Die erste Abhandlung.

[260] Der Schauplatz stellet für des Königs Masinissa Zelt.

Masinissa. Bomilcar. Hiempsal. Himilco. Micipsa. Syphax. Eine Menge Römischer Soldaten.


MASINISSA.

Die Schuld schwermt umb Verterb / wie Mutten umb das Licht /

Der stellt ihm's Fallbrett selbst / wer Eyd und Bündnüs bricht.

So stürtzt sich Sophonisb' / und Syphax geht verlohren /

Weil sie den Frieden-bruch gezeuget / Er gebohren.

Nun mögt ihr selber euch an Fingern rechnen aus:

Ob ihrs umb uns verdient: daß wir uns euer Haus /

Das in der Flamme kracht / zu leschen solln bemühen /

Und die bedrängte Stadt aus Brand und Blutte ziehen.

Der Bienen Stachel ist zugleich ihr Honig-Rohr.

Doch saugt ein Leidender aus Rache noch was mehr

Als Zucker in sein Hertz. Denn nichts kan süsser schmecken /

Als / was den Eyver kühlt. Kein Thau erfrischt die Schnecken /

Wie die Beleidigten der Feinde Blutt erkwickt.

Mit diesem Labsal hat der Himmel mich beglückt.

Europa schläget ihm die Fessel ab der Mohren.

Sicilien ist weg / Hispanien verlohren.

Ja Hannibal ist selbst umbgarnet und verwebt /

Schaut: daß an unser Faust des Hanno Blutt noch klebt /1

Die Flott ist in die Luft geschwefelt aufgefahren /[260]

Das Lager Asdrubals / des Syphax freche Schaaren

Hat brennend Schilf vertilgt.2 Und was dort Flamm und Schwerdt

Den Feinden übrig ließ / hat itzt mein Arm verzehrt.

Die Funcken stieben selbst schon auf Carthagens Zinnen.

Jedoch kan treuer Rath noch euren Trotz gewinnen /

Macht Schad und Zeit euch klug / so sol die Gnade gehn

So Rach als Schärffe für. Dis / wo uns offen stehn

Stadt / Schlösser und Palast. Wollt ihr denn Trotz uns sprechen

Bis eure Mauern wir zermalmen und zerbrechen /

Sol auch kein Kind verschont im Mutterleibe sein.

HIEMPSAL.

Man jagt mit Wortten Furcht nur feigen Hasen ein /

Das rauhe Jägerhorn schreckt Gemsen / keine Leuen /

Die Welle keinen Fels; uns kein erhitztes Dreuen.

Der Fürst urtheile selbst: ob eine solche Stadt /

Die dreyssig tausend Mann ins Feld zu ftellen hat /3

Von Männern / die ein Hertz in ihrem Busem fühlen /

Sich ohne Meineyd laß ins Feindes Hände spielen?

Fürs Haupt des Reiches muß den letzten Tropffen Blutt

Aufsätzen jedes Glied.

MASINISSA.

Hat euer Helden-Muth

Bey letzter Ohnmacht erst in Greis der schwachen Mauern

So enge sich versperrt? Wo euch die Haut sol schauern /

Die Glieder solln erstarrn / beschaut den Rubricat /

Wie sich sein Strom geschwellt von euren Leichen hat /

Wie er durch euer Blutt die weisse See der Mohren

Zum rothen Meere macht. Wie bald ging nicht verlohren

Das nie besigte Haupt und Wunder Syracus?4

Und neu Carthago fiel5 / als Scipio den Fus

Kaum an ihr Land gesätzt. Wie oft hat sich erschüttert

Für uns schon Utica?6 Ja / nun Carthago zittert /

Was ists für Aberwitz: daß Cyrtha pocht und höhnt

Die / die's Verhängnis selbst mit Palm- und Lorbern krönt?

Was hofft ihr für Entsatz / euch aus der Noth zu winden?

HIMILCO.

Kan Er der Götter Hülf und ihre Hände binden?

MASINISSA.

Die Götter stehen uns nicht ohne Mittel bey.

MICIPSA.

Glaubt: daß die Spinnenweb ein eisern Bollwerck sey /

Wenn Götter helffen wolln / der Himmel uns beschirmen.

Die / eure Armen nicht / sinds / die mit Regen / Stürmen[261]

Für Hannibals Gewalt7 / der fünfmal hat geblitzt /

Daß Rom und Reich erbebt / hat's Capitol beschützt.

Es naget Hannibal noch itzt an Welschlands Kerne /

Saugt an der Römer Brust.

MASINISSA.

Er siehet schon von ferne

Im Spiegel / und an euch / wie sein Carthago brennt /

Nachdem er Capua verspielt hat / und Tarent.8

Des Brüdern bluttig Haupt mit seinen Thränen netzet /

In Welschlands Winckel steckt umbgarnet und besetzet.

Und der ist euer Trost.

HIMILCO.

Wir traun auf Gott / und Ihn.

MASINISSA.

Ein Straus meint so wie Ihr dem Jäger zu entfliehn /

Wenn er aus Furcht den Hals hat in ein Loch verstecket.

HIEMPSAL.

Carthagens Glücks-Fahn hat oft höher sich erstrecket /

Als Hannibal Natur und Alpen überstieg /

Bey Trebia / Ticin / und Tramisen durch Sieg

Die Adler niederschlug / bey Canna Rom erlegte;

Ja selbst Tarpejens Fels erschütternde bewegte.

MASINISSA.

Das Spiel ist itzt verkehrt.

MICIPSA.

Es kan noch einst geschehn.

MASINISSA.

Wenn man Carthago wird in Feuer krachen sehn?

HIMILCO.

Wenn noch ein Regulus9 wird dort den Kopf zerstossen!

