448. Das Gespenst zu Gehofen.537

[381] Im Regierungsbezirke Merseburg liegt der Flecken Gehofen. Dort hat es sich vom 9. bis 15. October des Jahres 1685 zugetragen, daß die Frau Philippine Agnes von Eberstein, geborene von Werthern aus dem Hause Brück, sowohl bei Tage als bei Nacht, wenn sie auf ihrem Bette hat ruhen wollen, an den Händen und Armen ein Kneipen empfand, welches sie heftig schmerzte, auch verursachte, daß die Haut mit Blut unterlaufen war. Sie hat jedoch dabei nichts gesehen, sondern nur ein heimliches Ohrenwispern dieses Inhalts vernommen, daß sie, wenn es sechs schlagen werde, auf den Hof gehen und allda einen Schatz heben solle. Man hat aber die Dame nicht so fest bei ihren Händen halten können, daß ihr selbige nicht mit Gewalt zurückgezogen und geknippen worden wären. Insonderheit wurde ihr am besagten 9. October Abends durch Lispeln zu verstehen gegeben, weil sie kurz zuvor um 6 Uhr nicht habe mitgehen wollen, solle sie dafür die ganze Nacht hindurch gequält werden, bis sie sich am folgenden Morgen um die sechste Stunde mitzugehen entschließen würde. Aber diese rechtschaffene und gläubige Person hat solches abermals abgeschlagen und mit dem Schatzheben nichts zu thun haben wollen. Bei diesen Umständen hat sie der Pastor des Ortes besucht und nicht ermangelt, sie nach bestem Vermögen zu trösten und aufzurichten. Am 15. October nach gehaltener Betstunde aber hat sie einen Geist in Gestalt einer weißgekleideten Nonne neben sich stehend wahrgenommen, welche mit einem rothen Kreuz auf dem Haupte bezeichnet war und nebst einem Paternoster in der rechten Hand, ein weißes Vorstecktüchlein, wie die vom Adel bei Leichenbegängnissen zu tragen pflegen, vor dem Munde gehabt. Dieses Gespenst nun, welches sonst von Niemand ist gesehen worden, hat die Frau die ganze Nacht über nicht eine Minute schlafen lassen und ob sie gleich von 6-7 Personen gehalten ward, hat man dennoch das Kneipen an Händen, Schultern und andern Gliedmaßen, so ihrer Aussage nach der[381] Geist verübt, aus deutlichen Zeichen abgenommen. Nachmittags hat der Herr von Eberstein, ihr Gemahl, so aber damals an einem Fieber krank darnieder lag, sich aus seinem Krankenbette vor Unmuth erhoben und zum Gespenst gesagt: »Wenn es der Teufel wäre, was es in seinem Hause zu schaffen hätte und warum es seine Frau dergestalt quäle?« Hierauf hat dasselbe geantwortet, jedoch daß es die Frau von Eberstein nur allein hören und sehen können, sie wäre kein Teufel, sondern eine von Trebra, sie hätte vor gar langer Zeit auf ihrem Hofe, so vordem das Trebraische Gut geheißen und der Herr von Eberstein von seinem Vater, dem Generalfeldmarschall, geerbt, wegen Unruhen des Krieges einen Schatz vergraben und wäre solchen wiederum zu heben durch den Tod verhindert worden. An dem eigentlichen Orte, den sie auch zu einer andern Zeit gewiesen, hätte dazumal keine Kapelle, sondern Kuh- und Schweineställe gestanden. Besagten Schatz aber solle die adelige Frau und Niemand anders bekommen, weil sie die Stuben und Zimmer, welche sie ehedessen bewohnt, vortrefflich auszieren und erneuern lassen. Sie hat auch noch weiter angehalten, daß sie in bevorstehender sechster Stunde mitgehen, ihren Beichtvater und Andere im Hause zu sich nehmen, dabei andächtig beten, auch das Lied: »Freu' dich sehr, o meine Seele« und dergleichen mehr singen möchte. Zugleich versicherte der Geist, es solle ihr kein Leid widerfahren und wenn auch gleich der daselbst liegende schwarze Hund ihr einige