Die Dritte Abhandelung


[48] Fairfax und seine Gemahlin.


FAIRFAX.

Sie trau: Ich werde nicht mein Wort zu rücke nehmen

Dafern bewuste zwey sich zu der That bequemen;

Soll eh der Abendstern wird aus der See auffstehn /

Der König frey von Angst und Stock und Band entgehn.

GEMAHLIN.

O! wer wird dises Stück nach Würden preisen können!

Möcht auch der Himmel uns / mein Licht / was schöners gönnen[48]

Als disen Anschlag mir / Ihm Mutt und Tapferkeit

Den Vorsatz zu vollzihn?

FAIRFAX.

Ich eil' / es heischt die Zeit

Daß man sich nicht zu lang mit Reden hir verweile.

Wo ich die Wach auffs neu / auffs neu die Heer eintheile;

So hats nichts ferner noht. Sie steh mit Seuffzen bey

Damit nicht beyder Wundsch und Müh vergebens sey.

Ich scheide mit dem Kuß.

GEMAHLIN.

Gott laß es wol gelingen!

Er laß ihn was er wagt mit Nutz und Heil vollbringen!


Hugo Peter. Franz Hacker. Wilhelm Hewlet.


PETER.

Vil Glücks.

HACKER.

Ich sag Ihm Danck. Wie schau ich Ihn so früh?

PETER.

Was macht der grosse Mann41 uns nicht für Sorg und Müh?

HACKER.

Waar ists! doch nunmehr wil sein letzter Tag erscheinen.

PETER.

Drumb ist noch mehr zu thun als jmand darff vermeinen.

HACKER.

In Warheit / wie ich seh'/ es stöst sich hir und dar

PETER.

Fast jder / spür ich / läst ihm traumen von Gefahr.

HACKER.

Ein Bub' ein Hencker dorfft uns seinen Dinst versagen.42

PETER.

Doch fand man Rath den Kopff dem Blutthund abzuschlagen.

HACKER.

Wie schwer gings zu eh man die Vollmacht unterschrib.

PETER.

Drumb kam es gutt daß man das Werck mit Macht durchtrib.

HACKER.

Ja was auch Axtel43 that Hunck selbst dorfft uns entfallen.

PETER.

Hunck? läst er Sinn und Witz so fern / so blöd umbwallen?

HACKER.

Wo ihn nicht Axtel bringt zurück auff rechte Bahn.[49]

PETER.

Gutt ists daß man so vil einlud in disen Kahn.

HACKER.

Es würde / wann es nicht so wol bestellt / sehr wancken.

PETER.

Der Feldherr macht mir selbst nicht wenige Gedancken.

HACKER.

Nein / ich versichre dich / der Feldherr läst uns nicht.

PETER.

Vnd gleichwol wolt er nicht besitzen das Gericht.

HACKER.

Aus Schein / als ob er noch den Schottschen Eyd behertzte /

PETER.

Wenn er hir durch nur nicht Ambt / Stab und Haubt verschertzte.

HACKER.

Sein Leben hängt hiran das Stuard nicht entgeh.

PETER.

Ich spür / entging44 er uns / ein unerhörtes Weh /

Es würd in einer See von Blutt diß Reich versincken

Vnd Cromwel selbst was er dem König einschenckt trincken.

HACKER.

Der König wendet itzt die höchste Sanfftmut vor.

PETER.

Wer auff die Sanfftmut fußt mein Hacker ist ein Thor.

HACKER.

Man muß bey solcher Noth bedachtsam umb sich schauen.

PETER.

Nicht auff scheinheilge Wort und falsche Tugend bauen.

HACKER.

Der Prister Schar macht uns das Volck nicht wenig irr.

PETER.

Man zeige mir / was nicht der Prister-Schar verwirr.

HACKER.

Sie schatzt vor Schuld und Fluch auffs Königs Blutt zu wütten.

PETER.

Wie? sucht sie abermals Barabbas los zu bitten?

HACKER.

Den sie vorhin mit Mund und Kirchen-Geld45 bekrigt?

PETER.

Sie schmertzt daß er vor uns / nicht ihren Füssen ligt /

HACKER.

Ich schaue nicht wie sie mit Nachdruck sey zu zwingen.

PETER.

Zu zwingen? last zwey / drey der frechsten Köpfe springen.[50]

HACKER.

Das vor Blutt-Zeugen sie das tolle Volck außschrey.

PETER.

Man lege diser Schuld mehr Klage Stücke bey.

HACKER.

Man weiß ...

PETER.

Halt Hewlet kommt – – Du wirst den Abgott

fällen46

Du Jerub-baal du / du wirst die Freyheit stellen

Auff unbewegten Grund. Du bists den Gott uns schickt /

Durch dessen Faust er Kirch und weites Land erquickt.

Vnd unsern Joram stürtzt. Leb ewiglich gesegnet!

HACKER.

Du bist zu rechter Zeit mir gar gewündscht begegnet.

Der Höchste rüste dich mit Stärck und Beystand aus!

Auff deinem Arm beruht der Britten Heil und Hauß.

HEWLET.

Ich bin bereit mich selbst vor Brittens Heil zu wagen

In grimster Schmertzen Noth / wie könt ich hir denn zagen

Nun der gerechte Gott des Ertz-Tyrannen Zil

Zu schrecken was noch herscht durch mich befesten wil.

HACKER.

Recht so! doch das man auch das Recht nicht unrecht handel;

Vnd auff gewisser Bahn / nicht ausser Gräntzen wandel;

Trägt dir / Krafft diser Schrifft / der Rath die Vollmacht47 auff

Vnd gönnt so vil an Ihm dem Vrtheil seinen Lauff.

PETER.

Diß ist des Herren Wort! hir / hir ist Gottes Finger!

Er strafft nach heilgem Recht den Recht- und Land-bezwinger /

Diß ist der grosse Schluß der in der Wächter Schar

Einhellig abgefast und außgesprochen war.

Legt Hand an! last euch nicht der Blätter Schmuck bewegen!

Legt Hand an! last uns Aest und Gipfel nider legen.

Man haw den Baum entzwey / der Reiche / Städt und Statt /

Mit ungemeiner Pracht vor überschüttet hatt.[51]

Schau Held! hir ist das Beil48 / das Gott dir selbst heist reichen.

Auff eil und mache dich an Carls unfruchtbar' Eichen /

Vns hat (es ist nicht ohn) der Blätter Schein verführt;

Nunmehr ists Zeit! haw' ab!

HEWLET.

Mein Hertze wird gerührt.

Ich küsse Briff und Beil. Mir wird anitzt vertrauet;

Was noch von Anbegin die Erden nicht geschauet.

So viler heil'gen Wundsch und unterdruckter Wonn

Der längst erblasten Rach.

PETER.

Noch ungeborner Sonn

Wer da? – – Last uns von hir – – – Ich hab euch noch ihr Helden

In innerster Geheim was wichtigs anzumelden.


Zwey Obersten.


I. OBERSTE.

Solt auch der Feldherr noch zu überreden seyn?

II. OBERSTE.

Der Frauen Vorschlag ist nicht sonder Ruhm und Schein

I. OBERSTE.

Vnd Fairfax strebt nach nichts als unverwelckter Ehre

II. OBERSTE.

Wie leicht ists daß er dann nach ihren Worten höre?

I. OBERSTE.

Die ungemeine Lib' unüberwindlich macht.

II. OBERSTE.

Sie weiß daß Fairfax nichts so als / sie einig acht /

I. OBERSTE.

Gesetzt er steh es zu; was wil uns mehr gebühren?

II. OBERSTE.

Großmüttig was wir schon versprochen außzuführen.

I. OBERSTE.

Waar ists des Königs Tod der steht mir gar nicht an.

II. OBERSTE.

Diß einig ists was noch den Streich verhindern kan.

I. OBERSTE.

Vnd Britten von vil Schmach uns von vil Angst befreyen.

II. OBERSTE.

Doch wie wann Carl durchauß hartnäckichit zu verzeihen?

I. OBERSTE.

Hat er vor disem nicht so offt und vil verzihn?

II. OBERSTE.

Wir zwingen gleichwol Ihn aus Land und Reich zu flihn.

