Dritter Akt


[186] Die Bühne stellt drei hintereinander gelegene Ausstellungsräume der Sezession dar. Der vorderste ist in so geringer Tiefe durchschnitten gedacht, daß rechts und links nur eben gerade noch ein offener Türrahmen Platz hat. In seinem Hintergrund rechts und links etwa je ein Meter Wand. Dazwischen führen drei, fast über die ganze Bühne verlaufende Stufen in den auf dem Niveau der dritten liegenden, zweiten, eigentlichen Raum hoch, aus dessen Hinterwand links man durch eine sehr breite Türöffnung in den letzten Raum sieht. Rechts, etwas nach der Mitte zu, in ungefähr halber Mannshöhe mit der Schmalseite nach unten, ein rechteckiger Ausschnitt, durch den man in sonnenflimmerndes Frühlingsgrün blickt: ein blütenknospiger Fliederbusch und ab und zu von leiser Luft bewegt, junge Birken und Buchen. Der Vorderraum ist mit kirschrotem Rupfen belegt. Der Belag der Stufen und der weiteren Räume graugrüner Rupfen. Alle Wände, auch die im Vorderraum, sehr hoch hinauf mit demselben graugrünen Rupfen bespannt. In der Mitte des Mittelsaals ein großer, rechteckiger, niederer, lederbezogener, rissig graubunter Sitzblock. Das Oberlicht silbrig abgedämpft durch eine Leinwandschwebe. Auch durch die Türrahmen

rechts und links sieht man in weitere Ausstellungsräume. Neben der Treppe rechts und links Bronzestatuen, über denen je ein kleineres Landschaftsbild. Auch über den Türen rechts und links, auf der einen Seite ein Tierstück, auf der andern ein Stilleben. An den drei Hinterwandteilen des Mittelraumes je ein größeres Bild: in der Mitte ein Interieur, rechts ein Figuren–, links ein Landschaftsstück. Die Hinterwand des dritten Raums mit einem großen Bilderarrangement bedeckt. In der Mitte dieses dritten Raums eine größere Marmorgruppe. Hinten in den Seitenwänden dieses dritten Raums rechts und links sind Türen gedacht. Unter den Werken der Maler bemerkt man namentlich solche von Max Liebermann, Walter Leistikow, Hans Thoma, Lovis Corinth, Ludwig v. Hofmann und Max Slevogt. Die Bildwerke stammen von Fritz Klimsch, August Gaul und Louis Tuaillon.[187]


DER PRÄSIDENT DER SEZESSION schlanke, mittelgroße Rasseerscheinung; schwarzer Schnurrbart ohne Spitzen: Kött, gestreifte Hose, Zylinder; vor der Seitenwand rechts, an der zwei Arbeiter eben noch beschäftigt sind, das große Bild Hollrieders zurechtzurücken; etwas schräg vor der Sitzgelegenheit; noch etwas mehr vorn, respektvoll hinter ihm, Musmann, der das Bild fast mit den Augen verschlingt. Bißkn mehr rechts! ... Höher! ... Halt! ... Nochn bißkn! ... Vorsicht! ... Det Ding is noch naß! ... So! ... Nu jehn Se! ... Horchen Se aber erst im Büro nach! T sind da noch son paar Lorbeertöppe oder sowat umzustelln! ... Wartet, bis die beiden Arbeiter, denen er mit den Augen folgt, durch den letzten Raum nach rechts verschwunden sind; dann zu Musmann: Bratenrock, schwarze, ungebügelte Hose, aufgearbeiteter Zylinder. Neenee, wissen Se, ick kann det nich leidn, wenn da draußn vorn Einjank eener immer so rumstreicht! ... Wat wolltn Se dnn schon so früh? ... Is ja noch keen Mensch da!

MUSMANN der trotz aller »Haltung«, die er sich zu geben versucht, seinen innern Zustand fast fortwährend verrät: Gesichtszuckungen, Halsverdrehungen, Spielen der Finger usw. Ach, ich ... pflege öfter ...

DER PRÄSIDENT DER SEZESSION. Ochso! Nu ja! Natierlich! ... Ick fleje ooch efter! ... Setzn sich doch n Hut uff! Ick erkälte mir ooch nich jern! Nach dem Bild Hollrieders. Na? ... Wat sagen Se nu zu Ihrn Freund? ... For dies eene Bild jeb ick die janze Ausstellung, wissen Se! ... Verwundert. Habn Se t dnn noch jar nich jesehn? ... Sie machen Oogen ...

MUSMANN die Augen auf dem Bild. Nein! ... Wir haben uns diesmal ...

DER PRÄSIDENT DER SEZESSION. Ich denke, Se sind de beedn dickstn?

MUSMANN verwirrt; ausweichend. Ach ... das nun grade ...

DER PRÄSIDENT DER SEZESSION mit einem schnellen Blick auf ihn. Soso. Aus seiner Betonung geht hervor, daß er den Hauptsachverhalt damit bereits durchschaut hat.

MUSMANN sich jetzt unwillkürlich ängstlich nach seinem eignen Bild umsehend, das in der Mitte der Seitenwand links hängt.

DER PRÄSIDENT DER SEZESSION der seinem Blick gefolgt ist. Beschwern könn sich nich! Jrad vis-a-vis haben wir t jehänkt! Die beiden Bilder, mit dem geistvoll[188] scharfgeschnittenen Charaktergesicht nach dem Zuschauer, aus der Ferne miteinander vergleichend. Ick finde, det s sehr lehrreich! ... Zwee Maler, die mal von een und den selben Punkt ausjingen, und nu diese beedn Resultate – det is n Schulfall! ... Zu Musmann direkt; mit leiser Ironie. Wer war dnn nu eijntlich »derjenje welcher«?

MUSMANN mit dem Bestreben, sich den betreffenden Zahn, falls möglich, nicht allzu genau untersuchen zu lassen. Gott, das kann man wohl nicht so ... sagen.

DER PRÄSIDENT DER SEZESSION unbarmherzig. Warum dnn nich? ... Brauchen sich jar nich zu schenieren! ...

MUSMANN behutsam-vorsichtig. Jedenfalls ... Eigentümer des Bildes ...

DER PRÄSIDENT DER SEZESSION den Sachverhalt sofort witternd; flink; scheinbar ganz nebensächlich-unschuldig und dabei doch mit einem gewissen, nicht mißzuverstehenden Unterton. So? Hattert Ihn also jeschenkt?

MUSMANN unbehaglich-betreten. Er hatte wohl ... den Eindruck ...

DER PRÄSIDENT DER SEZESSION amüsiert-ironisch; stark durchsichtig. Nu ja, sehn Se. Da hätten wirs mal wieder. Den jeht wie mir! Ick habe meine Bilder ooch nich jemalt! ... Mit der flachen Hand zeigend. Det war son Kleener! Und jestottert hatter ooch noch! ... Na, Se kenn ihn ja.

MUSMANN der nicht recht weiß, wie er sich aus der Affäre ziehn soll. Sie meinen ...

DER PRÄSIDENT DER SEZESSION. Den und keen andern! ... Er kam mal zu mir, und denn hab ick ihn mein Sommerpaletot jeschenkt! ... Ihm auf die Schulter klopfend; »väterlich«. Verschenken Sie nie n Sommerpaletot! Nach Musmanns Bild hin. Der Schnee is nich schlecht jemalt! ... Nich jrade, det man sich uffrehcht, aber ... Scharf akzentuiert, während er Musmann dabei anblickt. Der frühr war anders! ... Einige Schritte hinter Musmann vorbei auf dessen Bild zu; Musmann ebenfalls ganz seinem Bild zugekehrt. Auch jejn det Millitehr hab ick nischt, wissen Se! Sojar die Arbeeter! ... Den Kopf einen Augenblick kritisch auf die Seite legend. Vielleicht schon n biskn zu sehr, verstehn Se, mit son jewissen Aweck nach det ... uffjepluhstert Heroische rüber, aber schließlich ... wenn man son Sujet nu mal annimmt ... warum nich? Sowat jibts! ... Noch einige weitere Schritte auf[189] das Bild zu. Bloß wat habn Se sich Verdeutlichende Handbewegung, als ob etwas aus der Luft fällt. bei die ulkjn buntn Dinger jedacht?

MUSMANN geschmeichelt; die Augen verliebt auf seinem Bild. Ich habe mir ... gedacht ...

DER PRÄSIDENT DER SEZESSION zu ihm zurückgedreht. Det heeßt, nu ja, natürlich! Wat Se sich bei »jedacht« habn, weeß ick! Wozu malt der Mensch? Dett er t verkooft! Und sowat verkooft sich! Sich abwendend und einige Schritte nach links hinten; ihn blutig dabei aufziehend. Nich wahr? Det meen Se doch? ... Wieder nach ihm zurückgedreht. Bloß mir sind noch keene uffn Kopp jefalln!

MUSMANN gekränkt. Ich meinte eigentlich ...

DER PRÄSIDENT DER SEZESSION fast grob. Na Ihn doch ooch nich! ... Mit der Rechten nach Musmanns Bild hin. Am wenichstn in Friedrichshain!

MUSMANN. Ja, das soll ja auch gar nicht ...

DER PRÄSIDENT DER SEZESSION von neuem nach seinem Bild hin; sich fast dabei ereifernd. Na da habn Se doch t Motiv her! Det fühlt doch ne blinde Frau mit n Krückstock! Nach ihm zurück. Also redn Se nich!

MUSMANN. Ich ... hatte die Idee ...

