Römischer Triumphgesang

[149] Jo Triumphe!

Heil dir, Cäsar,

Imperator,

Triumphator!

Zwölf schneeweiße

Rosse Neptuns

Führen dich hoch

Unter dem Schatten

Deiner Trophäen!

Einst, wie deinen Siegeswagen

Heut begrüßt das Capitol,

Grüßt der fernsten Sonne Tagen

Deinen Ruhm von Pol zu Pol.


O Triumph! o Triumph! Wir geleiten im Chor,

Im bacchantischen, dich zu dem Tempel empor,

Wo das Opfer dich sühnt, wo du Sklaven und Zelt

Mit barbarischem Schmuck, wo die Beute der Welt

An die Söhne des Volkes du austeilst!


Wir werfen den Kranz, und wir jauchzen dir zu,

Wir umjauchzen dich laut, der die Könige du,[149]

Die gefangenen, bringst; sie folgen dir schon,

An den Wagen geschirrt, Diademe zum Hohn

Um den Stolz der geknechteten Häupter.


Sie schreiten einher nach zertrümmerter Macht,

Noch vom blutigen Staub der verlorenen Schlacht

Die Gewänder bespritzt, die Sandalen bestäubt

Und die Locken zerrauft und von Schmerzen betäubt,

Wie Schatten zum stygischen Eingang.


Heil Cäsar und Herr! Wenn das Volk du erhörst,

O so gib in den Kampf, gib die Parther zuerst

In den Kampf mit dem Leu'n, denn es dürstet nach Blut

Die Arena schon lang in des Mittags Glut,

Und der Löwe gedenkt, von Erinnrung erfüllt,

Manch libyscher Jagd, er erhebt sich und brüllt

Sein blutdurstlechzendes Heimweh.


Jo Triumphe!

Heil Legionen!

Über den Erdkreis

Zogt ihr im Siegsschritt,

Lorbeern euch und Bürgerkronen!

Ihr bringt uns die Spolien

Wilder Britanner

Und von Ätolien

Fliegende Banner.

Unter eurer Adler Flügeln

Kommen auf den sieben Hügeln

Strömen gleich im Ozean

Aller Länder Götter an!

Quelle:
Hermann von Lingg: Ausgewählte Gedichte, Stuttgart u. Berlin 1905, S. 149-150.
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