Die erste Abhandlung.

[23] Der Schau-Platz bildet ab des Antonius geheimes Zimmer.

M. Antonius. Cæsarion. Antyllus. Canidius. Archibius. Lælius. C. Junius. Q. Asidius. Cælius. Unterschiedene Hauptleute des Antonius.


ANTONIUS.

Kehrt Rom den heilgen Nil nun in ein rothes Meer?

Fleußt nichts als Bürger-Blutt statt fruchtbarn Wassers her /

Wormit die Tiber wird ersäufft / der Phrat beflecket?

Die Gräntz ist der Natur / der See ihr Ziel gestecket /

Der Schatten mißt die Nacht / das Sonnen-Licht den Tag

Nichts aber den August. Kein Bindnüs / kein Vertrag

Ist seiner Wercke Maaß. Rom mag die Welt besiegen /

Er sieget über Rom. Für seinen Füssen liegen

Volck / Adel / Rath gebückt. Was Lepidus und ich

Besassen / hat er schon; und gleichwol müht er sich

Zu spannen in sein Joch das Land / das ihr betretet.

Der Nilus hat noch nie die Tiber angebetet /

Egypten auch nicht Rom. Er nehme's Drittel hin;

Wenn nur mein Heyrath-Gutt mir bleibet zum Gewinn.

Allein / wer wil den Wurm aus dem Gespinste bringen /[23]

Der in der Wolle steckt? wer wil den Tiger zwingen

Durch Gütte / der bereit in den zerfleischten Darm

Die Klauen eingesenckt? Hai heiß erhitzter Arm!

Der dem gefällten Wild auch Hol und Nest zerstöret!

Der / wenn der Stamm zermalmt / die Wurtzeln auch versehret /

Der / wenn der Löwe Raub und Nägel eingebüßt /

Der Löwin auch die Brust und ihre Jungen frißt!

Jedoch / wie wenn der Mast schon auf den Klippen springet /

Wenn schon das blaue Saltz sich in die Ritze dringet /

Wenn der erzörnte Nord den morschen Kahn zerschleift /

Der Boßmann für das Schiff ein schmales Brett ergreift /

Fürs Ruder braucht den Arm / zum Ancker Bein' und Füsse /

Die Hofnung zum Compaß; so muß die sauren Biße

Des scheiternden Gelücks / den Schifbruch seiner Macht

Auf diese Zeit Anton seyn auszustehn bedacht.

Das Glücke kitzelt' uns zwar etwas für drey Tagen /

Als Cæsars Reuterey beym Rennplatz ward geschlagen /1

Und über Hals und Kopf ins Läger muste fliehn;

Heut aber muß Anton den Kürtzern wieder ziehn /

Indem die Reuterey mich schändlich hat verlassen.

Da alle Menschen mich nun wie die Götter hassen /

So opfer ich mein Blutt vergnügt für aller Heil.

CANIDIUS.

Der Fürst besinne sich. Wir haben gar kein Theil

An der Verräther Schuld. Man muß den Feinden's Eisen /

Dem Tod und der Gefahr das Blau in Augen weisen /

Dem Ungelücke nicht den Rücken / nicht den Stich

Auf eigne Brüste kehrn. Meint Er: August wird sich

Vergnügen / wenn er fällt? uns Gutt und Blutt nicht nehmen;

Wenn sich im Pharos wird Anton zu Tode grämen?2

Wenn er in Einsamkeit die Hand legt in die Schoß /

Die Feinde machen läßt; ja ein verzweifelt Stoß

Das Leben ihm verkürtzt? Ach nein! des Keysers Netze

Fischt nach Cleopatren / und sucht Egyptens Schätze.

Ein giftig Hertze wird zu Asch in keiner Glutt /3

Was Ehrsuchts-Gift steckt an / kühlt keines Feindes Blutt.[24]

In Cæsars aber steckt Rach / und dis Gift beysammen /

Hiermit verschwistern sich noch seiner Geilheit Flammen.

Drumb wird sein Blutt nicht nur sein Rach-Altar weihn ein.

Kein schönes Weib in Rom bleibt keusch für ihm4 und rein;

Solt ihm Cleopatra denn nicht ins Auge leuchten?

Er weiß auch: daß der Nil durch jährliches Befeuchten

Mit reicher Fruchtbarkeit die Jahrzahl übertrifft5

Der Tage / welche steckt in seines Nahmens Schrifft.

Dis Wasser ist das Oel / das seine Herrschsucht nähret /

Das Saltz / was Schwägerschafft und Freundschaffts-Pflicht verzehret.

Weil Africa trägt Gold / Korn / Balsam / Helffenbein /

Wil er der Mohren Haupt / Egyptens Zinßherr seyn /

Und uns allhier / wie Rom auf unsre Scheitel tretten.

Weil wir von ihm nun nichts zu hoffen / als nur Ketten /

Wolln wir / so lange sich in uns ein Glied wird rührn /

Für unsern Hercules behertzt den Degen führn

Und helffen: daß dis Reich nicht gehe gar verlohren;

Daß / weil die Römer ja zur Dienstbarkeit gebohren /

Weil Rom das Haupt der Welt die Freyheit hält für Bley /

Die Knechtschafft für Gewien / wo noch ein Hafen sey

Der Freyheit und für uns.

ANTONIUS.

Darf ich hierauf mich gründen /

Wird keine Kleinmuth Raum in meinem Hertzen finden.

Ihr wißt: daß ich zweymal um viel unschuldig Blutt

Der Römer zu ersparn / und unser Zwytracht Glutt

Durch Zweykampf abzuthun den Keyser fordern lassen.6

Eh aber er wil falln / sol alle Welt erblassen /

Und hundert Völcker solln vergehn / eh er ein Haar

Einbüssen wil. Mich schreckt auch noch nicht die Gefahr;

Der ich sechshundertmal den Helden-Muth bewehret /7

Ob mir gleich Glück und Freund die Fersen hat gekehret.

Der Philadelph fiel hin /8 Domitius sprang ab /

Jamblichus spaan Betrug / als uns Agrippa gab

Den ersten schlechten Streich. Hierauf ward zum Verräther

Amyntas; Dellius zum ärgsten Ubelthäter /

Nachdem Tarcondimot bey dickem Nebel fiel

Agrippen in die Hand / und das verkehrte Spiel[25]

Des Krieges ihn ins Meer mit zwantzig Schiffen senckte.9

Als ich von Actium gleich auch die Deichsel lenckte /

Wo das Verhängnüs mir stets Zähn und Klauen wieß /

Und ich die Segel wehn von einer Flotte ließ /

Die Schiffen nicht so wol / als Städt- und Thürmen gleichte /10

Und der des Keysers Macht nicht einst den Schatten reichte /

Für der das wilde Meer erstaunt und stille stand /

Der Keyser bebete; so schüttete die Hand

Des grimmen Himmels doch Blitz / Hagel / Schlossen / Regen

Auf meine Masten aus mit vielen Donnerschlägen.

Die Flotte ward zerstreit / die Segel umgekehrt /

Die Seile gantz verwirrt / die Ruder nichts mehr werth /

Die Steuer theils zerschellt / die Ancker abgerissen.

Doch wißt ihr: daß wir Muth und Hand nicht sincken liessen /

So daß des Keysers Grimm fruchtloser Anfall war /

Bis daß die schwartze Höll unleschbarn Brand gebar /

Wormit der Feind die Schiff' in lichte Flammen steckte.

Weil dieses Feuer nun selbst Meer und Himmel schreckte /

Kan man Cleopatren nicht übel legen aus:

Daß sie den Weg uns wieß / die Flott aus Glutt und Grauß /

Die Menschen aus der Höll und Schwefel zu erretten.

Hiermit fiel Grichenland. Nun trägt der Nil schon Ketten /

Sein grosser Arm / den man nach dem Kanopus nennt /

Bis / wo bey Memphis sich sein gantzer Strom zertrennt /

Trägt schon der Römer Joch. Und Cæsars Schiffe stehen

In Sebenytens Strom / ins Meris beiden Seen;

Phamotis / Taposir / gantz Africa sind hin;11

So daß ich neben euch ringsher umkerkert bin.

Die Schiffe / die wir noch durch den gemachten Graben12

Bis nach Arsinoe ins Meer gewelzet haben /

Sind von den Arabern verräthrisch angesteckt /

Auch ist kein Nachbar nicht / den unser Unglück weckt.

Die Parthen sind erzürnt / die Araber beleidigt /

Und Mohrenland schätzt sich von Sonn und Sand vertheidigt.

Hier ist der Port besetzt / die Mauren sind zerschellt

Nur eure Brust ist noch / ihr Helden dieser Welt /[26]

Der Fels / an dem der Feind noch sol den Kopf zerstücken /

Die Mauer / derer Fall die Welle muß erdrücken /

Die sie zerschmettern wil.

CÆSARION.

Der Feind und unser Stand

Ist leider! wie Anton ihn abgemahlt / bekant.

Die Noth hat keinen Freund / noch was von ihm zu hoffen.

Auch steht zur Flucht von hier uns keine Bahn mehr offen.

Tauresius bewacht mit Schiffen Strand und Meer /

Zu Lande geht ein Wall rings umb die Festung her.

Kein güldner Schlüssel wird uns auch ein Thor aufsperren /

Denn ieder Römer ehrt als einen Gott und Herren

Den / der durch Mord und List hat Rom zur Magd gemacht;

Drumb muß man auf Vergleich mit Cæsarn sein bedacht;

Und eh man gar vergeht in bittern Apfel beissen.

CANIDIUS.

Du wirst durch diese Müh nur Mohren überweissen.

Wer ihn versöhnen wil / baut Pfeiler in die See /

Sucht bey der Natter Gunst / und Flammen in dem Schnee.

Man weiß des Keysers Arth / von wem er ist erzogen /

Der mit der Muttermilch die Ehrsucht hat gesogen.

Solt er dem Julius als Vater geben nach?

Der mit Pompejens Hals' auch Rom den Kopf zerbrach.

Wolln wir wie Lepidus das Leben von ihm bitten?13

So schleuß an Taurus dich / ich bey den rauen Britten

In einen wüsten Fels die freyen Sinnen ein;

Wo ja das Leben kan der Zagheit Beute seyn.

Der Todt sieht bitter aus / noch bitterer das Leben /

Das Schimpf und Ketten trägt.

ANTYLLUS.

Ich wil den Geist aufgeben

Mit Freuden / eh ich wil des frechen Keysers Knecht /

Der Römer Schauspiel sein. Der Zustand ist zwar schlecht.

