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[222] In meines Vaters Garten –
blühe mein Herz, blüh auf –
in meines Vaters Garten
stand ein schattiger Apfelbaum –
Süsser Traum –
stand ein schattiger Apfelbaum.
Drei blonde Königstöchter –
blühe mein Herz, blüh auf –
drei wundersame Mädchen
schliefen unter dem Apfelbaum –
Süsser Traum –
schliefen unter dem Apfelbaum.
[223]
Die allerjüngste feine –
blühe mein Herz, blüh auf –
die allerjüngste Feine
blinzelte und erwachte kaum –
Süsser Traum –
blinzelte und erwachte kaum.
Die zweite fuhr sich übers Haar –
blühe mein Herz, blüh auf –
die zweite fuhr sich übers Haar,
sah den roten Morgensaum –
Süsser Traum –
sah den roten Morgensaum.
Sie sprach: Hört ihr die Trommel nicht –
blühe mein Herz, blüh auf –
sie sprach: Hört ihr die Trommel nicht
hell durch den dämmernden Raum –
Süsser Traum –
hell durch den dämmernden Raum?
Mein Liebster zieht zum Kampf hinaus –
blühe mein Herz, blüh auf –
mein Liebster zieht zum Kampf hinaus,
küsst mir als Sieger des Kleides Saum –
Süsser Traum –
küsst mir als Sieger des Kleides Saum!
[224]
Die dritte sprach und sprach so leis –
blühe mein Herz, blüh auf –
die dritte sprach und sprach so leis:
Ich küsse dem Liebsten des Kleides Saum –
Süsser Traum –
ich küsse dem Liebsten des Kleides Saum. – –
In meines Vaters Garten –
blühe mein Herz, blüh auf –
in meines Vaters Garten
steht ein sonniger Apfelbaum –
Süsser Traum –
steht ein sonniger Apfelbaum!
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Als Hoffmanns Verleger Reimer ihn 1818 zu einem dritten Erzählzyklus - nach den Fantasie- und den Nachtstücken - animiert, entscheidet sich der Autor, die Sammlung in eine Rahmenhandlung zu kleiden, die seiner Lebenswelt entlehnt ist. In den Jahren von 1814 bis 1818 traf sich E.T.A. Hoffmann regelmäßig mit literarischen Freunden, zu denen u.a. Fouqué und Chamisso gehörten, zu sogenannten Seraphinen-Abenden. Daraus entwickelt er die Serapionsbrüder, die sich gegenseitig als vermeintliche Autoren ihre Erzählungen vortragen und dabei dem serapiontischen Prinzip folgen, jede Form von Nachahmungspoetik und jeden sogenannten Realismus zu unterlassen, sondern allein das im Inneren des Künstlers geschaute Bild durch die Kunst der Poesie der Außenwelt zu zeigen. Der Zyklus enthält unter anderen diese Erzählungen: Rat Krespel, Die Fermate, Der Dichter und der Komponist, Ein Fragment aus dem Leben dreier Freunde, Der Artushof, Die Bergwerke zu Falun, Nußknacker und Mausekönig, Der Kampf der Sänger, Die Automate, Doge und Dogaresse, Meister Martin der Küfner und seine Gesellen, Das fremde Kind, Der unheimliche Gast, Das Fräulein von Scuderi, Spieler-Glück, Der Baron von B., Signor Formica
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