I. OBERSTE.

Zuflihn vor seinem Tod und unerhörter Schande

II. OBERSTE.

Käm er mit neuer Macht uns widerumb zu Strande.[52]

I. OBERSTE.

Villeichte dint es wol vor das gemeine best.

II. OBERSTE.

Ja wol! das wäre schön der Länder Heil befest.

I. OBERSTE.

Hochnötig wär' es daß man was zu fürchten hätte.

II. OBERSTE.

So glaubst du daß man sich durch Furcht aus Vnruh rette?

I. OBERSTE.

Aus Vnruh / was noch mehr aus höchster Sicherheit.

Vnd Zweytracht die schon blüht. Wie wirds nach diser Zeit

Vmb das Gebitte stehn? Was wird sich nicht entspinnen?

Sihst du wie Cromwel sucht die Hertzen zu gewinnen?

Durch was vor frembde Renck er sich ins Ansehn spil.

Glaubt man das Fairfax nicht versteh wohin er zil.

Dörfft auch der Bürger-Krig sich aus der Asch' erheben;

Wofern nicht Fairfax sich wil seiner Macht begeben.

Last auch gewündschte Ruh in Albion einzihn;

Wird dann nicht unser Ruhm mit unserm Dinst verblühn?

Wird nicht das Volck diß Stück gantz anderwerts betrachten;

Vnd die es itzund fürcht vor Königs Mörder achten?

Glaub es ist unser Nutz / das Britten in der Näh

Damit es munter bleib / was schwartze Wolcken seh.

II. OBERSTE.

Vernünfftig überlegt. Wie aber würd' es gehen

Wenn wider uns das Heer auffrührisch wolt auffstehen

Vnd beiden

I. OBERSTE.

Stelle nur die Sorgen aus der Acht.

Das Heer ist uns zu Dinst. Wann hat es je bedacht

Was auch der Feldherr schloß. Weil ihm die Sonne scheinet;

Ist keiner der nicht lobt und preist was er vermeinet.

Man rühmt sein Anschläg' / ehrt sein ungemeine Stärck /

Mit kurtzem / was er thut sind lauter Wunderwerck.

Wird er des Königs Haubt zu retten sich bequemen

Sie werden all es vor ein rathsam Stück annehmen;

Man streich alsdann die That mit etwas Farben aus

So fält uns jeder zu. Ich glaub es sey kein Hauß

Von Ansehn / in dem nicht zum minsten einer klage:

Daß man sich mit dem Beil an Carols Nacken wage.[53]

Auch die die vormals wol beschimpften seine Macht

Hat der betrübte Fall in tiff' Erbarmung bracht.

Doch schau der Feldherr selbst.

II. OBERSTE.

Halt unsern Schluß verholen

Biß er sich selbst zu erst erklähre.

I. OBERSTE.

Wol befohlen.


Fairfax: Der I. und II. Obriste.


FAIRFAX.

Ich find euch höchst-gewündscht. Bleib Leib-wach was zurück.

I. OBERSTE.

Der Feldherr sey gegrüst.

FAIRFAX.

Was dünckt euch zu dem Stück?

Soll auff heut Albion das größte Traurspil sehen?

II. OBERSTE.

Der Feldherr red' ein Wort / sein Wille soll geschehen.

I. OBERSTE.

Die Rüstung steht bereit. Wann er nur Hand anlegt /

Wird Augenblicks das Werck wohin er wil bewegt.

FAIRFAX.

Hab ich ohn euren Rath wol etwas vorgenommen?

I. OBERSTE.

Ruhm ists wo wir Ihm je mit Rath entgegen kommen.

FAIRFAX.

Was übrig / Freunde ligt so wol an euch als mir.

I. OBERSTE.

Bedarff er unsern Dinst zu etwas: Wir sind hir.

II. OBERSTE.

Man fasst die Vrtheil' ab auff daß sie außzuführen.

FAIRFAX.

Wolan! so sterb er dann / fahrt wol.

I. OBERSTE.

Hir kan man spüren /

Daß sein Gemahl ihn nicht auff ihre Meinung bracht.

II. OBERSTE.

Gutt ists / daß man sich nam auff seine Wortt' in acht.

Vnd nicht bald bloß gab.

I. OBERSTE.

Ach! so muß der König leiden!

II. OBERSTE.

Es scheint der Himmel heiß' Ihn aus dem Elend scheiden

Das vor der Thüren wacht. Wilst du nicht mit hinein?

I. OBERSTE.

Fahr wol mein Freund! ich mag nicht bey dem Bluttrath seyn.


[54] Thomas Fairfax. Olivier Cromwell.


CROMWELL.

Der grosse Tag bricht an der uns wird freye sehen.

FAIRFAX.

Den aller zeiten Zeit wird loben oder schmehen.

CROMWELL.

Ein ewig-blühend Lob siht nur den Außgang an.

FAIRFAX.

Den weder ich noch du / noch itzund wissen kan.

CROMWELL.

Es steht bey dir und mir das Werck recht einzurichten.

FAIRFAX.

Noch mehr bey Gott und Glück zu stärcken was wir schlichten.

CROMWELL.

Hat Glück und Gott bißher die Waffen nicht gekrönt?

FAIRFAX.

Offt hat die letzte Flucht den ersten Sig verhönt

CROMWELL.

Es kan nicht übel gehn. Wir stehn für Kirch und Hütten.

FAIRFAX.

Diß gab auch Stuard vor / auff den wir itzund wütten.

CROMWELL.

Wir wütten wider den / der über uns getobt.

FAIRFAX.

Den gantz Europ' und selbst gantz Albion gelobt.

CROMWELL.

Das Werck ist nun zu fern / wir können nicht zu rücke.

FAIRFAX.

Nur daß sein Vntergang uns beyde nicht erdrücke.

CROMWELL.

Er drücke! wenn mit mir mein Todfeind nur erdrückt.

FAIRFAX.

Dein Erb-Herr

CROMWELL.

Wider den ich Gottes Schwerdt gezückt.

FAIRFAX.

Wohin wird unser Kahn von disem Sturm geschmissen?

CROMWELL.

Vil besser Carols Kopff als meinen abgerissen!

FAIRFAX.

Die Faust siht schrecklich aus die Fürsten Blutt befleckt.

CROMWELL.

Tyrannen Blutt steht frisch. Wie Feldherr / so erschreckt?

FAIRFAX.

Der Briten grosses Land ist ob dem Stück erschrocken.[55]

CROMWELL.

Warumb? daß Carol frist / was er uns ein liß brocken!

FAIRFAX.

Der Prister gantze Rey rufft wider dises Spil.

CROMWELL.

Sie selbst ist der das Werck im Anfang so gefil.

FAIRFAX.

Sie rufft / sie schreit / sie schreibt / von Cantzel / Hauß und Stülen.

CROMWELL.

Sie schreibe wie sie wil und laß' uns Recht außspilen.

FAIRFAX.

Die Cantzel bauet uns nicht wenig vor das Licht.

CROMWELL.

Was geht den Krigsman an / was dort ein Pfaff anricht?

FAIRFAX.

Kan nicht ein Prister offt vil tausend Mann bewegen;

CROMWELL.

Er hat die Zunge nur / wir führen Stahl und Degen.

FAIRFAX.

Ein starcker Mund richt mehr als tausend Degen an.

CROMWELL.

Der Degen zäume den der sich nicht zäumen kan.

FAIRFAX.

Diß Volck ist vil zu zart / man muß sie sanfft einwigen.

CROMWELL.

Mich muß ein Pfaffe nicht vil bey der Nase krigen.

FAIRFAX.

Mit ihnen kommt und fleucht das Volck als Ebb und Flut.

CROMWELL.

Ward nicht des Bischoffs Kleid besprützt mit Bischoffs Blut.

FAIRFAX.

Wer hat ihn von dem Thron / als Prister abgedrungen?

CROMWELL.

Man wage noch einmal was einmal ist gelungen.

FAIRFAX.

Man wagt ein Ding zwar offt / daß nicht stets gleich gelingt.

CROMWELL.

Wer ist es / der uns / nun die Bischöff' hin / bespringt.[56]

FAIRFAX.

Die / so die Kirchenmacht der Eltesten erkennen.

CROMWELL.

Vnd sihst du nicht daß sie sich suchen weiß zu brennen?