MASINISSA.

Wenn sich das Ameis-Nest auf Löwen wird erbossen?

HIEMPSAL.

Wenn Syphax in die Schlacht gantz Africa wird führn.

MASINISSA.

Wer? Syphax?

MICIPSA.

Syphax / ja!

MASINISSA.

Der kaum die Glieder rührn

In unsern Fesseln kan?

MICIPSA.

In Fesseln süsser Träume!

MASINISSA.

Daß man der Trotzigen hartneckisch Höhnen zäume!

Strackst führt den Syphax uns in Band und Eisen her.

HIMILCO.

Ach! ist dis glaubens werth? wil uns das Unglücks-Meer /

Und Rom die gantze Welt ersäuffen und verschwemmen?

Rom / dessen Siege Witz und Stärcke nicht kan hemmen /

Wenn Sonne / Staub / und Wind10 uns gleich zu Hülf erscheint /

Ja Drach und Elefant Rom zu vertilgen meint.

MASINISSA.

Schaut! sol der Cyrthens Burg / und Byrsens Schlos erretten?

HIEMPSAL, HIMILCO UND MICIPSA.

Ihr Götter! träumet uns? trägt unser König Ketten /

Der schwer von Kronen war?

BOMILCAR.

Die durch Betrug und List

Er Masinissen stahl?

HIEMPSAL.

Ists möglich? daß ers ist?[262]

Der König / unser Fürst? den man läßt sclavisch schlüssen?

HIMILCO.

Laßt uns des Syphax Knie und Fus und Banden küssen.

BOMILCAR.

Fallt Masinissen dort / dem Sieger / unterm Fuß;

Der ist nicht Fusfalls werth / der selber knien muß.

SYPHAX.

Dis ist des Glückes Spiel. Ich habe noch für gestern

Mehr / als du itzt geprangt. Gewalt und Fall sind Schwestern.

So Ich als Cræsus kan dir ein schön Beyspiel sein:

Daß niemand für der Gruft sein Glück ihm darf beschrein.

Dis und ein Solon kan dich klüglich unterweisen:

Daß Sieger Fürstlich solln beilegte Fürsten speisen.

MASINISSA.

Wo du schnurstracks verschaffst: daß Cyrtha sich ergibt.

SYPHAX.

Dis schafft kein fallend Fürst / der seine Länder liebt.

MASINISSA.

Der nicht sein Volck mit sich verlangt in Grund zu reissen.

SYPHAX.

Wir werden nimmermehr sie knechtsche Zagheit heissen.

MASINISSA.

So sol dein bluttig Kopf bald auf den Pfal gedein.

SYPHAX.

Er wird mein Ehren-Mahl / dir nur ein Schandfleck seyn.

MASINISSA.

Stracks Kriegs-Knecht / laß das Beil des Trotzen Hals durchhauen.

SYPHAX.

Uns kan in dieser Nacht für keinem Tode grauen.

MASINISSA.

Fahrt fort!

MICIPSA.

Ach! grosser Fürst / ach! Er erwege doch:

Daß Seul' und Fürsten ja / die gleich verfallen / noch

Der Götter Bilder sind. Die That ist unerhöret.

MASINISSA.

Daß man den Frevler straft / der Kefer trotzen lehret?

HIEMPSAL.

Daß man umb Tapferkeit ein Fürstlich Haupt schlägt ab.

MASINISSA.

Das wenig Fürstliches auf Thron und Reich angab.

HIMILCO.

Wir wolln das euserste fürs Königs Heil vollstrecken.

SYPHAX.

Wolt ihr mit Untreu erst den alten Ruhm beflecken?

Den Hencker lassen euch Verzweiffeln jagen ein?

Wird / wenn gleich Cyrtha fällt / der Mörder milder sein?

Denn kan er nicht nur mir / auch euch den Kopf abschlagen.

Laßt uns behertzt und froh den letzten Schlag ertragen.

Es schafft mehr Ehre todt / als Sclave sein allhier.

Sagunt und Astapa11 mahlt euch ein Beyspiel für:

Daß Tugend mit mehr Lust sich stürtzt in Flamm und Brände /

Als Römern sich ergeb und fall in Feindes Hände.[263]

MICIPSA.

Ist unsern König denn zu retten gar kein Rath?

MASINISSA.

Schafft fort den Thörchten / bis er ausgeraset hat.

Wir wolln euch und der Stadt noch Gnad und Frist vergönnen

Bis ihr des Syphax Stand eröfnen werdet können.

Bomilcar sol nebst euch der Königin den Schluß

Vortragen / ihren hörn. Hiempsal aber muß

Als Geissel hier indes in unserm Läger leben.

Wo in drey Stunden sich nicht Stadt und Burg ergeben /

Solt ihr des Syphax Kopf gespißt am Pfale schaun.


Masinissa. Hiempsal.


MASINISSA.

Auf was vor Grund-Eis wil nun wol Hiempsal baun?

Hiempsal / welchem ich selbst wünsche besser Glücke /

Ja einen treuem Herrn; weil er ins Syphax Tücke

Nicht mit ist eingemischt. Bekweme dich der Zeit /

Vertraue mit der Stadt dich unser Tapferkeit /

So sol Hiempsal sein ein Auge Masinissen /

Und seine Tugend sich in höhern Würden wissen.

HIEMPSAL.

Der König muthe mir Verrätherey nicht zu!

MASINISSA.

Der übt kein Laster nicht / der's Vaterland in Ruh

Aus dem Verterben setzt; noch der / eh er ertrincket /

Ein frembdes Brett ergreift; und / wenn das Schiff versincket /

Ans Feindes Ufer schwimmt.

HIEMPSAL.

Man sol den Herren treu

Auch bis in Abgrund sein.

