Das einunddreißigste Kapitel.

[169] Simplex erzählt, wie der Teufel dem Pfaffen

Seinen Speck stiehlt und macht ihm viel zu schaffen.


Ich muß ein Stücklein oder etliche erzählen, die mir hin und wieder begegnet, eh ich wieder von meinen Dragonern kam; und obschon sie nicht von Importanz sein, sind sie doch lustig zu hören, dann ich nahm nicht allein große Dinge vor, sondern verschmähete auch die geringe nicht, wann ich nur mutmaßete, daß ich Ruhm und Verwunderung bei den Leuten dadurch erwecken möchte. Mein Hauptmann ward mit etlich und fünfzig Mann zu Fuß in das Vest von Recklinckhusen kommandiert, einen Anschlag daselbst zu verrichten; und weil wir gedachten, wir würden, eh wir solchen ins Werk setzen könnten, einen Tag oder etliche uns in den Büschen heimlich halten müssen, nahm jeder auf acht Tage Proviant zu sich. Demnach aber die reiche Caravana, deren wir aufpaßten, die bestimmte Zeit nicht ankam, gieng uns das Brod auf, welches wir nicht rauben dorften, wir hätten uns dann selbst verraten und unser Vorhaben zu nichts werden lassen wollen; dahero uns der Hunger gewaltig preßte. So hatte ich auch diesorts keine Kunden wie anderswo, die mir und den Meinigen etwas heimlich zutrugen; derowegen mußten wir, Fütterung zu bekommen, auf andere Mittel bedacht sein, wann wir anders nicht wieder lär heim wollten. Mein Kamerad, ein lateinischer Handwerksgesell, der erst kürzlich aus der Schule entloffen und sich unterhalten lassen, seufzete vergeblich nach den Gerstensuppen, die ihm hiebevor seine Eltern zum Besten verordnet, er aber verschmähet und verlassen hatte; und als er so an seine vorigen Speisen gedachte,[169] erinnerte er sich auch seines Schulsacks, bei welchem er solche genossen. »Ach Bruder!« sagte er zu mir, »ists nicht eine Schande, daß ich nicht so viel Künste erstudiert haben soll, vermittelst deren ich mich jetzund füttern könnte? Bruder! ich weiß revera, wann ich nur zum Pfaffen in jenes Dorf gehen dörfte, daß es ein trefflich Convivium bei ihm setzen sollte.« Ich überlief diese Worte ein wenig und ermaß unsern Zustand, und weil diejenige, so Wege und Stege wußten, nicht hinaus dörften, dann sie wären sonst erkannt worden, die Unbekannte aber keine Gelegenheit wußten, etwas heimlich zu stehlen oder zu kaufen, als machte ich meinen Anschlag auf unsern Studenten und hielt die Sache dem Hauptmann vor. Wiewohl nun dasselbige Gefahr auf sich hatte, so war doch sein Vertrauen so gut zu mir und unsere Sache so schlecht bestellet, daß er darein willigte und nach wenigem Tergiversieren den Konsens gab.