FAIRFAX.

Ich bin der nicht der in der Menschen Hertzen siht.

CROMWELL.

Es kränckt sie daß die Schar der Vngebundnen blüht.

FAIRFAX.

Die sich hat in den Raub49 der Bischoff eingetheilet.

CROMWELL.

Es schmertzet jene / daß es ihrem Geitz gefeilet.

FAIRFAX.

Auch kommt der Britten Recht nicht mit uns überein /

CROMWELL.

Der Britten Recht / mag Recht für schlechte Britten seyn.

FAIRFAX.

Der Völcker Recht verbeut Erb-Könige zu tödten.

CROMWELL.

Man hört die Rechte nicht / bey Drommeln und Trompeten.

FAIRFAX.

Trompet und Drommel sind dem Könige verpflicht.

CROMWELL.

Vor / da er König war. Carl ist kein König nicht.

FAIRFAX.

Wir selbst sind durch den Eyd fürs Königs Haubt verbunden.

CROMWELL.

Fürs Königs Pochen ist auch unser Eyd verschwunden.

FAIRFAX.

Vnd so kommt Engelland umb sein gekröntes Haubt.

CROMWELL.

Mit allen / die bißher an dises Haubt / geglaubt.

FAIRFAX.

Das trotze Calidon sucht seinen König wider

CROMWELL.

Wo es in Waffen sucht / schlag es gewaffnet nider.

FAIRFAX.

Es hat auff Carols Haubt mehr Anspruch50 fast als wir.

CROMWELL.

Was Calidon verkaufft das such es nicht bey mir.

FAIRFAX.

Es schickt und dinget noch umb seines Fürsten Leben.

CROMWELL.

Es hat den Fürsten selbst uns Britten übergeben.

FAIRFAX.

Als man das Leben Ihm außdrücklich zugesagt.[57]

CROMWELL.

Als durch vergossen Blut er noch nicht ward verklagt.

FAIRFAX.

Man schwur: auffs minste nicht sein Heil und Haubt zu letzen.

CROMWELL.

So pflegt man was man wil / den Kindern einzuschwetzen.

FAIRFAX.

Schlägt man ihr Bitten aus / so trotzt man ihre Macht.

CROMWELL.

Sie haben bey sich selbst ihr Bitten nicht bedacht.

FAIRFAX.

Was werden sie nicht tun / wird ihr Anbringen feilen.

CROMWELL.

Indessen mögen sie die nechste Wunden heilen.

FAIRFAX.

Die Catten springen selbst dem Vnterdruckten bey!

CROMWELL.

Meint man das Catten Ernst / bey dem Ersuchen sey?

FAIRFAX.

Sie sind mit Stuards Hauß und Stamm und Statt verbunden.

CROMWELL.

Noch mehr mit uns / die wir uns in ihr Recht gefunden.

FAIRFAX.

Der Stuards Tochter hat / vermag da mehr denn vil.

CROMWELL.

Waar ists! doch er vermag nicht alles was er wil.

FAIRFAX.

Der todte Fürst / wird Fürst und Freund in Harnisch jagen.

CROMWELL.

Die haben mehr denn vil zu Hause zu vertragen.

FAIRFAX.

Ein König eyvert hart umb eines Königs Tod.

CROMWELL.

Stuarda fil durchs Beil! was hatten wir für Noth?

FAIRFAX.

Genung. Wenn Well' und Wind51 den Iber nicht bekriget.

CROMWELL.

Die sind uns noch zu dinst: wir haben mehr gesiget.

FAIRFAX.

Wenn Albion nicht selbst Fürst Carlen bey wil stehn.[58]

CROMWELL.

Wer vil von Carlen schwetzt / sol Carles Gänge gehn!

FAIRFAX.

Soll man durch so vil Blutt die neue Freyheit kauffen!

CROMWELL.

Wer dinen wil der mag in seinem Blutt ersauffen.

FAIRFAX.

Wer immer Schwerdter wetzt kan keinmahl sicher seyn.

CROMWELL.

Man schreckt / was schrecken wil mit Schwerdt und strenger Pein.

FAIRFAX.

So wird des Adels Blum' und manches Hauß verletzet.

CROMWELL.

S'kommt auff zwey / drey / nicht an / wenn man den Statt versetzet.

FAIRFAX.

Springt auff der Schlangen Leib / sie beist noch in den Fuß.

CROMWELL.

Vmbsonst! wenn sie den Kopff zuknicken lassen muß.

FAIRFAX.

Das Werck wird gantz befleckt / durch so vil Blutvergissen.

CROMWELL.

Wir pflantzen Früchte / der die Nachwelt wird genissen.

Nur muttig! du wirst sehn / ob schon der Anfang schwer;

Es werde für sich gehn. Ich habe mit dem Heer

Hoff / Richt-Platz / Port und Marck besetzt. Wil sich was regen

So geh die Klinge loß. Der zittert vor dem Degen

Der ein gevölltes Hauß / ein unerzogen Kind /

Ein Eh'bett für sich hat.

FAIRFAX.

Wir wissen wo wir sind!

CROMWELL.

Ich schwere bey der Macht die mich so hoch erhaben /

Wenn auch mein nechstes Blutt / ja meiner Heyrath Gaben

Im Wege wolten stehn / sie solten für mir seyn

Als der geringste Kopff der wüttenden Gemein.


[59] Fairfax. Hugo Peter. Cromwell.


Wol / was komm't neues hir!

PETER.

Aus Catten alte Schreiben!

CROMWELL.

Das Vrtheil läst sich nicht durch Federn hintertreiben.

PETER.

Der Cron enterbter Erb / hält für den Vater an!

FAIRFAX.

Vmbsonst. Weil er nicht mehr als Briffe schicken kan!

CROMWELL.

Was macht verruckter Sinn! was macht dich so vermessen

Zu pochen auff den Thron / den du nicht hast besessen!

Lehrt dich der Vater nicht wie schwach der Zepter sey /

Auff den er sich gestützt! Ha! blinde Phantasey!

Ha! schlechtes Printzen-Recht! komm an verjagter König!

Kom! steh dem Vater bey! kom! Wo dein Hoff zu wenig

Treib Pfaltz und Nassau mit / komm' an mit Batos Heer!

Ja bringe (wo du kanst) auch König' ins Gewehr!

Doch muß dein Carol fort. Vnd du vertriben trauren.

Die junge Natter kan kaum in der Hölen lauren /

Die Lufft ist noch zu rauh: Doch pfeifft sie schon hervor.

Vnd steckt den schlauen Kopff und scharffe Zähn empor.

Nein Printz. Verjagter Printz! du wirst mich so nicht schrecken!

Eh' wil ich dise Leich auff gleichem Sand' außstrecken

Eh soll mein eigen Stahl mir durch die Brüste gehn:

Eh Brittens Insel dir soll zu Gebotte stehn!

Komm! wage dich ins Reich! was könt ich bessers hoffen!

Komm' Plimuth läst dich ein! die weitte Tems ist offen.

Es gilt dem Vater heut und übermorgen dir?

Der Sterbende begehrt den Lebenden von mir.

PETER.

Der vilmal hundert Jahr sich liß durch einen zwingen;

Verändert nicht so leicht. Ob Carols Kopff wird springen;[60]

Siht Schott / und Albion und Irr doch nach dem Thron.

Vnd wündscht auff Stuards Stul den König oder Sohn

Gesetzt auch! daß wir itzt das Volck mit Eisen schrecken /

Wird doch diß Traurspil vil / bey vilen Leids erwecken.

Die Thränen-Bach / die nicht frey von den Wangen rint /

Die ists / die einen Gang durchs schmachtend' Hertz gewint /

Vnd in die Seel ausreist.

FAIRFAX.

Was Rath das Volck zu dempffen?

PETER.

Ein grösser Schmertzen muß den mindern überkämpffen.

Mitleiden wird alsbald durch strenge Furcht verjagt.

Man greiffe nach dem Kopff / der Stuards Kopff beklagt.

So / weil ein jeder muß ob eigner Noth erzittern /

Wird nicht ein frembder Fall die Seelen gros erschittern.

Gesetzt auch das der Geist des Königs in sie führ /

Das ein gesammelt Volck zur Rache sich verschwür:

Nimm nur die Haubter ab / die andre leiten können.

