Das VIII Hauptstück.
Von den Nebenwörtern. (Adverbiis.)

[430] 1 §.


Was Nebenwörter sind, das ist bereits oben gesaget worden. Es sind nämlich Zeichen, wodurch die Bedeutungen der Zeitwörter auf allerley Art bestimmet werden: z.E. ich gehe, ist ein solches Zeitwort, dabey man aber nicht sieht, wie man geht? Setze ich aber hinzu, bald, oft, stark, langsam, schnell, voran, hinterher, u.d.gl. so sieht man die besondere Art meines Gehens. Es beziehen sich also die Nebenwörter auf das Thun oder Leiden, oder auf die Zeitwörter überhaupt; nicht aber auf Nennwörter, oder Fürwörter. Weil aber die Mittelwörter auch etwas von der Natur der ersten an sich haben; nämlich, daß sie ein gewisses Thun mit andeuten: so können auch Nebenwörter dabey statt haben; z.E. ein liebender, ein beständig liebender; ein Geliebter, ein herzlich Geliebter, u.d.m.

2 §. Nun gehören aber die Nebenwörter unter die so genannten Partikeln, oder unabänderlichen Redetheilchen, die in allen Verbindungen einerley bleiben. Daher erleichtert sich der Gebrauch derselben um ein großes; indem man sie weder abändern, noch abwandeln darf. Sie haben auch weder Geschlechter, noch Zahlen, noch Zeiten, vielweniger verschiedene Personen. Nur die Vergrößerungsstaffeln haben einige mit den Beywörtern gemein. Z.E.


Ich gehe stark, stärker, am stärkesten,

ich komme oft, öfter, am öftesten,

ich schreibe schön, schöner, am schönsten, u.s.w.[430]


Doch kann man nicht alle Nebenwörter dergestalt vergrößern. Denn viele brauchen zu ihren Staffeln ganz andere Wörter. Z.E. Wenn ich von bald, bälder, am bäldesten sagen wollte, wie einige Landschaften thun: so würde es unrecht seyn; indem auf bald, eher, aufs eheste folgen muß. Der Gebrauch guter Provinzen, und der besten Scribenten muß solches lehren.

3 §. Man kann aber die Nebenwörter in vielerley Ordnungen abtheilen, um sie desto besser zu unterscheiden, und zu beurtheilen. Einige betreffen den Ort, wo ein gewisses Thun oder Leiden vorgefallen ist; andere die Zeit, wann etwas gethan, oder gelitten worden, oder werden soll; noch andere die Beschaffenheiten der Dinge; andere ihre Größe; andere ihre Zahl, oder Ordnung; andere eine Vergleichung, Vergrößerung, Verkleinerung, Stellung und Lage; andere das Fragen, Bejahen, und Verneinen. Alle diese Classen müssen wir, den Anfängern und Ausländern zu gut, hieher setzen: weil man, ohne ihre Kenntniß, weder eine Schrift oder Rede recht verstehen; noch selber recht sprechen, oder schreiben kann.

4 §. Ehe wir aber dieses Verzeichniß mittheilen, müssen wir erst, die allgemeine Bildung derselben erklären. Etliche darunter sind einfache Stammwörter, als hie, da, hin, her, heut1, gestern2, früh, spät, u.d.gl. andere aber abgeleitete, oder sonst zusammengesetzte. Die abgeleiteten sind entweder von Nennwörtern, oder von Zeitwörtern entsprungen. Man setzet nämlich zu einigen Hauptwörtern, die Syllbe weise hinzu, um Nebenwörter daraus zu machen: z.E. Paar, paarweise, spielweise, gesprächweise. Zu andern kann man die Syllbe lich setzen; so wird aus Schimpf, Ehre, Herr, u.d.gl. schimpflich, ehrlich, herrlich. Von Heil ist erst das Beywort heilsam, sodann aber, durch Zusetzung der Syllbe lich, ein Nebenwort, heilsamlich entstanden. So wird aus gut, gütlich, aus böse, böslich, aus grob, gröblich. Selbst von Zeitwörtern werden dergleichen gebildet,[431] als von thun, thunlich; von mögen, möglich, von angeben, angeblich. Vormals pflegte man hier noch unnöthiger weise, das en anzuflicken; als gütlichen; welches aber itzo altväterisch klingt.

