen habe; deren Erstattung wird keine Schwierigkeiten finden; halten Sie indessen Ihre geneigte Nachhülfe bis auf ganz Unerwartetes bereit.

Empfehlen Sie mich schicklich und bestens.

Weimar den 24. May 1827.

G.


42/172.


An Christian Gottfried Daniel Neesvon Esenbeck

Aufrichtigsten Dank für Ihre Bemerkungen zu Manzoni; dergleichen Erwiderungen sind höchst erquickend und belohnend. In der gränzenlosen Empirie unser ästhetischen Versuchereyen ist es tröstend und aufrichtend, wenn unsere besten Zeitgenossen die[196] wenigen productiv-gründlichen theoretischen Worte billigen und auffassen, von denen allein noch einiges Heil zu hoffen wäre. Alles dichtet und thut und kein Mensch weiß was er will; es sind lauter Velleitäten, die, wie Seifenblasen den spielenden Kindern, so den lieben Verfassern vor der Nase zerplatzen.

Verziehen sey mir dieser Unmuth, es ist damit zum besten gemeint! In dem neusten Stück von Kunst und Alterthum habe ich gleichfalls gar manches niedergelegt, das jeden der es ernst nähme ernstlich fördern würde; aber der Ernst ist eigentlich die Schwierigkeit; jeder versucht mit seinem Kahne, mit seiner Gondel dahin zu schwimmen und durchzuschlüpfen, welches niemanden übel zu nehmen ist; wenn sie mir nur nicht zuletzt ihre Siebensachen producirten, gerühmt und gefördert seyn wollten.

Wie ich im Stillen langmüthig einhergehe werden Sie an der dreytausendjährigen Helena sehen, der ich nun auch schon sechzig Jahre nachschleiche, um ihr einigermaßen etwas abzugewinnen. Unter den kleinen Dingen möge manches empfehlen; die Trilogie der Leidenschaft werden Sie nicht ohne Theilnahme vorüber lassen.

Ich bin in meinen Garten im Thale gezogen und genieße schon gute Frucht von dieser Absonderung. Es liegen so manche Dinge die ich selbst werth achten muß, weil sie sich aus einer Zeit herschreiben die nicht wieder kommt, lange Jahre vor mir da, und[197] bedürfen eigentlich nur einer gewissen genialen Redaction. Vollständige Plane, schematisch aufgestellt, einzelnes ausgearbeitet! und es kommt nur auf einen reinen genialen Entschluß an, so ist es als eine Art von Ganzem brauchbar und gewiß manchem angenehm. So habe ich voriges Jahr mit einem gewaltsamen Anlauf die Helena endlich zum übereinstimmenden Leben gebracht; wie vielfach hatte sich diese in langen, kaum übersehbaren Jahren gestaltet und umgestaltet, nun mag sie im Zeitmoment solidescirt endlich verharren.

treulichst

Weimar den 24. May 1827.

J. W. v. Goethe.


Das 1. Stück des 6. Bandes Kunst und Alterthum ist abgesendet; Gegenwärtiges halte nicht länger zurück, mein bester Dank für die Achlya folgt nächstens mit einigen Betrachtungen. Heute nur das Nachstehende das sich mir im Augenblick aufdringt:

Aus dem Größten wie aus dem Kleinsten (nur durch künstlichste Mittel dem Menschen zu vergegenwärtigen) geht die Metaphysik der Erscheinungen hervor; in der Mitte liegt das Besondere, unsern Sinnen Augemessene, die jene Regionen zu mir heranbringe.[198]


[Beilage.]

Geneigtest zu gedenken.

Serenissimus erhielten eine Sendung von Bremen, datirt: 28. April d. J., von einem Bruder des aus Batavia kommenden Botanicus Blume, bestehend in zwey Säckchen Samen und acht Heften botanischer Beyträge zur Flora von Batavien. In letzteren lag ein Brief von Herrn Blume selbst, datirt: Buitenzorg im botanischen Garten den 25. October. Wollten Ew. Hochwohlgeboren mich nun näher belehren, wo sich gedachter Herr Blume gegenwärtig aufhält und wo ein freundliches Antwortschreiben Serenissimi ihn sicher antreffen könne?

Ferner habe ich anzufragen, ob diesem Manne die golden Medaille mit Serenissimi Bildniß, auch wohl am rothen Bande des Falkenordens zu tragen, angenehm und seinen Zuständen gemäß seyn könnte. So dann auch hätten Sie ja wohl die Gefälligkeit, dieses Geschäft zu vermitteln.

Sodann wünschen Serenissimus eine lebende Pflanze der Aloe litoralis. Nach der indischen Materia medica gilt sie für ein ausgezeichnetes Augenmittel in Ostindien; vielleicht ist sie bey Herrn Reinhardt zu haben. Trüge sie noch etwa einen andern Namen, so würden Ew. Hochwohlgeboren wohl das Synonymum entdecken.

Weimar den 24. May 1827.

J. W. v. Goethe.[199]


42/173.


An Friedrich Theodor von Müller

Das mir freundlich zugedachte werde zum Andencken des wohlmeynenden Reisenden gern verwahren, das allenfalls doppelte dankbar zurückerstatten.

Das Beste wünschend.

d. 29. May 1827.

G.


42/174.


An Johann Heinrich Meyer

Aus dem Lieberischen Briefe geht abermals praktisch hervor was wir von den Mißverhältnissen der Künstler und Kunstgenossen in Dresden überall theoretisch und leider allzugenau wissen. Von hier aus werden wir in dieser Angelegenheit wenig einwirken können, denn bis ein Brief dorthin kommt hat sich schon alles wieder geändert.

Übrigens werden Ihro Königliche Hoheit der Großherzog einige Tage in Dresden verweilen, ohne an den tieftrauernden Hof zu gehen, und werden also Personen und Sachen und Angelegenheiten durchaus mit eignen Augen sehen und gewiß das Förderlichste einleiten und vergnügen. Hiervon meldet Lieber wahrscheinlich das Umständliche ohne weitere Aufforderung, welches wir denn wohl zu erwarten hätten.

Wollten Sie ihm den sogenannten Poussin schicken, so geben Sie Schuchardten den nöthigen Auftrag; ich[200] weiß nicht, ob das Bild noch in meinem Hause steht oder ob es wieder zu Ihnen gekommen ist. Es wird sich überlegen lassen, ob es, ohne auf eine Holzrolle gewickelt zu seyn, in einem Kasten zu transportiren ist, den man doch auf jeden Fall dran wenden muß.

Ein beschädigtes Bild auf Kreidegrund ist mir nicht bekannt, es wird ja wohl dergleichen bey einem dortigen Gemäldetrödler zu finden seyn.

Haben Sie die Gefälligkeit mich überall auf's beste zu empfehlen, und überlegen wie wir uns einmal wieder umständlicher sprechen können. Da ich eben höre, daß Sie, wie voriges Jahr, bey'm Garteninspector wohnen, so komme ich wohl einmal aus dem Stegreif angefahren.

treulichst

Im Garten am Park den 312. May 1827.

Goethe.


42/175.


An N.N.

[Concept.]

[Etwa 1. Juni 1827.]

Ew. Wohlgeboren

sehe mich genöthigt wenn zwar ungern zu vermelden, daß ich das mir übersendete und so wohl empfohlene Werk ohne Ihren Wunsch erfüllen zu können zurückschicken muß. Meine Jahre und schwere, unvermeidliche, mir obliegende Pflichten werden mir hoffentlich zur Entschuldigung dienen.

[201] Um das vorliegende Werk redlich und gründlich zu beurtheilen, müßte ich erst jene uralte igen Original neuen dichterischen Gehalt zu verleihen und es in glücklicher Sprache mitzutheilen gewußt habe.


42/176.


An Johann Diederich Gries

Ew. Wohlgeboren

neuere Verdienste um Ihre eigenen früheren Arbeiten sind mir durch die Gunst des Herrn Frommann bisher einzeln nicht unbekannt geblieben und es ist mir nun ein wahrer Genuß, im Flusse des Zusammenhangs die Vorzüge zu empfinden, die Sie dieser letzten Ausgabe verliehen haben. Höchst vergnügsam ist es zu schauen, wie sich jene buntbewimpelte südliche Lustjacht so heiter und freundlich auf dem Elemente unser ernsten Sprache bewegt.

Hierüber hätte vielleicht mich auszusprechen gezaubert, bis ich tiefer in das Werk eingedrungen, wenn[202] nicht Befehl und Auftrag meines gnädigsten Herrn mich zu Gegenwärtigem berechtigte. Eben zu einer Abreise nach Töplitz sich bereitend erhielt unser Fürst Ihre angenehme Sendung, betrachtete die Widmung mit Vergnügen und nahm unverzüglicher soviel Einsicht in das Ganze, daß er den ergötzlichen Vortrag eines fremden Gedichtes als eines eigenen beyfällig anzuerkennen wußte.

Damit nun durch Ihro Königlichen Hoheit längeres Außenseyn eine dankbare Erwiderung nicht verspätet werde, übergaben Höchst Dieselben mir, im Augenblicke des Scheidens, beykommende Medaille in der Überzeugung, daß Ew. Wohlgeboren sich an Bild und Inschrift der guten Zeiten erinnern würden, die Sie als der Unsrige in dem fruchtbringenden Jena zugebracht, und zu so viel edlen und schönen Bemühungen auch die Ihrigen angeschlossen haben, wodurch wir uns denn bis jetzt mit mannichfaltig-preiswürdigem Erfolg belohnt sehen.

In meinem Garten am Park schreibe ich Gegenwärtiges, wo mir so manche freye Stunde gegönnt ist, daß ich jene schönen Gebilde ruhig und friedlich der Reihe nach durch Ihre Vermittlung kann vorüber gehen sehen.

Erhalten Sie mir und uns allen ein geneigtes Andenken, und begrüßen die sämmtlichen werthen Personen Ihrer Umgebung, welche sich meiner mit Antheil erinnern mögen.

[203] Mit den treusten Wünschen, in vorzüglichster Hochachtung

Ew. Wohlgeb.

ergebenster Diener

Weimar, d. 2. Juni 1827.

J. W. V. Goethe.


Die erwähnte Medaille folgt mit dem Postwagen.


42/177.


An Johann Wolfgang Döbereiner

Ew. Wohlgeboren

die mitgetheilte Schale dankbarlichst zurücksendend darf ich wohl versichern, daß mir seit langer Zeit in physisch-chemischen Dingen nichts Angenehmeres zu Gesicht gekommen, als die geneigt übersendeten Resultate jener mir bey dem ersten Kundwerden alsobald höchst wichtig erscheinenden Versuche.

Die bekannten, bey dem Druck einer convexen auf eine concave Linse entstehenden Ringe sind als von außen nach innen zu sich erzeugend anzusehen, da denn die gelbe Farbe immer voran geht. Hier aber verbreitet sich die Wirkung von dem Mittelpunct nach der Peripherie und so geht denn auch hier die gelbe Farbe voraus nach dem Umkreise zu. Im Zusammenhang, wie ich diese Erscheinung denke, ist es mir von Wichtigkeit. Über Niello nächstens das Weitere.

In vorzüglichster Hochachtung.

Ew. Wohlgeboren

ergebenster Diener

Weimar den 2. Juni 1827.

J. W. Goethe.[204]


42/178.


An den Grafen Sergei Semenowitsch Ouwaroff

[3. Juni 1827.]

Ew. Excellenz

fortdauerndes Wohlwollen zähle ich mir unter die ersten Glücksgüter späterer Jahre und ich halte mich dessen für alle Zeiten auf's gewisseste versichert; doch will ich gern gestehen daß der neuste Beweis Ihrer vorzüglichen Geneigtheit mich überrascht und gerührt hat.

Meiner, an einem solchen Tage, in solcher Gegenwart, unter solchen Umständen gedacht zu wissen würde mich beschämen, wenn ich nicht den von mir so lange Zeit ausgeübten guten Willen in's Auge fassen dürfte, wobey mir die Betrachtung zu Hülfe kommt: daß vielleicht noch mehr als die Zwecke die wir uns vorsetzen und kaum erreichen, schon die Mittel die wir anwenden solchen Mitarbeitern und Nachfolgern zu gute kommen, welche sie wohl kräftiger und wirksamer zu benutzen wissen.

Höchst erfreulich aber war es ein so schönes Zeichen der edelsten Gunst bey mir anlangen zu sehen, im Augenblick wo unsere Betrachtung eines hohen Familienglücks von Weimar aus unablässig nach Berlin und Petersburg gerufen werden.

Erlauben Sie mir hiebey eine Bemerkung zu der wichtigen Aufgabe, welche die Academie den Physikern vorgelegt hat. Gerade dieser Abtheilung der Naturlehre[205] habe ich viele Jahre her eine große Aufmerksamkeit unablässig gewidmet und fahre fort mich damit zu beschäftigen. Wenn ich also noch Ursachen habe ein längeres Leben zu wünschen, so gehört diese gewiß mit dazu: durch die Lösung jenes Räthsels, durch die Entscheidung einer einsichtigen Academie über manches aufgeklärt zu werden, welches mir so wie andern höher Gestellten bis jetzt ein Problem geblieben ist.

Erhalten Sie mein Andenken in Ihrem würdigen Kreise und bleiben meiner unauflöslichen Anhänglichkeit gewiß.

Verehrend wie vertrauend

Ew. Excellenz

ganz gehorsamster Diener

J. W. v. Goethe.


42/179.


An A. Kavélinn

[Concept.]

Ew. Hochwohlgeboren

höchst erfreuliche Gabe erhöhte sich noch durch den eignen Umstand, daß ich in dem Augenblick ihres Anlangens im Begriff war einen neuen Münzschrank einzurichten und meiner Sammlung besseren Raum und augenfälligeres Ansehen zu geben. Die Reihe von russischen Münzen, die ich besitze, ward nun durch Ew. Hochwohlgeboren Beytrag auf eine Weise vervollständigt, wie ich es kaum jemals erwarten durfte.

[206] In diesem Sinne nun darf ich meinen Dank wenn auch nur kurz doch bündig aussprechen und hoffe auch ohne große Betheuerung Glauben zu verdienen daß ich mich bey dem Anblick dieser schönen Vermehrung des wohlwollenden Gebers mit freudiger Bewegung jederzeit erinnern werde.

Nehmen Sie eine beykommende Medaille geneigtest auf und erhalten mein Andenken in Ihren edlen Kreise, ein Vorzug dessen ich auch noch in älteren Tagen immer würdiger zu seyn mich unablässig bestrebe. Mit wiederholtem aufrichtigen Dank und vorzüglich gefühlter Hochachtung.

Weimar [den 3.] Juni 1827.


42/180.


An den FreiherrnCarl von Stein zum Altenstein

[Concept.]

Ew. Excellenz

für die sorgfältige Rücksendung des jenaischen Manuscriptes auf's verbindlichste dankend, verfehle nicht die ferneren Wünsche des Herrn von [der] Hagen nach Möglichkeit zu erfüllen. Denn obgleich ein Manuscript, wie derselbe es bezeichnet, in Folio bey der weimarischen Bibliothek sich nicht befindet, so ist man doch im Besitz von einem in Quart und einem andern in Octav, deren nähere Beschreibung ich hier beyfüge.

[207] Nehmen Hochdieselben diese Mittheilung als ein Zeugniß, wie sehr es mir angelegen seyn müsse, zu den großen und herrlichen Wirkungen Ew. Excellenz für die Wissenschaften und das Schöne auch von meiner Seite mit möglichster Bereitwilligkeit das Kleinste beyzutragen.

Der ich mir die gefällige Rücksendung gegen Michael wohl erbitten darf und Gegenwärtiges nicht abschließen kann ohne auszudrücken was sich von selbst versteht, daß alle weimarische Geister und Gemüther in Berlin mit den treusten Segenswünschen gegenwärtig sind.

Weimar den 3. Juni 1827.


[Beilage.]

Zwey Manuscripte, ehemals zur Büttnerischen, gegenwärtig großherzoglich weimarischen Bibliothek gehörig.

Nr. 1 in quarto, neuerlich in altes Pergament gebunden, von Anfang herein nur einige Blätter mangelhaft, gegenwärtig aber auf 150 Blatt numerirt. Meistergesänge, wovon das Nähere zu Anfang von früheren Besitzern und Bibliothekaren gemeldet ist.

Nr. 2. ein starker kleiner Octavband, neuer Titel: Poesieen alter Meistersänger und Poeten, 235 Blätter beschrieben und 6 unbeschrieben am Ende.[208]


42/181.


An Friedrich Heinrich von der Hagen

[Concept.]

Ew. Hochwohlgeboren

ermangele nicht anzuzeigen, daß mit der fahrenden Post ein Kästchen abgeht, enthaltend die auf hiesiger großherzoglicher Bibliothek befindlichen zwey Bände älterer deutscher Gedichte, wie solche nachstehend näher bezeichnet sind, adressirt an des Herrn Minister v. Altenstein Excellenz, in Gefolg Ihres anher gelangten Ansuchens.

Wir dürfen allerdings wünschen, über diese beiden Manuscripte, so wie über das größere jenaische durch Ew. Hochwohlgeboren Studium und Benutzung näher belehrt zu werden; wie wir denn auch hoffen, vor Michael die letztern zurückgesendet zu sehen.

Bleiben Ew. Hochwohlgeboren überzeugt, daß ich an Ihrer schönen literarischen Thätigkeit durchaus Antheil zu nehmen fortfahre, und daß ich das Wohlwollen zu schätzen weiß, das Sie meinen früheren und späteren Bemühungen zuwenden mögen.

Mit den aufrichtigsten Gesinnungen mich unterzeichnend.

Weimar den 3. Juni 1827.[209]


42/182.


An den Großherzog Carl August

[Concept.]

Ew. Königliche Hoheit

ersehen aus beyliegendem Schreiben des Director v. Schreibers, daß Graf Sternberg zu Ende May eine Reise in unsere Gegenden unternahm; wie er denn auch in einem Schreiben Coburg den 3. Juni sich längstens auf den 11. hujus bey mir ankündigt.

Diese sonst so angenehme Nachricht ist durch Ew. Königlichen Hoheit Abwesenheit so verdüstert wie mein Gartenaufenthalt durch den unfreundlichst bewölkten Himmel. Die Kenntniß daß Höchst Dieselben abwesend sind wird ihm ein bitterer Willkommen seyn.

Nun werde gern von meiner Seite das Möglichste zu seiner Unterhaltung beytragen; ich gehe sogleich zur Stadt zurück, und soll alles bereit gelegt werden was ihn interessiren kann. Das von Wien angekündigte Werk reicht gewiß einen günstigen Stoff dar; doch alle diese Bücher, Abbildungen und Wissenschaftlichkeiten sind denn doch am Ende nur Surrogate einer gewünschten höheren und gesteigerten Unterhaltung.

Ein gleichfalls beygelegtes Schreiben des Präsidenten Nees v. Esenbeck klärt das wunderliche Außenbleiben der Blumischen Sendung endlich auf. Die[210] Übersendung der Medaille hat ja wohl Zeit bis zu Höchst Dero glücklichen Rückkunft.

Erwähnen muß ich noch zum Schluß, daß der in jedem Sinne vergnügliche Aufenthalt in Dresden alle Treuen, die davon Kenntniß erhalten, und mich besonders höchlich erfreut hat.

Könnt ich nur noch mit der Hoffnung schließen daß diese leidige Atmosphäre sich dort wo Höchst Dieselben sich aufhalten klar erwiese; leider ist meine Überzeugung von einer jedesmal weit und breit übereinstimmenden trocknen und feuchten, klaren und düstern Witterung nur allzuoft bekräftigt worden.

Möge dießmal eine Ausnahme stattfinden!

Weimar den 7. Juni 1827.


42/183.


An die Großherzogin Louise

[Concept.]

Ew. Königliche Hoheit

erlauben daß ich durch Gegenwärtiges vermelde, wie Herr Graf Sternberg längstens nächsten Montag den 11. d. hier einzutreffen gedenkt; ich erfahre dieses aus einem Briefe den er von Koburg schreibt.

Über die Ankunft dieses verehrten und geliebten Freundes darf ich mich kaum erfreuen, da er unserm gnädigsten Herrn hier aufzuwarten hofft, denselben aber nicht zu finden ihm gewiß äußerst schmerzlich seyn wird.

[211] Ein gnädigst wohlwollender Empfang von Höchst Denenselben wird ihm zu angenehmer Beruhigung dienen, und ich denke nach der Stadt zurückzugehen, um so viel möglich ihm förderlich und nützlich zu seyn.

Mich zu ferneren Hulden und Gnaden angelegentlichst empfehlend.

Weimar den 7. Juni 1827.


42/184.


An August und Ottilie von Goethe

[Concept.]

Hiedurch vermelde daß Herr Graf Sternberg Montag den 11. Juni längstens hier eintreffen wird, wie er mir von Coburg schreibt; ich will deswegen Sonnabend früh nach der Stadt zurück und wünsche einen mäßigen Koffer herausgesendet, weil ich alle laufenden Actenpapiere mitnehmen muß, indem ich nicht weiß wie lange der würdige Freund bleibt und ob vielleicht das fortgesetzte schlechte Wetter mich etwas länger drinne hält. Doch möcht ich den Gartenaufenthalt nicht gern aufgeben, er hat gar zu viel Vortheile, wenn der Himmel nur einigermaßen günstig wäre. Unser Vorderhaus ist in Ordnung, wie ich vernehme; laßt mich auch meine hinteren Zimmer reinlich und freundlich finden. Mehr wüßt ich dießmal nicht zu sagen als ein treuliches Lebewohl.

Weimar den 7. Juni 1827.[212]


42/185.


An Carl Friedrich Zelter

In der Zeitschrift Cäcilia, Heft 24 findet du einen bedeutenden Aufsatz über Musikstand von Neapel, von einem der sich F. S. Kandler unterschreibt, einem Manne von dem ich wohl mehr zu erfahren wünschte. Mir hat an dieser kleinen Abhandlung, so darf man sie wohl nennen, alles wohlgethan: ruhiger Sinn, treue Kenntniß, Überblick, Neigung gegen das Einzelne, ernst-alter Glaube, Läßlichkeit gegen das Lebendige, Mäßigung und eine so reine Redlichkeit, daß wie das Lobens- so das Tadelnswerthe als existirend, als Folge des Vorhergehenden, als unerläßlich im Gegenwärtigen und, weil es manchem Augenblicke genug thut, noch immer hübsch genug erscheint.

Diesen Eindruck hat auf mich Laien dieses Heft gemacht, es spricht zu mir blos historisch zum Verstande, widerspricht aber demjenigen nicht was ich schon weiß und kenne, und so darf ich denn auch wohl jenem Kunstverwandten vertrauen, der, als Mensch höchst sinnig, treu und geordnet denkend, auch insofern man ihn als geselligen Musiker betrachtet höchst liebenswürdig erscheint. Ich wünsche daß dein Urtheil mein Gefühl rechtfertigen möge.

Bey dieser Gelegenheit haben sich alte Betrachtungen erneuert, die ich hier aussprechen will: der[213] Musiker, wenn er sonst sinnlich und sinnig, sittlich und sittig begabt ist, genießt im Lebensgange große Vortheile, weil er dem Lebendig-dahin-fließenden und aller Art von Genüssen sich mehr assimiliren kann. Einen ganz eignen Reiz haben daher deine Reiseberichte und zwar einen doppelten: dem wackern Manne hat sich der Architekt und der Musiker zugesellt, und der Bereich dieser Societät ist gar nicht auszumessen.

In zwey starken Octavbänden haben uns die Engländer ihre lebenden Poeten vorgeführt, kurz biographisch, mehr oder weniger in Beyspielen. Ich studire seit einiger Zeit dieß Werk gar fleißig, es gibt zu höchst interessanten Vergleichungen Anlaß. Die entschiedenen Vorzüge dieser sämmtlichen Poeten entwickeln sich aus ihrer Abkunft und Lage: der geringste hat Shakespeare zum Ahnherrn und den Ocean zu seinen Füßen.

Nachstehend hab ich dir einiges mittheilen wollen von dem was mir Angenehmes worden ist in meinem vierwöchentlichen, freylich vom Wetter wenig begünstigten Gartenaufenthalt; auch ein altschottisches Lied lege bey, welches wohl seinen starren derben Charakter behauptet.

Die Sendung der guten Doris ist glücklich angekommen, wofür ich schönstens danke; das Geld er folgt sogleich.

Nun geh ich in die Stadt zurück, um Herrn[214] Grafen Sternberg der sich anmeldete immer bey der Hand zu seyn, wenn er von Hof- und Weltpflichten sich frey machen konnte. Ich freue mich gar sehr darauf mit ihm wichtige Puncte der Naturforschung durchzusprechen.

Nun aber sage mir von dem Übel das dein gutes Kind befallen hat. Ist dessen Sitz in der Hüfte, im Knie, oder den untern Theilen? Hast du denn Rust, den einsichtigen, kühnen, ja verwegenen Mann nicht zu Rathe gezogen? Leider ist in solchen Fällen oft die Cur ein größeres Übel als das Übel selbst.

Wolltest du nun, mein Theuerster, mein Briefe von 1826 schicken, daß auch dieses Jahr vereint abgeschrieben werde; die übrigen sind in Ordnung, auch schon zum größten Theil corrigirt.

Begegnet dir bey'm Auspacken meine musicalische Tabelle, so sende sie mir doch gleichfalls; ich mag sie wieder einmal gerne vor Augen haben; denn ich bilde mir ein es seyen mir einige neue Lichter über diese Region aufgegangen.

Nun lebe wohl und halte dich durch Gutes und Böses möglichst hindurch. Wenn nur nicht so manches zusammenkäme was gewisse Augenblicke unerträglich macht und doch kaum einer Xenie werth ist. Einiges zur Erheiterung, wie, hoff ich, Nachstehendes gedeihen wird, kann ich von Zeit zu Zeit mittheilen.

treu angehörig

Weimar den 9. Juni 1827.

J. W. Goethe.[215]


[Beilage.]

Altschottisch.


Matt und beschwerlich

Wandernd ermüdigt,

Klimmt er gefährlich,

Nimmer befriedigt;

Felsen ersteigt er

Wie es die Kraft erlaubt,

Endlich erreicht er

Gipfel und Bergeshaupt.


Hat er mühselig

Also den Tag vollbracht,

Nun wär es thörig

Hätt es darauf noch Acht.

Froh ist's unsäglich

Sitzendem hier,

Athmend behäglich

An Geishirtens Thür.


Speis ich und trinke nun

Wie es vorhanden,

Sonne sie sinket nun

Allen den Landen;

Schmeckt es heut Abend

Niemand wie mir,

Sitzend mich labend

An Geishirtens Thür.


Juni. 27.

G.[216]


42/186.


An Julius J. Elkan

[Concept.]

Herr Banquier Elkan wird hiedurch höflichst ersucht, an Fräulein Doris Zelter nach Berlin neunzehn Thaler preußisch, sodann an die Herrn Artaria und Fontaine in Mannheim sechzehn Gulden 30 Kreuzer rheinisch gegen alsbaldige dankbare Erstattung gefällig auszahlen zu lassen.

Weimar den 9. Juni 1827.


42/187.


An Wilhelm Reichel

[Concept.]

Ew. Wohlgeboren

sende anbey was bey dem dritten Bande zu bemerken gewesen; es ist alles nur von der Art worüber der Leser wohl hinliest und nur deswegen zu bemerken, damit es der Octavausgabe zu Gute komme.

Zugleich ersuche, wenn es ohne Beschwerlichkeit geschehen kann, mir den vom Buchbinder ausgeschossenen Bogen 25 des IV. Theils gelegentlich zuzusenden, damit das Exemplar nicht unvollständig bleibe. Ferner bemerke daß der Ballen mit den sämmtlichen Exemplaren meiner Werke zu rechter Zeit glücklich angekommen, daß aber vom VI. Bande nur die Bogen 9, 10, 11, 12 bey mir angelangt, die vorhergehenden[217] und nachfolgenden aber ausgeblieben; wie ich denn auch nichts von der Octavausgabe weiter vernommen habe.

Hierüber geben Dieselben mir wohl gefällige Kenntniß; ich weiß das ganze Geschäft in so guten Händen daß mir deshalb keine Sorge noch Ungeduld beygeht. Mit den besten Wünschen mich angelegentlichst empfehlend.

Weimar den 13. Juni 1827.


42/188.


An Alfred Nicolovius

[Concept.]

Heute, mein lieber Neffe, will ich nur auf deinen Brief vom 4. Juni mit dem besten Danke antworten daß du alle Aufträge so pünctlich und eilig besorgtest und nur hinzufügen daß ich die Abdrücke gilblich wünsche, wie die neulich mir übersendeten Spiegel sind. Besorge alles treulich und bestens; sobald die Sammlung ankommt, erfolgt die erste Zahlung von 50 rh., da ich denn auch eine kleine Casse für dich mitzusenden denke.

Nun aber muß ich dich kürzlich und ernstlich dringend bitten dein Verhältniß zu dem Gothaer Räuberpack ohne Weiteres aufzugeben, denn es würde mir unendlich schmerzhaft seyn, einen so nahen und lieben Verwandten unter denen zu finden welche das große Unternehmen, womit ich Leben und Wirken[218] abzuschließen gedenke, im tiefsten Grunde zu beschädigen aus niederträchtigem Eigennutz sich vorgenommen haben. Behalte den von dir gefertigten Auszug in feinem stillen Herzen bey dir und laß dich diese etwas leichtsinnig übernommene Arbeit nicht gereuen.

Herrn Huygens, wenn er noch in Berlin ist empfiehl mich schönstens.

Weimar den 13. Juni 1827.


42/189.


An Peter Christian Wilhelm Beuth

[Concept.]

[13. Juni 1827.]

Ew. Hochwohlgeboren

werden hoffentlich meinem Wunsch gemäß beykommende Blätter freundlich aufnehmen; meine Absicht war bey dieser Mittheilung vollständiger und methodischer zu verfahren. Mannichfache Unterbrechungen und Zerstreuungen gaben ihnen dieß fragmentarische Ansehen, doch leuchtet mein entschiedenes Vertrauen auf die schönen Wirkungen Ihrer ununterbrochenen Thätigkeit daraus hervor. Denn ich wüßte nicht daß man jemals in solchem Grabe verstanden hätte die Forderungen der höheren Kunst mit denenjenigen zu verbinden, die gewöhnlich an das Gewerbe gemacht werden. Und was ist denn das letztere, wenn es nicht von der ersteren beseelt und begeistert wird?

In aufrichtiger hochachtungsvoller Anerkennung.[219]


[Beilage.]

... Vorstehendes gehört eigentlich zu einem Aufsatz über den Cyclops des Euripides, worin man darzuthun suchte daß in den Satyrspielen der Alten nicht sowohl um Karikiren und Erniedrigen höherer Naturen zu thun gewesen, sondern daß man vielmehr heroische Gestalten in solche Lagen versetzt, worin sie sich deplacirt gefühlt und in Gefahr gekommen lächerlich zu werden, wie denn wirklich in obgedachtem Spiele der verschlagene kunstgewandte Redner Ulysses gegen den plumpen Natursohn Polyphem sich gar komisch ausnimmt.

Indem ich aber Ew. Hochwohlgeboren diese Stelle mittheile, so ist die eigentliche Absicht Dieselben zu ersuchen durch Ihre geschickten vorschreitenden jungen Männer dergleichen Gegenstände in mäßig zierlicher Größe ausführen zu lassen, wie man sie irgend auf einer Standuhr oder sonst mit Behaglichkeit neben sich sähe.

Lassen Sie mich ferner einen vieljährigen Wunsch hier beybringen: Myrons Kuh auf diese Weise wieder hergestellt zu sehen. Das Edle im Thiergeschlecht hervorzuheben und im Sinne der höheren Natur darzustellen wie es die Alten gethan ist gewiß ein höchstlöbliches und fruchtbares Bestreben. Hiezu darf ich wohl meinen Aufsatz in Kunst und Alterthum Theil II, Heft 1 bescheidentlichst empfehlen. Auch im Allgemeinen genommen, wie hoch steht nicht die Kuh in[220] der großen Weltordnung, deshalb sie denn auch von den Indiern als übernatürlich, halbgöttlich anerkannt wird. Was wäre die ganze Vegetation, von der wir leben, ohne dieses Geschöpft und dessen Nachkommenschaft! Was wäre irgend eine Hauswirtschaft, von der höchsten zur niedrigsten, ohne die schmackhaft reichliche Nahrung die uns auf diesem Weg organisch bereitet und so bequem dargereicht wird! Hätte man dem trefflichen Thaer zu seinem Feste ein würdigeres Geschenk aufstellen können als eine solche Bronze, auf deren Piedestal Ceres, Triptolem und alles was daraus folgt wäre gebildet gewesen?

Ich stelle mir eine, und zwar zum erstenmal, ein männliches Kalb säugende Kuh vor. Wie sehr würden auch schon die Studien hiezu einen jungen Künstler belohnen wenn er, mit Wahrheitslust und Liebe Adrians van der Velde, Pinsel und Nadel eines so trefflichen Künstlers durch die höheren Vortheile der plastischen Kunst noch zu überbieten Sinn und Geschick hätte.

Mögliche Veranlassung, Aufmunterung und Unterstützung hiezu sey ich vorzüglich in Ew. Hochwohlgeboren so thätig und sicher wirkendem Kreise. Verziehen sey mir meine Zudringlichkeit! Dieser Enthusiasmus für die Kunst, dieser Wunsch das Wünschenswerthe gebildet zu sehen erhält meinen spätern Tagen Licht und Wärme; daher ich mich so gern dahin wende wo mir die Möglichkeit einer thätigen Ausführung entgegen leuchtet.[221]

Für die übersendete Medaille und sonstiges Plastische sage meinen schönsten Dank; jene darf man vorzüglich gerathen heißen und zwar in jedem Sinne; Ähnlichkeit des Hauptbildes, glückliche Erfindung der Rückseite und Ausführung mit Geschmack und Leichtigkeit.

Darf ich nun noch einen Wunsch hinzufügen, welchen, wenn es ohne Unbequemlichkeit geschehen kann, geneigtest zu erfüllen bitte, es wäre ein Abguß der Terracotta Plate XXIV, Nr. 44: der junge Bacchus, in einer Wanne, von Faun und Bacchantin im heitersten Triumph einhergetragen. Dieß ist eine der antiken Darstellungen, deren Vollkommenheit mich immer verfolgt, seit ich sie aus Winckelmanns Monumenti inediti kenne; besonders aber da ich sie in dem englischen Werke so zierlich darstellt sehe, nun wächst meine Sehnsucht nach dem Originalbilde immer mehr. Verzeihung dieser Zudringlichkeit wiederholt erbittend.

[Weimar den 9. Juni 1827.]


42/190.


An Carl Wilhelm Göttling

Ew. Wohlgeboren

freundliche Aufnahme meiner letzten Sendung gibt mir die Zuversicht daß Sie auch der gegenwärtigen geneigte Aufmerksamkeit werden. Wie mir denn nichts erwünschter seyn kann als die fortwährende Theilnahme an meinen Bemühungen, deren treue Beharrlichkeit,[222] obgleich nur fragmentarisch, aus dem letzten Stücke von Kunst und Alterthum hervorgeht.

Gar sehr wünschte ich wie in voriger Zeit einen Theil des Jahres in Jena zubringen, um mich durch lebhaftes Gespräch in manchen Studien fördern zu können und durch Concentration dasjenige zu gewinnen, was in gegenwärtiger zerstreuter Lage mir nur ein frommer Wunsch bleibt; wie ich mir's denn auch zur Angelegenheit machen würde, Ihren Planen und Absichten auf's willigste entgegen zu kommen.

Des Herrn Grafen Kasper v. Sternberg Excellenz werden Sie bey dessen Besuch in Jena Ihre bibliothekarischen Schätz gewiß mit Vergnügen vorweisen.

In vorzüglicher Hochachtung

ergebenst

Weimar den 16. Juni 1827.

J. W. V. Goethe.


42/191.


An Friedrich August Schmid

[Concept.]

Wohlgeborner,

Insonders hochgeehrtester Herr.

Von Ihro Königlichen Hoheit dem Großherzoge, meinem gnädigsten Herrn, hätte mir nicht leicht ein angenehmerer Befehl zugehen können als Ew. Wohlgeboren ein so bedeutend nützliches Buch zu übersenden, wodurch mir die erfreuliche Gelegenheit wird mich[223] angenehm belehrender, wenn schon bedenklicher Stunden lebhaft zu erinnern.

Seit unserer damaligen Zusammenkunft und Ihrer gefälligen Schilderung des Altenberger Bergbaues hat mein Interesse an jenen Gegenständen nicht abgenommen, vielmehr ließ ich mir's immer angelegen seyn meine Sammlungen in Bezug auf die Zinnformation, wozu ich damals so schöne Beyträge aus ihren Händen erhielt, nach Möglichkeit fortzusetzen. Was hiezu Sachsen und Böhmen, das Riesen- und Fichtelgebirge, sodann Schweden, England, Spanien, Frankreich pp. lieferten, ward sorgfältig geordnet, und man mußte sich immer der großen Consequenz dieser, zwar sparsam, aber doch weit über den Erdball verbreiteten Formation mit allen ihren mannichfaltigen Begleitungen bewundernd erfreuen.

Wenn nun gegenwärtig das wichtige, von meinem gnädigsten Herrn übersendete Werk in Ihrem Fache die schönste und nützlichste Unterhaltung geben wird; so entziehen Sie den von mir beygelegten Heften Ihre Aufmerksamkeit nicht, und ersehen gefällig daraus wie ich jener willkommen Mittheilungen, auch in späteren Tagen, zu gedenken einen schicklichen Anlaß ergriffen.

Dieses führt mich jedoch sogleich auf die Erinnerung jener merkwürdigen Epoche, und Sie werden mir glauben wenn ich versichere daß Ihre hohe Gebirgsgegend, die mir so eben bekannt geworden war, mir lebhaft gegenwärtig blieb, so daß ich mit dem innigsten[224] Antheil die Schicksale der letzten Tage des Augusts als selbst mitleidend empfinden mußte, indem sich noch die Sorge dazu gesellte daß uns zunächst ähnliches Unheil bevorstehe.

Möchten Sie mir nun aber von irgend bedeutenden Ereignissen des wichtigen Werk, dem Sie vorstehen, und von dessen Fortgedeihen seit jener Kriegsepoche einige Nachricht geben, so würden Sie mich besonders verbinden. Wollten Sie mir auch vielleicht irgend eine Stufe merkwürdigen neueren Vorkommens mittheilen, so würde ich solche an jene früheren Gaben dankbar anreihen. Denn das ist die Hauptbedeutung eines längeren Lebens, daß wir sowohl persönlichen Bekanntschaften als wissenschaftlichem Bestreben, so wie jeder eingeleiteten Thätigkeit eine würdige Dauer durch folgerechte Behandlung zu bestätigen trachten.

Nun aber schließe ich mit der freudigen Gewißheit daß Sie jene Tage männlich überstanden und bis jetzt im Kreise einer liebenswürdigen Familie, der ich mich bestens empfehle, Ihre Wirksamkeit fortgesetzt haben. Wie es mir denn die angenehmste Nachricht war, daß meinem gnädigsten Herrn eine, dießmal der Geselligkeit nicht ganz günstige Curzeit durch Ihren und der lieben Ihrigen willkommenen Zutritt erheitert und belebt worden, wobey Sie sich denn der weit umfassenden, aus wahrhafter Theilnahme entspringenden Kenntnisse dieses fürtrefflichen Fürsten, wie seiner zutraulichen Art sich mitzutheilen, sicherlich werden erfreut haben.

[225] Beyliegende Medaille bitte zum Andenken mannichfaltigen Bestrebens und vieljährig bestehender wirksamer Verhältnisse geneigtest zu bewahren.

Der ich in vorzüglichster Hochachtung die Ehre habe mich zu unterzeichnen.

Weimar den 18. Juni 1827.


42/192.


An Hans Albrecht von Derschau

[Concept.]

Ew. Hochwohlgeboren

verfehle nicht auf Dero Schreiben vom 5. d. M. hiedurch zu erwidern, daß die bey mir vorhandenen alterthümlichen Kunstwerke in diesen Tagen gepackt und an Herrn Schmidmer abgesendet werden sollen. Es kann dieß um so eher geschehen, als die Kirche, auf die man vorzüglichen Werth legt, gar nicht ausgepackt worden, weil vorauszusehen war, daß unter den gegebenen Umständen sich kein Liebhaber finden würde.

Der ich die Ehre habe mich mit den besten Wünschen und dem Ausdruck vorzüglichster Hochachtung zu unterzeichnen.

Weimar den 19. Juni 1827.


42/193.


An den Großherzog Carl August

Ew. Königlichen Hoheit

muß freylich zuvörderst die Betrübniß melden welche Herrn Grafen Sternberg und uns alle betroffen hat,[226] daß dieser edle Freund höchst Denenselben hier nicht aufwarten können. Es bedurfte einiger Zeit uns zu erholen und in eine Art von Gleichgewicht zu versetzen.

Höchst Ihro Frau Gemahlin sorgte jedoch alsobald auf das gnädigste für ihn, und er fand sowohl hier als in Belvedere die beste Aufnahme und Unterhaltung; auch war ich beflissen mit allem Naturgeschichtlichen und was mir sonst zu Gebote stand ihm die übrige Zeit angenehm und nützlich vorbeyzuführen.

Indessen habe ich die gnädigsten durch ein günstiges Schreiben vom 10. d. M. erhaltenen Aufträge ungesäumt zu besorgen getrachtet. Das Werk von Villefosse deutsch ist schon 16. Juni nach Altenberg abgegangen, denn, des alten Wortes gedenk: daß der schnell Gebende doppelt gibt, entschloß ich mich, um dasselbe ohne weiteres baldigst fortzuschaffen, das auf der Bibliothek befindliche Exemplar dahin zu verwenden; und ich glaube nicht Tadel zu verdienen daß Höchst Dero Chiffer sich darauf gedruckt findet. Ein wohlwollendes unmittelbares Geschenk wird, wie mich dünkt, hiedurch gar freundlich ausgesprochen.

Ferner habe die naturwissenschaftlichen Hefte, worin ich meiner wunderlichen Tour auf Zinnwalde und Altenberg, und vorzüglich der dabey genossenen Gefälligkeit eines jungen Mannes Friedrich August Schmid dankbarlichst erwähne, sodann ein paar Medaillen beyzulegen für annehmlich erachtet. Das alles war begleitet von einem ausführlichen Briefe, im[227] Sinne der Dankbarkeit, besonders auch gegen ein paar hübsche Kinder, welche Höchst Denenselben den einigermaßen einsamen Curaufenthalt durch ihre Anmuth erheiterten.

Das große Bild steht vorsorglich eingepackt noch im Atelier. Wegen des Transports sind wir noch nicht im Reinen; der gewöhnliche nach Leipzig gehende Fuhrmann will es nicht mitnehmen, die andern können sich nicht entschließen und fordern hohen Preis, doch wird sich solches in wenigen Tagen wohl geben.

Zu melden darf ich denn auch nicht unterlassen daß die Ankunft des Grafen mich bewogen aus dem Garten heraufzuziehen, damit ich ihm jedesmal zur Hand seyn möchte, wozu ich mich um desto eher zu entschließen hatte, als bey fortdauerndem Regen mein dortiger Aufenthalt unzugänglich und ungenießbar geworden. Leider muß ich, bey meinem Glauben an eine gleiche Verbreitung solcher Witterungserscheinungen, vermuthen daß es auch über den Gebirgen eben so erging und für den Curgast unerfreulich aussehen möchte.

Einige Beylagen besagen das Weitere. Nees v. Esenbeck sandte einen Blumischen Brief (A.) nebst den letzten Heften des botanischen Werkes mit 15. Kupfern, welche sämmtlich auf Höchst Ihro Bibliothek abgeliefert worden. Eine gnädige Aufmerksamkeit dagegen wird Blumen gewiß höchlich erfreuen, nicht weniger für die Folge ganz ersprießlich wirken.

[228] Den Schreiber des zweyten Briefes (B.), Ritter v. Kirckhoff in Antwerpen, kennen Ew. Königliche Hoheit persönlich, mir ist er als ein höchst thätiger Vermittler wissenschaftlicher Bestrebungen, besonders aber als Förderer einer ausgebreiteten Correspondenz zwischen allen gelehrten Gesellschaften bekannt geworden; ich bin durch ihn mit Neu-York und Batavia befreundet, ob wir gleich mit jenen fernen Gegenden sobald nicht in thätige Wechselwirkung kommen möchten.

Auf Ihro Königlichen Hoheit gnädigstes Zeugniß, daß meine fünf Bändchen zu einiger Unterhaltung gedient, wodurch ich höchlichst erfreut worden, habe geglaubt unsern werthen Gast mit einer kleinen Reisebibliothek ausstatten zu müssen. Ich wünsche daß auch an ihm beykommende Inschrift sich bewahrheite.

Wie ich denn durchaus gesucht, insofern es glücken wollen, ihn, durch einige Mittags- und Abendgesellschaften, mit hiesigen bedeutenden Männern bekannt zu machen und überhaupt alles gethan was möglich war, besonders bey versetztem Hoflager nach Dornburg, wohin er heute früh nach freundlichsten Abschied abgegangen. Er wird alsdann über Jena und Gera sich weiter verfügen; vielleicht hat er noch das Glück Höchst Dieselben in Töplitz anzutreffen.

Schließlich möge sodann noch ein Auszug aus einem Briefe des Präsidenten Nees v. Esenbeck (C.) Platz finden, der schon einige Zeit bey mir liegt und[229] sich auf eine frühere Anfrage, deren Sich Höchst Dieselben wohl erinnern werden, bezogen hatte.

Allem und jedem gnädige Aufnahme und mir fortdauernde Hulden und Gnaden andringlichst erbittend.

Verehrend

unterthänigst

Weimar den 20. Juni 1827.

J. W. v. Goethe.


42/194.


An Carl Friedrich Zelter

Aus deinem unschätzbaren Schreiben, mein Theuerster, geht hervor, daß du die Gabe des Unterrichts bey dir vollkommen ausgebildet hast und dadurch deinen Schülern in jedem Falle genug thust. Meine Frage hast du auf eine Weise beantwortet, daß ich sie, so schwer und entfernt sie auch sey, doch mir erleichtert annähern kann. Höchst merkwürdig ist es, daß die Musik, wie sie aus ihrer ersten einfachen Tiefe hervortritt, alsobald der flüchtigen Zeit angehört und dem leichtfertigen Ohre schmeicheln muß. Kein Wunder, daß nach so viel Jahren sie endlich auf dem Wege dahin läuft, den wir sie jetzt eilig verfolgen sehen.

So weit war ich gekommen und wollte nun fortfahren über das wunderbare Verhältniß des innern productiven Sinnes zu dem praktisch äußern Thun[230] mich weiter zu ergehen, als ein Schauspieler, Namens La Roche, nach Berlin gehend, um einige Worte an dich ersuchen läßt. Er wird für den besten der neuen Schauspieler gehalten und ist in dem, was man mittlere, halb- und komische Charaktere nennt, gewandt und willkommen; ein Liebling des Publicums, begünstigt von meinem Sohne, ein verständiger rechtlicher Mann. Dieser wünscht von dir freundlich aufgenommen zu werden, auch wohl der Singakademie beywohnen zu dürfen und was ohne deine Unbequemlichkeit sich weiter ergeben möchte.

Zum Schluß vermelde, daß mich die Acquisition einiger ältern Zeichnungen diese Tage her sehr glücklich macht. Sie sind von der besten Art, unter dem Einfluß des edelsten Geistes hervorgetreten, eine unerschöpfliche Quelle guter Gedanken, z.B. ein Auflesen des Mannas höher als alle Vernunft. Niemand als Rafael konnte es erfinden; nachgebildet sind sie auf das treuste, zarteste und zierlichste.

Soviel für dießmal. Wärest du nur auf einige Stunden des Genusses theilhaftig und ich dessen, den du so reichlich ausspendest! Doch muß ich noch gedenken wie ich vorgestern Abend mit Riemer in einem deiner Briefe auf dein Lied zu Ehren des Königs gelangte, das dir anfangs so sehr bestritten wurde. Riemer machte die Bemerkung, daß nicht leicht etwas von solcher Confidenz und innerer Zuversicht ausgesprochen[231] worden; es habe so was von Luthers: Eine feste Burg ist unser Gott.

Hiemit sey denn aber wirklich abgeschlossen.

unwandelbar

Weimar den 21. Juni 1827.

G.


42/195.


An Nikolaus Meyer

Ew. Wohlgeboren

neuerliche angenehme Sendung erwidere mit verflichtetem Dank und freundlichstem Anerkennen Ihres fortdauernden Erinnern und freundschaftlichen Zutrauens.

Daß Ihr lieber zweyter Sohn ein entschiedenes Talent zur bildenden Kunst besitze, geht aus allen mir mitgetheilten Blättern hervor und wird sich noch mehr beweisen, wenn er in eine Schule kommt, die ihm den Inhalt der Gestalten deutlich macht, wodurch denn sowohl das rechte Ebenmaaß als der Charakter, das physische und geistige Leben sich zuletzt hervorthut. Es ist ferner sehr wohlgedacht ihn noch auf andere Weise auszustatten, damit er auch in sonstigen Verhältnissen einer Welt, die alle Tage weiter und breiter wird, sich nicht fremd und ohne Mittel fühle. Wäre der Umweg, in dem Sie ihn nach Berlin bringen, über Weimar nicht zu groß, so sollten Sie sich gewiß hier manches angenehm, älteren und neueren Verhältnisses erfreuen. Es thut sich in der letzten Zeit[232] eine geistreich gebildete Gesellschaft von jungen Staatsdienern hervor, in der Sie sich gewiß in jedem Sinne behaglich finden würden.

Das letzte Heft von Kunst und Alterthum lege bey mit dem Ersuchen, was etwa an den fünf ersten Bänden fehlt, mir freundlichst anzuzeigen, damit Ihr Exemplar complettirt werde.

Meines Gartens am Stern im Thale erinnern Sie sich wohl; ich habe so eben die alten Zimmerchen bezogen; die bekannten Plätze würden Sie alle wieder finden, nur sind die von mir vor funfzig Jahren gepflanzten Bäume kräftig in die Höhe gegangen und geben breiten Schatten.

Empfehlen Sie mich den lieben Ihrigen; meinem Sohn, dem ich Gegenwärtiges in die Stadt schicke, überlasse noch einiges beyzupacken.

Mit den besten Wünschen

Ew. Wohlgeboren

ergebenster Diener

Weimar den 21. Juni 1827.

J. W. v. Goethe.


42/196.


An Friedrich Theodor von Müller

Die anmuthigen Episteln folgen dankbar zurück.

Weimar den 22. Juni 1827.

G.[233]


42/197.


An Friedrich Theodor von Müller

Fliehe Täubchen flieh

Er ist nicht hie!

Der dich an dem schönsten Frühlings-Morgen

Fand im Wäldchen da du dich verborgen –

Fliehe Täubchen flieh,

Er ist nicht hie:

Böser Laurer Füße rasten nie.


Horch Flötenklang,

Liebesgesang

Wallt auf Lüftchen hin zu Chloes Ohren

Find't im zarten Herzen offne Thoren,

Horch Flötenklang,

Liebesgesang,

Horch, es wird der süßen Lieb' zu bang.


Hoch ist sein Schrift,

Fest ist sein Tritt,

Schwarzes Haar auf runder Stirne bebet,

Auf den Wangen ew'ger Frühling lebet,

Hoch ist sein Schritt,

Fest ist sein Tritt,

Edler Deutschen Füße gleiten nit.


Wonn' ist die Brust,

Keusch seine Lust,

Schwarze Augen unter runden Bogen

Sind mit zarten Falten schön umzogen,

Wonn ist die Brust,

Keusch seine Lust,

Auch beim Anblick du ihn lieben mußt.[234]


Roth ist der Mund,

Der mich verwund't,

Auf den Lippen träufeln Morgendüfte,

Auf den Lippen säuseln kühle Lüfte,

Roth ist sein Mund,

Der mich verwund't

Nur ein Blick von ihm macht mich gesund.


Treu ist sein Blut,

Stark ist sein Muth,

Schutz und Stärke wohnt in weichen Armen,

Auf dem Antlitz wohnt edles Erbarmen,

Treu ist sein Blut,

Stark ist sein Muth,

Selig wer in seinen Armen ruht.


So ist der Held,

Der mir gefällt;

Soll mein deutsches Herz weich flöten,

Rasches Blut in meinen Adern röthen?

So ist der Held

Der mir gefällt.

Ich vertauscht' ihn nicht um eine Welt!


