Zwölffter Auftritt.

[326] Liberata. Alphonsus. Die Trabanten.


ALPHONSUS.

Du Unthier! Hast du nun verändert deinen Sinn?

Jedoch was sehen wir! Steckt eine Zauberin /

Ein brauner Mohren-Kopff in Liberatens Kleide?

Wie? Hat in schwartzes Pech der Wangen zarte Kreide /

Jn einen Raben sich der Stirnen Schwan verkehrt?

Wird eine Furie vor Engel Unß gewehrt?

Jst diese Göttin dann zu einem Teuffel worden?[326]

Noch mehr! Wil Liberat den Vater selbst ermorden?

Was zeigt der blancke Stahl? Sag an du Bestie /

Was deine Mörder-Faust vor Jammer-volles Weh

Mit dem entblöstem Stahl wil Unsrer Scheitel dreuen?

Sag' an! Wo nicht / so wird mit tausend Rasereyen

Der Hencker deine Seel' auß jhrem Wohn-Hauß ziehn!

LIBERATA.

Der König lasse nicht deß Eifers Dornstrauch blühn

Jm Väterlichen Hertz! Hir ist kein Zauber-Wesen!

Es ist ja Liberat / wie allzeit Sie gewesen

Jn voriger Gestalt: Die Lilgen im Gesicht /

Die Rosen auff dem Mund sind / grosser König / nicht

Jn braunen Kohl verkehrt / die Alabaster-Wangen

Sind nicht mit dunckler Nacht noch schwartzem Pech umfangen /

Deß Halses Helffenbein / der Wangen weisser Schwan

Hegt keinen Raben nicht! Er sehe nur recht an

Durchlauchtigst-grosser Fürst der Liberaten Glider!

So ist die Meinung auch gantz der Vernunfft zuwider /

Daß Eure Majestät mir einen Mord schreibt zu

Ob dem entblößten Schwerdt! Hat jemand Frid und Ruh

Dem König ie gewünscht mit Segens-reichen Stunden /

So ist es Liberat! Hir wird die Treu gefunden

Die unverrückte Treu / so jhren Vater ehrt /

Und sein Durchlauchtes Hertz zu keiner Zeit bethört!

ALPHONSUS.

Wer gab Dir dann diß Schwerdt?

LIBERATA.

Die Rettung meiner Ehre.

ALPHONSUS.

Diß ist ein falscher Fund![327]

LIBERATA.

Er gebe doch Gehöre!

Diß Schwerdt gehöret zu dem frechen Arimant /

Alß seine Geilheit ich besigt mit eigner Hand.

ALPHONSUS.

Hat Arimantes sich der Künheit unterfangen?

Es sol die Bestie verdinten Lohn empfangen!

Allein welch Zaubrer hat so Teuflisch dich verstellt?

Trabanten sagt wie Euch itzt die Prinzeß gefällt /

Jst nicht jhr Antlitz schwartz?

DIE TRABANTEN.

Nein! Nein!

ALPHONSUS.

Jhr blinden Hunde!

Jhr habt den schwartzen Stahr! Wollt jhr deß Königs Munde

Nicht Glauben stellen zu?

LIBERATA à part.

Hir ist deß Höchsten Hand!

ALPHONSUS.

Weil Du dem Teuffel dinst / so sol auch Rhadamant

Mit seiner Fackel Pech auff deine Glider blitzen!

LIBERATA.

Der König aller Welt wird seine Magd beschützen!
[328]

Die Singende Himmlische Libe.


1.

Mein brennend Hertz hat GOTT Selbst angezündet

Eh Sonn und Mond erleuchtet Pol und Welt /

Mein Lilgen-Strauß / der JESU Euch verbindet /

Jst euer Schild / der Engel Lust-Gezelt;

Mein Lorber-Krantz und keusche Sternen-Krone /

Jst Euch ein Licht zu GOttes Heilgem Throne.


2.

Mein Purpur-Rock / der mehr alß Phöbus strahlet /

Und welchen Mir die Ewigkeit verehrt /

Hat Christus Selbst mit seinem Blut bemahlet /

So daß kein Blitz den Edlen Zeug versehrt /

Ja dieses Kleid kan erst am schönsten schimmern /

Wann Hencker jhm die blutge Bahre zimmern.


3.

Seht wie mit Lust die Fürstin Philippine

Den Scharlach Rock umb jhren Leib gehüllt!

Wie Graff Riber aufs Henckers Marter-Bühne

Mit Ruhm getrotzt des Teuffels Ebenbild!

Wie Hyacinth deß Abgotts toller Prister

Sich einverleibt dem Christlichen Register.


4.

Seht wie diß Kleid auch Liberat ergreiffet /

Und in dem Schmuck den wahren GOTT anrufft /

Ob der Tyrann gleich Schwerdter auff Sie schleiffet

Und jhren Leib wil streuen in die Lufft /

Ja ob auch gleich selbst Zaubrer auff Sie gehen /

Doch bleibt Sie fest gleich einem Felsen stehen!
[329]

5.

Seht wie Jhr Witz von Satans schweren Banden

Von Plutons Höl und schwartzen Ewigkeit

Mit höchstem Ruhm befreyt Printz Ferdinanden

Durch diesen Schmuck und schönes Ehren-Kleid /

So daß Er itzt die Jrrdsche Libes-Flammen

Vor meiner Glut und Fackel wil verdammen.


6.

Drumb die jhr wollt in Tugend-vollem Sinne

Einst glücklich blühn im goldnen Sternen-Land /

Folgt freudig nach der keuschen Prinzeßinne /

Jngleichen auch dem Printzen Ferdinand!

Denn jrrd'sche Brunst muß wie ein Staub verschwinden /

Jch aber kan dem Himmel Euch verbinden!

Quelle:
Johann Christian Hallmann: Sämtliche Werke. Band 2, Berlin und New York 1975, S. 326-330.
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