Furcht verursachen werde, so wolle er doch lieber solchen alsobald hinwegführen, damit ihr nicht der geringste Schaden widerführe. Nächst diesem beschrieb das Gespenst der Dame, worin der Schatz eigentlich bestände. Es wäre nämlich allda eine silberne Kanne, in welcher drei Paternoster befindlich, welche sie wieder einer katholischen Kirche verehren könne, ingleichen drei schöne goldene Ringe, so dem Eberstein'schen Geschlechte sollten überlassen werden und wovon dasselbe beständiges Glück zu erwarten hätte. Das Uebrige bestehe aus einem großen Stück Geldes an Gold- und Silbermünzen, wovon sie vor allen Dingen ihr einen Grabstein aufrichten und diese Worte einhauen lassen solle: »Habe Dank für Deine Gaben, Gott der wird Dich ewig laben.« Ein Theil des Schatzes solle die Kirche des Ortes neu zu decken und sonst zu frommen Zwecken verwendet werden, das Uebrige aber solle die adelige Frau für sich behalten und den Ihrigen zu Nutze kommen lassen. Nach diesen Worten fuhr der Geist noch weiter fort: »Deine Tochter Lieschen soll in 4 Jahren auch einen Schatz heben, so von meiner Schwester ehemals ist verscharrt worden.« Als aber der Geist mit diesen und andern Vorstellungen dennoch nichts ausrichten konnte, fuhr er mit unablässigem Kneipen fort, die adelige Frau zu ängstigen, welche hingegen sich beständig weigerte, in des Geistes Begehren zu willigen. Hierauf hub derselbe einige Male an zu weinen, daß auch sogar von den Thränen das Vorstecktüchlein stark benetzt wurde, bis daß endlich die Stunde von 5-6 Uhr unter großer Herzensangst und stetigem Gebet sowohl der Frau von Eberstein als aller Umstehenden für dieses Mal auch vorbeigegangen. Wie nun hierauf am 16. October der Pastor des Orts sich frühmorgens wieder eingefunden und mit ihr nach Erforderung seines Amtes von diesem Zufall sich weitläufig unterredet hatte, gab er ihr zu mehrerem Unterricht und Trost eine von ihm selbst aufgesetzte Vorschrift, wie sie sich bei dieser schweren Anfechtung zu verhalten hätte, welche von ihr auch mit besonderem Vergnügen angenommen worden ist. Es hat aber dieselbe gleichwohl[382] denselben Tag und die darauf folgende Nacht abermals ein starkes Kneipen und große Herzensangst empfunden, indem der Geist wieder erschienen ist und deutlich die Worte hat hören lassen: »Du sollst und mußt den Schatz heben.« Da auch am folgenden Tage, den 17. October, zur Betstunde in die Kirche geläutet wurde und die adelige Frau, um sich gleichfalls dorthin zu begeben, in Begleitung ihrer Leute durch den Hof gehen wollte, stand der Geist vor der Brücke auf der linken Seite und gab ihr durch Winken die Stelle, wo sich der Schatz befinde, zu erkennen, und ohngeachtet sie die Augen weggewendet, den Muff vor das Gesicht gehalten und fortgegangen, ist ihr derselbe dennoch bis in die Kirche auf dem Fuße nachgefolgt, welches ebenfalls nach verrichtetem Gottesdienste geschehen, da er ihr den Ort, wo sonst nichts als Schutt zu sehen war, unter einem großen Steine, der sich in die Höhe begeben, eröffnet gewiesen. Nachdem aber die Frau von Eberstein nebst ihren Gefährten sich mit Fleiß von derselben Seite abgewendet und dem Geist zu entkommen gesucht, hat dieser sie um Gottes Willen gebeten, etwas darauf zu werfen, auch sie bei ihrem Unterrock ergriffen und so festgehalten, daß sie ihm mit genauer Noth entgehen können. Hierauf ließ das Gespenst zu verschiedenen Malen die Worte von sich hören: »Hättest Du etwas darauf geworfen, so hättest Du nun den Schatz und wärest hingegen der Qual und Schmerzen überhoben.