Vorstehendes Gedicht wird mir freylich zugeschrieben, ich erinnere mich aber nicht es gemacht zu haben und wollte es daher nicht aufnehmen aus Furcht es möchte von dem wahren Autor zurückgefordert werden. Auch scheint es mir nicht ganz mit meiner Sinnes- und Dichtart übereinzutreffen.

Inzwischen habe einige höchst nothwendige Emendationen daran gewendet.

Weimar den 22. Juni 1827.

G.[235]


42/198.


An Johann Jacob und Marianne von Willemer

Aus der Ferne, die zwar nicht groß ist aber doch weit genug um einen ruhigen Fluß der Freundschaft und Neigung zu hemmen, Ihnen öfters etwas Angenehmes zu erweisen sind ich mich oft gehindert. Deshalb eil ich auf Ihr Letztes zu sagen daß zwar gestern unser Theater geschlossen worden, also ein Auftreten Ihrer Begünstigten unmöglich ist; aber Vorkehrungen sind getroffen daß sie schwerlich durchstreifen kann ohne freundlich angehalten zu werden.

Sie findet in unserm Hause heitere Gesichter und wohl auch einen und den andern Kunstfreund und Genossen, wie es die Umstände zugeben wollen. Die Herrschaften mit ihren sämmtlichen Umgebungen sind auswärts und daher fehlen unserm Kreise gar manche Theilnehmende.

Besten Dank für das liebe Schreiben von Cassel, Dank für die Nachricht daß Sie wieder glücklich zu Hause sind. Möge es den Freunden wohl gehen am holden Flusse wohin ich mich so oft in Gedanken versetzt sehe.

Tausend Lebewohl!

unwandelbar

Weimar den 23. Juni 1827.

Goethe.[236]


42/199.


An Friedrich Jacob Soret

So angenehm es mir gewesen wäre, theuerster Herr und Freund, persönlich von Ihnen Abschied zu nehmen, so geschehe dieß, wenn es nicht anders seyn kann, schriftlich, mit dem treusten Wunsche, daß der Zweck Ihrer Reise erfüllt werde und wir Sie gesund und froh wiedersehen mögen.

Gönnen wir Ihnen nun herzlich das Glück, die werthen Ihrigen wieder zu begrüßen, so beneide ich Ihnen doch Aufenthalt in einer der schönsten Gegenden welche die Welt wohl aufzuweisen hat.

Gedenken Sie meiner unter den vielen zurückbleibenden Freunden und lassen mir die Hoffnung, daß unsere mir so werthen Unterhaltungen, nach Ihrer Rückkehr, eben so lebhaft und weniger unterbrochen fortgesetzt werden mögen.

Ich lege einige von meinen Jubiläumsmedaillen bey, mit Bitte, solche wohlwollenden Personen, nach Gefallen, einzuhändigen, und frage zugleich an, ob Sie etwa noch eine Anzahl Bovy'sche Medaillen in Händen hätten, da ich denn bäte, mir solche zurückzulassen. Die Zahlung könnte sogleich erfolgen. Wäre dieses aber nicht, so würden Sie mir eine Gefälligkeit erzeigen, wenn Sie mir 30 Stück bronzene und 10 in Silber von dorther senden wollten; die Rechnung sollte alsbald berichtigt seyn.

[237] Kommt Ihnen etwas neues Mineralogisches vor, so bitte mein wie immer zu gedenken. Empfehlen Sie mich Ihrer würdigen Familie und bleiben meines aufrichtigen Antheils jederzeit versichert.

ergebenst

Weimar den 29. Juni 1827.

J. W. v. Goethe.


42/200.


An Johann Jacob und Marianne von Willemer

In dem Augenblicke da mir die Berliner Zeitung die beste Aufnahme Ihres Günstlings vermeldet und das anmuthigste Lob dieser von Natur begünstigten und durch treue Kunst gebildeten Sängerin überliefert, ersucht mich das werthe Eberweinsche Ehepaar um ein Schreiben nach Frankfurt, wohin ich ihm schon früher ein unbenutztes mitgegeben hatte.

Zwar thäte ich es gern zu jeder andern Zeit, jetzo aber sey ich mich wider Willen dieses werthen Paares beraubt; es war von jeher das Fundament, worauf meine musicalischen Hausübungen beruhten, und ich hoffte bey Ankunft der erwarteten Künstlerin abermals auf dessen gefälliges Mitwirken.

Nun aber will ich ihnen gönnen, daß sie meine Lieben am Mayn an schönen Abendstunden besuchen und eine Ahnung fühlen mögen das Glücks ich dort während herrlicher Tageszeiten genossen. Möge auch Ihnen die Erinnerung daran recht voll und[238] reichlich zurückkehren, wenn Sie einiges aus dem Divan vortragen hören, besonders wünschte ich, daß die Feuchten Schwingen recht freundlich um Ihre Ohren säuselten.

Übrigens ruht nun jetzt die wahre Sommerstille um uns her; die fürstlichen Personen haben sich entfernt, das Theater ist zerstreut und Ihre liebe Schülerin findet uns zwar einsam, aber auch desto weniger gehindert, ihr, wenigstens von unserer Seite, freundlich und gefällig zu seyn. Möge auch Ihren lieblichen Wohnort eine heitere Sommerzeit, die sich erfreulicher als bisher anzukündigen scheint, Tage behaglich umgeben.

treu angehörig

Weimar den 29. Juni 1827.

J. W. v. Goethe.


42/201.


An Julie von Egloffstein

[Concept.]

[Ende Juni 1827.]

Es geht mir, theuerste Freundin, mit Blatt und Büchern wie früher mit dem Album der Frau v. Spiegel. Keine Sylbe fällt mir ein die hier am Platz stünde; lassen Sie uns hoffen daß vor Ihrer Wiederkunft sich das Glücklichere hervorthun werde.

Meine schönsten Grüße an die böhmischen Berge und Felsen.[239]


42/202.


An Wilhelm Reichel

[Concept.]

Ew. Wohlgeboren

die neuerliche Sendung unter Kreuzband hiedurch dankbar anmeldend übersende einige Bemerkung, welche früher zu meinen Werken gemacht worden, wobey es jedoch ungewiß ist, ob man bey der letzten Revision darauf reflectirt. Wollen Sie hiernach gefällige Rücksicht nehmen, so würde dadurch der neue Abdruck verbessert, oder man doch wegen des Zweifels beruhigt werden.

Zu geneigtem Andenken mich bestens empfehlend.

Weimar den 1. Juli 1827.


42/203.


An Johann Friedrich Matthäi

[Concept.]

[2. Juli 1827.]

Ihro Königliche Hoheit der Großherzog von Weimar mein gnädigster Herr geben mir die angenehmste Gelegenheit mich bey Ew. Wohlgeboren in Erinnerung zu bringen und der schönen Tage zu gedenken die ich wiederholt in Dresden zugebracht; es geschieht dieses durch die Veranlassung zu Gegenwärtigem, welches Dieselben benachrichtigt von dem vorgestern erfolgten Abgang einer großen Kiste enthaltend das Bildniß des höchstseligen Herrn Herzog Albert von Sachsen-Teschen,[240] gemalt von unserem leider allzufrüh verstorbenen talentvollen Jagemann.

Wie mir Ihro Königliche Hoheit Kenntniß geben, so ist solches für dortige Sammlungen bestimmt, welches Ew. Wohlgeboren von Höchst Denenselben zuerst eröffnet worden.

Ferner sind zwey kleinere Kisten hinzugefügt, in welchen einige von dem Zeichenlehrer Lieber zu restaurirende Bilder enthalten sind, um deren Übergabe Ew. Wohlgeboren hiedurch höflichst ersuche.

Wie ich mich denn für verpflichtet halte zugleich meinen verbindlichsten Dank abzustatten für die geneigte Förderniß, womit Sie diesen geschickten Künstler bey seinem gegenwärtigen Vorhaben geneigt unterstützen wollen.

Der ich nichts mehr wünschen werde als an Ihrer Seite die herrlichen, Ihrer Aufsicht untergebenen Schätz nochmals durchzugehen und mich an denselben auf's neue belehren und zu erfreuen.

Der ich die Ehre habe mich mit vorzüglichster Hochachtung zu unterzeichnen.

Weimar [den 29.] Juni 1827.


42/204.


An Joseph Sebastian Grüner

Fräulein v. Pogwisch, welche diesen Brief mitnimmt, wird zugleich die schönsten Grüße ausrichten[241] und mein Bedauern aussprechen, daß ich das liebe Böhmen diesen Sommer abermals nicht betreten kann.

Das aus Heidelberg zurückerhaltene Kästchen habe ich ausgepackt und den Inhalt unter meine übrigen Bohemica dankbar einrangirt. Besondere Freude aber machte mir die letzte Sendung. Höchst angenehm waren die neuen Anbrüche von Schlackenwald, ich wünsche, daß sie den Theilnehmern so nützlich seyn mögen als sie dem Liebhaber erfreulich sind.

Dagegen sende durch die fahrende Post ein Kästchen, welches nur Mineralien aus dem Tiroler Zillerthal enthält, die ohne nähere Bezeichnung sich selbst erklären. Diese Exemplare bitte als Musterstücke anzusehen und mir gelegentlich zu melden, inwiefern Ihnen von einem und dem andern noch irgend ein Exemplar angenehm seyn könnte. Die Sache verhält sich nämlich folgendermaßen:

Vorigen Winter kamen Tiroler, welche dergleichen mit sich führten, auf ihrem Rückwege bey uns ein, wo sie schon ziemlich ausgekauft waren, versicherten aber, daß sie wiederkommen und dergleichen bessere mitbringen würden; ich kann also, wenn ich weiß daß es angenehm ist, in der Folge Freunde damit versehen.

Nächstens schreibe ich mehr und sende die Analyse des Fossils, das bey Gitschin vorkommt, wie ich denn durch rückkehrende Freundin das Beste von Ihnen und Ihrer lieben Familie zu vernehmen hoffe. Erhalten[242] Sie mir ein freundliches Andenken und überzeugen sich, daß ich in diesen Tagen oft, obgleich leider nur in Gedanken bey Ihnen verweile.

Mit den treusten Wünschen

Euer Wohlgeb.

ergebenster Diener

Weimar d. 2. Jul. 1827.

J. W. v. Goethe.


42/205.


An Ignaz Lößl

[Concept.]

[2. Juli 1827.]

Ew. Wohlgeboren

werden durch Vermittlung des Herrn Rath Grüners nächstens ein Paquet erhalten, worin einige Mineralien befindlich sind. Diese Exemplare bitte als Musterstücke anzusehen und mir gelegentlich zu melden, inwiefern Ihnen von einem und dem andern noch irgend ein Exemplar angenehm seyn könnte, sie sind sämmtlich aus dem Zillerthal und auch ohne weitere Bezeichnung kenntlich; die Sache verhält sich nämlich folgendermaßen.

Vorigen Winter kamen Tiroler, welche dergleichen mit sich führten, auf ihrem Rückwege bey uns ein, wo sie schon ziemlich ausgekauft waren, versicherten aber daß sie wiederkommen und dergleichen bessere mitbringen würden, ich kann also, wenn ich weiß daß es angenehm ist, in der Folge Freunde damit[243] versehen. Haben Sie die Güte, wenn was Neues vorfällt, oder auch von den älteren bekannten Mineralien schöne Muster vorkommen, wie z.B. von dem eiförmigen Olivin, so haben Sie die Gefälligkeit mir dergleichen zu senden und bleiben meines fortdauernden Andenkens versichert.

Einige Fossilien von Waltsch, Fische oder Blätter, wären sehr angenehm.


42/206.


An die Kunsthändler Artaria und Fontaine

[Concept.]

In dem Peintre graveur von Bartsch und dessen Band XIV ist Seite 10 Nr. 8 La manne, das Auflesen des Manna der Kinder Israel, von Augustin Veneziano nach Rafael, anzeigt und beschrieben. Könnten die Herrn Artaria und Fontaine in Mannheim mir einen Abdruck dieses Kupferstichs für einen billigen Preis verschaffen, so würde solches dankbar anerkennen.

Weimar den 3. Juli 1827.


42/207.


An Johann Jacob Lechner

[Concept.]

In Nr. 1. des von Herrn Lechner in Nürnberg eingesendeten Verzeichnisses mancherlei merkwürdiger Kunstgegenstände findet sich auf der letzten sechzigsten[244] Seite Nr. 45 eine viereckige Tafel Florentiner Ruinenmarmor, in einem schwarzen Nahmen, der Preis Acht Gulden. Man wünscht daß solche sorgfältig eingepackt mit Bezeichnung [*Glas], anzudeuten daß etwas Zerbrechliches darin enthalten, unter Adresse des Herrn Staats-Minister v. Goethe anher gesendet werde. Zahlung wird sogleich erfolgen, das Einpacken wird gleichfalls vergütet.

Weimar den 3. Juli 1827.


42/208.


An Friedrich Carl

[Concept.]

Ew. Wohlgeboren

erhalten hiemit ein Kästchen, gezeichnet H.H.S. [*Glas] Nürnberg, um solches gefällig an Herrn Schmidmer nach Nürnberg zu senden, die Fracht wird dort bezahlt welche zu accordiren bitte. Auch wäre dem Fuhrmann einzuschärfen daß mit dem Kistchen säuberlich verfahren würde und man hat deshalb oben einen Henkel angebracht, damit es nicht gestürzt werde. Herr Schmidmer ist von der Absendung unterrichtet.

Der ich recht wohl zu leben wünsche und mich zu geneigtem Andenken empfehle.

Weimar den 6. Juli 1827.[245]


42/209.


An Samuel Thomas von Sömmerring

Nur mit wenigem will ich, mein Verehrter, das letzte werthe Schreiben hiedurch erwidern. Es ist mir sehr angenehm, wenn das englische allgewaltige Auge zu entbehren ist; wo wir in unserm Kreise die Hülfe des Mikroskops bedürfen, ist das Amicische nach meiner Erfahrung und Überzeugung hinreichend.

Es macht mir große Freude, wenn Sie dem was von mir ausgeht fortfahren Antheil zu nehmen und zu eignem Thun gewissermaßen neue Aufmunterung schöpfen. Auch ich finde nichts belebender als die Betrachtung gleichzeitig mitwirkender Thätigkeiten.

Ein groß Verdienst ist es allerdings, die Lithographie bey Zeiten begünstigt und gefördert zu haben. Was ist mir nicht schon alles durch sie vor die Augen gekommen, wovon ich früher keine Kenntniß zu erwarten hatte.

Sodann würde mir denn ein Gypsabguß des versteinten Ornithocephalus höchst angenehm seyn. Mein Sohn setzt eine von mir früher angefangene Sammlung Fossilien mit Ernst und Kenntniß fort; vor kurzem sind gleichfalls Gypsabgüsse von Herrn v. Cuvier angekommen, wodurch wir in dem Fache der Mammalien reicher geworden. Ihre freundliche Gabe wird bey uns ein bisher beynahe leer gebliebenes Fach[246] höchlich zieren, ein dankbares Andenken in frischem Leben erhalten.

Weil wir nach so vielen Jahren wieder eine Communication begonnen, so lassen Sie mich von Zeit zu Zeit, was Sie wissenschaftlich interessiren kann, vernehmen. Man pflegt ja vor Thorschluß seine Schritte zu verdoppeln. Alles Gute und Günstige.

In treuester Gesinnung,

Weimar den 7. Juli 1827.

J. W. v. Goethe.


42/210.


An den Großherzog Carl August

[Concept.]

Ew. Königliche Hoheit

überzeugen Sich, daß Ihren Getreuen das wunderlich-widerwärtige Wetter nicht so unangenehm ist als der Gedanke, daß Höchst Dieselben gleichfalls darunter zu leiden haben. Bey dem höchsten Barometerstande hat sich heute frühmorgens gar bald der Himmel überdeckt, zwar mehr nebelartig, bey leisem Ostwinde sich gegen einander bewegend, als irgend einer Richtung folgend; wie denn die Schloßthurmfahne noch immer nach Westen hängt und von dem leisten Lufthauch nicht afficirt werden kann. Wollten Höchst Dieselben die Gnade haben, den Barometerstand seit einigen Monaten, wie er in Töplitz beobachtet worden, hierher senden [zu] lassen, so würde dieß zu weitern Betrachtungen, wenn auch nicht zu erfreulichen, Anlaß geben.

[247] Geheimerath v. Sömmerring will zur Anschaffung des so wunderbar benamseten Mikroskops keineswegs rathen, wie nachfolgender Auszug aus einem Briefe desselben mit mehrerem darthut. Was mich betrifft, so bin ich überzeugt, daß mit dem nunmehr wie der hergestellten Amicischen Mikroskop sehr viel auszurichten sey:

»Endlich habe ich aus London, auf meine Anfrage, wegen des Preises eines Pancratic Eye Tube, von einem indessen verreist gewesenen Freunde Nachricht erhalten, aber keine genügende. Dollond, schreibt er, fordert für Kitchiners Pancratic Eye, welchen man an ein gutes Fernrohr anschraubt, zwey Guineen. Ob und warum ihm Dollond den Hauptpunct, nämlich was ein solcher Eye Tube, mit einem dazu passenden kräftigen Objectiv-Glase nebst dem Statif, koste, nicht beantwortete, wird nicht bemerkt. Daß Serenissimus, Allerhöchstwelchem ich meine ehrerbietigste Dienstwilligkeit zu bezeugen bitte, wegen der Kleinheit des Feldes und dem Mangel an Helligkeit des Gegenstandes mit zunehmender Vergrößerung, selbst mit einem dazu passenden, an sich fürtrefflichen Objectiv-Glase zufrieden seyn würden, möchte ich nach nunmehr wiederholten strengen Prüfungen des aus vier Ocular-Gläsern zusammengesetzten Eye Tube's bezweifeln. Lebte mein hocherfahrener Frauenhofer noch, so könnte man vielleicht nachhelfen.«

Der zweyte hier abgegangene Gemäldetransport[248] hat etwas mehr Mühe gemacht. Das Jagemannische Bild ist erst den 27. Juni abgegangen, nachdem seiner Größe und Unbehülflichkeit wegen mit den Fuhrleuten gar manche Verhandlung nöthig geworden war. Indessen werden es höchst Dieselben bey Rückkehr nach Dresden ohne Frage daselbst schon antreffen.

An Liebern sind bey dieser Gelegenheit wieder neu zu bearbeitende Bilder abgegangen. Wenn er bey seiner großen Gewissenhaftigkeit so vieles fördern kann, so ist jene Kunst noch um desto schätzenswerther. Palmaroli erzeigt sich höchst willig und freundlich. Höchst Dieselben haben ja die Gnade ihm bey nächstem Aufenthalt in Dresden ein gnädiges Wort zu gönnen; es wird ihm Aufmunterung und Belohnung seyn. Das zunächst verlangte Bild geht nebst einigen andern ungesäumt gleichfalls ab.

Indem wir uns schon einige Tage einer besseren Witterung erfreuen, so ist es uns doppelt willkommen, da wir denken dürfen daß Höchst Dieselben auch solche in der angenehmen Töplitzer Gegend genießen.

Weimar den 8. Juli 1827.


42/211.


An Johann Lorenz Schmidmer

[Concept.]

[8. Juli 1827.]

Ew. Wohlgeboren

erhalten nächstens durch Herrn Handelsmann Carl in Jena ein Kästchen sign. H.H.S. [*Glas] Nürnberg, es[249] enthält solches das früher übersendete Kästchen mit dem Kirchlein welches man hier nicht aufgemacht; es ist solches an den obern Kasten angeschraubt. Ferner finden sich darin die vier Stücke: ein länglicher gedrehter Becher von Elfenbein auf einem Fuße, ein oval geschnitzter, ein Drechslerkunststück, sämmtlich von Elfenbein, sodann eine Schale von Jaspachat; alles sorgfältig eingepackt, mit dem Wunsche daß es glücklich ankommen möge.

Der ich bey vorkommender Gelegenheit eine gefällige Besorgung in Anspruch zu nehmen mir vorbehalte und mich für dießmal geneigtem Andenken empfehle.


42/212.


An Carl Ernst Schubarth

[Concept.]

Ihre Angelegenheit, mein Werthester, ist in Berlin zwar langsam aber doch auf eine Weise vorbereitet worden, daß ich Sie nun auffordern kann deshalb die nöthigen Schritte zu thun, wobey ich Sie ersuchen muß genau nach denen Andeutungen zu verfahren, wie Sie solche nachstehend verzeichnet finden.

Sie setzen ein Schreiben auf an des Herrn Minister v. Altenstein Excellenz, in welchem Sie sich in Hoffnung demselben nicht ganz unbekannt zu seyn die Erlaubniß erbitten, in Bezug auf Ihre gegenwärtigen Zustände ein geziemendes Gesuch vorzutragen.

[250] Sie geben hierauf ein kurzes curriculum vitae, bezeichnen Ihren Geburtsort und das Jahr Ihrer Geburt. Sie erwähnen Ihrer ersten Bildung im Allgemeinen, sprechen von Ihren akademischen Studien und in's Allgemeine strebenden Cultur etwas umständlicher. Ihre Bemühungen um deutsche Literatur führen Sie gleichfalls an, und als Beyspiel, was Sie über meinen Faust und sonst öffentlich nicht ohne Beyfall dargelegt. Ihres Berliner Aufenthalts erwähnen Sie von der literarischen Seite, lassen aber ja nichts von Ihren dortigen früheren Verhältnissen und Hoffnungen merken.

Sie melden darauf Ihre Rückkehr nach Schlesien, erwähnen Ihre Verheirathung, alles nur kürzlich; setzen aber Ihre Bemühungen um das Alterthum ausführlicher heraus: besonders was Sie für den Homer gethan, wovon Sie eine gute Aufnahme und bedeutende Einwirkung gar wohl bescheidentlich anführen dürfen.

Nunmehr tragen Sie vor, wie Sie auf diesem Wege zu dem Entschluß gekommen, sich dem Lehrfach zu widmen, um durch die erlangten Kenntnisse andern nützlich zu werden. Daß Ihnen dieses gelungen legen Sie Zeugnisse vor von Eltern oder Vormündern Ihrer Schüler, auch sonstigen bedeutenden Gönnern, und setzen Ihre bisherige Thätigkeit in ein gutes klares Licht. Hierauf nun gründen Sie Ihre bescheidenen Ansprüche auf eine Anstellung im Staatsdienst[251] und empfehlen sich der Einsicht und dem Wohlwollen des Herrn Ministers.

Alsdann stellen Sie vor, daß Ihnen die gesetzmäßige Form eines Eintritts in solche Verhältnisse gar wohl bekannt sey, wie nämlich durch ein vorgeschriebenes Examen der hiezu sich Meldende erst seine Qualification zu bethätigen habe; bemerken aber zugleich, daß in Rücksicht auf Ihre vorgeschrittenen Jahre, Ihre bisherigen Leistungen, auf den obschon auswärts erlangten Doctorgrad, ein geneigtes Einsehen wohl zu hoffen sey und die förmliche Staatsprüfung nicht gefordert, sondern ein beliebiger, mit weniger Umständen verknüpfter Modus möge substituirt und genügend gefunden werden.

Sie schließen damit, daß Sie sich zu diesem Schritte, Seine Excellenz anzugehen in dem reinsten Zutrauen und der Überzeugung bewogen gefunden, daß gegenwärtige Bitte mit gnädigem förderlichen Wohlwollen werde aufgenommen werden, in der angenehmen Hoffnung, nebst so vielen andern auch Ihr Glück der Gunst des hohen Herrn Ministers zu verdanken, dessen geneigter Beurtheilung und Entschließung alles anheimgebend.


Wenn ich nun zwar nach Vorstehendem Ihnen überlassen könnte, gedachtes Supplicat auszufertigen und sogleich an des Herrn Minister v. Altenstein Excellenz zu übersenden, so liegt mir doch gar zu viel[252] daran, daß jeder Ausdruck abgewogen werde, damit der von dort bekannt gewordene gute Wille sich nicht etwa gestört oder verletzt finden möge. Wie ich denn ausdrücklich wiederhole, daß von Ihnen frühern Zuständen und Hoffnungen in Berlin nicht das Mindeste anklingen dürfe. Die Ursache warum ich dieß verlange werden Sie sich leicht selbst entwickeln.

Senden Sie mir deshalb einen Vorstehendem ganz gemäßen Aufsatz, der mit ruhigem und reinem Zutrauen verfaßt sey. Sie erhalten ihn gleich wieder zurück, denn ich wünschte nun, daß die Sache beschleunigt werde, indem ich hoffen kann, daß meine bisherigen Bemühungen zu Ihren Gunsten werden verwendet seyn.

Womit ich denn wohl zu leben wünsche und mich zu allem ferneren Freundlichen treulichst erbiete.

Weimar den 9. Juli 1827.


42/213.


An Alfred Nicolovius

[Concept.]

[10. Juli 1827.]

Du hast, mein theurer Neffe, von Natur so viele Vorzüge erhalten, du hast die Vortheile der glücklichsten Lage, daß wenn du deinen Studien genugsamen Ernst, deinem Betragen die nöthige Haltung und deinen Handlungen die gehörige Vorsicht nach und nach geben lernst, du auf einen schönen Punct des Daseyns[253] gelangen wirst, welchen wenige zu erreichen das Glück haben. Mehr sage ich nicht und es wird mich immer wie dießmal freuen wenn ich dich vor einem falschen Schritt gewarnt sehe.

Mögest du deines würdigen Herrn Vaters, dem du mich angelegentlich empfiehlst, und aller wahrhaft Theilnehmenden nah- und fernen Freunde Wunsch und Hoffnung seiner Zeit zum schönsten erfüllen.

Die Stoschische Sammlung ist glücklich angekommen und in jedem Betracht von großer Bedeutung; was ich Reinhardten unmittelbar gemeldet wird er dir vorzeigen; auch ist Ordre gegeben ihm die stipulirten 50 rh. sogleich auszuzahlen, wegen der beiden andern Termine ist auch vorläufig Verfügung getroffen.

Wird er es nach und nach dahin bringen daß die Farbe der Abdrücke egaler ist, so wird es freylich noch besser seyn. Indessen kann man wohl auch über diese kleine Abweichung hinausblicken. Die Weimarischen Kunstfreunde werden ihre Pflicht nicht versäumen und dieser Sammlung und der übrigen Bemühungen ehrenvoll gedenken. Willst du mir zu diesem Zwecke noch einiges Besondere mittheilen: was er vor hat und was seiner Angelegenheit von unserer Seite zu Gute gesprochen werden könnte, so läßt sich dieß bey dieser Gelegenheit zum Besten der löblichen Sache treulich benutzen.

Von dem was wegen des Antinous geschieht wirst du mir von Zeit zu Zeit Nachricht geben, damit[254] man endlich inwiefern ein Abguß anzuschaffen sey überlegen und sich erklären könne. Herrn Rauch wirst du mich schönstens empfehlen und mir von Zeit zu Zeit von seinem Befinden und seiner Thätigkeit Nachricht geben.

Die Schlüterischen Bilder schicke mir gelegentlich allenfalls zur Ansicht. Mit der fahrenden Post folgt eine kleine Baarschaft. Den Brief an Reinhardt lege bey.


42/214.


An Carl Gottlieb Reinhardt

[Concept.]

Ew. Wohlgeboren

vermelde hiedurch, daß die bestellte und angekündigte Sammlung der Stoschischen Pasten am 9. Juli glücklich angekommen; nur bemerke, daß in mehrern Schubladen die Watte sich von hinten hervor theils ganz theils zum Theil gerollt hatte. Ich würde deswegen rathen, künftighin bey'm Einpacken die Schubladen von unten hinauf einzuschieben, wobey man sich, weil sie sich nur von vorn aufrollen könnten, gar leicht daß es nicht geschieht versichern kann. Es ist dieses um so nothwendiger, als sich bey dieser sehr sorgfältig gepackten Sendung doch ein Abdruck losgemacht hatte, aber durch die Watte an seiner Stelle festgehalten war.

Nach dem durch Herrn Nicolovius erhaltenen kurzen Aufsatz und der darin ausgesprochenen Bedingung[255] erhalten Sie gegenwärtig 50 rh. preußisch durch die Anweisung des Herrn Banquier Elkan dahier; 50 werden zu Michael und eben so viel Weihnachten erfolgen, wodurch denn der ganze Betrag von 150 rh. in Ihren Händen seyn wird.

Die Weimarischen Kunstfreunde versäumen auch nicht, nach genauer Betrachtung dieser Sammlung das Weitere öffentlich zu Ihrer Empfehlung auszusprechen.

Weimar den 10. Juli 1827.


42/215.


An Julius J. Elkan

[Concept.]

Herr Banquier Elkan wird höflichst ersucht, an Herrn Reinhardt in Berlin, Verfertiger von Pasten und Abdrücken, wohnhaft Stallstraße Nr. 4, die Summe von

funfzig rh. preußisch

gefällig auszahlen zu lassen und einer alsbaldigen Erstattung sich gewiß zu halten.

Weimar den 10. Juli 1827.


42/216.


An Wilhelm Reichel

Ew. Wohlgeboren

vermelde daß, Herrn v. Cottas Ansinnen und Wünschen gemäß, eine mit der Bände-Eintheilung vorzunehmende Änderung und zwar folgendermaßen billige:

[256] Band VII wird mit Tancred geschlossen. (Vorspiele und dergleichen, Paläophron Neoterpe pp. bleiben aus dieser Lieferung ganz weg).

Band VIII enthält den Götz und Egmont. (Stella und Clavigo bleiben weg).

Band IX enthält Iphigenie, Tasso, Natürliche Tochter. (Elpenor fällt weg).

Wegen des X. Bandes werde ich noch Überlegung pflegen und in Zeiten die Entschließung mittheilen.

Haben Ew. Wohlgeboren die Geneigtheit diesem Geschäft wie bisher Aufmerksamkeit und Sorgfalt zu widmen; besonders wünsche die Aushängebogen des siebenten Bandes baldigst unter Kreuzband, die Fortsetzung der Octavausgabe durch die fahrende Post zu erhalten. Mögen Sie Herrn v. Cotta mit meiner geziemenden Empfehlung hievon baldige Nachricht geben, auch mir, daß Gegenwärtiges angekommen.

Der ich mit den besten Wünschen mich unterzeichne

Ew. Wohlgeb.

ergebensten Diener

Weimar den 12. Juli 1827.

J. W. v. Goethe.


42/217.


An Alfred Nicolovius

[Concept.]

Mit der fahrenden Post erhältst du, mein theuerster Neffe, 10 preußische Thaler, wovon ich deine Auslagen abzuziehen, auch mir zu vermelden bitte, wie viel[257] davon übrig bleibt. Hierbey folgt aber ein neuer Auftrag: ich wünsche noch zwey Exemplare der schon übersendeten Anleitung zum Landschaftzeichnen, erste Lieferung, enthaltend 38 Vorlegeblätter, bey J. D. Grüson und Comp. 1827. Ferner hat Maler Rösel landschaftliche Umrisse, in kleinem Format, als Vorschriften für die Jugend, in Steindruck ausgegeben; hiervon wünsche vier Exemplare.

Wenn der bestimmten Erklärung der Gothaner gemäß durchaus nichts von mir in jener Sammlung erscheinen wird, und ich mich auf deine Zusicherung völlig verlassen kann, so will die Klage welche ich gegen sie einzureichen im Begriff stand, zurückhalten. Hieran werde ich deine Zuverlässigkeit für die Zukunft erkennen; bitte dich aber zugleich inständig, dich künftighin in solche zweydeutige Angelegenheiten nicht einzulassen.

Weimar den 15. Juli 1827.


42/218.


An Henriette von Pogwisch

[Concept.]

[Mitte Juli 1827.]

Meines Erachtens, gnädige Frau, behielten Sie gegenwärtiges Exemplar und ließen es so geschwind als möglich circuliren, ich renuncire für den Augenblick auf's Lesen, da ich sonst beschäftigt bin, das Übrige gibt sich schon.

[258] Wollen Sie beykommende Quittung unterschreiben und mir zurücksenden, so würde alsobald die Zahlung erfolgen.

Das Beste wünschend.


42/129.


An Carl Friedrich Zelter

Die Fortsetzung des, durch den Schauspieler La Roche, übersendeten Fragments liegt schon seit jener Zeit vor mir und ich konnte mich sie abzusenden nicht entschließen; es war, ich weiß nicht wie, etwas Mürrisches hineingekommen, wie man es nie in die Ferne senden soll: denn gerade zu der Zeit wo man dem Freunde nunmehr eine unangenehme Stunde macht, hat man sich schon völlig wieder hergestellt, und ist durch eine glücklich entschlossene Thätigkeit schon längst aus dem düstern Zustande herausgetreten wo uns der Ärger über gehindertes Wirken einen Augenblick überraschen konnte.

Habe also Dank für alles seit jener Zeit Überschriebene, nimm meinen, zwar etwas verspäteten Glückwunsch zu deinem Blumenfeste, so wie die Anerkennung der wohlwollenden Aufnahme, die du denen gönnst welche von uns zu euch hinüber kommen.

Nun muß ich aber auch noch aussprechen, warum ich eben gerade jetzt wieder anzuknüpfen mich entschließe. Beygehendes Gedicht, ein Landsmann des wohlaufgenommenen Wanderers, wird dir gewiß[259] Vergnügen machen; diese dir gewidmete Reinschrift war seit jener Zeit in's Verborgene gerathen, und erst heute finde ich sie an dem Orte zufällig wieder wo ich sie ganz zu Anfang hätte suchen sollen. Dieß deutet nun darauf daß ich nicht weiter säumen soll dich wieder einmal zu begrüßen.

Der Überdrang bey euch von musicalischen, prosaisch-dramatischen, literarischen, wissenschaftlichen und sonstigen Productionen, wie die Zeitung uns solche vorschieben, könnte einen Einsiedler in der Ferne beynahe irre machen und überwältigen; doch glaub' ich gern daß man, mitten in diesem Getriebe, auch wohl sich selbst eigen bleibt; wie es uns denn auch wohl gelingt an brausendem Meeresufer oder sonst gute Gedanken zu haben.

Die regierende Frau Großherzogin ist von Dornburg wieder in Weimar eingekehrt, die Frau Erbgroßherzogin ruht sich in Belvedere von allen den Festen, Freuden und sorgen aus. Der Großherzog verweilt länger als er beabsichtigte in Töplitz um Ihro Majestät Ankunst zu erwarten. Dein Freund ist aus dem Garten wieder heraufgezogen, indem er allzusehr abhängt von literarisch-artistischer Umgebung, die ihm hier oben allezeit zur Hand ist, anstatt daß er sie unten nur theilweise heranfordern kann. Es war wirklich komisch zu sehen wieviel und was alles in den vier Wochen des dortigen Aufenthalts hinabgeschleppt worden.[260]

Der größte Gewinn den ich jedoch von diesem Versuch davongetragen, ist, daß mir jener Garten, der mir fast gänzlich entfremdet war, wieder lieb ja nothwendig geworden ist. Die Vegetation daselbst wie in der Umgebung hat sich dieses Jahr vorzüglich auch an alten Bäumen bemerklich gemacht, und so erfreu ich mich des lange Versäumten und Vernachlässigten noch mehr als eines Vermißten und Ersehnten. Ich fühle mich genöthigt jeden Tag wenigstens einige Stunden daselbst zuzubringen.

Übrigens hab ich manches im Sinne und unter der Hand, was euch Freude machen sollte wenn es zu Stande käme; ich möchte euch wohl gern noch ein paarmal überraschen und in Verwunderung setzen, wozu wohl die Anlage schon da ist.

Frage doch die englischen Literatur-Freunde in deiner Nähe: ob ihnen etwas von Thomas Carlyle in Edinburg bekannt geworden, der sich auf eine merkwürdige Weise um die deutsche Literatur verdient macht.

Somit aber lebe wohl, damit Gegenwärtiges als ein Vorläufer manches andern Guten noch heute fortkomme. Gutmann und Gutweib gibst du nicht aus Händen.

eiligst wie treulichst

Weimar den 17. Juli 1827.

Goethe.[261]


42/220.


An Carl Ludwig von Knebel

Nach geraumer Zeit begrüße ich dich wieder einmal, mein alter verehrter Freund, und läugne nicht, wie ich manchmal beunruhigt bin, daß ein Geschick, das uns so lange mit einander und so nahe neben einander bleiben und wohnen läßt, uns beiderseits aus einander hält, ohne daß wir unternehmen und wagen dürfen, öfter zusammen zu kommen. Ich tröste mich dadurch, daß ich immerfort darauf hinarbeite meinen Freunden von Zeit zu Zeit im Geiste zu erscheinen; wie ich mich denn besonders freue, wenn meine Helena, auf die ich undenkliche Zeit und Sorgfalt verwendet, die Aufmerksamkeit meiner Theuren auf sich zieht, sie zum Betrachten und Denken aufregt, zum Entwickeln und Vorschreiten.

Weller wird dir gesagt haben, daß der Zeichenmeister Lieber sich in Dresden befindet, um dort bey dem großen Restaurator Palmaroli sich in diesem wichtigen Geschäfte zu unterrichten. Du hast einige Bilder, die gar sehr dieser Nachhülfe bedürfen. Wolltest du mir z.B. das Porträt deines Herrn Vaters herüberschicken, welches gar wohl, in manchem Sinne, verdient erhalten und aufgefrischt zu werden, so sendete solches mit dem nächsten Transport nach Dresden und du würdest Freude an dem erneuten Bilde finden, die ich als Familien- und Kunstfreund zu theilen hätte.

[262] Den Maler Durst habe ich gesprochen. Herr und Frau v. Schwendler sind in Berka, ich weiß also nicht, was ihm weiter gelungen ist. Da man nicht gern ohne bedeutende Ursachen die Anordnungen einer untern Instanz reformirt, so hätte er, wie ich ihm auch gesagt habe, durch Zeugnisse seiner jenaischen Patrone sollen, daß er in Jena nützlich gewesen, daß sein Aufenthalt daselbst gewünscht werde und daß sein Unterhalt gesichert sey; er sich überdieß einer freyen Kunst befleißige, welche wohl durch kein Verbot einzuschränken wäre. Vielleicht wird dieser Weg noch eingeschlagen.

Mich hat sehr gefreut, unsere Freundin doch so weit wieder hergestellt zu sehen; sie hatte auch mir, um eurer aller willen, große Sorge gemacht.

Noch eine Anfrage, da dir doch so manches zu Gesicht kommt: ist in den deutschen Tagesblättern und Heften dieses Jahres von einen neuen Roman Manzoni's: I promessi sposi in 3 Bänden, irgendwo die Rede gewesen?

treulichst

Weimar den 18. Juli 1827.

Goethe.


42/221.


An Carl Gustav Boerner

Ew. Wohlgeboren

vermelde hiedurch, daß das Kistchen mit den Zeichnungen Gemälden seiner Zeit glücklich angekommen.[263] Von den ersten habe für dreyßig Thaler ausgesucht, welche nächstens übermachen, auch das Kistchen mit den übrigen Zeichnungen und Gemälden zurückschicken werde. Die Verdienste dieser letztern mißkennt man nicht, allein die hiesigen Liebhaber verwenden überhaupt auf diese Kunstart keine Gelder, deshalb ich denn auch auf die in dem Catalog verzeichneten Gemälde keine Commission geben werde. Unter den Zeichnungen ist einiges welches zu besitzen wünsche und vor dem Termin anzuzeigen nicht ermangeln werde.

Das Vertrauen, womit Sie mir Ihren Lebensgang mittheilen, erkenne dankbar und wünschte wohl zu Ihrer Förderniß beyzutragen. Möge indessen das zwischen uns eingeleitete Geschäftsverhältniß, wenn auch nicht bedeutend, freundlich fortwalten.

ergebenst

Weimar den 18. Juli 1827.

J. W. v. Goethe.


42/222.


An Adolf Friedrich Carl Streckfuß

Nur mit den wenigsten Worten begleite den ersten Theil eines mir eben zugekommenen Werkes um solchen alsobald auf die Post zu bringen; die beiden andern habe selbst noch nicht gelesen.

Möge diese Arbeit unseres Mayländer Freundes dem Kenner italiänischer Literatur eben so wie mir[264] zusagen und der Entschluß des Übersetzers von Dante meinen Wünschen zuvorkommen.

In treuer Theilnahme

mit Ihnen fortwirkend

Weimar den 19. Jul. 1827.

J. W. v. Goethe.


42/223.


An Friedrich Theodor von Müller

Für Herrn Manzoni.

Der angesehene Verleger Herr Frommann in Jena hatte sich vorgesetzt die poetischen Werke des Herrn Alexander Manzoni abdrucken zu lassen, indem die Verhältnisse des nördlichen und südlichen Buchhandels die Ausbreitung jener verdienstlichen Arbeiten in Deutschland völlig verhinderten. Er fragte bey mir an: ob ich erlauben wolle daß er dasjenige was ich über Graf Carmagnola in Kunst und Alterthum geäußert als eine Art Vorrede anfügen könne? ich gestattete dieses nicht nur unbedenklich, sondern gab noch einige Blätter über Adelchi hinzu, welche bisher mir unbenutzt geruht hatten.

Diese Ausgabe ist nunmehr vollendet und es liegen drey Exemplare bey mir zum Abgehen bereit, für die Herren Manzoni, Mylius und Cattaneo, wie ich auch schon solches am 14. April gemeldet, als ich gedachte Vorrede, besonders abgedruckt, unter Kreuzband an Herrn Mylius absendete. Diese scheint aber nicht[265] angekommen zu seyn, wie aus dem Briefe an Herrn Canzler v. Müller hervorgeht; denn wie hätte sonst Herr Manzoni an meiner fortdauernden Theilnahme zweifeln können, die ich ihm dadurch auf's neue so unzweydeutig bewies.

Nicht weniger habe ich zu melden daß Herr Streckfuß, Übersetzer des Dante, ein vorzüglicher Mann, Adelchi in's Deutsche übersetzt hat, wovon gleichfalls ein Exemplar für Herrn Manzoni bey mir niedergelegt ist. Das alles zusammen würde nun alsobald abgehen, wenn man uns melden wollte wie die Sendung am bequemsten und sichersten nach Mayland gelangen könnte.

Die letzte Sendung nun gar des bedeutenden Romans: I promessi sposi gibt uns neue Veranlassung Herrn Manzoni zu beweisen welch einen Antheil wir an ihm nehmen und wie sehr wir das was er uns leistet zu schätzen wissen. Zwar hab ich in diesem Augenblicke nur den guten Pater Cristoforo am Ende des vierten Capitels bis an die Schwelle der bedrängten Familie begleitet, aber schon darf ich zum entschiedenen Lobe dieses Kunstwerks aussprechen: daß Rührung und Bewunderung in vollkommenem Gleichgewicht so Gemüth als Geist des Lesers befriedigten.

Mich angelegentlich empfehlend

Weimar d. 20. Jul. 1827.

J. W. v. Goethe.[266]


42/224.


An Thomas Carlyle

In einem Schreiben vom 15. May, welches ich mit der Post absendete und Sie hoffentlich zu rechter Zeit werden erhalten haben, vermeldete ich, wieviel Vergnügen mir Ihre Sendung gebracht. Sie fand mich auf dem Lande, wo ich sie mit mehrerer Ruhe betrachten und genießen konnte. Gegenwärtig sehe ich mich in dem Stande, auch ein Paquet an Sie abzuschicken mit dem Wunsche freundlicher Ausnahme.

Lassen Sie mich vorerst, mein Theuerster, von Ihrer Biographie Schillers das Beste sagen: sie ist merkwürdig, indem sie ein genaues Studium der Vorfälle seines Lebens beweist, so wie denn auch das Studium seiner Werke und eine innige Theilnahme an denselben daraus hervorgeht. Bewundernswürdig ist es wie Sie sich auf diese Weise eine genügende Einsicht in den Character und das hohe Verdienstliche dieses Mannes verschafft, so klar und so gehörig als es kaum aus der Ferne zu erwarten gewesen.

Hier bewahrheitet sich jedoch ein altes Wort: »Der gute Wille hilft zu vollkommner Kenntniß.« Denn gerade daß der Schottländer den deutschen Mann mit Wohlwollen anerkennt, ihn verehrt und liebt, dadurch wird er dessen trefflich Eigenschaften am sichersten gewahr, dadurch erhebt er sich zu einer Klarheit zu der sogar Landsleute des Trefflichen in früheren Tagen[267] nicht gelangen konnten; denn die Mitlebenden werden an vorzüglichen Menschen gar leicht irre: das Besondere der Person stört sie, das laufende bewegliche Leben verrückt ihre Standpuncte und hindert das Kennen und Anerkennen eines solchen Mannes.

Dieser aber war von so außerordentlicher Art, daß der Biograph die Idee eines vorzüglichen Mannes vor Augen halten und sie durch individuelle Schicksale und Leistungen durchführen konnte, und sein Tagewerk dergestalt vollbracht sah.

Die vor den German romance mitgetheilten Notizen über das Leben Musäus', Hoffmanns, Richters pp. kann man in ihrer Art gleichfalls mit Beyfall aufnehmen; sie sind mit Sorgfalt gesammelt, kürzlich dargestellt und geben von eines jeden Autors individuellem Charakter und der Einwirkung desselben auf seine Schriften genugsame Vorkenntniß.

Durchaus beweist Herr Carlyle eine ruhige klare Theilnahme an dem deutschen poetisch-literarischen Beginnen; er gibt sich hin an das eigenthümliche Bestreben der Nation, er läßt den Einzelnen gelten, jeden an seiner Stelle.

Sey mir nun erlaubt, allgemeine Betrachtungen hinzuzufügen, welche ich längst bey mir im Stillen hege und die mir bey den vorliegenden Arbeiten abermals frisch aufgeregt worden:

Offenbar ist das Bestreben der besten Dichter und ästhetischen Schriftsteller aller Nationen schon seit[268] geraumer Zeit auf das allgemein Menschliche gerichtet. In jedem Besondern, es sey nun historisch, mythologisch, fabelhaft, mehr oder weniger willkürlich ersonnen, wird man durch Nationalität und Persönlichkeit hindurch jenes Allgemeine immer mehr durchleuchten und durchschimmern sehn.

Da nun auch im praktischen Lebensgange ein Gleiches obwaltet und durch alles Irdisch-Rohe, Wilde, Grausame, Falsche, Eigennützige, Lügenhafte sich durchschlingt, und überall einige Milde zu verbreiten trachtet, so ist zwar nicht zu hoffen, daß ein allgemeiner Friede dadurch sich einleite, aber doch daß der unvermeidliche Streit nach und nach läßlicher werde, der Krieg weniger grausam, der Sieg weniger übermüthig.

Was nun in den Dichtungen aller Nationen hierauf hindeutet und hinwirkt, dieß ist es was die übrigen sich anzueignen haben. Die Besonderheiten einer jeden muß man kennen lernen, um sie ihr zu lassen, um gerade dadurch mit ihr zu verkehren; denn die Eigenheiten einer Nation sind wie ihre Sprache und ihre Münzsorten, sie erleichtern den Verkehr, ja sie machen ihn erst vollkommen möglich.

Verzeihen Sie mir, mein Werthester, diese vielleicht nicht ganz zusammenhängenden, noch alsbald zu überschauenden Äußerungen; sie sind geschöpft aus dem Ocean der Betrachtungen, der um einen jeden Denkenden mit den Jahren immer mehr anschwillt.[269] Lassen Sie mich noch einiges hinzufügen, welches ich bey einer andern Gelegenheit niederschrieb, das sich jedoch hauptsächlich auf Ihr Geschäft unmittelbar beziehen läßt:

Eine wahrhaft allgemeine Duldung wird am sichersten erreicht, wenn man das Besondere der einzelnen Menschen und Völkerschaften auf sich beruhen läßt, bey der Überzeugung jedoch festhält, daß das wahrhaft Verdienstliche sich dadurch auszeichnet, daß es der ganzen Menschheit angehört. Zu einer solchen Vermittlung und wechselseitigen Anerkennung tragen die Deutschen seit langer Zeit schon bey.

Wer die deutsche Sprache versteht und studirt befindet sich auf dem Markte wo alle Nationen ihre Waren anbieten, er spielt den Dolmetscher indem er sich selbst bereichert.

Und so ist jeder Übersetzer anzusehen, daß er sich als Vermittler dieses allgemein geistigen Handels bemüht, und den Wechseltausch zu befördern sich zum Geschäft macht. Denn, was man auch von der Unzulänglichkeit des Übersetzens sagen mag, so ist und bleibt es doch eins der wichtigsten und würdigsten Geschäfte in dem allgemeinen Weltwesen.

Der Koran sagt: »Gott hat jedem Volke einen Propheten gegeben in seiner eignen Sprache.« So ist jeder Übersetzer ein Prophet seinem Volke. Luthers Bibelübersetzung hat die größten Wirkungen hervorgebracht, wenn schon die Kritik daran bis auf den[270] heutigen Tag immerfort bedingt und mäkelt. Und was ist denn das ganze ungeheure Geschäft der Bibelgesellschaft, als das Evangelium einem jeden Volke in seiner eignen Sprache zu verkündigen.

Hier lassen Sie mich schließen, wo man in's Unendliche fortfahren könnte, und erfreuen Sie mich bald mit einiger Erwiderung, wodurch ich Nachricht erhalte, daß gegenwärtige Sendung zu Ihnen gekommen ist.

Zum Schlusse lassen Sie mich denn auch Ihre liebe Gattin begrüßen, für die ich einige Kleinigkeiten, als Erwiderung ihrer anmuthigen Gabe, beyzulegen mir die Freude mache. Möge Ihnen ein glückliches Zusammenleben viele Jahre bescheert seyn.

Nach allem diesen finde ich mich doch noch angeregt, einiges hinzuzufügen: möge Herr Carlyle alles Obige freundlich aufnehmen und durch anhaltende Betrachtung in ein Gespräch verwandeln, damit es ihm zu Muthe werde, als wenn wir persönlich einander gegenüber ständen.

Hab ich ihm ja sogar noch für die Bemühung zu danken, die er an meine Arbeiten gewendet hat, für den guten und wohlwollenden Sinn, mit dem er von meiner Persönlichkeit und meinen Lebensereignissen zu sprechen geneigt war. In dieser Überzeugung darf ich mich denn auch zum voraus freuen, daß künftighin, wenn noch mehrere von meinen Arbeiten ihm bekannt werden, besonders auch, wenn meine Correspondenz[271] mit Schillern erscheinen wird, er weder von diesem Freunde noch von mir seine Meinung ändern, sondern sie vielmehr durch manches Besondere noch mehr bestätigt finden wird.

Das Beste herzlich wünschend,

treu theilnehmend

Weimar d. 20. Jul. 1827.

J. W. v. Goethe.


42/225.


An Carl Ludwig von Knebel

Schönstens grüßend, übersende was sich auf Manzoni bezieht. Wegen Adelchi darf ich auf Seite XXXX hinweisen. Das neue Werk: I promessi sposi, storia milanese del seculo XVII, scoperta e rifatta da Alessandro Manzoni in drey Bänden, habe gelesen, so mit Rührung wie mit Bewunderung, auch dem schließlichen Dafürhalten, daß es sich neben dem Besten, was das 19. Jahrhundert hervorgebracht hat und hervorbringen wird, einen ehrenvollen Platz behaupten soll.

Wenn du der Helena befreundet bleibst, so wird dir weder im Ganzen noch im Einzelnen etwas räthselhaft bleiben, so wenig du an der treuen Freundschaft zweifeln wirst

deines

Weimar den 21. Juli 1827.

G.[272]


42/226.


An Christian Parish und Comp.

[Concept.]

Ew. Wohlgeboren

hatten die Gefälligkeit unter'm 7. May d. J. mir ein Paquet mit Büchern von Edinburg kommend anzukündigen, welches denn auch zu seiner Zeit eingelangt ist. Indem ich nun hierüber meinen verpflichteten Dank ausspreche, ersuche Dieselben, mit gleicher Geneigtheit eine solche Sendung nach Edinburg zu spediren; wobey Folgendes zu bemerken habe:

Es ist an Dieselben mit der fahrenden Post ein Kästchen abgegangen, eingenäht in schwarze Wachsleinwand, signirt: H. P. und Comp. Hamburg. Libri. Nun bitte, diese Leinwand abtrennen zu lassen, darunter finden Sie das Kästchen, gleichfalls in schwarzem Wachstuch, signirt: H. Th. C. Edinburg, welches an Herrn Thomas Carlyle, 21. Comley Bank, und wenn es geschehen kann, portofrey zu übersenden bitte. Diese und sonstige Auslage alsobald auf gefällige Weise zu erstatten mich verpflichtend.

Der ich mit wiederholtem Dank mich zu unterzeichnen die Ehre habe.

Weimar den 21. Juli 1827.[273]


42/227.


An Peter Christian Wilhelm Beuth

[Concept.]