DER PRÄSIDENT DER SEZESSION hinterm Block einige Schritte auf Hollrieders Bild zu. Ach wat, Idee! Stehngeblieben und nach dem Bild rüberdeutend. Da! Kiekn sich mal Ihrn olln Kompagnon an! Idee is da ooch drin! Aber wat for ne? Von n Maler aus! ... So jroß, da Ein Auge ironisch zukneifend, so daß man merkt, daß er damit natürlich eigentlich bloß Musmann meint. können wir beede uns man dafor verkriechen! ... Det heeßt ... ick verkriech mir ja so leicht nich! Jlooben Se? ... Wieder nach dem Bild Musmanns hin. Soll k Ihn sagn, wat det is? ... Det is keen Bild, det s n Lehrjedicht! ... Oder, wenn Se wolln, n Leitartikl aus n »Vorwärts«!

MUSMANN stiert kläglich sein Bild an; dann nach dem Bild Hollrieders; beginnender Triesel; dumpf vor sich hin. Was man auch ... tut ...

DER PRÄSIDENT DER SEZESSION der seinen Zustand bemerkt; einen Ausbruch sofort energisch unterbindend; den Blick auf das Bild Hollrieders, brüsk auf dieses zu. Kunst kommt von Könn'n! Jetzt, ganz rechts, wieder nach ihm zugedreht. Dankn Se Jott, det Se diesmal nich überhaupt schon bei de Jury rinjeschliddert sind! ...

MUSMANN nach dem Bild Hollrieders; sein Gesicht zuckt, er scheint nur[190] noch mit Mühe seinen Kopf zu balancieren. Ja, aber ... finden Sie nicht ...

DER PRÄSIDENT DER SEZESSION wieder nach dem Bild zu. Aber nu natürlich! Selbstverständlich find ick! ... Mit dem rechten Zeigefinger nach dem Bild hin, den Kopf nach Musmann. Uff det Bild könnt ick nich stolzer sind, und wenn ick t selbst jemalt hätte! ... Mit scheinbarer Vertraulichkeit; etwas zu ihm nähertretend. Und wolln Se mer jloobn? ... Ooch det verkooft sich? N hiesjer Kunsthändler, den Se sehr jenau kenn'n, verstehn Se, hat n jestern nachmittach fünwunzwanzichdausnd Mark jebotn!

MUSMANN fast zurückgetaumelt. Fünfundzwanzig ...?

DER PRÄSIDENT DER SEZESSION fast beleidigt; einen halben Schritt zurück. Det s doch keen Preis? ... Mit der Rechten wieder nach dem Bild hin. Mit jedn Dach, wo t hier hänkt, wirds um dausnd Mark wertvoller! ... Se machn wieder Oogen ... Plötzlich in markierter Besorgnis um das Bild. Bohrn Se mer keene Löcher rin! ... Wenn t ooch schon versichert is!

MUSMANN wie aus einem bösen Traum erwacht. ...

DER PRÄSIDENT DER SEZESSION zwei kleine Schritte auf das Bild zu und nach dessen Seite rechts deutend. Det s die von damals aus n Winterjartn! ... Eene Fijur ... Geste; erhobne Rechte, zugespitzte Finger Zucker! ... Wieder zu Musmann direkt; etwas näher an ihn herangetreten; scheinbar vertraulich. Sie machn sich wohl nischt aus die Weiber?

MUSMANN eilig. O grade!

DER PRÄSIDENT DER SEZESSION ganz überrascht etwas von ihm zurück; ihn musternd. Ach nee!

MUSMANN. Im Gegenteil! Ich ...

DER PRÄSIDENT DER SEZESSION einlenkend. Sonst ... wer so ville arbeet, verstehn Se, det kommt vor! ... Mir mein ick natürlich nich! ... Mit einem Seitenblick. Sind n bißken nervös! ... Müssn heiratn! ... Sonst sehn Se janz jesund aus!

LIPSIUS im letzten Raum, mit einem Ausstellungsdiener von rechts her; offener, schwarzer, auf Seide gearbeiteter Paletot, Zylinder, im übrigen wie der Präsident der Sezession, nur noch eleganter, helle Gamaschen. Danke. Der Diener, der sich vor dem ihm bekannten, großen Künstler ehrfurchtsvoll verbeugt hat, noch im selben Raum wieder ab.[191]

DER PRÄSIDENT DER SEZESSION der sich umgedreht hat; ganz erstaunt; zugleich augenscheinlich sehr angenehm überrascht. Nanu? ... Hinten um den Sitzblock herum auf ihn zu. Wo kommn Se dnn her? ... Ich denke, ich höre nich recht! ... Mit vorgestreckten Armen. Sind doch in Italjn!

LIPSIUS den Präsidenten der Sezession durch einen Handdruck begrüßend; beide Herren lüften höflich ihre Zylinder, der Präsident der Sezession enthüllt für einen kurzen Augenblick eine den Respekt herausfordernde Glatze. Verzeihn Sie. Kurzer, etwas befremdeter, dabei aber doch nicht ganz sichrer Blick zu Musmann rüber.

MUSMANN auf den das plötzliche Auftauchen dieses Dritten einen unverkennbar stärksten Eindruck gemacht hat; nach einigen Schritten vorn um den Sitzblock tief seinen Hut ziehend; stammelnd. Mmusmann.

LIPSIUS sich zusammennehmend; kühl. Ich erinnere mich. Zum Präsidenten der Sezession. Da ich grade vorüberkam ...

DER PRÄSIDENT DER SEZESSION. Aber, lieber Professor! Anderer Tonfall. Warum habn Se dnn nischt ausgestellt?

LIPSIUS der jetzt das Bild Hollrieders entdeckt hat, hinter dem Sitzblock auf dieses zu. Da ist es ja! ... Er sieht sofort nach der Ecke rechts und blickt dann schnell nach Musmann, der diesen Blick triumphierend auffängt. In seinen Mienen wie in seiner ganzen Haltung drückt sich eine große, innere Bewegung aus, deren er nur mit Mühe Herr werden wird.

DER PRÄSIDENT DER SEZESSION der ihm hinten um den Sitzblock gefolgt; strahlend. Wat? ... Det s ne Leistung! ... Sowat habn Se da unten nich zu sehn jekricht! ... Uff zehn Quadratmeter alles, was Se von n modern'n Bild überhaupt bloß verlangen können! ... Und nich etwa bloß technisch, Jott! ... Sich im Raum umblickend; dabei flüchtig Musmann streifend. Mit de Finger malt hier überhaupt keener schlecht! Nee! Mit janz wat andern! Ich kann det Wort »Seele« nich ausstehn! Wie ch mir keene blaue Feder an Zylinder steck, und wie ch nich Schlachsahne mag. Und »Jehirn« langt nich. Aber nenn Se mir wat Drittes, und s jefällt mir ... mit den is det jemacht! ... Alles ibrije hier Wie vorhin. is man Ehlfarbe und Leinwand![192]

LIPSIUS sich mit Gewalt von dem Eindruck losreißend, den auf ihn das Porträt in der Ecke rechts gemacht hat; mit dem Versuch, auf das Ganze einzugehn. In der Tat! ... Ich glaube, diesmal ... darf Herr Hollrieder mit sich zufrieden sein!

DER PRÄSIDENT DER SEZESSION zu Musmann, der mit verzerrten Zügen seinem Enthusiasmus gefolgt war und schließlich bei dem Wort »Seele« auf den Ausschnitt aufmerksam geworden ist, den er jetzt, einige Schritte rechts vorm Sitzblock, gespannt mit dem Bild Hollrieders vergleicht. Wat habn Se dnn?

MUSMANN hastig. Oh, nichts! Ich ...

DER PRÄSIDENT DER SEZESSION jetzt auch auf den Ausschnitt aufmerksam. Och, det Stückskn Jartn da meen Se? ... Mit erläuternder Handbewegung nach dem Bild Hollrieders hin. Det eenzje Bild, det die Konkurrenz verträcht! ... Wat anders Landschaftliches hättn wir da jar nich hinhängn könn! ... Da sehn Se! ... Zu Lipsius. Und wem dankn wir det?

LIPSIUS fatal dadurch berührt; gepreßt ablehnend. Ich bitte Sie.

DER PRÄSIDENT DER SEZESSION nach dem Bild hin. Mensch mit den Dickkopp? ... Mit einem erneuten, schnellen Blick nach Musmann rüber. Könn Se sagen, wat Se wolln!

LIPSIUS. Der Mittelste in der Gruppe rechts ist Herr Hollrieder selbst. Wer ist die Dame?

DER PRÄSIDENT DER SEZESSION ihm scherzhaft drohend. Sie? ... Gelaunt zu Musmann, der jetzt wieder heimlich Lipsius belauert, ab und zu aber immer wieder von Hollrieders Bild nach dem Ausschnitte schielt. Da heern Se jleich, was n Sachverständjer is! ... Könn Se wat lern! ... Wieder zu Lipsius. Ihr junger Freund scheint Glück zu habn! ... Dets eijntümlich, aber die hat noch keen jesessn! ... Ooch in Paris nich!

LIPSIUS. »Paris?« ...

DER PRÄSIDENT DER SEZESSION. Ja, da staun Se! ... Fast wie triumphierend, halb nach Musmann. Se werdn noch mehr staun! ... Wieder zu Lipsius. Da könnt k noch mal jung werdn! Wieder zu Musmann. Warum sollt ick nich ooch Jlück habn? Von neuem zu Lipsius. Ick bin ältester Uradel! Ick bin oller Assyrer! ... Nach dem Bild zeigend; wieder ganz Künstler. Achtn Se bloß mal uff den Ausdruck! ... Dets Rasse! Wat? ... Da wah jestern vormittach noch[193] so jut wie janischt von da! ... Die gezeigte Stelle ganz verliebt bewundernd. Weeß der Deibl, wie er det jemacht hat! ... Wieder zu Lipsius direkt. Wolln Se, det ick se Ihn nachher vorstelle?

