Sechstes Kapitel

[249] Hermann wurde von der Fürstin mit unverstellter Freude empfangen. Er mußte berichten, wie es ihm ergangen sei, und beeilte sich, sein neues Verhältnis ihr zu entdecken. Sie fragte ihn, ob er schon die Einwilligung des Oheims habe? Er versetzte, daß er, diese einzuholen, den Umweg über die Fabriken gemacht, dort jedoch vergebens einige Wochen auf den Oheim gewartet habe, welcher nach England verreist gewesen sei. Endlich habe ein Brief von diesem den Seinigen gemeldet, daß er den Rückweg über die Standesherrschaft nehmen wolle, weil er mit dem Herzoge über die streitige Angelegenheit selbst zu sprechen wünsche.

»Darf ich«, sagte er, »wie unbescheidne Bitter zu tun pflegen, aus gewährter Gunst auf vermehrte hoffen, so bleibe ich unter dem Schirme Ihrer Huld, bis der Oheim hier eintrifft.«

Sie sprach über verschiedne Dinge mit ihm, erzählte ihm von dem bevorstehenden Feste, und es fiel ihm auf, daß sie seiner Verlobung weiter mit keinem Worte gedachte.

Der Herzog, welcher dazukam, begrüßte ihn ebenfalls in seiner herablassenden Weise und sagte dann, indem er ihn näher betrachtete: »Was ist mit Ihnen vorgegangen? Sie haben einen Zug im Gesicht, den ich sonst nicht an Ihnen wahrgenommen habe, und den ich nur den Bräutigamszug nenne.«

»Damit könnte es seine Richtigkeit haben«, versetzte Hermann.

»Wirklich!« rief der Herzog. »Siehst du, Ulrike, daß ich mich in diesem Punkte nie irre. Der Bräutigamszug besteht in einem gedankenvollen Senken der Mundwinkel, auch pflegt damit ein eigner Ausdruck der Lippen und Augen verbunden zu sein.«

»Er ist in der Tat verlobt«, sagte die Herzogin.

»Dann mag er sich nur Gewichte an Hände und Füße hängen, denn er sieht noch nicht danach aus, als ob er willens sei, Stich zu halten«; fuhr ihr Gemahl in seinen Scherzen fort, die Hermann mit Verwundrung hörte, da er dergleichen von dem Herzoge nicht gewohnt war.

Die Herzogin empfing in diesem Augenblicke die Nachricht von der unvermuteten Abreise des Domherrn. Sie erschrak,[249] dann aber warf sie einen zuversichtlichen Blick auf unsern Freund, und ihr Gemahl sagte, da sie sich hierauf mit etwas andrem beschäftigte, ihm leise ins Ohr: »Sie erscheinen, wie der Spiritus familiaris, immer zur rechten Zeit; wenn die Not am höchsten, sind Sie am nächsten. Meine Frau würde es ohne Sie nicht zustande gebracht haben, helfen Sie ihr recht treulich, Sie erwerben sich wirklich dadurch ein Verdienst um unsern Stand.«

Kaum hatte er sich gefällig entfernt, als Hermann bereits mit einer Menge von Aufträgen für die Anordnung der Festlichkeiten versehen ward. Er mußte, als er sich darangab, dieselben auszurichten, mancher Reden Wilhelmis gedenken, und sagte zu sich selbst: »Sollte es denn wahr sein, daß das Erbübel der privilegierten Stände, der Egoismus, immer noch, wenngleich von angenehmen Formen bedeckt, in alter Stärke fortwuchert? Um mein persönliches Geschick hat man sich kaum bekümmert, ja, der Herzog fragte nicht einmal nach dem Namen der Braut.«

Waren diese Betrachtungen geeignet, in ihm eine verdrießliche Stimmung hervorzurufen, so mußte ihm dagegen die fröhliche Bewegung, welche unter den Arbeitern entstand, als er ihnen ankündigte, daß er nunmehr die Leitung des Ganzen übernehme, wohltun. Die Menschen leisten gern das Mögliche, wenn ihnen gehörig befohlen wird. Sein sichres anstelliges Wesen war den Leuten im Schlosse von sonst her bekannt, sie rühmten den fremden Werkmeistern diese Eigenschaften, und gleich war ein erhöhter Eifer überall sichtbar.