Ew. Hochwohlgeboren

haben in meine Umgebung abermals eine große Anmuth gebracht, indem Sie mir einen authentischen Abguß des erwünschten Basreliefs übersenden wollen. Die Abbildungen in Winckelmanns Monumenti inediti, so wie in den englischen Terracotta's erscheinen nunmehr wie Übersetzungen, zwar alles Dankes werth, indem sie uns den Begriff überliefern, aber die eigentliche Nähe des Originals gibt denn doch erst das wahre Gefühl und den ursprünglichen Eindruck. Wir stehen schon eine Stufe näher an jenem ersten Gebilde, wornach dieses Thonwerk gefertigt seyn mag, wer weiß in wie vielen Abstufungen.

Nicht weniger habe ich in diesen Tagen meine Umgebung bereichert durch den Abdruck der Gemmen des Stoschischen Cabinets. Die liberale Vergünstigung, die dem guten Reinhardt geworden, bleibt ein übergroßes Geschenk für die Kunstfreunde, denn in den kleinen Räumen dieser Gemmen sind uns offenbar Nachbildungen wichtiger älterer Kunstwerke geblieben und bey ihrer Betrachtung weht ein belebender Geist über die endlosen Trümmer.

Gleicherweise wird mir ein Abguß des Bronze-Medaillons von Hawkins höchst erfreulich seyn.[274] Jugend gegen Jugend in der schönsten Fülle ruht hier gebildet, was für Namen auch man den Figuren geben mag. Sie versetzen uns in eine Zeit, die wir, wie alles Ideelle, in und außer uns zu reproduciren alle Ursache haben.

Die Weimarischen Kunstfreunde bemühten sich indessen aus den Fluthen des Lethe, der so manches überspült, Motiv und Anordnung eines alten Kunstwerkes zu retten und solches nach Möglichkeit vorerst wieder herstellen zu lassen. Ein Basrelief, von unserm guten Kaufmann hiernach ausgeführt, erhalten Dieselben in einiger Zeit. Es wird für sich selbst sprechen, allein zugleich das Gefühl erregen, daß hier noch viel gethan werden müßte, um es der Höhe der Zeit, worin das Ururbild entstanden seyn mag, näher und näher zu bringen.

Auch hiedurch überzeugt, daß ich mich mit dergleichen Anliegenheiten immerfort beschäftige, werden Sie mir meine frommen Wünsche und kühnen Anforderungen gewiß verzeihen. Eine Anstalt aus der die Musterblätter hervorgegangen sind, und neulich noch die Amazone, welches Vertrauen flößt sie nicht ein! Und was ist denn das Gewerb, wenn es sich nicht als Gewand oder Schleier der besten Kunst legitimirt? So geschieht mir denn auch schon mehr als genug, daß Sie einen jungen Künstler zu einem neuen Admet senden wollen, dort findet ein reiner Sinn gewiß Myrons Kuh wieder.

[275] Ihro Königliche Hoheit der Kronprinz haben die Gnade gehabt, mir einen Abguß in Bronze eines in den Niederungen der Oder gefundenen kleinen Jupiters zu senden. Innerhalb des Piedestals steht der Name des geschickten Künstlers, Dinger aus Solingen, der auch Ihnen gewiß nicht unbekannt ist. Wie manches Erfreuliche geht uns von Berlin aus und warum hindern mich meine Jahre dort unmittelbar an dem Erwünschtesten Theil zu nehmen! Bey solchen Gefühlen und Wünschen überzeugen Sie sich, daß einige Figuren der Homerischen Apotheose, eines Kunstwerks, dessen ich mich nur im Allgemeinsten erinnere, mir höchst angenehm seyn werden.

Nun aber lassen Sie mich mit der Bitte schließen daß Sie ja Ihre schätzbaren Gedanken über diesen und jenen Kunstgegenstand mir nicht vorenthalten mögen; denn wie muß nicht eine ausgebreitete Erfahrung und thätiges Nachdenken Ihre Einsichten allerwärts erhöht haben!

Darf ich sodann bitten mich Herrn Professor Rauch vielmals zu empfehlen und zugleich mich einer fortdauernden Theilnahme genießen zu lassen.

Weimar den 23. Juli 1827.[276]


42/228.


An Johann Friedrich Cotta

Ew. Hochwohlgeboren

wird Herr Factor Reichel gemeldet haben daß, nach Ihren Vorstellungen und Wünschen, eine andere Anordnung der einzelnen Werke besorgt habe, wodurch die Bogenzahl der Theile verringert wird. Freylich hätte eine so wichtige Umänderung mit mehr Bedacht geschehen, und ein so bedeutender Entschluß nicht aus dem Stegreife gefaßt, nicht schon mit umgehender Post gemeldet werden sollen. Die Schwierigkeiten, die sich in der Folge hervorthun, sind allerdings reiflicher zu überlegen.

Wegen des Gothaer Unterfangens habe, auf Privat-Einwirkungen, die Zusicherung erhalten: daß von meinen Arbeiten dort nichts aufgenommen werden sollte. Inwiefern man diesem Geschlecht auf's Wort trauen kann, weiß ich nicht zu sagen; aber in meinen Jahren würde mich zu einem Proceß schwerlich entschließen.

Größere Pausen in meiner Correspondenz werden mir meine Freunde und Gönner fortan immer mehr vergeben; noch sind mir viele Obliegenheiten aus meinem vieljährigen Geschäftsgang übrig geblieben, neue häufen sich hinzu und ich darf nicht läugnen, daß durch veränderte Anordnung der Theile Last und Sorge bedeutend vermehrt worden.

[277] Lassen Ew. Hochwohlgeboren indessen mich noch einer Angelegenheit gedenken die mir nicht wenig am Herzen liegt. Sie verbreiten auch Ihre unermüdliche Thätigkeit über München. Sollte es nicht möglich seyn, nunmehr daselbst die vortreffliche Zeichnung des Leyboldischen Charons lithographiren zu lassen? Dieses in der neueren Zeit vielleicht einzige Kunsterzeugniß verdanken wir Ihrer liberalen Aufforderung. Sollte ein höchst glücklicher Erfolg des würdigen Unternehmens so ganz im Verborgenen bleiben? Ich wenigstens kann mich nicht dabey beruhigen.

In vorzüglichster Hochachtung unter vielen Empfehlungen an die Frau Gemahlin habe die Ehre mich zu unterzeichnen.

Hochachtungsvoll

gehorsamst

Weimar den 26. Juli 1827.

J. W. v. Goethe.


42/229.


An Friedrich Theodor von Müller

Darf ich gegenwärtiger Mittheilung den Wunsch hinzufügen Ew. Hochwohlgeboren morgen zu Mittag bey uns zu sehen; Herr v. Matthisson wird von der Gesellschaft seyn.

Sobald die Exemplare Manzoni vom Buchhändler zurück sind geht das Paquet nach Mayland ab.

Weimar den 27. Juli 1827.

G.[278]


42/230.


An Ulrike von Pogwisch

Ich würde dir, meine gute Ulrike, mit mehr Vergnügen für deine Tagebücher danken, wenn ich daraus ersähe, daß du in Carlsbad heiter und vergnügt wärest und der, dort wohl allenfalls möglichen Geselligkeit genössest; da dich aber deine Übel verhindern, theils Bekanntschaften zu machen, theils die eingeleiteten weiter zu führen, so kann ich nur bedauren, daß du in der Fremde gewissermaßen deinen häuslichen Zustand fortzusetzen genöthigt bist.

Von hier wird schon mannichfaltige Nachricht zu euch gekommen seyn, wo ich nur wenig hinzuzusetzen wüßte. Frau Großherzogin ist am Dienstag bey mir gewesen, und es hat sich angenehme Mittheilung und Unterhaltung angeknüpft, wie du sie kennst.

Von Berlin hört man nichts als Gutes was Prinzeß Marie betrifft. Ich habe von dorther manche Kunstsachen erhalten, die von großem Werth sind und mich besonders Nachmittags und Abends beschäftigen.

Nach mehrern Tagen großer Dürre ist endlich ein sanfter Regen eingetreten, der aber lange anhalten müßte, wenn er die Pflanzenwelt einigermaßen erfrischen wollte.

Wölfchen ist mein gewöhnlicher Gesellschafter und pflegt einige Stunden Abends mit mir im Garten[279] zuzubringen, wo er denn aus Blättern und Blumen Putzwerke zusammensetzt, wie er sie von Melossens Kindern und Josephen gelernt hat; dann schreibt er wohl auch die Namen auf aus den orientalischen Mährchen und andere Worte die er nicht versteht. Diese werden verschiedentlich abgeschrieben und erklärt, nicht ohne Unbequemlichkeit, wie die Kinder sind, die nicht enden können. Sogar weiß er mit der größten Artigkeit mich zu nöthigen, daß ich vor Schlafengehen entweder Charte oder Dorl mit ihm spielen muß.

Von Berlin sind höchst elegante Stammbücher nach Belvedere gelangt und mir zum Einschreiben übergeben worden; ich habe mir Verschiedenes ausgedacht, womit ich aber noch nicht zu Stande kommen konnte. Als ich neulich oben war, meine erste Aufwartung zu machen, fand ich die Frau Erbgroßherzogin besser als ich sie mir gedacht hatte; denn wer kann den Ärzten und ihren Bülletins trauen. Auch höre ich vom Hofrath Meyer, der immerfort oben wohnt, theils schriftlich theils mündlich das Beste.

Unsern Großherzog erwarten wir in diesen Tagen; er scheint mit seiner Cur, zuletzt auch mit der Gesellschaft, zufrieden zu seyn. In Töplitz hat er sich, Ihro Majestät den König erwartend, länger aufgehalten, als anfangs die Absicht war.

Nun erinnere ich mich auch des dir mitgegebenen Geldes, das du, wie mir Ottilie sagt, nicht los[280] werden kannst, weil keine der gewünschten Gläser sich vorfinden. Kaufe dafür einen hübschen Zeug für die beiden Knaben zu Kleidern. In der österreichischen Monarchie werden dergleichen sehr artige Sachen verfertigt, die wohlfeil sind, aber nicht zu uns herauskommen.

Indem ich nun umherdenke, was ich dir aus meinem Kreise noch zu vermelden hätte, so darf ich nicht übergehen, daß die Malvenallee im untern Garten so schön geworden ist und so herrlich blüht, daß ich sie fast zu schön finde, besonders Abends, wenn die zum Untergang sich neigende Sonne durch die Blumen scheint und die mannichfaltigen Farben erst recht in ihrem Glanz und Werth hervorleuchten.

Wenn ich nun schwerlich mit einem Gegenstand schließen könnte, der heiterer wäre, so will ich hiermit aufhören und dir sowohl als der Frau Gräfin und übrigen weimarischen Curgästen das Allerbeste und eine glücklich-freundliche Rückkehr wünschen.

treugesinnt

Weimar den 27. Juli 1827.

Goethe.[281]


42/230a.


An Friedrich Theodor Kräuter

[Ende Juli 1827.]

Naturgeschichte des Pteropus

betr.

G.


43/1.


An Friedrich Jacob Soret

Auf Ihr gehaltreiches höchst willkommenes Schreiben erlauben Sie mir, mein Werthester, wenn auch nur Einiges zu erwidern.

Vor allem gönn ich Ihnen von Herzen den freyen Anblick jener herrlichen Gegend, den Aufenthalt in einer so bedeutenden Stadt und die Umgebung von angeborenen und erworbenen Freunden. Dankbar erkenn ich, daß Sie sich meiner so freundlich erinnern wollen, und kann dagegen von unsern theuren verehrten Persönlichkeit manches Erfreuliche melden. In Belvedere geht alles, wie ich vernommen und zum Theil selbst Zeuge war, aus dem Guten in's Bessere. Unserm Fürsten ist die Töplitzer Badecur sehr wohl bekommen, so daß ein leichter Katarrh als Folge einer Erkältung auf der Rückreise nichts als von Bedeutung angesehen werden darf. Gleichermaßen verhält sich's mit der Gesundheit unsrer Frau Großherzogin. Und so dürfen wir denn auch wohl erfreuen, daß es in häuslicher Umgebung ganz leidlich aussieht.

[1] Wenn sich nun hierauf meine Nachrichten beschränken, so sehen Sie daraus, daß ich, gerade im Gegensatz von Ihnen, wenig oder nichts von Äußerlichkeiten zusagen weiß. Füge ich nun hinzu, daß Fräulein Ulrike sich mit Frau Gräfin Henckel in Töplitz befindet, Demoiselle Pallard von Jena aus uns manchmal besucht, so sehen Sie, daß ich immer wieder zu geliebten Personen zurückkehre.

Auch von Berlin kommen immerfort die besten Nachrichten, welches alles meinem Gemüth sehr zu Gute kommt, da meinen Augen, außer den Malven im Garten, nichts Erfreuliches begegnet. Gebaut wird freylich viel, von Architektur wüßt ich wenig zu sagen; doch werden Sie manches reinlicher und freundlicher finden, als Sie es verlassen haben, besonders wenn Sie hinter dem Ettersberg kein Genf und keinen See zu suchen kommen.

Wenn ich nun aber die vorliegenden weißen Räume meines Briefpapier nicht ungenutzt soviel Meilen weit versenden soll, so muß ich mich zu denen uns sonst so beliebten Capiteln der Oryktognosie und Geognosie hinwenden und berichten, daß die Anwesenheit des Herrn Grafen Sternberg unsern Sammlungen viel Vortheil gebracht hat; denn indem dieser edle Freund die Flora subterranea, wie wir sie in schönen Exemplaren besitzen, richtiger benamsete und methodischer ordnete, so hat dieses Fach zuerst einen eignen Werth erlangt und eine gewisse Anziehungskraft[2] erworben. Durch die Gefälligkeit des Herrn v. Sömmerring haben wir ein treffliches Facsimile des berühmten Or nithocephalus erhalten, welcher sonst in dem Mannheimer Kabinett sich befand, nun in München aufbewahrt wird, erst von Collini, dann aber von Sömmerring commentirt und entfaltet wurde. Es ist vielleicht das Merkwürdigste unter allen Resten von Solnhofen; der Gypsabguß aber so genau und schön gefärbt, daß man das Original vor sich zu sehen glaubt.

Anderes, zwar nicht in dem Grad, aber doch immer Merkwürdige sey bis zu Ihrer willkommenen Rückkehr verspart; doch darf ich nicht verhehlen, daß mein Sohn, seitdem er durch Ihre Geneigtheit mit dem Mont Salève bekannt geworden, die Hoffnung nicht aufgibt, mit noch einigen Exemplaren von dorther bereichert zu werden.

Hier will ich aber, damit das Blatt nicht liegen bleibe, für dießmal schließen, in der Erwartung, daß Sie meiner guten Tochter Gelegenheit geben, Ihnen von den geselligen Tagen das Bedeutende zu vertrauen.

Aus meinem Briefe sehen Sie dagegen leider, indessen Sie sich in dem lebendigen Genf erfreuen, daß ich mich zunächst mit antediluvianischen Carcassen beschäftige, welches doch eigentlich nur als ein pis aller angesehen werden kann.

In treuster Theilnahme

Weimar den 9. August 1827.

J. W. v. Goethe.[3]


43/2.


An den Großherzog Carl August

Ew. Königliche Hoheit

geruhen sich unterthänigst vortragen zu lassen, wie wir, besorgt, der Großherzoglichen Bibliothek einigen nützlichen Zugang zu verschaffen, den Buchhändler und Verleger Wagner in Neustadt veranlaßt, auch die Verpflichtung der übrigen Druckherren im Großherzogthume zu übernehmen und ein Exemplar von seinem jedesmaligen Verlag anher zu übersenden.

Es hat derselbe nicht allein für die Zukunft sich willig erklärt, sondern auch Exemplare seines bisherigen ganzen Verlags ungesäumt übersendet und seine Obliegenheit respectsvoll anerkannt.

Nun ist Höchst Denenselben nicht unbekannt, daß die Unternehmungen dieses Mannes nicht blos mercantilisch nützlich, sondern auch allgemeiner Bildung förderlich sind, indem die von ihm ausgegangenen Schriften durchaus dem sittlichen und religiösen Unterricht gewidmet sind, auch derselbe sonst als ein wohlgeordneter Haushalter und schätzbarer Bürger bekannt ist: so glauben wir keine Fehlbitte zu thun, wenn wir den Wunsch äußern, Höchst Denenselben möge es gefallen, durch irgend eine Auszeichnung, vielleicht den Titel eines Commissionsraths, auch Höchst Ihren Beyfall zu erkennen zu geben, wodurch nicht nur er sich höchlich geehrt fühlen, sondern auch seine Mitbürger,[4] welche bisher gut von ihm zu denken alle Ursache gehabt, höchlich erfreut seyn würden.

Weimar den 10. August 1827.


43/3.


An Samuel Thomas von Sömmerring

Das unschätzbare Facsimile, welches wir, hochverehrter Freund, Ihrer Geneigtheit verdanken, hat uns, mir und meinem Sohn, das größte Vergnügen verschafft. Bey'm ersten Anblick überrascht, bildet man sich ein, das Original in Händen zu haben; enttäuscht, vergnügt man sich über die glückliche Nachbildung.

Dieses Geschöpf ist fürwahr, wie mehrere der urweltlichen Thiere, sinnverwirrend, man weiß nicht gleich was sie mit ihren Gliedern anfangen sollten; so hier, was der verlängerte Finger soll? In dieser Unwissenheit wandte man sich sogleich an die Wissenden. Die erste Darlegung Collini's, die eigentliche Auslegung, die wir Ihnen durch Rectification und Vervollständigung schuldig geworden, besonders aber zuletzt die Herstellung der beiden Thiervögel-Skelette in ihren natürlichen Zustand gaben völlige Klarheit, verdoppelten, verdreyfachten das Interesse. Abzeichnungen, besonders der zuletzt gemeldeten Restaurationen, werden in dem Kabinett mit aufbewahrt und so das Andenken an den würdigen alten Freund für und für geehrt und erhalten.

[5] Denn wo hat derselbe auf einem langen thätigen Lebensgange nicht hingewirkt? Und Sie verzeihen gewiß, wenn ich frage: Haben Sie nicht von dem, was Sie leisten und förderten, sich selbst und Theilnehmenden einige nähere Notizen aufgesetzt? Ist doch sogar mir nicht alles bekannt, was Sie durch Erfindung, Fortleitung und Aufmunterung in's Jahrhundert gewirkt. Der Welt bleibt vieles unbekannt, von der Nachwelt wird das Bekannte vergessen, engherzige Mitlebende und anmaßliche Nachkömmlinge verdüstern und obliteriren vieljährige folgenreiche Bemühungen, bis zuletzt historisches Interesse, wenn es nicht gar unruhige Spätgierde zu nennen ist, mit der Anfrage nach Memorien, Lebensnotizen, Briefen und sonstigen Papierschnitzeln nicht enden kann.

Gedenken Sie Ihrer selbst, der Mitlebenden und der Folgewelt. Was Ihnen vielleicht nicht beliebt, möge dem Sohn zur Pflicht werden. Lassen Sie uns hinfort einiger Mittheilung genießen.

treu anhänglich

Weimar den 12. August 1827.

J. W. v. Goethe.


43/4.


An Aloys Hirt

Wenn man Freude an einem eigenen verlängerten, folgerechten Leben haben darf, so wird sie erst vollständig durch die Erfahrung, daß andern Zeitgenossen[6] das Gleiche zu Gute gekommen. Und zwar liegt hierin der beste Beweis, daß man sich nicht unwürdig und umsonst bestrebt; deshalb wird man sich am liebsten des wechselseitig Gelungenen erfreuen.

Nun erinnert mich das übersendete Werk auf's angenehmste an gemeinsamen Eintritt in das Kunstgebiet; es gibt Zeugniß von fortwährendem parallelen Handeln und Bemühn, von convergirendem und begleitendem Thun und Wirken.

Auch gibt Ihre werthe Sendung für den Augenblick architektonischer Betrachtung des Alterthums einen neuen Schwung, indem ich manchen Abend mit unserm Ober-Baudirector Herrn Coudray Tafeln und Erklärungen durchgehe und wir ein lebendiges Anschauen in der Erinnerung wieder aufzufrischen geschäftig sind.

Läugnen will ich jedoch nicht, daß bey dem abzustattenden lebhaften Dank ein Bedauern sich anfügt, daß man nicht wenigstens von Zeit zu Zeit, durch persönlichen Umgang und einiges Zusammenleben, im fortschreitenden Gange theilnehmend sich ermuntern könne, da man es jetzt schon als höchstes Glück schätzen muß, wenn man sich an den Resultaten erbaut und noch spät daraus einen bedeutenden Nutzen zieht.

Danckbar, treu verbunden

Weimar d. 12. August 1827.

J. W. v. Goethe.[7]


43/5.


An den Großherzog Carl August

[Concept.]

Weimar den 13. August 1827.

Schon als, nach erhaltenem gnädigsten Rescripte vom 3. April dieses Jahrs, submissest Unterzeichneter das dadurch bewiesene höchste Vertrauen verehrend anerkannte, überfiel ihn jedoch sogleich der Zweifel, ob in so hohen Jahren, bey verminderten Kräften, wiederkehrenden körperlichen Übeln und zugleich mannichfaltigen Obliegenheiten es möglich seyn sollte, einem so bedeutenden Geschäfte vorzustehen. Demungeachtet hielt er für Pflicht, seine bis an's Lebensende Höchst Denenselben gewidmete Thätigkeit vorerst auch an dieser Sache zu prüfen und, wie zu Aufklärung und Einleitung hierin allenfalls zu verfahren sey? vorläufig zu erforschen.

Was nun in diesem Sinne vorzunehmen räthlich erachtet worden, ist in beiden angeschlossenen Acten-Fascikeln niedergelegt, woraus Höchst Dieselben sich geneigtest vortragen zu lassen geruhen, auf welche Weise man den Zustand des Geschäfts zu erforschen und zu erhellen getrachtet, auch nach welchen Mitteln und Einleitungen man sich umgesehen, um zu einem erwünschten Zwecke zu gelangen.

Hierüber wüßte nun der devotest Unterzeichnete gegenwärtig nichts hinzuzufügen, alles höchster Prüfung schuldigst unterwerfend. Für ihn ist jedoch persönlich[8] das Resultat auf's stärkste hervorgegangen, daß seine Kräfte nicht hinreichend, eine Aufgabe, welche den frischesten literarisch-praktischen Arbeitsmann genugsam beschäftigen würde, fernerhin zu lösen und durchzuführen, deshalb er denn mit dem Wunsche: sein bisheriges Benehmen möchte nicht ohne Beyfall angesehen werden, die unterthänigst-dringende Bitte hinzufügt: Höchst Dieselben möchten ihn von der Führung dieser Angelegenheit gnädigst dispensiren und ihm die Erlaubniß ertheilen, seine Thätigkeit [in] jenen Geschäften, welche ihm schon seit so vielen Jahren vertrauensvoll übertragen sind, im Verlauf der Tage die ihm noch gegönnt seyn sollten auch fernerhin treulichst zu erproben.

In tiefster Ehrfurcht pp.

Ew. Königlichen Hoheit


43/6.


An den KronprinzenFriedrich Wilhelm von Preußen

[Concept.]

Durchlauchtigster Kronprinz,

gnädigster Fürst und Herr.

Ew. Königlichen Hoheit wünschte mit wenigen gediegenen Worten schuldigst ausdrücken zu können, welche Freude mir die unvergleichlich schöne Gabe gewährt hat. Wenn ich jedoch, wie dieses zu bewirken seyn möchte, mir überlege: so kommt mir einerseits die[9] Überzeugung zu Hülfe, daß Höchst Dieselben im Absenden selbst empfunden, wie sehr ich bey'm Empfang, bey'm Eröffnen beglückt seyn würde; dann aber sey mir vergönnt, jenes gläsernen Schreiens zu gedenken, welchem Ew. Königliche Hoheit selbst einige günstige Blicke zugewendet. Die Mannichfaltigkeit der darin aufgestellten Erzbildchen erinnert mich, indem sie meinen Kunst- und Sammlersinn gradweise befriedigt, an die verschiedenen Epochen meines Lebens, und es ist keines derselben, bey dem ich mir nicht die Gelegenheit, den Zufall, die Umstände zu vergegenwärtigen wüßte, die mir freundlich dazu verholfen. Am liebsten aber gedenke ich dabey des Gebers, dessen entschiedene Gunst ich daran erkenne, daß er etwas mich vorzüglich Ansprechendes mitfühlend mir zueignen wollte.

Diese Wirkung hat aber die bildende Kunst überhaupt, daß sie uns unmittelbar in die Zustände, die Gesinnungen, Empfindungen, Fähigkeiten und Fertigkeiten der Weltepoche versetzt, worin das Product entstanden. Höhe und Tiefe, Freymuth und Beschränktheit, Edelsinn und Kleinheit Ehrfurcht und Frechheit und was nicht alles sprechen sich augenblicklich, laut und deutlich zu uns aus und machen uns unwiderstehlich zu ihren Zeitgenossen.

Wenn jedoch Vorstehendes nicht ganz zusammenhängend und folgerecht erscheint, so möge die Entfernung deshalb angeklagt werden, welche da, wo wir uns[10] ernstlich und herzlich auszudrücken wünschten, ein Hinderniß bleibt, die Mitglieder, die Hülfsglieder unserer Gedanken, die sich in Gegenwart so flüchtig wie Blitze wechselseitig entwickeln und durchweben, nicht in augenblicklicher Verknüpfung und Verbindung vorführen und vortragen zu können.

Wollte ich jedoch alles dasjenige, was mir bey Empfang jenes verehrten Geschenks in den Sinn gekommen, in einigem Zusammenhang ausdrücken, so müßte ich zu einer stillern Fassung, zu einer reineren Haltung gelangen als mir in diesen Tagen möglich war und ist. Sey deshalb dieses Blatt, wie es liegt, abgesendet in dem sichern Vertrauen, daß die gütige Hand, unter deren Bezeichnung ich das Geschenk unmittelbar empfangen, auch Gegenwärtiges geneigt aufnehmen und der Geist, der mir soviel Wohlwollen erzeigt, auch Entschuldigung für den schwachen Ausdruck finden möge.

In unverbrüchlicher Treue und Verehrung.

Weimar am 14. Aug. 1827.


43/7.


An Johann Jacob Otto August Rühlevon Lilienstern

[Concept.]

[14. August 1827.]

Wenn in so vielen Fächern, besonders im geschichtlichen, die Materialien sich anhäufen, auch dieselben[11] zu überschauen und zu ordnen sich einzelne glückliche Ansichten hervorthun, so bleibt doch beides dem Freunde des Wissens und der Wissenschaft, besonders in höheren Jahren, nicht immer zugänglich. Großer Dank gebührt daher dem Zusammenfassenden und Zurechtstellenden, und diesen habe ich gegenwärtig Ew. Hochwohlgeboren abzutragen.

Durch das mir geneigt übersendete Werk, so Text als Tafeln, gelange ich erst zur Einsicht in die Schwierigkeiten, welche mich bisher von der Theilnahme am ägyptischen Alterthum abhielten. Ich erfreue mich, nun aufmerksamer geworden zu seyn auf die für die Geschichte so nöthige Landesabtheilung, auf gleichzeitige Ereignisse so wie auf vor- und nachzeitige, auf innere schaffende und zerstörende Begebenheiten, auf Wirkungen nach außen und von außen her. Dieses alles durch einen klaren Vortrag erlangt zu haben, ist mir besonders dankenswerth, da weder Kunst noch Natur mich eine lange Reihe von Jahren her sonderlich veranlaßten, meine Aufmerksamkeit nach Ägypten zu wenden, einem allzuernsten Lande, welches die wunderlichsten Bild- und Schriftzüge für ewig zu versiegeln schienen.

Nach dem Bewußtseyn eines mühseligen Studiums werden Sie selbst am besten zu schätzen wissen, welche Erleichterung wir Ihnen schuldig geworden; sie wird um so bedeutender, als die Fortwirkung von dorther und dahin uns immer einzeln wieder einmal in der[12] Weltgeschichte beunruhigte und die Kenntniß des Zusammenhangs wünschenswerth machte dessen, was wir nur gelegentlich erfuhren.

Ich müßte mich weiter als billig ausbreiten, wenn ich fortfahren wollte, im Besondern anzuerkennen, wie sehr ich Ihrer Arbeit im Allgemeinen Kenntniß und Übersicht schuldig geworden. Sie haben, ich darf es wohl gestehen, meine Abneigung gegen jenes wüste Todtenreich wo nicht besiegt, doch gemildert; ich mag an Ihrer Hand gern durch jene gränzenlose Trümmer gehn, welche wieder herzustellen die mächtigst wirkende Einbildungskraft zu schwach seyn möchte. Ich erfreue mich, daß Sie meiner sich wieder erinnern und sich überzeugen wollen, daß ich auch an diese Fortschritten unsrer Zeit den freudigsten Antheil nehme.

d. 12. Aug. 1827.


43/8.


An Christian Gottfried Daniel Neesvon Esenbeck

[Concept.]

[13.(?) August 1827.]

Die durch Serenissimi lange Abwesenheit verspätete Ausfertigung der Decoration für Herrn Blume wird nun aus der Ordens-Canzley an Dieselben gelangt seyn. Ich hoffe, daß durch dieses Zaudern der Werth der Gabe sich für den wackern Mann nicht soll vermindern haben.

Genau bestehen, trägt diese Retardation auch die Schuld meiner stockenden Correspondenz und ich beeile[13] mich nun, die schönen Aufsätze über die Fliegenverstäubung und deren Folgen im Trocknen und Feuchten anbey zurückzusenden. Mannichfaltige Arbeiten anderer Art und sonstige Ablenkung hindern mich, meine Blicke nach der hehre heiligen Natur unmittelbar hinzuwenden. Ein morphologisches Heft darf ich nicht hoffen sobald herauszugeben; wollten Sie daher diese schönen Aufsätze in den Arten oder sonst zu Tage fördern, würden Sie mich und gewiß auch andere erfreuen.

An Herrn Müller, der wohl derselbe ist, welcher mir sein Buch: [Zur vergleichenden Physiologie des Gesichtssinnes des Menschen und der Thiere] übersendete, haben wir einen treu – fleißigen Mitarbeiter in den köstlichen Fächern; grüßen Sie ihn und danken zum schönsten. Freylich muß man sich in die jungen Leute zu finden wissen. Von seinen chromatischen Aufsätzen sagt er: sie seyen in meinem Sinne gedacht und geschrieben; ich möchte lieber sagen: durch meine Arbeiten angeregt. Denn auch bey ihm zeigt sich die Eigenheit deutscher Individuen, von irgend einem gebahnten Wege abzuweichen, anstatt sich des dargebotenen Vortheils zu bedienen und die Angelegenheit schneller in's Praktische zu führen....[14]


43/9.


An Carl Friedrich Zelter

Nicht einen Augenblick säum ich zu melden, daß der willkommenste Gast im Bilde glücklich angelangt ist und große Freude gebracht hat, aber für jetzt nur mir allein, denn er wird bis zum 28. secretirt und alsdann ehrenvoll ausgestellt.

Vor allem aber Dank dem Künstler, welcher in dem würdigen Freund zugleich den aufmerkenden und dirigirenden Meister wahrhaft und kunstreich überlieferte. Dank und Segen.

treu freudig

Der Deine

Weimar den 14. August 1827.

Goethe.


Fortsetzung.

So eben als ich siegeln will, kommt Herr La Roche und bringt mir Gruß, Brief und Paquet. Deshalb ist nothwendig noch einiges hinzuzufügen.

Zuvörderst also der Dank für die Silbermünzen, welche um desto willkommener sind als gerade in diesen Tagen ein ganz neuer, wohlüberdachter Münzschrank angekommen ist, wo sie denn, an Ort und Stelle rangirt, gleich einen doppelten und dreyfachen Werth gewinnen.

Des guten Rösels zwiefache Sendung ist freylich bey mir angekommen, der Dank aber bey meiner[15] gränzenlosen Expeditionsnoth, obgleich wohl empfunden, doch leider zurückgeblieben. Hält er, wie du sagst, fest im Glauben und sendet einiges zum Geburtstage, so nehm ich davon Veranlassung, ihm ein paar Medaillen zu schicken und ein freundliches Wort zu sagen.

Unser La Roche kann mit seinem Berliner Aufenthalt sehr wohl zufrieden seyn; auch deine Worte über ihn werden, wenn ich sie mittheile, ihm und seinen hiesigen Gönnern große Freude machen. Dein Bild hab ich wieder zugenagelt, es hat es außer mir niemand gesehen; indem ich dir für deinen persönlichen liebevollen Gedulds-Antheil daran herzlich danke, muß ich gestehen: daß ich es sehr brav und tüchtig finde; es wird schwerlich eine solche Übereinstimmung zwischen Gestalt und Sinn, zwischen Bewegung und Bedeutung, zwischen Absicht und Ausführung so bald wieder gefunden werden. Herr Begas, der mir bisher ein bloßer Name war, ist mir nun erst ganz eigentlich zu einem mitlebenden vorzüglichen Künstler geworden. Danke ihm vorläufig zum besten.

Ich läugne nicht, daß es mich manchmal peinigt, in den Jahren, wo man etwas zu verstehen anfängt, von einer nur wenig entfernten Mitwelt ausgeschlossen zu seyn und mich mit Namen, historischen Daten und Relationen begnügen zu müssen. Indessen habe den besten Dank für deine Theaterandeutungen; da ich auf diesen Sinnengenuß Verzicht thue, so ist es mir dagegen[16] wahrhaft wohlthätig, wenn man mir dergleichen vor den Verstand, zur innern Anschauung bringt.

Das Kärtchen an Herrn Mendelssohn-Bartholdy besorgst du gefällig; nächster Tage schreibe ich ihm ausführlicher, so wie ich manches Andere in diesem Monat zu vollbringen hoffe, worunter einiges dir künftighin Freude machen soll.

wie oben und überall

Weimar den 14. August 1827.

G.


43/10.


An Abraham Mendelssohn-Bartholdy

[Concept.]

[14. August 1827.]

Herrn Mendelssohn-Bartholdy, Stadtrath, wünsche benachrichtigt, daß den Weimarischen Kunstfreunden die Katalogen der bedeutenden Antikensammlung zugekommen, nicht weniger , daß ein Durchreisender mehrere Zeichnungen darauf bezüglich übergeben und dadurch das Interesse an derselben um ein Großes vermehrt hat.


43/11.


An Johann Heinrich Meyer

Ich erbitte mir den Bartholdischen Katalog; heute sind mir sehr schöne darauf bezügliche Zeichnungen in's Haus gekommen, welche mit dem Verzeichniß zu vergleichen ungeduldig bin. Morgen hoff ich Sie, mein Theuerster, damit zu regaliren.

Weimar den 14. August 1827.

G.[17]


43/12.


An Adolf Friedrich Carl Streckfuß

[Concept.]

In der Überzeugung, daß Ew. Hochwohlgeboren das neue Werk unseres Freundes vor allen anderen Lesern genießen und schätzen würden, übersendete ich den ersten Band. Es ist gewiß eine merkwürdige originale Production; der Verfasser hat seine ganze Jugendliebe an der Localität nachempfunden und diese mir auch wieder vorgeführt; die Persönlichkeiten sind wahr und deshalb einzig hervortretend; auch die Fabel ist sehr glücklich. Was brauch ich deshalb mehr zu sagen, da Sie das alles selbst vollkommen wissen.

Daß Ihre Geschäfte Sie abhalten, eine Übersetzung zu unternehmen, die wie mit Liebe, so mit Fassung gearbeitet werden müßte, sehe ich wohl ein. Haben Sie einen jungen Mann gefunden, dem Sie die Arbeit anvertrauen und freundliche Anleitung gönnen mögen, so ist es sehr schön. Man könnte sich hiezu des dortigen Exemplars bedienen; sobald ich diesen Band zurückerhalte, sende den zweyten, welcher gleich verdienstlich ist; doch gegen das Ende desselben macht sich eine Bemerkung nöthig, welche noch bedeutender für den dritten gilt. Hier muß der Übersetzer zum Redacteur werden und ein freylich schon bedenklicheres Geschäft übernehmen.

[18] Wir kennen schon aus den seinen Trauerspielen beygefügten Abhandlungen die historische Tendenz des Dichters; diese wird im Laufe des Romans immer sichtbarer, und im dritten Theile hat den werthen Mann der Stoff so überwältigt, daß er dadurch ganz formlos wird und uns die Freude an seiner Arbeit verdirbt. Darüber mehr, sobald es nöthig wird; doch ist es gut, vorläufig davon unterrichtet zu seyn.

Weimar den 14. August 1827.


Die Übersetzung des Adelchi hat uns bey freundschaftlichen Abendunterhaltungen viel Freude gemacht; es ist sehr angenehm auch in der Muttersprache zu vernehmen, wie ein so zartes Gemüth sich in einem heroischen Kreise bewegt und Situationen aufspürt die so wahr als kräftig sind. Das für den Autor bestimmte Exemplar ist dieser Tage mit der Frommannischen Ausgabe nach Mailand abgegangen.

Übrigens wehren sich über den Alpen wie über dem Rhein die jungen Talente gegen den Classicismus. Ich erhalte besonders von Süden die wunderlichsten Productionen, die ich nicht mittheilen mag, weil sie unerfreulich sind. Es ist wie bey uns Deutschen immer das willkürliche Subject, das sich gegen Object und Gesetz wehrt und sich einbildet, dadurch etwas zu werden und wohin zu gelangen. Die Franzosen machen es schon besser, denn ihre praktische Natur treibt sie immer wieder in's Wirkliche; und wenn sie auch das[19] Gesetz nicht anerkennen, so halten sie doch auf Regel und damit kommen sie weit. Verzeihung dieser Interjection, welche eigentlich eines großen Commentars bedürfte.


43/13.


An Julius J. Elkan

[Concept.]

Herr Banquier Elkan wird hiedurch höflichst ersucht, an Herrn Mahler und Kunsthändler C. G. Börner in Leipzig die Summe von 33 rh. auszahlen zu lassen, die Erstattung folgt sogleich.

Weimar den 15. August 1827.


43/14.


An Carl Gustav Börner

Unterzeichneter sendet in beygehender Kiste, einballirt in grauer Leinwand, signirt H. C. G. B. Leipzig, an Herrn Kunstmahler Börner in Leipzig Kupfertische zurück, an Werth 30 rh.

Weimar den 16. August 1827.

J. W. v. Goethe.


43/15.


An Wilhelm Reichel

Euer Wohlgeboren

die Ankunft der unter dem 12. August von dort unter Kreuzband abgegangenen Sendung hiedurch dankbar anzeigend, verfehle ich nicht zu melden, daß in dem[20] X. Band folgende Stücke abgedruckt werden und zwar in der Ordnung, wie sie hier folgen:

Elpenor

Clavigo

Stella

Claudine

Erwin.

Was bey dem IV. Bande zu bemerken war und der Octav-Ausgabe zu Gute kommen wird, erfolgt nächstens. Wie ich denn auch zu erfahren wünschte, wie weit der Abdruck der größeren Ausgabe gelangt ist.

Mich und die Angelegenheit zu fortwährender geneigter Theilnahme bestens empfehlend.

ergebenst

Weimar den 17. August 1827.

J. W. v. Goethe.


43/16.


An Carl Gustav Carus

Es ist für ein großes Glück zu achten, wenn wir das alte Wort auf uns anwenden können: Was man in der Jugend wünscht, hat man ein im Alter genug. In vielen Fächern ist mir das gute Geschick geworden, besonders auch in diesem, welches Ew. Wohlgeboren mit soviel vorzüglichem Talent bearbeiten.

Mit sehr angenehmen Gefühl erinnere ich mich der achtziger Jahre, als die vergleichende Zergliederung mir das höchste Interesse und die Überzeugung einflößte,[21] daß nur auf solchem Wege Einsicht in die lebende, ja in alle Natur, wie sie auch erscheinen möchte, zu erwerben sey. Camper hatte mächtig gewirkt; ich stand kurz vor seinem Ableben mit ihm in einigem Verhältniß; Sömmerrings rasche Thätigkeit berührte mich mehr; Merck war auch in dieser Liebhaberey mein Geleitsmann. Und so darf ich mich meiner treuen, wenn auch unzulänglichen Bemühungen gern erinnern, jene Epoche mir klar und gegenwärtig denken, nach deren Verlauf ich das Geschäft in den besten Händen sah, um allmählich von der Mitwirkung abzulassen.

Welchen großen Gewinn aber bringen mir nicht jene Arbeiten, da sie mich zur Theilnahme alles dessen was in der Wissenschaft gefördert wird aufrufen, mich befähigen, solche zu prüfen, zu schätzen und mir zuzueignen; besonders mich an allem dem, was Ew. Wohlgeboren durch Meisterhand fördern und ausbilden, zu erquicken und zu beleben.

Höchst erwünscht erschien mir so Ihr zweytes Heft, indem es eine wissenschaftliche Augensalbe enthält, die mich klarer und frischer in die Thierwelt hineinsehen macht, nachdem ich dieses Frühjahr und Sommer über veranlaßt worden, auf das ewige Bilden und Umbilden der Pflanzenwelt meine Aufmerksamkeit zu erneuen.

Auch muß ich noch hinzufügen, daß ich durch neue und erneute Verhältnisse zu Graf Sternberg, Cuvier, Sömmerring in die organische Reste der[22] Vorzeit wieder aufmerksam hineinzusehen gedrängt ward, da mich denn immer Ihre Lehre von den Urerscheinungen begleitete. Faßt man sie recht, so wird uns mit dem Begriff ein stilles heimliches Anschauen des Werdens und Steigerns, Entstehens und Entwickelns immer zugänglicher und lieber.

Persönliche Gegenwart und eine freylich nicht vorübergehende Unterhaltung über diese Gegenstände würde mich schneller dahin führen, wohin zu gelangen kaum hoffen darf. Indessen geschieht ja das viele Gute, Treffliche, wenn ich es auch nicht in seinem ganzen Umfange mir zueignen kann.

Mit dem eifrigsten Wünschen eines fortdauernden Gelingens.

treu theilnehmend

Weimar d. 16. August 1827.

J. W. v. Goethe.


43/17.


An Friedrich Theodor von Müller

Da man in Berlin sich sehr für den italiänischen Roman interessirt, auch Anstalt zu einer Übersetzung macht; so darf ich mir wohl den zweyten Theil ausbitten, den man freylich auch haben muß, um sich für den ersten in die echte Stimmung zu versetzen.

gehorsamst

Weimar den 16. August 1827.

J. W. v. Goethe.[23]


43/18.


An Carl Gustav Börner

[Concept.]

Die Kiste mit den zurückkehrenden Zeichnungen und Gemählden ist sorgfältig gepackt an Sie zurückgegangen und wird hoffentlich glücklich ankommen. Ich hätte diese Kunstgegenstände früher zurückgeschickt, hätt ich nicht die Hoffnung gehegt, einige bisher abwesende Freunde für dieselben zu interessiren, welches mir jedoch nicht gelingen wollen. Wegen des mir mitgetheilten wichtigen Katalogs kann ich nur soviel sagen, daß ich gegenwärtig nicht gerade in dem Falle bin, einen bedeutenden Aufwand für solche Gegenstände zu machen. Die Gemählde sind weder für mich noch für die Liebhaber in meiner Nähe Gegenstände, worauf man reflectiren könnte. Auf Zeichnungen würde ich allenfalls einiges verwenden, z.B. auf

S. 136 Nr. 178 Joh. Phil. Hackert

– 149-403 Franz Schütz

– 168-745 Wenn auch nicht von diesem Meister, doch gut;

weshalb ich Ihnen überlassen würde, diese Blätter um einen billigen Preis zu erstehen. Wollten Sie jedoch als einsichtiger Kenner mir von andern vorzüglichen Blättern Notiz geben und ohngefähr den Preis andeuten, wofür sie wahrscheinlich zu erhalten wären, so würde mich vielleicht zu einiger Anschaffung entschließen. Aus denen von mir bisher ausgewählten[24] Zeichnungen werden Sie leicht beurtheilen, wohin meine Neigung geht.

Das Beste wünschend und nur bedauernd, daß ich diese kostbare Sammlung [nicht,] noch ehe sie zerstreut wird, an Ihrer Seite und unter Ihrer Anleitung betrachten kann.

Weimar den 17. August 1827.


43/19.


An Georg Wilhelm Friedrich Hegel

Mit aufrichtigem Dankgefühl für den Antheil den Sie an dem Schicksal Schubarths nehmen habe ich diesen vorzüglichen, obgleich durch gewisse Eigenheiten verkürzten Mann hievon benachrichtigt. Wie dankbereit und willig er sich finden läßt, von der ihm zugewendeten Gunst Gebrauch zu machen, geht aus beyliegendem Briefe hervor.

Inwiefern nun die von demselben geäußerten Wünsche zu erfüllen räthlich seyn möchte, überlasse geneigter Beurtheilung, indem ich deshalb um einige gefällige Weisung bitte. Die bisherige Verzögerung wird zugleich dadurch erklärt und, ich hoffe, entschuldigt. Haben Sie die Gefälligkeit, die für ihn eingeleitete geneigte Gesinnung auch fernerhin zu erhalten. Er ist einer von den jüngeren Männern, die ich noch gern in das bürgerliche Tagesleben eingeführt zu sehen wünsche.

[25] Ihre literarischen Blätter lese ich mit großem Antheil, ob ich gleich, wie Sie, meine Gesinnungen und Ansichten kennend, sich leicht vorstellen werden, hie und da den Kopf schüttelte. Diese gerühmte Heautognosie sehen wir schon seit geraumer Zeit nur auf Selbstqual und Selbstvernichtung hinauslaufen, ohne daß auch nur der mindeste praktische Lebensvortheil daraus hervorgegangen wäre.

Die Weimarischen Literatur- und Kunstfreunde bereiten einiges, das ich früher oder später um so mehr mitzutheilen Ursach habe, als bey überhäuften Arbeiten das nächste Stück von Kunst und Alterthum länger als gewöhnlich zaudern wird.

Von Herrn v. Henning wünschte wohl wieder einmal etwas Gefördertes und Förderndes zu vernehmen. Ganz eigen aber bin ich in diesen Tagen durch einige Ihrer und seiner Schüler erfreut worden. In Jever, der Ultima Thule, hat sich eine Gesellschaft junger Männer sehr glücklich meiner Farbenlehre bemächtigt, die wegen einiger Zweifel und Anstöße bey mir anzufragen den Entschluß faßten. Leider darf ich mich jetzt in jenes geliebte Fach nicht wagen und konnte deshalb nur im Allgemeinsten antworten und auf Weg und Stege deuten.

Erfreuen Sie mich bald mit eigner Arbeit; ich halte meinen Sinn möglichst offen für die Gaben des Philosophen und freue mich jedesmal, wenn ich mir zueignen kann, was auf eine Weise erforscht[26] wird, welche die Natur mir nicht hat zugestehen wollen.

In treuster Theilnahme

ergebenst

Weimar d. 17. Aug. 1827.

J. W. v. Goethe.


43/20.


An Carl Friedrich Zelter

Die Schlegelischen Vorlesung, wie sie im Auszuge bey mir anlangen, sind alles Dankes werth; man recapitulirt mit einem verständigen unterrichteten Mann dasjenige, woran man sich selbst heraufgebildet hat und woran man glücklich mit heranlebte. Das jüngere Publicum besonders kann gar wohl damit zufrieden seyn, wenn es die nächste Vorzeit vernünftig anzusehen Lust hat. Er ist seine guten 60 Jahr alt und weiß die Mühe zu schätzen, die es ihm und andern gekostet hat auf diesen Punct zu gelangen.

Hie und da müßte man derber aufstoßen, wenn das Ey stehen sollte. Auch sind in der Geschichte der Kunst zwey Betrachtungen nie außer Augen zu lassen: 1) daß alle Anfänge nicht kindlich und kindisch genug angesehen werden können, und 2) daß in der Folge die Wircklichkeitsforderung immer mit Sinn und Geschmack im Streit liegt.

Du erwähntest neulich der Basreliefe; ihre Entstehung ist ganz einfach: Ein Bild soll nicht allein[27] durch Linien begränzt, sondern auch auf irgend eine Weise vom Grund ab- und dem Auge entgegengehoben werden. Zeichnet man eine Figur auf roth zu brennenden Thon, so füllt man das Körperliche mit schwarzer Farbe aus; umreißt man eine Figur mit dem Griffel auf weichen Thon, so nimmt man den Grund weg. Auf diesem Wege sind sie ältesten noch übrigen Basreliefen entstanden. Das war nicht genug, man färbte den Grund sowohl hinter Figuren als Zierrathen, wie uns die neuesten Entdeckungen an den Tempeln von Selinunt Zeugniß geben.

Vorstehende, sogleich bey Lesung der ersten Schlegelischen Blättern in dem Berliner Conversationsblatte mir zugegangene Bemerkungen sollten nach weiteren Vorschritten fortgesetzt werden; da mich aber der Tag schon unterbricht und fortreißt, so mag das Blatt lieber alsogleich seinen Weg zu dir antreten.

Die Gegenwart deines Bildnisses hat mir so wohl gethan, daß ich nunmehr den 28. August ungeduldig erwarte, um es wieder eröffnen zu können. Einige in dieser Zeit darüber gehegte Betrachtungen werden auch dir und dem wackern Künstlern willkommen seyn.

Gruß und Dank!

Weimar den 17. August 1827.

Goethe.[28]


43/21.


An Marianne von Willemer

[Concept.]

[18. August 1827.]

Eben war ich im Begriff, mich den Freunden wieder einmal vorzustellen, als Ihre stachlich-süße Gabe bey mir einlangt. Ich wollte Ihren Zögling und Günstling anklagen. Das liebe Wesen verschwand auf einmal aus der Berliner Zeitung, und hier wurden die Passanten- und Gastwirthsberichte Morgens und Abends treulich durchgesehen, um sie ja nicht vorbey zu lassen. Es war aber nichts von ihr zu hören noch zu sehen und ich muß vermuthen, daß sie durch einen andern Weg nach Cassel gelangt sey.

Eberweins waren glücklicher sie anzutreffen; ich danke schönstens für so gute Aufnahme dieses werthen und verdienten Paars. Hat der Gesang einer freylich nicht ganz mehr frischen Künstlerin einige anmuthige Erinnerung wecken können, so freut es mich herzlich; wenn ich von mancherley Obliegenheiten auszuruhen wünsche, so bin ich wenigstens im Gedanken fleißig auf der Mühle.

Die mir überschickten grünen Früchte gereichen mir dießmal nicht allein zum Genuß, sondern ich stolzire auch damit gegen meine Gäste, indem nicht allein mir, sondern fast allen Gemüsgärtnern dieß Erzeugniß heuer nicht gelingen wollen, so daß ich freundlichst noch um eine Sendung bitte.

[29] Sagen Sie mir doch, wie sich Freund Riese befindet; ich höre, er soll sehr unwohl gewesen seyn.

Mehr als jemals fühle ich in diesen Tagen und Stunden, wie höchst wünschenswerth es wäre, geprüfte Freunde, und wär es nur auf kurze Zeit, wiederzusehen. So vieles Vorübergehende macht das Dauernde immer werther und werther. Gedenken Sie mein zu guter Stunde.

D. 17. Aug. 1827.


43/22.


An Johann Jacob Lechner

[Concept.]

Ew. Wohlgeboren

vermelde hiemit schuldigst, daß die Platte von florentinischen Marmor glücklich angekommen und der dafür angerechnete Ertrag von 8 fl. 24 Kr. mit der fahrenden Post nächstens erfolgen soll, worüber ich mir Quittung und zugleich einige Nachricht erbitte, inwiefern von der Seite 10 gemeldeten Forderung für die sämmtlichen Majolikagefäße noch ein Rabatt zugestanden werde. Melden Sie mir Ihren letzten Preis, damit ich den Entschluß eines allenfallsigen Liebhabers sogleich befördern könne. Wegen anderer in gedachtem Katalog angebotener Stücke würde sich vielleicht in der Folge auch einige Übereinkunft treffen lassen.

Der ich zu Ihrem bedeutenden Geschäft auch gute Gesundheit wünsche und mich theilnehmend unterzeichne.

d. 18. Aug.[30]


43/23.


An Johann Carl Gottfried Wagner

[Concept.]

Ew. Wohlgeboren!

Hier beykommendes Zeichen höchster landesherrlicher Anerkennung Ihrer mannichfaltigen Verdienste wird Ihnen gewiß zu besonderem Vergnügen und zu freudiger Aufmunterung in so vielfacher Thätigkeit gereichen. Mir aber gibt es die erwünschte Gelegenheit, auch meinerseits auszusprechen: wie gern ich an allem Theil nehme, was in sittlich-religiös-literarischer Hinsicht in den Großherzoglichen Landen auch durch Ew. Wohlgeboren geschehen und geschieht. Wie ich denn hiernach alles Heil und Glück für die Zukunft Wünsche und mich zu geneigtem Andenken bestens empfehle.