LIPSIUS Musmann beobachtet ihn gespannt. Kommt die Dame ... her?

DER PRÄSIDENT DER SEZESSION verschmitzt; ein Auge zukneifend; von der Seite. Soll ich Se mal uff ne sieße Folter spann?

LIPSIUS betreten; mit einem flackernden Blick nach Musmann. Liebster Herr Professor, ich ...

DER PRÄSIDENT DER SEZESSION. Der? ... Dets n janz Jefährlicher! ... Von uns drei is der der Schlimmste! ... Wat der mir vorhin alles so durch de Blume zu verstehn jejebn hat ... na, ick will nischt jesaacht habn!

MUSMANN geduckt; vermeidet den Blick von Lipsius und schielt wieder nach dem Ausschnitt. Im letzten Raum von rechts her ist von neuem der Diener aufgetaucht.

DER PRÄSIDENT DER SEZESSION. Een Oognblick! Ist dem Diener bis zum andern Raum entgegengegangen und hört nun, was dieser ihm leise zuflüstert. Ne Dame? ... Jetzt schon? ... Zu Lipsius zurück. Det is se! ... N paa Minutn!

LIPSIUS der sich, ebenso wie Musmann, nach dem Flüsternden umgewandt hat; sich von seiner Überraschung wieder zusammenruckend. Bitte!

DER PRÄSIDENT DER SEZESSION ohne sich um Musmann, der Lipsius nicht mehr aus den Augen läßt, noch zu kümmern, gefolgt von dem Diener, nach rechts ab.

LIPSIUS nach einer kurzen Pause, während welcher er sich nochmal unruhig das Porträt besehn; unvermittelt zu Musmann, einige Schritte auf ihn zu nach vorn; man spürt deutlich, wie es ihm Überwindung kostet, an diesen Menschen, den er verachtet, überhaupt das Wort zu richten; unwillkürlich etwas gedämpft. Sie haben mir ... anonyme Briefe geschrieben.

MUSMANN dem das Wort, da er auf eine solche Festnagelung nicht gleich gefaßt war, in der Kehle steckenbleibt. »A ...«?

LIPSIUS schon etwas lauter. Anonyme Briefe. Jawohl. Was bezweckten Sie damit?

MUSMANN der jetzt sieht, daß er es unmöglich leugnen kann; obgleich er es zuerst instinktiv hat versuchen wollen. Ich ... glaubte, Sie wären ... hintergangen worden.[194]

LIPSIUS mit einem schnellen Blick auf das Porträt in der Ecke rechts. Das glaube ich jetzt allerdings auch! Zu Musmann; Stimme wieder regulär. Und meine Frage? ... Sie haben sie mir noch nicht beantwortet.

MUSMANN blickt ihn nicht an und schweigt.

LIPSIUS ihn schärfst fixierend. Man geht doch nicht so hin und verrät seinen besten Freund!

MUSMANN ihn groß anstarrend; von dieser ihm gänzlich unerwarteten Auffassung von Hollrieders Stellung zu ihm vollständig perplex. Meinen »besten ...«?

LIPSIUS ungeduldig; seine Abneigung gegen Musmann, trotzdem er sich mit aller Gewalt zu zügeln versucht, einen Augenblick fast unverhüllt hervortreten lassend. Machen Sie keine Faxen! ... Ich weiß, was Herr Hollrieder für Sie getan hat! ... Ist es wahr, was man mir erzählt, daß Sie oft ... sagen wir, nicht ganz Herr über Ihre Nerven sind?

MUSMANN erregt. Das kann nur ... von Herrn Hollrieder stammen!

LIPSIUS mit zusammengezogenen Brauen. Ich habe mit Herrn Hollrieder darüber kein Wort gewechselt!

MUSMANN dessen Erregtheit sich von jetzt ab steigert. Er möchte mich am liebsten ...

LIPSIUS ihm seinen Satz abschneidend. Das ist mir egal. Nervös, daß die Erwarteten sich noch nicht zeigen. Wußten Sie, daß die Dame sich hier heute Mit einer entsprechenden Kopfbewegung. nochmal das Bild ansehn würde?

MUSMANN. Ich hatte es gestern ... zufällig ... auf der Treppe gehört.

LIPSIUS. »Zufällig.« Ah so. Wieder einen Blick nach der Tür zurück, durch die der Präsident der Sezession verschwunden.

MUSMANN mit dem Versuch, sich gegen diesen Ton von Lipsius ihm gegenüber zur Wehr zu setzen. Ich habe nicht ... verdient, Herr Professor ...

DER PRÄSIDENT DER SEZESSION im letzten Raum zu Beatrice. Neenee, meine Gnädigste! Da zuletzt! ... Zuerst muß ich Ihn die Franzosn zeijn!

LIPSIUS selbst etwas in den Hintergrund tretend, zu Musmann, der, sofort aufmerksam, verstummt ist; schnell; leise, aber sehr bestimmt. Treten Sie zur Seite. Musmann schleunigst hinter ihn rechts.[195]

BEATRICE jetzt auch sichtbar; seidnes Mantelkleid, auf Maleraugen berechnet, Hut feinst dazu abgestimmt. Sehr liebenswürdig, aber ich habe leider nur ganz wenig Zeit.

DER PRÄSIDENT DER SEZESSION. Wenn sichs um n Manet und n paa Monets handelt?

BEATRICE. Schön.

DER PRÄSIDENT DER SEZESSION über seinen Sieg sehr vergnügt, sie nach links führend. Nachher sehn Se se mir nich mehr an! ... Was nützt alle Kunst, wenn nischt richtich uffenanderfolcht!

BEATRICE lächelnd. Das allerdings! ... Hoffentlich kenne ich die Bilder nicht schon. Verschwindet mit ihm nach links.

LIPSIUS der solange, von Musmann mit schadenfrohem Triumph beobachtet, auf Beatrices Stimme gelauscht hat. Hinten bis über den Sitzblock hinaus und sich vergewissernd, daß beide wieder verschwunden. Nach Musmann zurückgedreht. Gedämpft. Man fühlt, wie der Klang der solange nicht von ihm gehörten Stimme ihm innerlich den Rest gegeben. Wie sind Sie nur ... dahintergekommen? ... Dieser Verkehr zwischen den beiden kann doch nicht schon seit damals datieren!

MUSMANN dessen Augen glänzen. Das ... weiß ich nicht. Wenigstens nichts Bestimmtes.

LIPSIUS. Hat Herr Hollrieder Ihnen ... irgend eine Andeutung gemacht?

MUSMANN versteckt in sich hineinkichernd. Er hat sich ... gehütet!

LIPSIUS mit einem unterdrückt zornig düstern Blick nach dem Porträt rüber; um den Sitzblock links herum etwas nach vorn rechts; dabei halblaut wie zu sich selbst; seine Stimme zittert. Mich so zu ... belügen! ... Nach einer erneuten kleinen Pause; veränderter Tonfall; Musmann dabei absichtlich nicht anblickend. Für heute um elf hat sich bei mir in derselben Angelegenheit ein Herr Url angemeldet. Musmann heftig stutzend, zu ihm direkt. Ist der Ihnen bekannt?

MUSMANN hämisch; einige Schritte bis zum Sitzblock; nach Urls Porträt auf dem Bild hin. Sein neuer »Freund«! ... Den er mir abspenstig gemacht hat!

LIPSIUS die Augen wieder auf dem Bild; in seiner Erinnerung suchend. Den muß ich doch ... schon irgendwo gesehn haben? Unruhig; halb für sich. Was mag der von mir wollen?[196]

MUSMANN sich plump vertraulich bis an seine Seite schmuggelnd; linken Zeigefinger nach dem Bild hin. Mit dem ... hat er sich gestern ... auch gezankt! ... Erst mit ihm ...

LIPSIUS von seiner Nähe angewidert, sich noch etwas weiter nach vorn von ihm absondernd; trotzdem drängend. Sie wissens also ... auch nicht!

MUSMANN grübelnd; vor sich hin. Der ist so dumm ... der glaubt vielleicht ... Plötzlich; anderthalb Schritte auf das Bild zu; triumphierend; halb zum Porträt, halb zu sich selbst, als ob Lipsius gar nicht da wäre. Na, so ein ... Kerl! Der will jetzt ... auch ... Bloß ... weil er kein ... Geld mehr hat! Da bin ich ihm diesmal ...

LIPSIUS mit gekrauster Stirn. Was soll das? Was heißt das?

MUSMANN sich zusammenrückend; ausholend; nochmals näher auf ihn zu; man merkt ihm an, daß er einen besonderen Coup vorhat; erwartungsvoll. Da sich nun alles ... bewahrheitet hat ... Ich hege die größte ... Verehrung für Sie! Auch für die Dame! Schon seit Jahren! Und ich glaube, wenn ich jetzt vielleicht ... hoffen dürfte ...

LIPSIUS unwillkürlich einen Schritt zurückgetreten; ihn verächtlich von unten nach oben messend. Ah! ... Jetzt überseh ich! ... Also daraufhin steuern Sie! ... Sie sind ja riesig talentvoll! ... Auf irgend ein ... Trinkgeld, Verehrtester, wollen Sie für Ihre Bemühungen, bitte, in keinerlei Form rechnen!

MUSMANN bis in die Lippen bleich geworden; nach rechts zurückgetreten. Ich bin ... Künstler!

