Scena I.

[34] Schmeckebier. Tytke.


SCHMECKEBIER.

Süh! goeden morgn myn leeff Swager:

Wo seh gy so bleeck vnd mager?

TYTKE.

Ick bin vorwaer eine tydtlanck

Gewesen sehr mack vnde kranck.

SCHMECKEBIER.

Dat leedig Older,

Is ein quaet molder.

TYTKE.

Ick bracht einm Dockr myn water dort,

Meende he schold my halpen forth.

Gaff em einn Goldgüldn vp de hand,

Nu schleit he vör ein selsam quant.

SCHMECKEBIER.

Men secht: ydt ys ein Salig Man,

De Arstedy entraden kan.

TYTKE.

Schal myne Frouw em schickn henin,

Dat will my noch nich in den sin.

SCHMECKEBIER.

Idt hafft sick sehr dull in der Stadt.

TYTKE.

Ick will my drup bedencken wat.

SCHMECKEBIER.

De Papen, Dockars, vnd Schryuer,

Habbn yuw gerne schmucke Wyuer.

TYTKE.

Ick will myn Fruw woll habbn in acht:

Wat haffstu hyr tho Marcked bracht?

SCHMECKEBIER.

Gy weten dat myn Edelman

Vnd ick als wind vnd Sandberg stan.

TYTKE.

Ick löff he leeth dy nehmn ein Peerdt.

SCHMECKEBIER.

Idt was gern veertich daler weerth.

TYTKE.

Hafstud dan noch nicht waddr bekamn?

SCHMECKEBIER.

Hafft my noch ein par Ossn genahmn.[34]

TYTKE.

Du warst en habbn vortörnet sehr:

Du scholdest doen na synm begeer,

Dyn Pächt geeuen tho rechter tydt,

Verrichten dynen deenst mit flyth,

Als ick doe, so werstu mit freedn,

Vnd by dynm Juncker woll geleedn.

SCHMECKEBIER.

Ick kan myn egen doent nicht wahrn,

Vnd schall all dag' tho Have fahrn

Sülff drüd, sülff veerd, mit Ossn vnnd Peerdn,

Wat wil de leng doch daruth werdn?

TYTKE.

Wy armen Burn habbn plag genoeg,

Möthn vaken lyden groeth vnfoeg.

SCHMECKEBIER.

De Vögde doen vns voel schalckheit.

TYTKE.

Bißwylen id selsam thogeith.

Wüste idt so de süluest Heer,

Vörwaer ydt schege nümmermehr.

SCHMECKEBIER.

Vnse Cöster, Claws Sümetydt,

De hafft my truwn mit allem flyth

Ein' höuesch' koppelkatze schreuen,

De wilck dem Försten auergeuen.

Dat wil ick doen: gewiß ick weet,

Ick kryg' darup ein goed bescheed.

TYTKE.

Dewyl ick habb verricht myn saeck,

Ißt best dat ick na huß my maeck.

SCHMECKEBIER.

Neen truwn: ick wil my recht vulsupn,

Scholde ick ock na huß hen krupn.

Schold ick nich einen rusch mit nehmn?

Des möst ick my myn leeffdag schemn:

Gott loff ick noch woll drincken mag.

TYTKE.

Ick denck den dag, dat ickt ock plach.

SCHMECKEBIER.

Segt jo voel goedes yuwer Trinen.

TYTKE.

Groeth du tho huß ock all de dynen.


Quelle:
Ludwig Hollonius: Somnium Vitae Humanae. Berlin 1970, S. 34-35.
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