5 §. Die vornehmsten Syllben, oder Anhänge, wo durch theils aus Hauptwörtern, theils aus Beywörtern, Nebenwörter gebildet werden, sind folgende:


bar, achtbar, nennbar, unzählbar, wunderbar.

haft, mannhaft, nahrhaft, tugendhaft, wehrhaft.

halb, außerhalb, innerhalb, oberhalb.

hand, allerhand, ist so viel als ley. Nur bey überhand heißt es etwas anders.

icht, als bergicht, fleckicht, fleischicht, schimmlicht.

ig, barmherzig, ewig, gnädig, gütig3, trächtig.

isch, bäurisch, grämisch, kindisch, sclavisch, weibisch, u.s.w.

ley, allerley, mancherley, vielerley, zehnerley.

lich, d.i. gleich, als herrlich, kindlich, väterlich.

los, erblos, fruchtlos, gottlos, heillos, sinnlos.

mal, allemal, einmal, keinmal, vielmal.

sam, arbeitsam, furchtsam, heilsam, mühsam, etc.

selig, armselig, mühselig, saumselig, trübselig.

wärts, anderwärts, herwärts, hinwärts, vorwärts, etc.[432]


6 §. Diejenigen Beywörter, die sich auf ig und isch endigen, können auch ohne die Syllbe lich zu Nebenwörtern werden. Z.E. er hat mich gütig aufgenommen, er ist mir tückisch begegnet. Eben so geht es mit vielen Mittelwörtern der leidenden Gattung: man saget z.E. er hat mich geneigt angesehen; er hat mich erwünscht empfangen. Eben so hält es mit andern Beywörtern, die ohne Änderung auch Nebenwörter werden können; so daß man oft zweifelhaft wird, ob sie eher zu dieser, oder zu jener Classe gehöret haben. Z.E. bös, gerad, gut, hoch, kurz, lang, niedrig, recht, schlimm. Ja, man kann fast sagen, daß alle Beywörter, ohne Geschlechtswort und Geschlechtsendung, zu Nebenwörtern werden.

7 §. Was die Zusammensetzung anbetrifft: so werden sie theils unter sich, theils mit andern Redetheilchen verbunden. Z.E. aus her, und nach, wird hernach; vor und hin, giebt vorhin; unter und Weg, giebt unterweges; aus Muth und willig, wird muthwillig, u.d.gl. Ja, vielmals werden wohl drey, oder vier kleine Wörter zusammengenommen, um ein Nebenwort daraus zu machen; als, um seinetwillen, von meinet-wegen, hin-unter-wärts, irgend-wo-hin, von oben-her-ab, von allent-halben-her, u.d.gl. Doch steht es nicht frey, in solchen Fällen willkührlich zu verfahren; sondern man muß sich nach dem richten, was eingeführet ist4. Es ist also übel gethan, wenn manche widersinnische Theile zusammen nehmen, als da und hier, in dahier; oder unnütze Zusammensetzungen machen, als anheute, oder ansonsten, welche nichts mehr sagen, als heut, und sonst; oder nachher, welches doch nur hernach oder nachmals ist.[433]

8 §. Nun wollen wir das Verzeichnis selbst mittheilen; und zwar erstlich die Nebenwörter, die einen Ort andeuten (ADVERBIA LOCI). Sie sind vielerley: denn mit einigen beantwortet man die Frage: wo? mit andern die Fragen wohin? woher? wodurch? wieweit?


Nebenwörter des Ortes.


1) Auf die Frage wo?


