Die andre Abhandlung.

[277] Der Schauplatz stellet für den innern Platz des Königlichen Palasts.

Sophonisbe. Syphax. Vermina. Juba. Himilco. Micipsa. Orythia. Elenisse. Menalippe. Ein Theil der Numidischen Fürsten und Hauptleute.


SOPHONISBE.

So ist / hilf Himmel! schon die Stadt ins Feindes Hand?

HIMILCO.

Ja leider! wir sind hin!

SYPHAX.

Erbärmlich Unbestand /

Des Glückes! das mit uns spielt / als mit Wasserblasen.

SOPHONISBE.

Ach! wie wird nicht der Feind auf uns und Cyrtha rasen!

VERMINA.

Sags: wie im Augenblick die Stadt erobert sey?

HIMILCO.

Wir falln durch eignes Schwerd / und durch Verrätherey.

Hiempsals Meyneyd hat die Festung aufgebrochen /

Nachdem er güldne Berg uns Thörchten hat versprochen /

Uns Albern und der Stadt betheuernd weiß gemacht:

Er habe Frieden uns von Masinissen bracht.

SOPHONISBE.

Verteufelt-falscher Hund! sind solcher Heuchler Motten

Aus zartem Wurm-Gespünst und Purper nicht zu rotten?

HIMILCO.

Als nun das frohe Volck von Posten sich verliert /

Ja viel der Vorwitz gar ins Feindes Läger führt /

Das voller Jauchtzen bebt / mit Freuden-Feuern gläntzet /

In dem jedwedes Fahn ein grüner Oelzweig kräntzet /

Nimmt unversehns der Feind mit einer schwachen Schaar /

Die selbst Hiempsal führt / das Thor ein / die Gefahr

Hieß mich und andre zwar zur Gegenwehr uns schicken.

Doch bald siht man auf uns die gantze Macht losdrücken;

Und als Mandrestal fällt / Hiarba bleibet todt /

Ich diese Wunden kriegt / fleucht alles: daß mit Noth

Ich auf die Burg entkam.

SYPHAX.

Ich seh es: das Verhängnüs

Bestellt Numidien und uns das Leichbegängnüs!

Auch Hannibal hat schon Carthagens Fall erkennt.53

JUBA.

Ach! Fürst / die Burg ist schon mit Feinden rings umbrennt.

Ja die Besatzung läßt Thor / Mauern / Waffen fahren /

Springt über zu dem Feind! Es sind von allen Schaaren

Nicht hundert / welche treu in Königs Diensten stehn.

VERMINA.

Laßt uns dem Feinde noch behertzt entgegen gehn.[278]

SOPHONISBE.

Ja! wir wolln biß in Todt mit euch in Kampfplatz zihen.

SYPHAX.

Umbsonst! Ach könte nur Vermina noch entfliehen!

An dem des Reiches Heil / Carthagens Hofnung liegt;

Mein Trost / wenn alles sonst verspielt ist und besiegt.

VERMINA.

Wie? und sol ich allein durch Flucht und Furcht mir rathen?54

SYPHAX.

Zeuch an ein Römisch Kleid; und mische den Soldaten

Dich als ein Kriegs-Knecht ein. Der Feind wird / wenn nur ich

Gefangen / sich so sehr bekümmern nicht umb dich.

Auch ihr / ihr Freunde / fliht / wo ihr entkommen könnet:

Weil Syphax / nun das Schiff zerberstet / jeden gönnet:

Daß er ein Brett ergreift / und Tod und Ach entschwimmt.

VERMINA.

Herr Vater / einen Kuß dem / der nun Abschied nimmt;

Die Götter wollen euch mit besserm Glücke segnen!

HIMILCO.

Wir wolln stehn aus was euch / Durchlauchste / wird begegnen!

MICIPSA.

Fürst Masinissa selbst bricht nebst des Heeres Kraft

Schon durch das Burg-Thor ein.

SOPHONISBE.

Laßt was der Himmel schafft /

Was das Verhängnüs schickt / behertzt thun und erfüllen.

Geduld verzuckert auch die Wermuth-bittren Pillen.


Masinissa. Syphax. Sophonisbe. Bomilcar. Juba. Himilco. Micipsa. Adherbal. Hierba. Manastabel. Das Frauenzimmer. Eine Menge Masinissischer Soldaten.


MASINISSA.

Trifft den Entlauffenen mit seinem Schwarme man

In diesem Kefichte vergifter Schlangen an?

Stracks! daß man ingesammt sie in die Ketten schlüsse.

SYPHAX.

