Charade

[461] Die ersten Silben nennen dir den Fluß,

Nach dessen schönem Strande

Aus fernem, fernem Lande

Ertönen wird mein sehnsuchtsvoller Gruß.


Die dritte bildet dir dein Haus im Leben,

Und wird, bist du geschieden

Zum ewigstillen Frieden,

Auf deinem Hügel ehrend sich erheben.


Der Hauch der letzten ist dem Herzen eigen,

Wenn ihm das Wort gebricht,

Doch tief die Liebe spricht

In ihrer Sehnsucht selig bangem Schweigen.


Das Ganze zeigt ehrwürdiges Gemäuer

Vier alternder Ruinen

Mit schwesterlichen Mienen,

Die meiner Seele als Erinnrung teuer.

Quelle:
Nikolaus Lenau: Sämtliche Werke und Briefe. Band 1, Leipzig und Frankfurt a.M. 1970, S. 461.
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