MASINISSA.

Ein Knecht wird los und frey /

So bald ein Herr vergeht und selbst mus Sclave werden.

HIEMPSAL.

Verräther müssen stets ein Greuel auf der Erden /

Ja dem selbst / der sie hegt / ein Dorn in Augen sein.

MASINISSA.

Nicht bilde dir von uns so schlimmen Undanck ein.

Du / leider! kennst nur nicht des Syphax grause Thaten;

Wie viel er Fürsten hat betrogen und verrathen /

Wie er der Römer Bund meineydisch hat verletzt /

Wie er verräthrisch mich des Reiches hat entsetzt.

Laß dir nur überhin die Schelmstück offenbaren.

Mein Vater Gala war12 kaum aus der Welt gefahren /

Als durch des Syphax Gift mein älter Bruder schon

Desalces unterging. So bald sein zarter Sohn[264]

Capusa König wird / hetzt er zum Aufruhrs-Brande

Den Mezetulus auf: daß er mit höchster Schande

In seines Königs Blutt so Hand als Seele wäscht;

Mit des Desalces Frau die geile Brunst ausläscht /

Sie in sein Bette raubt; des Reiches Häupter schlachtet /

Den Printz Lucumacen auch aufzureiben trachtet /

Und sich in Thron zu spieln. Als aber unsre Faust

Gereitzt durch Schand und Mord / für den den Unthiern graust /

Mit König Bochars Hülff im väterlichen Reiche

Den Räuber überfiel / und mit beglücktem Streiche

Bey Tapsus Sieger ward; schickt Syphax wider mich

Ein starckes Läger aus; und als der Räuber sich

Zutrennt durch meinen Arm mus flüchten aus dem Lande /

Läßt Syphax Asdrubaln zu einem neuen Bande

Sich reitzen wider mich; bringt eilends auf den Fuß

Die Kräfte seines Reichs / so: daß ich anfangs muß

Auf Balbus Klippen flihn und dar vom Raube leben;

Doch mich bald vom Gebürg in offne Flucht begeben /

Ja / als bey Clupea selbst fünf ich kaum entkam /

Mich stürtzen in den Flus; aus dem ich zwar entschwam /

Doch Bocharn glauben lies: ich sey im Strom ersoffen /

Bis ich den schwachen Leib / den funffzehn Wunden troffen /

In einer Hole mir mit Kräutern ausgeheilt.

Daselbsten les' ich noch vom Heere / das zertheilt /

Kaum viertzig Reuter auf / zih ein neu Heer zusammen;

Ja treibe wie ein Wind des Krieges glimme Flammen

Bis an des Syphax Burg; nahm Hippons Felsen ein.

Der Himmel aber schien mein Todt-Feind selbst zu sein /

So Syphax als sein Sohn / der Fürst Vermina / führen

Zwey Läger auf mich an. Ich muß die Schlacht verlieren /

Und kan Verminen kaum durch schnellste Flucht entflihn /

Muß Trost-loos und versteckt zun Garamanten zihn;

Bis Syphax sich so weit läßt Asdrubaln bethören

Durch seiner Tochter Eh;13 daß er sich zu versehren

Der Römer Bündnüs wagt. Drauf faßt ich Rath und Muth

Dem grossen Scipio zu opffern Hertz und Blutt;[265]

Der schon durch Wolthat mich vermocht hat zu bestreiten /

Als ich / sein Feind / gleich noch stand auf Carthagens Seiten /

Und er der Schwester Sohn Maßiven mir gab frey /14

Doch ohne Lösegeld. So bald ich Rom steh bey /

Sinnt Syphax / wie er mir ein Bein könn unterschlagen /

Läßt seine Tochter mir mit meinem Reich antragen /15

Und als mein Fuß nicht wil in Fall-Strick treten ein /

Besticht er einen Knecht mir Gifft zu thun in Wein.

Urtheil' Hiempsal nun: ob Syphax treuer Dienste /

Der Liebe würdig sey; ob nicht mit mehr Gewinste /

Mit mehrer Ehr und Ruhm man auf die Römer traut /

Durch welcher Beystand ihr mich itzt genesen schaut.

HIEMPSAL.

Mir grauset / ich gestehs / fürs Syphax schlimmen Tücken.

Allein –

MASINISSA.

Ein Kluger mus sich ins Verhängnüsu schicken /

Das leite dich / wie mich / durch deines Feindes Hand

Auf deiner Vorfahrn Thron.

HIEMPSAL.

Mehr als zu harter Stand /

Wo Treu / und Heil / und Furcht in einer Seele kämpfen!

MASINISSA.

Die Sonne der Vernunft mus solche Nebel dämpfen.

Entschleus behertzt / was Ruhm und Wohlfahrt samlet ein.

HIEMPSAL.

Es sey denn! Cyrtha sol noch heute deine sein.


Der Schauplatz stellet für einen Tempel.

Sophonisbe. Amilcar. Vermina. Juba. Das Königliche Frauenzimmer.


SOPHONISBE.

Ihr Schutz-Herrn Afrikens / ihr mehr als leichten Götter!

Trifft schon Numidien ein frisches Unglücks-Wetter?

Gibts Beelsamen nach /16 läßts Adad aus der acht:17

Daß Rom Carthagens Haupt und uns zu Mägden macht?

Mein Syphax ist aufs Haupt zum andern mal geschlagen.18

Und Cyrtha wird berennt. Doch / was ists / daß wir klagen?

Die Trauer-Wolcken sind noch nicht von Keilen leer;

Es praust ein neuer Sturm von allen Ecken her.

Ihr Götter! denen wir uns hier zu Füssen legen /

Laßt unsre Säuftzer doch / die Thränen euch bewegen.