Hier, allhier, hieselbst,

da, allda, daselbst,

dort, dorten, drüben,

oben, unten,

droben, drunten,

innen, außen,

hierinnen, hieraußen,

darinnen, draußen,

anderswo, anderwärts,

sonst wo, auswärts,

irgend, irgendwo,

irgends, nirgends,

inwendig, auswendig,

allerwegen, keinerwegen,

zugegen, gegenwärtig,

daheim, zu Hause,

abwesend, außer Hause,

außer Landes, weit von hier,

hier zu Lande, außerhalb,

hinten, vorne,

oben an, unten an,

oben auf, oben drauf,

mitten inne, darzwischen,

unten, unten an,

aller Enden,

jenseit, diesseit,

gleich über, gegen über,

zur Seiten, überzwerch,

aller Orten, allenthalben,

überall, nirgendswo,

zur Rechten, zur Linken,

rechts, links,

bergan, bergauf, bergab.


2) Auf die Frage wohin?


Hieher, hieherwärts.

dahin, dahinwärts.

dorthin, hinüber, herüber,

hinauf, hinab, hinunter,

herauf, herab, herunter,

hinein, hinaus,

herein, heraus,

dahinein, dahinaus,

dorthinein, dorthinaus.

anders wohin, sonst wohin,

nach außen zu, nach innen zu.

irgend wohin, nirgend hin5.

nach oben zu, nach unten zu.

nach vorne zu, nach hinten zu.

vorwärts, hinterwärts,

rücklings, rückwärts,

längsthin, querüber,

hin und her, hin und wieder,

nach Hause, heim,

in die Länge und Quere,

über und über,

drüber und drunter weg.

hinternach, voran,

hinterher, voraus,

aufwärts, abwärts,

obenhinan, untenhinab.

vorne an, hinten drein.

mitten hinein.

nach unten hin, nach oben hin.

hinwärts, herwärts.

seitwärts, dorthin.

rechtshin, linkshin.


[434] 3) Auf die Frage woher?


Von hier, von da, von daher,

von dort, von dorten her,

von dannen, von dannenher,

von innen, von außen,

von drinnen, von draußen,

von hinten, von vornen,

von oben her, von unten her,

von droben, von drunten,

von Hause, von ferne her,

von oben herab, von unten herauf,

von Hofe, vom Lande her,

nirgendher, irgendwoher,

allerwegen her, allenthalben her,

von beyden Seiten her,

von allen Seiten her,

von allen Enden her,

von allen Orten her,

von der Rechten, von der Linken her.


4) Auf die Frage wodurch?


Durch dieß oder das.

hiedurch, dadurch, hindurch.

dahindurch, dorthindurch.

unten weg, oben weg.

hinten herdurch, voranweg.

dahinauf, dahinunter.

darnebenhin, seitwärtsherum.

dahinüber, dahinab.

gleichaus, gleich durchhin.

gleich hinauf, gleich hinab.

gleich hinüber, gleich herunter.

gerade herauf, gerade herab.

gerade zu, gerade hinaus.

rund vorbey.


5) Auf die Frage wieweit?


Hieher, bis hieher, so weit.

dahin, bis dahin, nicht weiter.

bis dorthin, bis daher.

immer weiter, immer fort.

bis zum Ende, so weit als möglich.


9 §. Nun wollen wir die Nebenwörter der Zeit (TEMPORIS) gleichfalls vornehmen, deren es eine ziemliche Anzahl giebt. Man kann auch hier verschiedene Fragen unterscheiden, darauf sie zur Antwort dienen. Das erste ist:


[435] Nebenwörter der Zeit.


1. Die Frage wann?


Heut, gestern, vorgestern,

vor Tage, frühmorgens,

vormittags, nachmittags,

zu Mittage, (aber nicht zu früh.)

gegen Abend, etwas spät,

gegen Mitternacht, sehr spät,

des Nachts, des Morgens,

des Tages, des Abends,

bey Tage, bey Nacht, imgl.