Ich verwechselte meine Kleider mit einem andern und zottelte mit meinem Studenten besagtem Dorf zu durch einen weiten Umschweif, wiewohl es nur eine halbe Stunde von uns lag. In demselben erkannten wir das nächste Haus bei der Kirche vor des Pfarrers Wohnung, weil es auf städtisch gebauet war und an einer Maur stund, die um den ganzen Pfarrhof gieng. Ich hatte meinen Kameraden schon instruiert, was er reden sollte, dann er hatte sein abgeschaben Studentenkleidlein noch an; ich aber gab mich vor einen Malergesellen aus; dann ich gedachte, ich würde dieselbe Kunst im Dorf nicht üben dörfen, weil die Bauren nicht bald gemalte Häuser haben. Der geistliche Herr war höflich; als ihm mein Gesell eine tiefe lateinische Reverenz gemachet und einen Haufen dahergelogen hatte, wasgestalt ihn die Soldaten auf der Reise geplündert und aller seiner Zehrung beraubt hätten, bot er ihm selbst ein Stück Butter und Brot neben einem Trunk Bier an; ich aber stellete mich, als ob ich nicht zu ihm gehörte und sagte, ich wollte im Wirtshaus etwas essen und ihm alsdann rufen, damit wir noch denselben Tag ein Stück Wegs hinter sich legen könnten. Also gieng ich dem Wirtshaus zu, mehr auszuspähen, was ich dieselbe Nacht holen wollte, als meinen Hunger zu stillen; hatte auch das Glück, daß ich unterwegs einen Baur antraf, der seinen Backofen zukleibte, welcher große Pumpernickel darin hatte, die 24 Stunden da sitzen und ausbacken sollten. Ich gedachte: »Klaib nur zu! wir wollen schon einen Weg als den andern einen Eingang zu diesem köstlichen Proviant finden.« Ich machte es beim Wirt kurz, weil ich schon wußte, wo Brot zu bekommen war, kaufte etliche Stutten (das ist ein so genanntes Weißbrot), solche meinem[170] Hauptmann zu bringen; und da ich in Pfarrhof kam, meinen Kameraden zu mahnen, daß er gehen sollte, hatte er sich auch schon gekröpft und dem Pfarrer gesagt, daß ich ein Maler sei und in Holland zu wandern vorhabens wäre, meine Kunst daselbsten vollends zu perfektionieren. Der Pfarrherr hieße mich sehr willkommen sein und bat mich, mit ihm in die Kirche zu gehen, da er mir etliche Stücke weisen wollte, die zu reparieren wären. Damit ich nun das Spiel nicht verderbte, mußte ich folgen. Er führete uns durch die Küchen, und als er das Nachtschloß an der starken eichenen Tür aufmachte, die auf den Kirchhof gieng, o mirum! da sahe ich, daß der schwarze Himmel auch schwarz voller Lauten, Flöten und Geigen hieng; ich vermeinet aber die Schinken, Knackwürste und Speckseiten, die sich im Kamin befanden. Diese blickte ich trostmütig an, weil mich bedünkte, als ob sie mit mir lachten, und wünschte sie, aber vergeblich, meinen Kameraden in Wald; dann sie waren so hartnäckig, daß sie mir zu Trotz hangen blieben. Da gedachte ich auf Mittel, wie ich sie obgedachtem Backofen voll Brod zugesellen möchte, konnte aber so leicht keines ersinnen, weil, wie obgemeldt, der Pfarrhof ummauret und alle Fenster mit eisernen Gittern genugsam verwahret waren; so lagen auch zween ungeheure große Hunde im Hof, welche, wie ich sorgte, bei Nacht gewißlich nicht schlafen würden, wann man dasjenige hätte stehlen wollen, daran ihnen auch zu Belohnung ihrer getreuen Hut zu nagen gebührete.

Wie wir nun in die Kirche kamen, von den Gemälden allerhand diskurierten und mir der Pfarrer etliche Stücke auszubessern verdingen wollte, ich aber allerhand Ausflüchte suchete und meine Wanderschaft vorwandte, sagte der Mesner oder Glöckner: »Du Kerl, ich sehe dich eh vor einen verloffenen Soldatenjungen an als vor einen Malergesellen.« Ich war solcher Reden nicht mehr gewohnt und sollte sie doch verschmerzen; doch schüttelte ich nur den Kopf ein wenig und antwortete ihm: »O du Kerl! gib mir nur geschwind Pensel und Farben her, so will ich dir in Hui einen Narrn dahergemalt haben, wie du einer bist, der dir in allem gleich und ähnlich sein soll.« Der Pfarrer machte ein Gelächter daraus und sagte zu uns beiden, es gezieme sich nicht, an einem so heiligen Ort einander wahrzusagen; gab damit zu verstehen, daß er uns beiden glaubte, ließ uns noch einen Trunk langen und also dahinziehen. Ich aber ließ mein Herz bei den Knackwürsten.

