Ein Lied zum Weine

[225] Es schlägt ein fremder Fink im Land,

Radibimmel, radibammel, radibumm,

Die Luft die riecht wie angebrannt,

Der Tilly, der zieht um;

Es klingt so fein, radibimmbummbamm

In majorem dei gloriam

Die Pfeife und die Trumm.


Die Rose blüht, der Dorn der sticht,

Das steht in jedem Krug,

Wer gleich bezahlt, vergißt es nicht,

Des Zögerns ist genug;

Die Lutherschen die müssen dran

Mit Haus und Hof, mit Maus und Mann,

Denselben gilt der Zug.


Der Wind der weht, der Hahn der kräht,

Die rote Flamme loht,

Der Tod uns treu zur Seite steht,

Und auch die schwere Not;

Ein falsches Wort geht um im Land,

So mancher, welcher zu ihm stand,

Den fraß der bitt're Tod.


Der Tilly ist von Leibe klein,

Sein Schwert ist meilenlang,

Und wenn es blitzt, dann schlägt es ein,

Dann setzt es Brand und Stank;

Hinunter muß die Lügenbrut,

Was einer gegen diese tut,

Der Herrgott weiß ihm Dank.
[225]

Das Liedlein ist zu End' gebracht,

Und der's gesungen hat,

Der hat der Beute viel gemacht

Und trank an Wein sich satt;

Er nennt sich Tönnes Tielemann

Und steckte dreißig Dörfer an,

Des wurde er nicht matt.

Quelle:
Hermann Löns: Sämtliche Werke, Band 1, Leipzig 1924, S. 225-226.
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