Sonntags, Montags, etc.

diesen Abend, diese Nacht,

morgen früh, übermorgen,

den folgenden Tag,

den dritten, vierten Tag,

den Tag hernach,

die Woche darauf,

nächsten Monath, alsdann,

künftiges Jahr,

auf den Sommer, Herbst etc.

nächsten Winter, Frühling,

allezeit, immer, allemal,

immerdar, stets, immerfort,

unaufhörlich, ohn Unterlaß.


2. Die Frage seit wann?


Seit einer halben, ganzen St.

seit heute früh, seit gestern spät,

seit gestern Abends,

seit vorgestern Mittags,

seit heute Morgens,

seit drey, vier fünf Tagen,

seit einer, oder etlichen Wochen.

seit einem, oder etl. Monathen,

seit einem, oder etlichen Jahren,

ein halbes oder ganzes Jahr her,

seit undenklichen Jahren her,

von alten Zeiten her,

von der Sündfluth her,

seit Adams Zeiten,

seit undenklichen Zeiten,

von Anbeginn der Welt,

von der Welt her, von je her,

von Ewigkeit her,

von Zeit zu Zeit,

von Menschen Gedenken her.


3. Die Frage wie bald?


Bald, alsobald, so gleich,

stracks, von Stund an,

augenblicklich, unverweilt,

sonder Aufschub, also fort,

urplötzlich, mit der Zeit,

mit nächstem, nachmals,

geschwind, zur Stunde,

den Augenblick, alsofort,

augenblicklich, behende,

mit ehestem, ehestens,

ohne Verzug, unverzüglich,

in aller Eil, ungesäumt,

plötzlich, unverhofft,

aufs eheste, nächstens,

ehester Tage, nächster Tage,

mit anbrechendem Abende,

je eher, je besser, fluchs.

in kurzem, nach diesem,

nimmermehr.


4. Die Frage wie lange?


So lange es dauert, währet,

bis auf diesen Tag, bis itzund.

Jahr und Tag, bis diese Stunde,

je länger, je lieber,

bis auf diese Stunde, bisher, bis itzo, bis dato6,

bis nachmittage, noch immerzu,

bis auf den Abend, bis Morgen,

bis in die Nacht, bis frühmorgens,

bis zu Nacht, oder Mitternacht,

bis übers Jahr, bis auf die Woche.

[436] Jahr aus, Jahr ein, ohn Ende,

unaufhörlich, immerfort,

ohn Aufhören, unabläßig.

ohn Unterlaß, in Ewigkeit.


5. Die Frage wie oft?


Selten, oftmals, öfters.

einmal, ein einzigmal.

zweymal, dreymal, viermal etc.

abermal, noch einmal.

einmal für allemal.

wieder, von neuem, zu guter letzte.

hundertmal, tausendmal.

dann und wann, bisweilen.

unterweilen, nicht selten.

mehrmals, vielmals.

stündlich, täglich.

wöchentlich, monathlich.

jährlich, von Jahr zu Jahr,

alle Tage, von Tage zu Tage.

etlichemal, niemals.

täglich einmal, tagtäglich.

Zwier in der Wochen7.

all mein Lebenlang,

unzähligemal.

unendlichemal.


6. Die Frage zu welcher Zeit?


Allemal, jederzeit,

jetzo, schon längst, vorlängst,

vormals, neulich, damals,

hernach, nachmals, nachher8,

zuvor, vorzeiten, vorhin,

weiland, vor Alters,

nun, nunmehr, jetzunder.

spät und früh, letztlich.

immer und ewig, niemals.

in einer Weile, über ein Kleines.

in kurzem, für und für.

unterdessen, mittlerweile.

nach und nach, allmählich.

wiederum, abermal.

nochmals, zeitig genug.

gemeiniglich, übers Jahr.

all mein Lebetag.

nun und nimmermehr.


10 §. Nunmehr folgen billig die Nebenwörter der Beschaffenheiten (QUALITATIS); und da sich diese nach den Dingen selbst richten: so sind sie entweder geistlicher oder körperlicher Art.


[437] Nebenwörter der Beschaffenheiten, auf die Frage wie?


Geistlicher Art.Körperlicher Art.