Hermann ließ sich die Apparate vorweisen, und besuchte den Turnierplatz. Er fand bald, daß, obgleich vieles getan war, doch noch mehreres nachzuholen übrig blieb. Denn der Domherr hatte in seiner hastigen Manier oft das Nötigste vergessen. So waren unter andrem keine Treppen angebracht worden, auf welchen die Zuschauer zu den Tribünen emporsteigen konnten. Hermann mußte sich daher entschließen, einen Teil des Bretterwerks wieder abbrechen zu lassen, um die nötigen Zugänge zu öffnen.

Unter den Hausbeamten, welche bei diesen Zurüstungen mitwirkten, bemerkte er einen Mann von unangenehmen[250] Manieren, dessen Wesen etwas Aufdringliches hatte. Man nannte ihn nur den Amtmann vom Falkenstein. Hermann erfuhr, daß er Kammerdiener bei dem Großvater des jetzt regierenden Herrn gewesen sei, daß er bei jenem und bei dem Vater des Herzogs in Ansehn und Einfluß gestanden habe. Die jetzige Herrschaft, hieß es, dulde ihn, obgleich er ihr nicht genehm sei, weil er für den Mitwisser verfänglicher Geheimnisse gehalten werde, die jedoch der Herzog ihrem eigentlichen Inhalte nach selbst nicht kennen solle. Dieser Mensch, welcher über alles seine spöttischen Bemerkungen machte, faßte Hermann scharf ins Auge, und begegnete ihm darauf mit einer übertriebenen Höflichkeit. Er nannte ihn nur den gnädigen Herrn, und sagte zu den Leuten laut, so daß Hermann es hören mußte, sie möchten ja alles pünktlich tun, was der gnädige Herr befehle.

Bei Tafel sah er sich vergebens nach Wilhelmi um. Er fragte seinen Nachbar nach diesem alten Freunde. Der Mann blickte verlegen vor sich hin, und gab ihm ein Zeichen, daß er es zu vermeiden wünsche, über jenen hier Auskunft zu erteilen. Mit dem Arzte hatte er über Flämmchen reden wollen, dieser vermied ihn sichtlich, und setzte sich ein paar Plätze weit von ihm weg. Das Gespräch berührte nur die gleichgültigsten Dinge; alle schienen mit ihren Gedanken abwesend zu sein.

Die außerordentlich heitre Laune des Herzogs fiel ihm immer mehr auf. Der sonst ziemlich trockne Herr erschöpfte sich in muntern Einfällen, die nur zuweilen einem eignen schwärmerischen Ernste Raum gaben. Seine ganze Stimmung schien eine erhöhte zu sein. Auch ein gewisses Zeremoniell hatte sich an der Stelle der sonstigen Ungezwungenheit eingefunden. Früher waren die fürstlichen Personen, jede für sich, wie die Dame ihre Toilette, der Herr seine Geschäfte beendigt hatte, in den Speisesaal getreten. Heute war von zwei Bedienten, nachdem die Gesellschaft eine volle Viertelstunde versammelt gewesen, die Flügeltüre aufgetan worden, und der Herzog hatte seine Gemahlin feierlich-zierlich an den Fingerspitzen in den Saal geführt. In gleicher Weise nahm er mit ihr nach aufgehobner Tafel seinen Rückzug, ohne weiter mit den Tischgenossen zu verkehren.[251]

Indessen hatte unser Freund nicht lange Zeit, über diese Verändrungen nachzudenken. Schon waren die jungen Edelleute wieder angekommen, welche, wie neulich die Rüstungen, so nun Lanze und Schwert probieren wollten. Hermann wurde beordert, die Recken zu empfangen, und der Übung als Waffenkönig vorzustehn. Wieder legte man im Ahnensaale unter schallendem Jubel die Panzer und Schienen an, die nun, glänzend, den Gliedern angepaßt, die vielen jugendlichen Gestalten kräftig hervorhoben.