« Auch hielt der Geist noch immer an, sie solle Ja sagen, daß sie, wenn die Zeit käme, mitgehen wolle, sie würde dann vom Kneipen gänzlich befreit werden. Gleichwie nun aber diese Dame solches zu thun sich beständig weigerte, also wurde auch ihre Qual und Herzensangst täglich vermehrt, daß man auch für nöthig fand, sowohl öffentliche als besondere Gebete deshalb anzustellen. Ja weil nun endlich statt der gehofften Aenderung die Sache immer ärger wurde, hielt man dafür für rathsam, davon höhern Orts Bericht zu erstatten und Befehle einzuholen, was bei der Sache vorzunehmen sei. Man bekam hierauf von einer berühmten theologischen Facultät einen Bescheid, worin dieselbe die Sache an und für sich für gefährlich erachte und nebst leiblicher Arznei zu den geistlichen Waffen Anleitung gab, zum Mitgehen und Schatzgraben aber gar nicht rathen wollte. Inzwischen wurde die Frau von Eberstein einstmals von einem ihrer Anverwandten besucht, da der Geist wiederum beständig anhielt, sie möchte sich doch zur Hebung des Schatzes entschließen oder solches wenigstens durch Jemand anders verrichten lassen. Hierauf hat dieser gute Freund, wiewohl wider ihren Willen, endlich solche Verrichtung auf sich genommen, um zu sehen, ob durch dieses Mittel die geplagte Frau von ihren Schmerzen könnte befreit werden. Alsbald hat auch der Geist, wie die Patientin hernach berichtet, vor Freuden gleichsam in die Hände geklopft, sich fröhlich bezeigt und sie einige Zeit lang mit Kneipen verschont. Nichts desto weniger zeigte sich derselbe ferner bei Tag und Nacht und drang sehr heftig auf das Mitgehen. Ueber welche beständige Erscheinung, so damals schon die dritte Woche gewährt, die Frau von Eberstein unbeschreibliche Herzensangst empfunden, auch weder einige Lust zum Essen noch die geringste Nachtruhe erlangen können, wozu noch andere natürliche Zufälle und heftige Convulsionen nebst öfters wiederholten Ohnmachten gekommen sind, also daß sie darüber ganz hinfällig wurde und Jedermann besorgte, sie werde endlich das Leben einbüßen, wie sie denn auch mit größtem Leidwesen aller Anwesenden am 17. dess. Monats[383] bereits Allen gute Nacht gesagt und sich zum ewigen Abschied fertig gehalten. Man ließ nun zwar einen berühmten Arzt kommen, welcher ihr die besten Arzneien gegen diese Convulsionen eingab, allein der Zustand der Patientin ist nicht erträglicher geworden, sondern das schmerzliche Weh hat sich sonderlich Abends und Morgens von 5-6 Uhr dermaßen gehäuft, daß man die Frau, die mehr todt als lebendig geschienen, nicht ohne tiefes Mitleiden hat ansehen können. Es sind nun von dem Grafen Johann Georg von Mannsfeld dessen Generalsuperintendent Herr Johann Rösner und sein Consistorialrath Herr Jakob Friedrich Erfurt abgeordnet worden, um die Sache näher zu untersuchen. Dieselben haben auch denselben Abend und nächsten Morgen die Convulsionen und Paroxysmen der Frau von Eberstein beobachtet, der Geist hat auch vor dem Bette der Frau neben diesen Herren gestanden, allein dieselben haben ihn nicht erblickt, sondern nur die Frau allein. Die beiden Commissarien sind aber in das größte Erstaunen gerathen, wenn sie die gewaltsamen Brustschläge, welche jene sich gegeben, mit ansahen. Nachdem man nun aber dabei mit Beten fleißig fortgefahren, ist die Frau von Eberstein nach und nach wieder zu sich gekommen und hat auch alsbald ins Gebet mit eingestimmt, gleich als wenn sie stets mitgebetet hätte. Nach dieser Zeit hat