Gott und der Teufel.

[151] Als der liebe Gott alle Thiere erschaffen hatte, da wollte der Maulaffe, der Teufel, dem lieben Herrgott es nachmachen, und da machte er Geisen oder Ziegen mit feinen hübschen langen Schwänzen. Als nun die Geisen auf die Trift gingen, blieben sie immer mit den Schwänzen in den Dornsträuchern hängen, und der Teufel mußte hin, und mußte sie mit den Schwänzen los machen, und weil das zu oft kam, wurde er ganz toll, und biß den Ziegen die Schwänze so weit ab, daß nur noch ein kleines, kleines Stümpfchen überblieb. Da konnten sie nun für sich selbst auf die Trift gehen, und der Teufel braucht ihnen nicht weiter zu helfen.

Aber Gott der Herr sah zu, wie die bösen Thiere seine Bäume abschälten, und seine Weinstöcke verdarben, und sich die besten Kräuter auf Berg und im Thal heraus naschten. Das konnte er nicht leiden, denn es jammerten ihn die armen Bäume und Stöcke und hübschen Pflänzchen, und er ließ seine Jagdthierchen, die Wölfe und großen Hunde los, und die zerrissen die Geisen, und fraßen sie auf.

Da wurde der Böse recht bös, und trat vor dem Herrn und sagte: »Du hast mir mein Vieh zu Schanden gemacht, Herr, was soll das heißen?« – »Was hast du solche Thiere gemacht, sprach der Herr, die überall in meinem großen Garten mir Schaden thun?«[152]

»Ja, sagte der Böse, wie kann ich sie denn anders machen als ich selbst bin? Du weißt ja wohl, daß ich nichts anders kann, als überall Schaden anrichten. Du mußt mir meine Geisen bezahlen.«

»Na! du sollst es denn auch haben,« sagte der liebe Gott, und das Geld ist auch schon abgezählt, aber ich gebe dirs nicht eher, als bis das Eichenlaub von den Bäumen herab ist. – Das war der Teufel zufrieden.

Als nun das Laub herabgefallen war, da kam der Teufel, und foderte sein Geld. Da sprach der Herr, und schüttelte mit dem Kopf: »nein – da ist nicht weit von Konstantinopel noch eine Eiche, die hat noch all ihr Laub.«

Da wollte der Teufel den Baum suchen, und ihm das Laub abstreifeln, er konnte aber den Baum nicht finden, und sucht, und sucht, und läuft wohl da und dort hin, in den Sandwüsten herum, und überall herum, und findet endlich den Baum, aber erst lange Zeit nachher, und streifelt ihm alles Laub ab.

Da fährt er wie ein Sturmwind wieder nach Hause, und will nun das Geldchen haben. Er hats aber nicht bekommen, denn mit dem Suchen und Herumlaufen hatte er 6 Monate zugebracht, und die Eichenbäume hatten alle ihr Laub aufs Neue gebracht, und war der Teufel recht angeführt, und mußte seine Schuld fahren lassen.

Aber da wurde er recht grimmig und wild, und hat den Ziegen die Augen ausgerissen, und seine dafür eingesetzt. Da haben denn die Geisen noch heut zu Tage einen Stutzschwanz und glühige Teufelsaugen, und der Teufel selbst kommt wie ein schwarzer Zoddelbock, mit glühenden Augen, wenn er die Leute betrügen will, und mit Hörnern auf dem Kopfe, womit er als ein Ziegenbock stößt! –

Quelle:
Johann Andreas Christian Löhr: Das Buch der Maehrchen für Kindheit und Jugend, nebst etzlichen Schnaken und Schnurren, anmuthig und lehrhaftig [1–]2. Band 1, Leipzig [ca. 1819/20], S. 151-153.
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