Kan euer feurig Zorn uns denn vorbey nicht gehn /[266]

So laßt den freyen Leib Schwerd / Pfal und Brand ausstehn /

So laßt den Donnerkeil so Brüst als Hertz zerfleischen /

So laßt der Glieder Oel auf glimmen Rösten kreischen /

So schenckt der Lächsenden Ertzt / Pech und Schwefel ein

Darf Sophonisbe nur der Römer Magd nicht sein!

VERMINA.

Daß Sie / Durchlauchtigste / der Himmel mög erhören!

SOPHONISBE.

Hilf Himmel! wie? mein Sohn?

VERMINA.

Der ewig sie wird ehren /

Und ihr zu Füssen legt sein von Blutt triffend Schwerd.

SOPHONISBE.

Mein Kind / der Himmel hat des Wunsches uns gewehrt /

Der dich uns wieder schenckt. Komm lasse dich uns küssen!

Wie / aber / seh ich Blutt von allen Gliedern flüssen?

VERMINA.

Theils das der Feind auf uns / theils das wir selbst verfpritzt.

SOPHONISBE.

Wo bleibt der König denn?

VERMINA.

Die Schlacht war so erhitzt /

Die Schaaren so vermengt: daß ich nicht wahrgenommen /

Wo der behertzte Fürst im Treffen hin sey kommen!

Ich / dem das lincke Horn vom Vater ward vertraut /

Gerieth aufs dritte Pferd; und stand / bis daß ich schaut

Jedweden in der Flucht. Ich bin mit Noth entronnen.

SOPHONISBE.

Ihr Götter / ich vergeh! ists gantze Heer zerronnen /

Der König noch nicht hier / so kan / ach leider! Er

Nicht ungetödtet sein?

AMILCAR.

Der Kummer ist zwar schwer /

Doch muß beym Unfall man noch stets ein bessers hoffen.

SOPHONISBE.

Die kan nichts hoffen mehr / die so viel Blitz getroffen.

Ach leider / wir sind hin!

VERMINA.

Der Flüchtgen gröstes Theil

Floh dem Gebürge zu.

AMILCAR.

Vermuthlich hat sein Heil

Der Fürst dort auch gesucht.

SOPHONISBE.

Ach nein! mein bebend Hertze

Sagt mir was ärgers wahr.

AMILCAR.

Sie halte Maas im Schmertze.

Die Götter schencken uns keinmal nicht Wermuth ein:

Daß nicht Grosmüttigkeit darein kan Zucker streun!


Sophonisbe. Himilco. Micipsa. Vermina. Amilcar.


SOPHONISBE.

Kommt ihr / ihr treusten Zwey / von Masinissen wieder?

HIMILCO.

Wir kommen. Aber ach!

VERMINA.

Was zittern eure Glieder?

MICIPSA.

Voll Schrecken; doch erfreut: daß wir Verminen sehn![267]

SOPHONISBE.

Wo bleibt Hiempsal denn / ob ihm ein Leid geschehn?

HIMILCO.

Ach nein! das Unglück ist unmöglich auszusprechen.

AMILCAR.

Sagts. Ihr suchts ohne Frucht mit Wortten zu verbrechen.

MICIPSA.

Fürst Syphax.

SOPHONISBE.

Ich vergeh!

MICIPSA.

Ist in des Feindes Hand.

SOPHONISBE.

Tod?

HIMILCO.

Nein! Lebendig.

SOPHONISBE.

Ach! ist mein erbärmlich Stand /

Ist meines Elends Meer wol möglich zu ergründen?

AMILCAR.

Habt ihr gewissen Grund? oft meint ein Feind zu finden

Durch ein verfälscht Geschrey den Schlüssel in die Stadt /

Für die sein Arm zu schwach.

MICIPSA.

Der Feind / Ach leider! hat

Uns unsern König selbst gezeigt in Band und Eisen.

VERMINA.

Darf ihm der tolle Hund so knechtsche Schmach beweisen?

Laßt / weil ein Tropffen Blutt uns noch in Adern rinnt /

Verfechten Stadt und Burg. Wo ihr / wie ich / gesinnt /

Wolln wir geschwefelt eh mit dieser Burg auffliegen /

Eh Masinissens Faust ein Haar von uns sol kriegen.

HIMILCO.

Ich rühme Muth und Schlus; ich wil Gefährte sein.

Das Unglück aber schlägt uns unter noch ein Bein.

AMILCAR.

Eröfne / was uns drückt.

HIMILCO.

Der Feind hat hoch betheuert:

Daß / wo drey Stunden sie mit der Ergebung seyert /

Ihm Cyrtha nicht schleust auf / wir's Königs Kopf gespißt

Solln auf dem Pfale sehn.

SOPHONISBE.

Welch Drach und Tyger ist

Dem Masinissa gleich? Ihr Wolcken berstet / blitzet!

Brich Abgrund! wo der Hund / so rasend / so erhitzet

An unsre Seele setzt. Ohnmächtge Königin!

In was Verzweifelung fällt Sophonisbe hin?

Solln wir des Hauptes Haupt sehn auf dem Pfale stecken?

Sol solch ein Schaugericht uns Aug und Hertz beflecken?

Mag wol ein Greuel sein / der mehr durchs Hertze bricht?

Nein! Sophonisbe führt Thyestens Augen nicht!

Nein! Laßt uns vor den Dolch durch Hertz und Brüste stossen!

VERMINA.

Frau Mutter / laßt uns nicht mehr auf uns selbst erbossen /

Als auf des Feindes Brust. Man schärffe Witz und Schwerd:

Daß ihm der Donnerkeil selbst durch die Seele fährt!

SOPHONISBE.

