Trauer-Aria auf diesen hohen Todes-Fall[274] 1

1.

Die Sonne geht nunmehr zu Rüste/

Wo tausend hingegangen seyn.

Der Glantz/ der uns zuvor begrüste/

Hült sich in Todes Schatten ein.

Die Hertzen aber möchten brechen/

Die schon im Blute thränend stehn/

Daß wir die Worte sollen sprechen:

Den Gang der Welt muß alles gehn/

Ein Herr/ der stets vor Augen schwebet/

Hat andern gleich den Todt erlebet.

Echo: Er lebet.


2.

Er lebet/ weil kein Glantz verschwindet/

Den Tugend angezündet hat.

So wenig man das Meer ergründet/

So wenig man das Sonnen Rad/

In seinem Lauffe weiß zu halten/

So wenig wird dieß hohe Hauß/

An Sternen klaren Ruhm erkalten/

So wenig löscht sein Feuer aus.

Doch was uns muß zu Wermuth werden/

So lebt der Graf nicht mehr auf Erden.

Echo: auf Erden.
[275]

3.

Auf Erden/ wo? in aller Hertzen/

Der Hochbetrübten Gräfin Brust?

Wo ihrer güldnen Treue Kertzen

Kein Sturm zu löschen nie gewust?

Weil Phœnix aus der Aschen steigen/

So lebt er auch und wird zuletzt

Mit tausend tiefen Ehr-Bezeigen

Bey jedem lebend beygesetzt.

Trost/ Augen-Lust sind nur gehoben/

Hier lebt er nicht/ rufft man dort oben.

Echo: dort oben.


4.

Er lebt auf Erden und dort oben/

So rufft der Wiederschall zurück!

Man muß auch Gott im Creutze loben.

Betrübt/ doch seeliges Geschick!

Durch Thränen/ die auf Erden fallen/

Muß eine Freuden-Ernd' entstehn/

Daß wir einst Perlen und Corallen

In diesem Unglücks Meere sehn.

Gott laß uns hier im Seegen schweben/

Und unsre theure Herrschafft leben.


Fußnoten

1 Zu diesem Gedicht hat ein Echo bey dem Schlosse von Gleichen anlaß gegeben.


Quelle:
Christian Friedrich Hunold: Menantes Academische Nebenstunden allerhand neuer Gedichte, Halle/ Leipzig 1713, S. 274-276.
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