In Alexandrien beruhet unser Hoffen /14

Doch hat der oft zu erst den rechten Zweck getroffen /

Der nichts zu hoffen hat. Ein abgemergelt Schiff /

Auf welches Wind und Meer die Donner-Keile schliff /

Erwehlet für das Heil der sändichten Gestade

Die offen-hohe See / und segelt mehr gerade

Zum Hafen / als das sich die Sandbanck stürtzen läst.[27]

Wer Mittel-wege sucht / fleucht in ein Wespen-Nest.

Gefahr ist für Gefahr der beste Rath und Pflaster.

Wie kan dis sicher seyn / was uns die Tugend Laster /

Ein Römer knechtisch heißt? Gesetzt / wir fallen hin;

Die Freyheit bleibt uns doch fürs Leben zum Gewien /

Ein nie verwelckend Lob fürs Ungemach zur Beute;

Ja die umb den Anton so hoch verdienten Leute

Die zwey Aquilier15 zur Richtschnur treuer Pflicht /

Zum Beyspiel unsers Thuns / von denen keiner nicht

Umbs Leben looßen wil. Der Sohn reckt seinen Nacken

Dem Beile lieber hin / und läßt den Kopf abhacken /

Eh er fürs Keysers Gnad ein Looß erkiesen wil;

Der Vater aber kürtzt ihm selbst sein Lebens-Ziel.

Zerfleischt uns denn der Feind nicht Hertzen / Haupt und Glieder?

Sind mehr als Ketten dar / die doch von uns ein jeder

Muß tragen / der sich giebt? wenn hat ein hoher Geist

Auch an den Feinden nicht die Tugend werth gepreist?

Der Keyser wird auf die / die sich noch hertzhafft rächen /

Da das Gelücke stürtzt / gelinder Urtheil sprechen /

Als die die Zagheit fällt. Man tödtet Gems' und Reh /

Wenn der besiegte Löw nicht fühlet Schmach und Weh.

Durch Kleinmuth ist Pompej ins Sklaven Mord-Hand kommen /

Die hat dem Lepidus die Freyheit weggenommen /

Ihn in Circæ gesperrt.16 Hingegen hat der Feind

Dem Sossius17 / der es so treu mit uns gemeint /

Der so behertzt sein Schwerdt hat wider ihn gezücket /

Als gleich das Unglück ihn in Cæsars Garn gerücket /

Nicht einst ein Haar gekrümmt. Denn Tugenden klebt an

Ein Ansehn: daß kein Feind sie nicht beschimpfen kan /

Der edle Regung fühlt.

CÆLIUS.

Ich rühme dein Beginnen;

Wo nicht durch lindern Wind der Port ist zu gewinnen.

Denn setzt der Artzt mit Fug Pfrim / Säg und Messer an /

Wenn Oel und Balsam nicht das Brandmal heilen kan.[28]

Man muß / wenn sonst nichts hilft / es auf die Spitze setzen;

Doch nicht / was zweifelhaft / bald für verlohren schätzen.

Kein Schiffer bohret selbst sein strandend Schiff in Grund.

Ein Gran Verwegenheit ist unter ein gantz Pfund

Der Klugheit schon genung. Vernunft ist das Gewichte

Der Stärck und der Gefahr; und Heil der Vorsicht Früchte;

Wenn Kühnheit Kopf und Hals durch eigne Schuld abstürtzt.

Zu dem sol niemand seyn durch unsern Ruhm verkürtzt /

Umb unser Eitelkeit das Reich nicht Schifbruch leiden;

Eh sol man für sein Heil ihm selbst den Kopf abschneiden.

Zwar / wenn Anton nebst uns durch Heer und Lager dringt /

Und des Canopus Sand mit unserm Blutte tingt /

Blühn aus dem Saamen uns die güldnen Ehren-Lilgen /

Die nicht die Zeit / nicht Rom / auch kein August wird tilgen /

Es bleibt uns insgesamt der Purper unsers Blutts

Zur Sieges-Fahne stehn. Was aber kriegt für Gutts

Dis arme Land hiervon?

ARCHIBIUS.

Die Julier zu Göttern /

Die Livie zur Frau. Ach GOtt! von was für Wettern /

Von was für Donnern wird Cleopatra verletzt /

Wenn man Egyptens Heil so auf die Spitze setzt!

Den Fürsten prüft Verstand / die Wunden den Soldaten.

Mit unserm Ruhme wird der Nachwelt nicht gerathen /

Die ewig dienen sol. Was thut ein Schiffer nicht

Wenn ihm das Meer den Kiel / der Sturm den Baum zerbricht?

Er läst die Segel falln / haut Thau' und Mast in Stücke /

Senckt Bley und Ancker ein. Man muß das Ungelücke

Besänften mit Gedult / das man nicht pochen kan.

JUNIUS.

Wo zielt der Einwurf hin?

ARCHIBIUS.

Man bitte Cæsarn an

Egyptens halben Schatz; und ausser diesem Reiche

Die Länder / die Anton empfing in dem Vergleiche /

Den Er und Lepidus mit Cæsarn giengen ein.

ANTONIUS.

Dis / und Egypten wird ihm noch zu wenig seyn.

Wir haben ihn dreymal durch Bothschafft schon verehret /18

Doch sonder alle Frucht. Er hat sie ja gehöret /[29]

Die Gaben nicht verschmäht; doch sonder Antwort sie

Zurücke lassen ziehn. Sol ich nun selbst sein Knie

Umbfassen als ein Knecht / und dem zu Fusse fallen /

Der / als ich Raths-Herr war /19 kaum wuste noch zu lallen /

Der noch das Kinder-Kleid / als ich den Purper trug /

Der noch mit Tocken spielt / als ich die Feinde schlug /

Des Pöfels Oberster / der Römer Hoher-Priester20

Und Bürgermeister ward; als mich ins Zeit-Register

Schon Mohr und Gallier / so Parth / als Griche schrieb;

Der in ein Bockshorn kroch / als ich den Brutus trieb

Und Caßius aus Rom; als ich den letzten Willen

Des Julius laaß ab / die Raserey zu stillen

Des Volckes / das sein Haus gantz auszurotten sann?

Dis leider! ist der Danck: daß ich ihn lieb gewan

Mehr als mein eigen Kind / beym Volck in Ansehn brachte /

Beym gantzen Rath ans Brett; mit ihm ein Bindnüs machte /

Ja Freund- und Schwägerschafft. Jedweder war mein Feind /

Ders mit dem Julius nicht hatte wol gemeint /

Und Cæsarn schäl sah an. Pharsalos muß mirs zeugen:21

Daß Julius geprangt mit meinen Lorber-Zweigen;

Mein linckes Horn zerstieß Pompejens gantze Macht;

Und Cæsars flüchtig Heer hab ich zu Stande bracht.

Nichts minder mag August ja wol von Glücke sagen /

Von Thaten aber ich. Als Caßius geschlagen

Von meinem Heere ward /22 da macht August sich kranck

Und Brutus schlug sein Horn. Ja mir gehört der Danck:

Daß Sextus nicht mehr lebt. Zwar Cæsarn selbst ergetzte

Dis so: daß er mein Bild in Eintrachts-Tempel setzte.23

Itzt macht er selbst aus sich der Zwytracht Ebenbild /

Aus mir ein Ziel der Rach. Ich war sein Schirm und Schild;

Itzt sucht er mich und mein Gedächtnüs zu zernichten.

JUNIUS.

Der Baum des Undancks prangt mit keinen bessern Früchten /

Als Schleen. Wolthat hat des Mahsafts Eigenschafft;

Ein Gran schläfft ein und stärckt / viel hat des Giftes Krafft /

Und lescht das Licht uns aus. Geringer Dienst macht Freunde;[30]

Ein grosser / den man nicht weiß zu vergelten / Feinde.

Ja der zur Herrschafft hilfft / muß abgeschlachtet seyn.

Was bilden wir uns denn von Cæsarn guttes ein?

Dem schon Mecenas hat gerathen von Agrippen;

Er müst ihn ihm erwehln zum Eydam / oder schippen.

ASIDIUS.

So hat bey ihm Anton mehr als den Hals verwürgt.

CÆLIUS.

Für etwas bessers hat Herodes sich verbürgt.24

JUNIUS.

Für was?

CÆLIUS.

Daß Cæsar sey geneigt sich zu vergleichen.

ANTONIUS.

Ja / wenn Cleopatren wir auf die Seiten streichen /

Egypten treten ab / das itzge Vaterland

Der Römer / die für mich bewegen Hertz und Hand;

Daß Niemand ja von Rom wo eine Zuflucht habe /

Und daß mit mir und euch die Freyheit geh zu Grabe.

ARCHIBIUS.

So wird der edle Nil mehr Blutt / als Wasser führn.

CÆLIUS.

Augustus ließ wol eh Genad und Sanftmuth spürn.

JUNIUS.

Wo?

CÆLIUS.

Zu Perusien?

JUNIUS.

Wen?

CÆLIUS.

Unsers Fürsten Bruder.25

JUNIUS.

Er brauchte diesen Schein zu seinem Ehren-Ruder.

CÆLIUS.

Warum denn stellt' er ihn so bald auf freyen Fuß?

JUNIUS.

Weil grosse Vogel man mit kleinen kirren muß.

CÆLIUS.

War Lucius Anton für so gar klein zu halten.

JUNIUS.

Das Römsche Reich gab ihm kein Drittel zu verwalten.

CÆLIUS.

Warum stürtzt er denn nicht den Lepidus durchs Schwerdt?

JUNIUS.

Sein mehr als knechtisch Geist war keiner Schwerdter werth.

CÆLIUS.

Er hat dem Decius den Vater-Mord vergessen.26

JUNIUS.

Es läst sich Fürst Anton nach keiner Richtschnur mässen.

CÆLIUS.

Hat ihm Anton mehr Leid als Brutus angethan?

JUNIUS.

Dis: daß Anton ihm mehr als Brutus schaden kan.

CÆLIUS.

Sol Rachgier mindern Grimm / als Staatssucht mit sich bringen?

JUNIUS.

Er ließ auch Brutus Kopf für Cæsars Bildnüs springen.27

CÆLIUS.

Uns fleckt kein Vater-Mord.

JUNIUS.

Noch der Peruser Schaar28

Die er geschlachtet hat aufs Julius Altar.

CÆLIUS.

Sie hatten gleichwol sich am Keyser hoch verbrochen.

JUNIUS.

Wie Gallius? dem er die Augen ausgestochen?29

CÆLIUS.

Warum bracht er sich selbst in mördlichen Verdacht?

JUNIUS.

Ein unbedachtsam Wort hat Afern umgebracht.30[31]

CÆLIUS.

Gieng Scaurus nicht frey aus /31 der ihn so sehr beleidigt?

JUNIUS.

Weil seine Mutter ihn die Mucia vertheidigt /

Die weiland liebes Kind bey seinem Vater war.

CÆLIUS.

Schont er des Sextus denn / den Mucia gebahr?