LIPSIUS. Was Sie nicht abhalten sollte ... Abbrechend; energische, sich orientierende Blicke nach den beiden Türöffnungen links; dann scharf. Ich wünsche, daß Sie mich jetzt allein lassen.

MUSMANN nach Atem ringend.

LIPSIUS. Sind Sie schwerhörig?

MUSMANN ihn mit groß aufgerissenen Augen anstarrend; fast keuchend. Sie könnten es vielleicht ... zu bereuen haben!

LIPSIUS in aufsteigendem Zorn. Sie riskieren es ... mir zu drohen?

MUSMANN mit gehässigem Triumph. Nach dem ... was Sie auf dem Kerbholz haben ...

LIPSIUS sich das schwarze Möbel zurechtrückend. Ich hege die ... auf[197] sich übrigens auch schon in Ihren Briefen erlaubt hatten, lassen mich vollkommen kalt.

MUSMANN ihn höhnisch anstierend; sein Gesicht hat sich bereits ganz verzerrt. Das ... Bildwerk ... in Ihrem Schlafzimmer ...

LIPSIUS sich einen Augenblick fast vergessend; sich aber doch noch so beherrschend, daß seine Stimme fast ohne Klang bleibt. Infam!

MUSMANN den bezylinderten Schädel vorgeduckt. ... Ist ein ... Beweis!

LIPSIUS nachdem er sich erneut vergewissert, daß die beiden Erwarteten den Nebenraum vorn links noch nicht betreten haben. Zu Musmann wieder zurückgewandt. Wenn Sie nicht jetzt sofort ...

MUSMANN seine Beherrschung mehr und mehr verlierend. Auf sowas ... steht Zuchthaus!

LIPSIUS drohend auf ihn zu; die rechte Faust hinter sich geballt; dicht vor ihm. Noch den leisesten Muck ...

MUSMANN durch dessen Erregung jetzt der Rappel gebrochen ist. Vor Lipsius hinten um den Sitzblock herum retirierend; bösartiger Knurrlaut. Halb idiotisch. Nach seinem Bild hin. Wie verwandelt. Alle ... haben se sich zusammenjetan! ... Erst ... taugt das Bild nischt ... dann ... Wieder nach dem Bild Hollrieders gedreht; es von unten auf bösartig anglupend; plötzlich wegwerfende, halb konvulsivische Bewegung mit der rechten Hand nach seitwärts hinter sich; groteske, fauchende Zischlaute, als ob er dabei spucke. Das ... hat man davon!

LIPSIUS der ihn mit erstauntem Widerwillen beobachtet. Jetzt zeigen Sie Ihr wahres Gesicht!

MUSMANN nach ihm umgedreht; ihn von unten auf messend. Wat der sich ... Nach einem schnellen Blick jetzt auch auf sein Bild; ihn von neuem messend. noch rausnimmt? Ab durch den letzten Raum nach links, dabei nochmal nach Lipsius blickend. Bande! ...

LIPSIUS ihm nachblickend; leise durch die Zähne. Vor dem Burschen ... nimm dich in acht ... Aus dem vorderen Nebenraum links die Stimme des Präsidenten der Sezession. Lipsius hat sich sofort zusammengeruckt und steht nun wieder vor dem Bild Hollrieders, wie interessiert auf das Porträt starrend.

DER PRÄSIDENT DER SEZESSION. Schade, schade! ... Und denn hat uns natierlich Erst bei diesem Wort ist er im linken Türrahmen sichtbar geworden. auch alle[198] gewundert Von der ersten Stufe links aus bereits auf das Bild Hollrieders deutend. det das dort det erste Bild von Ihn is! ... Nich mal ne Fotojrafie hat man jekricht!

BEATRICE ist, sobald sie, die erste Stufe betretend, Professor Lipsius erblickt hat, der, mit dem Rücken gegen die Ankommenden, scheinbar stark interessiert Hollrieders Bild betrachtet, blitzschnell zusammengezuckt; sich sofort wieder fassend.

DER PRÄSIDENT DER SEZESSION hat das nicht bemerkt, da sie etwas hinter ihm geht, und außerdem seine Aufmerksamkeit in diesem Augenblick gerade auf das Bild abgeleitet war; bei seinem letzten Satz hat Professor Lipsius sich umgedreht, und er stellt nun die beiden einander vor. Darf ich die Herrschaften ...? Herr Professor Lipsius ... La bella ...

BEATRICE ihn unterbrechend, sich selbst vorstellend; beide Worte besonders betonend. Beatrice Cenci!

LIPSIUS unter der Nennung dieses Namens merkbar zusammengezuckt; sich verbeugend. Die allbekannte ... große Künstlerin.

DER PRÄSIDENT DER SEZESSION verblüfft; zu Beatrice; einen Schritt zurückgetreten; wie sich auf etwas besinnend. Wartn Se mal! ... Zu Lipsius. Da war doch so was? ... »Beatrice Cenci?« ... Unter irjnd son Papst Clemens? ... Wieder zu Beatrice. N Vater, der seine Tochter, oder ne Tochter, die ihren Vater ... Wieder zu Lipsius. Wat weeß ick!

BEATRICE dabei in scheinbarer Ruhe bereits nach dem Bild blickend. Nach dieser Dame aus dem sechzehnten Jahrhundert habe ich mich benannt.

DER PRÄSIDENT DER SEZESSION zu Lipsius, der nur mit Mühe seine kaum wiedergewonnene Fassung bewahrt. Det s ulkich! Wat? ... Von neuem zu Beatrice. Herr Professor war leider diesen Winter ...

BEATRICE zum Präsidenten der Sezession. Ich bin unterrichtet.

LIPSIUS zu Beatrice; sich mit aller Gewalt zusammenreißend. Erst jetzt allerdings ... bedaure ich ...

BEATRICE kühl. Sie haben nichts versäumt.

LIPSIUS der seine Augen nicht von ihr lassen kann. Hätte ich gewußt ...

BEATRICE zwischen beide durch auf das Bild zu. Um so angenehmer werden Sie dafür überrascht gewesen sein Vor der Mitte des Bildes nach Lipsius halb zurück. als Sie eben ... wahrscheinlich ganz unvorbereitet, vor dieses Bild traten.[199]

DER PRÄSIDENT DER SEZESSION der das Benehmen beider, das ihm auffällt, von sich aus auf die Situation schiebt; zwischen beide getreten; wieder lebhaft zu Lipsius. Sehn Se? Zu Beatrice. Das hab ich Herrn Professor Lipsius ooch schon jesaacht! Wieder zu Lipsius. Der Mann wär ohne Sie ... Auf eine leicht abwehrende, beinahe gequälte Bewegung von diesem. Neenee! Das laßk mir nich ausreden.

BEATRICE um dem Gespräch eine andere Wendung zu geben; ihre Aufmerksamkeit auf den Ausschnitt richtend; dabei einen Augenblick ihre Lorgnette hebend. Köstlich! ... Dies bißchen Grün da in der Sonne! ... Den Ausschnitt, nachdem sie ein klein wenig zurückgetreten, mit dem Bild Hollrieders vergleichend. Man könnte wirklich fast in Zweifel sein, welches von den beiden Bildern eigentlich das schönere ist.

DER PRÄSIDENT DER SEZESSION etwas zurückgetreten und die Wirkung des Ausschnitts nochmals prüfend. Erloobn Se mal! Wir haben doch da hoffentlich ... keene Dummheiten jemacht?

BEATRICE. Wenn mir das schon auffällt ...

DER PRÄSIDENT DER SEZESSION achselzuckend. Ja ... Zu Lipsius rüber, dessen Blick, soweit dies die Situation zuläßt, immer wieder auf Beatrice ruht; bissig. Det sind so die kleen polizeilichen Architektnwitze! ... Zu Beatrice. Eijntlich und von Rechts wejen is det n Notausjank! ... Da s n Hof hinter, wissen Sie! ... Allgemein. Na, nu s nischt mehr zu wollen!

BEATRICE wieder auf das Bild zu. Schade. Lipsius, der kaum noch seine Augen von ihr läßt, möglichst ignorierend. Jedenfalls haben Sie nicht übertrieben. Das Ganze wirkt auf mich wieder in einer Weise ...

LIPSIUS fast wie aus einer Eifersucht auf das Bild; einen Schritt, scheinbar prüfend, zurücktretend. Es ist allerdings ...

DER PRÄSIDENT DER SEZESSION schnell. Nu aber alle mal! Det Beste ...

LIPSIUS unwillkürlich; mit leiser Eifersucht. »Das ...«

DER PRÄSIDENT DER SEZESSION über seine Bezweiflung hinweg; stark unterstrichen. Das Beste, was wir hier bis jetzt überhaupt ... Abbrechend und ihm dabei im geheimen gründlich über den Schnabel fahrend. Und zwar »allerdings«!

LA BELLA CENCI das ganze Werk nochmal mit aller Konzentration auf sich wirken[200] lassend. Es ist fast ... kein Bild mehr ... es ist gradezu ... wie ein gemalter Mythus!

DER PRÄSIDENT DER SEZESSION der diesen Ausdruck erst »verdauen« muß; schnell. »Mythus«? »Mythus«? ... Dann, nicht wenig stolz auf dies Urteil, zu Lipsius. Hörn Se?

LIPSIUS ablenkend; nach der Ecke rechts zu. Dieser ... seltsame Ausdruck auf dem Porträt hier.