Christlich, heydnisch,Kalt, warm, heiß,

klüglich, einfältig,eiskalt, siedendheiß,

weislich, thöricht,fett, mager, dürr,

witzig, dumm,dick, dünne, schmächtig,

listig, verschlagen,schlank, geschmeidig,

schlau, durchtrieben,krumm, gerade, eben, uneben,

ehrlich und redlich,naß, trocken, feucht.

aufrichtig und rechtschaffen,hart, weich, süß, sauer.

redlicher Weise,rauh, glatt, eben, uneben.

hinterlistig, betrüglich,langsam, behend,

schändlich, rühmlich,schön, häßlich, garstig,

ansehnlich, verächtlich,lieblich, abscheulich.

gütig, zornig,gräulich, anmuthig.

grimmig, wüthend,rund, eckicht, hoch, tief.

grämisch, hämisch,länglich, kurz, rauch, glatt.

schrecklich, fürchterlich,faul, frisch, neu, alt.

herzhaft, kühn, keck,träg, hurtig, schnell.

frech, verwegen, toll,plump, ungeschickt.

wild und schüchtern,grob, fein, zierlich.

zahm, muthwillig,stinkend, wohlriechend.

widerlich, willig,sauber, unsauber.

selbständig, zufällig,säuisch, schmutzig.

gern, ungern,reinlich, unreinlich.

billig, unbillig,arg, schlimm, gut, böse.

fälschlich, wahrhaftig,hübsch und fein.

männlich, weiblich,altväterisch, neumodisch.

mündlich, schriftlich,elend, jämmerlich, scheußlich.

öffentlich, ingeheim,bunt, einfärbig, vielfärbig.

offenbar, insbesondre,schäckicht, einträchtig.

tugendhaft, lasterhaft,gedoppelt, vielfach.

künstlich, ungeschickt,wohl, übel, schlecht und recht.

höflich, bäurisch, grob,wunderlich, seltsam.

artig, unartig, plump,eigentlich, ungefähr.

wohlerzogen, ungezogen,gemächlich, leise.

freundlich, feindlich,schleunig, geschwind.

lustig, traurig,eben recht, nach Wunsche.

betrübt, bekümmert,deutsch heraus, rund heraus.[438]

gesellig, einsam, allein,auf französisch, pohlnisch.

ernstlich, scherzhaft,auf rothwälsch, malabarisch.

scherzweise, spaßhaft,lappicht, läppisch,

freywillig, gezwungen,armselig, kümmerlich.

zu Wasser, zu Lande,zärtlich, ungeschliffen.

zu Pferde, zu Fuße,schwärzlich, weißlich.

mir zu Liebe, zu Trotze,röthlich, bläulich.

mit Fleiße, nachläßig.grünlich, gelblich, u.d.m.


Doch wollen wir nicht versichern, daß sie dieses alle sind. Es sind nur die meisten und gewöhnlichsten: man kann aber, auf oben erklärte Art, ihre Zahl darum nicht bestimmen; weil täglich aus den Hauptwörtern und Beywörtern mehrere gebildet werden.


11 §. Nun folgen die Nebenwörter der Größe, (QUANTITATIS) die aber fast alle eine Vergleichung mit andern bey sich führen; als:


Nebenwörter der Größe.


Wie groß? wie lang? wie viel?


Groß, klein, größer, kleiner.

lang, kurz, weit, enge, dick, dünne.

viel, sehr viel, überaus viel, erschrecklich viel.

mehr, noch mehr, am meisten, am mehresten.

wenig, weniger, am wenigsten, aufs wenigste.

nichts, gar nichts, ganz und gar nichts.

minder, aufs mindeste, nicht das mindeste.

zuviel, garzuviel, allzuviel, doppelt so viel.

je mehr, je besser; je weniger, je lieber.

mehr oder weniger, über kurz oder lang.

aufs beste, aufs längste, aufs weiteste.

zum wenigsten, wenigstens, mindstens.

längstens, länger als lang, doppelt so lang.

zwiefach, dreyfach, zehnfach länger.

zweymal, dreymal, zehnmal breiter.

eben so kurz, lang, viel, oder wenig.

mächtig groß, gewaltig lang oder breit.