Mein Kopf ist gantz verwirrt! die Augen gantz umbnebelt!

Läßt Sophonisbe zu: daß man den Eh-Schatz sebelt?[268]

Läßt Sophonisbe zu: daß man zur Magd sie macht?

Daß ihr mit Cyrtha seyd ins Römsche Joch gebracht?

Nein! Blutt-Hund rase fort! Du magst den Syphax schinden:

Dein Dreun und Greuel sol die Stad nicht überwinden;

Doch nein! Micipsa geh / eröfne Thor und Stadt.19

Geh / trags dem Feinde für: daß er zur Magd mich hat;

Daß er uns mag nach Rom zum Siegs-Gepränge führen /

Wo nur mein Eh-Schatz nicht darf Hals und Kopf verlieren!

AMILCAR.

Auf was für Aberwitz verleitet sie der Schmertz?

Hat Sophonisbe mehr kein Asdrubalisch Hertz?

Wil sie dem Todt-Feind uns und sich in Rachen stürtzen?

Kan ihm der Hund so denn nicht auch den Geist verkürtzen?

Und ärger mit ihm spieln / wenn alles ist verspielt?

Kein Schluß kan sicher sein / der auf die Zagheit zielt.

SOPHONISBE.

Solln wir durch Trotz das Beil selbst auf den Eh-Schatz wetzen?

AMILCAR.

Solln wir durch Furcht das Beil uns selbst an Nacken setzen?

SOPHONISBE.

Die Demuth reißt das Schwerd Tyrannen aus der Faust.

VERMINA.

Wie / daß ihr itzt nicht mehr für Masinissen graust?

SOPHONISBE.

Mein Hertze schmeltzt für Lieb / und wünscht für ihm zu büssen.

AMILCAR.

Die Feinde dreun oft mehr / als sie hernach entschlüssen.

HIMILCO.

Wir sahn ans Syphax Hals bereit das Beil gesetzt.

VERMINA.

Doch hat es noch zur Zeit kein Haarbreit ihn verletzt.

MICIPSA.

Der Grim ist nicht verkühlt / der Schlag nur aufgeschoben.

AMILCAR.

Solch Aufschub machet lau auch rasend-tolles Toben.

SOPHONISBE.

Nicht / wo ein alter Feind durch Aufschub zielt auf Nutz.

VERMINA.

Großmüttigkeit schafft Ruhm / Furcht ist der Hasen Schutz.

SOPHONISBE.

Ach leider! Ihr fühlt nicht die ängstgen Hertzens-Bisse.

AMILCAR.

Gesätzt auch: daß der Feind den Syphax tödten liesse /

Was hätten wir und er mehr als bereit verlohrn?

Die Fürsten / denen ist der Purper angebohrn /

Sind ohne Zepter kranck / und mehr als todt in Ketten.

Verlangt der Fürst und Held das Leben ihm zu retten?

Mäßt unserm Könige nicht solche Kleinmuth bey:

Daß ihm der Hals nicht feil für Reich und Kinder sey.

HIMILCO.

Wahr ists; dis was man hier itzt auf die Wage leget /

Verdammet Syphax selbst; und heißt uns unbeweget

Für unsre Wolfahrt stehn; betheuernde: Sein Tod

Sey uns mehr kein Verlust / doch's Ende seiner Noth.[269]

Ja als der Feind nahm wahr; wie ihn kein Dreuen schreckte /

Wie hertzhafft er den Hals bis unters Richtbeil steckte /

Zoch selbst die Tyranney die steilen Hörner ein.

AMILCAR.

Auch unsre Tugend wird des Feindes Anstoß sein.

HIMILCO.

Bomilcar aber dringt auf Cyrthens Ubergabe.

SOPHONISBE.

Wol! nun ich diesen Schluß von meinem Syphax habe /

Liegt mir kein Centner mehr des Zweifels auf der Brust /

Und Sophonisbe schöpft auch aus dem Elend Lust.

Weil Athem meine Brüst / und Blutt die Adern schwellet /

Wolln wir den Degen führn / wenn Syphax zwölfmal fället.

Micipsa geh und schaff itzt bald Bomilcarn heim;

Der nicht mehr hörens werth. Des Feindes Honigseim

Flößt uns nur Spisglas ein; dem man mehr / wenn er dreuet /

Mag traun / als wenn er Asch auf glimme Kohlen streuet.

Auf! laßt der treuen Stadt zum Vorbild uns stelln für!

Legt uns den Harnisch an. Den Helm her! schneidet mir

Nun das unnütze Haar zu Seenen20 auf die Bogen

Von Stirn und Scheutel ab. Welch Weib uns ist bewegen /

Welch unerschrocken Weib das Vaterland nicht haßt /

Sol nachthun / was ihr seht. Wir wolln des Krieges Last

Mit unverzagter Faust nebst euch / ihr Helden / tragen;

Der Stadt Beschirmer sein / den Feind in Ausfälln schlagen.

Lägt euch / ihr Liebsten / stracks auch Helm und Küras bey.

Der Himmel kan verleihn: daß Sophonisbe sey

Des Feindes Tomyris / ihr mehr als Amazonen;

Die dem Bluttdürstigen mit eignem Blutte lohnen.

Himilco nimm der Stadt statt des Hiempsals wahr /

Und rühm ihr unsern Schlus. Ihr / schafft für dis Altar

Stracks unsre Kinder her! Mein eigen Blutt bezeuge

Mit was für Liebes-Milch ich Reich und Völcker säuge.


Amilcar. Sophonisbe. Vermina. Adherbal. Hierba. Syphax. Bogudes der Priester. Torquatus, Flaminius, zwey gefangene Römer. Das Königliche Frauenzimmer / und darunter Orythia, Hippolite, Menalippe.