DER PRÄSIDENT DER SEZESSION ganz schnell; zu Beatrice, die in diesem Augenblick scharf nach Lipsius sieht, kurzes »a«. Da! Jetzt sehn Se wieder so aus! Beatrice, nachdem sie blitzschnell nach ihm rübergeblickt, mit den Augen wieder auf dem Bild. Ebn habn Se so ausjesehn!

BEATRICE sich leicht auf die Unterlippe beißend; mit unterstrichener Betonung für Lipsius, den sie aber dabei nicht anblickt. Eine alte ... Erinnrung Zum Präsidenten der Sezession; sich vom Bild abwendend; andrer Tonfall. Wäre hier sonst noch etwas für mich?

DER PRÄSIDENT DER SEZESSION zu dem Bild Musmanns hinüber, auf das zu er einige Schritte macht. Falls Sie vielleicht noch n kleen Blick uff det Jejnstück dort werfn wolln ... Aber erschreckn Se nich! Auf den großen Sitzblock deutend. For alle Fälle is da jleich sone kleene Sitzjelejnheit!

BEATRICE die, ihm gefolgt, das Bild wieder durch ihre Lorgnette besieht. Was ist denn das?

DER PRÄSIDENT DER SEZESSION. De neuen Märzjefallnen! Zuerst nochmal nach dem Bild Hollrieders zurück, dann wieder nach dem Bild Musmanns gedreht. Hier kann eener, was er will, und dort will eener, was er nich kann! Dets der janze Unterschied!

BEATRICE. Ah, richtig! Ich habe bereits gehört. Herr Musmann! ... Und mit diesem Bilderbogen ... Aus einem entfernten Nebenraum erklingt ein Hämmern; alle horchen auf.

DER PRÄSIDENT DER SEZESSION unwillig. Wer hat dnn da noch zu kloppn? Im Begriff, nach dem Raum hin, aus dem das Hämmern wieder ertönt, abzugehn; ärgerlich. Da soll doch ...

BEATRICE die sich ihm anschließen will; schnell. Wenns Ihnen recht ist ... möchte ich gleich ...

DER PRÄSIDENT DER SEZESSION eifrig. Neenee! Erst muß k det untersuchn! ... Hier darf keen Nagel ... Zu Lipsius, der isoliert, ihnen zugedreht, von rechts stehngeblieben war und, nun sich höflich, kaum merklich verbeugend,[201] einige Schritte auf sie näher tritt. Herr Professor? Mit einer hastig galanten Handbewegung nach Beatrice hin. Sie sind wohl so freundlich! ... Bereits auf dem Weg nach dem Hämmern. Nischt wie Dummheitn! Wenn man nich überall is! ... Durch den letzten Raum nach rechts eilig ab. Das Hämmern setzt noch einmal ein, dann verstummt es.

BEATRICE um Lipsius anscheinend ganz unbekümmert, sich nochmal Hollrieders Bild ansehend, auf das sie wieder zugegangen. Trotzdem merkt man ihr eine große innere Erregung an.

LIPSIUS der sich ihr erst nicht zu nähern gewagt hat; hinter ihr; mit fast erstickter Stimme. Si ... bylle!

BEATRICE als ob er gar nicht vorhanden wäre.

LIPSIUS flehentlich. Ich ... bitte dich! ... Nur ... ein ... Wort!

BEATRICE sich jäh umwendend; mit blitzenden Augen. Glauben Sie, ich fürchte mich vor einem Skandal?

LIPSIUS nach einigen Sekunden; fast flüsternd. Du hättest mir das ... nicht antun sollen!

BEATRICE flammend. Ich?? ... Dir?? ...

LIPSIUS in letzter Zerknirschung. Ich habe es so bereut! Die ganzen Jahre! ... Ein einziger, unbewachter Augenblick ...

BEATRICE kaum fähig, ihm zu antworten. Der mir mein ... Leben zerstört hat! ...

LIPSIUS nach einer kleinen Pause; bettelnd. Verzeih!

BEATRICE ihm wieder den Rücken drehend; mit Mühe sich zügelnd. Gehn Sie!

LIPSIUS mit unterdrückter, aufsteigender Leidenschaft. Ich wußte, daß ich dich wiedersehn würde! ...

BEATRICE bei diesem Tonfall zusammengeschauert; ohne sich wieder umzudrehn, mit vor Empörung zitternder Stimme. Noch ein Wort ... Im letzten Raum von links ist spähend Musmann aufgetaucht und verschwindet wieder nach rechts.

LIPSIUS der, auf ihre empörte Drohung etwas zurückgetreten und sich argwöhnisch umsehend ihn bemerkt hat; wieder hinter ihr; noch unterdrückter und dringlicher. Nur das ... hielt mich aufrecht! ... Nur diese Hoffnung! Ich wäre ohne sie ...

BEATRICE die sich vor Zorn kaum noch halten kann; wieder zu ihm umgedreht. Wollen Sie, daß ich einen Diener rufe?[202]

LIPSIUS mit plötzlich elementar vorbrechender Eifersucht. Ihr habt mich ... Unwillkürlich etwas zurückgetreten, seine Augen durchdringend sprühend in ihren. betrogen!

BEATRICE ihm erstaunt, wie erst nicht begreifend, ins Gesicht starrend ...

LIPSIUS mit den Augen einen Moment nach dem Bild hin. Er ... Wieder zu ihr; mit entstellten Zügen. und du! ... Jahre! ...

BEATRICE unwillkürlich einen halben Schritt zurück. Also das ... ist die »Reue«?! ... Eifersucht!! ...

LIPSIUS unterdrückt, fast flüsternd; ganz nah auf sie zugetreten. Gestern ... als ich vor seinem Hause stand und ... auf dich wartete ... ich wußte: ich wagte alles!

BEATRICE ohnmächtig mit sich ringend; der Wucht seiner Leidenschaft einen Moment fast erliegend. ...

LIPSIUS in elementarster, beschwörendster Suggestion. Komm zurück! ... Komm wieder zu mir!! ...

BEATRICE nur noch mit dem letzten Teil ihrer Kraft. Du bist ... von Sinnen!!

LIPSIUS noch drängender. Laß es ... vergessen sein! Flehend. Du wirst sehn!

BEATRICE sich wieder aufraffend; die Hände wie zur Abwehr halb erhoben; vor ihm zurückschaudernd. Geh!

LIPSIUS der sich kaum noch selbst kennt; die Lider einen Augenblick geschlossen, die Lippen zusammengekrampft. Du weißt nicht ... was ich um dich ... gelitten habe!

BEATRICE sich hochrichtend. Und ich?! ... Was ich gelitten?

LIPSIUS seine Augen wieder in ihren. Ohne es zu wissen, hattest du mich auf eine Marterbank gespannt, die auch den Stärksten ...

BEATRICE ausbrechend. Ich ... ertrags nicht mehr!

LIPSIUS starr vor ihr aufgerichtet; sie noch immer nicht lassend. Alles will ich für dich hingeben! Alles! Nur ... Vor ihrem Ausdruck mit bebender Stimme; den linken Fuß einen halben Schritt zurück. Du ... stößt mich ... von dir?

BEATRICE letzte Verachtung; dreht sich wieder nach dem Bild um ...

LIPSIUS nach einem kurzen, inneren Kampf; einige Schritte rechts neben sie getreten, um sie von neuem dabei anzublicken; mit veränderter Stimme. Weißt du auch ... was du damit ... tust? Da sie ihm nicht antwortet; mit arbeitender Brust. Du stößt mich[203] damit ... in ein Leben zurück, das ich ... Ich verachte mich selbst!

BEATRICE die sich nicht mehr länger zwingen kann; wieder nach ihm umgedreht. Gehn Sie nun, oder nicht? ...

LIPSIUS zwei Schritte zurückgetreten; noch gedämpfter, als meist ohnehin schon bisher. Nicht an mir allein ... lag die ... Schuld!

BEATRICE ihn verzerrt anblickend. Jetzt ... nur noch das Geringste, und ich ... schrei s allen Men schen ins Gesicht!! ...

LIPSIUS vor ihrem Ausdruck den Blick senkend; die Hände an den herabhängenden Armen geballt; stumm quer nach links, durch den letzten Raum nach rechts ab.

BEATRICE die ihm nachgesehn; in letzter Erschöpfung und Qual; sie will sich langsam wieder rechts nach dem Bild zu drehn, und ihre Augen bleiben dabei wie gebannt auf dem Ausschnitt hängen; sie tritt unwillkürlich etwas vor ihm zurück.

MUSMANN der während der letzten Szene bei dem Wort »Geh!« hinten im letzten Raum von rechts her nochmals aufgetaucht und dann nach links hin verschwunden war. Vorn von links her. Er hat sich wieder zusammengerafft, aber seine ganze Haltung, jede Bewegung verrät trotzdem deutlich, wie es in ihm aussieht. Wirft, ehe er sich in den zweiten Raum hinauftraut, erst einen Blick nach Beatrice rüber, die ihm in diesem Moment den Rücken zukehrt, vergewissert sich durch einen zweiten Blick, daß Lipsius inzwischen gänzlich verschwunden ist, betritt vorsichtig die Stufen, vergißt nicht, eitel nochmal nach seinem Bild rüberzuschielen, hüstelt und nähert sich schließlich dem Ziel seiner Sehnsucht.

MUSMANN UND BEATRICE die sich auf sein Hüsteln sofort wieder gefaßt und von neuem das Bild Hollrieders besehn hatte; sich nach ihm umwendend; dabei wieder ihre Lorgnette brauchend. Der Herr, der vor drei Monaten an einer Tür gehorcht hat! ... Das ist allerdings eine Überraschung.

MUSMANN vollständig fassungslos. Sie ver ... kennen mich.