Der klirrende, schimmernde Zug stieg eine verborgne Treppe hinunter, um durch eine Hintertüre in das Freie zu gelangen. Alle waren außer sich vor Freude und Hermann hatte genug zu tun, um die lauten Ausbrüche des Entzückens, welche ungelegne Zuschauer herbeiziehn konnten, zu mäßigen.

Draußen standen die Pferde der Ritter. Sie scheuten bei dem Anblicke ihrer verwandelten Gebieter, und prallten zurück. Die Reitknechte hatten einige Mühe, die brausenden Tiere zu begütigen, was indessen doch zuletzt den angewandten Schmeichelkünsten gelang. Man saß auf, und nach einigem Springen und Bocken schien die Gewandtheit der jungen Männer siegen zu sollen. Nur einer, ein ältlicher Herr, der es aber für seinen Vorteil ansah, sich so lange als möglich zur Jugend zu halten, konnte trotz aller Mühe nicht auf seinen Rappen gelangen, und mußte endlich von dem schweißtreibenden Werke abstehn. Er gab dem armen Tiere, welches in seiner Furcht vor dem stählernen Herrn wahrlich noch mehr ausstand, als er, einen ungerechten Schlag, ließ sich entwaffnen, und setzte sich in seinem grünen Nankingröckchen traurig unter eine Fichte. Seit der Zeit ward dieser Mann, welcher vorher das Fest eifrigst hatte betreiben helfen, ein Verächter desselben; die andern aber gaben ihm unter scherzhafter Anspielung auf den Helden des Scottschen Romans den Spitznamen: el Desdichado, oder der Enterbte. Auch wir sind genötigt, ihn künftighin, wo er uns noch vorkommen sollte, unter dieser Bezeichnung aufzuführen, da die Geschichte seinen wahren Namen nicht aufbewahrt hat.

Hermann ließ die Ritter nun zuvörderst einige Volten auf dem Turnierplätze machen, und dabei den Speer senkrecht im[252] Bügel führen. Dann mußten sie in gleicher Weise, zwei Glieder tief und zwölf Lanzen hoch – denn im ganzen hatten sich so viele Kämpferpaare gemeldet – rund um den Plan sprengen. Diese vorläufigen Übungen gelangen vortrefflich, und gaben die besten Hoffnungen. Daß einige etwas hart die hölzernen Schranken streiften, andre nicht die völlige stallmeisterliche Sicherheit in den Sätteln behaupteten, konnte hiebei nichts verschlagen, da solche kleine Unregelmäßigkeiten kaum irgendwo ausbleiben, wo Mensch und Roß sich zusammenfinden.

Man war daher kühn geworden, und wollte gleich mit dem Schwierigsten beginnen, mit dem allgemeinen Lanzenstechen, Zwölf gegen Zwölf. Hermann hielt es aber für ratsam, stufenweise zu verfahren, und bestand darauf, daß sich zuerst die Paare einzeln gegeneinander versuchen sollten. Er selbst begann, im knappen Collet auf einem leichtfüßigen Engländer sich wiegend, an der Sache Geschmack zu finden. Die Herzogin sah zwischen den Bäumen aus ihrer Droschke zu, und man will wissen, daß unser Freund mehr als nötig, sein Rößlein habe courbettieren lassen, obgleich er sich gewissenhaft bestrebte, nur an die ferne Cornelie zu denken.

Wie es bei solchen Gelegenheiten zu geschehen pflegt: die Schwächsten drängten sich zu den ersten Versuchen, während die tüchtigsten Reiter lächelnd warteten, um zuletzt das Hauptstück zu vollführen. Leider zeigte sich nur zu bald, wie gegründet Hermanns Vorsicht gewesen war, da auch sie das Geschick nicht abzuhalten vermochte, welches nun einmal in seinem Eigensinne jeden Versuch, dahingeschwundne Zeiten wiederzuerwecken, vereiteln zu wollen scheint.