Gib ihr Vermögen preis. Ihr werdet vil gewinnen

Durch eines grossen Hab' in dem der Pövel theilt

Kommt dir die Macht anheim. Wird einer übereilt

Durch was zu strenges Recht / und fällt im Mordgetümmel:

Beklag ihn! doch gib vor: Der nur gerechte Himmel

Hab ein verborgen Stück / durch unverhoffte Macht /

Vnd wolverdinte Rach an helles Licht gebracht /

Noch eins. Man schone nicht. Wer strauchelt: den stoß nider.

Wer frevelt: der vergeh. Nichts ist das mehr zu wider

Durch sich erworbner Macht / als laues Linde seyn.

Dem / welchem man verzih / kommt ehr sein Fehlen ein

Als daß er durch dich frey. Wer wil dir schuldig bleiben

Gut / Ehre / Stand und Leib. Geld pflegt man zu verschreiben /

Vnd forderts wider ein. Das Leben ist zu vil

Drumb setzt es nicht umbsonst auff ungewisses Spil.[61]

Da auch des Adels52 Macht den Vorsatz sucht zu hindern

Doch / warumb schwätz ich hir / man kan ihr Trotzen mindern

Auch sonder meinen Rath.

FAIRFAX.

Entdecke dein Gemüt!

PETER.

Ich mißbrauch ohne Noth des Haubtmans Zeit und Güt.

FAIRFAX.

Mit nichten. Fahre fort!

HUGO PETER.

Da man mich ja wil hören;

Dafern ich Weisere denn mein Verstand sol lehren:

So setz ich / daß nichts mehr den Adel groß gemacht /

Als erstgeborner Recht. Wenn dises weg gebracht

So steht er / als entwehrt. Man lasse gleich auffheben /

Die gleich / auff gleiche Zeit / von gleichen Eltern leben.

Scheins mehr denn nur zu vil. Mein Bruder geht mir vor /

Warumb? umb daß ich nicht vor ihm den Tag erkor /

Soll ich / umb daß der Mond ihn neunmal ehr beschinen:

Entgüttert von ihm gehn / und als Leibeigen dinen?

Da der geschwinde Geist mir offt vil besser steht /

Als sein vernebelt Kopff / den ihm der Wahn erhöht /

Vnd Dünckel ausgefüllt. Wer wird den Schluß nicht loben?

Gleich Bruder gleiches Erb. Die ersten mögen toben

Steht ihr den andern bey. Wer fordert nicht was ein?

Wer wil in eigner Sach' ihm selbst im Wege seyn?

Noch mehr! sie werden euch durch dises Stück verbunden /

Durch welche sie ihr Erb und Vatertheil gefunden /

Durch welche sie beschützt. Wenn nun ihr Stamm sich mehrt

Zersplittert sich ihr Gutt. Vnd was man vor geehrt

Verfällt in leichten Staub. Denn wird die Pracht zutretten /

Die von dem Pövel sich auff Himmlisch anliß betten /

Denn herrscht wer Waffen führt. Denn wird gantz Britten rein

Von Adel / Graff und Printz / trotz Catt und Rheten seyn.[62]

CROMWELL.

Gar recht!

PETER.

Noch etwas mehr ist hir in acht zu nehmen;

Sie sehn der Herren Haus wird übel sich bequemen.

Kaum einer schleust mit uns auffrichtig Carols tod.

Drum eh'stes abgesetzt! Wer die gemeine Noht

Nicht Väterlich behertzt! wer sich vor die wil wagen

Die wir zu aller Heil durch unser Schwerdt geschlagen;

Wer den Tyrannen noch gekrönt anbetten will /

(Der nach so langem Krig aus seinem Thron verfill;)

Wird (glaubt es) nichts dem Volck / dem Heer nichts tauglichs rahten.

So lang als diser Wald das Land wird überschatten;

Getröste die Gemein sich ein'ger Sonnen nicht.

FAIRFAX.

Wie aber wenn uns Recht und Prister widerspricht?

Du sihst / sie scheuen nichts / wie hefftig wir auch schrecken

Mit Kercker / Band und Noth / ihr Murren zu entdecken.

PETER.

Der Feldherr glaub es fest / es wird nicht besser stehn;

Biß rechtsgelehrter Nam und Stand wird untergehn.

Wir haben Krafft des Sigs / Macht Satzungen zu stifften;

Drumb weg mit dem was stets fußt auff verfaulte Schrifften!

Der Kirchen-macht ist todt / wer auff die Inful hält;

Muckt / fleucht / und ist vorlängst auff Laudts sein Grab gefällt.

Was übrig zwey't sich selbst. Die Eltesten53 begönten

Sie schafften Hülff und Geld / und was wir wündschen könten /

Sie lockten Heer und Volck aus Calidon ins Land /

Vnd drungen Stab und Schwerdt dem König aus der Hand;

Itzt schmertzt sie daß die Schar die nicht auff Häubter sihet /

Vnd nur sich selber führt; mit diser That bemühet /

Vnd letzten Außschlag gibt. Drumb raast sie sonder Sinn

Vnd bleibt doch eben schön'. Erweget den Beginn

Nicht nur des Traurspils End / und sagt wer mehr gewaget.

Nach schon beschehner That wird nur zu spät geklaget.[63]

Doch gut für uns das sich die Schar itzt trenn' und beiß /

Vnd jenem der diß Stück / und jener dem verweiß.

CROMWELL.

Man muß die Schrifftling' itzt hart an einander hetzen;

So schwächt ihr Sturm sich selbst ohn unser Widersetzen.

Ich schaff ohn Auffschub an daß man noch heut außschrey;

Das Stuards Sohn entsetzt von Cron und Außspruch sey.

FAIRFAX.

Vnd du? wo eilst du hin.

PETER.

Gleich nach dem Traur-Gerüste.54


Fairfax.


Geh aller Schelmen Schelm' / ergetze deine Lüste

Mit umbgesprützten Blutt! zudrümer dises Reich

Vnd mach es wie du suchst den wilden Inseln gleich!

Scheinheilger Bub'. Ich beb' / ich starr' / ich schau mit schrecken:

Wie sich die Boßheit könn' ins Kirchen-kleid verstecken /

Was vor ein Feuer sie im heilgen Schein auffblaß /

Wie übergrimmig sie in solchem Schmucke raaß.

Der / den neu Albion zu lehren außgesendet:

Hat sein vertrautes Ambt ohn Scheu und Scham geschändet.

Er liß die Kantzel stehn / kam zu uns über Meer;

Vnd bracht auff Stuards Haubt die grimsten Anschläg' her.

Er der des Herren Wort und Friden solt' ankünden;

Eilt mit den Rotten sich boßhafftig zu verbinden /

Hetzt auff der Cantzel selbst das Volck zum Blutt-bad an /

Schnaubt Eisen / Büchs und Mord. Ja der verruchte Man

Ergriff Helm / Degen / Stab / und rännte (trotz Gewissen!

Trotz Ambt! Beruff und Stand!) zu freveln Bluttvergissen.

Er liß mit Cromwel sich in engre Bündnüß ein /

Schlug Carols Bande vor / verhetzte die Gemein[64]

Des Heers / Ihn vor Gericht in höchster Schmach zu stellen /

Kiest selbst die Blutt-Räth' aus / sucht alle zu vergällen /

Auff was nicht mit ihm tobt'. Vnd rühmt noch Licht und Geist!

In dem er Recht und Stand als überhauffen schmeist.

Diß nennt man geistlich frey / diß heist auff nimand sehen /

Vnd keines Anhang seyn / nicht irr'gen Menschen Flehen /

Außbannen Strick und Zwang der die Gewissen drückt /

Zureissen was die Seel in Dinstbarkeit verstrickt.

Ich weiß man sucht das Band der Scharen schon zu trennen;

Man sucht (ich spür es wol) mich heimlich anzurennen /

Man gibt auff meine Wort / ja Tritt und Vmbgang acht /

Vnd zeucht den treuen Dinst leichtfertig in Verdacht.

Dem Degen hab ichs nur und meiner Faust zu dancken;

Daß ich mich noch nicht schau auff disem Gläteiß wancken /

Da mancher sich erhöht durch meinen Fall wil sehn.