Weimar den 18. August 1827.


43/24.


An Carl Emil Helbig?

Ew. Hochwohlgeboren

bin auf das angenehmste verpflichtet für gefällige Einleitung, daß die von unserm gnädigsten Herrn dem Buchhändler Wagner zu Neustadt an der Orla gegönnte Auszeichnung durch mich an denselben gelangen solle. Einem verdienten Mann im Staate[31] freundlich Glück wünschen zu können ist ein erfreulicher Auftrag.

In Vorzüglichster Hochachtung mich unterzeichnend

Ew. Hochwohlgeb.

ganz gehorsamsten

Diener

Weimar den 18. August 1827.

J. W. v. Goethe.


43/25.


An Adolf Friedrich Carl Streckfuß

[Concept.]

Ew. Hochwohlgeboren

bemerken geneigt in Bezug auf Manzoni's Roman das Folgende:

In der französischen Zeitschrift: Le Globe, Tom. V, Nr. 49 steht eine Anzeige der Promessi Sposi, entlehnt aus der Mailänder Zeitung. In dem neusten Blatte Nr. 56 findet sich ein Auszug, theils als Relation, theils als Übersetzung, wovon ich den Eingang hier abschriftlich mittheile. Diese höchst zarte Ansicht und Bemerkung wird unserm deutschen Übersetzer gewiß zu Gute kommen; auch wünsche, da der Globe in Berlin wohl nicht fehlen wird, daß Sie und der junge Mann die ofterwähnten Stücke durchsehen. Sie dienen vorzüglich, den Sinn für's Ganze theils auszuschließen, theils unsere Theilnahme, unsern Beyfall zu bestätigen und zu beleben.

[32] Indem ich nun aber dieses überdenke, so geht mir auf, daß der Übersetzer, um sich von seinem Geschäft vollkommen zu penetriren, nothwendig den zweyten Theil müsse gelesen haben, deshalb werde ich ihn mit der fahrenden Post zusenden. Hiezu werde ich aber vorzüglich dadurch angeregt, daß Ew. Hochwohlgeboren mir melden, der erste Band sey in den Händen Ihrer verehrten Kronprinzessin. Nun muß bey Höchst Derselben nothwendig der Wunsch entstehen, dieses wichtige Werk ferner zu kennen.

Sollte bey Vorlegung desselben schicklich seyn, auch meiner Devotion und Anhänglichkeit zu gedenken, so würde mich glücklich fühlen.

Hinderten nicht die wachsenden Jahre und so manche zudringende Obliegenheiten, so thät ich gern an diesem Werke was ich für Cellini gethan habe. Möge, da Ew. Hochwohlgeboren das Geschäft gleichfalls ablehnen, es einem Jüngern glücken.

Noch manches andere bedeutende neue Interesse hat mich indessen angefaßt, wovon jedoch eine schriftliche Mittheilung zu weit führen würde.

Mit dem Wunsche eines frohen Lebens und glücklichen Gelingens.

Weimar den 18. August 1827.


[Beilage.]

Nous avons annoncé à nos lecteurs que nous leur donnerions la traduction de quelques morceaux[33] du roman de Manzoni. Nous allons essayer de leur tenir parole; mais ce n'est point sans quelque crainte. Manzoni n'est pas comme Walter Scott; on ne peut pas le traduire sans lui faire beaucoup perdre. Toutes ses compositions sont revêtues d'une certaine fleur de style qui lui est propre, qu'il tire de son âme, et dont il empreint naturellement la forme sous laquelle lui vient sa pensée, mais qu'on ne peut lui prendre, et transporter dans une expression qui n'est pas la sienne et que n'a pas animée son sentiment. On a beau faire, on voit toujours que son âme n'a pas passé par là, et qu'il y manque tout ce qu'elle y aurait mis de génie, d'art et de soin. On ne peut prendre son idée, pour la traduire, qu'à l'extérieur, et dans le mouvement physique qui l'exprime, tandis que lui il l'a puisée à la source, et la répand pure et vive dans le discours qui la produit: le discours en est plus pénétré d'esprit, de vie intime et de vérité; il en est d'autant plus difficile à traduire. Nous avions besoin d'indiquer ces réflexions, qui du reste mériteraient développement, avant de donner à nos lecteurs les extraits que nous leur avons promis. Celui que nous leur offrons aujourd'hui est la conversion de l'Inconnu.

Hiebey bemerke nur daß ich nicht billigen kann, wenn die Herrn vom Globe den Innominato mit l'Inconnu übersetzen; ich weiß nicht, warum sie dem[34] ganz eigentlich correspondirenden Wort l'Anonyme ausgewichen sind; der Deutsche wird auf alle Fälle: der Ungenannte zu setzen haben.


43/26.


An Abraham Mendelssohn-Bartholdy

[Concept.]

[18. (?) August 1827.]

Ew. Wohlgeboren

danke verpflichtet für den mir übersendeten bedeutenden Katalog, bey dessen Durchsicht ich nur schmerzlich empfunden habe, daß der werthe und verdiente Sammler sich eines so edlen Besitzes nicht länger erfreuen können.

Allerdings würde dieses Museum, an und für sich aufgestellt, überall Ehre machen und, eingeschaltet in größere Sammlungen dieser Art, zu entschiedener Bereicherung dienen. Da aber ein solcher Ankauf im Ganzen kaum zu erwarten steht, so möge denn dieser Schatz, auch zerstreut, manchen Liebhaber ergötzen und belehren.

Das nächste Stück von Kunst und Alterthum kann wegen dringender Obliegenheiten nur später ausgegeben werden; indessen da bis zur Entscheidung dieses Geschäfts noch einige Zeit hingehen wird, so wünsche, daß eine anderweitige Anzeige desselben zum Nutzen und Vortheil desselben gereichen möge.

Einer solchen Erwähnung wird jedoch eine kurze, aber bestimmte Notiz von dem Leben und Wirken[35] eines so wackern Kenners und Beförderers der Kunst nothwendig beyzufügen seyn, womit ich mich also gefällig zu versehen bitte.

Nicht weniger wünsche von den literarischen Arbeiten des zu früh Hingeschiedenen unterrichtet zu seyn. Derselbige hat, wie ich vernommen, einiges über Kunst geschrieben und gewiß dadurch seine Einsicht in dieses Fach bethätigt. Auch kann für irgend eine Sammlung nichts ein besseres Zeugniß geben, als wenn sich beweis't, daß der Besitzer selbst Kenner gewesen und mit Geschmack und Sinn die Gelegenheiten genutzt habe, die ihm an Ort und Stelle in einer sonst glücklichen Lage hiebey günstig geworden.

Wollten Ew. Wohlgeboren mich hievon baldigst unterrichten, so ließ sich vielleicht ein Ausweg finden, Ihren Wünschen früher aus eine oder die andere Weise entgegen zu kommen.


43/27.


An Johann Christian Remde

[Concept.]

Bey meinen so mannichfaltigen Obliegenheiten ist es mir unmöglich, ein dramatisches Werk, besonders einen Operntext, mit gehöriger Aufmerksamkeit durchzulesen, um ein Urtheil darüber fällen zu können, besonders da ein der Musik gewidmetes Drama in doppelter Rücksicht zu betrachten ist. Daher sende,[36] dankbar für das gehegte Vertrauen, das Manuscript zurück, nebst der schönen Gabe, wozu ich auf jede Weise Glück wünsche.

Weimar den 21. August 1827.


43/28.


An Johann Heinrich Meyer

Ergäbe sich Gelegenheit, so sprechen Sie treulich aus: daß ich das heutige Fest im Stillen herzlich mitfeyre. Die Stammbücher bringen Sie mir morgen mit.

Das Beste!

W. d. 21. Aug. 1827.

G.


43/29.


An den Präsidenten von Brenn

Hochwohlgeborner,

insonders hochgeehrtester Herr.

Ew. Hochwohlgeboren haben den Mahler Schmeller bey seinem Aufenthalte in Merseburg auf eine so ausgezeichnete Weise begünstigt, daß er das ihm aufgetragene Geschäft nach Absicht und Wunsch unsers gnädigsten Herrn glücklich ausführen und dadurch feiner Geschicklichkeit sowohl, als der erwiesenen Geneigtheit Ehre machen können; deshalb ich denn nicht verfehle, im Namen seiner Königlichen Hoheit die lebhafteste Anerkennung auszudrücken, wie denn auch[37] von meiner Seite verbindlicher Dank nicht ermangeln darf, da Sie dem Künstler einige Stunden schenkten, um Ihr werthes Bildniß meiner Sammlung hinzufügen zu können.

Der ich, das Beste wünschend, mich des Herrn Grafen Henckel fernerem Wohlwollen zu empfehlen, auch solches bey sich geneigt zu erhalten bitte.

Ew. Hochwohlgeb.

ganz gehorsamster Diener

Weimar den 21. August 1827.

J. W. v. Goethe


43/30.


An Johann Heinrich Meyer

[Concept.]

Meines Erachtens würden alle solche Zudringlichkeiten in der Regel abgewiesen und nur in einem bedeutenden geprüften Falle gnädig ausgenommen. Dergleichen Anträge bedrohen unsere Herrschaften nächstkünftig zu Hunderten und ist deshalb wirklich mit Ernst und Vorsicht zu verfahren.

In Hoffnung, Sie baldigst zu sehen, bitte um gefällige Besorgung des Beykommenden.

Weimar den 22. August 1827.[38]


43/31.


An Alois Joseph Büssel

[Concept.]

[23. August 1827.]

Das Trauerspiel Winckelmanns Tod ist angekommen, auch darauf in Kunst und Alterthum hingedeutet worden....

Weimar den 15. August 1827.


43/32.


An Gustav Friedrich Constantin Parthey

Wollten Sie, mein Theurer, heute und die übrige Zeit Ihres Hierseyns an unserm Familientische Platz nehmen; so sind Sie herzlich eingeladen.

W. d. 25. Aug. 1827.

G.


43/33.


An Amalie von Levetzow

Sogleich nach Empfang Ihres lieben und liebenswürdigen Briefes, meine theuerste Freundin, bereite ich mich dafür zu dancken, da ich Sie noch in Carlsbad weis. Unvergeßlich gewiß sind die von Ihnen so lebhaft bezeichneten Tage! Die Anmuth jener Zustände war von der Art daß sie uns immer gegenwärtig bleiben müssen; wie die Sommertage eintreten wünsch ich sie jedesmal wiederhohlt und auch in der Zwischenzeit werden meine Gedancken und Erinnerungen[39] oft genug in Ihre Nähe geführt. Diesmal haben mich schon wiederkehrende Freunde von Ihrem Wohlbefinden unterrichtet, aber leider nur oberflächlich, nicht näher wie ich wünschte.

Gestehen will ich denn auch daß gerade diesen Sommer wo ich das Marienbader Gestein abermals durchsah und ordnete, mir jene schönen Stunden wieder auf's lebhafteste hervortraten, als die lieben Freundinnen sogar der starren Neigung des Bergkletterers und Steinklopfers freundlichst zulächelten und auch liebenswürdig auflachten wenn die duftenden, genießbaren Tafelförmigen Kristallisationen sich hie und da eingereihet fanden.

Unendlich hat es mich gefreut auch von Ulrikens lieber, zarter Hand einige Züge geneigten Erinnerns zu sehen. Wie glücklich waren die Stunden die ich an ihren holden Fingern abzählen durfte.

Die sonst so genannte liebe Kleine möcht ich nun auch herangewachsen, unter den Augen der guten Mutter ausgebildet sehen. Der neckischen Mittleren, der ich zu ihrem gegenwärtigen ernsten Zustand alles Glück wünsche bin ich noch zum Ehrentage etwas Freundliches schuldig das nicht ausbleiben wird.

Meine nachsichtigen Lieben nehmen mich ja wie ein, in Reifen geschloßnes Gefäß, ruht es auch im Finstern ganz im Stillen, so verbessert sich doch sein Inhalt. Möge es mir gelingen von Zeit zu Zeit hievon Beweise zu geben.

[40] Das mit Nahmen und Andencken so reich verzierte Glas steht mir immer zur Seite verwahrt, nur bey ganz besondern Gelegenheiten wird es hervorgenommen, und giebt mir jedezeit den erfreulichsten Anblick.

Wenn Sie den Ort verändern haben Sie die Güte mir es anzuzeigen.

Beygehendes glaube ich meinen Entfernten schuldig zu seyn.

treu angehörig

Weimar d. 29. Aug. 1827.

J. W. v. Goethe.


[Beilage.]

Ich erwartete mit Freuden meinen Geburtstag, wo sich werthe Freunde, wie mir wohl bekannt war, zu einem anmuthigen Fest herkömmlich bereiteten; aber es sollte mir eine Überraschung werden, die mich beynahe aus der Fassung gebracht hätte und doch immer eine Empfindung zurückließ, als wäre man einem solchen Ereigniß nicht gewachsen.

Des Königs von Bayern Majestät kamen den 27. August in der Nacht an, erklärten am folgenden Morgen, daß Sie ausdrücklich um dieses Tages willen hergekommen seyen, beehrten mich, als ich grad' im Kreise meiner Werthen und Lieben mich befand, mit Ihro höchster Gegenwart, übergaben mir das Großkreuz des Verdienstordens der Bayerischen Krone und erwiesen sich überhaupt so vollständig theilnehmend, bekannt mit meinem bisherigen Wesen, Thun und[41] Streben, daß ich es nicht dankbar genug bewundern und verehren konnte. Ihro Majestät gedachten meines Aufenthaltes zu Rom mit vertraulicher Annäherung, woran man denn freylich den daselbst eingebürgerten fürstlichen Kunstfreund ohne weiteres zu erkennen hatte. Was sonst noch zu sagen wäre, würde mehrere Seiten ausfüllen.

Die Gegenwart meines gnädigsten Herrn des Großherzogs gab einem so unerwarteten Zustand die gründlichste Vollendung, und jetzt, da die Erscheinung vorüber geflohen ist, habe ich mich wirklich erst zu erinnern, was und wie das alles vorgegangen und wie man eine solche Prüfung gehöriger hätte bestehen sollen. Was man aber nicht zweymal erleben kann, muß wohl so gut als möglich aus dem Stegreif durchgelebt werden. Die überbliebenen schönsten Gefühle und bedeutendsten Zeugnisse geben auf alle Fälle die Versicherung daß es kein Traum gewesen.

W. d. 29. Aug. 1827.

G.


43/34.


An den Großherzog Carl August

[Concept.]

Durchlauchtigster pp.

Da mir das hohe Glück zu Theil geworden, daß Ihro des Königs von Bayern Majestät mir das Großkreuz des Civil-Verdienst-Ordens der Bayerischen[42] Krone allergnädigst verliehen, so finde mich verpflichtet, Ew. Königlichen Hoheit hievon schuldigste Anzeige zu thun; wobey ich mir zugleich die gnädigste Vergünstigung zu erbitten habe, mich mit diesem Ehrenzeichen auch öffentlich schmücken zu dürfen.

Der ich in lebenswieriger Verehrung mich unterzeichne.

Weimar den 30. August 1827.


43/35.


An Carl Begas

[1. September 1827.]

Ew. Wohlgeboren

haben zu meinem dießmaligen Fest eine große Gabe gesendet. Nun weiß aber der echte Künstler selbst am besten, was er leistete, und so wage ich nicht von dem Verdienste Ihres Werkes zu reden; von der Wirkung jedoch hört der Meister gerne Liebhaber, Dilettanten und die Menge Sprechen.

Hiernach also habe ich zu vermelden, daß das Bild den glücklichsten Eindruck macht; es überrascht, wir staunen bey'm ersten Anblick, es waltet in der Einbildungskraft nach, man erinnert sich dessen gern und lebhaft; auch wohl unwillkürlich tritt es im Innern hervor, dann eilt man wieder in dessen Gegenwart, um das Imaginirte frisch zu verwirklichen, wobey das Werk immer gewinnt.

[43] Auf diese Weise könnte ich noch länger fortfahren, wenn ich mittheilen wollte, wie es mir und den Meinigen und allen Freunden vor diesem Bilde ergangen. Nehmen Sie daher meinen vollsten Dank; alle, die mit mir mein Fest feyerten, haben Ihre Kunst reichlich mitempfunden und dankbar anerkannt.

Ich aber darf kaum hinzufügen, was Sie bey dem Unternehmen und unter der Arbeit selbst so lebhaft empfunden haben: von welcher Bedeutung es sey, daß Sie mir einen Freund vergegenwärtigt, von welchem entfernt zu leben mir höchst schmerzlich bleibt, und mir zugleich einen mitlebenden Künstler vertraut gemacht, dessen Namen ich künftighin jederzeit mit wahrhafter Anerkennung auszusprechen alle Ursache habe.

Mit dem gefühltesten Danke

ergeben

Goethe.


43/36.


An Carl Friedrich Zelter

Was zu meinem dießmaligen Geburtsfest sich Wundersames ereignet, wird dir die behende Fama schon zugebracht haben, ehe du Gegenwärtiges erhältst. Ich aber kann weiter nichts hinzufügen, als daß uns in unsern alten Tagen des Guten beynahe zu viel zugemuthet wird. Es gehörten wirklich jüngere Sinne[44] und Schultern dazu, dergleichen alles aufzufassen und zu tragen.

Nun zu dem Inhalt deiner letzten Briefe: Dr. Parthey kam eben zu rechter Stunde, um an öffentlichen und häuslichen Tafeln sich zu unterhalten und zu ergötzen. Professor Gans langte zu gleicher Zeit an; auch er ward manches Erfreulichen theilhaftig.

Rösels vorzüglich schönes Blatt fand mich auch gerade in gutem Humor, und ich konnte ihm etwas Freundliches erwidern, das er dir gewiß gleich vorzeigen wird.

Die Münzen erhielt ich durch La Roche schon längst; dein erklärendes Briefchen durch die artige Jüdin erst gestern. Danke dem Geber zum schönsten; es sind Silberrupien, die sich neben einer goldenen, die ich befaß, recht hübsch ausnehmen. Sie waren doppelt willkommen, weil mein Sohn eben für einen eleganten, geräumigen Münzschrank gesorgt hatte, wo man denn erst neben einander und zusammen sieht was vorhanden ist. Bedeutende Dubletten habe ich nicht zum Austausch anzubieten; wäre aber die Medaille von Bovy in Silber angenehm, so könnte ich damit dienen.

Den guten Förster beschwichtige mir. Ich würde ihm wohl von Zeit zu Zeit etwas mittheilen; wie ich denn z.B. nichts dagegen habe, wenn Rösel sein kleines Gedicht dort will abdrucken lassen. Aber die guten Menschen verlangen gleich, daß man sich associiren[45] soll, und dafür hat man sich denn doch zu hüten, weil sie mitunter tactlos und indiscret sind. Auch wirst du dich erinnern, wie Gleim in seinen alten Tagen sein Talent auf diesem Weg zuletzt trivialisirte; ich erinnere mich, damals auf ein Stück Mercur geschrieben zu haben:


In's Teufels Namen,

Was sind denn eure Namen!

Im deutschen Mercur

Ist keine Spur

Von Vater Wieland,

Der steht auf dem blauen Einband;

Und unter dem verfluchtesten Reim

Der Name Gleim.


Das Erst' und Letzte, wovon ich aber reden soll, bleibt immer dein Bildniß. Es hat an sich sehr viel Verdienst und so auch den allgemeinsten Beyfall gefunden. Bleibt dem gebildeten Kenner bey'm Anblick noch etwas Problematisches, bey näherer Untersuchung ein zu Wünschendes, so liegt es daran, daß dieser Mann, von so vorzüglichem Talent, wie alle unsere neuen bildenden Künstler nicht einen Sebastian Bach zum Urvater haben, den sie anerkennen, dessen Lehren und Thun sie respectiren müssen. Daher kommt denn, wie es Begassen ja auch gegangen ist, daß sie sich in allen Arten und Weisen versuchen, wodurch sie denn nicht früh genug dazu gelangen, die rechte Weise auszubilden und sich mit ihr vollkommen zu einigen. Daher kommt's denn, daß das Publicum[46] nicht weiß, was es aus manchen redlichen Bemühungen machen soll, wenn auch ein Kunstwerk angelegt und noch so sorgfältig ausgeführt ist, weil, der Künstler stelle sich wie er wolle, eine falsche Conception auf den natürlichen Menschen ohne Wirkung bleibt. Wie sehr ihm aber durch deine Geduld und Mitwirkung dießmal gelungen ist, kannst du aus beyliegendem Blättchen sehen. Es wird dich freuen, was ein geistreicher Mann aus dem Bilde herausgesehen oder hineingelegt hat. Gib mir einen Wink, was ich dem braven Künstler, den du schönstens dankend grüßen magst, irgend Freundliches erweisen könnte.

Ein Brief an ihn geht mit diesem zugleich ab. Das oben Gesagte theilst du niemand mit, es kann nichts helfen; denn die Deutschen werden sich mit ihrem Unabhängigkeitsgefühl noch eine Weile abquälen.

Die Fortsetzung folgt. Rösels Blättchen liegt bey.

angehörig

W. d. 1. Sept. 1827.

Goethe.


[Beilage.]

Bey jedem neuen Anblick scheint es lebendiger zu werden, geistig bedeutender sich auszusprechen. Der abgebildete, nicht zu verkennende Würdige horcht auf, er hört zu mit Vergnügen und Befriedigung; doch gibt er sich dem Genuß nicht hin, sondern er ist zugleich Richter; er hebt unwillkürlich den Zeigefinger der rechten Hand, die obwaltenden Töne begleitend,[47] auch allenfalls einzugreifen, wo der Chor schwanken sollte. In diesem Sinne scheint der dargestellte Meister sich vorwärts zu neigen, und sich doch wieder zurückzuhalten, woraus wirklich für den Blick eine Art von Bewegung entsteht. Aufmerksamkeit und Behagen spricht sich aus in den verjüngten liebenswürdigen Gesichtszügen des erfahrnen, durch und durch gebildeten Mannes; hiezu harmoniren alle Glieder, Formen und Umrisse.


43/37.


An Carl Friedrich Zelter

|: Fortsetzung, :|

Eben so muß man von der andern Seite die Schweizer und alle, welche durch Multiplication große Kunstwirkungen hervorbringen wollen, ihren Gang gehen lassen. Freylich wirkt die Masse viel, besonders eine Masse von Canonen und Zuschlagenden; in den Künsten aber, wenn man es genau besieht, wirken die Massen zuletzt auch nur stoffartig, und wer sich dabey verklärt fühlt, der weiß doch nicht, was dem Menschen zugetheilt und erlaubt ist, auch nicht, was er in dieser Art vertragen und ertragen kann.

Was du über die Molltonleiter im Sinne hast, bringe ja zu Papiere, es käm gerade zur rechten Zeit; ich habe mit Riemern auch darüber etwas ausgesonnen, das will ich dictiren, zusiegeln und deine Sendung[48] abwarten, alsdann aber sogleich abschicken. Es wäre sehr schön, wenn wir aus verschiedenen Wegen zu demselben Ziel gelangten.

Den Berlinern werde ich nun wohl Schlegels Vorlesungen abandonniren müssen. Sie halten freylich bey näherer Prüfung nicht Stich. Die ersten Blätter lesend, war ich zufrieden, das Alte zu hören, weil mir das Neue gar zu oft ärgerlich wird. Freylich aber will man das Alte immer vollständiger haben, geordneter, zusammengefaßter, übersichtlicher, und das ist denn hier nicht geleistet. Und wie will auch einer eine Geschichte schreiben dessen, was nicht sein Metier ist? Ich hab es oft bemerkt: wenn ich etwas zu redigiren hatte, was ich nicht von Grund aus verstand, so mußte ich Phrasen machen, es mochte mir Ernst seyn wie es nur wollte.

Dein; O Jemine! möcht ich wohl, wenn wir mündlich zu verhandlen hätten, als Text einer langen bedeutenden predigt unterlegen. Ich habe die Vermuthung, daß allem und jedem Kunstsinn der Sinn für Musik beygesellt seyn müsse; ich wollte meine Behauptung durch Theorie und Erfahrung unterstützen.

Eure theatralische Überfülle bewundre höchlich. Meine alte Überzeugung wird durch jene jungen Auftretenden bestärkt. Mimische Talente werden immer geboren, und zu unserer Zeit haben sie eine viel leichtere und bequemere Entwickelung: die Musik hält ihre Schüler zusammen, sie dürfen aus Ton und[49] Maaß nicht weichen. Der recitirende Schauspieler dagegen muß durch Übung nach und nach zu einer gewissen Einheit seiner selbst gelangen und sich ohne Wissen und eigentliches Wollen, so weit seine Natur verstattet, hervorbilden. Wenn wir nehmen, was für wunderbare Dinge eine deutsche Schauspielerin durcharbeiten muß, so würde sie zuletzt ganz aus einander fallen, wenn ihr Innerstes nicht zusammenhielte. Und so ist denn auch, wegen des angebornen Eigensinns, von Frauen in diesem Fach immer mehr zu hoffen als von Männern, die gar leicht Pedanten oder Phantasten werden.

So weit gelangte ich vor meinem Geburtstag, wo sich werthe Freunde, wie mir wohl bekannt war, zu einem anmuthigen Fest herkömmlich bereiteten; aber es sollte mir eine Überraschung werden, die mich beynahe aus der Fassung gebracht hätte und doch immer eine Empfindung zurückließ, als wäre man einem solchen Ereigniß nicht gewachsen.

Des Königs von Bayern Majestät kamen den 27. August in der Nacht an, erklärten am folgenden Morgen, daß Sie ausdrücklich um dieses Tages willen hergekommen seyen, beehrten mich, als ich grad' im Kreise meiner Werthen und Lieben mich befand, mit Ihro höchster Gegenwart, übergaben mir das Großkreuz des Verdienstordens der Bayerischen Krone und erwiesen sich überhaupt so vollständig theilnehmend, bekannt mit meinem bisherigen Wesen, Thun und Streben, daß ich es nicht dankbar genug bewundern und verehren konnte. Ihro Majestät gedachten meines Aufenthaltes zu Rom mit vertraulicher Annäherung, woran man denn freylich den daselbst eingebürgerten fürstlichen Kunstfreund ohne weiteres zu erkennen hatte. Was sonst noch zu sagen wäre, würde mehrere Seiten ausfüllen.

Die Gegenwart meines gnädigsten Herrn des Großherzogs gab einem so unerwarteten Zustand die gründlichste Vollendung, und jetzt, da die Erscheinung vorüber geflohen ist, habe ich mich wirklich erst zu erinnern, was und wie das alles vorgegangen und wie man eine solche Prüfung gehöriger hätte bestehen sollen. Was man aber nicht zweymal erleben kann, muß wohl so gut als möglich aus dem Stegreif durchgelebt werden. Die überbliebenen schönsten Gefühle und bedeutendsten Zeugnisse geben auf alle Fälle die Versicherung daß es kein Traum gewesen.

Und so sey dir dieses meinem mehr als jemals nahen Freunde gewidmet, dessen Bildniß all und überall gegenwärtig blieb.

W. d. 6. Sept. 1827.

Goethe.


43/38.


An Eduard Joseph d'Alton

Für die mir neuerdings übersendeten Hefte meinen freudigen Dank auszusprechen will ich nicht länger säumen! Wie sehr kommen mir nicht meine frühern Bemühungen zu statten, da ich mich dadurch befähigt sehe, als treuer Liebhaber und redlicher Dilettant[50] mein Verhältnis zum Meister zu empfinden. Vor allem aber will ich Ihnen Glück wünschen, daß Sie an Ihrem werthen Sohne einen so glücklichen Mitarbeiter gefunden haben; auch gebe ich vollkommenen Beyfall, daß Sie ihn nach Paris gesendet. Ein geselliges Bestreben fördert den Franzosen auf die schönste Weise, welches von den Deutschen nicht zu erwarten ist; ihre Vereine gehen zwar auf löbliche, aber auf solche Zwecke hinaus, wo ein jeder mitwirken kann, er sey, wer er wolle, der König und der Vagabund, der Gelehrte wie der Schüler, der Greis wie das Kind, alle können ihr Gold, Silber und Kupfer, wie sie es vermögen, auf Wohlthätigkeit, Monumente und fromme Stiftungen gleich willig hergeben; aber die höheren Zwecke, wozu Geist und Kraft nöthig ist, in den Regionen der Wissenschaft und Kunst muß jeder für sich allein zu erreichen suchen; es kommt selten der Fall, daß er wahrhaft gefördert werde. Dagegen fühlt sich wohl ein jeder gehindert durch Engherzigkeit seiner Zeitgenossen und durch Anmaßlichkeit seiner Nachfahren.

Doch wollen [wir] uns darüber nicht beklagen, das mannichfaltige Gute, das uns geboten wird, im Stillen zu nutzen trachten und uns solcher Mitwirkungen erfreuen, wie die Ihrige mir jederzeit gewesen ist. Möge das, was noch fernerhin von mir ausgeht, auch Ihnen Freude bringen und sich Theilnahme gewinnen.

[51] So weit gelangte ich vor meinem Geburtstag, wo sich werthe Freunde, wie mir Wohl bekannt war, zu einem anmuthigen Fest herkömmlich bereiteten; aber es sollte mir eine Überraschung werden, die mich beynahe aus der Fassung gebracht hätte und doch immer eine Empfindung zurückließ, als wäre man einem solchen Ereigniß nicht gewachsen.

Des Königs von Bayern Majestät kamen den 27. August in der Nacht an, erklärten am folgenden Morgen, daß Sie ausdrücklich um dieses Tages willen hergekommen seyen, beehrten mich, als ich grad' im Kreise meiner Werthen und Lieben mich befand, mit Ihro höchster Gegenwart, übergaben mir das Großkreuz des Verdienstordens der Bayerischen Krone und erwiesen sich überhaupt so vollständig theilnehmend, bekannt mit meinem bisherigen Wesen, Thun und Streben, daß ich es nicht dankbar genug bewundern und verehren konnte. Ihro Majestät gedachten meines Aufenthaltes zu Rom mit vertraulicher Annäherung, woran man denn freylich den daselbst eingebürgerten fürstlichen Kunstfreund ohne weiteres zu erkennen hatte. Was sonst noch zu sagen wäre, würde mehrere Seiten ausfüllen.

Die Gegenwart meines gnädigsten Herrn des Großherzogs gab einem so unerwarteten Zustand die gründlichste Vollendung, und jetzt, da die Erscheinung vorüber geflohen ist, habe ich mich wirklich erst zu erinnern, was und wie das alles vorgegangen und wie man eine solche Prüfung gehöriger hätte bestehen sollen. Was man aber nicht zweymal erleben kann, muß wohl so gut als möglich aus dem Stegreif durchgelebt werden. Die überbliebenen schönsten Gefühle und bedeutendsten Zeugnisse geben auf alle Fälle die Versicherung daß es kein Traum gewesen.

Soviel also für diesmal, in treuster Theilnahme

W. d. 6. Sept. 1827.

Goethe.


43/39.


An Sulpiz Boisserée

Es ist sehr schön und läßt eine ahnungsreiche Gemüthlichkeit glauben, daß ich gerad heute früh, Sonntag den 26. August, Ihren lieben Brief empfange, eben da ich mich eingeschlossen hatte, um versäumte Pflichten nachzuholen und mich bey Ihnen um Ihre näheren Zustände zu erkundigen. Das Schreiben vom 9. Juli hab ich nicht erhalten, auch den englischen Mahler nicht gesehen, mich aber über alles beruhigt, was Sie unternehmen und was Ihnen begegnen könnte, da ich Ihre Handelsweise kenne, obschon das Unternehmen einer solchen Umsiedelung bedenklich genug war.

Mir in meiner Einsiedeley macht der gegenwärtige Münchner Zustand wirklich bange, doch werden Sie auf diesem Elemente sich zu bewegen daraus die erwünschten Vortheile ziehen und in das Ganze wirken. Ich freue mich zum voraus auf gute Nachrichten von Zeit zu Zeit.


[52] So weit gelangt ich vor meinem Geburtstag, wo sich werthe Freunde, wie mir wohl bekannt war, zu einem anmuthigen Fest herkömmlich bereiteten; aber es sollte mir eine Überraschung werden, die mich beynahe aus der Fassung gebracht hätte und doch immer eine Empfindung zurückließ, als wäre man einem solchen Ereigniß nicht gewachsen.

Des Königs von Bayern Majestät kamen den 27. August in der Nacht an, erklärten am folgenden Morgen, daß Sie ausdrücklich um dieses Tages willen hergekommen seyen, beehrten mich, als ich grad' im Kreise meiner Werthen und Lieben mich befand, mit Ihro höchster Gegenwart, übergaben mir das Großkreuz des Verdienstordens der Bayerischen Krone und erwiesen sich überhaupt so vollständig theilnehmend, bekannt mit meinem bisherigen Wesen, Thun und Streben, daß ich es nicht dankbar genug bewundern und verehren konnte. Ihro Majestät gedachten meines Aufenthaltes zu Rom mit vertraulicher Annäherung, woran man denn freylich den daselbst eingebürgerten fürstlichen Kunstfreund ohne weiteres zu erkennen hatte. Was sonst noch zu sagen wäre, würde mehrere Seiten ausfüllen.

Die Gegenwart meines gnädigsten Herrn des Großherzogs gab einem so unerwarteten Zustand die gründlichste Vollendung, und jetzt, da die Erscheinung vorüber geflohen ist, habe ich mich wirklich erst zu erinnern, was und wie das alles vorgegangen und wie man eine solche Prüfung gehöriger hätte bestehen sollen. Was man aber nicht zweymal erleben kann, muß wohl so gut als möglich aus dem Stegreif durchgelebt werden. Die überbliebenen schönsten Gefühle und bedeutendsten Zeugnisse geben auf alle Fälle die Versicherung daß es kein Traum gewesen.


Hiermit aber sey für heut geschlossen; sagen Sie mir bald ein freundliches Wort; sobald ich zu einiger Besinnung komme, gebe ich Ihnen eine Art Recapitulation meines bisherigen Lebens, da sich denn auch die nähere Ursache meines bisherigen Schweigens entwickeln wird.

treu anhänglich

W. d. 6. Sept. 1827.

Goethe.


43/40.


An Christian Gottfried Daniel Neesvon Esenbeck

[Concept.]

[6. (?) September 1827.]

Fortsetzung.

Zu großer Freude und lebhafter Anregung, mich naturwissenschaftlichen Betrachtungen eine Zeitlang zu widmen, war die Gegenwart des Herrn Grafen Sternberg. Es ist bewundernswürdig, wie dieser Treffliche mit Ernst und Bedacht in diesen Studien fortfährt und, indem er zu Haufe auf's kräftigste in Fortbildung und Einigung wirkt, sich von Zeit zu Zeit im Auslande umzusehen weiß und von da den schönsten Gewinn wieder zurückbringt. Ich habe ein[53] Schreiben von demselben, das er, zurückgelangt, aufsetzte, worin er von seinen Untersuchungen der Köstritzer Knochenbreccie an Ort und Stelle spricht und Nachricht gibt von seinem Aufenthalt in Halle, besonders auch in Berlin, von welchem letzten Orte er sich mit höchster Zufriedenheit äußert. Er wird den Münchner Congreß besuchen, und wenn die Monatschrift der Gesellschaft des Vaterländischen Museums in Böhmen, wovon jetzt sechs Hefte in meinen Händen sind, noch nicht zu Ihnen gekommen seyn sollte, so widmen Sie ihr einige Aufmerksamkeit. Man blickt in den Kreis eines mäßigen, verständigen, für Ort und Zeit wohl passenden Unternehmens. Wie es denn überhaupt sonderbar genug ist, daß in den östreichischen Staaten, die wir so gern als ein europäisches China darstellen möchten, im Inneren eine weit zweckgemäßere Cultur statt findet als anderer Orten, wo man nicht immer das Was und Wozu recht bedenken mag. Hat doch Dupin zuletzt ausgemittelt, daß der Elementarunterricht in diesen Reichen weiter ausgebreitet und ernstlicher eingeleitet sey als in manchen andern, nach außen viel glänzenderen Erdstrichen, deshalb ich mich denn der Kürze halber aus den Globe beziehe: Tome V. Nr. [56], ein Blatt, wo Sie es wahrscheinlich schon gelesen haben.

In Meteorologicis fördert der edle Mann mich auch, und das ist der einzige Punct, wo ich nach seiner Abreise noch im Beobachten, Denken und Überlegen[54] fortfahre (wie ich denn incidenter bitte, mir den Barometerstand vom 4. August bis 4. September aufzeichnen zu lassen, wobey ich den Mittelstand Ihres Quecksilbers bemerkt wünschte).

Übrigens hat die Sorge für die neue Ausgabe meiner Werke mich bald wieder ergriffen; sie ist nicht gering, da ich, wie Sie aus der ersten Lieferung sehen, nicht allein das Frühere, Bekannte wiederbringen, sondern manches Nahvollendete doch noch abschließen und mittheilen möchte, wobey mein Wunsch ist, entfernteren Freunden immer gegenwärtig zu bleiben und gegenwärtiger zu werden.


43/41.


An Gerhard Friedrich Ludwig Wagener

Sie haben mich an einen alten werthen Bekannten erinnert, mit dem ich in andern Tagen vielen brieflichen Verkehr gehabt habe, und bey genauem Nachsuchen finde ich unter mehreren Briefen von ihm auch seinen letzten vom 19. April 1804, der von mir unbeantwortet geblieben ist. Ich bitte Sie, versöhnen Sie mir den braven Mann und überliefern Sie ihm zugleich die Anlage, die ihm ein Beweis seyn möge, daß ich ihn, wie vormals, herzlich schätze. Ihnen Dank für Mühe und Aufmerksamkeit.

[Weimar] den 7. September 1827.

Goethe.[55]


43/42.


An Friedrich August von Fritsch

[Concept.]

Ew. Hochwohlgeboren

verzeihen freundlichst, wenn ich meine Gevatterpflichten so schlecht erfülle; das Blättchen worauf die Namen aufgezeichnet waren wüßte im Augenblick nicht zu finden, eben so wenig will mir das Gedächtniß nachhelfen. Indessen werde ich mich für eine neue Generation vorbereiten, die doch auch nicht ausbleibt und wozu ich alles Glück wünsche.

Mit den bekannten treuen Gesinnungen.

Weimar den 8. September 1827.


43/43.


An Carl Ernst Schubarth

[Concept.]

Hier kommt, mein Werthester, das Concept Ihres Bittschreibens wieder zurück. Beliebter Kürze wegen habe den Anfang und das Ende desselben mit einiger Einschaltung zusammengerückt. Das zwischen den rothen Strichen, fol. 1 und 5, Verfaßte wäre als Beylage zu behandeln, wie etwa das curriculum vitae bey sonstigen akademischen Angelegenheiten. Fertigen Sie nun das Mundum aus, legen die ausführlichen Attestate bey und halten alles bereit, bis ich wieder schreibe.

[56] Des Herrn Minister von Altenstein Excellenz find noch auf einer Sommerreise begriffen; die Rückkunft desselben, wovon ich alsobald Nachricht ertheile, ist abzuwarten.

Guten Erfolg dieser Schritte wünschend und hoffend, füge ich die besten Segnungen hinzu, in der Aussicht, auch zunächst gedeihliche Wirkungen zu erfahren.

Weimar den 9. September 1827.


43/44.


An Carl Gustav Börner

[Concept.]

Ew. Wohlgeboren

erwidere auf das neuerliche Schreiben vom 22. August Folgendes: Wenn ich schon in meinen Angelegenheiten möglichst Ordnung zu halten suche, so fällt doch manchmal ein kleiner Irrthum vor, der jedoch wie der gegenwärtige leicht zu heben ist. Die von Ihnen vermißten Blätter hatte besonders gelegt, um sie einem auf Reisen befindlichen Freunde vorzuzeigen. Dieß zu melden war bey'm Absenden der übrigen vergessen worden, weshalb ich mich gern zu dem bey mir schon notirten Betrage von 11 rh. 4 gr. als Schuldner bekenne.

Außer denen in meinem Vorigen bezeichneten Blättern, die ich aus der eröffneten Auction wünsche, wüßte nichts anzugeben. Erstehen Sie jedoch einiges[57] Wohlfeile nach eigenen Zwecken, so bitte, mir solches zur Auswahl zuzusenden.

Auch ist mir ein Katalog zugekommen einer Auction von dergleichen Kunstwerken aus der Stöckel'schen Verlassenschaft, welche Montags den 15. October angehen soll. Hievon würde dasselbige gelten, nur daß ich die Hackert'schen Handzeichnungen pag. 119 von 88 bis 93 incl. wo nicht sämmtlich, doch wenigstens die vorzüglichsten, wenn solche um einen billigen preis weggehen, zu besitzen wünsche.

Möchten Sie mir, da noch Zeit bis dahin ist, Ihre Meynung sagen, wieviel man allenfalls daran wenden müßte, so könnte ich meinen Auftrag näher und sicherer stellen.

Alles Gute wünschend, mich zu geneigtem Andenken empfehlend.

Weimar den 11. September 1827.


43/45.


An Heinrich David August Ficinus

[Concept.]

Ew. Wohlgeboren

schätzbares Werk habe mit Vergnügen erhalten und zwar bis jetzt nur flüchtig überlaufen können, dabey jedoch soviel ersehen, daß ich Ihnen allen Dank schuldig bin, auf meine naturwissenschaftlichen Bemühungen soviel Aufmerksamkeit gerichtet und dasjenige[58] was ich für wahr und nützlich halte aufgenommen und andern mitgetheilt zu haben. Sie benutzen den großen Vortheil eines Lehrvortrags, wodurch wir genöthigt werden, dasjenige was uns interessirt immer mehr zu bearbeiten, die Erfahrung vollständiger, die Methode reiner und übersichtlicher zu machen. Und so werden Sie gewiß eine höchst erfreuliche und in ihren Anwendungen Vortheil bringende Lehre auch fernerhin befördern.

Dringende Obliegenheiten hindern mich, gegenwärtig in diesem mir höchst werthen Felde zu verweilen. Sobald es mir möglich wird, meine Aufmerksamkeit wieder dahin zu lenken, gedenke ich auch Ihr Werk näher zu betrachten und meine Gedanken darüber zu eröffnen. Verharren Sie auf diesem Wege, umgeben Sie sich mit den Phänomenen wie ich es auch thue, denn auf diese Weise kommt man oft unvermuthet in den Fall, der ewig unerschöpflichen Natur immer wieder einmal eine Seite des Millionecks abzugewinnen, die sich uns gerade in einem gewogenen Augenblicke zuwendet.

Möge Sie in diesem so wie in allen übrigen Geschäften Geist und Glück begünstigen!

Weimar den 11. September 1827.[59]


43/46.


An Henriette von Pogwisch

[Concept.]

Wenn ich nicht irre, so habe ich Frau v. Pogwisch ersucht, auf den Wiederabdruck der beiden ersten Bände des Le Globe zu subscribiren. Bey wem ist es geschehen? Sie sind nunmehr herausgekommen; wo müßte man anfragen? woher sie beziehen? und wohin das Geld senden?

Auch frag ich an, ob Frau v. Pogwisch nicht wollte das wichtige Werk von Dupin, Sur les forces productives et commerciales de la France kommen lassen, auf die bekannten Bedingungen, die Hälfte zu erstatten; es sind zwey Bände in 40 mit Kupfern und Atlas; der preis 25 Franken.

Weimar den 11. September 1827.


43/47.


An Friedrich Theodor von Müller

Auf Ew. Hochwohlgeboren gestrige Anregung habe nachsehen lassen und es findet sich, daß ein Exemplar Velin her ersten Ausgabe in zwanzig Bänden abzugeben wäre. Es könnte dieses gegen den Subscriptions- und Ladenpreis 46 rh. 8 gr. sächsisch um so lieber geschehen, als mir eben ein Kunstwerk für eben diese[60] Summe vorliegt, aus dessen Besitz ich sonst verzichten müßte. Machen Sie hievon beliebigen Gebrauch und disponiren über das Angebotene zu jeder Stunde.

gehorsamst

Weimar den 15. September 1827.

J. W. v. Goethe.


43/48.


An die Cotta'sche Buchhandlung

Ew. Wohlgeboren

Anfrage erwidere sogleich mit Folgendem: Die Vermuthung, daß Faust nicht im Laufe der angezeigten Bände herauskommen werde, ist dadurch entstanden, wie ich aus beyliegendem Blättchen bemerke, daß zwischen Faust und Puppenspiel das Komma fehlt. Sie werden also die Gefälligkeit haben, der anfragenden Handlung zu erwidern: daß nicht allein der erste Theil des Faust wie er bekannt ist in der nächsten Lieferung zum Vorschein kommen werde, sondern daß ich auch geneigt sey, den Anfang des zweyten Theils unmittelbar in demselben Bande folgen zu lassen, wodurch ich das Publicum nicht wenig zu verbinden glaube.

Mich geneigtem Andenken bestens empfehlend.

ergebenst

Weimar den 17. September 1827.

J. W. v. Goethe.[61]


43/49.


An Wilhelm Reichel

Ew. Wohlgeboren

habe hiedurch noch zu vermelden, daß die letzte Sendung, datirt vom 2. September, seiner Zeit glücklich angekommen, wobey denn abermals zu danken habe, daß Ihre Aufmerksamkeit einige eingeschlichene Fehler des Originals zu tilgen gewußt.

Anbey sende die Austheilung der verschiedenen poetischen Arbeiten in die fünf Bände der dritten Lieferung; das meiste ist nun schon in Ihren Händen, das Original zum XIV. und XV. Bande folgt nächstens. Die beiden ungedruckten Anfügungen zum XII. und XV. Band sende später. Besonders wünschte den Anfang von Faustens zweytem Theil am längsten zu behalten. Da es gleichgültig ist, welcher Theil zuletzt gedruckt wird, so wünschte, daß Sie die Einleitung träfen, diesen erst gegen das Ende vorzunehmen. Haben Sie bey der von mir intentionirten Eintheilung noch irgend etwas zu erinnern, so bemerken Sie solches gefällig.

Der ich diese Angelegenheit Ihrer ferneren Theilnahme auch hiermit zum besten empfohlen haben will.

Ew. Wohlgeb.

ergebenster Diener

Weimar den 18. September 1827.

J. W. v. Goethe.[62]


43/50.


An Johann Friedrich Cotta

Ew. Hochwohlgeboren

auf's freundlichste begrüßend und das beste Wohlseyn bey so vielen wichtigen Geschäften wünschend, übersende die seit einigen Jahren wegen Kunst und Alterthum obwaltende Rechnung mit dem Ersuchen, sie mit Ihren Büchern zu vergleichen und, insofern unsere beiden Ansätze übereinstimmen, dasjenige was ich schuldig bleibe von dem dießmaligen Termin abzuziehen und die nöthige Ordre deshalb an Herrn Frege zu stellen.

Zugleich liegt der Inhalt der dritten Lieferung bey, wie solche nach Ew. Hochwohlgeboren Wunsch eingerichtet worden. Meine Absicht ist, wie Sie ersehen werden, durch einiges bedeutende Neue derselben einen höheren Werth zu geben.

Das Meiste des Originals ist schon in den Händen des Herrn Factors bis auf den Inhalt der zwey letzten Bände, welcher so eben an denselben abging.

Die folgenden fünf Bände liegen auch zur Absendung bereit, wenn Sie gleich erst Ostern nothwendig seyn dürften. Bey dieser vierten Lieferung ist jedoch zu bemerken, daß die fünf Bände ungetheilt und ungetrennt abzudrucken sind und also die Bogenzahl stärker werden müßte. In den folgenden Lieferungen[63] würde man Ihren Absichten sich wieder nähern können, wie ich schon vorläufig überdacht habe.

Einer geneigten Erwiederung entgegensehend

Ew. Hochwohlgeb.

gehorsamster Diener

Weimar d. 18. Sept. 1827.

J. W. v. Goethe.


[Beilage.]

Dritte Lieferung von Goethe's Werken.


XI.


Jery und Bätely.

Lila.

14Die Fischerin.

Scherz, List und Rache.

Der Zauberflöte zweyter Theil.


Paläophron und Neoterpe.

8Was wir bringen.

Was wir bringen.

Theaterreden bis Essex.

22


XII.


15Faust, erster Theil.

5Faust, zweyter Theil, Anfang

20[64]


XIII


12Puppenspiel bis Ende des IX.

Bandes voriger Ausgabe.

3Maskenzüge.


3Carlsbader Gedichte.

Epimenides Erwachen.

18


XIV.


Triumph der Empfindsamkeit.

Die Vögel.

20Der Groß-Cophta.

Der Bürgergeneral.

20


XV.


5Die Aufgeregten.

11Die Ausgewanderten.

2Die guten Weiber.

4Die Novelle.

(letztere noch ungedruckt.)

22


43/51.


An Alfred Nicolovius

[Concept.]

Dir, mein lieber Neffe, nicht blos mit Worten, sondern auch einiger That zu danken war bisher meine Absicht; ich wollte dir, mein Theurer, für die merkwürdige Gabe gehaltig danken, womit du meinen[65] Geburtstag verschönt hast. Zwar mußte ich deine Sendung in diesen Augenblicken bedenklich finden, indem sie die Betrachtung erregte, wie im Leben sich alles ausgleicht und daß man alle Ursache hat, zufrieden zu seyn, wenn der Verdruß, den uns Feinde zu machen belieben, durch edle Freunde abgewendet und getilgt wird.

Die letzten vierzehen Tage waren so stürmisch, daß ich selbst jetzt mich zu besinnen Mühe habe. Durch mannichfaches Interesse hin- und hergezogen und zerstreut, muß ich mich erst wiederfinden, ehe ich leisten kann, was schon gethan seyn sollte. Lebe daher wohl mit dem Gefühl, daß deine Freunde mit soviel Neigung und Artigkeit alle Ursache haben, sich immerfort deiner dankbar zu erinnern.

Empfiehl mich deinem Herrn Vater auf's angelegenste und laß von Zeit zu Zeit vernehmen, daß dir's Wohl geht.

Wenn du einem jungen Mahler, Herrn Zahn aus Cassel, begegnest, sey ihm freundlich und dienstlich; es ist ein guter, angenehmer, geschickter und fleißiger Mann, wie er sich dir persönlich gar bald legitimiren wird.

Lebe wohl und bleibe mir gleichgesinnt!

Weimar den 18. September 1827.[66]


43/52.


An Christian Daniel Rauch

Ew. Wohlgeboren

Geneigtheit gegen die hübsche, kunstreich geborene Facius thut sich sehr klar aus der eingesendeten Büste hervor und man sieht gar deutlich, wie sie das Glück hat, sich einem reichen Kunstelemente zu nähern und von des Meisters belebender Sonne erleuchtet und gefördert zu werden. Nehmen Sie auch von meiner Seite den schönsten Dank dafür, so wie für manches andere, das durch Ihre ausgebreitete Thätigkeit auch auf mich Einfluß hat, ohne daß es Ihnen gerade selbst bekannt würde.

Nun aber habe noch in einem ähnlichen Falle mich an Ihre Gefälligkeit zu wenden und Ihnen, wär es auch nur zum Überfluß, den Sohn eines Freunds zu empfehlen, der Ihnen, soviel ich weiß, schon angemeldet ist und den Sie, wie ich vermuthen darf, in Ihre lebens- und kunstreiche Umgebung gern ausnehmen werden. Es ist nämlich der Sohn des Herrn Regierungsrath Dr. Nicolaus Meyer aus Minden, von welchem ich schon einige Jahre her zwar unzulängliche und unbehülfliche Bemühungen in Umrissen und sonstigen Zeichnungen mitgetheilt erhielt, woraus mir aber doch ein entschiedenes Talent für bildende Kunst hervorzugehen schien.

[67] Diesen seinen Sohn wünscht mein Freund nach Berlin, ganz eigentlich zu Ihnen zu senden; er hat den Knaben schon angemeldet, glaubt aber in dem Grade an Ihr Wohlwollen für mich, daß er sich überzeugt hält, eine Erwähnung von meiner Seite könne seinen Wünschen und Hoffnungen vortheilhaft seyn. Wäre es daher Ihren übrigen Zuständen und Geschäften angemessen, so würde ich bitten, sich dieses jungen Mannes gefällig anzunehmen und ihn zu prüfen, da sich denn freylich das in ihm wohnende Talent noch sehr unentwickelt zeigen würde. Der ältere Bruder befindet sich schon als Studierender auf der Berliner Universität und ich kann dem zwar wohlhabenden, aber durch eine starke Familie bedingten Hausvater nicht verargen, wenn er sich von der ökonomischen Seite einigermaßen erleichtert zu sehen wünschte, wozu Ew. Wohlgeboren bey Ihrem weitumfassenden Wirkungskreis einige Rücksicht zu nehmen vielleicht die Geneigtheit hätten.