AMILCAR.

Unüberwindlich Zweig des grossen Asdrubal!

Behertzte Königin! die kein erschrecklich Knall[270]

Des Unglücks nicht erschreckt mit tausend Donnerwettern /

Die alle Welt verehrn / Carthago wird vergöttern;

Die Rom für Afrikens Penthasilea schilt.

Schutz-Göttin unsers Reichs /21 ja Cyrthens Pallas-Bild!22

Nun schöpf ich Luft und Muth! weil solch behertzt Entschlüssen

Mus vom Verhängnüsse / von unsern Göttern flüssen.

Nur Muth! die Königin wird uns Xanthippus sein

Die diesen Regulus wird Fässeln schlüssen ein;23

Und lehrn: daß wenn man meint Carthago lieg im Staube /

Sein Drache Ruhm und Sieg der Römer Adlern raube.24

SOPHONISBE.

Die Götter machen wahr dis / was mein Wunsch begehrt!

Kommt / gürtet umb den Leib hier meines Königs Schwerdt.

Vermina schmücke dich mit unserm Frauen-Kleide /25

Die Andacht macht: daß sich ein Held mit unser Seide

Hier nicht verstellt und fleckt. Zeuch meinen Rock auch an;

Daß ich in Helden-Tracht dem Mohnden opfern kan /26

Und du dis heilge Bild in Weiber-Kleidern ehren;

Weil sonst die Göttin nicht pflegt Betende zu hören.

Errette Kabar uns /27 du Schutzstern dieser Stadt!28

Baaltis höre mich /29 weil man dir allzeit hat

Hochedles Menschen-Blutt und Kinder-Fleisch gewehret:30

Daß es dein glüend Bild verbrennt hat und verzehret.

Schau / Göttin / gleich sich dir zwey meiner Kinder stelln.

Im Fall ihr schmeltzend Leib sol deine Flamm erhelln /

Eröfne deinen Heisch mit den gewohnten Strahlen.

Ja / ja! Ich sehe schon die Glutt sich röther mahlen.

Die Flamme krönt dein Haupt. Kommt her / ihr Kinder looßt /

Wer würdig unter euch sey auf den glimmen Roost

Als Opfer für das Heil des Vaterlands zu steigen.

Kommt! denn sie scheint euch schon die Armen zuzuneigen.

Durch solch ein Opfer hat auch Anobreta31 schon

Die Kriegslast abgeweltzt von der Phönizer Thron /

Als sie ihr einigs Kind den Göttern hat gebraten.

Busir hat den Osir /32 die Druiden Teutaten /

Und Creta den Saturn durch gleiches Blutt versöhnt /

Und Ammon Molochs Bild mit Solcher Glutt gekrönt /33

Auch Sparta Menschen-Hertz' aufs Mars Altar geschlachtet.

ADHERBAL.

Wie seelig / der fürs Heil des Vaterlands verschmachtet![271]

Frau Mutter / es bedarf hier keines Looses nicht.

Das Recht der Erstgeburth / das Hertze / das mir bricht

Für das gemeine Heil / bestimmen mir die Würde

Daß ich sols Opfer sein.

HIERBA.

Meinst du: daß ich für Bürde

Der Mutter Spruch nehm an? Ich habe so viel Muth

Als du / für unser Reich zu opfern Hertz und Blutt /34

Den Stahl so auf mich selbst / als auff den Feind / zu schleiffen.

Hier steht der Glückstopf schon. Laß nach dem Preiß uns greiffen.

VERMINA.

Mein Blutt und Hertze wallt für Schmertz-vermählter Lust!

Der Kinder grosser Geist regt meine kalte Brust.

Die Götter wandeln euch / ihr Sternen / in zwey Sonnen!

HIERBA.

Glück zu! Hierba hat das Vorzugs-Recht gewonnen!

Frau Mutter nehmt von mir die irrdschen Kleider hin.

SOPHONISBE.

Sol ich / hilf Himmel! sein die bluttge Priesterin?

HIERBA.

Vermina gürte mir den Gürtel von den Lenden.

VERMINA.

So Gold als Tugend wird verklärt in Flamm' und Bränden.

HIERBA.

Amilcar sol umb mich die Opfer-Binde zihn.

AMILCAR.

Aus deiner Asche wird der Wolfahrt Phenix blühn.

VERMINA.

Numidien wird dich mit mehrern Lorbern krönen /

Wir mehr Altäre dir baun / als den zwey Philenen

Carthago wiedmete /35 die in Cyrener Sand

Sich lebend ließen scharrn: wormit ihr Vaterland

Auf ihrer edlen Grufft ein ewigs Gräntzmal hette

Vergrösserter Gewalt.36

ADHERBAL.

Mus Decius errette

Sich opfernde / sein Heer; hier ist mehr Helden-That

Bey Kindern / als jemals verübt ein Römer hat.

HIERBA.

Adherbal kröne mich mit Lorbern und Cypressen.

ADHERBAL.

Ich und die Nachwelt wird nicht deinen Ruhm vergessen.

HIERBA.

Nun lege / Mutter / mich der Baal in die Schoos.37

SOPHONISBE.

Nimm diesen Kuß noch hin. Erschrecklich Hertzens-Stos!

Jedoch nur fort! das Heil des Reiches geht für Kinder.

Gott mache dich zum Stern und uns zum Uberwinder!

VERMINA.

Hilf Gott! was sprüt das Bild für grause Flammen aus.

Welch Blitz schlägt aufs Altar? Erbebt der Götter Haus?

Erschüttert sich die Erd? und wil der Grund verfallen?

SYPHAX.