Doch / was kan unverhofft nicht / in dem nun geschehn!

Gott! ewig-grosser Gott! wie find ich mich bestritten!

Mein Geist erschrickt mir graut vor dem erhitzten Wütten!

Ich fil der Mordschar nicht mit meiner Stimmen bey;

Bin von der Vnterschrifft des rauhen Macht-Brifs frey /

Erklärte mich / daß mir nicht Stuards Tod belibte /

Der weiß / der alles weiß / wie mich der Schluß betrübte!

Ich war / und wär'/ ach! stünd es nur in meiner Macht;

Sein Haubt von Stock und Beil zu retten noch bedacht;

Vnd doch wird mir / was mir zu wider / hir betriben

Ja diser Mord-schlag selbst von meisten zugeschriben.

Wer nah diß Vnheil siht / wer fern diß Traurspil hört;

Glaubt daß ich selbst mein Ehr auffs gifftigste versehrt /

Vnd legt mir dises zu was ich doch höchst verfluche.

Wer gibt mir was ich mit beklemter Seelen suche?

Daß ich mich dermaleinst vor allen frey erklär,

Damit nicht frembde Schuld mein stilles Grab beschwer.[65]

Brich an gewündschtes Licht / in dem erlaubt zu sagen;

Wer Kolen zu der Glutt / wer Wasser zugetragen!

Wie denck ich doch so fern bey der so nahen Qual?

Wie halt ich dir mein Wort bestürtztes Eh-Gemahl?

Ach! mit was Anblick / mit was Thränen auff den Wangen;

Wirst du Betrübte / mich Bekümmerten / empfangen!

Mich / der sein inners Leid und schärffsten Vberdruß

Mit Freuden-vollem Aug'/ O Schmertz! verdecken muß.

Muß? muß ich länger denn zu schlimsten Bübereyen /

Ich? Namen / Ehr' und Faust als ein Leibeigner leihen?

Nein warlich! bricht man heut des Königs Thron und Stab;

So schmeiß' ich aus der Faust den Krigs-Stock bey sein Grab.


Hoffe-Meister des Pfaltz-Graff-Chur-Fürstens.

Der Gesandte aus Holland.


HOFFE-MEISTER.

So ists. Der herbe Grimm der ungeheuren Britten /

Hat disen Schluß gefast auffs Königs Hals zu wütten.

Hir gilt kein bitten mehr. Auch ists ein leerer Fleiß

Zu reden mit Vernunfft wo man nichts von ihr weiß.

GESANDTE.

Hab ich durch rauhe Lufft / durch Tritons stoltze Wellen /

Durch halb zustücktes Eyß / durch Sturm / das Bild der Hellen /

In dem der strenge Frost das Ruder uns versagt /

Mich in ein wilder Land als seine See gewagt:

Daß nach vergebner Müh ich mit bestürtzten Sinnen /

Schaw' als beschickter Zeug ein unerhört Beginnen!

Ein mehr denn blutig Spil! und in der That erfahr

Wie wenig Bato sich / durch die so harte Jahr

Von Britten trew bewehrt / auff Britten zu verlassen?[66]

Auff Britten / das verstockt diß Vrtheil liß verfassen!

Vnd voll von Trotz außführt / und Leich auff Leichen häufft /

Ja blind aus tiffer Ruh' in tiff Verderben läufft.

HOFFE-MEISTER.

Mein Herr / wir müssen nicht nur dises Licht verfluchen!

Wenn wir des Königs Jahr und raue Zeit durchsuchen /

Wird man von Tag zu Tag die Ketten-Glider sehn

In die der Fürst verstrickt. Es war umb ihn geschehn /

Nicht nur als Calidon Ihn treuloß übergeben /

Nicht nur als er in Hafft das Sorgen-volle Leben

Entfernt von Diner / Rath und Freund' in Ach verzehrt /

Nein! seine Macht verfil / als man das heilge Schwerdt

Das Gott den Printzen gibt / ihm aus der Faust gedrungen /

Als sein bestürmt Palast stets mit Tumult besprungen /

Als leichter Buben Schaum gleich einer Flut auffliff /

Vnd frech / ich weiß nicht was durch alle Fenster riff /

Als man von seiner Seit die alle hingerissen /

Die sich mit ernster Treu zu seinem Dinst beflissen /

Als er von Wentwort nicht den ungeheuren Schlag /

Zu wenden mächtig war / als der bestürtzte Tag

Ihn von hir weichen sah' / als man in Kirch und Chören

Liß wider seine Cron und Gott's Gesalbten lehren /

Als Ihn verleumbden selbst zu einem Ketzer macht /

Vnd durch der Cantzel Glantz das Volck in Eisen bracht!

Als Hotham55 ihm sein Hull verwidert zu entschlissen.

Als man auff Edgehill gewaffnet ihn liß grüssen

Als Jorck und Bristoll weg / Glocester überging

Montroos' entweichen must / als man den Poyer fing /

Da fil sein Zepter hin. Itzt lifert er die Leichen

Auff Brittens Schau-gerüst / zu einem Greuel-Zeichen

Zu einem Wunderbild / zum Vorspil diser Noth

Die über Britten wacht. Vor war der König tod[67]

Itzt stirbt sein Königreich. Last uns den Tag begehen

Mit seufftzendem Gewein. Es müssen Grampens Höhen56

Erschallen von Geheul. Auff heut / legt Engelland

An sich die mit dem Beil / (Ach! Ach!) bewehrte Hand.

GESANDTE.

Man siht daß die numehr / die Freyheit vor gesuchet /

Verscheucht / verstreut / versteckt / gekerckert / und verfluchet.

Was ist der Herren Hauß itzt als ein leerer Nam.

Wer in des Pövels Mund durch Schrifft und Reden kam;

Sitzt nun mit Eisen fest. Man muß den Cromwell ehren /

Vnd Fairfax wolt uns vor eh' als die Landständ hören.

HOFFE-MEISTER.

So stillt der Drommel-klang die rasende Gemein.

Wer Könige verdammt / wil mehr denn König seyn.

GESANDTE.

Er liß nach langer Müh und ungeschwechtem Flehen /

Vns endlich gestern spät der Häuser Schatten sehen.

Was brachten wir nicht vor das zu bedencken stund?

Die Sache legt uns selbst Bewegungs-Gründ' in Mund!

Man hört uns: nur zum Schein. Wir haben nichts erhalten!

Als: daß der Länder Heil den König hiß erkalten /

Daß man das hohe Stück schon lange Zeit bedacht /

Daß sie der Sachen Noth auff disen Schluß gebracht.

HOFFE-MEISTER.

Was hat Chur-Pfaltz versucht? was hat er nicht gewaget!

Eh man den König noch vor allem Volck verklaget!

Was unterliß mein Fürst als man den Stab zubrach /

Vnd auff des Königs Hals die frechen Wort außsprach?

O umbgekehrtes Glück! der uns zu schützen dachte

Ist Schutzlos und vergeht. Der uns noch Hoffnung machte;

Hofft nichts mehr als den Tod. Der Bäyern hat erschreckt /

Der in dem grossen Wien vil Argwohn hat erweckt[68]

Auff den der Iber laurt / auff den der Rhein getrauet /

Nach welchem Deutschland sah' / ob dem den Feinden grauet;

Fällt heut vor seiner Burg durch eines Henckers Schlag!

O Tag! den / was nur ist und wird / anspeyen mag!

O die ihr zu dem Brand verdeckt habt Oel getragen;

Denckt ob Printz Stuards Hals ein Richt-beil könn' abschlagen?

Ob nicht sein Vntergang des euren Vorspil sey:

Ob ihr / wenn diser fällt von Sturm und gleiten frey?

Was red ich! und zu wehm! kom Jacobs Geist und schütter

Des Cörpers Aschen ab. Kom Jacobs Geist und zitter!

Wie handelt man dein Blut! kom Jacobs Geist hervor /

Vnd schrey wo du noch kanst in der gekrönten Ohr /

Vnd heische rechte Rach. Europens Götter höret

Printz Stuards Seufftzer an! lernt Götter! lernt und lehret

Wie leicht der Thron versinck; Europens Götter kennt /

Kennt euch und eure Pflicht. Der grosse Nachbar brennt!