Ich würde Dieselben bey so vielen wichtigen Obliegenheiten nicht mit einem solchen Ansinnen behelligen, wenn nicht eben eine ausgebreitete Thätigkeit den wohlwollenden Mann gerade in den Fall setzte, dasjenige, was in beschränkteren Umständen nicht geleistet werden könnte, zu überschauen und zu bewirken.

Schließen aber kann ich nicht ohne wiederholten Dank für die Begünstigung unsrer jungen Künstlerin, wozu ich die Bemerkung füge, daß bey meinem dießmaligen[68] Geburtsfest unter manchen andern köstlichen Gaben mir auch ein höchst gelungenes Porträt meines vortrefflichen Zelter zugekommen, worin ich das bedeutende Künstlerverdienst des Herrn Begas entschieden anzuerkennen und mich meines vielfach schönen und glücklichen Verhältnisses zu Berlin aus neue Weise in täglicher Anschauung zu erfreuen habe.

Eben da ich schließen will, verläßt uns nach einem Besuche von einigen Tagen, um nach Berlin zu gehen, Herr Zahn aus Cassel. Sie werden sich mit allen Kunstfreunden ergötzen, wie wohl er seinen Aufenthalt, besonders in Pompeji, zu nutzen gewußt, und sicher wird er dort wie hier durchaus wohl aufgenommen seyn.

Mich fernerem geneigtem Wohlwollen empfehlend, in aufrichtigster Theilnahme

Ew. Wohlgeb.

ergebenster Diener

Weimar den 18. September 1827.

J. W. v. Goethe.


43/53.


An Carl Friedrich Zelter

Dießmal nur mit wenigen Worten empfehl ich den sich selbst empfehlenden Herrn Zahn, Mahler aus Cassel, welcher seinen Aufenthalt in Italien, besonders Neapel und Pompeji, eifrigst zu nutzen gewußt hat. Nimm an dem Schönen und Guten Theil, dessen er[69] vieles des Wünschenswerthesten mit sich führt. Laß ihn dagegen an dem Besten Theil nehmen, welches du so reichlich spendest.

Gedenke mein und laß bald wieder etwas vernehmen.

Der Deine

Weimar den 18. September 1827.

J. W. v. Goethe.


43/54.


An Carl Friedrich Moritz PaulGraf von Brühl

Lassen Sie mich, verehrter Freund, wieder einmal eine Gelegenheit ergreifen, Sie auf's herzlichste zu begrüßen und zugleich auf's lebhafteste Glück wünschen, des glänzenden Zustands gedenkend, in welchen Sie die nächst vergangene Zeit her Ihre Theater zu setzen gewußt. Fürwahr man konnte von der reichen Mannichfaltigkeit Ihrer vielfachen Darstellungen durch öffentliche Nachrichten und vertrauliches Melden so vieles und Vorzügliches nicht vernehmen, ohne den Wunsch zu empfinden, man möge an solchen Genüssen auch seinen Theil freudig genommen haben.

Den Überbringer des Gegenwärtigen habe eigentlich nicht zu empfehlen; es ist ein Mahler, aus Cassel gebürtig, namens Zahn, von angenehmer Gegenwart, welcher Zeugnisse genug vorlegen kann, wie gut er seinen Aufenthalt in Italien, besonders in Neapel und[70] Pompeji, genutzt hat. Und wer wüßte mehr als mein verehrter Freund zu schätzen, wie hoch man die Bemühung eines jungen Künstlers anzuschlagen habe, der über Zeiten und Räume uns in die fremdesten Zustände hinauszuführen weiß. Ist dieß nicht auch der schöne und edle Zweck unsrer theatralischen Bemühungen?

Hiemit sey mir vergönnt zu schließen, mich Ihnen und den theuren Ihrigen zu empfehlen und mich wie immer treu-angehörig zu nennen

unwandelbar

Weimar den 18. September 1827.

J. W. v. Goethe.


43/55.


An Sulpiz Boisserée

Um abermals den Grund zu einem Briefe an Sie, mein Theuerster, zu legen, muß ich mich entschließen auszusprechen, daß zwey angefangene Schreiben in dieser Zeit zum Feuer verdammt worden; ich hatte mich über das verlegerische Betragen unseres würdigen Freundes zu beschweren, der mich durch eine Art von Überraschung nöthigte, die einmal beliebte und angekündigte Ordnung der Ausgabe meiner Werke durchaus abzuändern, wobey derselbe die Einleitung zu treffen wußte, daß meinen Entschluß mit umgehender Post zu eröffnen nöthig ward. Hierüber druckte ich mich in den ersten Tagen vertraulich gegen Sie allzu[71] lebhaft aus, ward aber nachher durch den alten Spruch: »man solle keinen Verdruß über Feld schicken«, wieder beschwichtigt; denn wir beunruhigen nur die Freunde zu einer Zeit, wo wir selbst schon wieder beruhigt sind. Auch hab ich überhaupt gegen jenen nicht dergleichen gethan, um der Angelegenheit den möglichst schicklichen und wenigst auffallenden Gang zu erhalten. Nun aber ist mir bey dieser Sache nichts unangenehmer, als daß dieß Zwischenspiel gemeldeterweise unsere Mittheilungen unterbrach.

Für Sie also, mein Werthester, immer in gleichem Sinn und wahrhaftestem Antheil verharrend, möchte gegenwärtigen Blättern einigen Gehalt geben, welches nicht besser zu bewirken wüßte, als wenn ich historisch verfahre.

Am 22. April also, als dem Datum meines vorletzten Briefes, besuchte uns Herr Ampère der Jüngere, von Paris kommend, der schönen Literatur beflissen, zu den raschen und umsichtigen Männern gehörend, welche sich, am Kreise des Globe theilnehmend, lebhaft und kräftig genug bewegen. Er ward gut aufgenommen und wenn er nach seinem Abschiede durch eine kleine Indiscretion unser Publicum verletzte, so war das bald wieder geheilt und er würde, von Norden, wohin er sich begab, wieder zurückkehrend, auf alle Weise gern gesehen seyn.

Mit ihm vertraulicher conversirend, sah man sich in dem Falle, in jenen Kreis etwas tiefer hineinzublicken[72] und gewisse Verhältnisse mit mehr Sicherheit anzuknüpfen. Kurz nachher, zufällig von anderer Seite her, kam die zweyte Auflage von des Baron Charles Dupin Reise nach England, die ich wirklich nach vierzehn Tagen von meiner Seite verbannen mußte, um nicht in ein meinen gegenwärtigen Pflichten ganz entgegengesetztes Interesse gezogen zu werden. Von Zeit zu Zeit nehm ich wieder ein Capitel vor, das mir den Vortheil gewährt, eine glückliche und nützliche Ge sprächs-Unterlage zu finden mit Reisenden, deren ich dorther gar viele zu sprechen habe.

Ich arbeitete indessen anhaltend an den Wanderjahren, deren höchst verschiedene Capitel ich mitunter als ungezogene Kinder anzusehen habe, mit denen man sich liebend abgibt, vielleicht eben deswegen, weil sie einiger Erziehung bedürfen.

Herrn v. Schlegels Gegenwart eröffnete uns manchen Ausblick nach Indien; und ich will gern gestehen, daß ich mich nicht unwillig wohl einmal dort hinüber führen lasse; wenn ich mich auch mit den leidigen hochmüthig-häßlichen Frömmlingen so wie ihren vielköpfig-vielarmigen Göttern keineswegs befreunden kann, so sind doch ihre Apsaren in dem Grade liebenswürdig, daß man Sie gern mit den Augen verfolgt, wo nicht gar wie ihre himmlischen Bewunderer um ihretwillen ganz zu Auge werden möchte.

Nun ward ich zufällig der bildenden Kunst, besonders der Mahlerey wieder zugeführt. Der Restaurator[73] Palmaroli arbeitete in Dresden mit großem Beyfall; Ihre Königliche Hoheit der Großherzog befahl, den hiesigen Mahler und Zeichenmeister, namens Lieber, hinzusenden, einen genauen und man möchte sagen eigensinnigen Künstler. Dieser gewann des Italiäners Gunst, welcher ihn mit in sein Quartier nahm und ihm von den Kunstgriffen dieser artistischen Technik, wie wir uns überzeugen konnten, manches offenbarte; sogar das Übertragen eines Ölbildes von der alten Leinwand auf eine neue ist glücklich gelungen. Mehrere Bilder von verschiedenem Werth in dem schlechtesten Zustande wurden hingesendet, deren wir uns bey

|: Die Fortsetzung nächstens. :|

Weimar d. 21. Sept. 1827.

G.


43/56.


An Johann Friedrich Cotta

Ew. Hochwohlgeboren

verfehle nicht zu melden, daß kurz nach Abgang meines letzten Briefes ich Gelegenheit gefunden, hier am Orte die mir zukommende Summe mit Bequemlichkeit und Vortheil zu beziehen, weshalb ich denn eine Assignation auf die Herren Frege in Leipzig von 7400 rh. sächsisch ausgestellt habe, 100 rh. zu Berichtigung meiner in übersendeter Rechnung bemerkten Schuld zurücklassend.[74]

In der Überzeugung, daß dieses Ihnen auch genehm seyn möchte, habe die Ehre, mich wie immer hochachtungsvoll zu unterzeichnen

Ew. Hochwohlgeb.

gehorsamsten Diener

Weimar den 21. September 1827.

J. W. v. Goethe.


43/57.


An Frau Dreyßig

[Concept.]

Sie haben, meine Wertheste, durch Übersendung eines schönen Blumenstockes zu meinem dießmaligen Geburtstage mir ein besonderes Vergnügen gemacht, und nachdem ich mich daran mit mehreren Freunden diese Zeit her ergötzt, so sende den verblühenden nunmehro dankbar zurück. Es geschieht deshalb, weil ich nur Ihnen die fernere Pflege desselben anvertrauen möchte. Habe ich das Glück, jene Epoche im nächsten Jahre wieder zu erleben, so erbitte mir solchen abermals als ein Zeichen Ihres geneigten Andenkens. Bewahren Sie indessen beykommende Medaille zu meinem Gedächtniß und fahren in Ihrem lebhaften Geschäfte fort, andern und sich selbst angenehm und nützlich zu wirken.

Weimar den 23. September 1827.[75]


43/58.


An Martin Christian Victor Töpfer

[Concept.]

Ew. Wohlgeboren

nehme mir die Freyheit um eine kurze Notiz zu ersuchen.

In einem der Eisenachischen Ämter steht ein runder Thurm von guter Bauart, ziemlichem Umfang und geringer Höhe, den ich früher gesehen und für römisch gehalten. Vielleicht erinnern sich Dieselben des Amtes und Dorfes, wo derselbe zu finden, oder könnten doch durch Ihre Eisenacher Freunde das Nähere erfahren, wodurch Sie mich besonders verbinden würden.

Geneigtem theilnehmendem Andenken mich bestens empfehlend.

Weimar den 23. September 1827.


43/59.


An Carl Wilhelm Lieber

Frau Räthin Vulpius ist avertirt daß H. Lieber bey ihr einsprechen und wegen des Quartiers das weitere bereden werde.

Montag d. 24. Sept. 1827.

G.[76]


43/60.


An Sulpiz Boisserée

Rücksendung zu erfreuen hatten; und so kann nach seiner Wiederkehr an gar manchem im öffentlichen und Privatbesitz vorhandenen guten Bilde die nöthige Nachhülfe geschehen.

Von den Wirkungen meiner Farbenlehre erfahr ich manches Merkwürdige, aber nicht durchaus Erfreuliche. Die alte aristokratische Stockung der Zunftgenossen dauert wie billig fort; sie wiederholen ihr Credo wie es zu erwarten ist. Dieses Geschlecht muß aussterben und zwar in gewisser Zeit, wie Charles Dupin ausgerechnet hat. Den wohlmeynend-strebenden jüngeren Männern steht zweyerley entgegen: die herkömmliche Terminologie, die sie wenigstens theilweise fortbrauchen müssen, sogar wenn sie es auch schon besser verstehen, weil sie sich doch der Mitwelt verständlich machen und es mit der Zunft nicht ganz verderben möchten. Das zweyte Hinderniß liegt in der unbezwinglichen Selbstigkeitslust der lieben Deutschen, so daß jeder in seinem Fache auch auf seine Weise gebahren will. Niemand hat einen Begriff, daß ein Individuum sich resigniren müsse, wenn es zu etwas kommen soll; da ist denn nicht leicht ein Begleiter, der nicht rechts und links abwiche und so wie vom Weg auch vom Ziel abkäme.

[77] Professor v. Henning in Berlin ist bey der Klinge geblieben und hat in dem reingezogenen Kreise einige schöne Entdeckungen gemacht, Lücken ausgefüllt, Vollständigkeit und Fortschritt bewirkt. Er trägt unsere Chromatik diesen Sommer abermals vor. Einige seiner Schüler haben sich in Jever an der Nordsee niedergelassen und haben als dort Angestellte einen Kreis gebildet, worin sie diese Studien sehr glücklich und gehörig fortsetzen. Das mag sich denn so in der Folge fort- und ausbilden, bis es einmal greift und Mode wird; worauf aber alles ankommt ist, daß man gewahr werde, welche praktische Vortheile aus dieser Ansicht und Methode sich entwickeln.

Die Verlobung unserer Prinzeß Maria ward uns vielbedeutend und aufregend [durch] das öftermalige Erscheinen des hohen Bräutigams und seiner königlichen Brüder, mir besonders [durch] das Wohlwollen Ihro Königlichen Hoheit des Kronprinzen, der mir durch Übersendung einer sehr schön gearbeiteten Copie eines kleinen Jupiters in Bronze, der sich in den Oderbrüchen gefunden hatte, die zarteste Aufmerksamkeit bewies. So kam der May heran und ich ward gelockt in den Garten am Park zu ziehen, wovon ich großen Nutzen hatte; denn ich förderte manches Alte, ergriff einiges Neue und gewann gar vieles von einer reineren, obgleich auch öfters unterbrochenen Ruhe.

Indessen näherte sich die Abreise unserer geliebten Prinzeß, die ich mit ihren hohen Eltern an einem[78] schönen Tage nochmals in meinem Garten sah und nachher bey ihrer feyerlichen Abfahrt in der Allee des Webichts, durch herzlichen Trieb dorthin geführt, begrüßte. Dieß geschah den 22. May und so zog denn dieses liebe Wesen von uns in einen neuen Zustand, wo es ihr, wie wir durchaus vernehmen, wohl und erfreulich geht.

Indessen war mir aus Edinburg eine Sendung zugekommen, mit einem Schreiben von einem Manne, der im mittlern Alter seyn mag und sich mit der deutschen Literatur aus eine wundersam-innige Weise bekannt gemacht hat. Eine Biographie Schillers zeugt von dem reinsten Antheil, von einer warmen und zugleich einsichtigen Verehrung dieses außerordentlichen Mannes.

Ein Werk in vier Bänden eben dieses Herrn Thomas Carlyle, German Romance, liefert Übersetzungen aus den Werken unserer deutschen Erzähler: Musäus, Tieck, La Motte Fouqué, Hoffmann, mit kurzen Lebensnotizen von diesen sämmtlichen; der vierte Band enthält meine Wanderjahre und von meinem Leben eine freundliche Darstellung.

Überhaupt ist hier zu bemerken, was schon früher von der Schillerischen Biographie dieses Verfassers gesagt worden; alle diese kurzen Biographien sind mit Neigung, aber mit Klarheit geschrieben; was er als Mängel seiner Autoren tadeln könnte, das behandelt er als Eigenschaften und Eigenheiten, und so entsteht[79] doch zuletzt das Bild eines lebendigen, wenn auch nicht durchaus lobenswürdigen Menschen.

So endete der May, Junis Anfang soll nicht außen bleiben. Alles treulichst zu melden bestrebt.

W. 25. S. 1827.

Goethe.


43/61.


An den Großherzog Carl August

[Concept.]

Ew. Königlichen Hoheit

höchst erwünschter Anordnung gemäß wird das bewußte theure Haupt zur Form genommen. Sobald von unserer Seite das Nöthige und Schickliche geschehen, vermelde solches alsobald mit Bitte, die weitere Verfügung an das Hofmarschallamt gnädigst ergehen zu lassen.

Zu dem schönen Jagdwetter, woran auch gestern in Berka und Tonndorf Theil zu nehmen schnelle Resolution faßte.

Mich zu ferneren Gnaden und Hulden angelegentlichst empfehlend.

Weimar den 25. September 1827.


43/62.


An Carl Jacob Ludwig Iken

Ew. Wohlgeboren

auf Ihren freundlichen Brief zu antworten habe bisher gezögert, weil ich die Ankunft her beiden verkündeten[80] Werke Vorerst erwartete. Da sie aber wahrscheinlich später mit Meßgelegenheit ankommen, so benutze einen freyen Augenblick, vorläufig schönstens zu danken und einiges zu vermelden. Zuerst also lege die gewünschte Erklärung zweyer Ausdrücke bey, welche, seltner vorkommend, allerdings einiger Auslegung bedürfen. Ich thue dieses gegenwärtig um so lieber, als das nächste Stück von Kunst und Alterthum sich verzögern wird. Die Ausgabe meiner Werke erfordert viele Aufmerksamkeit, besonders da ich in der Folge manches Neue fernerhin zu geben gedenke.

Lassen Sie mich nun zuerst das Vergnügen ausdrücken, welches Sie durch den Antheil an Helena mir gewährt haben. Bey der hohen Cultur der Bessern unsres Vaterlandes konnte ich zwar ein solches beyfälliges Eingreifen gar wohl erwarten, allein die Erfüllung solcher Hoffnungen und Wünsche bleibt doch immer das Vorzüglichste und Nothwendigste. In solcher Aussicht habe ich denn diese längst intentionirte und vorbereitete Arbeit vollendet und den Aufwand von Zeit und Kräften, das strenge Beharren auf diesem einen Puncte mir schon während der Arbeit zum Gewinn gerechnet.

Ich zweifelte niemals, daß die Leser, für die ich eigentlich schrieb, den Hauptsinn dieser Darstellung sogleich fassen würden. Es ist Zeit, daß der leidenschaftliche Zwiespalt zwischen Classikern und Romantikern[81] sich endlich versöhne. Daß wir uns bilden ist die Hauptforderung; woher wir uns bilden wäre gleichgültig, wenn wir uns nicht an falschen Mustern zu verbilden fürchten müßten. Ist es doch eine weitere und reinere Umsicht in und über griechische und römische Literatur, der wir die Befreyung aus mönchischer Barbarey zwischen dem 15. und 16. Jahrhundert verdanken! Lernen wir nicht aus dieser hohen Stelle alles in seinem wahren, ethisch – ästhetischen Werthe schätzen, das Älteste wie das Neuste!

In solchen Hoffnungen einsichtiger Theilnahme habe ich mich bey Ausarbeitung der Helena ganz gehen lassen, ohne an irgend ein Publicum noch an einen einzelnen Leser zu denken, überzeugt, daß wer das Ganze leicht ergreift und faßt, mit liebevoller Geduld sich auch nach und nach das Einzelne zueignen werde. Von einer Seite wird dem Philologen nichts Geheimes bleiben, er wird sich vielmehr an dem wiederbelebten Alterthum, das er schon kennt, ergötzen; von der andern Seite wird ein Fühlender dasjenige durchdringen, was gemüthlich hie und da verdeckt liegt:

Eleusis servat quod ostendat revisentibus

und es soll mich freuen, wenn dießmal auch das Geheimnißvolle zu öfterer Rückkehr den Freunden Veranlassung gibt. Hiebey darf nicht unerwähnt bleiben, daß ich mit der vierten Lieferung meiner Werke zu Ostern die ersten Scenen des zweyten Theils von Faust mitzutheilen gedenke, um aus manche Weise ein frisches[82] Licht aus Helena, welche als der dritte Act des Ganzen anzusehen ist, zurückzuspiegeln.

Auch wegen anderer dunkler Stellen in früheren und späteren Gedichten möchte ich Folgendes zu bedenken geben: Da sich gar manches unserer Erfahrungen nicht rund aussprechen und direct mittheilen läßt, so habe ich seit langem das Mittel gewählt, durch einander gegenüber gestellte und sich gleichsam in einander abspiegelnde Gebilde den geheimeren Sinn dem Aufmerkenden zu offenbaren.

Da alles, was von mir mitgetheilt worden, auf Lebenserfahrung beruht, so darf ich wohl andeuten und hoffen, daß man meine Dichtungen auch wieder erleben wolle und werde. Und gewiß, jeder meiner Leser findet es an sich selbst, daß ihm von Zeit zu Zeit bey schon im Allgemeinen bekannten Dingen noch im Besonderen etwas Neues erfreulich aufgeht, welches denn ganz eigentlich uns angehört, indem es von einer wachsenden Bildung zeugt und uns dabey zu einem frischen Gedeihen hinleitet. Geht es uns doch mit allem so, was irgend einen Gehalt darbietet oder hinter sich hat.

Die angekündigten Werke sollen mir willkommen seyn, um so mehr als Ihre frühere schriftliche Sendung mir genügsames Interesse abgewonnen. Leider, nach so vielen Seiten hingezogen, ja hingerissen, versäumt ich in Kunst und Alterthum daran zu gedenken; in einem nächsten Stücke, dessen Erscheinung ich möglichst zu beeilen gedenke, kann es dagegen im Zusammenhange[83] geschehen. Die Aufschlüsse die uns das interessante Werk: Cours de la littérature grecque moderne, par Jacovaky Rizo Néroulos, Genève 1827, verleiht, geben hiebey die beste Richtschnur.

Und so will ich mich denn für dießmal Ihrer ferneren geneigten Theilnahme bestens empfohlen haben; denn durch das Mitwirken solcher jüngerer Männer kann ich allein aufgeregt werden, meine höhern Jahre, statt in Ruhe und Genuß, mühsam und bewegt hinzubringen. Bey der Herausgabe meiner Werke hätte ich freylich voraussehen sollen, zu welchen Obliegenheiten ich mich verpflichtete, indem ich nicht nur das Bekannte zu wiederholen sondern auch Unbekanntes hervor[zu]suchen und Unvollendetes zu vollenden unternahm. Indessen da es mir mit Helena geglückt ist, daß diese Production aus den Gebildeten einen guten Eindruck macht und selbst von scharfsichtigen Kritikern als aus Einem Gusse hervorgegangen angesprochen wird, so möchte es an dem Übrigen auch nicht fehlen. Ich habe so oft in meinem Leben auf ein für meine neuen Productionen stumpfes Publicum getroffen, daß es mich dießmal höchlich erfreut, so schnell und unmittelbar aufgefaßt worden zu seyn.

Und so sey denn dieses, durch mannichfaltige Zerstreuung unterbrochene Blatt endlich geschlossen und unter Versicherung wahrhafter Theilnahme fortgesendet.

ergebenst

Weimar den 27. September 1827.

J. W. v. Goethe.


[Beilage.]

[84] [Concept.]

Aureole ist ein im Französischen gebräuchliches Wort, welches den Heiligenschein um die Häupter göttlicher oder vergötterter Personen andeutet. Dieser kommt ringförmig schon auf alten pompejanischen Gemählden um die göttlichen Häupter vor. In den Gräbern der alten Christen fehlen sie nicht; auch Kaiser Constantin und seine Mutter erinnere ich mich so abgebildet gesehen zu haben. Hiedurch wird auf alle Fälle eine höhere geistige Kraft, aus dem Haupte gleichsam emanirend und sichtbar werdend, angedeutet; wie denn auch geniale und hoffnungsvolle Kinder durch solche Flammen merkwürdig geworden. Und so heißt es auch in Helena:

Denn wie leuchtet's ihm zu Haupten? Was erglänzt ist schwer zu sagen,

Ist es Goldschmuck, ist es Flamme übermächtiger Geisteskraft.

Und so kehrt denn diese Geistesflamme, bey seinem Scheiden, wieder in die höhern Regionen zurück.


43/63.


An Marianne von Willemer

In Eile muß ich nur Vermelden daß Herr v. Ekendahl und seine Verdienste mir gar wohl bekannt sind; daß er ein knappes Leben führt blieb mir nicht verborgen; haben Sie Dank daß Sie mir enthüllen,[85] auf welchen Grad. Wo ich etwas für ihn thun kann weiß ich nicht, es drängt sich hier so viele Thätigkeit zusammen, daß sie sich selbst den Markt verdirbt; die Forderungen werden wie überall größer und größer, die Mittel aber schmäler und schmäler; ich habe Mühe, es in meinem Kreise am Nothwendigsten nicht fehlen zu lassen. Auf alle Fälle den besten Dank daß Sie mir Gelegenheit geben, mich näher nach dem Manne zu erkundigen und durch Erwähnung seines Verdienstes an bedeutenden Orten ihm vielleicht nützlich zu werden.

Nun aber darf ich der kostbaren küchlichen und kellerlichen Gaben nicht vergessen, die mir zu diesen reiselustigen Zeiten, wo mein Tisch fast täglich mit hin- und herwandernden Freunden besetzt ist, auf's erfreulichste zu Hülfe kommen. Ob die Artischocken dieses Jahr, durch die Witterung begünstigt, besser sind als je, oder ob es in der glücklichen Disposition der Gäste liegt, will ich nicht entscheiden; genug, man versichert, von dergleichen Zartheit und Süßigkeit noch niemals genossen zu haben. Der Wein behauptet seine alten Vorrechte, und so steht alles zum besten.

Da ich mich nun auch besser befinde als lange Zeit her, so will ich doch gern gestehen daß ich lieber Gast in der wasserreichen Mühle seyn möchte als Wirth in dem trocknen Thüringen. Ich fahre bey diesem schönen Wetter öfter als sonst im Lande umher, blicke jedoch bey einer noch so weiten Aussicht[86] von der Höhe des Ettersberges in ein fruchtbares, aber von keinem Wasserspiegel noch Rauschbach belebtes Land, nach Südwesten hinüber, wo dergleichen reichlich zu finden ist.

Sodann überzeugen Sie sich gewiß, daß bey dem verunglückten Dampsschiff bey Bingen ich lebhaft erinnert worden an die Freunde die vor kurzem jene leidigen Felsen glücklich vorbeygefahren; nicht ohne Art von nachgefühlter Bangigkeit: es hätte auch ihnen dergleichen begegnen können.

Da wir nun aber, Dank sey es dem guten Geschicke, auf dieser, besonders in gegenwärtigen schönen Herbsttagen höchst erfreulichen Erde zusammen wandeln: so lassen Sie uns in Treue und Liebe auch fernerhin verharren und von Zeit zu Zeit freundliches Wort und Gabe, wie es die Veranlassung gibt, wechselseitig mittheilen.

treu angehörig

W. d. 27. Sept. 1827.

J. W. v. Goethe.


43/64.


An Carl Friedrich Zelter

Sey mir also auch dießmal in München gegrüßt, da deine Reisen für mich durchaus immer so fruchtbar sind. Deinen zweyten Brief erhielt ich am achten Tag und so wird auch dieser dich auf's baldigste finden.

[87] Zuvörderst also will ich dir Auftrag geben, die schönsten Grüße auszurichten, erstlich an Herrn Director v. Schelling und ihm dabey für den herrlichen Brief zu danken, den mir Gräfin Fritsch von Carlsbad mitbrachte; ich schreibe ihm, sobald ich zu einiger Fassung komme; denn es wird immer bunter um mich her, je mehr ich wünschen muß, mir selbst und meinen Obliegenheiten zu leben. Sodann erneuere auf die freundlichste Weise mein Andenken bey Herrn v. Martius, dem Botaniker und Brasilianer; du wirst an ihm den herzlichsten trefflichsten Mann finden. Entschuldige mein langes Schweigen, ich darf die Liebe zu der weiten und breiten Natur bey mir nicht aufkommen lassen; ersuche ihn um einige Zeilen. Sodann wirst du Herrn v. Cotta schönstens grüßen; er ist so beschäftigt, daß man sich mit ihm nur von Geschäften unterhalten kann. Herrn v. Klenze sage gleichfalls das Freundlichste; auch versäume es bey Herrn Cornelius nicht; und wo hätte ich überhaupt noch hinzublicken und hinzudeuten.

Gedenke meiner überall im Besten. Wäre der Gruß eines Guelfen an den Ghibellinen nicht immer verdächtig, so würde ich dir auch einen an Herrn v. Buch auftragen. Wie du bist, hast du unter Menschen eine gar schöne Stelle gefunden, verträgst dich mit allen, wehrst dich gegen alle, und so kömmst du denn männlich durch Freud' und Leid.

Nun auch von mir einiges Bedeutende: Höchst[88] erfreulich war mir die Ankunft des Herrn Geheimen Rath Streckfuß; ich machte mit ihm vor Tische eine Spazierfahrt; er speis'te mit uns und Riemer, und da du ihn kennst, so brauche ich nicht zu sagen, wie seine Gegenwart höchst wohlthätig gewesen. Die Schärfe und Besonnenheit des Geschäftsmanns, der als solcher an Welt und Staat durchaus Theil nimmt, die Milde eines poetisch-praktischen Sinnes, der gerade nicht Stoff und Gehalt aus sich selbst nehmen, sondern lieber dem vorhandenen Auswärtigen eine vaterländische Form geben und sich und andere damit gründlich erfreuen will: dieses, in einer Individualität zusammen, macht den angenehmsten Eindruck und hinterläßt eine wohlthätige Erinnerung.

Wenige Zeit vorher war ein junger hessischer Mahler namens Zahn aus Italien, besonders aus Neapel und Pompeji zurückgekommen und brachte einen unglaublichen Schatz von Durch- und Nachzeichnungen der am letzten Orte neuerlich ausgegrabenen Gemählde mit. Frage hiernach in München, dort werden Umrisse im Kleinen lithographirt, wie sie Herr v. Cotta zu verlegen übernommen hat. Betrachte sie ja sämmtlich mit Geist und Ruhe; sie halten sich dem Sinne nach neben allem, was uns aus jenen Paradiesen übrig geblieben.

Hast du dich dem Herrn Grafen Sternberg noch nicht vorgestellt, so thue es alsobald, und gedenke meiner zum schönsten; sprich aus daß ich fortfahre,[89] dankbar zu seyn für die so höchst wohlthätige und wirksame Gegenwart, die er uns vor kurzem genießen ließ. Wenn man bey der Jugend soviel Anmaßlich-Fahriges, bey dem Alter soviel Eigensinnig-Stockendes sich muß gefallen lassen, so ist es erst wahres Leben mit einem Manne, der mit soviel Maaß und Ziel, mit immer gleichem Antheil den edelsten Zwecken entgegengeht.

Merke doch ja auf andere in dieser großen Versammlung und melde, wer dir zusagt, es sey nun im Umgange oder im Vorlesen. Horche doch auch hin, wie sie von einander denken, inwiefern sie sich vertragen, besonders auch, inwiefern einer von dem andern etwas lernen möchte. Nicht weniger sieh dich unter Protestanten und Katholiken um; es sind soviel Elemente in München zusammengerufen, daß notwendig eine Gährung vorhergehen muß, ehe dieser Most sich zu Wein veredelt. Da ich alle Ursache habe, dem König das schönste Gelingen zu wünschen, so würdest mir mit jeder guten Nachricht die größte Freude machen.

Nun kehr ich zu mir in mein beschränktes Wesen zurück und denke gern an meinen vierwöchentlichen Aufenthalt im Garten am Park. Wenn man gleich in frühere Zustände weder zurücktreten kann noch soll, so hätte ich, wenn schon vom Wetter keineswegs begünstigt, dennoch ausgehalten und bessere Tage erwartet, aber die Ankunst des Herrn Grafen veranlaßte[90] mich, in die Nähe der Societät wieder zurückzukehren; und so muß ich denn schon mit dem Gewinn der kurzen dort verbrachten Zeit zufrieden seyn. Davon wirst du denn auch, wenn du, wie Fräulein Ulrike behauptet, auf der Rückreise zu uns kommst, dein reichliches Theil dahin nehmen. Unter anderm wird zur Begleitung eines Liedes ein Chor von Aeolsharfen verlangt. Ob dergleichen schon ausgeführt worden, ist mir nicht bekannt. Diese Gelegenheit aber, etwas Wundersames hervorzubringen, solltest du dir nicht entgehen lassen.

Meine Schwiegertochter sieht ihrer Entbindung, und wir mit ihr, um desto sehnsuchtsvoller entgegen, als sie dießmal in ihrem Zustand mehr als billig zu leiden hat. Werden wir von diesem Hauskreuz glück lich erlös't, und du kommst zur rechten Zeit an, so könnten wir noch einmal einer christlich-kirchlichen Function zusammen beywohnen, welches doch auch ein ganz artiger passus in unsrer Lebensgeschichte seyn würde. Und nun zum Schluß: schreibe viel und eilig, wenn du auch manchmal übereilte Stellen wieder auslöschen solltest, und sende jedes Blatt einzeln wie es trocknet.

Also gescheh es!

Der Deine

Weimar den 29. September 1827.

J. W. v. Goethe.[91]


43/65.


An Johann Heinrich Meyer

Ich wünschte wohl, mein Theuerster, daß Sie wie Freund Zelter, welcher sich gegenwärtig in München befindet, ein Tagebuch gehalten und mir gesendet hätten. Denn gerade durch dieses Beyspiel ist mein Verlangen, zu Wissen, wie es Ihnen geht, gar sehr gesteigert worden. Setzen Sie mich davon, und wenn auch nur lakonisch, in einige Kenntniß. Dieses will ich besonders verdienen dadurch, daß ich vermelde, daß die Frau Erbgroßherzogin, höchst zufrieden mit ihrer Cur, von Carlsbad zurückgekommen, so wie kurz vorher unser Soret, wirklich auch in bedeutend besserm Zustande als er abreis'te.

Mir ist es auch diese Zeit her ganz wohl gegangen. Ein junger hessischer Künstler, namens Zahn, brachte die neustausgegrabenen Bilder aus Pompeji sogar im Großen durchgezeichnet: Hercules und Telephus, ein älteres, mein Favoritbild, ganz unschätzbar, in wirklicher Größe, auch eine kleine Copie in Öl, in einer ernsten Farbe, sie sey nun ursprünglich oder der braunrothe Hercules habe nachgedunkelt.

Das Opfer der Iphigenie in wirklicher Größe ist eben so hoch zu schätzen, und manches andere, besonders Kinder auf Delphinen u.s.w., Candelaber aus den Wanddecorationen, an denen, wie in den großen Laubwerken,[92] eine Art von Ahnung der Metamorphose zu beobachten war. Das bunte Fries aus dem Tempel der Isis, über alle Begriffe anmuthig; das große Wandgemählde dorther, eine gräcifirende Parodie in's Schöne von Isis, Osiris, Typhon, Horus und dergleichen. Sodann viele Figuren in's Kleine gezeichnet, ein Reichthum aller Art. Die schönen Dinge, die wir Terniten schuldig sind, und was wir durch Gell, Gandy, Goro und sonst erfuhren, alles sehen wir dadurch vervollständigt und belebt. Das Velociferische des Jahrhunderts verläugnet auch hier sich nicht.

Ich habe über dem Complex dieser Dinge nachgedacht, um in Kunst und Alterthum davon Rechenschaft zu geben; bis ich mit dem was meines Bereichs ist fertig werde, kommen Sie ja wohl zurück.

Herr Beuth hat mir vier Figuren aus der Apotheose des Homers gesendet; herrliche Dinge, welche zu neuer Betrachtung dieses wundersamen Kunstwerks aufrufen. In welche Zeit wäre es wohl zu setzen? Über die Darstellung glaube ich etwas Eignes, Neues gefunden zu haben.

Lieber ist glücklich von Dresden zurück und in das Eckzimmer bey Frau Rath Vulpius eingezogen; auch sind die letzten Bilder von Dresden angekommen, aber noch nicht eröffnet, und wird sich nach und nach alles zeigen und weisen, ich hoffe, zu Ihrer Zufriedenheit. Was die Schule betrifft, so geht sie mit neuen Vorschriften ihren alten Gang.

[93] Notiren Sie ja manches was zu Kunst und Alterthum brauchbar wäre. Riemer treibt mich. Er und Eckermann wollen eingreifen mehr als bisher; mit dem Druck soll ich nicht beschwert seyn u.s.f. Auf diese Weise ließe sich wohl aus Weihnachten noch ein Stück ausgeben. Unsere Freunde, deren wir viele haben, beklagen sich über den langsamen Gang; auch möchte mancher wo nicht gelobt, doch erwähnt seyn. Bringen oder senden Sie ja einen Beytrag.

Nun aber wünscht ich meinem Sohne eine Freude zu machen durch einige Fossilien aus der Schweiz und Umgegend. Sollte nicht bey soviel Naturlustigen sich ein Mineralienhändler in Zürich hervorgethan haben? Haben Sie die Güte, sich umzusehen und besonders etwas von Versteinerungen, welcher Art es auch sey, zu senden oder mitzubringen. Besonders wären einige schöne Fische von Öhningen am Bodensee, auch anderes dorther, denn es kommt vielerley daselbst vor, höchst willkommen. Jede Auslage ersetzte gern. Da mein Sohn auf dieses Fach passionirt ist und die vorhandene bedeutende Sammlung in der besten Ordnung hält, so mag ich ihm gern nachhelfen.

Sonst ist noch manches Gute zu Genuß und Besitz gekommen. Herr v. Reutern hat eine schöne kräftige Waldzeichnung zurückgelassen, ein merkwürdiges Bild von Carus drückt die ganze Romantik dem bewundernden Blick aus; so wie jener Hercules und Telephus vollkommen das Classische. Eine Durchzeichnung, [94] Telephus mit der Ziege, in wirklicher Größe, hat mir der freundliche, freundlich empfangene Zahn zurückgelassen. Auch diese einzelne Gruppe stellt das ganze Alterthum dar.

Die erfreuliche Ankunft Ihres lieben Schreibens vom 20ten Sept. habe nur noch Zeit danckbar anzuzeigen.

treuverbunden

Weimar d. 30. Sept. 1827.

Goethe.


43/66.


An Alfred Nicolovius

[Concept.]

[2. October 1827.]

Ich werde dir nun bald, mein lieber Neffe, und zwar nach und nach, einen gründlichen Dank für dein wundersam unternommenes Werk sagen können. Die hiesigen Freunde lesen es mit Aufmerksamkeit und versichern, du habest einen bedeutenden Beytrag zur deutschen Literarkritik gegeben, indem du den Charakter der verschiedenen Beurtheiler in deinem Werke an's Licht stellst.

Solltest du nun nicht auch, zu eben diesem Behufe, alles dasjenige sammeln, was gegen mich gesagt ist? wenn du es auch nur zu deiner und der Freunde Belehrung thätest. Die Menschen haben viel, mit Recht und Unrecht, an mir getadelt, und da es ja hier darauf ankommt, mich und das Jahrhundert kennen zu lernen, so ist eben so gut als das pro[95] auch das contra nöthig. Du siehst, daß ich dir und deiner Arbeitslust gar vieles zutraue; doch macht es dir geringere Mühe als jedem ändern, da du zu deinem Zweck doch immer die Werke durchgehen mußt, worin eines wie das andere enthalten ist.

Die Auction der Gras Lepel'schen Verlassenschaft ist zwar den 1. October schon angegangen, doch wird beyliegender Auftrag noch zeitig genug kommen. Kannst du nicht selbst gegenwärtig seyn, so laß es durch einen zuverlässigen Freund besorgen. Unmöglich war es, den Preis der einzelnen Werke zu bestimmen. Keins ist worauf man einen unbedingten Werth legte; sind sie um mäßige Preise zu erlangen, so wird es angenehm seyn; man wünscht nicht mehr als 50 Thaler dießmal auszugeben, wodurch die Commission wenigstens einige Limitation erhält.

Der zweyte Termin ist an Herrn Reinhardt besorgt, welches du ihm melden wirst.

Empfiehl mich deinem Herrn Vater und erhalte mir ein freundlich-thätiges Andenken.


43/67.


An Johann Ladislav Pyrker von Oberwart

[Concept.]

Verehrungswürdigster!

Vor einiger Zeit glaubte ich meinen Sohn, welcher eine Reise in jene herrlichen Gegenden zu unternehmen[96] gedachte, mit einem zuversichtlich empfehlenden Schreiben an Ew. Excellenz ausrüsten zu können. Unvermuthet eingetretene Hindernisse jedoch beraubten mich des Vergnügens, Hoch Dieselben auf diese Weise an mich und an die mir gegönnte Geneigtheit dankbar zu erinnern.

Nun aber ergreife die sich mir darbietende Gelegenheit, durch eine so liebenswürdige als bedeutende Dame, die Frau Fürstin Scherbatoff, jene Absicht demohngeachtet zu erreichen, indem ich dieselbe ersuche, die Versicherung eines fortdauernden Andenkens und aufrichtiger Theilnahme dorthin zu befördern, wo ich am liebsten selbst eine tief empfundene Verehrung in Person aussprechen möchte. Ja ich wage die Bitte hinzuzufügen, daß auch künftighin Hoch Dieselben nur um desto geneigter bedeutende Personen nach gewohnter Güte und Neigung empfangen und ausnehmen mögen, wenn sie zugleich die Versicherung über bringen, daß ich unausgesetzt sey und verbleibe

Weimar den 2. October 1827.


43/68.


An Julius J. Elkan

[Concept.]

Herr Banquier Elkan wird hiedurch höflichste ersucht, an Herrn Reinhardt, Hof-Baudepot-Verwalter in Berlin, abermals

50 Thaler preußisch[97]

gegen alsbaldige Erstattung gefällig auszahlen zu lassen.

Weimar den 2. October 1827.


43/69.


An Johann Georg Lenz

Ew. Wohlgeboren

vermelde hierdurch mit Vergnügen, daß durch die Gefälligkeit des Herrn Grafen Alexander Stroganoff eine schöne Folge von sibirischen Mineralien an Serenissimum eingelangt, welche nächstens wieder einpacken und übersenden werde.

Haben Sie indessen die Gefälligkeit, ein Diplom als Ehrenmitglied unserer Societät für diesen Herrn auszufertigen und mir zu weiterer Beförderung zu übersenden.

Der ich alles was Ihren und unsern Geschäften Gutes und Glückliches begegnet mit meinen besten Wünschen auch für die Fortdauer begleite und mit wahrer Theilnahme mich zu unterzeichnen erfreut bin

Ew. Wohlgeb.

ergebenster Diener

Weimar den 3. October 1827.

J. W. v. Goethe.[98]


43/70.


An Carl Wilhelm Göttling

Ew. Wohlgeboren

erhalten hiebey das Heldengedicht Rudolph von Habsburg, welches ich bitte mit Aufmerksamkeit zu lesen und sich dadurch zu einem Besuch bey dem Dichter zu bereiten, indem ich Ihnen bey Ihrer vorseyenden Reise ein Schreiben an den hochwürdigsten Verfasser mitzugeben gedenke, welches Ihnen und Ihrem werthen Weggenossen, wie ich hoffe, eine günstige Ausnahme bereiten soll.

Mit dem Wunsche, Sie bald wieder in unserm Familienkreise zu sehen,

ergebenst

Weimar den 3. October 1827.

J. W. v. Goethe.


43/71.


An Justus Christian von Loder

Hochwohlgeborner,

insonders hochgeehrtester Herr.

Die Nachricht, daß Ew. Hochwohlgeboren Ihr Jubiläum vor kurzem glücklich feyerten, hat, wie sie zu uns gelangte, alle Ihre Freunde und Verehrer höchlich erfreut und an die schönen Tage erinnert, so die wir zusammen in jugendlich-männlicher Thätigkeit höchst vergnüglich wirkend zugebracht. Glücklicherweise geht so eben ein Courier nach Petersburg ab, durch[99] welchen wir unsere aufrichtige Theilnahme ungesäumt aussprechen können.

Setzt uns das Glück, ein hohes Alter zu erleben, in den unvermeidlichen Nachtheil, soviel Würdige, Gute zu überleben, so finden wir es um so tröstlicher, wenn wir noch manche werthe, hochgeachtete Freunde als auf diesem Erdenrund mit verweilend begrüßen können.

Gern erging ich mich weiter über manches, was wir früher gemeinschaftlich begonnen und was, verhältnißmäßig, bis auf die letzte Zeit getreulich fortgesetzt worden; aber die Abreise des Boten, welcher Gegenwärtiges befördern soll, drängt zur Kürze, und ich eile nur, im Auftrag meines gnädigsten Herrn beykommendes Schreiben und Paquetchen, auch einiges von mir, zu geneigter Aufnahme mit wenig Worten zu begleiten, wobey ich, alles Gute wünschend, mich wohlwollendem Andenken für die Folgezeit bestens empfehle.

Verehrend wie vertrauend

gehorsamst

Weimar den 6. October 1827.

J. W. v. Goethe.


43/72.


An Christoph Ludwig Friedrich Schultz

Das werthe Schreiben aus Ems, verehrter Freund, hat mir eine ganz besondere Freude gemacht; denn ich erhalte zwar von Berlin wöchentlich, ich möchte[100] manchmal sagen täglich, die angenehmsten Mittheilungen, doch in den Fächern, in den wir uns begegneten, ist durch Ihre Abreise eine Lücke entstanden, die sich schwerlich ausfüllen wird. Auch hat jedermann soviel mit den Obliegenheiten zu thun, die der Tag von ihm fordert, daß er weder rechts noch links hinsehen kann, sondern sich auf fein eigentlichstes Geschäft beschränken muß. Auch mich nöthigt die Herausgabe meiner Werke zu großer Sparsamkeit der Stunden; die dadurch entstehenden Forderungen zu leisten waren wohl nur jüngere Tage hinreichend. In Physicis und Chromaticis ist mir manches aufgegangen, doch darf ich mich von den Ansichten nicht hinreißen lassen und die Aussichten nicht verfolgen.

Lassen Sie mich an Ihren gegenwärtigen Betrachtungen und Studien Theil nehmen. Aphoristisch sage Folgendes: Der viereckte Thurm auf der Eger Citadelle ist vielleicht das Festeste an Gestein und Bauart; dagegen ist mir der runde in Kinsberg als das Eleganteste vorgekommen, was ich in dieser Art gesehen habe. Eine Stelle aus meinem gedruckten Tagebuche stehe hier zu bequemerer Übersicht:

»Wir begaben uns auf das Schloß Kinsberg am Fuß der Höhe von Laurette; es ist aus stark durchquarztem Thonschiefer gegründet. Der ganz erhaltene, aus dem Fels unmittelbar aufruhende runde Thurm ist eines der schönsten architektonischen Monumente dieser Art, die ich kenne, und gewiß aus den besten[101] römischen Zeiten. Er mag hundert Fuß hoch seyn und steht als prächtige toscanische Colossal-Säule, unmerklich kegelförmig abnehmend.

Er ist aus Thonschiefer gebaut, von welchem sich verschiedene Reihen gleichförmiger Steine horizontal herumschlingen, der Folge nach, wie sie der Bruch liefern mochte; kleine röthliche, die man fast für Ziegel halten könnte, behaupten ringförmig die mittlere Region; graue plattenartige größere bilden gleichfalls ihre Cirkel oberwärts, und so geht es ununterbrochen bis an den Gipfel, wo die ungeschickt ausgesetzten Mauerzacken neuere Arbeit andeuten.

Den Diameter wage ich nicht zu schätzen, doch sage ich soviel, daß aus dem Oberboden des anstoßenden Wohnhauses durch eine ursprüngliche Öffnung m sich in den Thurm nothdürftig hineinschauen läßt, da man denn innerlich eine eben so schöne Steinsetzung wie außen gewahr wird und die Mauer schätzen kann, welche zehn Fuß Leipziger Maaß halten mag. Wenn man nun also den Mauern zwanzig Fuß zugesteht und den innern Raum zu vierzig annimmt, so hätte der Thurm in der Mittelhöhe etwa sechzig Fuß im Durchmesser; doch hierüber wird uns ein reisender Architekt nächstens aufklären: denn ich sage nicht zu viel, stünde dieser Thurm in Trier, so würde man ihn unter die vorzüglichsten dortigen Alterthümer rechnen; stünde er in der Nähe von Rom, so würde man auch zu ihm wallfahrten.«

[102] Kinsberg finden Sie auf jeder Charte und Sie werden bemerken wie dieser Thurm gerade auf der Gränze von Böhmen und Bayern stand. Vielleicht ist Ihnen schon bekannt, was rechts und links, nach Franken und Bayern zu von dergleichen Befestigungswerken gebaut war. Ich habe versäumt, mich hiernach zu erkundigen, doch wünschte ich Ihre Andeutung, und werde mich wegen des letztern bey meinen böhmischen Freunden erkundigen.

Wie beurtheilen Sie die Arbeiten Dorows, besonders sein Werk über das Neuwieder Castrum? dieses scheint sehr früh angelegt und sich lange erhalten zu haben. In welche Zeit würden Sie die Gründung desselben setzen?

Nun aber bitte um einige Andeutung: wie der Verdacht aus Pomponius Mela gefallen, daß das nach demselben genannte Werk ein untergeschobenes sey? Wie verschwinden so wunderbar die Autoritäten nach und nach oder werden wenigstens zweifelhaft! Das Studium der Kunstwerke scheint am Ende noch die größte Sicherheit zu gewähren, doch muß man es still für sich treiben, wie so manches Andere. Wie denn die neuere Zeit, statt Theilnahme zu erzeugen, Widerspruch ausheckt.

Vorstehendes blieb länger liegen als billig, da ich Sie noch immer aus der Reise glaubte und solches, nebst dem das vorige Mal zurückgebliebenen Stein, Fräulein Froriep mitgeben wollte. Nun aber möge[103] dieses Sie zu Hause begrüßen, mir eine baldige Nachricht von Ihrem Befinden bringen, zugleich auch, ob Sie nach einer so langen Reise noch Lust empfinden, uns im Laufe des Herbstes zu besuchen? Kein Zimmer kann ich Ihnen anbieten, aber in meiner Nachbarschaft steht eine ganz artige Wohnung bereit. Wahrscheinlich kommen Sie gerade zu Erneuung meiner Großvater-Würde.

Alles Gute und Erwünschte!

treu verbunden

Weimar den 8. October 1827.

Goethe.


43/73.


An Johann Wilhelm Schneider

[Concept.]

Herr Staatsminister v. Goethe wünscht

1) eine Gänseleber-Pastete von mittlerer Sorte in Fayence-Terrine;

2) ein Original – Körbchen Perigord – Trüffeln, mittlere Sorte;

3) Strachino di Lodi zur Probe.

Baldigste Ankunft dieser Bestellung wünschend.

Weimar den 9. October 1827.


43/74.


An Friedrich Theodor von Müller

Fürtrefflich

Gestern Abend und heute früh

W. d. 10. Octbr. 1827.

G.[104]


43/75.


An Pierre Charles François Dupin

[Concept.]

Monsieur le Baron.

Je ne saurois trouver des termes asses expressifs pour Vous peindre la sensation agreable que m'a causee Votre aimable épitre en ce qu'elle me fournit l'occasion tant souhaittée de Vous assurer directement que depuis bien des années, j'ai su apprecier vos ouvrages qui m'ont toujours eté d'une grande utilité. Il y a déjà plusieurs mois que la lecture de Votre vojage en Angleterre m'occupe, ouvrage d'autant plus precieux pour moi qu'il me dedommage de n'avoir pu visiter en personne cet interessant royome. Je ne passerai pas non plus sous silence Votre ouvrage le plus recent: »Force productive et commerciale de la France« qui en repandant une vive lumiere sur les interets les plus importants de l'humanité, nous facilite la connaissance des mojens pour arriver au but le plus desirable.

Si, d'après Votre jugement, j'ose me flatter que mes ecrits ont aussi contribué en partie a realiser l'objet des voeux et de l'esperance des ames honetes, je me trouve plus que récompensé d'avoir suivi d'un pas forme ce que, dès ma plus tendre jeunesse j'avois jugé digne d'etre entrepris.

[105] Voudries Vous avoir la complaisance de faire noter a l'expedition du Globe ma souscription pour dix exemplaires a cinq francs pour la medaille intentionnee, je ne Vous en serois que plus redevable; me soussignant avec l'estime la plus sentie.

Weimar. 12. Octbr. 1827.


43/76.


An Sulpiz Boisserée

Hiebey läßt sich ferner die Bemerkung machen, daß dasjenige was ich Weltliteratur nenne dadurch vorzüglich entstehen wird, wenn die Differenzen, die innerhalb der einen Nation obwalten, durch Ansicht und Urtheil der übrigen ausgeglichen werden.