ANTONIUS.

Der Sextus fiel durch mich.

JUNIUS.

Weil Cæsar es verlangte /

Und über diesen Fall mit Ritter-Spielen prangte.

Kam Curions sein Kopf /32 ob schon sein Vater war

Des ersten Keysers Hertz / nicht auf sein Rach-Altar?

CANIDIUS.

Gesetzt: daß Cæsar nichts als Mord im Schilde führte;

Daß kein Gedächtnüs ihn der alten Freundschafft rührte;

Daß Cæsar sein Gelück und Herrschafft / Heil und Hauß

Zu bauen willens wär auf dein- und unsern Grauß;

So muß man gleichwol sich des Unglücks zu entlasten

Kein Mittel nicht verschmehn.

CÆLIUS.

Den Feind mehr anzutasten

Durch Ausfalln für die Stadt ist unser Arm zu schwach.

JUNIUS.

Was sol man anders thun?

CÆLIUS.

Man seh der Zeit was nach.

Die schön und grosse Stadt ist nicht bald zu gewinnen.33

Aus unsern Sternen wird auch nicht stets Unheil rinnen.

In einer kleinen Frist steckt oft ein groß Gewien.

Sie macht die Mispeln reif; die Feigen keck und kühn.

Die Uberwundenen oft gar zu Uberwindern.

Ein schlechter Zufall kan oft grösten Nothstand mindern.

JUNIUS.

Die Hofnung ist umsonst / der Feind liegt uns am Port.

CÆLIUS.

Als Schiff und Hofnung weg / schwam Julius noch fort.34

CANIDIUS.

Numantia verfiel durch Hofnung ins Verterben.

CÆLIUS.

Wer tödtet heute sich / der morgen erst sol sterben?

JUNIUS.

Die Zeit vermehrt das Weh / ein ferner Lauf den Strom.

CÆLIUS.

Das Capitol erhielt das schon verlohrne Rom.

JUNIUS.

Als vom Camillus ward des Feindes Heer geschlagen.

CÆLIUS.

Doch muste Manlius vor manchen Sturm vertragen.

ASIDIUS.

Wo käm Egyptenland itzt ein Camillus her?

CÆLIUS.

Camillus kam dort auch nichts minder ungefähr.

ASIDIUS.

Von Unglückseeligen schätzt ieder sich beleidigt.

CÆLIUS.

Ward von Verjagten doch Rom und Athen vertheidigt.[32]

ASIDIUS.

Weil sie ihr Vaterland noch hatten hertzlich lieb.

CÆLIUS.

In fremden Seelen macht das Elend gleichen Trieb.

Mitleiden regt so gar den Feind uns beyzustehen;

Weil er bey fremden Fall erst in sich pflegt zu gehen /

Die Schwäche seiner Macht nach eigner Ohnmacht mißt /

Der sich sonst selbst nicht kennt / ja Glück und Gott vergißt.

JUNIUS.

Der steht auf Eiß / der sich auf fremde Hülffe stützet.

CÆLIUS.

Nicht / wenn dem Helffenden die Hülffe selber nützet.

JUNIUS.

Wem ist etwas gedient mit unserm Stand und Heil?

CÆLIUS.

Der Parth und Araber hat an Egypten Theil.

JUNIUS.

So Parth / als Araber kennt schon der Römer Klauen.

CÆLIUS.

Rom ihr' auch; und man muß auch auf die Mohren schauen.

JUNIUS.

Ach leider! sol ein Mohr Egyptens Schutzherr sein?

CÆLIUS.

Trieb Hannibal der Mohr nicht Rom in Rom hinein?

JUNIUS.

Rom war zur selben Zeit noch nicht recht Rom zu nennen.

CÆLIUS.

Mehr! weil die Römer Rom durch Bürger-Krieg itzt trennen.

JUNIUS.

Nun aber fällt gantz Rom ja Cæsarn wieder bey.

CÆLIUS.

Nicht glaube: daß halb Rom Octavianisch sey.

JUNIUS.

Wenn nur die Häupter weg muß sich der Pöfel geben.

CÆLIUS.

Versichert: daß in Rom noch tausend Brutus leben.

JUNIUS.

Sie sind an Zungen lahm; wie solln sie Dolch' ausziehn?

CÆLIUS.

Wer vor mit Worten schreckt / ist selten keck und kühn.

JUNIUS.

Man hilft die Fallenden nicht retten / sondern dämpfen.

ARCHIBIUS.

So wird für unser Stadt noch Stern und Himmel kämpfen.

Denn wenn der Welt ihr Aug im Löwen nur wird stehn /35

Wird unsers Feindes Glück auch wol den Krebsgang gehn /

Und Alexandria nicht wenig seyn gebessert /

Weil der geschwellte Nil alsdenn die Felder wässert;36

Daß / wo itzt Saate wächst und fette Lämmer gehn /

Man sieht den kreischen Jäscht der toben Wellen stehn.

Dis zwingt den Keyser denn sein Läger aufzuheben /

Und wir bekommen Luft / bis uns die Götter geben

Ein Ende dieser Noth.

JUNIUS.

Wo man für diese Glutt

Nicht beßre Kühlung weiß / so ist der Rath nicht gutt.

Hat Alexander nicht das wüste Meer getämmet /37[33]

Thürm in die Flutt gelegt / der Wellen Zorn gehemmet?

Die See lied Schifbruch selbst / als sie das Heer verdrang /

Und dieser Blitz der Welt das stoltze Tyrus zwang.

Hat Cæsar nicht besiegt den Ocean der Britten /

Den tieffen Rhein bepfält / oft schwimmende gestritten /

Die Veneter gezähmt / die keines Pferdes Fuß

Kein Mast vorher betrat? des Ibers strengen Fluß

In fremdes Ufer bracht / dem Nilus Gräntzen funden;

Ja diese grosse Stadt selbst sieghafft überwunden?

Hat auch Agrippa nicht / der täglich seinen Witz

Auf unser Unheil schärfft / in Cumens Felsen Ritz'38

Und Hafen eingesenckt? was lassen wir uns träumen:

Augustus werde nicht des Nilus Austritt zäumen /

Des Lägers Tämm' erhöhn / die Graben sencken ein;

Zumal die Römer ja zu Wasser Meister seyn?

ARCHIBIUS.

Perdiccas ward durch nichts als durch den Nil39 gefället /

Als der erzürnte Strom die Wellen aufgeschwellet /

Ob ihm schon Attalus mit Schiffen dienstbar war.

JUNIUS.

Perdiccas und August sind kein vergleichlich Paar.

CÆLIUS.

Man gäbe dis auch nach: daß uns der Strom nicht rette;

Das Glücke / das itzt scheint / geht Morgen oft zu Bette.

Wir haben durch Geduld zum Vorteil so viel Zeit /

Die alle Wunden heilt. Wieviel das Purper-Kleid

Des Keysers Römisch Blutt der Bürger hat gesogen;

So viel hat er zu Rom auch Nattern auferzogen /

Die für dem Keyser zwar mit sanfter Zunge spieln;

Alleine durch sein Blutt wolln ihre Rache kühln.

Rom hat auf den Octav nicht minder Dolchen fertig /

Als auf den Julius. Man sey der Zeit gewärtig /

Ob sie uns stürtzen kan. Oft dreuen Wolcken viel /

Die leer von Keilen sind; Verhängnüs / Zeit und Nil

Kan alles kehren umb. Laßt übers Jahr uns sterben /

Wir können itzt nicht mehr als künftig Ruhm erwerben /[34]

Nur Morgen einen Hals wie heute büssen ein;

Weil Menschen nicht zweymal zu sterben fähig sein.

ARCHIBIUS.

Wenn Tacht und Oel entgeht den lodernd-hellen Flammen /

So zeucht der letzte Strahl die gantze Glutt zusammen;

Wenn sich der Sonne Rad senckt in die düstre See /

So sieht man: daß sie erst mit Blutte niedergeh;

Wenn Seele / Sinn und Geist aus Marck und Adern stertzen /

So fängt der Tod erst an zu kämpfen mit dem Hertzen;

So mag / wenn Stadt und Reich mehr keinen Athem hat /

Die Sonne dieses Reichs / das Hertze dieser Stadt

Der grosse Fürst Anton mit letzten Tugend-Strahlen

Der Freyheit einen Sarch / ihm sein Begräbnüs mahlen.

CANIDIUS.

Wolln wir uns in die Stadt wie Weiber schlüssen ein /

Wird unser Untergang stracks für der Thüre sein.

So Bürger als Soldat wird Hertz und Muth verlieren /

Die Trägheit viel in Furcht / die Furcht zum Meineyd führen /

Der schlaue Keyser uns durch Hunger reiben auf /

Verschütten Thor und Pfort.

ANTONIUS.

Man lasse nur den Lauf

Den Waffen und der Zeit. August ist unerbittlich /

Und also säet der ins Meer / der etwas güttlich

Bey ihm zu finden hofft. Wil er doch nicht gestehn:

Daß ich verbleiben mag ein Bürger zu Athen.40

So muß man in der Stadt auch nicht als Todte wohnen.

Ihr Helden werdet nicht des frechen Feindes schonen.

Beweißt: daß euch die Noth / wie Feuer Gold bewehrt.

Sinnt auf Erfindung auch / wie Heer und Volck erfährt:

Rom habe selber sich aufs Keysers Hals verschworen /

Phraates schick uns Volck / und Juba seine Mohren /

Es hab halb Africa den Harnisch angelegt /

Der stoltze Rhein den Schaum für unser Heil bewegt.

Stracks bringe Cælius die Kriegs-Flott in die Waffen /

Canidius das Heer. Wir wolln nicht länger schlaffen /

Nicht einsam mehr der Schlacht vom Pharos schauen zu:[35]

Nein / an die Spitz uns stelln /41 und uns durch Sieg in Ruh

Versetzen / oder doch nicht ungerochen sterben /

Und mir ein Ehren-Fahn aus meinen Blutte färben.

CANIDIUS.

Ich lobe diesen Schluß. Ich wil den Feind falln an /

Und fechten / weil ich nur noch Athem holen kan.

Ich aber und kein Mensch kan nicht geschehen lassen /

Wo wir's gemeine Heil nicht euserst wollen hassen:

Daß unser Haupt / Anton / sich selbst stürtz in Gefahr.

CÆLIUS.

Sols ja geschlagen seyn / sind unsre Armen dar.

ANTONIUS.

Ein Heer ist halb beseelt / das nicht der Fürst selbst führet.

JUNIUS.

Ein Heer vollkommen todt / wenn es sein Haupt verlieret.

ANTONIUS.

Ich wil / wo ihr vergeht / mit euch begraben seyn.

CANIDIUS.

Anton hat mehrmals Sieg durch uns geerndtet ein.