Gekrönte denckt was nach. Das Blut das hir wird flissen /

Das Blut mit welchem Carl sein Leichtuch wird begissen;

Ist eur / und euch verwandt! Gekrönte! könnt ihr ruhn?

Carl schreibt mit seinem Blut was euch hirbey zu thun!

GESANDTE.

Mich dunckt ich sehe schon den Pont von Schiffen schwanger /

Den weitten Port besetzt / der Britten fruchtbar Anger:

Mit Lägern überdeckt. Die Städt': in lichtem Brand.

Die Jungfern in dem Kott. Die Mannschafft: auff dem Sand.

Die enge See: voll Raub. Die Landschafft: außgezehret.

Die Kirchen: in dem Grauß. Die Dörffer: gantz verheret

Den Nachbar: mit im Spil. Mich dünckt ich seh die Glutt[69]

Die Catten überfil / als die entfärbte Flutt

Des Ibers Grausamkeit mit ihrem Schleim bedeckte /

Vnd meiner Väter Blutt von beyden Vfern leckte.

Ich sehe Feind und Feind / und hir: die Vortheil schlecht /

Ja eben so vil Glück / als ihre Sache recht.


Zwey Engelländische Graffen.


I. GRAF.

Herr! der du ausser Zeit / vom Thron der Ewikeiten

Vns Menschen unser Zil nicht lässest überschreiten;

Warumb hat sich mein Maß biß auff den Tag erstreckt?

Warumb hat man nicht längst den greisen Kopff bedeckt

Mit noch von Burger-Blut nicht gantz beflecktem Sande?

Warumb verging ich nicht in meinem Vater-Lande?

Das in den Zügen ligt / und zagt in grimmer Pein.

Muß denn das Leben mir an stat der Straffe seyn?

In dem man hir auff uns die glantzen Schwerdter wetzet /

Dort das geschreckte Volck mit Mördern starck besetzet /

Hir Brittens letztes Glück mit Stuards Kopff abschmeist /

Dort Graff und Richter selbst in grause Kercker weist.

Was hätte Britten mehr vor Leids erwarten können /

Wenn (da die Jugend mir wolt erste Kräffte gönnen)

Die unter-irrd'sche Glutt den tollen Pulverschlag

Befördert in die Lufft / und den bestürtzten Tag

In eine grause Nacht / und Ebenbild der Hellen

Vnd der gejagten Thems / mit Grauß vermischte Wellen /

In grauen Schlam verkehrt. Dort wer auff einem Streich

Das Wetter überhin: Itzt zagt die müde Leich

In langer Todes-Angst.

II. GRAF.

Die Last der vilen Jahre

Bringt über den Verdruß und Schnee der grauen Haare

Den starcken Eckel mit / daß keinem nichts gefält

Als was im schwange ging / da ihn die süsse Welt[70]

In erster Blüt anlacht. Als wenn nicht jede Zeiten /

Verknüpfft mit Lust und Angst. Gekrönt mit Ruh und Streiten.

Gesetzt auch / daß die Welt offt in dem Wechsel geh'

Was mag gewündschter seyn / als wie von einer Höh'

Das Spil der Himmel schaun / und da wir auch was leiden:

Was ists das man verleurt / als was ohn diß muß scheiden?

I. GRAF.

Der Dinge Wechsel sehn mit unverzagtem Mut;

Selbst in dem Spile seyn / und (da es Noth) sein Blut

Auffopffern für Altar / für Stat / für Hauß für Lehre /

Kan nicht als herrlich seyn. Ja schmeckt nach höchster Ehre /

Diß aber was wir thun; das wir mit toller Hand /

Mutwillig Kirch und Thron einsetzen in den Brand /

Einäschern Stat / und Stadt / daß wir aus heisser Aschen

Auffblasen neue Glut / und Blut mit Blut abwaschen /

Diß / red' ich / ist zu hoch! man rühmt an keinem Ort /

Den / der sein eigen Schiff selbst in den Grund gebort.

II. GRAF.

Man heilt zuweilen nicht als nur durch Brand und Eisen.

I. GRAF.

Heist diß das Reich geheilt / wenn nun kein Reich zu weisen?

II. GRAF.

Besteht das Reich denn nur in eines Fürsten Macht?

I. GRAF.

In Fürst und Vnterthan / und der mit Fürsten wacht.

II. GRAF.

Wem hat man dise Wach' in Britten je befohlen?

I. GRAF.

Wem ist das Parlament in Albion verholen?

II. GRAF.

Diß / wenn der König hin / setzt andre König' ein.

I. GRAF.

Wer greifft den König an? wer kräncket die Gemein?

II. GRAF.

Hat ein und ander Hauß nicht Stuards Tod beschlossen?

I. GRAF.

Hat ein und ander Hauß der Freyheit itzt genossen?

II. GRAF.

Zeucht man der Häuser Recht bey jemand in Verdacht?

I. GRAF.

Ist ein und ander Hauß nicht längst zu nicht gemacht?

II. GRAF.

Durch wen? der sich bemüht die Freyheit uns zu geben!

I. GRAF.

Als ein und ander Hauß liß Sitz und Recht auffheben?

II. GRAF.

Wer zwang das Parlament daß es sich selbst verliff?[71]

I. GRAF.

Wer war es / der itzt ein itzt ander Glid angriff?

II. GRAF.

Aus Noth / umb viler Wahn / und harten Sinn zu schrecken!

I. GRAF.

Ist unserm Heer vergönt in Fessel uns zu stecken?

II. GRAF.

Warumb nam man das Heer was besser nicht in acht?

I. GRAF.

Warumb hat nicht das Heer den theuren Eyd bedacht?

II. GRAF.

Es geht so gleich nicht ab wenn man den Statt wil ändern!

I. GRAF.

Es geht so gleich nicht zu / wenn Vfer sich versändern!

II. GRAF.

Was hir der Strom wegnimmt das führt er dort herzu.

I. GRAF.

Er führt den Friden hin! was bringt er uns für Ruh?

II. GRAF.

Man kan durch kleinen Zanck die lange Ruh verbessern!

I. GRAF.

Verbösern / sprich recht aus. Es laufft aus andren Fässern.

II. GRAF.

Den Anfang siht man klar. Ist nicht der Gotts-Dinst frey?

I. GRAF.

O Jammer! sah man mehr in Britten Ketzerey?57

II. GRAF.

Der Cantelberger fil. Die Infeln sind verstoben.

I. GRAF.

Vnd alle Kirchen-Zucht mit ihnen auffgehoben!

II. GRAF.

Man setzt an ihren Ort Vorsteher treulich ein!

I. GRAF.

Wo sind sie? hört sie wol die wüttende Gemein?

II. GRAF.

Man sol den Vorschlag nicht aus seinem Ausgang richten.

I. GRAF.

Beherscht man sonder Zucht das grosse Volck? mit nichten.

II. GRAF.

War nicht des Bischoffs Hut mit viler Schuld beschwärtzt?

I. GRAF.

Im fall ein Richter feilt / wird stracks das Ampt geschertzt?[72]

II. GRAF.

Die Infel war bedacht die Ketzerey zu grüssen.

I. GRAF.

Wenn ist mehr Ketzerey / als nach ihr / eingerissen?

Sie streicht durchs grosse Land als mit enthüllter Fahn!

Mit kurtzem! was wir thun / dint leider nicht gethan.

Man hat mit Wentworts Kopff die Hencker lassen spilen:

Was lid Jerne nicht? was musten wir nicht fühlen /

Als man den Printzen selbst von seiner Burg verjagt?

Wir suchten frey zu seyn / als uns ein Knecht vertagt.

Wir wolten länger nicht die güldnen Zepter grüssen:

Itzt werden groß und klein / mit scharffen Stahl zuschmissen.

Vns fil die leichte Last der Steuren vor zu schwer /

Itzt schätzt uns für und für ein unersättig Heer.

Es wolt unleidlich seyn dem Fürsten was zu geben:

Itzt reist man alles weg / die Mittel selbst zu leben.

Man stiß die Bischoff' aus: itzt folgt der Adel nach.

