Eckernförde

[196] Nie, wenn noch so alt ich werde,

Nie vergess' ich jenen Tag,

Jenen Tag von Eckernförde,

Da der Dänenstolz erlag;

Am Gründonnerstag des Jahrs

Achtzehnhundertneunundvierzig war's.


Lustig war das Meer und lachte,

Und die Segel voller Hohn

Blähte Christian der Achte

Und die schöne Gefion.

Er ein Kriegschiff stolz und reich,

Sie der Morgenröte gleich.


Gefion fing an zu tanzen,

Aber das bekam ihr schlecht;

Die Musik von unsern Schanzen

Spielte ihr den Takt nicht recht.

Ach, mein Herre Christian!

Fing sie laut zu jammern an.
[196]

Ach, die deutschen Kugeln reißen

Mir vom Leib mein Prachtgewand!

Mag nicht länger dänisch heißen,

Eilig flücht' ich an den Strand;

Deutsche Männer, seid mir hold,

Kleidet mich in Schwarzrotgold!


Wie die Wimpel lustig flogen,

Als man ihr das Banner gab!

Doch es wurden glatt die Wogen,

Und die Farben blaßten ab;

Lang vor Dänenübermut

Hat des Rächers Schwert geruht.


Trittst du wieder aus der Wolke,

Deutscher Freiheit Morgenrot?

In dem einig großen Volke

Flammt ein mächtig Aufgebot;

Für das Recht mit Herz und Hand

Loht empor ein Flammenbrand.


Leuchte wie das Julfestfeuer

Durch die lange Nordlandsnacht!

Hör es, Bruderstamm, getreuer,

Unser Tag ist auferwacht,

Und gezückt ist schon das Schwert,

Das von euch die Knechtung wehrt.


Und zurück nicht in die Scheide

Soll es fallen, bis gerächt,

Bis gerettet sind die Eide,

Und gerettet ist das Recht;

Über Arglist und Verrat

Macht den großen Schwur zur Tat!

Quelle:
Hermann von Lingg: Ausgewählte Gedichte, Stuttgart u. Berlin 1905, S. 196-197.
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