Der Nebelstädte winzige Wintersonne

[495] Der Nebelstädte

Winzige Wintersonne

Leuchtet mir mitten ins gläserne Herz.

Das ist voll vertrockneter Blumen

Gleich einem gestorbenen Garten.


[Alles, was ehe war,

Ist hinter den Mauern des Schlafes

Schon zur Ruhe gebracht.

Viele Winde der sausenden Straßen

Haben inzwischen auf frierenden Köpfen

Ein Wind-Spiel gemacht.]


Wohl war in Dämmerung noch

Blutiger Wolken Kampf

Und der sterbenden Städte

Schultern zuckten im Krampf.

Wir aber gingen von dannen

‹Zerrissen uns mit einem Mal,›

Dumpf scholl ein Zungen-Gestreite

In Finsternis – Unrat – siebenfarbiger Qual.


Doch niemand rühret das starre

Gestern noch mit der Hand

Da der rostige Mond

Kollerte unter den [Rand]

Zu wolkiger Wolken Geknarre.


Quelle:
Georg Heym: Dichtungen und Schriften. Band 1, Hamburg, München 1960 ff., S. 495-496.
Lizenz:
Kategorien:
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