[439] halb so kurz, lang, viel, oder wenig.

ein Drittheil kürzer, mehr oder weniger.

noch einmal so groß, so breit, so dick.

unerhört groß, lang, breit oder dick.

ungemein viel, wenig, kurz oder lang.

ungleich mehr, weniger, größer, kleiner.

erstaunlich viel, wenig, breit oder lang.

überhaupt, in allem, eins ins andere gerechnet u.d.m.


Hier hüte man sich nur vor der Verbindung widersinnischer Vergrößerungswörter: z.E. Entsetzlich schön, abscheulich schön, entsetzlich angenehm, gewaltig klein, mächtig dünne, schrecklich beliebt, u.d.gl. die manche aus böser Gewohnheit zusammen zu setzen pflegen.

12 §. Es folgen nunmehr die Nebenwörter der Ordnung und Unordnung (ADVERBIA ORDINIS); dazu man denn auch die eine Art der Zahlwörter zählen kann. Die vornehmsten sind folgende:


Nebenwörter der Ordnung.


1. Der Ordnung.


Anfangs, anfänglich,

sodann, hernach, gemächlich,

darnach, darauf,

nachmals, nachgehends,

endlich, zuletzt, schließlich,

erstlich, letztlich, letztens,

übrigens, im übrigen,

schließlich, zum Beschlusse,

nach der Reihe, reihenweise,

ordentlich, kürzlich,

weitläufig, ausführlich,

deutlich, genau,

wohl abgetheilet, unvermenget,

der Länge nach, kurzgefasset,

gliederweise, paarweise,

nach und nach, allgemach, allmählich.


2. Der Unordnung.


Verwirrt, durcheinander.

vermischet, vermenget.

das oberste zu unterst.

das unterste zu oberst.

eins ins andre.

das hinterste zu vörderst.

das vörderste zu hinterst.

alles unter einander.

über und drüber.

drüber und drunter.

alles über einen Haufen.

alles durch einander.

unordentlich, umgekehret.

undeutlich, unvollständig.

verstümmelt, verhunzet.

wie Kraut und Rüben.


[440] 3. Zahlwörter mit zum.


Zum ersten, zweyten,

zum dritten, vierten,

zum fünften, sechsten,

zum siebenten, achten,

zum neunten, zehnten u.s.w.


4. Zahlwörter mit ens.


Erstlich, zweytens.

drittens, viertens,

fünftens, sechstens,

siebentens, achtens,

neuntens, zehntens etc.


5. Theilende Zahlwörter.


je zwey und zwey.oder zu zweyen.

drey und drey,zu dreyen.

vier und vier etc.zu vieren etc.9


6. Unterscheidende Zahlwörter.


Einerley,Einfältig,Einfach.

zweyerley,zweyfältig,zweyfach.

dreyerley, u.s.w.dreyfältig,dreyfach.

zehnerley,zehnfältig,zehnfach.

hunderterley,hundertfältig.hundertfach.


13 §. Es kommen nun die Nebenwörter der Vergleichung, (ADV. COMPARAT.) die aber mit den Nebenwörtern der Größe oft übereinkommen. Sie sind dreyerley.


Nebenwörter der Vergleichung.


Vergrößernde.Vergleichende.Verkleinernde.


Größer, als das,Eben so groß, als,Kleiner, als dieses

etc.

länger, als das,eben so lang, als,minder, als jenes

etc

unerhört groß,übermäßig,viel schmähler.

breiter, denn das,gleich breit,nicht so breit.

viel dicker, als,gerade so dick,nicht halb so dick,

noch einmal sovon einer Dicke,bey weit. nicht so

dick,

stark,von gleicher Stärke,ungleich schwächer,

zweymal dicker,eins wie das andre,es langet nicht an

die

ungleich stärker,gleichsam, als,Hälfte.

doppelt so groß,sowohl, als,viel weniger, als.

zehnmal mehr,nicht weniger,sonder Vergleich.[441]

unvergleichlich vielnichts minder,Entgegensetzende.

größer,wie dieß, so das,Dagegen, hergegen.

ungemein vieleben so als wenn,hingegen,

größer,wiedrigenf.

hundertmal länger,desgleichen,im Gegentheile.

tausendmal so groß,ebenermaßen,lange nicht so hoch.

unendlich vielgleichergestalt.sehr viel niedriger.

größer.