Wir kamen noch vor Nacht zu unsern Gesellen, da ich meine Kleider und Gewehr wieder nahm, dem Hauptmann meine Verrichtung erzählete und sechs gute Kerle auslase, die das Brod[171] heimtragen sollten helfen. Wir kamen um Mitternacht ins Dorf und huben in aller Stille das Brod aus dem Ofen, weil wir einen bei uns hatten, der die Hunde bannen konnte; und da wir bei dem Pfarrhof vorüber wollten, konnte ichs nicht übers Herz bringen, ohn Speck weiters zu passiern. Ich stund einmals stille und betrachtete mit Fleiß, ob nicht in des Pfaffen Küchen zu kommen sein möchte, sahe aber keinen andern Eingang als das Kamin, welches vor diesmal meine Tür sein mußte. Wir trugen Brod und Gewehr auf den Kirchhof ins Beinhaus und brachten ein Laiter und Sail aus einer Scheur zuwege, und weil ich so gut als ein Schornsteinfeger in den Kamin auf- und absteigen konnte (als welches ich von Jugend auf in den hohlen Bäumen gelernet hatte), stieg ich selbander aufs Dach, welches von hohlen Ziegeln doppelt belegt und zu meinem Vorhaben sehr bequem gebauet war. Ich wickelte meine lange Haare über dem Kopf auf einen Büschel zusammen, ließ mich mit einem End des Sails hinunter zu meinem geliebten Speck und besann mich daselbst nicht lang, sondern band einen Schinken nach dem andern und eine Speckseite nach der andern an das Seil, welches der auf dem Dach fein ordentlich zum Kamin hinausfischete und den andern in das Beinhäuslein zu tragen gab. Aber potz Unstern! da ich allerdings Feirabend gemacht hatte und wieder über sich wollte, brach eine Stange mit mir, also daß der arme Simplicius herunterfiele und der elende Jäger sich selbst wie in einer Mausfalle gefangen befand. Meine Kameraden auf dem Dach ließen das Seil herunter, mich wieder hinaufzuziehen, aber es zerbrach, ehe sie mich vom Boden brachten. Ich gedachte: »Nun Jäger, jetzt mußt du eine Hatze ausstehen, in welcher dir selbst wie dem Aktäon das Fell gewaltig zerrissen wird werden!« Dann der Pfarrer war von meinem Fall erwacht und befahl seiner Köchin alsbald ein Liecht anzuzünden. Sie kam im Hembd zu mir in die Küchen, hatte den Rock über der Achsel hangen und stund so nahe neben mich, daß sie mich damit rührete; sie griff nach einem Brand, hielt das Liecht daran und fieng an zu blasen; ich aber blies viel stärker zu als sie selbsten, davon das gute Mensch so erschrak, daß sie vor Ängsten zitterte und bebte, auch Feuer und Liecht fallen ließ und sich zu ihrem Herrn retirierte. Also bekam ich Luft, mich zu bedenken, durch was Mittel ich mir davonhelfen möchte; es wollte mir aber nichts einfallen. Meine Kameraden gaben mir durchs Kamin herunter zu verstehen, daß sie das Haus aufstoßen und mich mit Gewalt herausnehmen wollten; ich gabs ihnen aber nicht zu, sondern befahl, sie sollten ihr Gewehr in acht nehmen und allein den[172] Springinsfeld oben bei dem Kamin lassen und erwarten, ob ich ohn Lärmen und Rumor davonkommen könnte, damit unser Anschlag nicht zu Wasser würde; wofern aber