BEATRICE. Ihre Krawatte sitzt schief.

MUSMANN sich bezwingend. Ihre unverschämten Anspiegelungen, die Sie richtigste Verehrung für Sie![204]

BEATRICE. Sie beabsichtigen doch nicht etwa ... mir eine Liebeserklärung zu machen?

MUSMANN. Ich weiß nicht ... Nach einem halben Blick auf sein Bild. ob Sie meine Werke kennen.

BEATRICE. Sie sind drollig!

MUSMANN. Herr Hollrieder ist ein Mensch ... von einer so rohen ... Gemütsart ... Sie müssen sich doch ... In seine fixe Idee verbohrt. unglücklich fühlen!

BEATRICE. Sie werden immer amüsanter!

MUSMANN. Sie hatten gestern ... eine erregte ... Auseinandersetzung mit ihm!

BEATRICE. Sie haben also wieder ... gehorcht?!

MUSMANN. Bei meinem lebhaften ... Interesse ...

BEATRICE einen Schritt zurückgetreten; ihn von oben bis unten musternd ...

MUSMANN verzweifelt; mit einer letzten Anstrengung aus einer andern »Ecke« her. Ich habe eben ... mit Ihrem Herrn Vater gesprochen!

BEATRICE empört. Sind Sie verrückt?

MUSMANN. Wenn Sie nur ... Die Hand täppisch nach dem Herzen. ahnten ...

BEATRICE. Es scheint wirklich die höchste Zeit, daß Sie sich nach irgendeiner Heilanstalt umsehn! ... Hinten um den Sitzblock ab durch den letzten Raum nach rechts.

MUSMANN mit vorgestrecktem Hals, ihr in ohnmächtiger Wut nachblickend. Warte! ... In sich reinknirschend. Dir ... werd ich das! ... Sich mit mehreren Schritten auf derselben Stelle langsam voll dem Zuschauer zudrehend und von unten auf erst nach seinem Bild und dann wieder nach Hollrieders glupend. Ich bin doch nicht ... verrückt? ... Kläglich vor sich hin. Das sind doch bloß ... meine Nerven! ... Plötzlich gespannt aufhorchend und wie einer fernen Stimme lauschend; vollständig veränderter Tonfall; geschäftig. Was sagste da? ... Was? ... Du kannst nicht dafür? ... Na warum hat se mich denn eben so ... behandelt? Doch bloß, weil du ... Nickend. Jaja! Atchee! Die Stimme scheint verklungen, das »innre Telephon« abgestellt; dumpf murrend vor sich hin. Alles ... für dich allein! ... Alles ... Ganz nach dem Bild Hollrieders. Es beglotzend. Du ... Schuft! Du ... Alles– ... Zertrümmrer! Du ... Anti– ... Christ! ... Seine Zähne mahlen. Plötzlich zwei Schläge mit geballter Faust schnell[205] hintereinander nach dem Bild hin. Hutt, hutt!! ... Nochmal; noch stärker; fast wie das ganze Bild zermalmend. Hutt!!! ... In demselben Augenblick im letzten Raum von rechts her die Stimme Hollrieders.

HOLLRIEDER noch nicht sichtbar. Nein. Ich will das Bild jetzt nicht mehr sehn!

MUSMANN hat beim ersten Laut aufgehorcht und verschwindet sofort, die Stufen fast hinabstolpernd, im vorderen Nebenraum rechts.

BEATRICE mit Hollrieder im letzten Saal jetzt sichtbar. Sie sind eigensinnig.

HOLLRIEDER mit Beatrice den Mittelraum betretend, wo er, fast noch am Eingang, mit ihr so stehnbleibt, daß er sein Bild im Rücken hat. Kleidung wie der Präsident der Sezession. Geschmackvolle Hose, tadelloser Schlips. Überm linken Arm dunkler Paletot. Wir hatten uns hier erst für elf verabredet! Wäre ich also nicht eine volle Viertelstunde früher gekommen ...

BEATRICE in ihrem Benehmen nicht mehr so sicher wie bisher. Ich hatte geglaubt ...

HOLLRIEDER ihre Erklärung sofort abschneidend. So hielten Sie Ihr Wort!

BEATRICE zögernd. Ich hätte es vielleicht ... trotzdem gehalten ... wenn nicht auch Herr Url ...

HOLLRIEDER erregt auf den Sitzblock zu. Url! Url! Immer Url! ...

BEATRICE die an ihrem Platz etwas links stehngeblieben war; aufmerksam; erst jetzt seine Eifersucht ahnend. Sie sind so ... sonderbar verstimmt auf ihn ...

HOLLRIEDER den Überrock ärgerlich auf die »Sitzgelegenheit« abwerfend. Er soll sich gefälligst um seine komplizierten eignen Angelegenheiten kümmern!

BEATRICE. Er war zweifellos überzeugt, daß es so für alle Teile ...

HOLLRIEDER neben den Überrock den Zylinder plazierend; mit durchsichtiger Betonung. Namentlich für alle Teile!

BEATRICE. Sie sind ganz und gar ungerecht gegen ihn!

HOLLRIEDER die Handschuhe energisch in den Zylinder befördernd. Mit Wonne! ...

BEATRICE. Haben Sie sich denn seit gestern ... noch gar nicht gesehn?

HOLLRIEDER ergrimmt bissig; mit einem erbitterten Blick nach ihr. Nachdem Sie ihn für Ihre Heimfahrt wieder zu Ihrem Ritter requiriert hatten! ... Sie ostentativ dabei nicht anblickend; sich unwillkürlich reckend. Er hat es für angebracht gehalten, seitdem[206] auch nicht ein Wort mit mir zu sprechen! Der zwischendurch schon wiederholt nach dem Bild Musmanns geblickt; plötzlich. Lächerlich!! ... Wirft jetzt einen schnellen Blick auch auf sein eignes Bild, sieht dann aber sofort wieder vor sich in die Luft, als ob der Raum, in dem sie sich befinden, gar nicht existierte. Herr Professor Lipsius war hier! In der Türöffnung vorn rechts, ganz Ohr und ganz vorsichtig, taucht Musmann auf; jedes Wort Hollrieders in seinem Gesicht sich widerspiegelnd. Ich traf ihn vorm Eingang! Er schien mich für Luft zu halten! Hatten Sie das Vergnügen. Ihre alte Bekanntschaft mit ihm wieder aufzufrischen? Beatrice in stummer Qual; wieder Blick vor sich in die Luft. Pardon! Ich bin nicht mehr neugierig. Da Beatrice schweigt; von neuem nach ihr hin. Reisen Sie heute?

BEATRICE leise, ohne ihn dabei anzublicken. Um eins.

HOLLRIEDER sie stehenlassend. Reisen Sie! ... Geht jetzt auf sein Bild zu und bemerkt fast gleichzeitig den Ausschnitt. Zwei Schritte zurückprallend, beides miteinander vergleichend. In ein höhnisches Lachen ausbrechend und mit der flachen Hand nach dem Ausschnitt weisend. Da!! ... »A« kurz; Beatrice zusammengeschrocken, Hollrieder wie magnetisch von ihm angezogen, auf den Ausschnitt zu, den er mit vorgeducktem Kopf studiert, Musmann panisch verduftend.

DER PRÄSIDENT DER SEZESSION aus dem letzten Saal von links; man hat ihn bereits kommen sehn; noch im Türrahmen; zu Beatrice; verwundert, daß Lipsius nicht mehr da ist. Wo is dnn ...?

BEATRICE etwas links nach Musmanns Bild zu; achselzuckend; mit einer hilflosen Geste nach Hollrieder hin ...

DER PRÄSIDENT DER SEZESSION erst jetzt näher getreten und Hollrieder bemerkend? Ach so!

HOLLRIEDER mehrere Schritte zurückgetreten und mit einem Arm nach seinem Bild, mit dem andern nach dem Ausschnitt hin. Das ist nun die Probe auf mein Exempel! Sich umdrehend und die Hände erbittert-grimmig in den Taschen, nach vorn vor dem Sitzblock. Wir können uns alle begraben lassen!

DER PRÄSIDENT DER SEZESSION noch nicht gleich ganz begreifend, um was es sich handelt; zu Beatrice. Wat dnn?

HOLLRIEDER der ohne Aufenthalt bis ganz nach links vorn weitergegangen,[207] ungestüm umschwenkend und mit dem ausgestreckten Zeigefinger der Rechten nach seinem Bild hin. Erde, Himmel, Menschen, Tiere, die ganze Menagerie aufgeboten Inzwischen bis zur Linie des Ausschnitts zurückgelangt, stehngeblieben, mit der erhobenen, flachen Linken nach diesem weisend. und dort ... ein Strauch, drei Birken und zwei Buchen!

DER PRÄSIDENT DER SEZESSION nach einem Blick zu Beatrice, erregt hinter dem Sitzblock nach dem Ausschnitt zu, Achselzucken, Hände auswärts, total aus dem Konzept gebracht. Da habn wir dn Salat!

HOLLRIEDER sich mit höhnischer Verachtung, den Rücken nach dem Zuschauer, im Raum umblickend. Dieser ganze Kitsch ist nicht wert ...

BEATRICE ganz wenig nach ihm zu. Beruhigen Sie sich doch!

HOLLRIEDER brüsk nach ihr hin, als ob er sie »fressen« wollte. Haben Sie keine Augen?