sich die Ruhe und der Appetit zum Essen wieder gefunden, auch haben die Anfälle des andern Tages bald gelinder, bald stärker abgewechselt, jedoch so, daß die drei letzten Bewegungen, wenn es bald sechs schlagen wollte, allemal heftiger gewesen sind. Auch sind die schmerzlichen Malzeichen nicht außen geblieben, wovon nach der Patientin Bericht der Geist allerhand Ursachen angeführt, z.B. daß dessen Bildniß in der Kirche beschimpft, von dem Gesinde geflucht oder sonst etwas begangen worden. Es haben sich also an den Händen und Armen noch immerzu einige Merkmale gezeigt, obgleich die Patientin, so lange sie nur gekonnt, aufgeblieben und sich des Bettes enthalten, auch sich sowohl zur Kirche als zur Tafel verfügt. Am Freitag Abends als den 30. November, da gleich der gewöhnliche Buß- und Fasttag vorbei war und die adlige Dame mit zu Tische saß, sahe man plötzlich an ihr wider Gewohnheit außer den gewöhnlichen Stunden eine plötzliche Veränderung und einige Herzensstöße, welche ihrer Aussage nach daher entstanden, weil der Geist während der Mahlzeit zur Stube hineingekommen, zu ihr getreten, fröhlich in die Hände geschlagen und gesagt, es wäre ihm lieb, daß sie wieder mit zu Tische sitzen könne, zugleich auch versichert, daß sie den Schatz noch heben solle. In den nachfolgenden Tagen ist es bei dieser Abwechselung geblieben, allein am 3. December Montags nach dem ersten Advent haben sich neben den leiblichen auch geistige Anfechtungen verspüren lassen, indem die Frau von Eberstein den ganzen Tag geweint und sich gefragt habe, ob sie denn allein eine so große Sünderin sei, daß Gott sie vor allen so viel Angst und Elend erfahren lasse. Des Abends hat sich der Geist auch neben sie, als sie von Frankenhausen nach Hause gefahren, in den Wagen gesetzt und ihr arg zugesetzt. Zu Hause hat sie den Geistlichen holen lassen, um sie zu trösten, allein der Geist hat sich jetzt wider seine Gewohnheit auch noch nach der gewöhnlichen Stunde bei ihr sehen lassen, auch stets um und neben ihrem Bette gestanden, als ob er ihr aufgewartet. Als sie dann ihr Kammermädchen gerufen, um sich mit warmen Tüchern reiben zu lassen, hat er sie mit einem Pfui angefahren, und als sie sich aus dem Bette bringen[384] lassen, hat sie das Kneipen in der Hand empfunden und hat er sie des Nachts nicht schlafen lassen. Am andern Tage hat sie der Geist zu den gewöhnlichen Stunden heftig angegriffen und sich dabei verlauten lassen, es geschehe, weil die bösen Schulknaben über dem Trebraischen Gemälde in der Kirche gewesen und ihr Bildniß mit Ruthen geschlagen hätten. So ist es nun bis zum Neujahr fortgegangen und als sie am ersten Januar in die Kirche gehen wollte, hat sie der Geist so geknippen, daß der Arm mit Blut unterlaufen ist. So ist es nun fortgegangen, bis ihr einige vornehme Freunde gerathen, sie solle sich doch für einige Tage wo anders hin begeben. Daher ist sie am 17. Januar mit ihrem Ehegemahl und dem Amtshauptmann von Hundt zu Schlitten nach Allstädt gefahren, allein dies hat ihr nichts genützt, denn der Geist ist ihr dahin gefolgt und sie hat einen harten Wortstreit mit ihm gehabt. Zwei Tage nachher ist sie mit den Uebrigen nach Bachra zu ihren Anverwandten gefahren, da stand aber der Geist wieder bei der Brücke, um ihr Gesellschaft zu leisten. Sobald sie nun seiner ansichtig geworden, faßte sie Muth und schoß mit einer Pistole nach demselben, gab auch, da er ihr trotzdem auf der Seite folgen wollte, mit der andern Pistole Feuer auf ihn und setzte