Aufgeregt durch vorstehende Werke, zugleich auch durch die mehrfachen Gedichte auf die Verlobung und Abschied und Vermählung unserer theuren Prinzeß kam mir der Gedanke, unsere lebenden weimarischen Dichter auf gleiche Weise zu behandeln, und ich vergegenwärtigte mir schnell ihre Lebensgeschichte, die allgemeine Tendenz, die besondern Talente und die Fähigkeiten der Einzelnen; auch machte das wirklich ein hübsches, nicht ungünstiges Bild und sprach unsere Stellung zu dem jetzigen dichterischen Jahrhundert recht freundlich aus. Dieser flüchtige Gedanke, der mich einige Tage beschäftigte, konnte leider bey soviel Ablenkungen zu keiner weiteren Folge gelangen.


[106] Hier hatte ich, durch manche Vorkommenheiten abgelenkt, den Auszug aus meinem Tagebuche stocken lassen. Ihr lieber Brief vom 1. October, so manche vertrauliche Mittheilung enthaltend, regt mich wieder auf und so fahre fort.


Ende May und Anfang Juni war das ununterbrochene Regenwetter für meinen Gartenaufenthalt höchst unerfreulich, doch hätte ich es überstanden und bessere Tage gehofft, wäre nicht die Communication mit der Stadt dadurch höchst beschwerlich geworden; da denn zuletzt die Ankunft des Herren Grafen Sternberg mich entschied, wieder hineinzugehen. Dieser treffliche Mann verweilte bey uns mehrere Tage und die mannichfaltigen Unterhaltungen mit demselben, besonders über naturhistorische Gegenstände, waren höchst förderlich. In unserm Fossilien-Kabinett hatte er die Gefälligkeit, eine schöne vorhandene Sammlung von Pflanzen der Urwelt in Ordnung zu bringen, wodurch sie erst ihren wahren Werth erhielt; auch über böhmische Angelegenheiten, alte und neue, historische und praktische, [gab er] gar vielfache Aufklärung.

Hierauf besuchte uns Herr v. Matthisson und zeigte, zwar als kluger Reisender, aber doch auch mit wahrem sentirten Antheil, sein Vergnügen an Helena.

Sodann kamen unzählige Engländer und Engländerinnen, die bey meiner Schwiegertochter gute[107] Aufnahme fanden, und die ich denn auch mehr oder weniger sah und sprach. Weiß man solche Besuche zu nutzen, so geben sie denn doch zuletzt einen Begriff von der Nation, ja so zu sagen von drey Nationen. Jüngere Männer aus den drey Königreichen leben hier in Pensionen, und so kommt man gar nicht aus der Gewohnheit, über sie nachzudenken. Eigentlich finden die Irländer in meinem Hause am meisten Beyfall.

Und so kam mir denn anfangs Juli des Baron Dupin Reise nach England sehr gelegen, ob mir gleich ein solches Werk mit gar zu großer Ableitung droht; auch mußte ich es wirklich bey Seite legen. The Prairies von Cooper führte uns in's westliche Amerika. Die französischen Werke: Les jours des barricades und Les états de Blois erinnerten an die verworrensten Zeiten. Ich aber ward durch eine Sammlung schottischer Balladen aufgeregt, einige zu übersetzen. So darf ich denn auch die schwedische Geschichte [zu erwähnen nicht vergessen], welche ein Hauptmann v. Ekendahl, jetzt bey uns gegenwärtig, höchst lobenswürdig geschrieben hat.

Was meine Werke betrifft, so arbeitete ich fort an den nächsten Lieferungen, besorgte die Correcturen der ersten zum Besten der Octavausgabe, arbeitete an den Wanderjahren und, was mehr ist, an Faust; da ich denn zur dritten Lieferung den Anfang des zweyten Theils zu geben gedenke. Die gute Wirkung[108] der Helena ermuthigt mich, das Übrige heranzuarbeiten; Helena bestünde zuletzt als dritter Act, wo sich denn freylich die ersten und letzten würdig anschließen müßten. Das Unternehmen ist nicht gering, das Ganze erfunden und schematisirt; nun kommt es auf's Glück der einzelnen

Fortsetzung nächstens.

treulichst

W. d. 12. Oct. 1827.

Goethe.


43/77.


An Nikolaus Meyer

Ihr lieber Sohn, mein theuerster Herr und Freund, traf recht zur guten Stunde bey uns ein. Er fand sich mit Herrn Zelter im Schwan zusammen; wir sahen darauf beide zu Tisch und ein schönes Verhältniß knüpfte sich alsobald an. Möge alles dem guten jungen Mann gleicherweise gelingen, woran nicht zu zweifeln ist, denn schon hier hat feine schöne Gestalt und sein anmuthiges Betragen ihm alle Herzen gewonnen. Da er, wie er mir sagte, an Herrn Professor Lichtenstein adressirt ist, so wird dieser ihn vorerst am besten zu leiten wissen und ihm seine Studien tag- und stundenweise einrichten helfen. Vernehm ich in der Folge seine Stellung, so kann ich ihn auf manche Weise an wohlwollende und bedeutende Männer empfehlen. An Herrn Rauch habe[109] nach Ihren Wünschen umständlich geschrieben und man wird nun sehen, wie sich alles einleitet.

Der wegen seiner eigenen Darstellung so werthe Ring hat sich mir durch das zierlich-schmeichelnde Sonett nur um so werther gemacht, deshalb ich denn meinen Dank wiederholend verdoppele.

Das Sonntagsblatt und die Gesellschaft für vaterländische Cultur gehen in schöner Eintracht zusammen vorwärts. Mir ist besonders angenehm zu sehen, daß Sie und Ihre Freunde umsichtig auf dasjenige wirken, was zunächst erfordert wird, was Ihrer unmittelbaren Umgebung Nutzen bringt. Hierdurch unterscheidet sich Ihr Bestreben von so manchen deutschen Zeitblättern, die nichts Besonderes, Eigenthümliches beabsichtigen, vielmehr in's Allgemeine gehen und dadurch einander völlig ähnlich werden, anstatt daß Sie sich zu wechselseitiger Einwirkung bemühen sollten, ihren Charakter verstehend, ihre Bedürfnisse so wie ihre Leistungen anschaulich zu machen.

Mich angelegentlichst empfehlend

ergebenst

Weimar den 15. October 1827.

J. W. v. Goethe.


43/78.


An Carl Ernst Schubarth

[Concept.]

Ich säume nicht, mein Werthester, Ihnen anzuzeigen, daß des Herrn Minister v. Altenstein Excellenz, nicht[110] weniger die Personen welche Ihre Angelegenheit begünstigen, in Berlin wieder eingetroffen sind, weshalb denn das projectirte Schreiben alsobald abzusenden wäre.

In Hoffnung eines glücklichen Erfolgs spreche ich den Wunsch aus, daß Sie mir von dem ferneren Verlauf geneigte Nachricht ertheilen mögen.

Weimar den 17. October 1827.


43/79.


An Carl Friedrich Zelter

Freylich, mein Theuerster, ist es eine starke Aufgabe, wenn wir dem guten Tagemenschen zumuthen, solche Gedichte zu singen und etwas dabey zu denken. Forderte man von mir einen Commentar, so würde ich mich erbieten, ein anderes Gedicht zu schreiben desselben Inhalts und Gehalts, aber faßlich und dem Verstande zugänglich. Gelänge es mir, so würde ich dich ersuchen, es gleichfalls für die Liedertafel zu componiren und solches, ohne den Zweck zu offenbaren, gleichfalls in Gang zu bringen, alsdann aber die Aufgabe auszusprechen, man möge sich in diesem Sinne jenes Abstruse zu verdeutlichen und zuzueignen suchen. Dergleichen heitere und doch im Grund nutzbare und bedeutende Versuren könnte man sich erlauben, wenn man zusammenlebte; in die Ferne sind solche Wirkungen kaum denkbar.

[111] Ich erinnere mich nicht, daß zwischen uns von den serbischen Gedichten die Sprache gewesen; versäume nicht, dich mit diesen merkwürdigen, für uns auch nach und nach grünenden, blühenden, fruchtenden Productionen unsrer südöstlichen Nachbarn bekannt zu machen. Sagt dir eins oder das andere der kleineren Lieder zu, so gönn ihm deinen durchdringenden harmonischen Ausdruck. Überhaupt sind die östlichen Sprachen, die einen so ungeheuren Raum einnehmen, mit ihren Leistungen auf dem Wege uns zu interessiren. In Prag kommt eine Zeitschrift heraus, die mich mit Vergnügen in jene Zustände, die mich sonst so nah berührten, hineinblicken läßt. Es ist ein so männlich ruhiger Sinn in diesen Dingen, ein stilles Fortschreiten, Schritt vor Schritt, daß, wenn sie das Glück haben, noch zehn bis zwanzig Jahre aus dieselbe Weise fortfahren zu können, so gelangen sie zu philosophisch-literärischer Freyheit ohne Revolution und bewirken die Reformation im Stillen. Inzwischen verliert niemand dabey, denn ich kenne die hochcultivirten Männer die dieses bedächtig zu leiten wissen.

Wegen Ternite's farbigen Bildern habe ich mir nichts anders vorgestellt. Daß der Ankauf dortigerseits nicht geschehen, nicht entschieden sey, hatte ich von Herrn v. Müffling vernommen, das Nähere gibt mir dein und des Künstlers Schreiben. Ich sende daher alles nächstens zurück; mag er mir für guten Willen und nächste Erwähnung eine Copie von Phrixus[112] und Helle, auf dem famosen Widder über den Hellespont strebend, zukommen lassen, so werde ich es zum Andenken als ein Beyspiel einer trefflichen Kunstzeit werth halten und vorzeigen. Die zweyte Hälfte von Kunst und Alterthum bringt unsre redliche Meynung; die an mich bisher geschehenen Fragen werden dadurch erledigt. Es freut uns, ohne phrasenhafte Wendung das Beste von diesen Arbeiten sagen zu können.

treulichst

Weimar

Goethe.

geschrieben den 11. März,

mitgetheilt den 17. October 1827.


43/80.


An Eduard Joseph d'Alton

Sie haben, mein Theuerster, mir einen ganz vorzüglichen Dienst geleistet, indem Sie mein letztes Schreiben einem Freunde mittheilten, durch welchen dasselbe unserm allerhöchsten Gönner zur Hand gelangen konnte. Denn indem ich täglich und stündlich nachsinne, wie ich meine Dankbarkeit für so hohe Gaben auf eine schickliche, nicht anmaßliche Weise wiederholt aussprechen möchte, so leistet durch Ihre Vermittlung ein in freyem und treuem Sinn ohne alle Absichten geschriebenes Blatt den besten Dienst, indem es bezeugt, daß ich nicht nur für mich jene hohe Wohlthat anerkenne, sondern daß es mir auch zu Lust und Freude gereicht, die werthesten Freunde an meinen Empfindungen Theil nehmen zu lassen.

[113] Somit werde Gegenwärtiges eilig abgesendet, damit Sie jeder Sorge deshalb überhoben seyn mögen. Lassen Sie von Ihrer fortgesetzten schönen Thätigkeit auch mich fortwährenden Nutzen ziehen und bleiben überzeugt, daß ich in aufrichtigster Theilnahme verharre.

Zu edlen allgemeinen und besondern Zwecken treu mitwirckend

Weimar den 18. October 1827.

J. W. v. Goethe.


43/81.


An das Postamt in Weimar

[Concept.]

Sonnabend den 29. September ist ein Brief an Herrn Professor Zelter von Berlin, damals in München, dahin abgegangen, hat ihn aber, weil er früher abgereis't, nicht mehr getroffen. Da die bisher erwartete gewöhnliche Rücksendung dieses Schreibens nach Weimar nicht erfolgt ist, so ersucht man das löbliche Postamt, deshalb die nöthige Nachricht gefällig einzuziehen und die Rücksendung gedachten Briefes von München zu bewirken.

Weimar den 18. October 1827.


43/82.


An Christian Daniel Rauch

Daß Sie, theurer verehrter Mann, im Augenblick eines herben Schmerzens Ihre Gedanken mir zuwenden und, mit mir sich unterhaltend, einige Erleichterung[114] fühlen, dieß gibt die schönste Überzeugung eines innig geneigten Wohlwollens, eines zarten traulichen Verhältnisses, wie ich von je auch gegen Sie empfinde. Sie beweisen dadurch, daß Sie gewiß seyen meines treusten Mitgefühls, einer wahren Theilnahme an jenem Unheil, das eine geistreiche Thätigkeit, ein schönes edles Ausüben des glücklichsten Talents in seinen werthesten Bezügen verletzt und in seinem tiefsten Grunde beschädigt. Auch mir, bey dem schmerzlichsten Mitempfinden Ihres Kummers, will es eine Linderung scheinen, wenn ich sogleich erwidernd Gegenwärtiges an Sie abgehen lasse.

Auch mir in einem langen Leben sind Ereignisse begegnet, die, aus glänzenden Zuständen, eine Reihe von Unglück mir in andern entwickelten; ja es gibt so grausame Augenblicke, in welchen man die Kürze des Lebens für die höchste Wohlthat halten möchte, um eine unerträgliche Qual nicht übermäßig lange zu empfinden.

Viele Leidende sind vor mir hingegangen, mir aber war die Pflicht auferlegt, auszudauern und eine Folge von Freude und Schmerz zu ertragen, wovon das Einzelne wohl schon hätte tödtlich seyn können.

In solchen Fällen blieb nichts weiter übrig als alles, was mir jedesmal von Thätigkeit übrig blieb, abermals auf das regsamste hervorzurufen und, gleich einem, der in einen verderblichen Krieg verwickelt ist, den Kampf so im Nachtheil als im Vortheil kräftig fortzusetzen.

Und so hab ich mich bis auf den heutigen Tag[115] durchgeschlagen, wo dem höchsten Glück, das den Menschen über sich selbst erheben möchte, immer noch soviel Mäßigendes beygemischt ist, welches mich von Stund zu Stunde mir selbst angehörig zu seyn ermahnt und nöthigt. Und wenn ich für mich selbst, um gegen das, was man Tücke des Schicksals zu nennen berechtigt ist, im Gleichgewicht zu bleiben, kein ander Mittel zu finden wußte, so wird es gewiß jedem heilsam werden, der, von der Natur zu edler, freyschaffender Thätigkeit bestimmt, das widerwärtige Gefühl unvorgesehener Hemmung durch eine frisch sich erprobende Kraft zu beseitigen und, insofern es dem Menschen gegeben ist, sich wieder herzustellen trachtet.

Vorstehendes, aus eigensten Erfahrnissen Hergeflossenes möge bezeugen, daß bey dem traurigen Fall, der Sie betroffen, das Andenken früherer Leiden durchaus in meiner Seele rege geworden und daß zugleich alles, was mir hülfreich gewesen, mein Geist wieder hervorrief. Möge diese herzlichste Theilnahme Ihren Schmerz, den sie nicht heilen kann, wenigstens augenblicklich zu lindern das Glück haben. Mit Erwiderung aller freundlichen höchst willkommenen Grüße.

Von Künstlern und Kunstwerken, von Meistern, Gesellen und Schülern lassen Sie mich nächstens reden, und in manchen Anfragen, Wünschen und Hoffnungen meine Theilnahme aussprechen.

treulichst

Weimar den 21. October 1827.

J. W. v. Goethe.[116]


43/83.


An Christian Dietrich von Buttel

Ew. Hochwohlgeboren

verfehle nicht alsogleich zu vermelden, daß die angenehme Sendung, mit dem geneigten Schreiben vom 12. October, glücklich am 21. angekommen und mir wie meinem Sohne bey'm Auspacken eine heitere Stunde verliehen hat, nicht weniger, wie sie jetzt gesondert und geordnet vor uns liegt, zu nicht geringem Vergnügen gereicht. Sodann fordert die höchst anschauliche Darstellung des merkwürdigen Felsens, begleitet von ausreichenden Belegen, den lebhaften Dank der Naturfreunde, besonders in der Mitte des Continents, von mir am meisten, der ich nach klarer Ansicht solcher Dinge immer mehr Verlangen trage, je weniger ich mich vom Orte zu bewegen die Freyheit habe.

Zuvörderst aber will ich bemerken, daß die mir früher zugekommene Notiz: als bestehe die Insel Helgoland aus Porphyr oder gründe sich auf demselben, sich wohl aus einer flüchtigen Beschauung des rothen Sandgesteins herschreiben mochte, wogegen Ihre genaue Beobachtung und Nachforschung den Granit als Unterlage eines mergelartigen Sandgesteins nunmehr höchst wahrscheinlich macht. Die wunderlich ausgespülte Westseite, die sanfter sich absenkende Ostseite, die kalkartige Vorlage, alles wird recht deutlich und anschaulich. Besonders werden die übersendeten Musterstücke dankbarlichst[117] anerkannt, denn ich will nicht läugnen, daß in meinen geologischen Träumen ein Porphyr an dortiger Stelle mich einigermaßen incommodirte.

Die Reste früherer Organisationen des alten Oceans rufen immer zu neuen Betrachtungen aus; die verkies'ten Ammoniten, die umkies'ten Belemniten mit den gleichfalls mineralisch ergriffenen Holzresten deuten allerdings dahin, daß Eisen und Schwefelsäure sich so gern und heftig vermählen, wenn sie nur irgend einen Thalamos finden, wo sie sich in einander fügen und gestalten können.

Wie nun zu gleicher Zeit der saure Kieselstoff, sich mit dem Kalk verbindend oder sich davon scheidend, den Feuerstein an und vor sich, am liebsten aber an und in einem organischen Wesen hervorbringen mag; solches werden wir, wie vieles andere, sehr gern mit Augen schauen, ohne es durchaus begreifen zu wollen.

Nehmen Sie sodann den besten Dank für die hinzugefügten organischen Gebilde, wo sich Leben aus Leben erzeugt und vom Verlebten sich nährt. So ist denn auch das letzte Frischlebendige, der wohleinge packte Igel, mit allen seinen Stacheln auf das vollkommenste zu uns gelangt.

Manche Bemerkungen laß ich nun bey Seite, damit das Gegenwärtige nicht verspätet werde, und gedenke nur, daß im Laufe dieses Monats Herr v. Henning, sodann Herr Professor Hegel bey mir einsprachen, welche ich noch immer unter die thätigen chromatischen[118] Freunde rechnen darf, wie sie denn mich auch dießmal aus einige bedeutende Phänomene aufmerksam zu machen die Gefälligkeit hatten und mit Beyfall vernahmen, daß am Rande der Nordsee sich gleiche Neigung unablässig bewähre.

Hierbey kommt mir in Gedanken, daß es einige Schwierigkeit hat, meine Farbenlehre im Buchhandel zu beziehen; deswegen hoffe ich, es wird dortigen Wohlwollenden nicht unangenehm seyn, wenn ich ein Exemplar übersende; es geschieht irgend einem dortigen Freunde hierdurch wohl einiger Dienst.

Überhaupt wenn Sie, bey Ihrer Entfernung von literarischer Circulation, irgend etwas für Ihre Zwecke zu wünschen hätten, so würde solches sehr gern besorgen. Ihr Kästchen ist in 12 Tagen zu mir gekommen, die Mittheilungen aus der Ferne werden immer schneller und leichter, und es sollte mir sehr angenehm seyn, für die übrige Zeit meines Lebens, für mich wie für Freunde, behenderen Genuß und bequemere Vortheile zu bewirken.

In treuer Theilnahme verharrend

Weimar den 23. October 1827.

J. W. v. Goethe


43/84.


An Johann Friedrich Cotta

Ew. Hochwohlgeboren

danke zum allerbesten daß Sie aussprechen wollten, wovon ich zwar schon überzeugt war: daß Sie den[119] größten Antheil nehmen an der hohen Gnade, welche mir durch Ihren jetzigen Landesherrn geworden ist. Einem solchen außerordentlichen Manne an irgend einem Orte, auf irgend eine Weise persönlich aufzuwarten, wäre jederzeit ein erwünschter Vorzug gewesen. Die Art aber, wie ich mich Seiner Gegenwart erfreute, übertrifft doch alles was die kühnste Hoffnung und der verwegenste Wunsch sich hätten ausdenken können. Sie haben, wie ich höre, auf eine höchst bedeutende Weise den Antheil erklärt, den Sie an den Unternehmungen dieses merkwürdigen Herrn zu nehmen gedenken; ich erfreue mich darüber und wünsche den besten Erfolg auf's herzlichste.

Nun aber lassen Sie mich bey nochmaliger Durchsicht Ihres Schreibens vom 12. April aufrichtig eine Eigenheit, einen Fehler gestehen, über welchen man sich im Laufe meines Lebens öfters beklagt hat. Ich habe nämlich, wenn zwischen Freunden, nothwendig Verwandten und Verbundenen sich einige Differenz hervorthat, immer lieber geschwiegen als erwidert; denn in solchen Fällen bleibt ein jeder doch einigermaßen aus seinem Sinn, und so entstehen ausgewechselte Äußerungen neue Differenzen und die Mißverstände verwickeln sich anstatt sich aufzuklären. Dagegen habe ich gefunden, die Zeit sey die eigentlichste Vermittlerin; in derselben entwickeln sich Handlungen, die einzige Sprache, die zwischen Freunden giltig ist, um das wahre Verhältniß auszudrücken. In dem[120] gegenwärtigen Falle darf ich versichern: daß wenn ich hätte voraussehen können, Sie würden jene Äußerung, daß ein Mitwirken des lebenden Autors der Ausgabe seiner Schriften vortheilhaft seyn müsse, sich zu Gemüthe ziehen und als einen Vorwurf ansehen, [ich] sie sehr gerne zurückgehalten hätte und deshalb mit Ihnen vorher conferirt zu haben wünschte. Daß ungünstige Umstände die Mängel jener so verschrieenen Schillerschen Ausgabe hervorgebracht, war ich längst überzeugt.

Lassen Sie also beiderseitigen guten Willen fernerhin unserm neuen Unternehmen zu Gute kommen; die veränderte Eintheilung ist nach Ihren Wünschen geschehen, das Publicum sieht sich durch unerwartete Einschaltungen überrascht, und ich werde sorgen daß die dritte Lieferung abermals etwas der Art enthalte. Der erst bewiesene Unwille verliert sich nach und nach, und so wird es mir angenehm seyn von Zeit zu Zeit zu vernehmen, wie sich die gute Meynung auch durch reichlichere Subscription auszeichnet.

Was von hiesiger Seite gegen den gothaischen Nachdruck geschehen können, ist ersichtlich aus beykommendem Wochenblatte. Leider ist in Deutschland hierüber sobald noch nichts Allgemeines zu hoffen; Preußen und Hannover haben ein Specialcartell geschlossen, die Regierungen überhaupt sind immer nur gewohnt, das Industriell-Technische was ihnen Nutzen bringt zu beachten, Autor und Verleger sind dagegen wenig vermögend. Indessen werde eben beykommendes Publicandum[121] zum Anlaß nehmen, bey dem Herzoglich Coburgischen Ministerium geziemende Vorstellung zu thun.

Herr Professor Zelter welcher, von München kommend, höchstvergnügt und gestärkt bey mir einkehrte, dankt nochmals zum allerschönsten für die freundliche Aufnahme und empfiehlt sich mit mir zugleich Ihnen und Ihrer theuren Frau Gemahlin auf das allerbeste.

So hochachtend als vertrauend

unwandelbar

Weimar den 24. October 1827.

J. W. v. Goethe.


43/85.


An Carl Friedrich Zelter

Wenn es gleich höchst löblich und erfreulich ist, daß alte Freunde sich wieder begegnen und auf's neue vereinigen, so scheinen sie doch gleich wieder unter Einfluß und Gesetzen des Tags zu stehen, so daß sie gleichfalls der Nichtigkeit vorüberfliehender Stunden ausgesetzt sind. Diese Betrachtungen macht ich nach deiner Abfahrt, einigermaßen verdrießlich, im Bemerken, daß gerade das Wichtigste mitzutheilen versäumt worden. Die Reliquien Schillers solltest du verehren, ein Gedicht das ich auf ihr Wiederfinden al Calvario gesprochen, ferner eine Novelle der eigensten Art, kleiner Gedichte mancherley, drunter eine Sammlung[122] mit der Rubrik: Chinesische Jahreszeiten, und was diesem noch alles sich hätte anschließen können und sollen.

Vielleicht ist es nicht wohlgethan, daß ich dergleichen hinterdrein sage und klage; warum sollte man aber nicht auch des Versäumten gewahr werden, wenn des Gewonnenen und Genossenen so viel ist.

Erfolge dir also der beste Dank für deine liebwerthe Gegenwart, daher mir manches Gute und Liebe geworden und geblieben ist. Danke Herrn Hegel für seinen Besuch, denn ich darf nicht sagen, wie tröstlich es mir erscheint, daß mir, an meine Wohnung Gefesselten, von allen Orten und Enden her soviel Klares und Verständiges zu Theil wird; denn kaum ist mir durch genannten Freund so manche Aufklärung über die Pariser Zustände geworden, so trifft Herr Graf Reinhard ein, von Christiania in Norwegen zurückkehrend, und überliefert mir einen hellen Begriff von jenen nordischen Zuständen. Von Westen kommt mir zugleich eine Beschreibung der Insel Helgoland mit schönen Belegen unorganischer und organischer Natur, consolidirte Reste des Urlebens und noch ganz frische Beweise des Fortlebens und Wirkens des ewigen Weltgeistes. Und so ward mir eine schöne Fortsetzung dessen, was eure Gegenwart mir so reichlich gewährt hatte.

Und so bleibe Gegenwärtiges nicht länger zurück. Vermelde mir bald etwas von deinen Zuständen,[123] auch kläre mich auf über das Unglück was Rauchs betroffen hat; ich habe mir darüber als Welt- und Menschenkenner einige Hypothesen gemacht und bin neugierig, wie nah ich das Ziel berührt habe.

Eilig und treulich

Weimar den 24. October 1827.

Goethe.


43/86.


An Carl Wilhelm Göttling

Ew. Wohlgeboren

bemerkten neulich, als ich das Vergnügen hatte. Sie bey uns zu sehen, daß es wohl gerathen seyn möchte, wenn in Kunst und Alterthum einiges über das hohe Verdienst der zweyten Ausgabe der römischen Geschichte von Niebuhr gesprochen würde. Ich bin derselbigen Überzeugung, nur daß ich nicht im Stande bin, mich gegenwärtig auf den Grad zu sammeln, um über diesen Gegenstand etwas wahrhaft Würdiges auszusprechen. Nun haben aber Ew. Wohlgeboren als Meister dieses Fachs gedachtes Werk gewiß schon durch und durchgeschaut und erprobt, und ich dürfte daher wohl die Gefälligkeit hoffen, daß Sie in Kürze zusammenfassen möchten, was besonders in diesem Werke hervortritt, wovon Sie neulich schon einige Winke gaben, denn es wäre hier weder von Anzeige noch Recension die Rede. Auf Ostern war meine Absicht abermals ein Heft hervortreten zu lassen in möglichst[124] prägnantem Inhalt, und hiebey würde ein Aufsatz von Ihrer Hand gewiß willkommen seyn. Sie würden dadurch auch in Abwesenheit freundlich auf Ihr Vaterland einwirken.

Mich bestens empfehlend und mir und den Meinigen geneigte Theilnahme auch forthin wünschend.

Hochachtungsvoll

ergebenst

Weimar den 24. October 1827.

J. W. v. Goethe.


43/87.


An Friedrich Wilhelm Joseph von Schelling

Gräfin Fritsch hat mir schon einigemal höchst angenehme Gaben von ihren Reisen mitgebracht, die letzte war höchst erwünscht, ein Schreiben von Ihrer Hand, mein theurer verehrter Freund. Denn seit den früheren Anfängen einer gemeinsamen Bildung sah ich mich gar oft nach Ihrem Thun und Treiben um, woraus ich jederzeit eine freundliche und glückliche Anregung erfuhr. Lange haben Sie sich vor uns verborgen gehalten, und es freut mich Sie nun wieder auftreten zu sehen, berufen von einem Fürsten, der die Thätigkeit des Jahrhunderts zu beschleunigen und zu benutzen weiß.

Wäre mir irgendwo das Glück bereitet gewesen, ihm persönlich aufzuwarten, so hätte mir schon dieß zum größten Vortheil gereichen müssen; nun aber[125] macht die Art, wie er sich uns zu nähern geneigt war, eine Epoche in meinem Leben, glänzend wie die, welche ihm in der Weltgeschichte bereitet ist. Mehr darf ich nicht hinzufügen, als daß ich Sie glücklich schätze, zu seinen hohen Zwecken mitwirken zu können.

Willkommen ist mir gar mancher Reisende, der von Ihnen und Ihren Zuständen zu erzählen hat. Grüßen Sie zum allerschönsten die theure Gattin, deren liebes Andenken in der Form schmackhaft vegetabilischer Gaben mir vor einiger Zeit höchst angenehm gewesen und dankbarlichst aufgenommen worden. Lassen Sie mich von Zeit zu Zeit vernehmen, wie Sie in Ihrem Geschäft fortschreiten, damit die spätem Jahre den früheren ähnlich und die gemeinsame Wirkung erfreulich werde. Die schon früher angedeuteten und nun akademisch angezeigten und zugesagten Weltalter behalte ich sehnsuchtsvoll im Auge.

Treuanhänglich

unwandelbar

Weimar den 26. October 1827.

Goethe.


43/88.


An Johann Heinrich Meyer

Mögen Sie, mein Theuerster, durch Betrachtung des Homerischen Bildes, durch Lesung meines kleinen Aufsatzes sich bewogen fühlen, Ihre früheren Notamina deshalb aufzusuchen. Heute Mittag hoffe ich[126] Sie bey uns zu sehen und das Weitere so wie manches Andere zu besprechen.

treulichst

Weimar den 26. October 1827.

G.


43/89.


An Heinrich Carl Friedrich Peucer

Ew. Hochwohlgeboren

haben mich durch Übersendung des für uns Weimaraner wichtigen Zeitungsblattes ganz besonders verpflichtet; mein Dank jedoch würde sich verdoppeln, wenn Sie mich vor dem androhenden Vierteldutzend frauenzimmerlicher Tragödien beschützen und diesen Kelch ablenken wollten. In Hoffnung baldiger mündlichen Unterhaltung

gehorsamst

Weimar den 26. October 1827.

J. W. v. Goethe.


43/90.


An Wilhelm Reichel

Ew. Wohlgeboren

vermelde schleunigst die glückliche Ankunft der vollständigen zweyten Lieferung meiner Werke Sedezausgabe unter Kreuzband, so wie der begonnenen Octavausgabe.

Was Sie hie und da bemerkt und wie Sie nachgeholfen, erkenne durchaus dankbar. Den Mangel auf dem Titel habe freylich und ungern gesehen;[127] weil man aber in alten Tagen manches hingehen läßt, was man in jüngeren gerügt haben würde, so unterließ ich's anzuzeigen, und thut mir leid, daß auch ich in diesem Sinne Schuld an dem mehreren Aufwand habe.

Hiebey folgen noch einige Desiderata zu dem dritten Bande, Bemerkungen zu dem vierten, welche sich glücklicherweise aus wenig Druckfehler beziehen.

Für mich ist es große Beruhigung, diese Angelegenheit in Ihren Händen zu wissen; sie ist überhaupt von so bedenklicher Art, daß ich wohl wünschen darf, die noch übrigen drey Viertel mit Ihrem treuen Beystand durchgeführt zu sehen. Senden Sie mir doch auch, wie ein Band der Octavausgabe beysammen ist, ein Exemplar aus Schweizerpapier mit der fahrenden Post; ich würde es sauber binden lassen und vorzeigen. Es ist überall viel Nachfrage nach der Octavausgabe.

Mit den besten Wünschen und Hoffnungen, vertrauend fernerer Theilnahme, empfehle mich geneigtem Andenken.

Ergebenst

Weimar den 26. October 1827.

J. W. v. Goethe.


43/91.


An Friedrich Theodor von Müller

Wenn schon Ew. Hochwohlgeboren dießmal nicht ganz aus freyem frohen Willen sich in München befinden,[128] so begrüße doch Dieselben daselbst auf's beste und wünsche Glück, daß Sie in dem Falle sind, Ihro Majestät dem Könige persönlich lebhaft unsern Dank auszusprechen; auszudrucken, wie sehr wir empfinden, daß er durch theilnehmende Gnade unser Thun und Streben auf's innigste und kräftigste gefördert und seinen so großen und herrlichen Wirkungskreis auf's neue weit und würdig ausgebreitet hat.

Durchdringen Sie sich von allem dem was dort geschieht, damit wir in der Ferne immer mehr einen klaren gründlichen Blick dorthin wenden, wo so vieles geschieht was den größten Einfluß aus unsre hochbewegte Zeit hat und haben muß. Gar manches vernahm ich durch Vermittlung Zelters und anderer Freunde, und nun hoffe ich durch Sie, mein Theuerster, eine recht vollständige Erfüllung. Können Sie mir das auf einem Beyblättchen bezeichnete Werk gefällig mitbringen, so geschieht mir ein großer Dienst; ich habe solches durch den Buchhandel bisher nicht erhalten können.

Übrigens war diese Tage her Ihre Gegenwart durchaus vermißt: die Herren Zelter und Hegel, der junge Meyer und sonstige bedeutende Gäste hätten durch Ihre Gegenwart an Unterhaltung auf jede Weise gewonnen und dagegen auch manches wieder zu Gute gegeben. Wenn nun aber zuletzt Graf Reinhard mit Gattin und Sohn aus Norden eintraf, so ward der Mangel Ihrer Gegenwart erst besonders fühlbar.[129] Ihre Frau Gemahlin wird freundlich berichten, wie es bey dem frohen, leider einzigen Mittagsmahl zugegangen. Vater und Sohn haben zu Gattin und Stiefmutter ein gar zartes liebevolles Verhältniß, das sie alle Unbilden einer schweren und gefährlichen Reise gefaßt übertragen ließ. So hat auch das Kleeblatt bey Hof und durchaus den besten Eindruck gemacht. Ich habe nicht zu sagen, daß die Dame sich in Heiterkeit und Anmuth immer gleich bleibt und aus jede Umgebung günstig wirken muß.

Die zweyte Lieferung meiner Werke ist, wenigstens in Aushängebogen, angelangt; neue Forderungen aber entwickeln sich täglich; ein Heft von Kunst und Alterthum bereite vor, es soll mich freuen, wenn Sie mir irgend etwas auch zu diesem Zwecke von Süden zurückbringen. Hofrath Meyer ist wohl und munter aus dem Vaterlande in Weimar gern und mit Vergnügen eingetroffen; er gesteht, daß er sich dort wie ein erwachender Epimenides gefühlt, und ob er gleich alles lebendig, thätig und bestrebsam gefunden, doch gern in das Thüringen zurückgekehrt sey, wo das Industrielle zwar auch in Ehren, aber doch vom Geiste einigermaßen im Gleichgewicht gehalten wird.

Zwey Übersetzungen der Verlobten beschäftigen mich und Riemern an den herkömmlichen Abenden; wir vergleichen sie mit dem Original, welches durch diese Folien erst recht in seinen höchsten Glanz hervorgehoben wird. Von wieviel andern Dingen hätte[130] ich nicht noch zu sprechen; da möge denn auch für die Rückkehr manches aufbewahrt seyn.

Gibt es die Gelegenheit, so wünscht ich, Sie gäben eine meiner Medaillen an Herrn v. Martius mit meinen besten Grüßen. Durch eine wunderliche Complication hat, soviel ich weiß, dieser werthe Mann noch keine derselben empfangen, da sie ihm doch unter den ersten zugedacht war.

Nun aber, indem ich schließe, muß ich vermelden, daß Ottilie sich noch in demselben Zustand befinde, wie Sie solche verlassen haben. Vor alten Zeiten behauptete man, auf eine so langsame Weise würde sich der Antichrist in die Welt schleichen, und mir scheint bedenklich, daß das rationalistische Weimar sie in diesem Augenblick mit noch größerm Unheil bedrohen dürfte.

Möge allen alles gelungen seyn, wenn wir uns wiedersehen.

Eiligst wie treulichst

Weimar den 27. October 1827.

J. W. v. Goethe.


Schließlich bemerke noch ausgesprochener als im Vorigen: daß es sehr schön wäre wenn Sie mir eine Correspondenz daselbst in literarisch-artistischem Sinne einleiten könnten; was vor Weihnachten anlangt, kann in das nächste Stück von Kunst und Alterthum aufgenommen werden. Es sollte mich freuen, etwas Angenehmes dorthin zurückklingen zu lassen.[131]


43/92.


An Carl Friedrich Zelter

Du kannst dir nicht vorstellen, mein Theuerster, welch einen hübschen Abschluß zu deinem harmonischen Reisegesang diese verdrießliche Coda zu genießen gibt; laß dich's nicht reuen wie so manches andere; wobey ich aber gern gestehe, daß es mich doch einigermaßen gewundert hat, im Flor des neunzehnten Jahrhunderts einen Philosophen zu sehen, der den alten Vorwurf aus sich lud, daß nämlich diese Herren, welche Gott, Seele, Welt (und wie das alles heißen mag was niemand begreift) zu beherrschen glauben, und doch gegen die Bilden und Unbilden des gemeinsten Tages nicht gerüstet sind.

Inliegend1 ein Paquet an Herrn Geh. Rath Streckfuß. Nach einigen vorläufigen Notizen ersuche ich ihn um Beyträge zu Kunst und Alterthum. Da mir so vieles an- und aufliegt und ich aufgefordert, ja gedrängt werde, diese Hefte fortzusetzen, so habe ich alle Ursache, mich nach wackern Theilnehmern umzusehen.

Hast du irgend etwas das du dem Druck übergeben möchtest, so theile es mit, ich werde es wie immer mit Ernst und Fleiß durchsehen. Habe ich etwas dabey zu erinnern oder daran zu mäkeln, so[132] meld ich es zu fernerem Berathen. Bis Weihnachten haben wir Zeit, alsdenn denk ich abzuschließen.

Laß mich nun auch von etwas Widerwärtigem sprechen: Doris Brief an Ulriken gibt mir einen Blick in den traurigsten Zustand des schönen und guten Mädchens; hier ist nicht an Heilung eines großen Übels, sondern nur an Linderung zu denken, und du hast wohl selbst bey dem Verweilen in unserm Kreise gefühlt, welches peinliche Stören und Entbehren aus Ulrikens gleich unheilbarem Zustande hervorgeht.

Aber was soll ich zu dem Rauchischen Falle sagen? dieser scheint sittlich verletzend zu seyn und um desto schlimmer zu erdulden. Ich empfinde ihn sehr peinlich. Sage das Nähere!

Du thatest wohl, die Welt einmal wieder in ihrer verwegenen Regsamkeit zu beschauen, das geht denn immer fort und vorwärts wie eine Belagerung; niemand kümmert sich, wer in den Tranchéen oder bey einem Ausfalle zu Grunde geht; was zuletzt erstürmt wird wollen wir nicht genau erforschen.

Daß mein Brief nach München zu dir gelangt ist, freut mich sehr; bey demselben will ich nur bemerken, daß der Blut- und Circulations-Schulze sich bey mir keineswegs empfohlen hat, indem er auf eine recht anmaßlich-jugendlich-ungeschickte Weise meiner früheren Bemühungen im botanischen Fach gedenkt und mir zum Vorwurf macht: daß ich vor vierzig[133] Jahren nicht völlig gethan habe was bis jetzt noch nicht geleistet ist.

Andererseits hat euer Link, den ich nicht schelten will, weil du ihm gewogen bist, neuerlich [bey] einem gewissen Anlaß, wo er nothwendig meiner Metamorphose der Pflanzen hätte gedenken sollen, dieselbe mühsam verschwiegen und einen alten Linnéischen, zwar geistreichen aber nicht auslangenden Einfall wieder hervorgehoben. Es ist mir doch als wenn selbst gute und vorzügliche Menschen an gewissen Tagen, unter gewissen Umständen, nichts zu taugen verdammt wären.

Hätte ich mich nicht in die Naturwissenschaften eingelassen, so wäre ich nie zu dieser Einsicht gelangt; denn in sittlichen und ästhetischen Dingen läßt sich das Wahre und Falsche niemals so in die Enge treiben; im Wissenschaftlichen aber, wenn ich redlich gegen mich selbst bin, muß ich es gegen andere seyn, und so gereut mich die undenkliche Zeit nicht, die ich auf dieses Fach verwendet habe; denn nach meiner Behandlung muß jeder Tag, muß Gönner und Widersacher mich fördern, sie mögen sich stellen wie sie wollen.

In Eile treulichst.

Weimar den 27. October 1827.

J. W. v. Goethe.


[134] 1 NB. Eine an dich gerichtete Sendung ist auf die fahrende Post gegeben.


43/93.


An Adolf Friedrich Carl Streckfuß

[Concept.]

[27. October 1827.]

Ew. Hochwohlgeboren

angenehmes Schreiben drückt meine ganze Überzeugung aus: daß die persönliche Bekanntschaft, das Siegel eigentlich auf jedes wahre sittliche Verhältniß zu drucken, gefordert werde, und ich zweifelte nicht, daß Sie von mir mit gleicher Empfindung scheiden würden. Lassen Sie es fortan also bleiben und [uns] eine lebendige Thätigkeit gemeinsamlich befördern.

Sie haben in dem Försterischen Tagesblatt so wie in einem Briefe an mich über die Verlobten so rein und treulich gesprochen, daß man es Ihnen nachzuthun nicht hoffen darf. Mögen Sie mir für Kunst und Alterthum einen solchen Aussatz zusenden, der die Verdienste dieses uns so werthen Romanes ausdrückte, so würden Sie mich sehr verbinden. Ich sammle zu einem neuen Stücke von Kunst und Alterthum, das ich recht prägnant machen möchte, und habe deshalb schon mehrere Freunde zu Hülfe gerufen.

Der erste Theil des Romans ist nun zweymal übersetzt in meinen Händen, von Leßmann und Bülow. Ich vergleiche nun Abends mit Riemer diese beiden Arbeiten mit dem Original; dieß ist eine der schönsten und fruchtbarsten Unterhaltungen. Wie Geschichtserzählung mit episch-dramatischer Darstellung sich im[135] Conflicte zeigt, ist in diesem Falle höchst merkwürdig zu sehen. Freylich wenn ein Werk wie dieses, woran Manzoni einen großen Theil seines Lebens, ja man darf wohl sagen, von Jugend ausgearbeitet hat, nun mit Verlegerschnelle in ein fremdes Idiom hinübergetrieben wird, da ist freylich das Höchste nicht zu fordern. Möge das was wir darüber zu sagen haben für eine zweyte Auflage zum Nutzen gebracht werden.

Zugleich sende ein neues Trauerspiel: Antonio Foscarini, welches angenehm seyn wird, wenn Sie es noch nicht kennen sollten. Möchten Sie gleichfalls in einer kurzen Anzeige Ihre Gedanken über den Werth desselben aussprechen, so geschähe mir ein besonderer Gefallen. Ich muß meine Gedanken jetzt anderer Orten zusammenhalten und darf sie auf nichts Fremdes, am wenigsten auf Tragödien hinwenden.

Haben Sie irgend ein Werk in ausländischer Literatur, worüber Sie mit wenigem Ihre Gesinnung aussprechen möchten, so thun Sie es und geben mir Kenntniß davon. Die Producte der verschiedenen Nationen gehen jetzt so velociferisch durch einander, daß man sich eine neue Art, davon Kenntniß zu nehmen und sich darüber auszudrucken, verschaffen muß. Können Sie sich entschließen, hieran Theil zu nehmen, so sende den intentionirten Inhalt des nächsten Stückes, auf alle Fälle gegen Ende des Jahres. Wenn man auch nicht aus Universalität hinarbeitet, so scheint es mir im Augenblicke nöthig darauf hinzudeuten.

[136] Mit den besten Wünschen und Hoffnungen vertrauend und theilnehmend.

Weimar den 26. October 1827.


43/94.


An Ernst Fleischer

[Concept.]

Ew. Wohlgeboren

sowohl als Herrn Adolph Wagner bin ich viele Verpflichtung schuldig für die schöne Gabe die ich beiden verdanke. Möge Beyliegendes für Sie den Werth haben, daß Sie sich gern dabey meiner und der Zustände erinnern, die mir in Ihrer Nachbarschaft glückliche Tage gewährten, wie ich sie allen Wohlwollenden von Herzen wünsche. Der ich, Ihrer ausgezeichneten Thätigkeit alle Begünstigung des waltenden Geschickes hoffend, geneigtem Andenken mich Bestens empfehle.

Weimar den 29. October 1827.


43/95.


An Johann Heinrich Meyer

Hiebey sende, mein Theuerster, das versprochene Büchlein mit der Bitte, die Seite zu bezeichnen, wo Sie den Namen Oudet, eines französischen Kriegsmannes, mit Lob genannt finden. Es ist auch sonst schon in manchem Sinne eine bedeutende Person. Vielleicht sprechen Sie heute Abend auf ein Stündchen bey mir ein.

Weimar den 29. October 1827.

G.[137]


43/96.


An Gottlob Heinrich Adolph Wagner

Indem ich mich, mein Werthester, nach irgend einem Zeichen umsehe, womit ich besser als mit Worten den freudigen Dank ausdrückte, welchen ich bey'm Anblick der herrlichen Gabe empfinde, die Sie mir verleihen wollen, fällt mir ein Gefäß in die Augen, welches mich zu mancherley Gedanken veranlaßt. Ich habe mich dessen viele Jahre in Freude und Leid bedient und es erscheint mir als ein Zeuge der vielfachsten Ereignisse.

Bedienen Sie sich desselben gleichfalls und erfrischen mein Andenken bey'm Genusse des Getränks, das so wohl als die Poesie zu den schönsten Erzeugnissen gehört, durch welche des Menschen Geist und Witz die Natur zu überbieten trachtete.

Auch der köstliche Gehalt in würdiger Umgebung, den ich Ihrer und Herrn Fleischers Freundlichkeit verdanke, bleibt mir stets zur Seite; es ist eine vollständige Bibliothek, die wohl hinreichend wäre, ein ganzes Leben zu beschäftigen und den vollständigen Menschen auszubilden, daher ich Ihnen Glück wünsche, daß Ihre Thätigkeit bis in das Einzelne dieser geheimnißvollen Schätze sich zu versenken den Muth hatte.

Für jetzt und künftig Ihrem geneigten Andenken mich empfehlend

ergebenst

Weimar den 29. October 1827.

J. W. v. Goethe.[138]


43/97.


An Treutel und Würtz

[Concept.]

[30. October 1827.]

Ew. Wohlgeboren

erlauben daß ich in Nachstehendem Deroselben Gefälligkeit in Anspruch nehme. Schon im Juli dieses Jahrs vermeldete mir Sir Walter Scott, er habe Ihrer Handlung den Auftrag gegeben, mir ein Exemplar von dem Leben Napoleons zu übersenden, welches jedoch bis jetzt noch nicht bey mir eingelangt ist. Herr Münderloh, hiesigen Orts angesehener Kaufmann, übernimmt diese Angelegenheit in Erinnerung zu bringen und, insofern ihm gedachtes Exemplar überliefert wird, es mitzunehmen und mir einzuhändigen.

Der ich, mich zu geneigtem Andenken bestens empfehlend, die Ehre habe mich zu unterzeichnen.

Weimar den 29. October 1827.


43/98.


An Friedrich Johannes Frommann

[Concept.]

Ew. Wohlgeboren

sende hiebey die Probedrücke der beiden kleinen Gedichte dankbar zurück; mein Sohn ist der Meynung, man möge die alten Überschriften beybehalten, um jener frohen Epochen sich jederzeit dabey zu erinnern. Durch weitere geneigte Besorgung verpflichten Sie uns auf's neue.[139]

Der letzte kurze Aufenthalt hat mir das werthe Jena wieder so frisch und lebendig vor Sinn und Auge gebracht, daß, wäre die Jahrszeit nur nicht so vorgerückt, Sie mich gewiß schon wieder gesehen hätten. Freundschaftliche Unterhaltung und reichliche Belehrung würden mich wie sonst zu fesseln ihre Kraft ausüben.

Mit den besten Empfehlungen mich unterzeichnend.


43/99.


An Carl Emil Helbig

[Concept.]

Ew. Hochwohlgeboren

lege hiebey eine Rechnung vor über neuerlichst und schon früher eingesendete Boisserée'sche Hefte, welche von mir an das Großherzogliche Museum abgegeben worden, mit Bitte, deren Ausbezahlung gefällig zu besorgen, da solche auf frühere an Rath Haage eingereichte Rechnungen nicht erfolgt ist.

Mich zu geneigtem Andenken bestens empfehlend.

Weimar den 30. October 1827.


43/100.


An Alessandro Poërio

Mit Vergnügen und Dank habe Ihr Schreiben, mein werthester Herr, vom 17. September mit beygelegter Tragödie durch Vermittlung des Herrn v. Savigny erhalten, auch Ihre frühere Sendung war[140] zu rechter Zeit angekommen. Ich zweifle nicht, daß bey der Aufführung die Verdienste des Antonio Foscarini mit Beyfall aufgenommen worden. Meine Freunde, die sich mit mir nach auswärtiger Literatur umthun, wissen das genannte Stück gleichfalls zu schätzen und ich hoffe, nächstens davon ein günstiges Zeugniß abzulegen.

Von den Promessi Sposi sind schon zwey Übersetzungen unter der Feder, ja die ersten Theile schon aus der Presse. Empfehlen Sie mich dem werthen Manne, wenn er sich noch in Florenz befindet; seine liebenswürdigen Arbeiten verbreiten sich auch in Deutschland immer mehr, sowohl durch den Abdruck der Originale als durch Übersetzungen.

Leben Sie recht wohl und geben mir manchmal Nachricht von sich und der neuen italiänischen Literatur. Glauben Sie daß Ihre Briefe richtig ankommen, wenn ich auch nicht immer alsogleich zu antworten im Stande seyn möchte. Auf alle Fälle werde ich von Ihren Mittheilungen den besten Gebrauch machen.

Das Beste wünschend

ergebenst

Weimar den 1. November 1827.

J. W. v. Goethe.


43/101.


An Christian Daniel Rauch

Lassen Sie mich nun, theuerster Mann, von Künstlern und Kunstangelegenheiten das weitere verhandeln:

[141] Unsere junge Facius, die gewiß unter Ihren Augen am meisten gewinnen und zunehmen kann, bleibe Ihnen wie bisher empfohlen. Nach Verlauf des Winters wird sich ja ergeben, was für sie und einen längern Aufenthalt in Berlin weiter geschehen kann.

Der junge Meyer hat, wie Sie nun schon bemerkt haben, recht hübsche Anlagen; da er aber bisher ganz naturalistisch, ohne eines gründlichen Unterrichts zu genießen, verfahren ist, so wird er in Berlin für die erste Zeit auf genauere Kenntniß des menschlichen Körpers, aus inneres Verständniß der Glieder, die er von außen darstellen will, geleitet werden und Sie ihn deshalb am besten dirigiren können, wenn Sie ihn auch in Ihr Atelier aufzunehmen nicht im Fall wären. Er ist an Herrn Professor Lichtenstein adressirt und mit diesem könnte deshalb wohl auslangende Rücksprache genommen werden.

Von Herrn Brandt habe ich immer den besten Begriff gehabt und nur an ihm eine gewisse Stetigkeit feiner Kunstleistungen vermißt; wenigstens bey der Medaille war zu bemerken, daß er das Vorliegende nicht sowohl zu bessern, als vielmehr immer etwas ganz Anders zu machen geneigt war; da denn freylich zuletzt ein höchst Lobenswürdiges, aber gewissermaßen Unerwartetes zum Vorschein kam.

Sie kennen sein Verfahren Schritt vor Schritt und wissen es daher genauer zu beurtheilen. Hat er, wie gegenwärtig der Fall ist, ein würdiges Vorbild,[142] von dem er nicht weichen noch wanken darf, so wird er gewiß etwas ganz Vorzügliches leisten und sich dabey wohl selbst zu eigner Entschiedenheit ausbilden. Was Sie mir irgend von seinen Arbeiten gefällig mittheilen mögen und können, soll mich aus eine höchst angenehme Weise von den Fortschritten Ihrer dortigen großen Anstalten überzeugen.

Daß ferner Herr Tieck in angemessener Thätigkeit fortfährt, ist seinem schönen entschiedenen Talente ganz gemäß. Könnten Sie mir eins der bemerkten Modelle im Abguß zusenden, so würde Gelegenheit finden, meinen guten Willen in Empfehlung solcher Arbeiten zu bethätigen.