Was habt ihr Thörchtes für: daß auch die Götter knallen

Auf euren Aberwitz? Wie? sol Hierbens Blutt

Hier schnödes Opfer sein? Weg mit ihm! dessen Muth[272]

Numidien zur Zeit in Freyheit sol versetzen.

Man mus bey solcher Noth mit andrem Blutte netzen

Der Götter glüend Bild. Ist sonst kein Opfer dar?

So Sonn und Monde wolln auf ihr umbflammt Altar

Zum Opfer Erstlinge von den Gefangnen haben.38

Stracks / schafft ihr zwey hieher. Die werden süßre Gaben

Den grossen Göttern sein.

SOPHONISBE.

Ihr leichten Götter ihr!

Verzückt Grimm oder Gunst den grossen Vorsatz mir?

VERMINA.

O Blindheit der Vernunft / die nur hat Maulwurffs-Augen /

Wenn sie schon Luchs wil sein. Wir albern Götzen taugen

Nicht fürs Verhängnüsses umbwölckten Richterstul!

SOPHONISBE.

Ihr Götter? träumet mir? leb ich? hat mich der Pful

Der Todten schon umbschrenckt? ist Syphax dis? sein Schatten?

Der König? den die Feind' in Band und Eisen hatten?

SYPHAX.

Ich werde / liebster Schatz / ja wol dein Syphax sein.

SOPHONISBE.

Komm schleuß mein Schutz-Gott mich in Seel und Armen ein.

ADHERBAL.

Darf ich / Herr Vater / ihm Hand / Knie und Füsse küssen?

SYPHAX.

Laß / allerliebstes Kind / dich in mein Hertze schlüssen.

HIERBA.

Hier zeiget sich mein Gott / dem opfer ich mein Hertz.

SYPHAX.

Es kämpft in meiner Seel Angst / Zweifel / Freude / Schmertz.

VERMINA.

Mit was bezeug ich ihm / Herr Vater / meine Freude?

SYPHAX.

Ist dis mein Kind? mein Sohn? Vermin? in Weiber-Kleide?

VERMINA.

Ich fleh in dieser Tracht für ihn die Götter an.

SYPHAX.

Itzt sterb ich froh / nun ich nur dich umbarmen kan /

Die Seule meines Throns / mit dessen falschem Sterben39

Die Feinde kitzeln sich / doch Ehren-Fahnen färben

Aus deinen Wunden dir; weil Feind und Laster doch

Nicht kan die Tugend schmehn.

SOPHONISBE.

Mein Schatz eröfne noch:

Wie er so glücklich sich der Fessel hat entbunden?

SYPHAX.

Zu was für Schlössern hat nicht Gold den Schlüssel funden?

Hierdurch hab ich erkauft der Mohren-Wache Treu.

SOPHONISBE.

In meinem Leibe wird Geist / Athem / Hertze neu /

Und sagt den Göttern Danck.

AMILCAR.

Ach! daß Carthago wüste

Des grossen Königs Heil / und unsre Freud' und Lüste!

VERMINA.

Der Priester führet zwey Gefangne gleich herein.

SYPHAX.

Recht! Gott und Andacht muß keinmal vergessen sein.

Den schlachte / Bogudes / dem Mohnden / den der Sonnen.[273]

BOGUDES.

Durch Opfer wird gewis der Götter Hertz gewonnen.

Ziht die Gefangenen bis auf die Hembder aus.

TORQUATUS.

Verdammter Gottes-Dienst! verteufelt Götzen-Haus!

BOGUDES.

Man wird euch siedend Ertzt auf Brüst und Glieder speien /

Wo ihr das Heiligthumb meint fluchend zu entweihen.40

Da ihr ein Wort noch sprecht / ersäuft euch Hellen-Kwal.

Laßt euch mit Meyen-Thau besprengen lieben mal.

Laßt euch Stirn / Augen / Mund aus diesem Weine waschen.

Nun laßt euchs Haupt bestreun mit dieser Todten-Aschen.

Schlüßt hintern Rücken Bein' und Armen in ein Band.

Werfft der Gefangnen Pfeil und Weyrauch in den Brand;

Daß Nabatheens Hartzt die heilge Glutt erfrische.

Nun hebt sie alle zwey auf die zwey Opfer-Tische.

Kehrt beyder Angefleht Astartens Bilde zu.

So scharffen Schnitt ich hier durch beyder Brüste thu /

So wolle Baal auch der Feinde Macht zertrennen.

Dis Hertze sol dir / Sonn /41 und dis dir / Mohnde / brennen.

Nimm grosser Schutz-Gott an / was Andacht dir gewehrt /

Das Fleisch sey von der Glutt / der Feind von dir verzehrt.

Hier hastu / Derceto / zum Opffer ihr Gehirne;42

Sey unsrem Feind ein bös' / uns ein geneigt Gestirne.

Wie dis erhitzte Beil durch beyder Hälse fährt /

So falle Rom und Feind auch durch der Mohren Schwerdt.

Daß man der Todten Köpf auf unsre Thürme stecke.

Der Feind für ihnen mehr als Gorgons Schild erschrecke.

SOPHONISBE.

Das Opfer ist vollbracht: Noch eines aber fehlt.

Ihr Kinder / die zur Rach uns das Verhängnüs wehlt;

Kommt laßt wie Hannibaln euch einen Eyd vorlesen;43

Dafern ihr Rom gestürtzt / Carthago wünscht genesen.

ADHERBAL.

Wo uns in Adern steckt ein Tropffen Römisch Blutt /

Vertilg ihn und mein Hertz die ärgste Schwefel-Glutt!

BOGUDES.

Ihr müßts Altar anrührn44 / aufs Schwerd die Finger legen.

HIERBA.

Ich fühl in meiner Brust sich Rach und Eyfer regen.

BOGUDES, ADHERBAL UND HIERBA.

