Der Hunger

[158] Er fuhr in einen Hund, dem groß er sperrt

Das rote Maul. Die blaue Zunge wirft

Sich lang heraus. Er wälzt im Staub. Er schlürft

Verwelktes Gras, das er dem Sand entzerrt.


Sein leerer Schlund ist wie ein großes Tor,

Drin Feuer sickert, langsam, tropfenweis,

Das ihm den Bauch verbrennt. Dann wäscht mit Eis

Ihm eine Hand das heiße Speiserohr.


Er wankt durch Dampf Die Sonne ist ein Fleck,

Ein rotes Ofentor. Ein grüner Halbmond führt

Vor seinen Augen Tänze. Er ist weg.


Ein schwarzes Loch gähnt, draus die Kälte stiert.

Er fällt hinab, und fühlt noch, wie der Schreck

Mit Eisenfäusten seine Gurgel schnürt.
[158]

Quelle:
Georg Heym: Dichtungen und Schriften. Band 1, Hamburg, München 1960 ff., S. 158-159.
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