Scena IIII.

[48] Ludwig. Christman. Wolffgang. Voland.


LUDWIG.

Christmanne, kompt zu vns was nehr.

CHRISTMAN.

Mein dienst' bereidt, gnediger Herr.

LUDWIG.

Der kerll droben wird woll tractiert.

CHRISTMAN.

Ja warlich mehr dann jhm gebürt.

LUDWIG.

Was vnser Herr Vetter mein' hiemit

Können wir zwar noch wissen nicht.

CHRISTMAN.

Man setzt am Tisch jhm tapffer zu.[48]

LUDWIG.

Der Tölpel seufft auch wie ein Kuh.

Wird bald widrumb werden zum Schwein,

Vnd legen sich in dreck hinein.

WOLFFGANG.

Nuh doanck ech Gott mett hohem fleiß

Does ech glöcklich vollbracht min Reiß:

Vnd wonsche auch von hertzen grond,

Doas min Hieren ech find gesond.

LUDWIG.

Ist das nicht vnser Bott Wolffgang?

Der Bub ist außgewesen lang.

VOLAND.

Es ists gnediger Fürst vnd Herr.

WOLFFGANG.

Mech verlangt vß der massen sehr,

Woas mine Griete dach werd sage,

Doas ech einn Fäderbusch nu trage,

Dozuh einn blixenblohen kragn,

Gott, Gott! wuh werd öhr doas behagn,

Does ech hae mynen graen barth

Lah stutzen nach der nühwen arth.

Mech hoat doas hertzne Wyb vorwahr

Gesehen nit im hoalben Jahr.

Wuh höbsch werd sie sech zu mir gselln!

Wuh frondlich kägen mech sich stelln!

Sie werd my pfleg mit droanck vnd spiß,

Doas weiß ech wull, Forstlicher wiß.

Ech will auch gän sie doanckbor syn,

Sie nehmen vmb den kopff suh fyn,

Sie thuet es warlich gerne auch.

LUDWIG ridens.

Voland ruff her den alten Gauch.

VOLAND.

Wolffgang, Wolffgang hört, stehet doch.

WOLFFGANG.

Wer rüfft mech dann do hingen noch?

Woas hästu voel for ein geschrey?

Woat ehs es? süh; syd jhrs Loackey?

VOLAND.

Kompt her zu meinem Herren balt.

LUDWIG.

Sag Bott, was hats für ein gestalt?

Du hest gethan ein langsam reiß,

Kömpst itzt erst wieder von Pareiß?

WOLFFGANG.

Min Hier, ech bin von hertzen fruo,

Doas ech vch träffe den alsuo:[49]

Will auch etzund vff ewer froagn,

Met kurtz die reine warheit soagn.

Ben vßgewesn ohn mynen dranck.

So loang, loag soeben wochen kranck

Zuh Poryß, zu Ruahn auch vier:

Doas es alsuh, glöbt mirs myn Hierr.

LUDWIG.

Wie leugst doch so du alter Geck?

Pack dich für vnsern augen wegk.

CHRISTMAN.

Ewr Gnad woll darumb zürnen nicht,

Vielleicht künts sein wie er bericht:

Doch soll man erst die Brieff beschawn,

Den Boten ist sonst nicht zu trawn,

Etliche liegen schrecklich ding.

LUDWIG.

Die lügen halten sie gering.

WOLFFGANG secum.

Hoh: does es truwn myn best zihrgeldt,

Dometh wangrech fyn dörch die Welt.

LUDWIG.

Nim du die Brieff' von jhm Voland,

Vnd folg auff vnser Gmach zu hand.


Abit cum Secretario.


WOLFFGANG promens literas ex sacciperio.

Wuh wurd dach suh schällgk vnser Hier?

VOLAND.

Warumb sagt nicht die warheit jhr?

WOLFFGANG.

Die hae ech vff myn Siel geseith.

VOLAND.

Wollan, so hat es gutn bescheid.

WOLFFGANG.

Heh sall nach dröbber selbes lache,

Doas ech suh wuhll vörricht syn sache.


Quelle:
Ludwig Hollonius: Somnium Vitae Humanae. Berlin 1970, S. 48-50.
Lizenz:
Kategorien:

Buchempfehlung

Stramm, August

Gedichte

Gedichte

Wenige Wochen vor seinem Tode äußerte Stramm in einem Brief an seinen Verleger Herwarth Walden die Absicht, seine Gedichte aus der Kriegszeit zu sammeln und ihnen den Titel »Tropfblut« zu geben. Walden nutzte diesen Titel dann jedoch für eine Nachlaßausgabe, die nach anderen Kriterien zusammengestellt wurde. – Hier sind, dem ursprünglichen Plan folgend, unter dem Titel »Tropfblut« die zwischen November 1914 und April 1915 entstandenen Gedichte in der Reihenfolge, in der sie 1915 in Waldens Zeitschrift »Der Sturm« erschienen sind, versammelt. Der Ausgabe beigegeben sind die Gedichte »Die Menscheit« und »Weltwehe«, so wie die Sammlung »Du. Liebesgedichte«, die bereits vor Stramms Kriegsteilnahme in »Der Sturm« veröffentlicht wurden.

50 Seiten, 4.80 Euro

Im Buch blättern
Ansehen bei Amazon

Buchempfehlung

Geschichten aus dem Biedermeier III. Neun weitere Erzählungen

Geschichten aus dem Biedermeier III. Neun weitere Erzählungen

Biedermeier - das klingt in heutigen Ohren nach langweiligem Spießertum, nach geschmacklosen rosa Teetässchen in Wohnzimmern, die aussehen wie Puppenstuben und in denen es irgendwie nach »Omma« riecht. Zu Recht. Aber nicht nur. Biedermeier ist auch die Zeit einer zarten Literatur der Flucht ins Idyll, des Rückzuges ins private Glück und der Tugenden. Die Menschen im Europa nach Napoleon hatten die Nase voll von großen neuen Ideen, das aufstrebende Bürgertum forderte und entwickelte eine eigene Kunst und Kultur für sich, die unabhängig von feudaler Großmannssucht bestehen sollte. Für den dritten Band hat Michael Holzinger neun weitere Meistererzählungen aus dem Biedermeier zusammengefasst.

444 Seiten, 19.80 Euro

Ansehen bei Amazon