Der über Straffords Hals das bluttig' Vrtheil sprach /

Der den gekränckten Laud halff auff den Mord-Platz führen;

Fühlt nun wie süß es sey die Freyheit zu verliren /

Zu küssen Block und Beil. Itzt geht der König hin!

Mit ihm stirbt unser Glück. Bedencke den Gewin

Wenn uns nach seinem Fall wird tödten und verbannen /

An eines Printzen statt / ein gantzes Heer Tyrannen.

Wie? oder meint man wol das Beil werd' allhir stehn?

Vnd nicht durch Carols Hals in unsre Nacken gehn.

Wer ihm zu Dinst verpflicht / wer hurtig mit dem Eisen

Wer zwey / drey Ahnen mehr als Cromwell auff kann weisen /

Den nicht der Bürgerkrig an Bettelstab gebracht;

Der noch nicht borgen geht: der dencke: gutte Nacht

Der Richt-Platz ist für mich. Was werden wir nicht fühlen

Wenn sich die Königs-Rach in unserm Blut wird kühlen?

Wenn ein benachbart Heer! halt an betrübter Geist /[73]

Vnd friß dein Leid in dich! verdrücke was dich beist!

Ein Schmertz / der mächtig Hertz und Leben abzubrechen

Vnd Marck und Seel auffzehrt / ist doch nicht auszusprechen!

Auch greifft nichts härter an / kein Eisen ritzt so scharff:

Als wenn man reden wil / und doch nicht reden darff.

II. GRAF.

Der Außgang wird die Furcht und Meinung widerlegen.

Die Sache spricht für uns / wir gehn auff rechten Wegen.

I. GRAF.

O wolte! wolte Gott! ich zweiffel! er verley!

Daß dises nicht der Weg zu beyder Richt-Klotz sey.


Cromwell. Der Gesandte aus Schottland.


GESANDTE.

Ich frage / mit was Recht kan man die Bitt ausschlagen?

CROMWELL.

Eur eigne Wolfahrt zwingt uns dises zu versagen.

GESANDTE.

Wie? Wolfahrt? wenn ihr uns in unserm Haubt verhönt!

CROMWELL.

Der Richter Schärfe wird durchs heil'ge Recht versöhnt.

GESANDTE.

Wer gibt euch dise Macht der Schotten Haubt zu richten?

CROMWELL.

Man muß der Britten Zanck durch Themis Richt-Axt schlichten.

GESANDTE.

Schlagt ihr den hohen Eyd so schändlich aus der acht?

CROMWELL.

Weil Stuard selbst nicht hat was er uns schwur bedacht.

GESANDTE.

Was schwur er daß er nicht mit höchstem Fleiß vollzogen.

CROMWELL.

Als seine Leib-Standart ist wider uns geflogen?

GESANDTE.

Wie offt hat Cromwell58 sich vor Carols Heil erklärt!

CROMWELL.

Waar ists / daß ich von Gott es inniglich begehrt.

GESANDTE.

Wie daß er dann sein Wort / ja sein Gebet gebrochen?[74]

CROMWELL.

Weil Gottes Geist in mir dem Betten widersprochen.

GESANDTE.

Gab Schotten euch sein Haubt zu diser herben Schmach?

CROMWELL.

Sprecht warumb dachte da nicht Schotten besser nach!

GESANDTE.

Ihr habt zur übergab uns durch den Eyd bewogen.

CROMWELL.

Man hält dem keinen Eyd der uns dadurch betrogen.

GESANDTE.

Wie? greifft man Schotten noch mit disem Vorruck an?

CROMWELL.

Wenn Schotten uns / wie nechst / mit Krig angreiffen kan.

GESANDTE.

Wir fochten (wie es recht) vor unsers Königs Leben.

CROMWELL.

Vnd der gerechte Gott / hat uns den Sig gegeben.

GESANDTE.

Pocht Britten nicht zu vil / der Tag ist noch nicht hin!

CROMWELL.

Wir haben unter des den Morgen zum Gewin.

GESANDTE.

Wer gar zu zeitlich lacht muß offt vor Abends weinen.

CROMWELL.

Ein Beyspil wird noch heut an Stuards Kopf erscheinen.

GESANDTE.

Wol! spigelt euch an dem der so verfallen kan.

CROMWELL.

Wir thuns! drumb sehen wir / was Gott und Recht wil / an.

GESANDTE.

O Recht! verkehrtes Recht! wer hat hie recht gesprochen?

CROMWELL.

Gantz Britten hat den Stab auff Stuards Hals gebrochen.

GESANDTE.

Gantz Britten? sagt zwey / drey / die diser Tod ergetzt!

CROMWELL.

Hat nicht das Parlament die Richter selbst gesetzt?

GESANDTE.

Das Parlament? wo ists? in welches Kerckers Hölen?

CROMWELL.

Man kärckert niemand ein / als dinstbegir'ge Seelen.[75]

GESANDTE.

Wer richtet? der nicht vor gewaffnet bey euch stundt.

CROMWELL.

Vnd der / dem Landes Bräuch' und Grundgesetze kundt.

GESANDTE.

Dem es an Macht und Mut gebrach sich zu erklären!

CROMWELL.

Wer wil sein eigen Hertz mit frembder Schuld beschweren!

GESANDTE.

Der aus des frembden Fall Nutz oder Vortheil sucht.

CROMWELL.

Des Fürsten Tod verspricht uns noch geringe Frucht.

GESANDTE.

Was zwingt euch denn sein Blut so schmählich zu vergissen?

CROMWELL.

Weil dreymal funffzig Mann einstimmig es beschlissen.

GESANDTE.

Zwey drittheil59 gingen fast in zwey / drey Tagen ein.

CROMWELL.

Vnd dennoch war die Zahl der Richter nicht zu klein.

GESANDTE.

Ihr habt mit Zwang und Macht die meisten kaum erhalten.

CROMWELL.

Wir haben tausend noch die dises Recht verwalten.

GESANDTE.

Kaum einer fällt euch bey / der ausser eurer Macht.

CROMWELL.

Ein dunckel Aug' hat nie der Sachen Wehrt betracht.

GESANDTE.

Waar ists. Ich kan der Straff Vrsachen nicht ergründen.

CROMWELL.

Wiss't ihr des Römschen Briffs Geheimnüß nicht zu finden?

GESANDTE.

Wie daß ihr den gekrönt der solche Briffe schrib?

CROMWELL.

Weil das verblümmte Stück vil Jahr verdunckelt blib![76]

GESANDTE.

Vil Jahr verdunckelt blib? wer hat es nun entdecket?

CROMWELL.

Die Zeit welch' aus der Grufft was dunckel aufferwecket.

GESANDTE.

Recht so! so büsst er auch was Buckingham verbrach!

CROMWELL.

Gab er dem Cantelberg nicht alle Boßheit nach?

GESANDTE.

Hat Cantelberg nicht selbst / für seine Schuld gelitten?

CROMWELL.

Hat Carl sein eigen Land blutdürstig nicht bestritten?

GESANDTE.

Ja! als es alle Schuld und Pflicht ihm auffgesagt!

CROMWELL.

Wer hat Jerne wol zum Auffruhr ausgetagt?

GESANDTE.

Wer hat Jernes Zaum durch Straffords Beil zuschnitten?

CROMWELL.

Liß Carl sein Krigs-Volck nicht durch alle Gräntzen wütten?

GESANDTE.

Hat eur entblöstes Schwerdt denn nirgends was versehn?

CROMWELL.

Er zog die Schwerdter aus! es ist durch ihn geschehn!

GESANDTE.

Wie daß man dann zu Wicht mit ihm begehrt zu schlissen?

CROMWELL.

Weit besser / daß der Schluß zu Wicht60 wird abgerissen.

GESANDTE.

Da er auff Statsrath Wortt und Vollmacht sich einliß!

CROMWELL.

Da unsern Sig und Schweiß der Statsrath niderriß.

GESANDTE.

Da aller Zwang und Zwist fast auff ein Ende kommen.

CROMWELL.

Vnd man die Frucht des Sigs uns aus der Faust genommen.[77]

GESANDTE.

Was gibt man nicht gar offt umb Fridens willen nach?

CROMWELL.

So schätzt ihr unser Blut61 gleich einer Wasserbach?

GESANDTE.

Wann man umb Friden dingt muß jder was verschmertzen.

CROMWELL.