Was hat nicht Sossius in Syrien verrichtet?42

Hat nicht Ventidius der Parthen Macht vernichtet /

Durch deiner Waffen Glück / und meine treue Hand /

Zwangstu Albanien und der Iberer Land /

Drangst bis zum Cyrus fort / ins Caucasus Gefilde.

ANTYLLUS.

Ich wil zu Felde ziehn. Denn Söhne sollen Schilde

Bejahrter Väter seyn.

CÆSAR.

Und meine treue Brust

Der werthen Mutter Schirm.

ANTONIUS.

Wenn eines Reichs Verlust

Schon auf der Spitze steht / so muß ein Fürst selbst kämpfen.

ASIDIUS.

So wird die Furcht für ihn stets unsern Eyfer dämpfen.

ARCHIBIUS.

Cleopatra wird selbst verzweifelnde vergehn.

ANTONIUS.

Es ist der letzte Sturm / den ich hab auszustehn.

CANIDIUS.

Es lasse sich der Fürst durch unsre Thränen beugen.

ANTONIUS.

So machts: daß Zeit und Sieg von euren Thaten zeugen.


Antonius. Cleopatra. Cæsarion. Ein Hauptmann.


CLEOPATRA.

Mein Fürst! mein Haupt! mein Hertz!

ANTONIUS.

Mein Schatz! mein süsses Licht!

Wie! daß das Thränen-Saltz aus ihren Augen bricht?

Wie / daß sich Hertz und Brust mit holen Seufzern kühlen?

Wie / daß die Brüste so mit kurtzem Athem spielen?

Was wird durch diese Wolck uns für ein Blitz gebracht?[36]

CLEOPATRA.

Mein Trost / mein Auffenthalt / als nach durchküster Nacht

Die Sonn aus Thetis Bett / ich aus des Fürsten Armen

Die satten Glider hob / fiel ich / umb das Erbarmen

Der Götter über uns zu suchen / fürs Altar /

Wo man dem Apis reicht die heilgen Opffer dar.

Der / ob er gleich vom Blitz ward wunderlich gezeuget /43

Und weil er feurig scheint / zu Flammen ist geneiget /

Durch seinen Athem bließ den Brand des Weyrauchs aus;

Umb uns zu deuten an: daß unser Reich in Grauß

Und Asche solte falln; die neun und zwantzig Zeichen /44

Wormit dis heilge Thier dem Monden pflegt zu gleichen /

Verschwanden sichtbarlich. Was sonst an ihm ist weiß /

Schien schwartz; das Schwartze Schnee. Sein Leib trof voller Schweiß.45

Ich reicht andächtig ihm Egyptens beste Früchte;

Sein Maul verschmehte mich /46 sein Fuß trat sie zu nichte.

Mir brach der Angst-Schweis aus; aus seinen Augen fieln

Die milden Thränen ihm; bis er nach grausem Brülln

Sich selbst in Priester-Brunn so blind als rasend stürtzte.47

ANTONIUS.

Vielleicht / weil jener Arm nicht's Leben ihn verkürtzte

Nach des Gesetzes Heisch.

CLEOPATRA.

Es war noch nicht ein Jahr /

Daß er vom Ochsen erst zum Gotte worden war /

Und des Osiris Seel in seine Haut gefahren.48

ANTONIUS.

So laßt kein Opfer uns für andre Götter sparen;

Serapis werd hinfort verehret Tag und Nacht /

Den Ptolome hieher von Sinope gebracht;49

Und seines Stammes Fall Gottsfürchtig hat vermieden.

CÆSARION.

Ich bin noch trauriger von diesem weg geschieden.

Denn sein dreyköpficht Bild / das / wenn die Sonn aufgeht /

Sie auf die Lippen küßt /50 das von sich selbst aufsteht;

Und schwebend in der Luft sich nähert frommen Hertzen;

Wiech hinter sich für mir / und bließ die heilgen Kertzen /

Die ich von ewger Glutt des grossen Mycerin

Hatt angezündet /51 aus. Mit einem Wortt: es schien

Serapis mir zu sein ein Hund / ein Wolf / ein Leue /

Der Bieß / Zerfleischung / Tod und Untergang uns dreue.

ANTONIUS.

Es ist der Götter Arth / durch Blitz und Donner-Knall

Die Sichern zu bekehrn.

CLEOPATRA.

Ach leider! Knall und Fall[37]

Schwebt über Hals und Kopf jedwedem / dem's Verhängnüs

Mit solchen Zeichen dreut. Das schreckliche Bedrängnüs

Der Römer / unsre Noth / die der Verlust der Schlacht

Uns hat der Götter Zorn bey Actium gebracht /

Ward uns nichts minder kund durch solche Wunder-Zeichen /

Wir sahen hochbestürtzt Egyptens Götter weichen.52

Die Schwalben nisteten aufs Haupt-Schiff53 und Gezelt /

Und unser beider Bild ward zu Athen erschellt

Vom Blitze; Milch und Blutt sah man aus Wachse flüssen.

ANTONIUS.

Aus ieder Eitelkeit läßt sich leicht etwas schlüssen

Wenn schon der Ausschlag klar.

CÆSARION.

Wo alles stimmet ein /

Kan's Urtheil nicht gantz falsch / das Zeichen eitel sein.

Denn alle Götter sind bemüht uns zu vertilgen /

Osirens dreyfach Bild ließ seine güldne Lilgen

Von seinem Haupte falln.54 Der ewig helle Brand

Lasch in den Händen aus. Das Bild der Isis stand

Bestürtzt / wie da Osir vom Typhon ward zerrissen;55

So daß zur Unzeit auch die Hohen-Prister liessen

Das grosse Trauren aus. Es deckt' ein schwartzes Tuch

Den güldnen Ochsen zu. Man streute Schmach und Fluch

Auf Typhons Esels-Bild / und stürtzt' es von den Zinnen

Des Tempels in das Meer.

ANTONIUS.

Ach! wolte Gott! die Sinnen

Des Leibes tödteten nicht Muth und Rath in dir!

Denn Typhon ist das Fleisch / und die Vernunft Osir;56

Was Viehisch in uns ist / ermordet Seel und Leben!

Welch Isis aber kan uns beides wieder geben /

Wenn du / O Isis! Hertz und Hofnung büssest ein?

Und welch Anubis wird mehr mein Beschirmer sein;57

Wenn Alexandria für Kleinmuth wil verzagen?

CÆSAR.

Wer kan solch schrecklich Ding ihm aus den Sinnen schlagen?

Wer keinen Menschen scheut / der bebt doch / wenn GOtt schlägt /

Wann Luft und Himmel blitzt / der Abgrund selbst sich regt.

Auch ich sah auf der Burg der Todten Geister irren /

Den Crocodil bethränt /58 die heilgen Schlangen girren /59

Als ein gantz frembder Drach in Isis Tempel kam /

Und zwischen Dampf und Rauch mit Zischen Abschied nam.[38]

Der hochgeweihte Fisch60 verlohr die Silber-Schopffen /

Die nie bewölckte Luft / aus der kein Wasser-Tropffen

Nie raan / zerfloß in Blutt. Es kam kein süsser Thon

Aus Memnons Marmel-Seul /61 ob Titans Fackel schon

Auf dieses Wunder-Bild die glüend-heissen Strahlen

Mit tausend Funcken warff. Die rundgeperlten Schalen

Wormit die Pristerschaft den durch unschuldig Blutt

Entweihten Nil versöhnt /62 zersprangen in der Flutt /

Als der sonst sanfte Fluß mit ungeheurem Schäumen

An dem durchbohrten Rand und ausgerißnen Bäumen /

Den grausen Zorn ausliß / Uns aber sagte wahr:

Egyptens Untergang / und Ende sey nun dar.

ANTONIUS.

Laßt uns versöhnen Gott bey solchen Dräuungs-Wettern.

CLEOPATRA.

Die Opffer werden ja verschmäht von unsern Göttern.

ANTONIUS.

Die Andacht ist ein Blitz / der durch die Wolcken bricht.

CLEOPATRA.

Ach! das Verhängnüß beugt sich durch die Andacht nicht.

ANTONIUS.

Die Götter wollen mehr als einmal sein gebethen.

CLEOPATRA.

Gott hört den nicht / den er wil in den Abgrund treten.

ANTONIUS.

Furcht kehrt ein zitternd Laub in einen Donnerschlag.

CLEOPATRA.

Ach! daß bey solchem Sturm er ichtwas hoffen mag!

ANTONIUS.

Der Himmel / der uns oft erlößt hat / heists uns hoffen.

CLEOPATRA.

Wer offtmals wird gefehlt / wird endlich doch getroffen.

ANTONIUS.

Gott heilet Angst durch Angst / wie Aertzte Gifft durch Gifft.

CLEOPATRA.

Ach! daß der lichte Blitz denn nur die Cedern trifft!

ANTONIUS.

Es treffe Fall und Blitz den Gipffel unser Ehren;

Nichts wird den edlen Kern der Tugend uns versehren.

Der Muth erwarb den Thron; der Zufall raff ihn weg!

Es brennt das Ungelück uns keinen Ehren-Fleck.

Gedult und Hoffnung ist die Salbe dieses Brandes.

Mein Schatz Sie nehm in acht die Würden ihres Standes /

Und faß im tiefsten Fall ihr diesen Muth in Sinn:

Sie sterb Egyptenlands gebohrne Königin.

So steht und fällt Anton. Oft zeucht das Ungelücke

Das schon gezückte Beil von Hals und Kopff zurücke /[39]

Wenn es die Tugend siht mit starren Augen an:

Daß sie mehr / als sie drückt / behertzt erdulden kan.


Antyllus. Antonius. Cleopatra. Cæsarion. Sertorius. Archibius.


ANTYLLUS.

Es geht ein Stern uns auf aufs euserst uns zu retten.

CLEOPATRA.

Das Unglück fesselt uns ja rings ümbher mit Ketten /

Und das Verhängnüs lescht so gar der Hofnung Licht

Mit schwartzen Finger aus.

ANTYLLUS.

Wenn Rath und Macht gebricht /

So nähert uns sich GOtt mit seiner fernen Hülffe /

Der oft Geschooß aus Rohr und Brücken macht aus Schilffe /

Ja in der andern Welt uns Hauß und Hafen schafft.

ANTONIUS.

Sags / lieber Sohn / wer hat zu helffen Sinn und Kraft.

ANTYLLUS.

Ich hatte diesen Tag den Hafen zu bewahren;

An dessen lincken Mund ein Jagt-Schiff kam gefahren /

Bey erster Dämmerung. So bald er ward ersehn

Ließ er fürs Römsche Fahn Egyptens Flacke wehn.

Bey seiner Ankunft bath ein Ritter ihn zu hören /

Der uns zu unserm Heil ein Mittel wolte lehren.