DER PRÄSIDENT DER SEZESSION durch diesen Ton verdutzt, von einem zum andern blickend, man merkt, wie ihm ein »Licht« aufgeht, zu Beatrice, die, durch die Heftigkeit Hollrieders sichtlich getroffen, an ihrem Platz wie festgewurzelt steht, schnell doppelte, begütigende Handbewegung. Jut, jut! Zu Hollrieder, auf den er mit ein paar flinken Schritten zugeht. Also denn lassen wir det Ding noch schnell zukleistern ... Von außen de Tür zu, und inn n paar Lattn mit n bißkn Stoff drüber! ... So vill Zeit is noch! ... Wieder halb zu Beatrice, andrer, sich mit ihr in »Verbindung« setzender, sich quasi »kollegialisch« beschwerender Tonfall. Hat n Mensch schon sowas jehört!

HOLLRIEDER ohne sich nach ihm hinzudrehn, ganz auf sein Bild zu. Glauben Sie, Sie könnten mir mit Ihren paar Latten und n bißchen Stoff drüber auch zugleich mein Gehirn zukleistern?

DER PRÄSIDENT DER SEZESSION wie ungewiß, ob er recht gehört; energisch. Watt?

HOLLRIEDER wieder ungestüm umgeschwenkt auf ihn zu. Vor der mir jetzt endgültig klar gewordenen Erkenntnis, daß sich an ein Rechteck aus Sackleinwand kein Pinselstrich mehr lohnt? Im Türrahmen rechts wieder, wie vorhin, Musmann.

DER PRÄSIDENT DER SEZESSION scharf. Erloobn Sie mal![208]

HOLLRIEDER fast unmittelbar vor ihm. Weil sich von uns aus heute mit diesen überlebten, längst ausgequetschten, primitiv einseitig einfältig unzulänglichen Mitteln ...

DER PRÄSIDENT DER SEZESSION »aufmuckend«. Nanu?!

HOLLRIEDER unbeirrt weiter. Das Letzte und Eigentlichste, das, worauf es überhaupt und immer wieder von neuem ankommt, das, was Kunst zu Kunst erst macht ...

DER PRÄSIDENT DER SEZESSION als Kampfhahn ihm gegenüber; rapid. Jewiß-jawoll-und- und?

HOLLRIEDER unwillkürlich nach dem Ausschnitt hin, dessen Bäume jetzt wieder leise zu wehen begonnen, mit erhobener, erläuternder Rechten, in seinem Satz weiter und ihn, sich noch steigernd, schließend. Das ... Unsagbare, das ... Unnennbare, das Unbegreifbare ... das aus jedem Windhauch weht, das ... zarte, entzückend ... rätselhafte ... immer wieder schillernd wechselnd ... lebendige ... Zittern der Seele, das ... zu tiefst in uns allen Schwingende, das ... vom höchsten Genie ... noch kaum erst Geahnte, das Geste: herausgeschleuderte Rechte, die letzten zwei Finger eingebogen, die drei andern wie Krallen, die ein funkelndstes Juwel halten. Hinter-allen-Dingen ... so bitter wir auch darum ringen, so schmerzvoll blutend wir uns auch mühen, so grausam elend wir uns auch ... Tag um Tag, Stunde um Stunde, Sekunde um Sekunde ... Grade diese drei Worte, alte Heimatsworte, fast wie mit religiöser Inbrunst von sich schleudernd. abplacken, abrackern und abmarachen ... Von neuem ausholend und mit elementarster Wucht endend. weil sich das Aller-Allerletzte ... und Aller-Aller-Allereigentlichste ... von uns aus ... nicht mehr erreichen läßt?!

DER PRÄSIDENT DER SEZESSION der nicht vor ihm wankt und weicht. Sie könn doch nich verlangn ...

HOLLRIEDER noch an der gleichen Stelle. Ich verlange, daß dieser Ausschnitt hier in Ihrer Sezession nicht das beste Bild ist!

DER PRÄSIDENT DER SEZESSION fast auf ihn eindringend. Det verlangn Se man! ... Sich von ihm wegdrehend; erbittert. Det Kunst keene Natur is ... Halb zu ihm zurück. wenn Se damit kommn, Bis hinter den Sitzblock. uff die Art könn wir natürlich alle inpackn! ... Mitten hinterm[209] Sitzblock; den Rücken gegen die Hinterwand; die zornig klugen Augen aufgebracht gegen den Plafond, den letzten Ingrimm aus sich rauspolternd. Da sind Sie der erste nich! ... Dets n Thema, das s schon paa dausnd Jahre älter, als wir! Jetzt unwillkürlich wieder zu Beatrice, die von ihrem Platz aus die beiden sich fledernden Phönixhähne mit stärkster Anteilnahme und wechselndem Mienenspiel fast atemlos beobachtet hat. Man sollte wirklich jlooben, mancher Mensch Nochmal nach dem Ausschnitt. hätte in seinem Leben noch keenen Fliederboom jesehn!

HOLLRIEDER der seinem Gegner zuerst noch »feindlich« nachgeblickt, dann bei dessen Worten: »wenn Se damit kommn« sich brüsk von ihm abgewandt und nach einem »vernichtenden« Blick auf sein Bild bis ganz in den Vordergrund rechts getreten war, von wo er mit dem Rücken gegen die beiden andern wütend vor sich in den ersten Raum starrte; mit einem Ruck nach ihm zurückgedreht. Würden Sie ...? ... Musmann wieder verschwunden.

DER PRÄSIDENT DER SEZESSION scharf nach ihm rüber. Wat ick würde, kommt hier nich in Frage! ... Ick würde Zugleich nach dem Ausschnitt und dem Bilde hin. mir so ne Mottn erst jahnich in Kopp setzn! ... Wieder, wie zu seiner »Hilfsfreundin«, zu Beatrice. Det n jemalter Baum keen jewachsner is ... mein Jott!

HOLLRIEDER nach dem Vorderraum halb wieder zurückgedreht, dabei Blick nach Beatrice. Alles oder nichts! Nicht die Hand mehr rühr ich!

DER PRÄSIDENT DER SEZESSION mit der entsprechenden Geste nach dem Bild hin. Nachdem man Ihn jestern erst ...? ...

HOLLRIEDER ihn nicht anblickend. Bitte, sagen Sie jenem Herrn, ich nehme sein Gebot an!

DER PRÄSIDENT DER SEZESSION brüsk; dabei zornig ein paar Schritte nach rechts und wieder zurück. Det sagn Se ihm man alleene! ...

HOLLRIEDER sich nach links zu in Bewegung setzend; andrer, entsprechender Tonfall. Hat man sich zermürbt und gequält, hat man alles ... alles hingegeben und geopfert, hat man nicht mal die geringsten Freuden gehabt ... Ganz vorne links, beiden abgewandt, stehngeblieben.

DER PRÄSIDENT DER SEZESSION hinter seinem Sitzblock. Und det Verjnüjn, det Ihn Ihre Arbeit immer selbst jemacht hat? ... Det zähln Se wohl nich?[210]

HOLLRIEDER wieder zurückgedreht und nach rechts; erbittertste Ironie. »Vergnügen«! ... »Vergnügen«!! Dieses beneidenswerte Gefühl, daß sich für einen Augenblick der Strick lockert, von dem man weiß, daß er einem schon im nächsten wieder ... Vorn rechts stehngeblieben. die Kehle zudrücken wird!

DER PRÄSIDENT DER SEZESSION achselzuckend; Hände im gestreiften Beinkleid. Cha! ... For umsonst wischt sich nich nachher jeder Hans ... Schneller Blick nach Beatrice rüber; sich mit Rücksicht auf sie noch flink verbessernd. jeder Hans Dämlack de Neese an Ihn ab!

HOLLRIEDER wieder nach links. Die sogenannte ... »Entwicklung« weiterschieben! Sich das Gehirn ... aus dem Schädel schinden! »Kunst«-werke fabrizieren! Er Mitte vorn stehngeblieben; einmaliges kurzes, grimmiges, Auflachen. Hä! Dann sofort wieder weiter.

DER PRÄSIDENT DER SEZESSION wieder etwas nach rechts und zurück. Dazu sind wir doch noch jrade jut jenuch! ... Von neuem halb zu Beatrice. Ich möchte wissn, wat der sonst wollte!

HOLLRIEDER ganz links, scharf zu ihm umgedreht. Leben!! ...

DER PRÄSIDENT DER SEZESSION um den Sitzblock herum auf ihn zu; einige Schritte vor ihm stehngeblieben. »Leben«?? ... Sie?? Nachdem Se nu Nach dem Bild hin. uff diese Weise schon länger als zehn Jahre nischt jetan habn, als det Se in een wech mit m Kopp jejn de Wand jerannt sind? ... Nach rechts. Lassn Se man? ... Sich einen Moment nach ihm zurückdrehend und dann sofort weiter. Det könn Sie nich mehr, und det kann ick nich mehr! ... Det habn wir überhaupt alle beede nie jekonnt!

HOLLRIEDER noch an seinem Platz vorn links; ihm nachblickend; immer verbißner. Dann werde ich für meinen Teil es jetzt eben noch lernen!

DER PRÄSIDENT DER SEZESSION zorniger Lachlaut; von ganz rechts wieder nach links. Det versuchn Se man! ... Witt n scheenet Jemiese wern! ... Nee! ... N kleen Piepvogl ham wir alle! Ick schon überhaupt! Aber so een ... Erneut zu Beatrice, von der nicht unweit er stehnbleibt; sich dabei zerstreut nach der Tasche fühlend. Und meine Rede hab ich nu ooch bald zu haltn! ... Wo isse dnn? ... Das Manuskript wieder zurückgleiten lassend. Alles wat recht is, aber damit kann k mir nu nich länger mehr uffhaltn! ... Nach einem letzten »väterlichen« Zornblick auf Hollrieder, zu Beatrice. Dem[211] setzn Se man dn Kopp zurecht! ... Ärgerlich durch den letzten Raum nach rechts ab.