Der Vberwinder muß sein Vortheil nicht verschertzen.

GESANDTE.

Der König gab fast mehr als zu begehren nach.

CROMWELL.

Gesetzt es sey! wer burgt62 vor diß was er versprach?

GESANDTE.

Ihr habet ja sein Wort / und ihn in euren Händen.

CROMWELL.

Gefangne / wenn sie frey die ändern und verwenden.

GESANDTE.

Gönnt daß er sich erklär' und nemm't noch Bürgschafft an.

CROMWELL.

Sagt mir wer Lager / Land und Statt versichern kan?

GESANDTE.

Mein König! rettet dich nicht dein unschuldig Leben!

CROMWELL.

Auch Fromme können offt gar böse Fürsten geben.

GESANDTE.

Dein unbefleckter Geist / dein keusches nüchtern seyn!

CROMWELL.

Diß steht bey Fürsten schlecht / man lobt es in gemein.

GESANDTE.

Wer wird nach deinem Tod nicht Albion anspeyen?

CROMWELL.

Was geht es ander an63 was Britten kan befreyen?

GESANDTE.

Wird unsre reine Lehr durch Königs-Mord befleckt?

CROMWELL.

Die reine Lehre wird durch dises Blut erweckt.

GESANDTE.

Vnd dürffen wir noch Rom den Königs-Mord verweisen!

CROMWELL.

Sind keine Schotten mehr die solchen Richtstul preisen?

GESANDTE.

Läst Gott / der Printzen Gott / so grimme Blut-spil zu?[78]

CROMWELL.

Der Vnterdruckten Gott schafft durch diß Spil uns Ruh!

GESANDTE.

Der Himmel wacht ja selbst für dise die er krönet!

CROMWELL.

Vnd bricht den Thron entzwey der rechtes Recht verhönet.

GESANDTE.

Vergossen Königs Blut rufft Rach' und schreyt für Gott!

CROMWELL.

So viler Britten Blut / wil Blut / wie Gott gebott.

GESANDTE.

Ein Erb-Fürst frevelt Gott / Gott hat nur Macht zu straffen!

CROMWELL.

Gott führt sein Recht jtzt aus durch unterdrückter Waffen.

GESANDTE.

Heist dises Gottes Recht / wenn man das Recht verkürtzt?

CROMWELL.

Wenn trotze Tyranney den strengen Halß abstürtzt?

GESANDTE.

Man wegert ihm Gehör64 auff sein inständig Bitten!

CROMWELL.

Da / als er Ihm die Zeit zu hören selbst verschnitten.

GESANDTE.

So stirbt er unverhört zu Brittens höchster Schand?

CROMWELL.

Warumb hat er die Zeit nicht besser angewandt.

GESANDTE.

Wie? ist euch eine Stund / in diser Zeit so theuer?

CROMWELL.

In einem Augenblick entbrent ein grosses Feuer!

GESANDTE.

O! daß die Flamme nicht gantz Albion verzehr!

CROMWELL.

Man lescht mit Königs Blut daß sie uns nicht verher.

GESANDTE.

Denckt wie der Printzen Printz diß Blut hab offt gerochen?

CROMWELL.

Es geh nu wie es geh! Das Vrtheil ist gesprochen.

GESANDTE.

Was spricht der Höchste nicht auff diß Verbrechen aus?

CROMWELL.

Des Höchsten Außspruch trifft des Ertz-Tyrannen Hauß.[79]

GESANDTE.

Was könt eur eigen Hauß in künfftig nicht entzünden?

CROMWELL.

Wir werden für den Brand auch künfftig Mittel finden.

Die Zeit verlaufft! bey mir nur ferner nicht gesucht /

Was ausser meiner Macht. Die Bitt ist sonder Frucht.

So wenig euch vergönnt den Grund der Welt zu spalten:

So wenig könnt ihr heut das Richt-Beil hinterhalten /

Weil nichts mehr retten kan / nichts sag ich / glaubt es mir:

Es stünde denn Gott selbst und augenscheinlich hir.


Hugo Peter. Cromwell.


Wie? hat der Schott einmal das Ende finden können!

CROMWELL.

Ich wolt und möcht ihm mehr zu reden nicht vergönnen.

PETER.

Der Catt ligt abermals dem Fairfax in dem Ohr.

CROMWELL.

Noch eh der Schott abtrit / steht schon der Catt im Thor.

PETER.

Man fahre schleunig fort / denn hilfft kein überlauffen.

CROMWELL.

Schaff an! man fahre fort! Sind die beschickten Hauffen

Durch Gaß und Platz vertheilt?

PETER.

Mehr denn zu wol bestellt.

Der Port ist starck besetzt. Das Waffen-volle Feld

Erschreckt die bleiche Stadt.

CROMWELL.

Nun! keine Zeit verloren.

Man sagt es habe sich ein Hauffen hart verschworen /

Zu retten Stuards Kopff. Drumb nehmt das Schloß in acht.

Bewahrt das Traurgerüst / und handelt mit Bedacht.

PETER.

Eh'r soll der Leib zustückt auff lichter Glut verbrennen /

Eh soll man Fleisch von Fleisch und Glid von Glidern trennen:

Eh soll mein bluttend Haubt auff Londens Brücken stehn:

Eh der verdammte Carl der Straffe soll entgehn.


[80] Chor der Engelländischen Frauen und Jungfrauen.


JUNGFRAUEN.

Güldnes Licht der Erden Wonne /

Das den grossen Bau erhält:

Schmuck des Himmels / schönste Sonne.

Wie daß nicht dein Glantz verfält?

Kanst du ob dem Greuel stehn?

Wilst du nicht in Wolcken gehn?

Vnd mit Donner-schwartzen Flecken:

Dein bestürtztes Antlitz decken?

FRAUEN.

Nacht komm in den Tag gezogen:

Komm du ungeheure Nacht:

Die aus Plutons Grufft geflogen

Als des Frevels tolle Macht

Mit dem scharffgezuckten Schlag

Auff Mariens Nacken lag.

Komm die Foudrigen verhüllet /

Als es seinen Grimm erfüllet.

JUNGFRAUEN.

Phoebe lescht mit nassen Wangen

Schon ihr silberzartes Licht.

Dunst und Nebel hat umbfangen

Der Astreen Angesicht.

Nur Orion zuckt sein Schwerdt

Auff der Britten Kirch und Herd

Vnd Meduses Schlangen Zöpffe

Treuffeln über unser Köpffe.

FRAUEN.

Nein! wir wündschen kein Verdecken /

Die mit Väterlichem Blut

Wollen Sonn und Tag beflecken.

Diß erquickt den heissen Mutt![81]

Last uns sehn was nach uns schlägt?

Was uns auff die Baare trägt:

Wie das Wetter sich entzünde;

Wie man Eyd und Pflicht entbinde.

JUNGFRAUEN.

Printz! den Zeit und Ewikeiten

Den die Nach-Welt schon verehrt /

Laß dich auff den Mord-Platz leiten.

Wer dein letztes Seufftzen hört /

Wer den grossen Mutt betracht /

Vnd dein Antlitz nur beacht

Wird trotz allem Argwon schlissen

Dein unschuldig Blutvergissen.

FRAUEN.

Printz! leid umb dich so vil Zeugen /

Als um diß Gerüste stehn

Daß wenn du dich hin wirst beugen

Brittens Heyl müss' untergehn.

Brittens Heyl das in dir lebt

Das sich wider sich erhebt /

Daß wenn du wirst nidersincken:

Wird inn deinem Blut ertrincken.

Quelle:
Andreas Gryphius: Carolus Stuardus. Stuttgart 1972, S. 48-82.
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Große Erzählungen der Hochromantik

Zwischen 1804 und 1815 ist Heidelberg das intellektuelle Zentrum einer Bewegung, die sich von dort aus in der Welt verbreitet. Individuelles Erleben von Idylle und Harmonie, die Innerlichkeit der Seele sind die zentralen Themen der Hochromantik als Gegenbewegung zur von der Antike inspirierten Klassik und der vernunftgetriebenen Aufklärung. Acht der ganz großen Erzählungen der Hochromantik hat Michael Holzinger für diese Leseausgabe zusammengestellt.

390 Seiten, 19.80 Euro

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