Dein Schimmer spiegel sich in meinem Finsternüsse.

MASINISSA.

Dein Meineyd stürtzt dich selbst. Wer Göttern Eyde bricht /

Verdient bey Sterblichen Gunst und Erbarmung nicht.

Laßt Bein und Armen ihm in enge Fässel schrauben.

SYPHAX.

Wil man die Händ uns nicht zum minsten frey erlauben?

Gerechte Götter! Ach!

MASINISSA.

Ja wol! sie sind gerecht;

Dein Beyspiel lehrts; denn der wird itzt der Straffe Knecht

In dem die Boßheit herrscht.

SYPHAX.

Du wirst der Götter Rache

Noch allzu zeitlich fühln. Du eben bist der Drache /[279]

Der Africa verschlingt; und seine Freyheit legt

Den Römern unters Joch; der eine Wölfin hegt55

In seiner eignen Schos / die ihn bald selbst wird fressen.

BOMILCAR.

Gefangne reden nicht mit Siegern so vermessen.

SYPHAX.

Verletzt die Wahrheit so der Heuchler zartes Ohr?

BOMILCAR.

Du selbst hast hin und her gewancket wie ein Rohr.

SYPHAX.

Ich nie ins Vaterland ein frembdes Volck geführet.

MASINISSA.

Was nützt euch: daß ihr hier so Wortt' als Zeit verlieret?

Stracks führt den Syphax hin / schlüßt ihn in Kercker ein.

SYPHAX.

Des Syphax Geist wird frey auch in den Banden sein.

MASINISSA.

Bomilcar / laß alsbald rings-umb die Burg verwachen:

Daß niemand / wer der sey / sich auf die Flucht kan machen;

Sucht nebst Verminen auf die stoltze Königin /

Die diesen Brand gebohrn. Die schleppt in Kercker hin!

SOPHONISBE.

Durchlauchtigst-grosser Fürst; Großmächtger Uberwinder /

Erbarm dich deiner Magd und ihrer armen Kinder;

Die sich fußfällig dir zu deinen Füssen legt.

MASINISSA.

Was? ist dis eine Magd / die Helm und Harnisch trägt?

SOPHONISBE.

Ja! es ist Sophonisb' / ein Haß der leichten Götter /

Ein Ball des falschen Glücks / ein Ziel der Unglücks-Wetter;

Vor eine Königin / itzt deine schlechte Magd;

Der das Verhängnüs hat sonst allen Trost versagt /

Als diesen: daß sie fällt in Masanissens Hände;

Daß mein gescheutert Schiff an einen Felsen lende /

Auf dem der Tugenden stern-heller Pharos steht.

Vergib mir: daß ein Weib so ferne sich vergeht /

Die deine Sclavin ist: daß sie dein Knie anrühret /

Daß sie zu Fuffe fällt dem Herren / welcher führet

Im Köcher Gnad und Tod / Gewalt auf Hals und Haupt.

Wo deine Siegs-Hand mir zu küssen ist erlaubt /

Wo ein gefangen Weib darf Sieger etwas bitten /

Ich Mohrin auf dein Knie darf reine Thränen schütten /

So fleh ich durch den Glantz der Krone / die dich schmückt /

Bey aller Götter Gunst / die dir den Sieg zuschickt /

So fleh ich dich beym Ruhm und Nahmen der Numiden /

Das du und Syphax bist / nicht umb geneigten Frieden /

Umb Leben / Kron und Reich / nicht umb die Freyheit an.[280]

Nein! Sophonisbe stirbt begierig / wo sie kan.

Die Kräntze / die uns ziern / sind Pfeile voller Spitzen /56

Die uns durchs Hertze fahrn / und unser Haupt zerritzen.

Das Elend nagt an uns / das Glücke macht uns blind /

Da Mohren doch berühmt sonst von vier Augen sind.57

Das Reich war mir nur Last / die Krone trug nur Dörner;

Drumb schätzt ich alles diß nur für gemahlte Körner /

Darmit das Glück uns streut / und ins Verterben lockt.

Der Himmel ist zu schwartz / das Glücke zu verstockt:

Daß ich mir noch hiervon was süsses träumen lasse.

Ich schwere / grosser Fürst: daß ich mit Lust erblasse.

Mich stinckt das Aloe des sauern Lebens an /

Das das Verhängnüs selbst mir nicht verzuckern kan /

Weil ja kein Kürbskern mag Granaten-Aepfel zeugen.

MASINISSA.

Auf! schönste Königin / sie darf kein Knie hier beugen.

Sie melde: was sie drückt. Was hat sie zu befehln?