solches nicht sein möchte, sollten sie alsdann ihr Bestes tun. Interim schlug der Geistliche selbst ein Liecht an; seine Köchin aber erzählete ihm, daß ein greulich Gespenst in der Küchen wäre, welches zween Köpfe hätte (dann sie hatte vielleicht meinen Büschel Haar auf dem Kopf gesehen und auch vor einen Kopf gehalten). Das hörete ich alles, machte mich derowegen mit meinen schmutzigen Händen, darin ich Asche, Ruß und Kohlen rieb, im Angesicht und an Händen so abscheulich, daß ich ohn Zweifel keinem Engel mehr (wie hiebevor die Klosterfrauen im Paradeis sagten) gleichsahe, und der Mesner, wann ers gesehen, mich wohl vor einen geschwinden Maler hätte passieren lassen. Ich fieng an, in der Küchen schröcklich zu poldern und mit Hin- und Wiederwerfen, Schmeißen und Schlagen mich gewaltig mausig zu machen und allerlei Küchengeschirr untereinander zu werfen; der Kesselring geriet mir in die Händ, den hieng ich an den Hals, den Feuerhaken aber behielt ich in den Händen, mich damit auf den Notfall zu wehren. Solches ließ sich aber der fromme Pfaffe nicht irren; dann er kam mit seiner Köchin prozessionsweis daher, welche zwei Wachsliechter in den Handen und einen Weihwasserkessel am Arm trug. Er selbsten aber war mit dem Chorrock bewaffnet samt den Stollen und hatte den Sprengel in der einen und ein Buch in der andern Hand; aus demselben fieng er an, mich zu exorzieren, fragende, wer ich sei und was ich da zu schaffen hätte. Weil er mich dann nun vor den Teufel selbst hielt, so gedachte ich, es wäre billig, daß ich auch wie der Teufel täte, daß ich mich mit Lügen behülfe; antwortete derowegen: »Ich bin der Teufel und will dir und deiner Köchin die Hälse umdrähen!« Er fuhr mit seinem Exorcismo weiter fort und hielt mir vor, daß ich weder mit ihm noch seiner Köchin nichts zu schaffen hätte, hieß mich auch mit der allerhöchsten Beschwörung wieder hinfahren, wo ich herkommen wäre. Ich aber antwortete mit ganz förchtlicher Stimme, daß solches unmüglich sei, wannschon ich gern wollte. Indessen hatte Springinsfeld, der ein abgefeumter Erzvogel war und kein Latein verstund, seine seltsame Tausendhändel auf dem Dach; dann da er hörete, um welche Zeit es in der Küche war, daß ich mich nämlich vor den Teufel ausgab, mich auch der Geistliche also hielt, wixte er wie eine Eule, bellete wie ein Hund, wieherte wie ein Pferd, blekte wie ein Geißbock, schrie wie ein Esel und ließ sich bald durch den Kamin herunter hören wie ein Haufen Katzen, die im Hornung[173] rammlen, bald wie eine Henne, die legen wollte; dann dieser Kerl konnte aller Tiere Stimmen nachmachen und, wann er wollte, so natürlich heulen, als ob ein ganzer Haufen Wölfe beieinander gewesen wäre. Solches ängstigte den Pfarrer und seine Köchin auf das höchste, ich aber machte mir ein Gewissen, daß ich mich vor den Teufel beschwören ließe, vor welchen er mich eigentlich hielt, weil er etwan gelesen oder gehöret hatte, daß sich der Teufel gern in grünen Kleidern sehen lasse.