HOLLRIEDER nach einer kurzen Pause zu Beatrice, die sich noch nicht von der Stelle gerührt hat; mit gemachter Kälte, so sehr auch noch alles in ihm »kocht«. Falls Sie für Ihre Reise noch ... Vorbereitungen zu treffen haben? Sie werden sich verspäten! ...

BEATRICE zwei kleine Schritte auf ihn zu; in der Stimme eine bei ihr seltsame Weichheit. So ... wollen Sie, daß ich ... von Ihnen gehe?

HOLLRIEDER der sie nicht angeblickt hat; achselzuckend.

BEATRICE im gleichen Tonfall. Warum sollten wir nicht wenigstens ... als gute Freunde scheiden?

HOLLRIEDER der vor sich in die Luft blickt. Gewiß! Warum nicht? ... Kopfbewegung nach ihr hin. Können wir ja!

BEATRICE mit offnen, leicht erhobnen fast bettelnden Händen. Also nicht einmal das!

HOLLRIEDER nach einem kurzen Blick auf sie; »kühl«. Nein.

BEATRICE nach einer kleinen Pause; eindringlich. Ihr Werk hält alles ... was Sie sich von ihm versprochen haben.

HOLLRIEDER nach rechts an ihr vorbei; scheinbar zerstreut die übrigen Stücke musternd, sein eignes Bild immer vermeidend. So! ... Hm! ... Na ja! ... Da schein ich mir ja dann also nicht allzuviel von ihm versprochen zu haben.

BEATRICE nach einer erneuten kleinen Pause; Hollrieder rechts vorn stehngeblieben; Beatrice bis vor den Sitzblock; mit letztem Zureden. Sie haben sich ... diese letzten drei Monate ... zu sehr überarbeitet! Sie werden vielleicht schon morgen ... oder doch wenigstens ... hoffentlich einigen Tagen ...

HOLLRIEDER halb nach ihr hingedreht. Interessiert Sie das noch?

BEATRICE zögernd; halb schon wie ein Geständnis. Vielleicht ... bin ich ... mit schuld daran, daß Sie jetzt in dieser Verzweiflung sind.

HOLLRIEDER wieder wie vorhin. »Verzweiflung«? ... Sich auf den Ausschnitt zu, den er dabei anblickt, in Bewegung setzend. Ich habe mich nie wohler befunden!

BEATRICE die ihm nachblickt, stumm.

HOLLRIEDER scharf umbiegend und hinten um den Sitzblock herum. Es kann für jeden nur gesund sein, wenn er von seinen Illusionen geheilt wird! ... Da Beatrice auch jetzt noch schweigt. Von seinen[212] Illusionen über sich und ... Links in der vorderen Linie des Sitzblocks stehngeblieben; mit einem Blick nach ihr; unwillkürlich die Stimme sinken lassend. über andre.

BEATRICE nach einem letzten Zaudern; mit plötzlicher Entschlossenheit; trotzdem noch stockend; zu ihm hingewandt. Und wenn ich nun ... bliebe?

HOLLRIEDER steht starr und sieht sie an; schwer. Jetzt?? ... Nach dieser ... Zorniger Blick nach Ausschnitt und Bild hin. Niederlage?!

BEATRICE bestimmt. Ich bleibe.

HOLLRIEDER wie vorhin. Sie ... wollten ...? ...

BEATRICE fest. Ich bleibe!

HOLLRIEDER nach einer kurzen Pause; wieder hinten um den Sitzblock rum nach rechts; bitter. Um den Gebrochnen zu trösten! Um den Geschundnen in Watte zu wickeln! Danke! ... Nach Beatrice dabei nicht hinblickend. Ich kann ... dieses Opfer nicht annehmen! ... Ganz rechts wieder in der vorderen Linie des Sitzblocks stehngeblieben und nach ihr hin. Ich wills nicht.

BEATRICE ihn voll anblickend. Es ist kein Opfer!

HOLLRIEDER steht da und starrt sie, wie noch immer im Zweifel, groß an.

BEATRICE von neuem. Und selbst ... wenns eins wäre! ... Den Blick zu Boden; etwas leiser. Da ich es Ihnen doch ... bringen will?

HOLLRIEDER nach einem letzten, kurzen Kampf mit sich; sie immer noch dabei ansehend; langsam. Ich stellte gestern ... eine Frage an Sie ... Im Türrahmen rechts wieder Musmann. Darf ich sie jetzt ... wiederholen?

BEATRICE seinem Blick ausweichend, wie in die Ferne zur Seite sehend. Ich habe Ihnen bereits ... geantwortet.

HOLLRIEDER stirnrunzelnd. Sie wollen mir das Geheimnis ... das sich hinter Ihrer leidenschaftlichen Anklage gestern barg ... nicht aufdecken?

BEATRICE nach einer kurzen Pause; ihn offen anblickend; mit einem, leichten, fast frohen Klang in der Stimme. Wozu? ... Wir sind frei! Uns bindet beide nichts! ... Und ich will nicht ... daß wir diese Freiheit ... jemals aufgeben!

HOLLRIEDER einen kleinen Schritt zurückgetreten; wie mit sich im unklaren, ob er den Sinn ihrer Worte wirklich voll erfaßt und verstanden hat. Soll das ... heißen ...[213]

BEATRICE warm. Das soll heißen, Sie sollen sich an mich nicht gefesselt fühlen! Sie gehören nur sich und der Kunst!

HOLLRIEDER kurzer, verzweifelter, höhnischer Lachlaut; mit einem erneuten Blick nach dem Ausschnitt.

BEATRICE fest-überzeugt. So erbittert Sie sich jetzt auch von ihr abwenden ... irgendwie ... werden Sie wieder zu ihr zurückfinden! Ich will in Ihrem Leben ... Die Stimme sinken lassend. nur eine Episode gewesen sein!

HOLLRIEDER sie qualvoll anblickend; schwer; dunkel. Jener ... Dinge wegen!

BEATRICE einen Schritt auf ihn zu; flehend. Lassen Sie ... sie ruhn!

HOLLRIEDER finster; wie bitter vor sich nickend.

BEATRICE wieder von dem, was sie sagt, ganz durchdrungen. Klagte ich mich einer Schuld an ... einer wahrhaften, wirklichen ... vor mir ... und meinem Gewissen ... ich würde es Ihnen bekennen!

HOLLRIEDER sie forschend anblickend.

BEATRICE noch einen weiteren Schritt auf ihn zu; letzte Eindringlichkeit. Glauben Sie mir!

HOLLRIEDER sich unwillkürlich etwas höher reckend; langsam; jedes Wort betont. Das ist ... wahr?

BEATRICE seinen Blick erwidernd. Ich wäre Ihnen sonst überhaupt nie ... unter die Augen getreten! Und ich hätte jetzt sicher nicht den Mut ...

HOLLRIEDER vor sich hinstarrend, die linke Hand vor der Stirn. Mir ist das alles ...

BEATRICE flehendst. Machen Sie es mir nicht so schwer! ... Ich stehe ja hier und ... bettle! ... Wärmst; eindringlichst; seinen Blick suchend. Vielleicht ist nichts in der Welt ... wert, daß man sich seinetwegen ... um den Augenblick betrügt!

HOLLRIEDER sich innerlich noch immer zornig dagegen zur Wehr setzend. Um den ... Augenblick! ...

BEATRICE noch gesteigerter. Sie haben ihm noch nie ... gelebt! ... Sondern immer nur ... jener fernen Zukunft ... die dieses bißchen Gegenwart ... mal so sehn soll ... wie Sie sie gesehn haben!

HOLLRIEDER sie wieder anblickend; schmerzlichst zerquält. Ich habe ... überhaupt noch nicht ... gelebt!

BEATRICE fest. Sie werden Ihr Höchstes ... nur erreichen ... wenn Sie sich mal ganz ... dem Augenblick geben![214]

HOLLRIEDER nach einigen Sekunden, in seiner Stimme noch Schmerz und Qual. Dem ... Augenblick! Von ihr nach dem Ausschnitt blickend; dann plötzlich hart; mit letztem Entschluß; sie wieder anblickend. Ja! ... Mit ausgestreckten Händen auf sie zu. Ja!! ...

BEATRICE seine Hände ergreifend; mit heimlich zitterndem Jubel in der Stimme. Leben! Leben!! Alles übrige ...

HOLLRIEDER beide blicken sich in die Augen; zum erstenmal letzte, hellste Freude auch in seiner Stimme. Du hast ... recht!


Vorhang.


Quelle:
Arno Holz: Werke. Band 4, Neuwied und Berlin 1961, S. 186-215.
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Romantische Geschichten. Elf Erzählungen

Romantische Geschichten. Elf Erzählungen

Romantik! Das ist auch – aber eben nicht nur – eine Epoche. Wenn wir heute etwas romantisch finden oder nennen, schwingt darin die Sehnsucht und die Leidenschaft der jungen Autoren, die seit dem Ausklang des 18. Jahrhundert ihre Gefühlswelt gegen die von der Aufklärung geforderte Vernunft verteidigt haben. So sind vor 200 Jahren wundervolle Erzählungen entstanden. Sie handeln von der Suche nach einer verlorengegangenen Welt des Wunderbaren, sind melancholisch oder mythisch oder märchenhaft, jedenfalls aber romantisch - damals wie heute. Michael Holzinger hat für diese preiswerte Leseausgabe elf der schönsten romantischen Erzählungen ausgewählt.

442 Seiten, 16.80 Euro

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