Ich hab ins Vorgemach ihn selbst hieher gestellt;

Weil er sein Werck geheim / eilfert- und wichtig hält.

ANTONIUS.

Wir wollen ihn zu hörn die minste Zeit verlieren.

Antyllus mag ihn selbst in dieses Zimmer führen.

Cleopatra gönn ihm nur neben mir ihr Ohr.

SERTORIUS.

Mein Nahme / grosser Fürst / und Fürstin / ist Sertor.

Ich komm aus Spanien / wo diese / die Rom hassen /

Mich zum Gedächtnüsse so haben nennen lassen /

Und den Sertor noch itzt als einen halben Gott

Und ihren Schutz-Geist ehrn. Es hat zwar seine Noth

Hesperien / doch auch zugleiche dis erfahren /

Die Seele des Sertor sey in Anton gefahren.

Augustens Grausamkeit thut allen Völckern weh /

Die dort der Durius und der Cantabrer See

Bis an Iber umbströmt. Numantia erhärtet:

Daß sich mit uns durchaus kein Römisch Joch gefärtet.

Weil wir nun lieber Asch / als ohne Freyheit sind;[40]

Rom aber aller Welt zur Knechtschafft Netze spinnt /

Hat halb Iberien die Waffen schon ergriffen /63

Und wider diesen Wolf so Zorn als Stahl geschliffen.

Der Gallus steht in Noth den Tagus zu verwahrn.

Für unsern Schiffen darf kein Römisch Segel fahrn

Umbs heiige Vorgebürg. Und die hertzhafften Schwaben /

Die manchen Streich bereit versetzt den Römern haben /

Verbinden sich mit uns / und stehn den Trierern bey;

Mühn sich gantz Gallien zu machen franck und frey /

Egypten-Lande Luft. Wo aber dis zu retten

Hier mehr kein Mittel ist; so wart Anton der Ketten

Des Keysers doch nicht ab. Hesperien sagt zu

Fürs Kriegs-Haupt ihn zu ehrn / und bey erlangter Ruh

Für seinen Vater ihn und König anzunehmen /

Der Himmel scheint sich selbst dem Wunsche zu bekwämen /

Den dir mein Vaterland durch mich eröfnen läßt.

Denn diesen Mittag hat ein ungestümer West

Die Flotte / welche ward versammlet von Agrippen /

Zerstreut / verjagt / ja theils zerschmettert auf den Klippen.

Man brauche Glück und Wind / mit wenig Schiffen kan

Anton in Spanien gantz sicher lenden an!64

Wo dir dein Glücke mehr wird als am Nil bekleiben;

Hier sind Hesperiens an dich gestellte Schreiben /

Die dis mein Wort bewehrn. Es ist nur Thorheit / stehn /

Wo das Verhängnüs uns heißt andrer Wege gehn.

ANTONIUS.

Ich bin Hesperien und dir sehr hoch verbunden /

Schmertzt euch mein Unglücks-Stand; so fühl ich eure Wunden.

Ich nehme danckbar an / was mir Sertor bringt bey;

Wir wolln nur wenig Zeit / was zu entschlüssen sey /

Erwegen / und mein Freund / aufrichtig dir entdecken.

CLEOPATRA.

Was wird der Himmel noch für Schwantz-Gestirne hecken /

Die Zeit für Glück auf uns?

ANTONIUS.

Sie dencke diese Nacht /

Mein Augen-Trost / dem nach / was uns wird angebracht.

ARCHIBIUS.

Mein Fürst!

CLEOPATRA.

Ach Gott!

ANTONIUS.

Was ists?

ARCHIBIUS.

August sucht für Gesandten[41]

Geleits-Brief und Verhör.

ANTONIUS.

Mein Hauptmann der Trabanten

Empfange / die er schickt. Gib du / was er begehrt.

Die Botschafft werd aufs Schloß mit höchster Pracht gewehrt.

Rufft den geheimen Rath in innern Saal zusammen.


Der Schauplatz bildet ab den geheimen Verhör-Saal.

Proculejus. Antonius. Junius. Canidius. Cælius.


PROCULEJUS.

Die Nachwelt / grosser Held / wird ewig uns verdammen:

Daß das so grosse Rom65 / das nie kein Feind verletzt /

Ihm selbst die Kling an Hals / den Dolch ans Hertze sätzt.

Verzagte Porsena für eines Römers Tugend /66

Erlag der Spartacus67 durch die behertzte Jugend /

Fiel Hannibals Gewalt durch unsrer Eltern Arm /

Darumb: daß Rom ihm selbst den Dolch stoß in den Darm?

Das Capitol ward nie von Galliern bestritten;

Jüngst hats vom Sylla selbst68 den Schiffbruch erst erlitten /

Wer zweifelt / daß ein Kind die Mutter selber frist;

Der schau des Marius / deß Cinna böse List

Und wildes Wütten an. Den grimmen Catilinen

Muß warmes Menschen-Blutt69 für Wein von Chios dienen /

Das die verfluchte Schaar zu stärcken ihren Band

Zu stürtzen in den Grund ihr güldnes Vaterland

Aus Berg-Kristallen trinckt. Es bleib anitzt vergessen:

Was des Pompejus Brand für Römer hat gefrässen;

Wie viel der jüngste Krieg hat Bürger-Blutt verzehrt /

Seitdem Antonius das rach-begierge Schwerdt

Auf den August gezückt. Und / ob die Freundschafts-Wunden

Zwar minder / als ein Glas / stets haben Pflaster funden;

So trägt ihm doch August Vertrag und Frieden an.

Weil Er diß bluttge Spiel nicht ferner schauen kan.

ANTONIUS.

Der Himmel geb es nach! ihr Götter lasts geschehen!

Daß Rom sich ohne Blutt / Uns ohne Zanck mag sehen!

Daß einmal dem August der Völcker herbes Weh /[42]

Das Blutt-Bad unsrer Stadt einst recht zu Hertzen geh;

Daß er deß Reiches Fall / der Länder Brand erwege

An Eyd und Bündnüs denck. Octavianus lege

Die Schuld ja nur auf mich! es weiß es Gott und Welt:

Daß Rom nicht vom Anton / nein / durch den Keyser fällt.

Wieviel hat Lepidus ihm nicht mit Glimpf enthangen?

Mein Brief hat Stahl und Blutt zur Antworts-Schrifft empfangen /

Wie / daß man / eh ich todt / mein Testament erbricht?70

Jedoch / die Unschuld darf der Nebel-Kappen nicht.

Augustus hat den Stahl auf unsre Brust geschliffen /

Eh ich für unser Heil Papier und Tint ergriffen;

Man hat das Völcker-Recht vergässen gegen mich /

Den Krieg nicht angesagt / bis daß ich Schwerd und Strich

Auf meiner Haut empfand. Doch weil ich ihn von Hertzen

Lieb hatte / zwang ich mich dis Unrecht zu verschmertzen.

Ich liefert ohne Geld71 ihm alle Rathsherrn aus /

Die iemals sich verschworn auf Cæsarn und sein Hauß /

Für andern den Turull auch bey den Krieges-Zeiten.

Mein Sohn Antyllus zoch mit grossen Kostbarkeiten /

Nachdem zum zweytenmal ihn meine Bottschaft nicht

Zu miltern mächtig war / zum Keyser / ihm ein Licht

Von meiner Redligkeit und Freundschafft anzuzünden;

Der zwar sein Gold / nicht ihm Verhör und Gunst ließ finden.

Er rieth Cleopatren zu tödten mich durch Gift.

Hier zeugts des Thyrsus Hand / des Keysers eigne Schrifft.

Allein ich wils verdeun / und mehrers noch verschweigen /

Ja mich vergeßlicher / als eine Heydechs zeigen

Umb nicht die Ruh zu störn. Man nimmt mit beider Hand

Den Friedens-Vorschlag an. Schlag uns für diesen Brand

Ein dienlich Mittel vor.

PROCULEJUS.

Diß wird August euch gönnen:

Wie aber wird der Artzt sie angewehren können /

Indem der Krancke nichts von Kranckheit wissen wil?[43]

ANTONIUS.

Mit was beleidigen wir euer Ohr zu viel?

PROCULEJUS.

Mit dem: daß Cæsar sol des Krieges Uhrsprung heissen.

ANTONIUS.

Bleicht / wascht den braunen Mohr / er wird nicht schöner gleissen.

PROCULEJUS.

Anton zwang selber uns so Krieg als Noth-Wehr ab.

ANTONIUS.

Erzählt / mit was er euch so hefftig Uhrsach gab.

PROCULEJUS.

Anton ließ / die August begnadigt hatt / ermorden.

ANTONIUS.

Nicht einen / der nicht ihm durch Laster schuldig worden.

PROCULEJUS.

Welch Laster hat Anton auf den Pompejus bracht?

ANTONIUS.

Diß: daß mich Sextus selbst zu stürtzen72 war bedacht.

PROCULEJUS.

Man ließ den Argwohn ihm nicht Zeit zu widerlegen.

ANTONIUS.

Man muß kein Bluttgericht auf hohe Häupter hegen.

PROCULEJUS.

Der Römsche Raths-Herr starb am Strange / wie ein Knecht.

ANTONIUS.

Verrätherey nimt weg Stand / Würden / und Geschlecht.

PROCULEJUS.

Man muß nicht auf Verdacht bald Schwerdt und Mord-Beil wetzen.

ANTONIUS.

Warum ließ mir August denn Ehren-Seulen sätzen.

PROCULEJUS.

Anton nam mehr / als ihm die Theilung zuließ / ein.

ANTONIUS.

Entdeckt es / wo wir ie zu weit gegangen sein.

PROCULEJUS.

Anton hat ja für sich Egypten eingenommen.

ANTONIUS.

Wenn ist Egyptenland auf Cæsars Drittel kommen?

PROCULEJUS.

Anton bekam es auch so wenig durch das Looß.

ANTONIUS.

Mich macht Cleopatra durch ihren Braut-Schatz groß.

PROCULEJUS.

Cleopatra verschänckt / was Römisch ist / nicht rühmlich.

ANTONIUS.

Ist denn die gantze Welt der Römer eigenthümlich?

PROCULEJUS.

Wie weit der Waffen Recht sie ihnen dienstbar macht.

ANTONIUS.

Wer hat Canopus Reich ins Römsche Joch gebracht?

PROCULEJUS.

Egyptens gantzes Reich fiel für dem Cæsar nieder.

ANTONIUS.

Wie Cæsar es gewaan / verlohr73 es Cæsar wieder.

PROCULEJUS.

Was nam Anton nicht Rom?

ANTONIUS.

Was zwickt ich ihm groß ab?

PROCULEJUS.

Was er Cleopatren und ihren Kindern gab.

ANTONIUS.

Was war es?

