34.

Weiber-Haut böse-Kraut

[334] So soll ich mich, Echo, dann noch nicht beweiben?


E.


Ey, laß es bleiben!

Dein Antwort hat mich von Hertzen verdrossen.


E.


Ey, welche Possen!

Ich muß mich, ich wil mich mit Weiber-Fleisch speisen.


E.


Es wird sich weisen.

Mir liebt eine hübsch, eine zart, ein junge,


E.


Von scharffer Zunge.

Auß deren Leffzen ich Honig-Thau sauge,


E.


Eiffere Lauge.

Mit derer ich Schätzchen und Hertzchen mich heisse,


E.


Kieffel und beisse.

Mit der ich mich halse, mit der ich mich paare.


E.


In deinem Haare.[334]

Ey, Echo, du wilst mich zum Jäcken nur machen!


E.


Trau diesen Sachen!

Ich bin ja ein Mann, daß ich künte mich wehren.


E.


Mit heissen Zehren.

Ich wolt ihr beym Schwapperment reiben die Schwarte.


E.


Weh deinem Barte!

Sie müste mir weichen, sie solte mir schweigen!


E.


Die Zähne zeigen.

Ich wolt sie mit Prügeln vom Halse gelosen.


E.


Weh deinen Hosen!

Das wäre mir Wunder, das möcht ich wol sehen!


E.


Wie wirstu flehen!

Ey, Echo, dein dräuen, das machet mich stutzen.


E.


Sie wird dich putzen.

Ie, soll es so kummen, so mag es nur bleiben.


E.


Wilstu nicht weiben?

Quelle:
Friedrich von Logau: Sämmtliche Sinngedichte, Tübingen 1872, S. 334-335.
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Die tapfere Wahrheit. Sinngedichte. Insel-Bücherei Nr. 614
Sinngedichte / Von Logau, Friedrich (German Edition)

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