Man kann nicht sagen, daß diese Adlichen das Unmögliche gewollt hätten. Die Aussicht, mit zerbrochenen Gliedern vor Oheimen und Tanten, Schwestern und Bräuten im Sande zu liegen, hatte für keinen der Kämpfer etwas Erfreuliches; es war daher durch eine stillschweigende Übereinkunft vorgesehen worden, daß so wenig Gefahr, als möglich, entstände. Man hatte die Schäfte der Lanzen dünn und von sprödem, zerbrechlichem Holze machen lassen. Es war mithin mehr Wahrscheinlichkeit vorhanden, daß diese schwachen Waffen auf der[253] beschützten Brust der Gegner zerbrechen, als daß die Kämpfer von der Gewaltsamkeit des Stoßes zu Boden stürzen würden.

Die ersten, welche gegeneinander ritten, waren zwei junge Vettern, namens Caspar und Max, denn alle diese Erben riefen sich gegenseitig fast nur bei ihren Vornamen. Sie sprengten hastig ein, und es wäre gewiß zu einem lebhaften Treffen gekommen, wenn nicht die Pferde, als man noch etwa sechs Schritte voneinander war, plötzlich stillgestanden hätten, so daß die Reiter, von dieser unvorhergesehnen Hemmung erschüttert, beinahe über die Hälse ihrer Tiere hinweggeflogen wären. Umsonst war alles Schenkelandrücken und Spornen; die Pferde sahen einander feurig und wütend mit schnaubenden Nüstern an, ließen sich geduldig auf die Punkte, von denen ausgelaufen wurde, zurückreiten, rannten lustig vor, standen aber dann auf den Stellen, über welchen ein Zauber zu brüten schien, wie angemauert still. Nachdem diese Vereitlungen sich drei- bis viermal wiederholt hatten, wurde einigen Reitknechten geheißen, die Hinterteile der Widerspenstigen mit Peitschenhieben zu bearbeiten, was offenbar nur für einen Ausbruch roher Leidenschaftlichkeit gelten konnte, denn man durfte doch unmöglich beabsichtigen, am Tage des Turniers die Kämpfer auf eine so lächerliche und unwürdige Weise von hinten flott zu machen. Auch halfen jene Hiebe nur insoweit, daß die Pferde ausschlugen, und beinahe einen der Züchtiger getroffen hätten; vorne wichen und wankten sie nicht. Hierauf stiegen Caspar und Max ab, schleuderten unter lauten, landüblichen Flüchen ihre Lanzen weg, und setzten sich zum Enterbten, der seinerseits bei dem Anblicke dieser Hemmung wieder etwas heitrer zu werden begann.

Demnächst ritten zwei andre Vettern, welche Konrad und Bernhard hießen. Deren Pferde blieben keineswegs stehen, schossen vielmehr, als ihre Herrn eben meinten, einander mit den Spitzen der Lanzen erreichen zu können, recht und links abspringend, vorbei, im wütenden Laufe über die niedrigen Schranken hinwegsetzend, grade auf die Tribünen zu. Da die Pfeilerbogen derselben nicht so hoch waren, daß ein ausgewachsner Mann zu Pferde darunter wegkommen konnte, so wären die Reiter verloren gewesen, wenn sie sich nicht rasch[254] bügellos gemacht und zur Erde gelassen hätten. Glücklicherweise lag auf jeder Seite ein großer Haufen Sand, welcher noch umher verbreitet werden sollte. Auf diese natürlichen Betten stürzten die Jünglinge, und diese Sandhaufen waren es, welche ihr Leben retteten. Denn obgleich dem einen das Blut aus Mund und Nase quoll, und der andre mehrere Minuten betäubt dalag, so zeigte sich doch, als man die Helme abnahm, und die Panzer aufschnallte, außer einigen Quetschungen und Schrunden kein Schaden. Sie standen auf, der Betäubte zuletzt, gingen zum Enterbten, dem die Schadenfreude immer heller aus dem Gesichte leuchtete, begehrten kein Lanzenrennen weiter, sondern nur den Feldscherer, der denn auch bald nachher mit Bindzeug und Seifenspiritus ankam.