PROCULEJUS.

Syrien / Cilicien / Cyrene74

Bekam die Mutter ja / und ihre beyden Söhne

Arab-Armenien / der Med- und Parther Land.[44]

ANTONIUS.

Dis allzumal gewaan den Feinden meine Hand

Durchs Recht der Waffen ab.

PROCULEJUS.

Doch mit der Römer Degen.

ANTONIUS.

Mit der Egypter Hülff und meines Schutz-Gotts Segen.

PROCULEJUS.

Führt er denn Krieg für sich / nicht aber für die Stadt?

ANTONIUS.

Sagt: was nicht auch August für sich behalten hat?

PROCULEJUS.

Er macht dem Weibe nichts / den Kindern nichts nicht eigen.

ANTONIUS.

Er sucht ihr's Reich / ja gar den Himmel zuzuneigen.

PROCULEJUS.

Du zohst Cleopatren Rom unser Göttin für.

ANTONIUS.

Was machte Julius nicht längst vorher aus ihr?

PROCULEJUS.

Wie mag ein solcher Held sein Fall-Brett so sehr lieben?

ANTONIUS.

Mein Glück ist / wie ihr Ruhm / ins Sternen-Buch geschrieben.

PROCULEJUS.

Ja hette nicht ihr Geist gesegelt allzu hoch.

ANTONIUS.

Es wallt in ihr das Blutt der Ptolomeer noch.

PROCULEJUS.

Kein Ptolome sann ie Rom dienstbar ihm zu machen.

ANTONIUS.

Auch sie nicht. Jedes Kind wird dieses Vorwands lachen.

PROCULEJUS.

Es gab's sein Testament / ihr Tittel an den Tag.

ANTONIUS.

Sie geben's / wenn man sie nicht redlich deuten mag.

PROCULEJUS.

Anton hat ihr zu lieb Octavien verachtet.

ANTONIUS.

Weil man uns nach dem Kopff hat durch dis Weib getrachtet.

PROCULEJUS.

Blutt-Freundschaft / Schwägerschaft trägt die nicht beßre Frücht?

ANTONIUS.

Die Stadt-sucht Tulliens75 kennt Blutt und Vater nicht.

PROCULEJUS.

Gantz Rom strafft: daß er hat Cleopatren erwählet.

ANTONIUS.

Die Welt: daß Nerons Weib ihm schwanger ward vermählet.76

PROCULEJUS.

August hat euch kein Leid durch Livien gethan.

ANTONIUS.

So gieng Cleopatra den Keyser auch nicht an.

PROCULEJUS.

Viel! denn es must ihr ja des Keysers Schwester weichen.

ANTONIUS.

Anton verstieß sie nur nach Römischen Gebräuchen.

PROCULEJUS.

Wer hat ein Römisch Weib ie Mohren nachgesätzt?

ANTONIUS.

Mit wieviel frembden hat sich Cæsar nicht ergätzt?77

PROCULEJUS.

Ergätzt / alleine sie des Ehstands nie gewehret.

ANTONIUS.

August hat selbst zur Eh ein Getisch Weib begehret.78

PROCULEJUS.

Wenn hieng August so sehr der Barbarn Liebe nach?

ANTONIUS.

Als er auch Julien dem Cotison versprach.

PROCULEJUS.

Es war ein Vorschlag nur / der nie zu Kräfften kommen.[45]

ANTONIUS.

Hat frembde Götter doch Rom in sein Schloß genommen.

PROCULEJUS.

Aus Bett und Heiligthum verstossen keine nicht.

ANTONIUS.

August brach Clodien die ihr geschworne Pflicht.79

PROCULEJUS.

Weil ihre Mutter ihn zu Lastern wolte treiben.

ANTONIUS.

Wie daß Scribonie nicht länger dorfte bleiben?

PROCULEJUS.

Ihr wiederspenstig Kopf rieß beyder Eh entzwey.

ANTONIUS.

Nein Liviens Gestalt / die er ihm legte bey.

PROCULEJUS.

Warum hat denn Anton Cleopatren erwehlet?

ANTONIUS.

Sie war mir eher / als Octavie vermählet.80

PROCULEJUS.

Er widersprach ja selbst: daß er wär ihr Gemahl.

ANTONIUS.

Was ficht man viel für die / die billigt meine Wahl?81

PROCULEJUS.

Mit was entschuldigt man denn Artabazes Ketten?

ANTONIUS.

Mit dem: daß man den Wurm / der stechen wil / muß tretten.

PROCULEJUS.

Hat Artabazes doch kein Schwerd niemals gerührt.

ANTONIUS.

Ein Kluger sieht vorher / was man im Schilde führt.

PROCULEJUS.

Verdacht befleckt oft den / der wenig böses dencket.

ANTONIUS.

Hat Artabazes nicht so Rom als mich gekräncket.

PROCULEJUS.

Was war die Ubelthat / damit er so verstieß?

ANTONIUS.

Daß er in Parthen uns alleine baden ließ.82

PROCULEJUS.

Muß man denn Könige bald in die Fässel schlagen?

ANTONIUS.

Jugurtha muste Stahl;83 den ließ man Silber tragen.

PROCULEJUS.

Durch andrer Fehler wird der eigne nicht verblümt.

ANTONIUS.

Was ists denn / das ihr so an dem Augustus rühmt?

PROCULEJUS.

Was ist es / das man kan an dem Augustus schälten?

ANTONIUS.

Daß Bundgenoß und Freund bey ihm zu wenig gälten.

PROCULEJUS.

Wenn hat Augustus nicht das Bündnüß steif erfüllt?

ANTONIUS.

Als er des Lepidus sein Theil für sich behielt.

PROCULEJUS.

Wer Sieg und Weinberg pflantzt / dem kommt auch Beuth und Trauben.

ANTONIUS.

Augustus solt ihn gar der Würde nicht berauben.

PROCULEJUS.

Er gieng mit dem Pompei ein heimlich Bündnüß ein.84

ANTONIUS.

Mit Fug / dieweil er solt Augustens Sklave sein.

PROCULEJUS.

Ein Sklave der Natur muß aller Sklave bleiben.

ANTONIUS.

Man muß durch diesen Keil nur nicht auch andre treiben.[46]

PROCULEJUS.

August hielt den Anton in allem werth und lieb.

ANTONIUS.

Nicht / als er Sextus Heer zu seinen Fahnen schrieb.

PROCULEJUS.

Daß er mit ihnen Reich und Stadt beschützen wolte.

ANTONIUS.

Daß Rom und Welschland ihm alleine dienen solte.

PROCULEJUS.

Genung! Augustus nimmt hier keinen Richter an.

ANTONIUS.

Wie / daß man dis / was recht / so sparsam hören kan?

PROCULEJUS.

Man hört Besigte nicht / den Sieger muß man hören.

ANTONIUS.

Mein Stand mag den August / was Glück und Glas sey lehren.

PROCULEJUS.

Ein Sieger gibt Gesätz'. Euch kommt das Bitten zu.

ANTONIUS.

Was schlägt August denn für zum Mittel neuer Ruh?

PROCULEJUS.

Augustus wil durch mich der Welt und Nachwelt weisen:

Daß er auf diesen Tag verdamme Stahl und Eisen /

Daß er deß Reiches Heil / die Wolfahrt des Anton /

Die Freiheit der Stadt Rom / nicht den vergällten Thron /

Nicht schwerer Zepter Gold nebst aller Menschen Fluche

Nach der besigten Welt durch seine Waffen suche.

Er legt den Augenblick die grünen Palmen hin /

Zeucht Tartsch und Harnisch auß / wo nur Anton auch Sinn

Auf Ruh und Freundschafft trägt. Es mag Anton behalten /

Wie viel das Bündnüß ihm verlihe zu verwalten /

Es bleib ihm Sirien und Colchos unterthan /

Es steck Arabien ihm süssen Weyrauch an /

Es mögen Grich und Pont / gantz Asien ihn ehren:

Es wolle nur Anton auch in der That itzt lehren:

Daß sein Gemütte nicht zu sehr Egyptisch sei.

ANTONIUS.

Augustus macht hierdurch sich alles Argwohns frei /

Pflantzt statt des Neides Gunst in aller Bürger Seelen.

Die Welt und Nachwelt wird ihm Stein und Ertzt außhölen /

Sein Bildnüs in Porphir / in Alabaster haun /

Aus Gold und Marmel ihm Gedächtnüß-Seulen baun /

Rom wird Augustens Schwell und Cæsars Schatten küssen /

Wenn er das Friden-Thor des Janus auff wird schlüssen;

Der Parthe wird ihm sein gutwillig unterthan /

Rom alle Julier in Tempeln beten an.85

Anton wird / was August und Rom haßt / ewig hassen.[47]

Was aber sol er denn Egyptisches verlassen?

PROCULEJUS.

Egyptens gantzes Reich dem Keyser räumen ein /

Octaviens Gemahl / ein Freund des Keysers sein /

Den König Artabaz auf freie Füsse stellen.

ANTONIUS.

Ha! könt Octavius ein stränger Urtheil fällen?

PROCULEJUS.

Ist umb Egypten denn ihm alle Wolfahrt feil?

ANTONIUS.

Warumb begehrt August dis weit-entlegne Theil?

PROCULEJUS.

Weil dem die Wahl gehört / den Sieg und Palmen kräntzen.

ANTONIUS.

Er nähm ihm Länder hin / die ihm bekwämer gräntzen.

PROCULEJUS.

Der Nilus eben gräntzt dem Keyser gar bekwäm.

ANTONIUS.

Man läßt; daß er dafür gantz Griechenland ihm nähm.

PROCULEJUS.

Gantz Grichenland ist nicht Egypten zu vergleichen.

ANTONIUS.

So mag gantz Asien für ihm die Segel streichen.

PROCULEJUS.

Egypten träget mehr als Asien uns ein.

ANTONIUS.

Ihm mag der Araber mit Golde zinsbar sein.

PROCULEJUS.

Der Ost-Welt Korn-Haus bringt mehr / als viel Gold-Bergwercke.

ANTONIUS.

Wir leiden: daß der Sir' auch seine Macht verstärcke.

PROCULEJUS.

Es dient auch Sirien für den Augustus nicht.

ANTONIUS.

So nähmt mein Drittel hin / und lägt es aufs Gewicht.

PROCULEJUS.

Ein Theil des Jupiters wigt mehr / als zwey der Brüder.

ANTONIUS.

Sie legten Zanck und Zwist durch Looß und Glücks-Topf nider.

PROCULEJUS.

Des Kriges Glücks-Topff hat die Theilung hier gemacht.

ANTONIUS.

Neptun und Pluto war aufs Kriegs-Looß nicht bedacht.

PROCULEJUS.

Schild / Helm und Harnisch ist der Fürsten Wageschale.

