Scena I.

[26] Warner. Friedlieb. Frater Antonius. Christman.


WARNER.

Was sind das für new' seltzam mehr?

Hat nächten vnser gnedigr Herr

Von der gassen einn truncken man

Auffheben, vnd herbringen lan

Zu beth in jhrer Gnaden Gmach?

FRIEDLIEB.

Glaubt mirs, Er warner, was ich sag.

WARNER.

Ohn vrsach ist das nicht geschehn.

FRIEDLIEB.

Ich mücht doch gern das end ansehn.

FRATER ANTONIUS.

Heut wird sichs geben, seid zu fried.

FRIEDLIEB.

Ich hab diß' nacht könn schlaffen nicht,

Lag in gedancken tieff vnd schwer,

Vnd spintisirte hin vnd her,

Kans aber noch ergründen nicht,

Wohin der handel sey gericht.

WARNER.

Warlich ich auch gleicher massen,

Kans nicht verstehen noch fassen.

FRATER ANTONIUS.

Es ist vorwar ein seltzam gschicht.

FRIEDLIEB.

Christman wird vns bringen bericht.

CHRISTMAN.

Bonum mane, bonum mane,

FRATER ANTONIUS.

Semper sanè, semper sanè.

FRIEDLIEB.

Wohin so frü?

CHRISTMAN.

Zu euch semptlich

Mein gnedigr Herr hat geschicket mich.

Er warner in der grossn Capell

Werdet jhr auff Fürstlich befehl

Das heilig Ampt halten dißmahl,

Vnd ordnen das es vberall

Solenniter et festivè

Mit Ceremonien zugeh.[26]

WARNER.

Dem Fürstn ich gern gehorsam leist,

Gott geb dazu sein gnad vnd geist.

FRATER ANTONIUS.

Amen.

CHRISTMAN.

Ihr aber Don Anton,

Sollt halten ein kurtzen Sermon.

FRATER ANTONIUS.

Ich thus gern, Per Deum verum,

Vel ad plebem, vel ad clerum.

CHRISTMAN.

Herr Doctor, geht jhr hin auffs Haus:

Ich hab noch mehr zu richten aus.

FRIEDLIEB.

Hats auch befohlen Fürstlich Gnad?

CHRISTMAN.

Ja: geht das jhr nicht kompt zu spat.


Quelle:
Ludwig Hollonius: Somnium Vitae Humanae. Berlin 1970, S. 26-27.
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