sich sodann sogleich auf den Rennschlitten, um fortzufahren. Alsobald gab ihr der Geist einen starken Druck auf die Hand und folgte dem Schlitten Schritt für Schritt nach, worauf sie zwar ihren Weg ohne Anstoß fortsetzte und glücklich zu Bachra anlangte, allein des Abends um 5 Uhr hat sich der Geist auch daselbst eingefunden und ihre Hände mit solcher Heftigkeit herumgedreht und gerungen, daß man in Sorgen stand, es werde ihr Alles zermalmt und zerbrochen werden. So ist es viele Tage fortgegangen und der Geist hat unterdessen immer höhnisch zu ihr gesprochen: »Was hilft Dir Dein Schießen? Du sollst Dein Lebtage einen Kalender am Arme haben, weil Du nach einem Geist geschossen. Dieser rechte Arm, mit dem Du geschossen, soll es fühlen. Warum schießest Du nicht mehr? Laß ein Paar Kugeln einladen, ja bestelle ein Paar starke Knechte mit Prügeln und lasse tapfer zuschlagen und schießen, so wirst Du schon sehen, was Du ausgerichtet hast.« Von nun an haben aber die Anfechtungen und Paroxysmen täglich zugenommen, der Geist hat sie fast gar nicht mehr verlassen, ja sich sogar vor dem Generalsuperintendenten Rösner nicht gefürchtet, sondern ihr in dessen Gegenwart heftig zugesetzt und sie gepeinigt. Als nun Letzterer zu ihr sagte, nachdem sie den Geist eben zur Stube hatte hinausgehen sehen, er wolle wünschen, sie überzeugen zu können, daß überhaupt gar kein Geist vorhanden gewesen, gab sie darauf zur Antwort, sie wünsche auch davon überredet werden zu können, allein sie sehe den Geist ja mit ihren eigenen Augen und ihr jüngstes Töchterlein werde denselben ja auch gewahr; Letztere, die noch nicht recht sprechen konnte, zeigte darauf den Umstehenden mit den Fingern, auf welcher Stelle in der Stube der Geist sich eben befinde. Dieselbe Nacht hat aber der Geist sich die ganze Nacht in ihrer Stube aufgehalten und sich über ihr kleines Kind gebeugt, so daß sie dasselbe aus der Wiege nehmen mußte. Da er nun nicht nachgelassen sie zu plagen, hat sie von der Kanzel für sich bitten lassen, auch begehrt, ihr das Abendmahl zu reichen, das hat aber den Geist dermaßen geärgert, daß, als sie in den Beichtstuhl gehen wollte, er sie beim Arme zurückhielt. Sie riß sich zwar im Namen Gottes von ihm los, allein nun hielt er ihr während der Betstunde den Mund zu,[385] so daß sie weder mit beten noch singen konnte. Außerdem hat er sich in der Nacht wie ein Centner auf sie gelegt und sie dermaßen gedrückt, daß sie sich nicht rühren konnte. In den nächsten Nächten versuchte er mehrmals sie aus dem Bette zu ziehen und wendete dabei so viel Kraft an, daß sie 6-7 Menschen kaum zurückhalten konnten. Dabei hat er sie tüchtig geknippen, ihr die Arme aus den Gelenken gedreht, den Mund zugehalten und am Halse gewürget, später aber hat er nebenbei auch noch wie eine Maus an ihren Armen, Händen und Herzen zu nagen angefangen, so daß sie keine Minute mehr Ruhe gehabt. Um Oftern ist sie mit ihrem Mann nach Brücken gefahren, wo er sie aber auch nicht in Ruhe ließ; allein siehe da, plötzlich am Sonntage Quasimodogeniti hat er mit ihr eine Unterredung gehabt, also lautend, daß weil sie zu nichts zu bewegen sei, so wolle er sie nunmehr verlassen. Ist auch nie wieder gekommen und hat die Frau für immer in Ruhe gelassen.

537

S. Monatliche Unterredungen von dem Reiche der Geister, Bd. II. S. 39 etc.

Quelle:
Johann Georg Theodor Grässe: Sagenbuch des Preußischen Staates 1–2, Band 1, Glogau 1868/71, S. 381-386.
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