ANTONIUS.

Was man auf Stahl gesätzt / verrostet mit dem Stahle.

PROCULEJUS.

Warumb klebt dem Anton Egypten so sehr an?

ANTONIUS.

Weil er Cleopatren nichts nicht vergeben kan.

PROCULEJUS.

Er sorgt für die / die er doch selbst muß übergeben.

ANTONIUS.

Anton kan nimmermehr von ihr gesondert leben!

PROCULEJUS.

Octavie gibt nichts Cleopatren zuvor.86

ANTONIUS.

Cleopatra besitzt / was jene längst verlohr.

PROCULEJUS.

Was kan dem Römer an der Mohrin viel gefallen?[48]

ANTONIUS.

Rubin deckt ihren Mund.

PROCULEJUS.

Octaviens Korallen.

ANTONIUS.

Die Glider sind aus Schnee;

PROCULEJUS.

Dort gar auß Helffenbein.

ANTONIUS.

Die Brüst auß Alabast;

PROCULEJUS.

Und dort auß Marmel-Stein.

ANTONIUS.

Ihr Sternen des Gesichtsl

PROCULEJUS.

Dort sind die Augen Sonnen.

ANTONIUS.

Hier hat die Hold den Sitz;

PROCULEJUS.

Und dort den Thron gewonnen.

ANTONIUS.

Hier strahlt der Tugend Blitz auch durch die düstre Welt;

PROCULEJUS.

Ach! daß man schimmernd Glas für Gold und Perlen hält.

Daß der gewölckte Schaum gefärbter Regenbogen

Dem Schnecken-Blutte wird deß Purpers fürgezogen!

Er fleucht dis / was ihm nützt / küßt die ihm schädlich sind /

Und schlägt sein letztes Heil mit's Keysers Heisch in Wind.

ANTONIUS.

Es sol euch Artabaz noch heute sein gewehret.

Dis aber / was August an dieses Reich begehret:

Daß ich Cleopatren sol treuloß lassen stehn /

Scheint ein unmöglich Werck und schimpflich einzugehn.

Jedoch sol diesen Tag noch Proculejus wissen /

Was Zeit und Rath und Recht uns endlich heißt entschlüssen.

PROCULEJUS.

Sehr wol! allein erwegt: daß einer Frauen Hold

Nur schlipffrig Zucker sei / der Zepter aber Gold.


M. Antonius. Antyllus. Junius. Canidius. Asidius. Cælius.


ANTONIUS.

Wir schweben leider! itzt recht zwischen Thür und Angel.

Wo sind wir hingebracht? O Jammer-reicher Mangel!

Da der / der vielen rieth / ihm nicht zu rathen weiß.

Deß Keysers sanfte Bahn ist spiegel-glattes Eiß /

Da auch ein Ancker nicht kan ohne Gleiten stehen.

Was Raths? Eh' oder Thron muß brächen und vergehen.

JUNIUS.

Der Schwefel-lichte Blitz versehrt / was nach-gibt / nicht /

Läßt weiche Pappeln stehn / wenn er den Stahl zerbricht /

Der Eichen Kern erschellt / schlägt auß den Klippen Splitter:

Also zermalmt das Glück auch steinerne Gemütter /

Wenn es ein wächsern Hertz unangefochten läßt;

Man segelt auf der See nach dem der Wind uns bläßt;[49]

Warumb läßt man nicht auch die Segel steiffer Sinnen

Beim Unglücks-Sturme falln? Anton hat zu gewinnen

Ruhm / Ehre / Freundschafft / Thron / wo er sich selbst gewinnt.

ANTONIUS.

Und alles knechtisch thut / was Cæsar an ihn sinnt?

CANIDIUS.

Es ist kein knechtisch Werck sich selber überwinden.

ANTONIUS.

Wer würde sattsam Fluch für unsre Mißtreu finden?

CÆLIUS.

Man hat im Lieben oft zu endern Fug und Recht.

ANTONIUS.

So schätzt ihr Eh und Treu und Eydschwur so gar schlecht?

JAN.

Wo die zu brechen sind / geschehs des Herrschens halben.

ANTONIUS.

Wie würde dieser Fleck nicht unsern Ruhm besalben?

CANIDIUS.

Mehr / wenn er Stul und Reich für Weib und Spindel gibt.

ANTONIUS.

Wie sehr hat Hercules nicht Omphalen gelibt?87

CÆLIUS.

Er hat umb Omphalen kein Königreich vergeben.

ANTONIUS.

Es ist Cleopatra viel höher zu erheben.

JUNIUS.

Das schönste Weib der Welt ist keines Zepters werth.

ANTONIUS.

Wie sehr hat Julius Cleopatren begehrt?

CANIDIUS.

Zur Lust / sie aber nie ins Eh-bett aufgenommen.

ANTONIUS.

Weil seiner Heyrath Mord und Aufruhr vor sind kommen.

CÆLIUS.

Rom glaubt: sie sey gewest nur Cæsars Kurtzweil-spiel.

ANTONIUS.

Er hat sie seiner Eh versichert oft und viel.

JUNIUS.

Wer oft am meisten schreibt / gedäncket oft das minste.

ANTONIUS.

Was hatte Cæsar Noth zu brauchen falsche Dünste?

CANIDIUS.

Man mahlt Verschmähten oft geschminckte Farben für.

ANTONIUS.

Was habt ihr? daß der Neid auch tadeln kan an ihr.

CANIDIUS.

Anton / das minste nicht. Die holden Wangen lachen /

Auf denen Schnee und Glutt zusammen Hochzeit machen /

Ihr Himmlisch Antlitz ist ein Paradiß der Lust /

Der Adern blauer Türcks durchflicht die zarte Brust /

Zinober quillt aus Milch / Blutt aus den Marmel-Ballen.

Der Augen schwartze Nacht läßt tausend Blitze fallen /

Die kein behertzter Geist nicht ohne Brand empfindt.

Ihr süsser Athem ist ein ein-gebiesamt Wind.

Es kan der Schnecke nichts auf Zung und Muschel rinnen /

Das den Rubinen wird der Lippen abgewinnen.[50]

Ihr wellicht Haar entfärbt der Morgen-Röthe Licht;

Es gleicht kein Helffenbein sich ihren Glidern nicht

Und billig hat Anton dis Kleinod hochzuschätzen.

Ach aber / Thron und Krön ist warlich vorzusätzen.

Was ist der Schönheit Glantz? Ein köstlich Kleinod zwar /

Doch lißt man diese Perl auf Erden dort und dar.

Der Tiber-Strom gebiehrt vielleicht auch ihres gleichen.

ANTONIUS.

Ich kenne keine nicht / die ihr den Schatten reichen.

CANIDIUS.

Die Regenbogen sind zwar schön / doch schlechte Flutt.

ANTONIUS.

Ach! an Cleopatren ist Kern und Schale gutt.

Sie schlägt wie Telephus uns / aber süsse Wunden /

Die vom Beleidiger nur können sein verbunden.

ANTYLLUS.

Gedult / Vernunfft und Zeit schafft endlich Heil und Rath.

ANTONIUS.

Nicht / wo Vernunfft und Zeit kein Regiment mehr hat.

Die Liebe läßt ihr Reich durch Klugheit nicht verwirren;

Der Vogel siht den Leim / und läßt sich dennoch kirren /

Die Mutte schaut das Licht / in dem sie sich versängt /

Das schnelle Reh das Garn / in welchem es sich fängt /

Der Booßmann kennt die Fahrt des Ancker-losen Nachen:

Doch kann ihn Witz nicht klug / Gefahr nicht zaghafft machen:

So rennt auch / der da liebt / selbst sichtbar in die Noth.

Zwey Hafen hat man nur: gewehrt sein / oder todt.

CÆLIUS.

Wo läßt der hohe Geist sich endlich hin verleiten?

Man muß der Liebe Macht mit Ernst und Witz bestreiten.

Die Wollust-Rosen sind der Natter heimlich Hauß;

Es frist ein stinckend Wurm die güldnen Aepfel aus.

Ihr Gold ist süsses Gift; ihr Schimmer Blitz und Flammen.

Die Winde stäuben itzt das Ilium vonsammen /

Das auch ein schönes Weib hat in den Grauß gelegt.

ANTONIUS.

Der Himmel hat die Brunst / die Brunst den Fall erregt.

CÆLIUS.

Nein nein! der Himmel ließ dem Paris freien Willen.

ANTONIUS.

Was das Verhängnüß schleust muß Erd und Mensch erfüllen.[51]

CÆLIUS.

Jedweder ist ein Schmied des Glückes / das er trägt.

ANTONIUS.

Gott / der durch Lieben hat manch Reich in Grund gelegt.

CÆLIUS.

Wie manches Troja wird durch Helenen verlohren?

ANTONIUS.

Die Flamme Trojens ward von Hecuben gebohren.88

CÆLIUS.

Die durch der Tugend Wind gar bald zu dämpffen war.

ANTONIUS.

Wer nicht die Liebe kennt / der baut ihr kein Altar.

JUNIUS.

Und wer / was Kronen sind / versteht / nimmt sie für alles.

ANTONIUS.

Sind sie die Schwestern nicht meist eines schnellen Falles?

JUNIUS.

Stößt den kein Unfall an / der gleich nicht Purper trägt?

ANTONIUS.

Man weiß: daß Blitz und Keil meist in die Gipfel schlägt.

JUNIUS.

Wer kan die Herrligkeit der Krone sattsam rühmen?

ANTONIUS.

Glaubt: daß mehr Dörner sie als Lilgen nicht beblümen.

JUNIUS.

Die Sternen weichen selbst der Diamanten Glutt.

ANTONIUS.

Der Diamant hegt Schweiß / Rubine deuten Blutt.

JUNIUS.

Es läßt sich's Zepters Gold / des Purpers Glantz nicht schätzen.

ANTONIUS.

Bey Sack und Hirten-Stab ist oftmals mehr Ergätzen.

JUNIUS.

Für Kinder. Fürsten sind ja Götter dieser Welt.

ANTONIUS.

Doch Lieb ihr Himmelreich.

JUNIUS.

Erweg es / grosser Held /

Wieviel sein Drittel ihm Cleopatren kan geben.

ANTONIUS.

August begehrt: ich sol mit seiner Schwester leben.

ANTYLLUS.

Ihr Brautschatz / wo nicht sie / ist deiner Liebe werth.

ANTONIUS.

Weh dem! der Schlang und Molch in Schooß und Busem nehrt.

CANIDIUS.

Durch Sanftmuth lassen sich die schlimmsten Thiere zähmen.

ANTONIUS.

Sol ich das Unkraut noch mit linder Wartung sämen?

ASIDIUS.

Die macht den Panther zahm / nimmt Schlangen ihre Gifft.

ANTONIUS.