14 §. Nun können die Nebenwörter des Fragens (INTERROGANDI) folgen, die zum Theile auch unter den Fürwörtern vorgekommen sind. Sie beziehen sich theils auf Personen, theils auf Sachen, theils auf Zeiten, theils auf Oerter, theils auf die Größe, theils `auf die Beschaffenheiten der Dinge.


Nebenwörter des Fragens.


Auf Personen.


Wer? welcher? welche?

was für einer?

was für eine?

wessen? durch wen?

weß ist das Bild?

wem gehöret das?

zu wem? für wen?

mit wem? von wem?


Auf Zeiten.


Wann? wie lange?

seit wann?

wie bald? wie spät?

wie oft, wie vielmal?

zum wievielstenmal?

wie langsam?

wie geschwinde?


Auf Größen.


Wie groß, wie klein,

wie lang, wie kurz?

wie breit, wie schmal?

wie dick, wie dünn?

wie schlank, wie plump?

wievielmehr? wievielweniger?

wieviel größer, kleiner?

um wieviel stärker?

wirds nicht immer größer?

kann mans auch übersehen? u.d.gl.


Auf Sachen.


Was? was denn?

warum? weswegen?

weshalben? womit?

woran? wodurch?

wozu? zu was?

woraus? woher?

wieviel? wovon?

ists nicht so? nicht wahr?


Auf Örter.


Wo? woher? wohin?

wodurch? wie weit?

wie fern? wie nahe?

was gilts, es ist weiter?

gelt, es ist näher?

ists nicht eben so weit?

von wo ist, oder kömmt er?


[442] Auf Beschaffenheiten.


Wie kalt? Wie warm?

wie viel artiger, lieber?

um wie viel schlimmer?

ists nicht besser so?

ists nicht ein Elend?

hat man nicht seine Noth?

wirds nicht immer ärger?

bleibts wohl beym Alten?

kann man sich auch retten?

ists nicht allerliebst? u.d.gl.


15 §. Die Nebenwörter des Bejahens und Verneinens (AFFIRM. & NEG.) können eine neue Classe ausmachen; und theilen sich außer diesen, auch noch in die zweifelnden und betheurenden ein.


Nebenwörter des Bejahens.


Bejahende.


Ja! so ist es! jawohl!

dem ist freylich also,

allerdings, gewißlich,

nicht anders, ganz recht,

ohne Zweifel, zweifelsohne,

zweifelsfrey, unfehlbar,

ohne Bedenken,

ungezweifelt, ungelogen,

wie gesaget, ohne Vergrößerung,

freylich wohl.


Verneinende.


Nein, nicht doch, gar nichts.

ganz und gar nicht.

durchaus nicht.

im geringsten nicht.

niemals.

nirgends.

mit nichten.

keineswegen,

niemand, keiner.

nimmermehr.

nun und nimmermehr.


Zweifelnde.


Wer weis auch ob,

vieleicht, vieleicht auch nicht.

etwan dieß, oder das,

im Falle, daß,

auf den Fall,

so oder so, oder anders,

wie oder wann,

ists dieß oder das

nun oder niemals,

heut oder morgen,

ists dieses oder jenes.


Betheurende.


