Zweiter Auftritt.

[26] DER HERZOG VON DANZIG tritt auf.

Wo ist der Oberst,

Den Seine Hoheit Prinz Eugen mir sendet?

FLEURY.

Ich bin's, Ew. Durchlaucht.

HERZOG.

Guten Morgen, Oberst!

Ich meint' es gut mit Ihnen, wollte nicht,

Daß Sie den langen Weg bis Bozen machten,

Zur Grenze ging ich Ihnen drum entgegen.

Zugleich erfahren Sie von einer Wette,

Die ich mit Frau Fortuna jüngst gewagt.

Ich schwor, daß ich noch scherzen wollte, wenn

Sie mir den schlimmsten Weiberstreich gespielt.

Entscheiden Sie, ob ich gewonnen habe.

Allein genug hiervon! Zu Ihrer Botschaft:

Was ist's, das Seine Hoheit mir befehlen?

FLEURY.

Der Sohn des Kaisers meint mit seinem Stabe,

Sie sollten, mein Herzog, wenn sich nirgends

Ein Widerstand ereigne, jene Richtung,

Die erst beschloss'ne, durch das Land verfolgen,

Wenn aber sich es zeige, daß der Herd

Des Aufruhrs hier noch glüh', den Fuß nicht tiefer

Vom Grenzgebiete in die Grafschaft setzen.

HERZOG.

Und weshalb lautet so des Prinzen Meinung?

FLEURY.

Weil Seine Hoheit nah den Frieden glaubt.

Es sei nicht angemessen, sagt der Prinz, um das,

Was binnen kurzem in dem Rat der Herrscher

Uns ohne Zweifel zugestanden wird,

In ein verwickeltes Gefecht zu gehn.

Auch dämpfe man den Aufruhr am geschwindsten,

Wenn man das kleine arme Land umstelle,

Das ohne Zufuhr von der Nachbarschaft

Nicht leben kann. Es werde ferner,[26]

Und nicht die letzte Rücksicht sei das, Elend

Und unnütz Blutvergießen so gespart.

Dies war'n die Gründe, die im Hauptquartier

Ich über diesen Gegenstand vernommen.

HERZOG.

Kürzlich: ist es der wörtliche Befehl

Des Oberfeldherrn, daß ich mit dem Korps

Hier stehen bleibe, wenn, um vorzurücken,

Es ein'ger Schüsse braucht?

FLEURY.

Die Auslegung

Der Ordre ist Ew. Durchlaucht überlassen.

»Der Marschallstab macht mündig,« sagt der Kaiser.

HERZOG.

Und jeder handelt nur in seinem Sinn.

Wie früh ist's, meine Herrn?

LA COSTE. Drei Uhr passiert.

HERZOG.

In einer Stunde also ist es Tag.


Zu La Coste.


Lassen Sie Reveille blasen!

LA COSTE.

Gnäd'ger Herr,

Die Truppen sind aufs äußerste erschöpft,

Und unsre Sachen stehn fürwahr nicht gut.

HERZOG.

Es ist der letzte Tag, der uns vereinigt!

Herr Oberst Fleury, ich ersuch' Seine Hoheit

Um einen minder weisen Offizier.

Sie soll'n erfahren, was mich schlagen heißt.

Ich bin der Meinung, daß des Kaisers Reich

Nicht bloß auf Pulver und auf Blei sich gründe,

Vielmehr hauptsächlich auf der goldnen Ehre!

Der heilge Schatz, dies Vließ der tapfern Herzen,

Bedünkt mich aber hier wie in Gefahr.

Ha! soll'n wir uns von Bauern scheuchen lassen?

Mit Abscheu denk' ich's. Drum, weil Ehre will,

Und nicht aus Eigensinn lief'r ich die Schlacht.

Es kann mich Unglück treffen; aber nie

Werd' ich was tun, was unsern Ruhm beleidigt!

Indessen, hoff' ich, geht hier alles günstig;

Ich hab noch dreiundzwanzigtausend Krieger,[27]

Von deren Wangen Blässe weichen wird.

Wenn sie die Stimme der Kanonen hören!


Er geht, die Offiziere folgen.


Quelle:
Karl Immermann: Andreas Hofer der Sandwirt von Passeier. Bielefeld und Leipzig 1912, S. 26-28.
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