SOPHONISBE.

Ihr Götter! kan ich wol für Hertzens-Lust erzehln

Das bange Seelen-Ach! Mein Fürst / der Römer Ketten

Beängstigen mein Hertz.58 Kan mich der Fürst erretten

Aus dieser Stoltzen Schimpff / und solcher Wölffe Klau /59

Erlang ich Wunsch und Heil. Daß ich des Syphax Frau /

Der deines Bluttes ist / so lange bin gewesen /

Daß ich so wol als du in Africa genesen /

Senckt meiner Seele Trost und Hofnungs-Ancker ein:

Du könnst so grimmig nicht als frembde Römer sein.

Ist aber diese Macht dir / grosser Fürst / verschnitten /

So lasse dich mich Magd / mich Sclavin doch erbitten;

So treib dis schöne Schwerdt (ich schmecke schon die Lust!)

Durch meiner Kinder Leib in Sophonisbens Brust.

Bringt uns die Kinder her; hier durch fußfällig Flehen

Sich strenger Dienstbarkeit der Römer auszudrehen.

Ist auch der Wunsch umbsonst; so wil als Priesterin

Ich dir ihr spritzend Blutt zum Opfer liefern hin.

MASINISSA.

Durchlauchste Sophonisb' / ich fühle deine Schmertzen.

Das Gift fleust dir in Mund / und würckt in meinem Hertzen.

Jedoch / sie schöpffe Luft und gebe sich zur Ruh.

Oft wirft der Sturm in Port. Mein Licht / ich sag ihr zu /[281]

Hier hat sie Treu und Hand / ihr billiges Begehren.

SOPHONISBE.

Ihr Götter! was werd ich / als Freuden-schwangre Zehren /

Mein Schutz-Gott / dir zum Danck und Opfer gelten ab?

Mein Antlitz / das zur Zeit dem Syphax Anmuth gab /

Vermag nur Thränen noch; und meine schnellen Brüste /

Die vor zwey Köcher warn / und Brunnen süsser Lüste /

Sind nur von Seuftzern reich. Die Seele / die kaum kan

Noch recheln / zündet ihm der Andacht Weyrauch an.

Ja! laß auch dich nunmehr anbethen die zwey Knaben.

Verschmehe / so wie Gott / nicht die geringen Gaben.

Das Hertze / nicht ihr Preiß gibt Opfern ihren Werth.

Geht / liebsten Kinder / fallt dem Sieger in das Schwerdt.

ADHERBAL.

Großmächtger Herr und Fürst! Wir fallen ihm zu Füssen /

Verpflichten ewig uns zu Sclaven Masanissen.

Er spann uns Aermste nur nicht in der Römer Joch.

HIERBA.

Wir wünschen uns den Todt und tausend Martern noch /

Wir wolln fürs Henckers Klotz mit frohem Lachen knien;

Wir wolln in Löwenhöln / in Drachen-Nester ziehen /

Wo uns der Fürst nur nicht nach Rom als Sclaven schickt.

MASINISSA.

Ihr edlen Fürsten / auf! Aus diesen Knospen blickt

Die Trefligkeit des Stamms / die Würde künftger Früchte.

Durchlauchste / sie entwölck ihr himmlisches Gesichte;

Manastabal nimm ihr und ihrer Treuen wahr.

Die Stille folgt auf Sturm / Erkwickung nach Gefahr.


Masinissa.


Ach! aber Ach! bin ich Besigter oder Sieger?

Den Jäger zwar erlegt oft ein gehetzter Tyger /

Nicht aber ein schwach Reh. Und Sophonisbe schlägt

In Band und Eisen mich! wir siegen! und sie trägt

Die Lorber-Kräntze weg! wir schneiden / und fühln Schmertzen!

Wir herrschen in der Burg / sie aber uns im Hertzen!

Wir sind Herr dieses Reichs / sie Hencker unser Lust!

Tyrann in unser Seel / und Natter in der Brust!

Gleicht Sophonisbe sich der zaubernden Medeen?

Sol ich der Creuse Brand / des Creon Ach ausstehen?60[282]

Steckt sie durch blossen Blick wie Basilisken an?

Werd ich geäschert ein / eh ich den Zunder kan

So grosser Flammen sehn? Ich loder! ich verbrenne!

Mein Abgott / Sophonisb'! Auf! Fürstin / ich erkenne

Für den Gefangenen / für deinen Sclaven mich!

Wie / Masinissa / was beginst du? geh in dich!

Sol diese Spinne dir anmuthgen Honig geben?