Gewiß, wahrlich!

wahrhaftig.

unstreitig, auf Treu und Glauben.

unfehlbar, es bleibt dabey.

bey meiner Treue.

auf mein Wort.

so wahr ich lebe.

ein Wort ein Mann.

in Ewigkeit nicht, durchaus nicht.

den Tag soll niemand erleben.[443]


Kommen nun hier, und im vorigen, gleich etliche ganze Redensarten mit vor; so darf sich daran niemand stoßen. Waren doch der Römer Betheurungen, AEDEPOL, ME CASTOR, MEHERCULES, MEDIUS FIDIUS, ITA ME DII DEAEQUE OMNES, u.a.m. auch dergleichen.

Fußnoten

1 Ob heut von HODIE, oder dieses von jenem herstamme, ist schwer zu wissen. Im Gothischen V.U. heißt heute: Himmadaga. Matth.


2 Ob gestern von HESTERNUS herstamme, ist eben so schwer zu wissen. Ich mag es weder bejahen, noch verneinen.


3 Man fraget, ob man auch gütiglich sagen könne? Frisch habe gütlich, welches daraus entstanden sey. Allein, gütiglich eine so unnöthige Verlängerung, als seliglich, williglich, gnädiglich etc. Wer lange Wörter im Verse brauchet, hat sie zu seinen Diensten. Gütlich ist der Gespan von böslich, und hat seine eigene Bedeutung. Sie thun uns gütlich, d.i. sie bewirthen uns wohl.


4 Hier herrschet im Reiche bey den Kanzeleyen der Kraise, auch wohl in Regenspurg zum Theile, eine seltsame Sucht, täglich neue Misgeburten dieser Art auszuhecken. Ja, je verwägener mancher Schreiber, oder Briefsteller seine Zusammensetzungen machet, desto geschickter dünket er sich zu seyn. Das sind dann rothwälsche Überbleibsel, von denen Horaz, wie von der FESCENNINA LICENTIA, sagen möchte:


MANENTQUE ADHUC VESTIGIA RURIS!


Wir wollen nur sagen:


RISUM TENEATIS AMICI!


5 Man fraget, ob man auch sagen könne, nirgend wohin? Antw. Nein. Das wohin zeiget eine Frage an.


6 So schlecht dieser Zwitter aus dem Lateine und Deutschen an sich ist; so kann ich ihm doch um der Ausländer willen, den Platz hier nicht versagen; weil sie ihn in unzähligen deutschen Büchern finden werden. Gute Schriftsteller brauchen ihn nicht: aber ein Sprachlehrer kann nicht alles weglassen, was er für schlimm hält. Er machet die Sprache nicht; sondern er lehret sie nur.


7 Man fraget mich, was das heiße? Antw. der Pharisäer im Evangelio fastete so. Man dünket, es ist zwar alt, aber deutlich.


8 Weil es viele brauchen, muß ichs hersetzen, ob ichs gleich nicht billige. Dieß ist die Antwort auf die Frage eines Gönners. Es ist manches gewöhnlich, was nichts tauget. S. die vorige Anmerkung c).


9 Ein gewisser Zeitungsschreiber in Franken, setzet dieß zu, öfters zu Wörtern, dahin sichs nicht schicket. Z.E. Dieser Prinz ist zu früh da angekommen. Zu früh traf er ein, u.d.gl. wenn er sagen will, er sey frühmorgens angekommen. Zu Mittage kann man wohl sagen: aber zu Morgen, zu früh, und zu Abend nicht.[444]


Quelle:
Johann Christoph Gottsched: Ausgewählte Werke. 12 Bände, Band 8, Berlin und New York 1968–1987, S. 430-445.
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Große Erzählungen der Frühromantik

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1799 schreibt Novalis seinen Heinrich von Ofterdingen und schafft mit der blauen Blume, nach der der Jüngling sich sehnt, das Symbol einer der wirkungsmächtigsten Epochen unseres Kulturkreises. Ricarda Huch wird dazu viel später bemerken: »Die blaue Blume ist aber das, was jeder sucht, ohne es selbst zu wissen, nenne man es nun Gott, Ewigkeit oder Liebe.« Diese und fünf weitere große Erzählungen der Frühromantik hat Michael Holzinger für diese Leseausgabe ausgewählt.

396 Seiten, 19.80 Euro

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