|
[86] Vorige. Orlofsky und die ganze Ballgesellschaft.
Nr. 16. Finale
ROSALINDE, ADELE, IDA, FRANK, CHOR.
O Fledermaus, o Fledermaus,
Laß endlich jetzt dein Opfer aus.
Der arme Mann, der arme Mann
Ist gar zu übel dran!
EISENSTEIN.
Woll'n Sie mir erklären nicht,
Was soll bedeuten die Geschicht'?
Noch werd ich nicht klug daraus!
FALKE. So rächt sich die Fledermaus!
ALLE.
So rächt sich die Fledermaus!
O Fledermaus, o Fledermaus,
Laß endlich jetzt dein Opfer aus.
Der arme Mann, der arme Mann
Ist gar zu übel dran!
EISENSTEIN. So erklärt mir doch, ich bitt ...
FALKE.
Alles, was dir Sorgen macht,
War ein Scherz, von mir erdacht.
ALLE. Und wir alle spielten mit!
EISENSTEIN. Wie, der Prinz?
ORLOFSKY. Ich spielte mit!
EISENSTEIN. Und Adele?
ADELE. Ich spielte mit!
EISENSTEIN zu Alfred. Ihr Souper?
ALFRED. War nichts als Mythe!
EISENSTEIN. Doch, mein Schlafrock?
ROSALINDE. Requisite!
EISENSTEIN.
Wonne, Seligkeit, Entzücken!
Oh, wie macht dies Wort mich froh!
Gattin, laß ans Herz dich drücken!
ALFRED leise zu Orlofsky.
War auch grad nicht alles so,
Wir wollen ihm den Glauben,
Der ihn beglückt, nicht rauben!
ADELE.
Nun, und was geschieht mit mir?
FRANK.
Bleiben im Arrest Sie hier,[86]
Will ich Sie als Freund und Vater
Bilden lassen fürs Theater.
ORLOFSKY Adeles Arm nehmend.
Nein, ich laß als Kunstmäzen
Solch Talent mir nicht entgehn.
Das ist bei mir so Sitte:
Chacun à son goût!
ALLE.
's ist mal bei ihm so Sitte:
Chacun à son goût!
EISENSTEIN spricht. Rosalinde, vergib deinem treuen Gabriel! Du siehst, nur der Champagner war an allem schuld!
ROSALINDE.
Champagner hat's verschuldet, tralalalala,
Was wir heut erduldet, tralalalala!
Doch gab er uns auch Wahrheit
Und zeigt' in voller Klarheit
Mir meines Gatten Treue
Und führte ihn zu Reue.
Stimmt ein, stimmt ein
Und huldigt im Vereine
Dem König aller Weine!
ALLE.
Stimmt ein, stimmt ein!
ROSALINDE.
Die Majestät wird anerkannt rings im Land,
Jubelnd wird Champagner der Erste sie genannt!
ALLE.
Die Majestät wird anerkannt rings im Land,
Jubelnd wird Champagner der Erste genannt![87]
Buchempfehlung
1889 erscheint unter dem Pseudonym Bjarne F. Holmsen diese erste gemeinsame Arbeit der beiden Freunde Arno Holz und Johannes Schlaf, die 1888 gemeinsame Wohnung bezogen hatten. Der Titelerzählung sind die kürzeren Texte »Der erste Schultag«, der den Schrecken eines Schulanfängers vor seinem gewalttätigen Lehrer beschreibt, und »Ein Tod«, der die letze Nacht eines Duellanten schildert, vorangestellt. »Papa Hamlet«, die mit Abstand wirkungsmächtigste Erzählung, beschreibt das Schiksal eines tobsüchtigen Schmierenschauspielers, der sein Kind tötet während er volltrunken in Hamletzitaten seine Jämmerlichkeit beklagt. Die Erzählung gilt als bahnbrechendes Paradebeispiel naturalistischer Dichtung.
90 Seiten, 5.80 Euro
Buchempfehlung
Zwischen 1804 und 1815 ist Heidelberg das intellektuelle Zentrum einer Bewegung, die sich von dort aus in der Welt verbreitet. Individuelles Erleben von Idylle und Harmonie, die Innerlichkeit der Seele sind die zentralen Themen der Hochromantik als Gegenbewegung zur von der Antike inspirierten Klassik und der vernunftgetriebenen Aufklärung. Acht der ganz großen Erzählungen der Hochromantik hat Michael Holzinger für diese Leseausgabe zusammengestellt.
390 Seiten, 19.80 Euro