Blut um Blut

[296] Es sang und sang ein Vögelein,

Sang von dem Herzgeliebten mein;

Ich mußte weinen, als es sang,

Dieweil es also traurig klang,

So rot wie Blut, so rot wie Blut,

So rot als wie das Blut.


[297] Und als ich in den Wald hinein kam,

Drei Glockenschläge ich vernahm;

Da weinte ich zum andern Mal

Viel bitt're Tränen ohne Zahl,

So rot wie Blut, so rot wie Blut,

So rot als wie das Blut.


Und als ich kam in den kühlen Grund,

Mein Liebster lag auf den Tod verwundt;

Da weinte ich wohl ohne End

Und rang meine schwanenweißen Händ,

So rot wie Blut, so rot wie Blut,

So rot als wie das Blut.


Das Tüchlein das ist schlehenweiß,

Es trank deinen bitt'ren Todesschweiß,

Ich schwenk es nach des Mörders Haus

Und lösche ihm sein Leben aus,

So rot wie Blut, so rot wie Blut,

So rot als wie das Blut.


Das Tüchlein schwenk ich in der Hand,

Davon wird ihm das Herz verbrannt;

Das Tüchlein wehet auf und ab,

Ich grabe ihm das Totengrab,

So rot wie Blut, so rot wie Blut,

So rot als wie das Blut.


Und wo mein Schatz begraben liegt,

Eine weiße Taube zum Himmel fliegt;

Und wo der Mörder fand sein Grab,

Da fliegt ein Rabe auf und ab,

So rot wie Blut, so rot wie Blut,

So rot als wie das Blut.

Quelle:
Hermann Löns: Sämtliche Werke, Band 1, Leipzig 1924, S. 296-297.
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