Wir / unser Stamm / und Reich sei ewiglich verflucht /

Wo einer unter uns nicht Todfeind stirbt / und sucht

Der Römer Untergang / und Masinissens Ende.

Wir sagens eydlich zu euch Göttern in die Hände.[274]


Reyen


Darinnen die Zwytracht. Liebe. Haß. Freude. Schrecken. Begierde. Neid. Furcht. Die Seele der Sophonisbe.


DIE ZWYTRACHT.

Kommt / schaut / wie hier der Helle Priesterin /

Des Himmels Furcht / die Königin der Erden /

Des Abgrunds Kind / der Länder Henckerin;

Durch welche Welt und Himmel zwistig werden /

Durch die Sagunth und Troja kam in Brand /

Die auf Carthago Rom / auf Rom den Syphax hetzet /

Wirft einen güldnen Apfel aus der Hand /

Der Stärcksten unter euch sey er hier aufgesetzet.

DIE LIEBE.

Kein Streit ist noth; ob mir der Preiß gehört /

Weil tausendfacher Sieg mir Kron und Zeugnüs gibt /

Pygmalions sein Bild45 und Beyspiel lehrt:

Daß Lieb auch Helffenbein beseelt macht und verliebt.

DIE RACHE.

Was Liebe rühmt / hat Rache längst verübt.

Des Cadmus Saate kan dir meine Macht bewehrn:

Daß Todesbein oft meinen Trieb ausübt;

Daß ich kan Drachenzähn in Mörderhauffen kehrn.

DER HAß.

Im Menschen ist der Haß der gröste Trieb /

Der Teufels-Larven stets für Engel-Augen hält.

Welch Unmensch hat sonst nicht den Vater lieb?

Doch schaut: wie dort ein Sohn für ihm in Ohnmacht fällt.

DIE RACHE.

Die Ohnmacht ist der Rache Kinderspiel /

Es raast in eignes Fleisch die bluttbegierge Hand.

Schaut: wie der Grimm Medeens dort sich kühl'.

Wie sie der Kinder Haupt selbst schmetter an die Wand.[275]

DIE FREUDE.

Die Rach erstickt von blossem Eyfer nicht /

Wie wenn mein starcker Trieb Geblütt und Hertze schwellt.

Der Mutter Hertz und Lebens-Glas zerbricht /46

Wenn sie der Sohn umbarmt / den sie erschlagen hält.

DIE RACHE.

Die Rache raubt Vernunft und Sinnen weg;

Daß Ajax einen Stier für den Ulyß ersticht.47

Ja schaut: wie er sein Schwerdt selbst in sich steck /

Als in Atridens Blutt er sich kan kühlen nicht.

DIE BEGIERDE.

Nichts ist so starck / als der Begierde Brand;

Sie opfert Seel und Leib für Würde / Gold und Lust /

Wenn sie gewinnt beym Satyr Oberhand /

Umbarmt er Flamm und Tod48 für eines Schwanen Brust.

DIE RACHE.

Die Rache schont noch minder ihrer Haut.

Wenn Astapa sich nicht der Römer mehr erwehrt /49

Siht man: daß sie ihr selbst den Holtzstos baut /

Die Stadt stürtzt in die Glutt / und Leib und Gutt verzehrt.

DAS SCHRECKEN.

Das Schrecken kehrt den Menschen gar in Stein.

Als Phœbens Hirsch itzt sol Iphigenia zahln /

Nimmt solch ein Schmertz den Agamemnon ein:

Daß kein Timantes kan sein todtes Antlitz mahln.50

DIE RACHE.

Schaut: wo mein Grimm hin Sophonisben reißt?

Sie opfert selbst ihr Kind. Kan grimmers was geschehn?

Ja ich tag' aus der Gruft Achillens Geist:

Daß er Polyxenen ihm kan geschlachtet sehn.51[276]

DER NEID.

Kein wüttend Hund / kein Molch / kein Scorpion

Ist / der mehr giftig sich als meine Faust beweist.

Denn sie verstimmt des Orpheus süssen Thon;

Daß ihn der Bachchen Grimm in tausend Stücke reißt.52

DIE RACHE.

Aus Basilißk- und Drachen-Augen fährt

Kein solch vergiftet Blitz / als wenn mein Eyfer kreischt.

Actæon wird durch mich in Hirsch verkehrt /

Und meiner Hunde Grimm ists / der ihn so zerfleischt.

DIE FURCHT.

Die Furcht läscht aus der Seele selbst ihr Licht.

Daß Daphne wird ein Baum / die Syrinx schilficht Rohr.

Andromedens gebräuntes Angefleht

Wird Perlen-weiß / so bald der Wallfisch schwimmt empor.

DIE RACHE.

Mein Werckzeug ist auch Drach und Crocodil /

Der Juno Schlangen zihn Alciden in den Streit;

Ja mir tantzt nach / wenn ich in Reyen wil /

Furcht / Freude / Schrecken / Haß / Begierde / Liebe / Neid.

DIE SEELE DER SOPHONISBE.

Ja! alle die beherbergt meine Brust /

Seit mein verletzter Geist für Rach und Eyfer glühet.

Die Liebe schöpft an meinen Kindern Lust /

Wenn sie die Mordlust sich in ihnen wittern siehet.

Ich hasse Rom / und fürchte seine Macht.

Mich tröstet Syphaxs Flucht / ich meide's Feindes Glücke.

Mich schreckt die schon zweymal verlohrne Schlacht.

Nimm / Rache / dir den Preiß. Doch Blitz zerbrich die Stricke!

Quelle:
Daniel Casper von Lohenstein: Afrikanische Trauerspiele. Stuttgart 1957, S. 260-277.
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