XXV. Der Sonnabend auf dem Dorfe.

[106] (1831.)


Die junge Dirne kehrt, sobald die Sonne

Sich neigt, vom Feld nach Haus,

Ihr Bündel Gras zu Häupten, in der Hand

Von Rosen und Violen einen Strauß,

Und freut sich schon, daraus

Morgen am Sonntag wieder

Den Schmuck für Haar und Mieder zu gewinnen.

Mit ihren Nachbarinnen

Sitzt vor der Thür das Mütterchen und spinnt

Und schaut gen Abend, wo der Tag verglüht,

Und plaudert von den eignen jungen Tagen,

Wo sie am Feiertag sich auch geputzt hat

Und schlank noch und geschwind

Am Abend dann zu tanzen pflag mit Denen,

Die ihrer schönsten Zeit Gefährten waren.

Schon aus der Höhe sinkt

Tiefblaue Dämmrung, und die Schatten fallen

Von Dächern und von Hügeln,

Da silbern jetzt der neue Mond erblinkt.

Und nun beginnt die Glocke

Den Festtag einzuläuten,

Und bei dem Klange zieht es

Wie Trost in alle Seelen.

Die Knaben, die in Haufen

Dort auf dem Platze jauchzen

Und hier- und dorthin laufen,

Wie lachen sie und lärmen!

Indessen kehrt zu seinem dürft'gen Tisch

Der Pflüger pfeifend heim

Und denkt bei sich an seinen Ruhetag.
[107]

Dann, wenn erloschen jedes Licht ringsum

Und alles Andre stumm,

Hörst du den Hammer klopfen, hörst die Säge

Des Zimmermanns, der wacht

In der verschlossnen Werkstatt und beim Lämpchen

Sich sputet, daß die Arbeit

Noch fertig werde, eh' der Tag sich röthet.


Dies ist der liebste von den sieben Tagen,

Voll Hoffnung, voller Wonne.

Es bringt die neue Sonne

Trübsinn und Langweil; Jeder denkt im Stillen,

Daß wieder sich erneu'n die alten Plagen.


Du muntrer Knabe, dies

Dein Blütenalter gleicht

Solch einem heitren Tag, so klar und froh,

Und wenn er dann entfloh,

Hast deines Lebens Sonntag du erreicht.


Genieß ihn, Kind; gar süß ist diese Zeit,

Und Jeder lebt sie gerne.

Mehr will ich dir nicht sagen. Doch daß ferne

Dir noch dein Sonntag, sei es dir nicht leid!

Quelle:
Leopardi, Giacomo: Gedichte und Prosaschriften. Berlin 1889, S. 106-108.
Lizenz:
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