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[106] (1831.)
Die junge Dirne kehrt, sobald die Sonne
Sich neigt, vom Feld nach Haus,
Ihr Bündel Gras zu Häupten, in der Hand
Von Rosen und Violen einen Strauß,
Und freut sich schon, daraus
Morgen am Sonntag wieder
Den Schmuck für Haar und Mieder zu gewinnen.
Mit ihren Nachbarinnen
Sitzt vor der Thür das Mütterchen und spinnt
Und schaut gen Abend, wo der Tag verglüht,
Und plaudert von den eignen jungen Tagen,
Wo sie am Feiertag sich auch geputzt hat
Und schlank noch und geschwind
Am Abend dann zu tanzen pflag mit Denen,
Die ihrer schönsten Zeit Gefährten waren.
Schon aus der Höhe sinkt
Tiefblaue Dämmrung, und die Schatten fallen
Von Dächern und von Hügeln,
Da silbern jetzt der neue Mond erblinkt.
Und nun beginnt die Glocke
Den Festtag einzuläuten,
Und bei dem Klange zieht es
Wie Trost in alle Seelen.
Die Knaben, die in Haufen
Dort auf dem Platze jauchzen
Und hier- und dorthin laufen,
Wie lachen sie und lärmen!
Indessen kehrt zu seinem dürft'gen Tisch
Der Pflüger pfeifend heim
Und denkt bei sich an seinen Ruhetag.
[107]
Dann, wenn erloschen jedes Licht ringsum
Und alles Andre stumm,
Hörst du den Hammer klopfen, hörst die Säge
Des Zimmermanns, der wacht
In der verschlossnen Werkstatt und beim Lämpchen
Sich sputet, daß die Arbeit
Noch fertig werde, eh' der Tag sich röthet.
Dies ist der liebste von den sieben Tagen,
Voll Hoffnung, voller Wonne.
Es bringt die neue Sonne
Trübsinn und Langweil; Jeder denkt im Stillen,
Daß wieder sich erneu'n die alten Plagen.
Du muntrer Knabe, dies
Dein Blütenalter gleicht
Solch einem heitren Tag, so klar und froh,
Und wenn er dann entfloh,
Hast deines Lebens Sonntag du erreicht.
Genieß ihn, Kind; gar süß ist diese Zeit,
Und Jeder lebt sie gerne.
Mehr will ich dir nicht sagen. Doch daß ferne
Dir noch dein Sonntag, sei es dir nicht leid!
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Im Jahre 1758 kämpft die Nonne Marguerite Delamarre in einem aufsehenerregenden Prozeß um die Aufhebung ihres Gelübdes. Diderot und sein Freund Friedrich Melchior Grimm sind von dem Vorgang fasziniert und fingieren einen Brief der vermeintlich geflohenen Nonne an ihren gemeinsamen Freund, den Marquis de Croismare, in dem sie ihn um Hilfe bittet. Aus dem makaberen Scherz entsteht 1760 Diderots Roman "La religieuse", den er zu Lebzeiten allerdings nicht veröffentlicht. Erst nach einer 1792 anonym erschienenen Übersetzung ins Deutsche erscheint 1796 der Text im französischen Original, zwölf Jahre nach Diderots Tod. Die zeitgenössische Rezeption war erwartungsgemäß turbulent. Noch in Meyers Konversations-Lexikon von 1906 wird der "Naturalismus" des Romans als "empörend" empfunden. Die Aufführung der weitgehend werkgetreuen Verfilmung von 1966 wurde zunächst verboten.
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