Glaubt: daß ein unhold Weib die Schlangen übertrifft.

ANTYLLUS.

Offt hat uns die ergätzt / die wir zuvor vertrieben.

ANTONIUS.

Ich kan Octavien den bösen Wurm nicht lieben.

JUNIUS.

Die Klugheit wehrt oft an für Liebe Schertz und Schein.[52]

ANTONIUS.

Was lobet ihr mir noch für grause Laster ein?

CANIDIUS.

Man muß mit Giffte Gifft / mit Liste List vertreiben.

ANTONIUS.

Ach! wessen Dinst-Magd wird Cleopatre verbleiben?

ANTYLLUS.

August wird Königlich Geblütte nicht so schmähn.

ANTONIUS.

Rom hat viel Fürsten89 schon in Pfahl und Stahl gesehn.

CÆLIUS.

Rom hat viel Könige / die es bezwang / belehnet.

ANTONIUS.

Rom wird durch ihre Schmach und meinen Fall versöhnet.

ASIDIUS.

Wenn Schiff und Mast versinckt / sorgt ieder nur für sich.

ANTONIUS.

Wer setzte sein Gemahl so liederlich in Stich?

CÆLIUS.

Schickt Masanissa nicht ein Gifft-Glas Sophonisben?90

ANTONIUS.

Hingegen Piramus stirbt wegen seiner Thisben.

JUNIUS.

So grossen Herrschern kommt nicht was dem Pöfel zu.

ANTONIUS.

So räthstu: daß ich dis was Masanissa / thu?

JUNIUS.

Ich thäts.

ANTONIUS.

Ach! solt ich denn an ihr zum Hencker werden?

CANIDIUS.

Was Masanissa thät / rühmt noch der Kreiß der Erden.

ANTONIUS.

Die Porcellane wird der Gifft-Verräther sein.

ANTYLLUS.

Es darf kein Meichel-Mord den Gift-Kelch schäncken ein.

ANTONIUS.

Meinstu / die Fürstin wird dis Gifft mit Wissen nähmen?

JUNIUS.

Wo Sophonißbe nicht sol ihren Ruhm beschämen /

Die in der Sterne Gold ihr Grabmahl eingeetzt /

Als sie den Gifft-Kelch hat so freudig angesetzt /

Umb ihres Liebsten Ruhm und Zepter zu erhalten.

ANTONIUS.

Mein Lieben wird auch nicht durch ihren Todt erkalten.

CANIDIUS.

Die Zeit half: Daß Anton der Fulvie vergaß.

ANTONIUS.

Als er mit neuer Lust Cleopatrens genaß.

JUNIUS.

Es wird / wenn die schon weg / ihm doch an Lust nicht fehlen.

ANTONIUS.

Ich würde müssen mich mit's Keysers Schwester kwälen.

CANIDIUS.

Im Land ist keine nicht / die Fürsten was versagt.

ANTONIUS.

Denckt: mit was Ruhm ihr Holtz zu ihrem Feuer tragt.

ANTYLLUS.

Mit was für Ruhme sie bey Actium gefochten.91

ANTONIUS.

Die Sieges-Kräntze sind für Weiber nicht geflochten.

CANIDIUS.

Die Heldin Fulvia hats Helden vorgethan.92

ANTONIUS.

Den Männern steht der Helm / die Haube Weibern an.[53]

JUNIUS.

Doch keinem Weibe frey der Treue zu vergessen.

ANTONIUS.

Wer weiß Cleopatren was böses beyzumässen?

CANIDIUS.

Das Volck mißt den Verlust Pelusiums ihr bey.93

ANTONIUS.

Seleucus hatte Schuld an der Verrätherey.

CÆLIUS.

Sie hinderte den Feind durch Ausfall aufzuhalten.94

ANTONIUS.

Man mißt der Vorsicht zu oft thörichte Gestalten.

ASIDIUS.

Sie machte: daß von ihm die Reuterey fiel ab.95

ANTONIUS.

Beweiß es: daß sie ihr vorsätzlich Anlaß gab.

ANTYLLUS.

Sie schickte dem August ja Zepter / Stul und Krone.

ANTONIUS.

Was schenckt man in der Noth nicht: daß der Feind uns schone?

ANTYLLUS.

Sie eignet' ihm ihr Reich durch solche Zeichen zu.

ANTONIUS.

Der Klügste weiß oft nicht / was er in Aengsten thu.

ANTYLLUS.

Sie sorgte nur für sich / Anton blieb gantz vergessen.

ANTONIUS.

Sie konte / daß du mir das Wort sprachst / leicht ermässen /

Weil du als Botschaffter für mein selbst eigen Heil

Bey Cæsarn handeltest.

ANTYLLUS.

Ihr Wohlstand hatte Theil

An meiner Sorg und Thun. Allein ich weiß Grund-eigen:

Daß Thyrsus / der sich mir nicht einmal wolte zeigen /

Dem Keyser sagte zu: daß seine Königin

Dirs Licht zu leschen aus / und mich auch richten hin /

Wenn er Egypten-Land ihr zu beherrschen liesse.

Ja er entwarf so gar mit Cæsarn Heyraths-Schlüsse /

Weil er noch nicht verstand: daß Cæsars falsche Brunst

Egyptens Angel war / und eine Herrschungs-Kunst.

ANTONIUS.

Wo leitestu mich hin?

ANTYLLUS.

Zur Warheit und zum Heile.

ANTONIUS.

August führt sie und mich an einem Narren-Seile;

Er suchet meinen Todt / Cleopatrens ihr Reich.

Was er mir itzt trägt an / ist ein verdeckter Streich /

Ein Fallbrett / mich nur noch mit Untreu zu beflecken.

Doch wird der Himmel mir noch Hülff und Rath entdecken.[54]


Reyen.


Der Göttin des Glücks. Des Jupiters. Des Neptunus. Des Pluto. Wie auch der Himmlischen Götter / als des Mars, des Apollo, und Mercurius.

Der See-Götter / als des Proteus, des Triton, des Glaucus, denn der Höllen-Richter / des Minos, des Æacus, und Rhadamanthus.


FORTUN.

Ihr güldnen Himmels-Rosen ihr /

Die ihr mit Gold und Glutt den Himmels-Garten blümt /

Komt / werdet itzt zu Palmen mir /

Umkräntzt mein Haupt / wie sich den Siegern sonst geziehmt.

Gib / Chloris / deine Lilgen her:

Daß man mein blaues Haupt mit ihrem Silber stückt.

Ihr Nimfen / macht die Muscheln leer /

Beperlt den Hals / für dem sich Erd und Himmel bückt.

Ihr schnöden Sterblichen der Welt /

Komt baut mir Tempel auf / steckt safftgen Weyrauch an /

Weil meine Gottheit Gold und Geld /

Ruhm / Zepter / Infel / Thron und Weißheit geben kan.

Ihr Götter kommt küßt meinen Fuß /

Dem Himmel / Helle / Meer muß unterworffen sein:

Ihr wisset den Verhängnüß-Schluß:

Daß ich Saturnus Erb in euch sol theilen ein.96

JUPITER, NEPTUN UND PLUTO.

Wir stelln uns ein / und fallen dir zu Füssen;

Um / grosse Göttin / deines Zepters Gold /

Der der Natur die Gräntzen sätzt / zu küssen.

Es tröstet sich iedweder deiner Hold.

Wir opffern dir die Demuth unsrer Hertzen.

Weil Weyrauch ja zuvor dein eigen ist.

Ihr irrdischs Volck / last die Gedancken stertzen:

Daß man sein Theil hier ungefähr erkiest.

Die Thorheit pflägt das Glücke blind zu nennen.

Was opfert ihr der / die kein Opffer siht?

Der Aber-Witz läst Oel und Ampeln brennen

Der / welcher Thun keinmal nach Gunst geschiht.[55]

Nein nein! geirrt! die Göttin theilt die Gaben

Mit Wolbedacht / meist auch nach Würden auß.

Sie hat gewust / was ich und du sol haben /

Eh Sonn und Mond umblief das Sternen-Haus.

FORTUN.

Kommt loost / ihr Götter / umb die Welt.

Dis Schürtz-Tuch hier verdeckt die Helle / Stern' / und Wellen.

Weil dieser Glücks-Topff in sich hält

Den Blitz; den Drey-Zancks-Stab; die Schlüssel zu der Hellen.

JUPITER.

Glück zu! glück zu! ach Göttin nicht entferne

Mir dein Gesicht! verleihe Glück und Heil!

Glück zu! glück zu! mein Erbtheil sind die Sterne /

Sehr wol geloost! hier ist der Donnerkeil.

NEPTUN.

Laß / Göttin / nicht mein Hoffnungs-Schiff erschellen /

Zeuch nicht von mir der Augen Leit-Stern ab!

Glück zu! glück zu! Mir kommen Meer und Wellen.

Sehr wol geschifft; hier ist der Drey-Zancks-Stab.

PLUTO.

Wie ungleich ist Saturnus Reich zerstücket!

Mir bleibet nichts / als Radamanthens Stuhl.

Jedoch nim hin! was das Verhängnüß schicket!

Hier sind die Schlüssel zu der Hellen Pful.

FORTUN.

Auf auf! betretet Reich und Thron.

Lufft / Himmel / Helle / Meer verlanget euer Licht.

Die andern Götter kommen schon

Zu schweren bey dem Styx euch Treue / Schuld / und Pflicht.

APOLLO, MARS UND MERCUR.

Beherscher deß Himmels / und König der Brüder /

Wir legen den Bogen / den Harnisch / und Stab

Für deinem gestirneten Throne darnider /

Wir treten dir Sternen und Königreich ab /

Wir ligen in Demuth dir ewig zu Füssen.

Nur lasse dein Nektar uns ewig genüssen.

TRITON, GLAUCUS UND PROTEUS.

Herscher der schäumenden Wasser-Kristallen /

Thetis verehret dir Perlen aus Schnee /

Triton die Muscheln / und Glaucus Corallen /

Proteus reicht dir die Schlüssel der See:

Lasse nur in den umbschilfften Gestaden /

Vater / uns neben den Najaden baden.[56]

MINOS, ÆACUS UND RHADAMANTHUS.

Du grosser Fürst der unter-irrdschen Hölen /

Hier opfern dir die Richter blasser Seelen.

Schau / Minos legt den Zepter für dir ab /

Und Eacus den schweren Richterstab /

Der Radamanth die Fackel und die Rutte /

Laß das Elyser Feld uns nur zu gutte.

ALLE GÖTTER.

Himmel / Meer / Helle / bleibt ewig in Ruh.

Euer Reich reichet drey Jupitern zu.

Quelle:
Daniel Casper von Lohenstein: Afrikanische Trauerspiele. Stuttgart 1957, S. 23-57.
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