Daß der Tod des Herrn v. Bethmann der Ausführung jener Statue nicht, wie ich befürchten mußte, gleichfalls schädlich, ja tödtlich sey, scheint mir aus Ihren Worten, welche die Ursachen der Verzögerung angeben, klar hervorzugehen; und es sollte mir freylich höchst angenehm seyn, in diesem Denkmal zugleich ein Zeugniß Ihres Kunstverdienstes und Ihres Wohlwollens zu erleben.

Daß so viele auf einander folgende Gußarbeiten diese Kunst nach und nach in Berlin sehr hoch steigern müßten, war vorauszusehen; es erfüllt sich aber im vollsten Maaße. Die Bestrebungen des Herrn Beuth sind mir durch die Freundlichkeit des werthen Mannes immerfort bekannt geblieben. Ich verdanke ihm die anmuthigsten Abgüsse einiger Terracottas und einiger[143] Figuren aus der Vergötterung Homers. Haben Sie doch ja die Güte, mir auch manchmal irgend ein Kleines, welches in der Kunst niemals eine Kleinigkeit ist, gefällig zuzusenden zu einigem Trost für so viele Entbehrungen.

Nun aber von etwas Colossalem zu reden, so gestehe ich, daß ich den Kopf des Antinous von Mondragone, wie ihn Herr Kohlrausch zurückließ, gar gern besessen hätte. Sagen Sie mir aus folgende Frage ein trauliches Wort: Bey Ihren großen und herrlichen Besitzungen kann Ihnen dieser Kopf nicht wohl von solcher Bedeutung seyn, wie er mir wäre; könnten Sie mir ihn abtreten und um welchen Preis? Wo steht wohl das Original gegenwärtig? Ich habe es noch in Mondragone an Ort und Stelle gesehn und verwahre eine gelungene Zeichnung von Bury bis zum Maaß eines natürlichen Menschen verkleinert. Verzeihen Sie dieses Anmuthen, aber ich darf wohl sagen, es ist der einzige wahre Genuß der mir noch übrig blieb, mich an plastischer Kunst zu erquicken. Ich verdanke neuerlich den dortigen Anstalten die Abdrücke der Stoschischen Sammlung, die uns bequem in jene Zeiten versetzen, welche wieder herbeyzurufen die besten Kunstgeister unsrer Zeit beflissen sind. Und so erlauben Sie mir noch eine Frage: Wäre nicht irgend ein Abguß eines Theils Ihrer Basreliefe am Blücher'schen Monument zu erlangen?

Hier schließe ich ab, da unser Freund Alfred[144] Nicolovius so eben nach Berlin zurückkehrt. Die schönsten Empfehlungen an die werthen Freunde; die besten Grüße Ihrer liebwerthen Tochter und die Versicherung treuster Anhänglichkeit und Theilnahme.

unwandelbar

Weimar den 3. November 1827.

J. W. v. Goethe.


43/102.


An Peter Christian Wilhelm Beuth

[Concept.]

Ew. Hochwohlgeboren

hat, wie ich hoffen kann, der theure Zelter schon zu melden Gelegenheit gehabt, wie die Weimarischen Kunstfreunde durch Ihre gefällige letzte Sendung in Thätigkeit gesetzt worden. Um alles aus die Vergötterung Homers, in jenem wichtigen Marmor dargestellt, Bezügliche sich vergegenwärtigen zu können, wurden die Nachbildungen des Santo Bartoli und Galestruzzi hervorgesucht, nicht weniger was durch Pater Kircher, Cuper, Polenus und andern darüber ausgesprochen worden, woraus denn ein kleiner Aufsatz entstand, welchen ich in dem nächsten Heft von Kunst und Alterthum mitzutheilen gedenke.

Der junge Mann namens Dinger, dessen Geschicklichkeit und Beförderung Sie mir anzeigen, ist mir durch den schönen Abguß in Bronce, den ich der Gnade Ihro Königlichen Hoheit des Kronprinzen verdanke,[145] bekannt geworden, und ich wünsche ihm Glück, unter Ihrer Leitung seinen Weg zu gehen. Mehr als jemals hat man in diesen Zeiten Ursache, sogleich die rechte Schmiede zu kennen und zu suchen, wo ein Bestreben das andere treibt und eine Geschicklichkeit die andere zu überbieten trachtet. Ihre Reisen und ein ununterbrochenes Ausüben setzen Sie freylich mehr als jeden andern in den Stand, das Vorzüglichste gewahr zu werden und zu leisten. Deshalb ich zu der großen Förderniß Glück wünsche, die Ihnen von Seiten Ihro Majestät des Königs zu Theil worden. Ich freue mich zum voraus, auch von den Früchten derselben mitzugenießen.

Darf ich bitten, gelegentlich des gefällig zugesagten kleinen Basreliefs Hawkins zu gedenken? der Wunsch, solches in der Wirklichkeit zu sehen, war sogleich lebhaft und die Hoffnung, die Sie mir gaben, solches zu besitzen, höchst erfreulich.

Da ich Ew. Hochwohlgeboren schon früher mit dem Wunsch, auch Thiergestalten von tüchtigen Künstlern im hohem Styl ausgeführt zu sehen, beynahe unbequem geworden bin, so überzeugen Sie sich ohne weiteres, daß mir die Übersendung des so vorzüglich nachgebildeten Hundes höchst angenehm gewesen; er hält nun bey den übrigen Gaben, die ich Ihnen verdanke, getreulich Wache.

Wo mag das Original jener köstlichen Schale, worauf die göttlichen Wagenlenker zu sehen sind,[146] welche Sie in Ihren Musterblättern mittheilten, zu finden seyn? Wer hat sie zuerst publicirt? Verzeihen Sie diese Fragen und fahren fort, mich von Zeit zu Zeit mit einiger Mittheilung zu erquicken.

Alfred Nicolovius, der mich so eben verläßt, um nach Berlin zurückzukehren, übernimmt, Gegenwärtiges zu überbringen; ich ergreife diese Gelegenheit um so lieber, als er mündlich bezeugen kann, wie sehr Ihre Gaben zu der belehrenden Behaglichkeit beytragen, in der ich mich durch manche versammelte Gegenstände zu erhalten wünsche.

Weimar den 3. November 1827.


43/103.


An Carl Friedrich Zelter

Alfred Nicolovius, welcher sich eben hier befindet, hat nicht verfehlt, mir jene häßliche Novelle in ihren Einzelnheiten vorzutragen, die du nach meiner Überzeugung vollkommen einsichtig lakonisch darstellst.

In meiner Biographie muß eine Stelle vorkommen, wo ich ausspreche welche bange Wirkung mir, dem Jüngling, die Entdeckung solcher unterschwornen und so übertünchten Familienverhältnisse gemacht; du hast ganz Recht, daß solcher Art manches im Finstern dahinschleicht, bis einmal der Zufall oder wie hier eine Art Wahnsinn das Ungebührliche an's Licht schleppt. Daß unser Bedauern dem Unheil gleich sey[147] bist du überzeugt. Habe Dank, daß du durch anmuthige Relation die Anmuth der zierlichen Sängerin auch mir hast vergegenwärtigen wollen; mein Ohr ist dieser Genüsse längst entwöhnt, der Geist aber bleibt für sie empfänglich. Die neuliche Vorstellung der Zauberflöte ist mir übel bekommen, früher war ich empfänglicher für dergleichen, wenn auch die Vorstellungen vielleicht nicht besser waren. Nun kamen zwey Unvollkommenheiten, eine innere und äußere, zur Sprache, Anregungen wie das Anschlagen einer Glocke die einen Sprung hat. Gar wunderlich; wollte ja auch die Wiederholung deiner geliebten Lieder nicht gelingen! Es ist besser, dergleichen zu ertragen als viel davon zu reden oder gar zu schreiben.

Dagegen fährt die bildende Kunst, besonders die plastische, immer fort, mich glücklich zu machen. Die Abbildungen der Stoschischen Sammlung unterhalten mich auf's beste, auch Herrn Beuths höchst gefällige Sendungen dienen mir und Meyern zu den Besten Entwickelungs- und Belehrungsgesprächen. Wir stellen ein Heft Kunst und Alterthum zusammen, wobey ich denn immer auch zunächst für dich zu arbeiten gedenke.

Die nähere Bekanntschaft mit Zahn und seinen Arbeiten wird dir gewiß heilsam und ersprießlich seyn; ich für meine Person bin in dem Falle, daß mich das Anschauen des Alterthums in jedem seiner Reste in den Zustand versetzt, worin ich fühle ein Mensch zu seyn.

[148] Bey dem herzlichsten Wunsche, daß deiner Louise Mißgeschick erst durch Linderung möge gebessert und sodann durch Jugendkraft wieder hergestellt werden, erwarte sehnlichst die Relation des Dr. Leo. Einige Recensionen von ihm in der Hegelischen Zeitschrift haben mir von ihm ein gutes Zeugniß gegeben.

Vorstehendes lag einige Zeit. Nun kommt dein Werthes vom 30. October und so mag dieses Papier nicht länger harren.

In meinem Hause leidet die Mutter, wie herkömmlich, an manchen Nachwehen, an Verschiedenen, in Übles und Böses umschlagenden Naturnothwendigkeiten. Das schöne Kind gedeiht. Ich fahre fort, an Faust zu schreiben, wie es die beste Stunde gibt. Sonst ist mir manche literarische Neuigkeit zugekommen, die mich aufregt, in Kunst und Alterthum etwas darüber zu sagen. Wie ich denn überhaupt dem nächsten Stücke einen besonderen Ton und eigne Behandlung der Dinge zu geben gedenke.

Auch recht hübsche Zeichnungen, um mäßigen Preis, sind mir zugekommen und ich erwarte eine Sendung Majolika von Nürnberg; dieß ist eine Art Thorheit, in die mein Sohn mit einstimmt. Indessen gibt die Gegenwart dieser Schüsseln, Teller und Gefäße einen Eindruck von tüchtig-frohem Leben, das eine Erbschaft großer mächtiger Kunst verschwendet. Und wie man denn doch gern mit Verschwendern lebt, die sich und uns das Leben leicht machen, ohne viel zu[149] fragen, woher es kam und wohin es geht; so sind diese Dinge, wenn man sie in Masse vor sich sieht, von der allerlustigsten Bedeutung. Wie kümmerlich sind dagegen unsere Porcellanservice, auf denen man Blumen, Gegenden und Heldenthaten zu sehen hat; sie geben keinen Totaleindruck und erinnern immer nur an Botanik, Topographie und Kriegsgeschichte, die ich nur im Garten, aus Reisen und [in] müßigen Stunden lieben mag. Du siehst, wie man seine Thorheiten zu beschönigen weiß, gepriesen aber sey jede Thorheit, die uns dergleichen unschädlichen Genuß verleiht.

Möge denn auch dieses Blatt den Weg antretenden ich so gerne selbst zurücklegte, und dich zu baldigem Erwidern freundlichst aufregen.

So sey und gescheh es

Weimar den 6. November 1827.

Goethe.


43/104.


An Johann Jacob Lechner

[Concept.]

Ew. Wohlgeboren

vermelden mir, daß die in Ihrem Katalog angezeigte Majolika in zwey Kisten wohl verpackt sey und jeden Augenblick abgehen könne. Hierauf erwidere kürzlich: daß, wenn die Summe von hundertunddreyßig Thalern sächs., welche sich ganz nah an Ihre Forderung stellt, Ihnen genehm ist, Sie gedachte Kisten an den Handelsmann Herrn Carl nach Jena gefälligst absenden wollen.[150] Nach glücklicher Ankunft soll obgedachte Summe alsobald übermacht werden. Senden Sie mir noch einige Exemplare Ihres Katalogs, die ich an meine sich freylich immer vermindernden Freunde der darin enthaltenen Curiosa mittheilen und Ihnen dadurch vielleicht einigen Abgang verschaffen könnte.

Das Beste wünschend.

Weimar den 6. November 1827.


43/105.


An Friedrich Theodor von Müller

Ew. Hochwohlgeboren

wohlthätiges Schreiben vom 1. November gelangt zu mir am 7., eben als die nächsten Hausfreunde, zu der zweyten Wiederkehr dieses Festtags Glück wünschend, ein heiteres Gastmahl bey mir einnehmen, wobey wir Sie abermals zu vermissen haben. Dagegen freylich schwelgen Sie noch in diesem Augenblick an einer hohen und herrlichen Tafel, deshalb wir Sie allerdings beneiden. Hat Sie, theuerster Freund, ein neuliches Brieflein meines Sohns vom [Lücke] in der Zwischenzeit angetroffen, so werden Sie mit Vergnügen ersehen haben, daß Ihr Wunsch erfüllt worden und ein anmuthiges gesundes Mädchen auf die Welt gekommen sey. Daß die Mutter bey ihrer zarten Constitution an den natürlichen Folgen solcher Ereignisse mehr als andere zu dulden habe, müssen[151] wir uns theilnehmend gefallen lassen und dürfen es um so eher, als ihr wackerer Charakter auch in diesen unangenehmen Zuständen treulich wirksam ist.

Wir fahren indessen fort zu arbeiten und zu sinnen. Die Herren vom Globe nehmen treulich Notiz von uns und man muß trachten, hievon Vortheil zu ziehen. Ein Heft von Kunst und Alterthum bereitet sich vor, und wegen der Insertion Ihres alle Anerkennung verdienenden Gedichtes wird sich zunächst verhandeln lassen. Schon habe ich darüber gedacht, wie man es in allen seinen Theilen verständlich und anschaulich machen könne. Noch neuerlich hat mich hierauf das Verfahren der Engländer aufmerksam gemacht, das wir allerdings nachahmen sollten, besonders bey Gelegenheitsgedichten, wo alles darauf ankommt daß das poetisch Dargestellte zugleich als wirklich vorhanden angeschaut werde.

In Nürnberg können Sie mir einen großen Dienst erzeigen; Herr Schmidmer, sich aus sein altes gutes Verhältniß beziehend, schickt mir ein großes Paquet zu vertheilender und verschickender Subscriptions-Anzeigen; die guten Menschen bedenken nicht, daß ich in meinen hohen Jahren mich mit einem so complicirten Geschäft nicht befassen, eine weitläufige Correspondenz deshalb nicht führen kann. Hab ich doch kein zu solchen Zwecken eingerichtetes Comptoir, wie Zeitungs- und Tagesblätter sich einrichten müssen, was ihnen zukommt mechanisch zu behandeln.

[152] Da ich mit Herrn Rauch im besten Verhältniß stehe, so werde ich zunächst von jedem Vorschritt eines solchen Geschäftes unterrichtet; er wird ein treffliches Kunstwerk leisten und ich werde im Anfang und im Laufe der Arbeit das Beste davon sagen können. Von einem Zukünftigen zu sprechen habe ich nicht leicht unternommen.

Von dem größten Werth ist mir was Sie uns von München werden zu berichten haben. Da uns daran gelegen seyn muß, uns in jedem Sinne dorthin dankbar zu beweisen und wir es bey so großem echten Unternehmen und kräftiger Behandlung auch redlich und einfach thun dürfen, so ist es für uns ein großer Vortheil. Hiezu gehört aber die eigenste Kenntniß, um nicht in Phrasen und Allgemeinheiten sich zu ergehen und vielleicht durch etwas Falsches ein Unerfreuliches zu bewirken.

So viel ich noch zu sagen wünschte, muß ich schließen, um die Post nicht zu versäumen.

treulichst

Weimar den 7. November 1827.

Goethe.


43/106.


An Alfred Nicolovius

[Concept.]

Kaum bist du, mein lieber Neffe, einige Stunden fort, so fällt mir ein, daß ich versäumte, dich um einiges zu ersuchen, das den Abgang des Schwänchens,[153] das ich dir bereite, eigentlich nicht erwarten sollte. Also bitte Folgendes geneigt zu beachten:

1) Als bey Reimer herausgekommen ist angekündigt: Neues Ophthalmophantom. Erfunden und beschrieben von Dr. Albert Sachs. Mit einer Kupfertafel. 5 Sgr. Sende mir dieses, da es kein sonderlich Volumen haben kann, durch die reitende Post.

2) Hab ich versäumt, dir einen jungen Meyer aus Bremen zu empfehlen, der wenige Tage vor dir bey uns war. Er hat Anlage zum Künstler, und in Berlin wird sich's bald ausweisen, inwiefern er sich durchzubilden fähig ist. Bey Rauch und Zelter bist du ihm vielleicht schon begegnet.

3) Biete die Zahlung beykommender Rechnung Herrn Oberbergrath Krigar mit meinem schönsten Dank für das besorgte kleine Geschäft an, da er sie in der Eisengießerey bezahlt zu haben scheint.

4) Empfiehl mich deinem Herrn Vater schönstens und entschuldige beyliegenden bescheidenen Vortrag.


[Beilage.]

Der Regierungs- [und] Medicinalrath in Minden Dr. Nicolaus Meyer meldet mir, daß er bey dem hohen Ministerium der geistlichen, Unterrichts- und Medicinalangelegenheiten um die Conferirung der in Aachen erledigten gleichen Stelle geziemend nachgesucht, und bittet mich hiernächst geeigneten Ortes seiner zu gedenken. Da nun hier von eigentlicher Empfehlung nicht die Rede[154] seyn kann, indem die Beförderung in dem hohen Preußischen Staatsdienste aus Prüfung und Anerkennung beruht, so will ich doch einem alten Freunde hierin nicht absagen, damit bey glücklichem Gelingen ich auch mich der Erfüllung eines geäußerten Wunsches erfreuen könne.

Seit vielen Jahren ist er mir als ein strebsamer und thätiger Mann bekannt geworden und wenn ich seine ärztliche Wirksamkeit nicht beurtheilen kann, so gab mir doch eine fortgesetzte Correspondenz mit ihm, besonders auch die Redaction des Sonntagsblattes die Überzeugung, daß er den Welt- und Staatspunct, wo er hingesetzt war, und das, was darin allernächst zu thun sey, einsichtig kannte und mit großer Mäßigkeit, jedoch unermüdet zu bewirken suchte. Von einer entschiedenen menschlichen und bürgerlichen Rechtlichkeit in allen Fällen haben mir vielfache Erfahrungen seit mehr als dreyßig Jahren das treuste Zeugniß gegeben.

Soviel, um Verzeihung dieses bescheidenen Vertrags geziemend bittend.

7. Nov. 1827.


43/107.


An Carl August Varnhagen von Ense

Ew. Hochwohlgeboren

machen mir durch meine früheren Briefe an den trefflichen Wolf, von Ihrer eignen Hand geschrieben, ein gar schönes Geschenk. Diese Blätter, wenn man[155] Sie auch nicht von besonderer Bedeutung findet, geben doch Zeugniß von einem freyen heitern Daseyn und einem reinen wechselseitigen Vertrauen. Nehmen Sie dafür meinen schönsten Dank und zeichnen mich unter Ihre Schuldner.

Über die Berliner Jahrbücher hätte ich wohl gern ein Wort gesprochen. Ganz ohne Frage ist es ein großes Verdienst Ihrer Zeitschrift, daß die Recensenten sich namentlich bekennen; besonders ist dieses mir gar sehr viel werth. Denn da ich der fortschreitenden Literatur in ihren Zweigen nicht durchaus folgen kann, so werden mir, kraft solcher Vermittlung, die bedeutenden Männer bekannt, die sich jetzt in den verschiedensten Fächern hervorthun und sowohl durch eignes Verdienst als durch das Anschließen an Ihren Kreis Aufmerksamkeit erregen und Würdigung gewinnen.

Eine hiebey unvermeidliche Gefahr ist jedoch nicht leicht abzulehnen, daß nämlich einer und der andere irgend etwas Falsches, zwar unter seinem Namen, aber doch in so guter und stattlicher Gesellschaft vortragen und so auch das Verfängliche und Schädliche sich Zutrauen und Beystimmung gewinnen könne. Wenn z. E. Purkinje ganz unbewunden und zuversichtlich ausspricht: daß man die wahre, dem Menschen so nöthige Heautognosie bey Hypochondristen, Humoristen, Heautontimorumenen lernen solle, so ist dieses eine so gefahrvolle Äußerung als nur irgend eine;[156] denn nichts ist bedenklicher als die Schwäche zur Maxime zu erheben. Leidet doch die bildende Kunst der Deutschen seit dreyßig Jahren an dem Hegen und Pflegen des Schwach- und Eigensinnes und des daraus hervorgehenden Dünkels und einer dadurch bewirkten Unverbesserlichkeit. Vor solchen schmeichelhaften Irrthümern fürchte ich mich, weil ich schöne Talente daran untergehen sehe. Äußere ich dergleichen, so ist dadurch Ihre Anstalt nicht gemeint, sondern namentlich der Recensent. Verzeihen Sie das Gesagte, ich bin es dem schönen offnen Verhältniß zu Ihnen schuldig.

Wie glücklich aber habe ich Sie zu preisen, daß Ihnen auf die Stimme Hegels und Humboldts diesen Winter zu horchen vergönnt ist. Die weimarischen Freunde, die in aller Stille so gern Schönes und Gutes aufnehmen, werden sich hoffentlich auf irgend einem Wege auch ihren Theil bescheiden zueignen können.

Wiederholten Dank und die besten Grüße der theuren Gefährtin Ihres Lebens.

treu theilnehmend

Weimar den 8. November 1827.

J. W. v. Goethe.


43/108.


An Carl Gustav Börner

Ew. Wohlgeboren

erhalten hierbey zwey Berechnungen, die sich zusammen auf 51 Thaler belaufen; Sie werden durch Herrn Banquier Elkan den Betrag derselben nächstens erhalten;[157] doch wünschte jede Summe besonders quittirt, da sie von verschiedenen Liebhabern bezahlt werden. Das Verzeichniß der Kupfer habe durchgesehen und finde bedeutende Blätter, aber auch zu sehr hohen Preisen; doch würde wohl einiges auswählen, wenn Sie mir die näher zu bezeichnenden zum Ansehen übersenden und den Betrag des alsdann zurückbehaltenen bis zur Jubilatemesse creditiren wollen.

Zu Ihren Geschäften und Unternehmungen das Beste wünschend.

ergebenst

Weimar den 8. November 1827.

J. W. v. Goethe.


43/109.


An Carl Cäsar von Leonhard

[Concept.]

Ew. Hochwohlgeboren

haben mir durch die Sendung, welche ich aus den Händen der werthen Mademoiselle Bardua erhielt, sehr viel Vergnügen gemacht; was kann mir, der ich schon einige Jahre das Bergsteigen aufgegeben habe, Angenehmeres begegnen, als wenn einsichtige Forscher, denen noch frische Glieder zu Gebote stehen, mir die vorzüglichsten Erwerbnisse ihrer Bemühungen mittheilen wollen. In Erwiderung übersende dagegen ein Mineral, das mir in dieser Gestalt noch nicht vorgekommen ist, mit der Bitte mir gefällig anzuzeigen, ob solches wohl irgend woher schon bekannt geworden. Es ist[158] ein Olivin, wenn Sie es davor wollen gelten lassen, in mehr oder weniger gedrückter Eyform; auch ist das Gestein, worin er mit größeren und kleineren Parcellen seiner Art vorkommt, allerdings bedenklich und man ist geneigt zu glauben, es habe solches einen gewaltsamen Feuergrad ausgehalten. Dieses Mineral kommt vor zu Graslitz, einer Bergstadt in der Allodialherrschaft gleiches Namens im Elbogner Kreise an der Zwota, vier Meilen nordwärts von Falkenau. v. Färber, in seinen Beyträgen zur Mineralgeschichte von Böhmen, erwähnt dieser Bergstadt, doch ohne irgend eine Bemerkung, die mir nutzen könnte. Wäre es zu meiner Zeit entdeckt worden, so hätte ich mich gewiß an Ort und Stelle begeben, um die Nachbarschaft eines so wunderbaren Vorkommens im hohen Gebirg näher zu untersuchen. Haben Sie die Güte, mich durch Analogie und Beyspiele zu belehren; fahren Sie fort, an den wenn auch eine Zeitlang Schweigenden ununterbrochen zu denken und seiner fortdauernden Theilnahme in jedem Sinne gewiß zu seyn.

Weimar [den 9.] November 1827.


43/110.


An Julius J. Elkan

[Concept.]

[9. November 1827.]

Herr Banquier Elkan wird hiedurch höflichst ersucht, an Herrn Börner, Kunstmahler in Leipzig, abermals zwey Posten[159]


1)29rh.4gr. sächs.

2)21-20 - -

Sa.51rh.sächs.

und zwar gegen abgesonderte Quittungen gefällig auszahlen zu lassen.

Weimar den 8. November 1827.


43/111.


An Alfred Nicolovius

[Concept.]

Hiebey das meiste auf deiner Schedel Bemerkte. Voraus ein Paquet an Zelter; sodann

1) Genfer Medaille an Dr. Seidel;

2) Dergleichen an Justizrath Schulz;

3) Eine silberne Jubelmedaille für Vater Nicolovius; mit den besten Grüßen und Segnungen;

4) Brandts Medaille für Geh. Rath Rudolphi;

5) Ein Exemplar Faust;

6) Lieder vom 28. August 1827;

7) Unterzeichnete Blätter zur Feyer des 7. Novembers 1825.

Hiebey ist zu bemerken, daß von den Blättern zum 28. August 1826, wovon nur eines beyliegt, nächstens eine Mehrzahl folgt.

NB. Gleicherweise sollen die Medaillen für die Literarische Mittwochsgesellschaft und jenen wohlthätigen Verein nicht außen bleiben.

[160] Gedenke unserer im Guten und Vernünftigen; besorge das Aufgetragene gefällig, und so möge dir alles Unternommene und zu Unternehmende wohlgelingen.

Weimar den 9. November 1827.


43/112.


An Friedrich Jacob Soret

Zum allerschönsten dank ich, mein theuerster Herr und Freund, daß Sie mich an meine Schuld erinnern, die ich längst gern abgetragen hätte. Hiebey erfolgen also

Siebenundachtzig Thaler 8 gr. Conventionsgeld,

wogegen ich mir gefällige Quittung erbitte.

Die kleinen unscheinbaren Münzen werden in Reih und Glied unserer nun wohlgeordneten Sammlung sich ganz vortheilhaft ausnehmen, wo wir sie denn nächstens wieder in Augenschein zu nehmen bitten.

Die Recension des neusten Leonhardischen Werkes war mir gestern Abend gleich zu großer Erbauung. Man muß jung seyn, um sich in einen solchen innern Antagonism einer Wissenschaft zu finden und vorauszusehen, was denn doch zuletzt für Heil von einem solchen Conflict zu erwarten sey. Wer uns Alte hierüber aufklärt verdient großen Dank; indeß uns nichts weiter übrig bleibt, als von den einzelnen Naturkörpern für und für möglichste Kenntniß zu[161] nehmen. Das Übelbefinden unsres theuren Prinzen hat mich diese Zeit her sehr bekümmert und doppelt geschmerzt, da es mir Ihren höchst angenehmen Besuch entzieht. Im mineralogischen und sonst naturhistorischen Fache ist übrigens manches Schöne und Mittheilungswerthe zu mir gelangt. Möge ich bald in dem Fall seyn, Sie damit zu begrüßen und zu unterhalten.

treu ergeben

Weimar den 11. November 1827.

J. W. v. Goethe.


43/113.


An Sulpiz Boisserée

Ausführung an, wobey man sich denn freylich sehr zusammen nehmen muß.

Von Kunstwerken acquirirte ich bedeutende ältere Zeichnungen und verschaffte mir die Abdrücke der Stoschischen Sammlung, welche in Berlin sehr lobenswerth gefertigt und, nach dem alten Winckelmannischen Katalog geordnet, in zierlichen Kästchen ausgegeben werden; sie beschäftigten mich mehrere Tage und müssen noch immer von Zeit zu Zeit beachtet werden als ein ganz unerschöpflicher Schatz, dessen Einzelnheiten uns zu den höchsten, besten Gedanken aufregen.

Im Begriff des Technischen der Mahlerey hat mich Folgendes gar sehr gefördert: die Anwesenheit des Restaurator Palmaroli in Dresden bewog unsern gnädigsten Herrn, den hiesigen Zeichenmeister Lieber,[162] der sich wegen seiner großen Genauigkeit und Gewissenhaftigkeit besonders dazu empfiehlt, dorthin zu senden, wo denn glücklicherweise der Italiäner seinen Kunstgenossen in Affection nahm und wir glauben können, daß er ihn wirklich in das Technische dieses Geschäfts völlig eingeleitet habe. Mehrere verdorbene, von hier nach Dresden gesendete Bilder sind zu allgemeiner Zufriedenheit von da zurückgekommen. Lieber hat sich nunmehr hier schon eingerichtet und wird seine Künste weiter sehen lassen. Vom Übertragen des Ölbildes von einer Leinwand auf die andere hat er schon hinreichende Probe gegeben. Und so folgt eins aus dem andern. Freylich wird gar manches bey aufgehobener Stockung der Communication schneller sich verbreiten und das Gute fernerhin leichter zu fördern seyn dem der's will und versteht.

Nun aber machte von ästhetischer Seite Alexander Manzoni's Roman: I Promessi Sposi bey mir wirklich Epoche. Lesen Sie gewöhnlich den Globe, welches kein Gebildeter versäumen sollte, der mit dem Treiben und Wirken unsrer westlichen Nachbarn in Verbindung bleiben will, so sind Sie schon mit diesem bedeutenden Werke genugsam bekannt; käme Ihnen aber das Original oder irgend eine Übersetzung zu Handen, an versäumen Sie nicht, sich mit genanntem Werk bekannt zu machen. Zwey deutsche Übersetzungen kommen heraus; die Berliner hält sich mehr an die Darstellungsweise des Originals und liefert uns ziemlich das Wie[163] des Vorgehenden; die Leipziger gibt uns auf alle Fälle auch von dem was geschehen historische Kenntnisse. Wem das Original zugänglich ist und wer eine gewiß bald erfolgende französische Übersetzung zur Hand nimmt, wird sich freylich immer besser befinden.

Auch war mir plastisches Gebilde fortwährend günstig: Von Berlin erhielt ich fernere Gypsabgüsse von denen in England befindlichen antiken Terracottas, auch einzelne Figuren von dem berühmten Basrelief, die Vergötterung Homers vorstellend, zu meiner Zeit noch im Palast Colonna. Dergleichen Gegenstände treiben immer auf's neue in's Alterthum, zur Betrachtung der Gesinnungen, Sitten und Kunstweise jener Zeiten. Da man sich denn immer einrichten muß, in einem unerforschlichen Meere zu schwimmen.

Von da ward ich wieder in den äußersten Norden verschlagen, denn dort muß man wohl die Urfabel des Nibelungen-Liedes aufsuchen. Ein neuer Versuch, uns nah genug an dieses Gedicht, wie es in altdeutscher Form vor uns liegt, heranzuführen, von einem Berliner namens Simrock, verführte mich darauf einzugehen. Hier wird uns nun zu Muthe wie immer, wenn wir auf's neue vor ein schon bekanntes colossales Bild hintreten, es wird immer auf's neue überschwänglich und ungeheuer, und wir fühlen uns gewissermaßen unbehaglich, indem wir uns mit unsern individuellen Kräften weder dasselbe völlig zueignen noch uns demselben völlig gleichstellen können.

[164] Das ist dagegen das Eigne der griechischen Dichtkunst, daß sie sich einer löblichen menschlichen Fassungskraft hingibt und gleichstellt; das Erhabene verkörpert sich im Schönen.

Zur Fortsetzung verpflichtet

Weimar den 11. November 1827.

J. W. v. Goethe.


Beykommendes, wegen Verspätung um Vergebung Bittendes, erfolgt hier mit den treusten Wünschen; um es nicht länger aufzuhalten, sage nur kürzlich: daß die letzte lithographische Sendung wohl angekommen, auch die Zahlung Großherzoglicher Rechnung bestens empfohlen ist. Diese Abtheilung Ihres löblichen Werkes hat uns abermals viel zu denken gegeben, hier ist wieder eine eigne Welt, deren Kenntniß wir Ihren großen Bemühungen schuldig sind.

Herr v. Cotta bringt die Schillerische Correspondenz wieder in Anregung, ohne die in solchen Fällen so nöthige Bestimmtheit. Er scheint eine partielle Ablieferung des Manuscriptes zu beabsichtigen, wobey denn freylich auch eine partielle Zahlung des Honorars erfolgen müßte. Ich werde ihm deshalb nächstens ausführlicher schreiben und wünsche ihm auch hierin zu Willen zu seyn, weil er denn doch am besten wissen muß, wie eine Sache anzugreifen ist und wie sie fortschreiten kann. Erhalten Sie mir ein wohlwollendes Andenken; ich nutze möglichst meine Tage, um das noch zu leisten was kein anderer thun könnte.[165] Da wird denn doch, unter uns gesagt, noch manches zu rück bleiben.

Und so fortan empfohlen zu seyn wünscht

der Ihrige

Weimar den 11. November 1827.

G.


43/114.


An Carl Ludwig von Knebel

Es ist mir, theurer verehrter Freund, höchst wohlthätig, wenn ich erfahre, daß meine ältesten edelsten Zeitgenossen sich mit Helena beschäftigen, da dieses Werk, ein Erzeugniß vieler Jahre, mir gegenwärtig eben so wunderbar vorkommt als die hohen Bäume in meinem Garten am Stern, welche, doch noch jünger als diese poetische Conception, zu einer Höhe herangewachsen sind, daß ein Wirkliches, welches man selbst verursachte, als ein Wunderbares, Unglaubliches, nicht zu Erlebendes erscheint.

Aus meinem Briefwechsel mit Schiller geht hervor, daß er schon zu Anfang des Jahrhunderts von dieser Arbeit Kenntniß genommen und, als ich darüber in Zweifel gerieth, mich darin fortzufahren ermuthigt habe.

Und so ist es denn bis an die neuste Zeit herauf-, herangewachsen und erst in den letzten Tagen wirklich abgeschlossen worden. Daher denn die Masse von Erfahrung und Reflexion, um einen Hauptpunct versammelt,[166] zu einem Kunstwerk anwachsen mußte, welches, ungeachtet seiner Einheit, dennoch schwer auf einmal zu übersehen ist.

Die rechte Art, ihm beyzukommen, es zu beschauen und zu genießen, ist die, welche du erwählt hast: es nämlich in Gesellschaft mit einem Freunde zu betrachten. Überhaupt ist jedes gemeinsame Anschauen von der größten Wirksamkeit; denn indem ein poetisches Werk für viele geschrieben ist, gehören auch mehrere dazu, um es zu empfangen; da es viele Seiten hat, sollte es auch jederzeit vielseitig angesehen werden.

Mag dein theilnehmender Freund mir seine schriftlich verfaßten Gedanken mittheilen, so sollt es mich freuen und anregen, vielleicht noch ein und das andere Wort offen zu erwidern. Hier sage schließlich nur soviel: die Hauptintention ist klar und das Ganze deutlich; auch das Einzelne wird es seyn und werden, wenn man die Theile nicht an sich betrachten und erklären, sondern in Beziehung auf das Ganze sich verdeutlichen mag.

In Erinnerung, daß die deinem Clienten, dem Mahler Durst, für seinen Aufenthalt in Jena ertheilte Vergünstigung mit Michael abgelaufen ist und also solche auf's neue zu erlangen seyn möchte, so übersende Beykommendes, welches dem Herrn Obrist v. Lyncker mit meinen besten Empfehlungen einzuhändigen bitte. Derselbe wird bey genauer Übersicht unsrer gesetzlichen Zustände ermäßigen, ob die ausgesprochenen Bedingungen[167] erfüllt oder aus welche Weise sie zu erfüllen sind, um den jungen Mann und seine Gönner für das nächste Jahr und auf längere Zeit zu beruhigen.

Hegels Gegenwart zugleich mit Zelter war mir von großer Bedeutung und Erquickung. Gegen Letzteren, mit dem ich so viele Jahre in stetigem Verkehr lebe, konnte freylich das Eigenste und Besonderste verhandelt werden; die Unterhaltung mit dem Ersteren jedoch mußte den Wunsch erregen, längere Zeit mit ihm zusammen zu bleiben: denn was beygedruckten Mittheilungen eines solchen Mannes uns unklar und abstrus erscheint, weil wir solches nicht unmittelbar unserem Bedürfniß aneignen können, das wird im lebendigen Gespräch alsobald unser Eigenthum, weil wir gewahr werden, daß wir in den Grundgedanken und Gesinnungen mit ihm übereinstimmen und man also in beiderseitigem Entwickeln und Aufschließen sich gar wohl annähern und vereinigen könne.

Überdieß habe ich mit ihm, in Ansehung der Chromatik, ein glücklich harmonisches Verhältniß, da er, schon in Nürnberg mit Seebecken zusammenlebend und sich verständigend, in diese Behandlung thätig eingriff und ihr immerfort auch von philosophischer Seite her gewogen und mitwirkend blieb, welches denn auch sogleich förderlich ward, indem man sich über einige wichtige Puncte vollkommen aufklärte. Herr v. Henning lies't indeß die Chromatik in meinem Sinne fort. Freylich wird es noch eine Weile werden, bis[168] man die Vortheile meiner Darstellung allgemeiner einsieht und die Nachtheile des alten verrotteten Wortkrams mit Schaudern einsehen lernt.

Verzeihung dieser schreibseligen Weitläufigkeit: bey'm Entbehren mündlichen Unterhaltens verfällt man zuletzt in diesen Fehler. Tausend Lebewohl!

treu angehörig

Weimar den 14. November 1827.

J. W. v. Goethe.


43/115.


An Johann Heinrich Meyer

[Concept.]

[14.? November 1827.]

An Herrn Beuther nach Cassel.

Ew. Wohlgeboren

habe wegen der übersendeten Zeichnungen zu vermelden, daß die hiesigen Liebhaber die Preise, besonders gegen die letzten Leipziger Auctionen, zu theuer finden, deswegen auch nur weniges ausgesucht worden.

Indem man sich aber die Rechnung machen und das Übrige zurückschicken wollte, so ereignet es sich, daß das mitgesendete Verzeichniß verlegt worden, und ich bitte daher um Abschrift desselben, da denn alsobald die Zahlung und Rücksendung erfolgen wird.


Mögen Sie, mein Theuerster, Vorstehendes oder etwas dergleichen nach Cassel schreiben, so ließe sich dieses kleine Geschäft auch kürzlich abthun.

[169] Was Sie über Romeo und Julie und Leonore notirt haben bitte mir gelegentlich zu senden und morgen Mittag uns das Vergnügen Ihrer Gegenwart zu gönnen.


43/116.


An Johann Friedrich Ludwig Wachler

[Concept.]

Wenn Ew. Wohlgeboren ich bezeugen kann, daß das Handbuch der Geschichte der Literatur seit seinem Erscheinen mir nie von der Seite gekommen und seit geraumer Zeit von größtem Nutzen gewesen, indem es mir nicht allein wo etwas in den literarischen Fächern zu suchen sey, andeutete, sondern auch wie das Gefundene zu beurtheilen sey, einen redlichen Fingerzeig gab: so werden Sie ermessen, wie angenehm mir das Lehrbuch der Literaturgeschichte geworden, welches ich sogleich an ruhigen Winterabenden mit Ungeduld durchlief. Da ist es mir denn wie einem, der nach Jahren in eine früher wohlgekannte Stadt zurückkehrt, wo indessen die Bürger in architektonischer und polizeylicher Hinsicht fortgefahren, zu Erweiterung, Verschönerung und Bequemlichkeit das Möglichste zu leisten.

Gerade das mit soviel Sorgfalt behandelte Mittelalter zog mich vorzüglich an, und ich finde mich wie früher so auch jetzt durch die gehaltvollen Urtheile gefördert und erbaut.

[170] Fürwahr, es muß ein Mann von großem Charakter seyn, der die Charaktere zugleich so scharf und liebevoll, so ernst als wohldenkend, so zwecksinnig und nachsichtig bezeichnen kann. Und da ich nun einmal in Gedanken, Worten und Werken auf den Kreis der Literatur angewiesen bin, so fühlen Sie, welchen Dank ich demjenigen entrichte, der mich in dem unentwirrbaren Labyrinthe diejenigen Stellen mit Leichtigkeit auffinden läßt, wohin ich Aufmerksamkeit und Thätigkeit eigentlich zu wenden habe.

Möge die edle Genüge, aus dem Anschaun eines anerkannten Verdienstes entspringend. Sie in höheren Jahren erquicken und das Nachgefühl der Wunden auslöschen, die uns der Wechsel einer bewegten Zeit zu schlagen so manche Gelegenheit fand.

Wünschend und hoffend.

Weimar den [14.?] November 1827.


43/117.


An Adele Schopenhauer

Zum erstenmal seit langer Zeit befolg ich das Beyspiel jenes berühmten Secretärs der englischen Societät Hooke, der niemals einen Brief erbrach als Feder, Dinte und Papier schon in Bereitschaft. Ich rühme sehr oft diese Maxime und befolge sie selten, aber unter dem heutigen Datum, wo ich Ihr liebes Schreiben empfangen, soll auch Gegenwärtiges an Sie abgehen.

[171] Möge sich Ihr liebes Innere an der herrlichen Rheinnatur, in sittlicher und künstlerischer Thätigkeit zum schönsten und liebenswürdigsten wieder herstellen. Freunde tragen hiezu nichts bey. »Das Herz ist für sich eine Welt und muß in sich selbst schaffen und zerstören.«

Von unsern Zuständen das Nächste: Ottilie ist ganz eigentlich von und an diesem Kinde genesen. Ein schönes Mädchen, willkommen Vater und Mutter, so wie Großvater und Brüdern, vom ersten Augenblicke herangeputzt mit auserwähltem Schmuck, an ausländische so wie inländische Freunde wundersam erinnernd, so daß man eine Jenny oder sonst ein artiges Naturwunder, dergleichen schon geweissagt, vor sich zu sehen glaubt.

Sodann will ich lakonisch von uns allen versichern daß wir uns ganz leidlich befinden, doch gerade so, um nicht übermüthig zu werden. Gar manche liebe Freunde gingen bey uns vorüber, unter welchen Zelter vorzüglich genannt werden muß. Ich erinnere mich nicht einmal, ob Sie ein Bild von Begas gesehen haben, welches ihn in seinem liebenswürdigsten Augenblick, als aufmerksamsten Tonhorcher und Forscher zu jedermanns Zufriedenheit darstellt. Hegel besuchte mich auch, eher mündlich als schriftlich zu verstehen.

Zum Heil unserer tanzenden Lieblinge sind die besten Engländer angelangt. Indem sie bey Hofe begünstigt figuriren, weiß ich noch nicht, ob einer[172] oder der andere schon capturirt ist oder wer Anstalt macht, diesen oder jenen sich anzueignen. Der alte treue Lawrence ist wieder angekommen, man behandelt ihn ohne Consequenz und macht daher von allen Seiten offne Jagd auf ihn. Wie und wo er sich bestimmen oder klüglich vielfache Gunst vorzuziehen geneigt seyn wird, davon wüßt ich noch nichts zu sagen.

Bey mir hat er sich besonders insinuirt, indem er ein aus Alabaster geschnittenes Bildniß Cannings, unter Glasglocke, in rothsammtgefüttertem Futteral, aufmerksam-anständig verehrte; es ist zugleich ein allerdings lobenswürdiges Kunstwerklein und eine sehr erfreuliche Erinnerung an dieses edle Bild, welches auch frühzeitig und voreilig zu Staub geworden.

Soviel für dießmal, mit dem Wunsche, Gegenwärtiges möge Sie erfreuen und [veranlassen,] mir von Ihrer Umgebung und Ihrem geselligen Leben, auch künstlerischem Thun recht anschauliche Nachricht zu ertheilen.

treu angehörig

Weimar den 16. November 1827.

Goethe.


43/118.


An Carl Wilhelm Göttling

Ew. Wohlgeboren

haben mir durch die Entwickelung des Niebuhr'schen Werkes ein großes Geschenk gemacht; sie ist völlig nach meinen Wünschen und über meine Erwartung,[173] dabey so vollkommen klar und schön, daß man glaubt, man habe sie selbst schreiben können; sie wird als höchste Zierde meines dießmaligen Heftes erscheinen. – Darf ich hiernächst bitten, beykommenden Divan noch einmal durchzugehen? Die Octavausgabe schreitet vor, die Correcturen zum vierten [Bande] sind abgegangen.

Nächstens überschicke das Exemplar der zweyten Lieferung, die Sendung ist mir als schon unterwegs angekündigt. Mögen Sie im Laufe dieses Winters dieselbe gelegentlich Bändchen für Bändchen durchgehen, so sind wir bis zu Ihrer glücklichen Rückkehr aus dem gelobten Lande gesichert und geborgen.

Die Octavausgabe, wovon ein Band in meinen Händen ist, nimmt sich ganz gut aus und wird Ihnen um desto mehr Freude machen, als Sie selbst an der Vollendung derselben den besten Antheil haben.

Alles Gute wünschend

ergebenst

Weimar den 17. November 1827.

J. W. v. Goethe.


43/119.


An Friedrich Carl

[Concept.]

Ew. Wohlgeboren

halte für nöthig anzuzeigen, daß am 11. dieses zwey Kisten zerbrechlicher Ware an Dieselben von dem Nürnberger Buch- und Kunsthändler Lechner abgesendet worden.[174]

Wie ich Dieselben aber ersuche, gedachte Kisten vorsichtig in Empfang zu nehmen, auch aus gleiche Weise anher zu senden, so werde nicht ermangeln, die gehabten Auslagen und sonstige, anher gefällig zu meldende Spesen alsobald zu erstatten.

Mit dankbaren Gesinnungen.

Weimar den 17. November 1827.


43/120.


An den Großherzog Carl August

[Concept.]

Ew. Königlichen Hoheit

hätte schon längst beykommendes Werk dankbar zurücksenden sollen; es that aber aus mich eine ganz eigene zwiespältige Wirkung, es stößt ab und zieht wieder an, man kann es nicht los werden. Auch beykommender merkwürdiger Brief liegt schon allzulange bey mir; doch wollte beides ohne anderweitige Mittheilung nicht abgehen lassen.

Nun aber erhalte einen interessanten Brief vom Grafen Sternberg, welchen beyfüge zugleich mit der meteorologischen Abhandlung und einigen Heften der Monatsschrift, worauf er sich bezieht, welchen Höchst Dieselben wohl einige Blicke widmen. Nächstens verfehle nicht, mit der zweyten Lieferung der neuen Ausgabe meiner Werke aufzuwarten.

Höchst Ihro Huld und Gnade mich für und für empfehlend.

Weimar den 17. November 1827.[175]


43/121.


An Carl Gustav Börner

Ew. Wohlgeboren

werden zugleich mit diesem die Zeichnungen erhalten, wohl eingepackt und hoffentlich gut conditionirt. Was das Übrige betrifft, so möchte wohl in Anschaffung von dergleichen Kunstwerken bey mir einige Pause eintreten. Senden Sie mir indessen von Zeit zu Zeit Notiz von den Vorräthen zu allenfallsigem Entschluß. Sollte Ihnen etwas von Joh. Phil. Hackerts Umrissen oder ausgeführten Zeichnungen in die Hände kommen, so legen Sie mir solche bey Seite; um leidlichen Preis werde ich sie immer gern behalten, da sie mich an die Zeiten erinnern, wo ich mit diesem trefflichen Mann glückliche Tage verlebte und ihn nicht ohne wichtige Belehrung nach der Natur arbeiten sah.

Mich zu geneigtem Andenken bestens empfehlend.

ergebenst

Weimar den 21. November 1827.

J. W. v. Goethe.


43/122.


An Carl Friedrich Zelter

So will ich denn auch vermelden daß unsere wandernde Nachtigall Sonntags den 11. Abends angekommen und, durch ein nicht zu entzifferndes Brouillamini, das aus Versehen, Versäumniß, Unwillen und Intrigue entstanden, nicht zur öffentlichen[176] Erscheinung gekommen. Sie sang Montags bey einem Frühstücke, welches die Frau Erbgroßherzogin veranstaltete, und erntete den größten Beyfall; nachher besuchte sie mich und gab einige Musterstückchen ihres außerordentlichen Talentes; für mich insofern hinreichend, daß ich den Begriff, den ich von ihr hegte, wieder an- und aufgefrischt empfand. Das hiesige Publicum schiebt die Ursache dieses Mißgeschicks auf unsern Capellmeister, welcher denn diese Last gar wohl zu tragen Schultern zu haben scheint.

Die Straflosigkeit der niederträchtigsten Handlungen, besonders wenn sie ganz außer Maßen und Geschick sind, haben wir der Läßlichkeit unserer Criminalisten zu danken, welche eigentlich nur berufen und angestellt zu seyn scheinen, um Mord und Todtschlag zu entschuldigen.

So ist bey uns die Infamie eines Zahnarztes, der einer jungen verstorbenen Frau im Leichenhause die Zähne heimlich ausbrach, ganz ohne weiteres mit heiler Haut davon gekommen. Dergleichen wird wie euer Fall endlich zur Erneuerung der Selbsthülfe gedeihen. Leidenschaftliche Gatten und Brüder werden sich in's Unglück stürzen, um der Rache nicht zu ermangeln.

Dieß ist denn doch wohl ein ziemlicher Mißklang auf jene lieblichen Anfänge. Um wieder einzulenken, ersuche dich ja, mir irgend etwas Schriftliches für Kunst und Alterthum mitzutheilen. Thust du es[177] nicht bald, so redigire das was du mir früher über die Einwirkung der Atmosphäre und deren mehr oder weniger elastischen Zustand aus die Stimme so bedeutend schriebst, sende dir es aber erst wieder zu, damit es ganz in deinem Sinn zucht- und ordnungsgemäß erscheine. Siehst du Geh. Rath Streckfuß, so erinnere ihn an meinen Wunsch; ich sende ihm dagegen auch einige Italica, die zwar nicht neu sind, aber doch jetzt erst durch die Franzosen zur Sprache kommen.

Unserm Leibmedicus hab ich zum vorläufigen Abtrag deiner vel quasi Schuld die Hälfte der übersendeten Rübchen in deinem Namen verehrt. Schickest du bey eintretender Kälte mir einige Sanders, so geb ich ihm auch einen Theil davon; durch solche successive culinarische Attentionen wird mit dem Mann auch die Frau zufrieden gestellt, und so käme man auf eine freundliche und schickliche Weise über diese Angelegenheit hinweg.

Welch eine große Gabe Napoleons Leben von Walter Scott für mich seyn würde, habe ich seit der ersten Ankündigung gefühlt und deshalb die Menschen, wie sie auch sind, erst ausreden und ausklatschen lassen; doch enthalte ich mich nunmehr nicht länger und nehme das Buch getrost vor. Er ist 1771, gerade bey'm Ausbruch der amerikan'schen Revolution, geboren, ihm ist, wie mir das Erdbeben von Lissabon, so der Theekasten-Sturz bey Boston ein Jugendeindruck[178] geworden, und wieviel Wundersames hat er als Engländer bey sich müssen vorüber gehen lassen. Meine Betrachtungen darüber theil ich gelegentlich mit.

Auch schon vorläufig fand ich das Publicum sich betragend wie immer. Die Kunden erlauben wohl dem Schneider hier oder dort ein gewisses Tuch auszunehmen, den Rock aber wollen sie auf den Leib gepaßt haben, und sie beschweren sich höchlich, wenn er ihnen zu eng oder zu weit ist; am besten befinden sie sich in den polnischen Schlafröcken des Tags und der Stunden, worin sie ihrer vollkommensten Bequemlichkeit pflegen können; da sie, wie du dich wohl erinnern wirst, sich gegen meine Wahlverwandtschaften wie gegen das Kleid des Nessus gebärdet haben.

Der zweyte Theil des Faust fährt fort sich zu gestalten; die Aufgabe ist hier wie bey der Helena: das Vorhandene so zu bilden und zu richten, daß es zum Neuen paßt und klappt, wobey manches zu verwerfen, manches umzuarbeiten ist. Deshalb Resolution dazu gehörte, das Geschäft anzugreifen; im Fortschreiten vermindern sich die Schwierigkeiten.

Sey also hiermit zum schönsten gegrüßt, ermahnt und ermuntert, im Tüchtigen zu verharren, wozu uns mitten im Frieden das widerwärtige Weltgetreibe aufmahnt und nöthiget. Helfen wir uns selbst, so wird uns Gott helfen.

In Treu und Glauben verharrend

Weimar den 21. November 1827.

Goethe.[179]


43/123.


An Wilhelm Reichel

[Concept]

In Erwartung der mir in Ew. Wohlgeboren Schreiben angekündigten Sendung der zweyten Lieferung meiner Werke vermelde, daß das Paquet mit der fahrenden Post vom 8. datirt glücklich angekommen und der Inhalt desselben von mir dankbar aufgenommen worden.

Daß die Bände der Octavausgabe sich alle gleich denen der Taschenausgabe gestalten, ist gewiß die Absicht; Sie können also nicht fehlen, wenn Sie in dieser Maße fortfahren.