Hermann sah die Herzogin die Hände ringen und suchte alles fernere Stechen und Tjosten zu hindern. Seine Zurufungen fruchteten aber nichts. Gleichsam als ob der Anblick der Gefahr etwas Verführerisches habe! Die folgenden sechs Paare stürzten sich nur noch heftiger in den Kampf. Bei ihnen nahmen Ungeschick und Zufall mannigfaltigere Gestalten an. Mehrere fielen ohne Umstände von den Pferden, einer stach, seine Lanze zu hoch führend, durch das Visiergitter des Gegners und bohrte diesem beinahe das Auge aus, etliche rannten so zusammen, daß, wie sie sich nachmals ausdruckten, ihre Rippen knackten. Auch die armen Tiere, welche nicht so geschickt, wie ihre Vorgänger, die Kämpfe des Mittelalters zu vermeiden wußten, litten, denn zwei Pferde wurden lahm und eins brach im Niedersitzen auf die Kruppe, einen Fuß. Kurz, es wurde offenbar, daß weder Rosse noch Reiter zu dem Ritterspiele paßten.

Es waren noch vier Paare übrig, und grade die gewandtesten; lauter Kavallerie-Offiziere. Obgleich diese mit bedenklichen Blicken das Schlachtfeld überschauten, so machten sie sich doch auch fertig, Wunden und Beulen zu gewinnen. Da hörte Hermann mehrere Male seinen Namen überlaut rufen, wandte sich um, und sah die Herzogin leichenblaß neben der Droschke stehn. Sie winkte ihn ängstlich herbei, und er verfehlte nicht, dem Zeichen eiligst zu folgen, nachdem er den noch unversehrten Kämpfern geboten hatte, wenigstens bis zu seiner Rückkunft ihren Eifer zu mäßigen.[255]

Ein Strom von Tränen floß aus ihren Augen; die armen feinen Lippen zitterten, sie war außer sich. Ohne der Menschen zu achten, welche sich in großer Anzahl versammelt hatten, der Waffenprobe zuzusehn, ergriff sie leidenschaftlich seine Hand, verwünschte das Turnier, den unseligen Domherrn, welcher es angegeben, den Arzt, der ihr nicht mit besserem Rate beigestanden, Wilhelmi, dem Grillen lieber wären, als die Angelegenheiten seiner Freunde; rief, daß wenn Hermann im Schlosse geblieben wäre, er es ihr ausgeredet haben würde. Augenblicklich sollten Schranken und Gerüste abgebrochen werden, denn sie wolle nicht eine zweite Angst, wie die heutige, erleben. Hermann gab ihr die heiligsten Versichrungen, daß niemand an Leib und Leben geschädigt sei, daß es doch noch zu einem schönen gefahrlosen Feste kommen solle, und daß er schon einen Gedanken darüber habe, den er ihr sofort mitteilen werde. Er hob sie sanft in den Wagen, und hieß den Kutscher auf der Stelle nach dem Schlosse fahren. Sie ruhte willenlos auf dem Sitze, ließ geschehen, was er anordnete, und bat ihn nur beim Wegfahren mit leiser Stimme, ja gleich nachzukommen.

Er eilte zu den Edelleuten zurück und verkündete ihnen den Willen der Fürstin. Die noch nicht gekämpft hatten, waren im stillen zufrieden, daß es nicht dazu kommen sollte.

Aber alle riefen: »Was wird nun aus unsren schönen Mänteln und Trikots, worin wir tanzen wollten?«

»Sie werden alle in Ihren Mänteln tanzen, es gibt doch ein Fest!« versetzte Hermann zuversichtlich.

»So?« fragte der Enterbte höhnisch. »Wollen Sie etwa eine Freiredoute geben?«

Man warf die Rüstungen ab. Zwei Birutschen wurden vom Schlosse herbeigeschafft, in welche man die Wunden und Gequetschten lud. Langsam ritten die unversehrt Gebliebenen beiher. Die Reitknechte folgten mit den hinkenden Pferden an der Hand. Das, welches den Fuß gebrochen hatte, und jämmerlich stöhnte, blieb zurück.

So sehr verunglückte eine Nachahmung des Turniers bei Ashby de la Zouche im neunzehnten Jahrhundert.[256]

Quelle:
Karl Immermann: Werke. Herausgegeben von Benno von Wiese, Band 2, Frankfurt a.M., Wiesbaden 1971–1977, S. 249-257.
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