Mitten in solchen Ängsten, die uns beiderseits, sonderlich die arme Köchin, umgeben hatten, ward ich zu allem Glück gewahr, daß das Nachtschloß an der Türe, die auf den Kirchhof gieng, nicht eingeschlagen, sondern der Riegel nur vorgeschoben war. Ich schob denselben geschwind zurück, wischte zur Türe hinaus auf den Kirchhof (da ich dann meine Gesellen mit aufgezogenen Hahnen stehen fand), und ließ den Pfaffen Teufel beschwören, solang er immer wollte. Und demnach Springinsfeld mir meinen Hut von dem Dach gebracht, wir auch unsern Proviant aufgesackt hatten, giengen wir zu unsrer Bursch, weil wir im Dorf nichts mehr zu verrichten hatten, als daß wir die entlehnte Laiter samt dem Sail wieder hätten heimliefern sollen.

Die ganze Partei erquickte sich mit demjenigen, das wir gestohlen hatten, und bekam doch kein einziger den Klucksen davon: so gesegnete Leute waren wir! Auch hatten alle über diese meine Fahrt genugsam zu lachen; nur dem Studenten wollte es nicht gefallen, daß ich den Pfaffen bestohlen, der ihm das Münkelspiel so grandig besteckt hatte; ja er schwur auch hoch und teur, daß er ihm seinen Speck gern bezahlen wollte, wann er die Mittel nur bei der Hand hätte, und fraß doch nichtsdestoweniger mit, als ob ers verdingt hätte. Also lagen wir noch zween Tage an selbigem Ort und erwarteten diejenige, denen wir schon so lang aufgepaßt hatten. Wir verloren keinen einzigen Mann im Angriff und bekamen doch über dreißig Gefangene und so herrliche Beuten, als ich jemals teilen helfen. Ich hatte wegen meiner Courage und sonderlichen Wohlverhaltens doppelt Part, weil ich das Beste getan: das waren drei schöner friesländischer Hengst, mit Kaufmannswaren beladen, was sie in Eil forttragen möchten; und wann wir Zeit gehabt, die Beuten recht zu suchen und solche in Salvo zu bringen, so wäre jeder vor sein Teil reich genug worden, maßen wir mehr stehen lassen, als wir davonbrachten, weil wir mit dem, was wir fortbringen konnten, sich in schnellster Eile tummlen mußten; und zwar so retirierten wir uns mehrer Sicherheit halber auf Rehnen, da wir fütterten und die Beuten teileten, weil unsers Volks[174] da lag, wiewohl es umb und unsers Wegs nicht war. Daselbst gedachte ich wieder an den Pfaffen, dem ich den Speck gestohlen hatte. Der Leser mag denken, was ich vor einen verwegenen, freveln und ehrgeizigen Kopf hatte, indem mirs nicht genug war, daß ich den frommen Geistlichen bestohlen und so schröcklich geängstiget, sondern ich wollte noch Ehre davon haben. Derowegen nahm ich einen Saphir, in einen güldenen Ring gefaßt, den ich auf selbiger Partei erschnappt hatte, und schickte ihn von Rehnen aus durch einen gewissen Boten meinem Pfarrer mit folgendem Brieflein:


»Wohlehrwürdiger etc.! Wann ich dieser Tagen im Wald noch etwas von Speisen zu leben gehabt hätte, so hätte ich nicht Ursache gehabt, E. Wohl-Ehrw. Ihren Speck zu stehlen, worbei Sie vermutlich sehr erschröckt worden. Ich bezeuge beim Höchsten, daß Sie solche Angst wider meinen Willen eingenommen, hoffe derowegen die Vergebung desto ehender. Was aber den Speck selbst anbelangt, so ists billig, daß selbiger bezahlt werde, schickte derohalben anstatt der Bezahlung gegenwärtigen Ring, den diejenige hergeben, um welcher willen die Ware ausgenommen werden müssen, mit Bitte, E. Wohl-Ehrwürd, belieben damit vorliebzunehmen; versichere darneben, daß dieselbe im übrigen auf alle Begebenheit einen dienstfertigen und getreuen Diener hat an dem, den dero Mesner vor keinen Maler hält, welcher sonst genannt wird

Der Jäger.«


Dem Bauren aber, welchem sie den Backofen ausgeleert hatten, schickte die Partei aus gemeiner Beute 16 Reichstaler vor seine Pumpernickel; dann ich hatte sie gelernet, daß sie solchergestalt den Landmann auf ihre Seite bringen müssen, als welche einer Partei oft aus allen Nöten helfen oder hingegen eine andere verraten, verkaufen und um die Hälse bringen könnten. Von Rehnen giengen wir auf Münster und von dar auf Hamm und heim nach Soest in unser Quartier, allwo ich nach wenig Tagen eine Antwort von dem Pfaffen empfieng, die also lautet:


»Edler Jäger etc.! Wann derjenige, dem Ihr den Speck gestohlen, hätte gewußt, daß Ihr ihm in teuflischer Gestalt erscheinen würdet, hätte er sich nicht so oft gewünscht, den landberufenen Jäger auch zu sehen. Gleichwie aber das geborgte Fleisch und Brod viel zu teuer bezahlt worden, also ist auch der eingenommene Schrecken desto leichter zu verschmerzen, vornehmlich weil er[175]

Quelle:
Grimmelshausens Werke in vier Teilen. Band 1, Berlin, Leipzig, Wien, Stuttgart o.J. [1921], S. 169-176.
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