Der Frühling 5

[248] Er stirbt am Waldrand. Mit verhaltnem Laut

Klagt schon sein Schatten an des Hades Tor.

Der Kranz von Lattich, den sein Haupt verlor,

Fiel unter Disteln und das Schierlingskraut.


Den Pfeil im Hals, verschüttet er sein Blut,

Das schwarze Faunsblut in den grünen Grund

Der abendlichen Halde aus dem Mund

Drauf schon der Tod, ein schwarzer Falter, ruht.


Der Himmel Thrakiens glänzt im Abend grün,

Ein Silberleuchter seinem Sterbeschrei,

Auf fernen Bergen, wo die Eichen glühn.


Tief unter ihm verblaßt die weite Bai,

Darüber hoch die weißen Wolken ziehn,

Und fern ein Purpursegel schwimmt vorbei.


Quelle:
Georg Heym: Dichtungen und Schriften. Band 1, Hamburg, München 1960 ff., S. 241-242,248-249.
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