Finden Sie nöthig, die Bogenzahl der nächsten Lieferung noch weiter zu vermindern, so könnte es dadurch geschehen, daß der Bürgergeneral aus dem 14. in den 15. Band hinübergenommen und vor die Aufgeregten gestellt würde, daß aber aus diesem Bande die guten Weiber und die Novelle wegfielen, welche allenfalls anderswo unterzubringen sind. Weiter wüßte ich nichts zu kürzen und möchte wohl dabey sein Verbleiben haben. Wären Sie hiermit einstimmig, so wünschte die guten Weiber zurück, um solche künftig unterzubringen.


Vorstehendes war geschrieben, um bey Ankunft der erwarteten Sendung alsobald abzugehen. Nach[180] Einlangen Ihres Briefes vom 19. November vermelde sogleich, daß Ihre Conjectur ganz richtig ist:

das Vorspiel zu Eröffnung des Weimarischen

Theaters am 19. September 1807

folgt allerdings unmittelbar auf:

Was wir bringen

und ist nur im Verzeichniß vergessen worden.

Der ich, die Ankunft der zweyten Lieferung nunmehro stündlich erwartend, mich, für fortgesetzte Aufmerksamkeit bestens dankbar, unterzeichne.

Weimar den 24. November 1827.


43/124.


An Friedrich Johannes Frommann

Ew. Wohlgeboren

wäre schon längst der verbindlichste Dank für die übersendeten wohlgerathnen Blätter zugekommen, wenn ich nicht zugleich einen Beweis von dem löblichen Gebrauch, den ich davon zu machen gedenke, beyzufügen beabsichtigt hätte.

Beykommende Unterschriften mögen als Zeugniß dienen einer ruhigen Stunde, worin ich Ihrer und der lieben Ihrigen mit freundlichster Neigung gedacht, und Gelegenheit geben, meiner auch fernerhin im Guten zu gedenken, indem Sie mit Wohlwollen sich freundlich desjenigen erinnern, der sich, dankbar[181] für so viele Neigung und Gefälligkeit, als verbunden und anhänglich unterzeichnet.

[Weimar den 24. November 1827.]


43/125.


An Christian Dietrich von Buttel

[25. November 1827.]

Dieser Sendung folgt nächstens ein ausführliches Schreiben.

Das Beste wünschend.

Goethe.


43/126.


An Adolf Friedrich Carl Streckfuß

[Concept.]

Ew. Hochwohlgeboren

haben durch die beiden übersendeten Aufsätze mich zu besonderer Dankbarkeit verpflichtet; sie entsprechen nicht allein meinen Überzeugungen und Gefühlen im Allgemeinen, sondern eignen sich auch vorzüglich zu den besondern Zwecken, wozu sie zu erbitten ich mir die Freyheit nahm. Mit der fahrenden Post erfolgt dagegen eine Sendung von einigen Werken, die, wenn sie Ihnen noch nicht bekannt seyn sollten, gewiß zur Freude gereichen. Jessonda liegt schon einige Jahre bey mir; die Franzosen fangen erst jetzt an, darauf aufmerksam zu werden. Ich sage darüber nichts weiter, als daß es in jedem Sinne als ein ultra-romantisches[182] Gedicht angesehen werden kann; ich durfte es nicht zum zweytenmale lesen, weit es mir Einbildungskraft und Gefühl zu sehr verletzte. Dabey aber könnt ich ein bedeutendes poetisches Talent, Fähigkeit und Fertigkeit, Situationen der mannichfaltigsten Art kräftig darzustellen, nicht verkennen.

Von dem epischen Gedicht wüßte ich kaum etwas zu sagen; Ew. Hochwohlgeboren werden beide mit weniger Apprehension und mehr Ruhe betrachten als ich; doch muß ich hienächst ausdrücklich bemerken, daß keine Zudringlichkeit dabey gemeint seyn kann. Für das nächste Stück Kunst und Alterthum bin ich vollkommen versehen und finde es nun durch Ihre Geneigtheit bereichert. Möchten Sie mir vielleicht nach Ostern wieder einige Blätter gönnen, so werden diese Bezüge durch eine höchst angenehme Folge fernerhin belebt bleiben.

Wie ich denn nichts mehr wünsche, als daß ein durch späteres Zusammentreffen bewirktes Vertrauen sich immer steigern und, nach Ihrem eigenen Gefühle, zu einer wahren Familieneinigkeit bestätigen möge, welches um so weniger fehlen kann, als ich bey so hohen Jahren den Gewinn eines neuen Freundes in dem weitesten Umfang und seinem innigsten Werth nach vollkommen zu schätzen weiß.

W. d. 26. Nov. 1827.


Die Kinder erwidern die schätzbare Theilnahme auf das allerfreundlichste; das Kind ist wohl und[183] munter und vergilt der Mutter so viele Last und Pein, mildert auch die unangenehmen Folgen eines zwar natürlichen, aber in cultivirten Zuständen schwerer zu übertragenden Ereignisses.


43/127.


An Kaspar von Sternberg

Wenn ich schon von manchen Seiten her verschiedentliche Kenntniß erlangte von dem, was in München vorgefallen, so betraf doch solches mehr das Äußere, welches denn ganz stattlich und ehrenvoll anzusehen war, als das Innere, die Mittheilungen nämlich selbst. Hier kommen mir denn die Vorlesungen des würdigen Freundes, von deren Inhalt ich schon vorläufig unterrichtet war, als ein vorzüglich leuchtender Stern entgegen, wenn des Übrigen, mit wenigen Ausnahmen, nur als anmaßlicher Äußerungen und langweiliger Nachklänge gedacht wurde.

Um so erwünschter ist es mir, aus zuversichtlicher Quelle zu vernehmen, daß wenigstens der Hauptzweck des näheren Bekanntwerdens und zu hoffenden wahrhaften Vereinigens unserer Naturforscher nicht verrückt worden. Schon daß man sich über den Ort vereinigt, wo man das nächste Jahr zusammen zu kommen gedenkt, gibt die besten Hoffnungen, und gewiß ist die Versammlung in Berlin, unter den Auspicien des allgemein anerkannten Alexander v. Humboldt, geeignet,[184] uns die besten Hoffnungen einzuflößen. Aus dem Norden werden auf alle Fälle mehrere Glieder sich einfinden; ließe sich's veranlassen, daß böhmische und österreichische Männer hinzuträten und alsdann für das folgende Jahr die Gesellschaft sich unter dem Vorsitz des verehrten Freundes in Prag versammelte, so wäre der größte Schritt gethan, welcher zur Annäherung der verschiedensten deutschen Völkerschaften und zu deren Zusammenwirken den gründlichsten Anlaß gäbe.

Was den politischen Punct betrifft, so würde ich einem Staatsmanne sagen: grade jetzt, da eine unselige Schrift (des Joh. Wit) die widerwärtigsten Geheimnisse aufdeckt und dergleichen noch mehrere folgen werden, ist es klug, die wissenschaftlichen Notablen einer Nation auch einmal bey sich zu versammeln, zu versuchen, inwiefern man Zutrauen zu ihnen gewinnen, ihnen Zutrauen einflößen könne; man würde gewiß Vortheil davon ziehen und, wenn man ihnen den Hellenismus nachgäbe, gar wohl bemerken: daß man in neuerer Zeit vor eigentlichen Verschwörungen und Erschütterungen bey uns wohl gesichert sey.

Indessen machen die Herren vom Globe meinen friedlichen und zutraulichen Gesinnungen ein böses Spiel. Ich hoffte, sie sollten sich der nach Auflösung der Deputirten-Cammer wieder eintretenden Preßfreyheit mit Mäßigung bedienen und wie zeither mit geistiger geschmackvoller Freyheit die Angelegenheiten behandeln, wie solches auch ihrer Stellung gar wohl[185] geziemt hätte; aber man sieht aus dem Hergange, daß hier an keine Mäßigung, noch viel weniger an Composition zu denken sey; denn sie betragen sich seit dem 8. November außer allem Maaße, in einer Art, die auch ihr bester Freund nicht billigen kann. Indessen ergibt sich aus diesem Symptome, daß bey den vorseyenden Wahlen eine Art von Kampf auf Leben und Tod eintrete, wo wir denn den Erfolg freylich nur zu erwarten haben. So versank ja auch die ägyptische Flotte im Hafen von Navarin ohne unser Zuthun, so warfen vor so viel Jahren die Nordamerikaner die Theekisten in's Meer, und so wird es überall einen Bruch geben, wo der obschwebende Antagonism nicht aufzulösen oder noch eine Zeitlang hinzuhalten ist.

In denen mir übersendeten Heften der böhmischen Jahrbücher hat mich bis jetzt der kurze Abschluß über die so gründlich erfolgte und durchgearbeitete Angelegenheit unserer unterirdischen Flora am meisten ergötzt und erbaut; denn hier sehen wir doch einmal wieder Übereinstimmung und Mannichfaltigkeit, Gleich- und Nachzeitiges in großer Breite aufgehellt und wahrhaft belehrend.

Was die Versuche, die isothermen Linien zu bestimmen, betrifft, so bin ich völlig Ihrer Überzeugung. Es gibt Calculables und Incalculables, man stelle sich, wie man wolle, und es gehört mehr als Ein Maaßstab dazu, um sich in dem Unerforschlichen nur einigermaßen zu finden. Von der Nähe und Ferne[186] der Sonne hängt im Ganzen entschieden der Wärmegrad ab, er steigt und fällt, sich ruhig auf- und abbewegend, wie man an der graphischen Darstellung eines Jahrs sich am besten versinnlichen kann, zunächst folgt die Gebirgshöhe, und dann tritt eine Million Nebenbedingungen ein. Geht doch der Thermometer im gleichen Augenblicke verschieden in diesem und jenem Schatten eines und desselben Gebäudes. Doch lassen wir jene genauen Beobachter und Rechner ihr Geschäft betreiben und benutzen ihre Arbeit nach unsrer Art zu unsern Zwecken.

Von diesen und vielen andern Dingen mag ich gerne schweigen, aber ich empfinde tief das Glück dessen, der sich zu bescheiden und alles von ihm irgend Entdeckte zu irgend einem praktischen Lebensgebrauche hinzulenken weiß; wie denn die Engländer hierin unsre unnachahmliche Muster sind. Man erinnere sich nur, was seit Boulton und Watt von Kräften entdeckt und angewendet worden, bis Perkins auf das Gränzenlose gelangt ist. Ich habe nichts dagegen, daß man hier auch berechnet, aber zuletzt werden doch alle diese Maschinen nur organisch durch den praktischen Menschengeist, der zur Wirkung und Richtung nur durch Mäßigung sich befähigt.

Schade ist es fürwahr, daß man bey dem meteorologischen Heftchen eine freylich noch unvollkommenere Nachbildung der ersten unvollkommenen englischen Bildchen geliefert hat; es sind dieselbigen, von denen[187] ich mich durch fortgesetzte Naturbetrachtung nur mit Mühe befreyen konnte. Nicht leicht denkt man daran, daß dergleichen Darstellung symbolisch seyn müsse. Man tastet in der Natur herum und weiß vor dem Vielen nicht das Eine, Nothwendige zu finden. Ich lege meiner nächsten Sendung ein Dutzend Abdrücke der von mir behandelten Darstellung bey, und hätte, wär ich davon in Kenntniß gesetzt worden, gern Exemplare nach Verlangen gespendet, da die Platte derselben noch gar viele aushalten möchte. Freylich ist alles in's Engste zusammengebracht. Schon lange geh ich damit um, mich mit Herrn v. Froriep zu associiren, die Darstellung zwar ausführlich, aber doch nur so weit als zur einfachsten Belehrung nöthig wäre, auszuarbeiten und eine Klein-Folio-Platte auf einen größern Foliobogen abdrucken zu lassen, um nebenbey, wie man jetzt gar schicklich wieder thut, die eigentliche geprüfte Lehre an den Rand zu drucken. Allein das Schifflein geht so schnell den Strom hinab, daß man gar bald wieder die Bucht aus den Augen verliert, wo man zu landen gedachte.

Welch eine große Gabe Napoleons Leben von Walter Scott für mich seyn würde, habe ich seit der ersten Ankündigung gefühlt und deshalb die Men schen, wie sie auch sind, erst ausreden und ausklatschen lassen; doch enthalte ich mich nunmehr nicht länger und nehme das Buch getrost vor. Er ist 1771, gerade bey'm Ausbruch der amerikanischen Revolution,[188] geboren, ihm ist, wie mir das Erdbeben von Lissabon, so der Theekasten-Sturz bey Boston ein Jugendeindruck geworden, und wieviel Wundersames hat er als Engländer bey sich müssen vorübergehen lassen. Meine Betrachtungen darüber theil ich gelegentlich mit.

Auch schon vorläufig fand ich das Publicum sich betragend wie immer. Die Kunden erlauben wohl dem Schneider hier und dort ein gewisses Tuch auszunehmen, den Rock aber wollen sie auf den Leib gepaßt haben, und sie beschweren sich höchlich, wenn er ihnen zu eng oder zu weit ist; am besten befinden sie sich in den polnischen Schlafröcken des Tags und der Stunden, worin sie ihrer vollkommensten Bequemlichkeit pflegen können, da sie, wie wohl erinnerlich, sich gegen meine Wahlverwandtschaften wie gegen das Kleid des Nessus gebärdet haben.

Vorstehendes, welches schon einige Posttage liegen geblieben, möge denn, soviel auch noch zu sagen wäre, seinen Weg antreten und geneigtest aufgenommen werden. Der Verehrte Freund weiß zu sichten, zu ordnen, zu suppliren und zu verzeihen.

So eben nimmt der Druck des neuen Heftes von Kunst und Alterthum seinen Anfang, wo ich abermals gar manches als Surrogat freundschaftlicher mündlicher Unterhaltung anzusehen bitte. Der böhmischen patriotischen Monatsschrift wird daselbst nach Würden zu gedenken seyn.

Darf ich bitten, den Barometerstand des nun ablaufenden[189] Jahres am Schlusse desselben, wie solcher aus Brzezina ist bemerkt worden, mir in graphischer Darstellung zu übersenden? die gleichzeitigen Erscheinungen, auf der Sternwarte zu Jena aufgezeichnet, erfolgen sodann baldigst.

Die Vermehrung unsrer Familie um ein weibliches Mitglied wird mein Sohn zu vermelden und eine geziemende Bitte hinzuzufügen sich die Freyheit nehmen.

treu angehörig

Weimar 27. Nov. 1827.

J. W. v. Goethe.


43/128.


An Leopold Dorotheus von Henning

Geneigtest zu gedenken.

Ew. Hochwohlgeboren kann mit wahrem Vergnügen hiedurch vermelden, daß der Versuch, auf welchen Dieselben mich aufmerksam gemacht, seine vollkommene Richtigkeit habe, und zwar verhält es sich mit demselbigen folgendermaßen.

Es stehe ein entoptisches Glasplättchen auf einer Spiegelfläche und werde von A her, es sey nun durch directes oder indirectes atmosphärisches Licht, beschienen, so wird sich auf der entgegengesetzten Seite a für das Auge b das einfache Bild c abspiegeln, indem das Durchscheinen nur einfach war. Zugleich wird sich aber das entoptische Bild aus dem Grunde der[190] a-Seite nach der Seite d zurückspiegeln und also bey nochmaligem Durchgang für den Beschauer in f eine doppelte Erscheinung in h hervorbringen, eben wie ein doppelt starkes Plättchen bey'm einfachen Erscheinen nach der Seite a hin hervorgebracht haben würde. Machen Sie diesen Versuch an einem recht heitern Herbstabende, so wird er vollkommen gelingen; der Beschauer in f darf nur ein wenig bey Seite treten, damit der einfallende Himmelsschein nicht gehindert werde.

Noch einer Merkwürdigkeit will ich gedenken; dem Auge in b erscheint das abgespiegelte Bildchen c dem Refractionsgesetze gemäß, als stünde die Glaswand g, etwa in i, dahingegen dasselbe dem Auge in f an unverrückter Stelle gleichsam wie in einem Kästchen in k zu liegen scheint.

Der erste Versuch überhaupt, wie ich ihn dargestellt habe, kann zugleich stattfinden, wenn zwey Beobachter zu gleicher Zeit sich an beide Plätze b und f stellen. Machen Sie sich den Versuch recht bequem, wiederholen ihn oft mit andern: er ist wirklich sehr bedeutend und führt zu immer weitem Aufschlüssen.

[Zeichnung.]

Auch will ich von einem Versuche sprechen, zu welchem Herr Prof. Hegel mich veranlaßt hat. Sie werden diesen Fall mit dem Freunde, dessen Gegenwart mir so erfreulich als belehrend war, des weiteren zu besprechen die Güte haben.

[191] Derselbe stellte nämlich die Aufgabe: Ob man das im entoptischen Täfelchen sich erzeugende Bild nicht, in einer dunkeln Kammer, gleich wie das prismatische auch auf eine nicht spiegelnde Tafel projiciren könne?

Ich habe einen Versuch angestellt, finde aber Folgendes: Wenn man das entoptische Täfelchen vertical in die Öffnung einer dunkeln Kammer befestigt, so muß man die weiße Tafel unmittelbar horizontal dar unter bringen, so nahe als wenn das Täfelchen auf dem Spiegel stünde. Da man aber in dieser Lage das durch das Täfelchen einfallende Licht von dem Papiere nicht ausschließen, solches also nicht dunkel werden kann, so ist die Erscheinung des Bildes auf diese Weise nicht zu bewirken.

Hierbey gebe ich zu bedenken, daß das bey dem prismatischen Versuch durch die Öffnung des Fensterladens einfallende Sonnenlicht ein energisches Bild bewirkt, welches durch den ganzen finstern Raum sich fortsetzt, überall aufgefangen und also auch an jeder Stelle durch das Prisma abgelenkt und gefärbt werden kann; das entoptische Bild aber ist ein schwaches Schattenbild, das sich eigentlich nicht fortsetzt, sondern nur durch Spiegelung in einiger Entfernung sich manifestiren kann.

Demohngeachtet aber scheint mir der Gedanke von großer Bedeutung, indem er uns zu mancherley Versuchen und Nachforschungen aufregt; denn da alle[192] Bilder sich in die Ferne abspiegeln und auf einer weißen Fläche, wenn das Licht von ihr ausgeschlossen wird, sich so gut wie im Auge darstellen: so wäre die Frage, warum das entoptische Bild nicht eben diese Rechte für sich fordern sollte. Der geistreiche Experimentator findet entweder Mittel, dasjenige darzustellen was mir nicht gelingen wollte, oder findet auf diesem Wege irgend etwas, woran man gar nicht gedacht hat.

Weimar 27. Nov. 1827.

Goethe.


So gerne ich auch Vorstehendem noch manches hinzufügte, so muß ich doch abschließen, da das Blatt schon viel zu lange bey mir liegen geblieben ist. Ich eile nur noch, die schönsten Grüße und besten Empfehlungen an die dortigen werthen und bewährten Freunde angelegentlichst auszusprechen.


43/129.


An Friedrich Ludwig von Froriep

Ew. Hochwohlgeboren

haben ja wohl die Geneigtheit, aus meine ergebenste Bitte beykommendes einheimische Mergeltäfelchen lithographisch prüfen zu lassen.

Mich zu geneigtem Andenken empfehlend.

gehorsamst

Weimar den 28. November 1827.

J. W. v. Goethe.[193]


43/130.


An N.N.

[Concept.]

Bey der Unmöglichkeit, vorliegendes Manuscript zu entziffern, folgt solches ungesäumt zurück.

Weimar den 28. November 1827.[194]


43/130a.


An Friedrich Theodor von Müller

Ew. Hochwohlgeb.

hat der gute Kräuter gewiß schon seine Noth geklagt, – können Sie dies Übel mindern; so thun Sie es auch um meint- und des Geschäfts willen, bey dem uns seine heitere Thätigkeit so unentbehrlich ist. Von Abolition ist die Rede. Bewirken Sie daß die Untersuchung niedergeschlagen werde, – so verspreche ich nie wieder die neuen Criminalisten wegen Milde zu tadeln.

Zu besserer Stunde Grüßen und Wünschen entgegensehend

gehorsamst

W. d. 2. Dez. 1827.

G.[56]


43/131.


An Carl Friedrich Zelter

Wegen Walter Scotts Napoleon habe ich soviel zu sagen: Wenn du Zeit und Lust hast, den bedeutenden Gang der Weltgeschichte, in dem wir seit fünfzig Jahren mit fortgerissen werden, bey dir im Stillen zu wiederholen und darüber noch einmal nachzudenken: so kann ich dir nichts Bessers rathen, als gedachtes Werk von Anfang bis zu Ende ruhig durchzulesen. Ein verständiger, wackrer, bürgerlicher Mann, dessen Jünglingszeit in die französische Revolution fiel, der als Engländer in seinen besten Jahren diese wichtige Angelegenheit beobachtete, betrachtete und sie gewiß vielfach durchsprach, dieser ist noch überdieß der beste Erzähler seiner Zeit und gibt sich die Mühe, uns die ganze Reihe des Verfolgs nach seiner Weise klar und deutlich vorzutragen.

Wie er aus seinem politisch-nationalen Standpunct sich gegen das alles verhält, wie er, übern[194] Canal herüberschauend, dieses und jenes anders ansieht als wir auf unserem beschränkten Platz im Continent, das ist mir eine neue Erfahrung, eine neue Welt-Ein- und -Ansicht.

Durchaus bemerklich ist aber, daß er als ein rechtlicher bürgerlicher Mann spricht, der sich bemüht, in frommem gewissenhaften Sinne die Thaten zu beurtheilen, und sich streng vor aller Machiavellischen Ansicht hütet, ohne die man sich freylich kaum mit der Weltgeschichte abgeben möchte.

In diesen Bezügen bin ich, bis jetzt sehr mit ihm zufrieden, bis zum vierten Bande gelangt und werde ruhig so fortlesen und ihn als Referenten betrachten, der das Recht hat, feinen Actenauszug, seine Darstellung und sein Votum vorzulegen, um sodann die Abstimmung der versammelten Richter zu erwarten.

Erst also, wenn ich mit dem Werke durch bin, welches freylich mit seinen neun Theilen gerade zur rechten Zeit kommt, um die traurigen langen Abende zu erhellen und zu verkürzen, werde ich mit gleichem Antheil beachten was man gegen ihn vorbringt. Dieß kann nicht anders als höchst interessant seyn. Man wird sehen, ob er Facta anzuführen versäumt, ob er sie entstellt, ob er sie parteiisch ansieht, einseitig beurtheilt oder ob man ihm Recht lassen muß. Voraus aber sage ich mir: Man wird dabey die Menschen näher kennen lernen als den Gegenstand, und im Ganzen wird man es doch endlich bewenden lassen;[195] denn wenn man sich bey einer Geschichte nicht beruhigt wie bey einer Legende, so lös't sich zuletzt alles in Zweifel auf.


Euer verrückter Ehstandsflüchtling hält sich in Jena auf, er war in diesen Tagen hier, doch ohne sich bey mir sehen zu lassen. So närrisch die Seuche ist, die eure Berliner verlobten Männer ergreift, so ist mir das Symptom im Leben doch schon vorgekommen, weil unter der Sonne nichts Neues geschieht. Ein Bekannter von mir saß bey seiner Braut im Wagen und fuhr nach der Kirche; da ergriff ihn eine solche Altar- und Bettscheue, daß er eine Ohnmacht vorspiegelte und umkehren ließ, wie denn auch der Handel rückgängig wurde.

Nach meiner Einsicht tritt in solchen Fällen eine Überzeugung eigener Ohnmacht wie ein Gespenst so fürchterlich vor dem Betheiligten auf, daß eine Art Wahnsinn entspringt, welcher das Bewußtseyn aller übrigen Verhältnisse verschlingt, ja sogar, wie bey dem ersten Berliner Fall, das Verbrechen einleitet. Gegenwärtiger zweyter wüthet wenigstens auch zugleich gegen sich selbst; wir wollen Acht geben, ob sich nicht nächstens abermals etwas Ähnliches hervorthut.

Denke meiner oben ausgesprochenen Hypothese nach! Um sich gewisse geheim-verwickelte Dinge zu erklären, muß man es an allerley Versuchen nicht fehlen lassen.


[196] Deine Correspondentin aus Sanssouci mag ein liebenswürdiges Mädchen seyn, eine wahre Deutsche ist sie zugleich. Diese Nation weiß durchaus nichts zurechtzulegen, durchaus stolpern sie über Strohhalmen. Du hast die Frage sehr umständlich, freundlich und vernünftig beantwortet; man kann es auch geradehin als einen Zufall betrachten, der bey Freunden, die soviel herüber- und hinüberwirken, gar leicht vorkommen konnte. Eben so quälen sie sich und mich mit den Weissagungen des Bakis, früher mit dem Hexen-Einmaleins und so manchem andern Unsinn, den man dem schlichten Menschenverstande anzueignen gedenkt. Suchten sie doch die psychisch-sittlich-ästhetischen Räthsel, die in meinen Werken mit freygebigen Händen ausgestreut sind, sich anzueignen und sich ihre Lebensräthsel dadurch aufzuklären! Doch viele thun es ja, und wir wollen nicht zürnen, daß es nicht immer und überall geschieht.

Wie vieles wäre noch zu sagen und zu schreiben; manches zunächst und in der Folge. Hiemit sey denn die Fülle der treusten Wünsche redlichst ausgesprochen.

Weimar den 4. December 1827.

G.


43/132.


An Johann Jacob Lechner

[Concept.]

Ew. Wohlgeboren

vermelde daß gestern, den 3. December, die übersendete Majolika glücklich angekommen ist. Man will zwar[197] dem alterthümlichen Werth dieser Teller und Gefäße nichts zu Ungunsten sagen, allein was das Kunstverdienst betrifft, so bleiben die meisten hinter denjenigen zurück die ich schon besitze.

Herr Banquier Elkan erhält so eben den Auftrag, Ihnen 131 Thaler sächsisch für gedachte Sendung auszuzahlen, welche Rimesse Sie also nächstens zu erwarten haben.

Die Verzeichnisse der gebundenen Bücher circuliren bey Liebhabern und ich kann hoffen, nächstens einige Bestellungen zu machen.

Der ich mich mit den besten Wünschen unterzeichne.

Weimar den 4. December 1827.


43/133.


An Julius J. Elkan

[Concept.]

Herr Banquier Elkan wird hiedurch höflichst ersucht, an Herrn Johann Jacob Lechner, Buch- und Kunsthändler in Nürnberg, die Summe von

Hunderteinunddreyßig Thaler sächsisch;

ingleichen Herrn Alfred Nicolovius in Berlin die Summe von

Dreyßig Thaler preußisch

gefällig auszahlen zu lassen und des schuldigen Ersatzes dagegen ungesäumt gewärtig zu seyn.

Weimar den 4. December 1827.[198]


43/134.


An Friedrich Theodor von Müller

Ew. Hochwohlgeboren

darf wohl an das wohlgerathene Gedicht erinnern, mit welchem das neuste Stück von Kunst und Alterthum zu eröffnen und zu schmücken die Absicht war. Bleibt es bey diesem Vorsatz, so erbitte mir solches baldigst, indem Setzer und Drucker in Jena auf Manuscript harren und die Folge für mehrere Bogen schon bey mir bereit liegt.

Der ich mich und das Meinige hiedurch bestens empfohlen wünsche.

gehorsamst

Weimar den 5. December 1827.

J. W. v. Goethe.


43/135.


An Johann Peter Kaufmann

[Concept.]

Herr Hofbildhauer Kaufmann erhält hiedurch den Auftrag, nach Obenstehendem ein Modell zu Serenissimi Büste zu fertigen und zwar, wie die Zeichnung ausweis't, mit Schultern, nicht als Herme, wie früher in Vorschlag gekommen war.

Weimar den 5. December 1827.[199]


43/136.


An Friedrich Theodor von Müller

Ew. Hochwohlgeboren

übersende hiebey die verlangten Papiere. Da mir scheint, daß von dem gnädigsten Handbillette zu Eröffnung der allenfallsigen Acten in mehrerem Betracht nicht wohl dürfte Gebrauch zu machen seyn, so habe eine von mir zu unterzeichnende Registratur aufgesetzt, welche, gebilligt oder modificirt, von mir unterschrieben werden könnte, um die weiteren Fortschritte unserer Bemühungen einzuleiten. Mündliche Besprechung wird hierüber das Nähere bestimmen.

Dürfte ich um das zugesagte Gedicht etwa morgen bitten, da ich es denn Abends mit Riemer durchsehen und Sonnabends absenden könnte.

Mit einem irgend zu beliebenden prosaischen Nachtrag hat es Zeit, den ich ohnehin nicht gleich nach dem Gedicht, sondern auf irgend einen späteren Bogen würde abdrucken lassen. Vielleicht wären Sie so weit hergestellt, daß Sie uns Sonnabend das Vergnügen machten, bey einem Familien- und Freundesmahl zu erscheinen. Daß Sie unserm Vogel vertrauen, freut mich höchlich; haben Sie ja gegen sich und uns alle die Geneigtheit, ihm durchaus zu folgen und zu gehorsamen.

Mit den treusten Wünschen

Weimar den 6. December 1827.

Goethe.[200]


43/137.


An Wilhelm Reichel

[Concept.]

Ew. Wohlgeboren

benachrichtige, daß der Ballen, enthaltend die Exemplare der zweyten Lieferung meiner Werke, in diesen Tagen angekommen, worin die mir bestimmten Exemplare vollständig befunden worden, hingegen, wie beyliegendes Blättchen ausweis't, an den beiden andern Paqueten drey Exemplare gefehlt haben, welche ich sogleich ersetzte und gefällige Restitution erwarte.

Zugleich füge bey die Corrigenda zum fünften Bande; mir die fortgesetzte Sendung der Aushängebogen sowohl der Sedez- als Octavausgabe hiedurch erbittend; in Hoffnung fortgesetzter Theilnahme für das nächste Jahr, alles Gute wünschend.

Weimar den 7. December 1827.


43/138.


An Friedrich Johannes Frommann

[Concept.]

Ew. Wohlgeboren

übersende nunmehr den Anfang des neuen Stücks Kunst und Alterthum, und zwar mit folgenden Bemerkungen:

1) Wir wollen von nun an sowohl Schutz- als Haupttitel weglassen und die Seitenzahl an die des vorigen Heftes ansschließen, wie wir es schon bey dem[201] zweyten Hefte des zweyten Bandes zur Naturwissenschaft gethan haben. Der Umschlag ist schon Titel genug und bey'm Abschluß eines Theiles die fortlaufende Nummer dem Register günstig.

2) Beygehendes Gedicht würde einen ganzen Bogen füllen, von welchem man auch einzeln Abdrücke nehmen könnte. Haben Sie die Güte, als maître en page die schickliche Austheilung der Stanzen zu besorgen; es sind genugsame Abtheilungen da, um solches bequem einrichten zu können.

Wenn wir auf diese Weise noch im alten Jahre einen gesegneten Anfang machen, so wird man ohne Unterbrechung fortfahren können, indem genugsames Manuscript vorhanden ist.

Der ich mich bey der neu eintretenden Jahresepoche wie bey so vielen vorhergehenden bestens empfohlen wünsche.

Weimar den 8. December 1827.


43/139.


An Friedrich Theodor von Müller

Ew. Hochwohlgeboren

erhalten hiebey, mit Sorgfalt gepackt und daher nicht zu eröffnen und mit morgen früh 11 Uhr abgehender Post gefällig abzusenden, ein Paquet, enthaltend Herrn v. Martius Album, sechs nach Anweisung überschriebene Jubiläums-Medaillen.[202]

Die Münchner Freunde bitte schönstens zu grüßen. Im neuen Jahre hoffe auch dorthin meine Briefschulden zu tilgen.

gehorsamst

Weimar den 13. December 1827.

J. W. v. Goethe.


43/140.


An Carl Friedrich Ernst Frommann

[Concept.]

Ew. Wohlgeboren

danke zuvörderst für den gar schön sich ausnehmenden Bogen; die Schrift ist wirklich recht heiter, so wie Austheilung auf die Seiten befriedigend und erfreulich.

Ihre so geneigt ausgesprochene Absicht, den besondern Abdrücken mehr typographischen Anstand zu geben, muß mir sowohl als dem Verfasser höchst angenehm seyn. Da der Gegenstand des Gedichtes von solcher Bedeutung ist und derjenige, an den es sich wendet, so hoch steht, so wird es freylich schicklich seyn, ihm und sonstigen bedeutenden Gönnern einen schönen und anständigen besondern Abdruck vorzulegen. In diesem Falle würden ein paar Dutzend Exemplare des kleinen Formats hinreichend seyn.

Ich freue mich, bey der Rückkehr Ihres lieben Sohnes auch vom Norden her einiges Interessante zu hören; von westlichen und südlichen Nachbarn sind wir diese Tage her genugsam unterrichtet worden.

[203] Die Folge des Manuscripts liegt bey; wollten Sie die Revision an Herrn Prof. Göttling senden, welcher alsdann die Gefälligkeit hätte, mir sie zur Ansicht herüber zu senden.

Niebuhrs römische Geschichte würde zuerst, sodann die Recension italiänischer Werke gedruckt.

Weimar den 14. December 1827.


43/141.


An Johann August Gottlieb Weigel

[Concept.]

Ew. Wohlgeboren

erhalten durch Herrn Banquier Elkan zunächst die Summe von 14 rh. 12 gr. sächsisch für Zeichnungen, welche nach beyliegender Liste von hiesigen Liebhabern zurückbehalten worden. Auch liegt das mir übersendete Verzeichniß bey, wornach bey dem Einpacken die Blätter revidirt worden.

Ich wünsche, daß in der Folge möge unter gegebenen Umständen ein reichlicherer Verkauf möglich werden. Der ich mich unterdessen zu geneigtem Andenken bestens empfehle.

Weimar den 14. December 1827.


[Beilage.]

[204] Zurückbehaltene Handzeichnungen.rh.gr.

Guercino, 2 Bl. Köpfe3-

Raphael nach, Schlaf. Hirten212

Zeemann, Schiffe116

Aertsen, Herr des Weinb-20

Callot, Bandit1-

Umbach, Satyr-16

Bemmel, Landschaft116

Breenbergh, Baumstudien116

Bloemaert, Landschaft112

Sa1412


43/142.


An Julius J. Elkan

[Concept.]

Herr Banquier Elkan erhält hiedurch den Auftrag, an Herrn Auctionator Weigel in Leipzig die Summe von 14 rh. 12 gr. für Rechnung des Herrn Hofrath Meyer in Weimar gefällig auszahlen zu lassen und deren Erstattung von Unterzeichnetem sich alsobald versichert zu halten.

Weimar den 14. December 1827.[205]


43/143.


An Carl Wilhelm von Fritsch

[Concept.]

Ew. Excellenz

nehme mir die Freyheit, beykommenden unterthänigsten Bericht nebst Beylage besonders zu empfehlen, mit dem Wunsche, daß Hochdieselben bey der allgemeinen Aufmerksamkeit, welche Sie so wichtigen anvertrauten Geschäften zu widmen gewohnt sind, dem vorliegenden auch noch um her Geneigtheit willen, welche Sie zu mir tragen, eine vorzügliche Betrachtung schenken möchten. Die Ausführlichkeit meines Vertrags wird sich durch die Wichtigkeit entschuldigen, mit der ich ein Geschäft anzusehen habe, dem ich viele Jahre eine ununterbrochene Sorgfalt gewidmet, für welches mir gegenwärtig nichts zu wünschen bleibt, als hinfüro, so lange mir solches zu behandlen gegönnt seyn möchte, dasselbe sowohl zu dauernder Zufriedenheit meiner höchsten Herrn Committenten als deren verehrlichen Ministerien fortzusetzen, auch dessen ersprießliche Behandlung für die Zukunft zu sichern.

Der ich mich

Weimar den [16.] December 1827.[206]


43/144.


An den Geheimen Rath von Braun

[Concept.]

Hochwohlgeborner,

insonders hochgeehrter Herr!

Der Hoffnung, von Ihro des Herrn Herzogs von Altenburg regierender Durchlaucht gleicher Gnade gewürdigt zu werden, als mir von Höchst Ihren Vorfahren geworden, schließt sich unmittelbar der Wunsch an, auch Ihro hohen Ministerien gleichermaßen empfohlen zu seyn, und zur Versicherung in beidem ergreife ich die Gelegenheit, Ew. Excellenz um die Beförderung und Begünstigung beyliegenden unterthänigsten Berichtes schuldigst anzugehen. Die Umständlichkeit, womit ich solchen verfaßt, wird durch die Betrachtung entschuldigt werden, daß es mir höchst angelegen seyn muß, ein bedeutendes Geschäft, welches ich mehrere Jahre zu höchster Zufriedenheit der Herren Erhalter der jenaischen Akademie zu führen das Glück gehabt, gleicher Weise, so lange es mir vergönnt seyn möchte, fortzuleiten und selbiges für die Zukunft zu sichern.

Der ich diese Veranlassung mit Freuden ergreife, mich Hochdenenselben zu nähern und mich sowohl als gegenwärtige Angelegenheit geneigter Aufmerksamkeit zu empfehlen.

Weimar den [16.] December 1827.[207]


43/145.


An Johann Friedrich Cotta

Ew. Hochwohlgeboren

in irgend einem Punct durch ein offenes Geständniß beruhigt zu haben ist mir vom größten Werthe, denn welcher Freund möchte nicht gerne beytragen, Ihnen, der in so große wichtige Geschäfte verschlungen ist, etwas Unangenehmes aus dem Wege zu räumen.

Ich werde sorgen, daß wo möglich jederzeit über die andere unserer Lieferungen etwas auffallend Neues angeschlossen werde; eine immer lebhaftere Theilnahme des Publicums muß uns freylich höchst erwünscht seyn.

Hiezu wird die Schillerische Correspondenz gewiß das Ihrige beytragen; es ist dieses wundersame Manuscript, wie es vor mir liegt, von größter Bedeutung; es wird im Augenblick die Neugierde befriedigen und für die Folge in literarischer, philosophischer, ästhetischer Hinsicht, ja nach vielen andern Seiten hin höchst wirksam bleiben.

Da nun Ew. Hochwohlgeboren diese Angelegenheit wieder in Erinnerung bringen, so habe ich jenes Aufsatzes zu gedenken, welchen im Januar des laufenden Jahres durch Herrn Sulp. Boisserée an Dieselben gesendet und von welchem ich aus jeden Fall eine Abschrift beylege. Ihre Einstimmung in die gethanen Vorschläge wird dem Geschäft sogleich die erwünschte[208] Richtung geben. Einer Assignation auf die verlangte Summe von Acht Tausend Thalern auf die Herren Frege und Comp. soll sodann die Absendung des Manuscripts nachfolgen, welches eine weit größere Masse enthält als ich jemals vermuthete.

Ich lege, damit sich Dieselben davon selbst überzeugen können, einige Blätter bey und bemerke, daß solcher einzeln gezählter Blätter 900 sind, nicht gerechnet die vielen späterhin nach und nach eingeschobenen; woraus denn hervorgeht, daß gar wohl 5 bis 6 schickliche Octavbände damit gefüllt werden.

Daß ich ohne vorgängigen Abschluß des Geschäftes das Manuscript nicht ausliefere, werden Dieselben in der Betrachtung billigen, daß ich den Schillerischen Erben, worunter sich zwey Frauenzimmer befinden, responsable bin und ich mich daher aus alle Fälle vorzusehen habe. Der hiesige schillerische Anwalt, Herr Rath Kühn, übernähme den jenseitigen Antheil am schicklichsten und ich würde, nachdem ich nicht allein selbst befriedigt, sondern auch von dorther gesichert wäre, das schon längst eingepackte Kästchen auf die Post geben, und ein Geschäft, das mir viele Mühe, Sorgen und Kosten gemacht, käme doch endlich zu Stande.

Denn ich will nur gestehen, daß mir ein gutmüthiger Leichtsinn bey unentgeltlicher Übernahme der Redaction zu einem unberechenbaren Zeitaufwand und zu einem nicht geringen Schaden gereichte.

[209] Von einer frühern Übereinkunft mit Frau v. Schiller, welche blos Bezug auf die Schillerische Familie hätte, findet sich nichts unter meinen Papieren. Ich übernahm ohne weiteres die gemeinsame Angelegenheit und führte sie treulich einem gedeihlichen, nunmehr zu hoffenden Abschluß entgegen. Möge derselbe durch Ew. Hochwohlgeboren Zustimmung uns zunächst erfreuen.

Mit den treuesten Wünschen Ew. Hochwohlgeb. gehorsamster Diener

Weimar d. 17. Dez. 1827.

J. W. v. Goethe.


43/146.


An Friedrich Theodor von Müller

Ew. Hochwohlgeboren

erholten hiebey einen Revisionsabdruck des belobten Gedichtes; ein anderes Exemplar ist in den Händen Riemers, an welchem uns beiden der mit einiger Buchstabenveränderung gedruckte Titel besser gefällt. Wollen Sie auch den Bogen näher ansehen und Ihre Gedanken darüber eröffnen. Ich wünsche solchen morgen früh nach Jena abgehen zu lassen. Nachschuß ist bestellt.

Mich Bestens empfehlend

gehorsamst

Weimar den 18. December 1827.

J. W. v. Goethe.[210]


43/147.


An Johann Heinrich Meyer

Hiebey, mein Theuerster, erhalten Sie den verspäteten Brief an Grafen Cicognara; mögen Sie ihn mit meiner Entschuldigung Ihro Kaiserlichen Hoheit zustellen und den Band Manzoni hinzufügen, wornach die Dame gefragt hat, so daß es wohl schicklich seyn möchte, ihr ein Exemplar anzubieten. Mögen Sie heute etwas zeitiger kommen; es ist wieder etwas Neues und nicht Unbedeutendes eingelangt. Was Sie gefällig übernehmen sollten liegt beysammen. Wir besprechen es noch einmal der Reihe nach.

Weimar den 19. December 1827.

G.


43/148.


An den Grafen Leopold Cicognara

[Concept.]

Monsieur le Comte.

Son Altesse Imp. Mdme la Grand – Duchesse, Princesse hereditaire de Saxe Weimar, n'auroit pu m'honorer d'une commission plus agreable que celle d'exprimer a Votre Excellence combien elle applaudit a la reconnoissance des Contemporains pour le merite d'un artiste des plus distingués du siecle.

Conjointement a la presente Vous recevres trente Ducats, destines de Sa part au monument erigé par Vos soins a la memoire du celebre Canova.

[211] Permettes moi Monsieur le Comte de saisir cette occasion pour me rappeller a Votre souvenir et pour Vous assurer que les beaux jours sont encore presents a notre memoire, qui nous mettoient a même de Vous temoigner l'interet que nous avons pris de tout tems a Vos Ouvrages instructivs, fruits de recherches precieuses.

Oserais [-je] en finissant Vous prier de vouloir bien aider de Vos conseils et de Votre protection quelqu'un de mes amis artiste ou literateur que je croirois digne de Vous etre connu, Vous obligeres par cela infiniment celui qui avec l'estime la plus sentie se nomme

de Votre Excellence

d. 27. Dec. 15


43/149.


An Martin Christian Victor Töpfer

[Concept.]

Ew. Wohlgeboren

nehme mir die Freyheit, an den Wittichischen Commentar der Weissagungen des Bakis zu erinnern, zugleich mit dem Wunsche, Sie möchten gefällig die Bemerkungen schriftlich aufsetzen, die Sie mir mündlich mitgetheilt. Ich würde gern des guten Mannes freundliche Bemühung öffentlich erwidern und glaubte mich nicht besser ausdrücken zu können, als Sie es im Gespräch mit Einsicht und Neigung gethan haben.[212] Zugleich folgt ein Blättchen, welches in der Hoffmannischen Hofbuchhandlung vorzuzeigen und mit dem Exemplar des Morgenblattes nach Abrede zu verfahren bitte.

Weimar den 28. December 1827.


43/150.


An Johann Wilhelm Hoffmann

[Concept.]

Herr Commissions-Rath Hoffmann wird höflichst ersucht, das Exemplar Morgenblatt, welches bisher an mich gelangte, für das nächste Jahr Herrn Landes-Directions-Rath Töpfer einzuhändigen.

Weimar den 28. December 1827.


43/151.


An Wilhelm Reichel

Ew. Wohlgeboren

zeige hiedurch an, wie das unter'm 20. December Gemeldete heute den 27. wohl angekommen; ich wiederhole den Inhalt nicht, da Sie solchen gewiß ordnungsgemäß notiren. Alles was Sie zu Berichtigung manches Verfehlten und Übersehenen von Ihrer Seite thun mögen, wird dankbarlichst anerkannt, wie ich denn auch die Theilnahme derer Herren Lebret und Stegmann gewiß zu schätzen weiß.

Daß der Bürgergeneral bey'm vierzehnten Band bleibe, bin ich völlig Ihrer Überzeugung, ja ich halt[213] es unter den eintretenden Umständen für höchst nöthig, daß wir die Novelle zum Schluß des fünfzehnten Bandes bringen; sie soll etwa in acht Tagen mit der fahrenden Post abgehen, und so erholten Sie solche in der Mitte Januars. Im Publicum fängt es, wie bedauerlich vorauszusehen war, wegen der schmächtigen Bändchen sich an zu rühren. Wenn man sich über den Mangel an Bogenzahl beklagt, so ist es durchaus erforderlich, daß wir dem Gehalt ein Gewicht zulegen, wozu ich von meiner Seite bereit bin.

Das Manuscript vom zweyten Theil des Faust wünsche so lange als möglich zu behalten; gerade in den drey ersten Scenen, die ich mittheile, finden sich Lücken, die sich nicht durch den guten Willen ausfüllen lassen, welches nur zur glücklichsten Stunde gelingt. Melden Sie mir daher den letzten Termin wenn Sie das Heft brauchen, so kann das Fehlende, obgleich ungern, doch allenfalls mit einigen Worten angedeutet werden.

Die aufrichtigen Wünsche, die Sie mir von Ihrer Seite gönnen, erwidere dankbarlichst und will gern gestehen, daß, wenn ich auch in meinen hohen Jahren mich jede Stunde bereit halten muß, aus dieser Aufgabe des Lebens und Wirkens zu scheiden, ich doch bey dem wichtigen Abschluß meines literarischen Wandelns gegenwärtig zu bleiben wünsche, denn es möchte sich sonst, besonders bey Abänderung der Eintheilung,[214] in der Folge mancher schwer zu lösende Zweifel hervorthun.

Und so wollen wir denn jeder an seiner Stelle wirken, so lange es Tag bleibt! Es ist ein günstiges Geschick, daß Sie sich der Angelegenheit so ernstlich und kräftig annehmen, ja Ihre Sorgfalt auf das Einzelne erstrecken, wodurch allein die Störung, die aus der weiten Entfernung entspringen müßte, beschwichtigt und überwunden werden kann.

Zu geneigtem Andenken mich angelegentlichst empfehlend.

ergebenst

Weimar den 29. December 1827.

J. W. v. Goethe.


43/152.


An Carl Wilhelm Göttling

Ew. Wohlgeboren

erhalten in beygehendem Paquet das Ihnen gewidmete Exemplar der zweyten Lieferung, die Ihnen wie die erste so vieles verdankt. Beygefügt sind in duplo VII, VIII, IX (VI ist, soviel ich weiß, schon in Ihren Händen), da Sie denn die Güte hätten, das zu Bemerkende an die Seite zu bemerken, wodurch das Geschäft einigermaßen erleichtert würde.

Auf die Reise freu ich mich in Ihre Seele. Wenn ich einen Freund auf eine solche Fahrt sich bereiten sehe, ist es mir, als wenn ich selbst einpacken müßte, ihn zu begleiten, und so genieße ich denn auch zum[215] voraus die Früchte, die Sie reichlicher als jeder andere für sich und uns einernten werden.

Zugleich aber muß ich Sie noch um eine Gefälligkeit bitten; um die mitkommende Rolle finden Sie ein Manuscript gewickelt, das ich Ihrer Durchsicht bestens empfehle, wobey ich nur wünsche, daß der Inhalt Sie für die zu übernehmende Mühe einigermaßen entschädigen möge. Es ist auch dieses eine von den vielen früheren Conceptionen, deren Ausführung immer verschoben worden und zuletzt ganz versäumt wäre, hätte ich mich nicht kurz entschlossen, sie in dieser Form zu überliefern, in welcher ich sie nunmehr Ihrer Gunst bestens empfehle.

ergebenst

Weimar den 29. December 1827.

J. W. v. Goethe.


43/153.


An Friedrich Theodor von Müller

Ew. Hochwohlgeboren

empfangen hiebey den Auszug aus einem Schreiben des Herrn Cattaneo, welches uns von der glücklichen Ankunft der Sendung und dem freundlichen Empfang derselben unterrichtet.

Möge denn auch im nächsten Jahre manches andere Begonnene und zu Beginnende fernerhin gelingen und Sie mir die geneigte Mitwirkung freundschaftlich erhalten.

[216] Das Protokoll von Zwierlein ist eingelangt, sehr gut und bündig gefaßt; ich lege es vor bey nächster Zusammenkunft. Es ist gar schön, daß dieses wunderliche Geschäft vor Ende des Jahres noch auf eine so löbliche Weise vollbracht worden.

Mich angelegentlichst empfehlend.

gehorsamst

Weimar den 29. December 1827.

J. W. v. Goethe.


[Beilage.]

Nous venons de recevoir, Monsieur Manzoni, Mylius et moi, un cadeau bien précieux de la part de l'aimable Monsieur Goethe, savoir un exemplaire chacun de l'édition des Oeuvres poétiques de Manzoni, faite à Jena, et de la médaille que V. A. R. a fait frapper en honneur de son ancien et respectable Ami. Pour ne pas parler de moi, qui ne suis que très sécondaire dans ceci, je puis assurer V. A. que mon ami Manzoni a été sensible au dernier degré à cette preuve d'affection de la part d'un Homme, que depuis sa jeunesse il est habitué à vénérer comme maître dans sa noble carrière. J'ose me flatter que Monsieur Goethe jouira infiniment en voyant le succès étonnant que le Roman de Manzoni vient d'obtenir en Europe, car dans quatre mois il en a été fait douze éditions, savoir neuf italiennes, deux allemandes, une française et une anglaise. Cela peut d'autant plus lui faire plaisir,[217] que c'est Lui qui a enseigné à l'Europe à apprécier ce talent extraordinaire qu'on s'efforçait de suffoquer. A présent aucune secousse ne pourra ébranler le piédestal solide où il est placé. Je sais qu'il se propose d'écrire incessamment à son noble Donateur, ce qu'il aurait fait bien auparavant, s'il n'eût fait une course de quelques mois en Toscane, où il a reçu l'accueil le plus flatteur même de l'intéressante famille du Grand Duc Léopold II.


43/154.


An Friedrich Johannes Frommann

Ew. Wohlgeboren

bey'm eintretenden Jahreswechsel freundlichst zu begrüßen gibt mir ein Schreiben des Herrn Cattaneo aus Mailand die schönste Gelegenheit. Ein Auszug aus demselben wird Ihnen gewiß Vergnügen machen. Ich wünschte nur, daß der unserm Dichter gegönnte Beyfall auch Ihrem Unternehmen günstig seyn möge.

Dieses und alles andere Gute und Wünschenswerthe bethätige die nächste Zeit, in der ich mich zu fernerem Wohlwollen und Mitwirken bestens empfehle.

ergebenst

Weimar den 29. December 1827.

J. W. v. Goethe.[218]


43/155.


An Friedrich Wilhelm Riemer

Sie erhalten hiebey, mein Werthester, das fragliche wundersame Werk bis gegen das Ende; haben Sie die Gefälligkeit, es genau durchzugehen, die Interpunction zu berichtigen und allenfallsige Bemerkungen niederzuschreiben, vorzüglich aber Folgendes im Auge zu haben: Ich unterließ, wie Sie sehen, in prosaischer Parenthese das, was geschieht und vorgeht, auszusprechen und ließ vielmehr alles in dem dichterischen Flusse hinlaufen, anzeigen und andeuten, soviel mir zur Klarheit und Faßlichkeit nöthig schien; da aber unsre lieben deutschen Leser sich nicht leicht bemühn, irgend etwas zu suppliren, wenn es auch noch so nah liegt, so schreiben Sie doch ein, wo Sie irgend glauben, daß eine solche Nachhülfe nöthig sey. Das Werk ist seinem Inhalt nach räthselhaft genug, so möge es denn der Ausführung an Deutlichkeit nicht fehlen.

treulichst

Weimar den 29. December 1827.

Goethe.


Quelle:
Goethes Werke. Weimarer Ausgabe, IV. Abteilung, Bd. 43, S. 194-219.
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