Sol dieser Seidenwurm dir ein Begräbnüs weben?

Stürtzst du vorsetzlich dich wie Mutten in die Glutt?

Kennst du die Schlange nicht noch Asdrubals sein Blutt /

Die Gift nur athmet aus / ja nichts als Sterben hauchet?

Die Flamme / durch die itzt Numidien verrauchet?

Der Molch / der's Syphax Brust durch Ehrgeitz neckt und stach /

Bis er vom Reich uns sties / der Römer Bündnüs brach?

Und Masinissa wil sich gatten mit den Drachen /

Umbarmen diesen Wurm / mit Nattern Freundschaft machen?

Schleuß diese Zauberin in ein Gefängnüs ein;

Stoß sie aus Schoos und Brust. Nein! Masinissa / nein!

Der Ehrgeitz bländet dich / du rennst in schnöden Schrancken /

Die Rach und Eyfer setzt; du frevelst mit Gedancken /

Wenn du des Syphax Schuld auf ihre Schultern lägst;

Die Unschuld mit Verdacht- und Neides-Peitschen schlägst.

Gesetzt: daß sie auf Rom verbittert ihn verhetzet;

Welch Lamm erbost sich nicht auf den / der es verletzet?

Die Schneck / ein Kefer spreust auf jeden / der sie neckt /

Die schwachen Hörner aus. Dis / Sophonisbe / steckt

Mich mehr mit Flammen an: daß deine Schönheits-Strahlen

Nicht tumme Steine sind und Perlen-leere Schalen:

Daß du von Asdrubaln dem Helden stammest her /

Der neu Carthago baut' /61 ein Herr war zweyer Meer' /

Und stets voll Tapferkeit zum Kampffe war gegürtet;62

Daß deine Lilgenbrust Alcidens Hertz bewirthet;

Daß Blitz beseelt dein Aug und Anmuth die Gestalt.

Ich brenn! Ach! aber / ach! mein Hertze wird mir kalt /

Wenn es an Rom gedenckt / an Scipions Gesichte.

Geschwinde Brunst gebiehrt der Reue saure Früchte.

Wie würd es / Masaniß / umb Reich und Zepter stehn?[283]

Ach ja! es läßt sich nicht in jeden Tempel gehn

Mit unverschloßner Lipp und aufgelöster Stimme.

Und Masanissa darf nicht sagen: daß er glimme;

Mus legen / wenn er dich / o Sonne / betet an /

Den Finger auf den Mund.63 Doch nein! solch Feuer kan

Verscharrt nicht unter Asch erstickter Furcht verliegen.

Rom mag erbittert sein / mein Zepter Anstos kriegen /

Die Gunst in Haß sich kehrn / mein Zepter / Glück und Land /

Mein Lebens-Faden hengt in Sophonisbens Hand;

Mein Puls schlägt / wie in ihr / mein Hertz in ihren Brüsten!

Wird aber Syphax nicht noch unsern süssen Lüsten

Schälsichtig ihrer Gunst und Lieb am Wege stehn?

Nein! Syphax sol schnurstracks durch diese Faust vergehn!


Der Schauplatz bildet ab einen Kercker.

Syphax. Sophonisbe.


SYPHAX.

Ist der Verlust des Reichs / Rachgötter / euch zu wenig?

So sol Numidiens gekröntes Haupt und König /

Der Schutz-Herr Afrikens in dieses Kerckers Nacht

Vermodern und verfauln? lernt / die ihr euch die Pracht

Des Purpers bländen laßt / aufs Zepters Rohrstab stützet:

Daß der in Banden heut und auf den Pfälen sitzet

Der gestern Cræsus war. Ach! was war Syphax nicht?

Ein Stern in Mohren-Land; itzt ein verloschen Licht;

Der Völcker Schiedes-Mann /64 ein Richter grosser Herren;

Itzt ein verdammter Knecht; den man wie Sclaven sperren

In schwere Fässel läßt. Rom und Carthago war

Umb meine Gunst bemüht; der Helden gröstes Paar /

Der Römer Scipio und Asdrubal der Mohren /

Bedienten meine Hand / liebkosten meinen Ohren /

Bewarben auf einmal umb meine Freundschafft sich.

Ach! daß ich / Scipio / du Unglücks-Vogel / dich

Mit der ergrimmten Faust zu tödten nicht gewaget /

Als du und Asdrubal in einem Bette laget?65[284]

Drumb / Syphax / rüste dich / ersetze / was versehn!

Es ist so schrecklich nicht den grausen Tod ansehn /

Als in der Finsternüs kaum Maulwurfs-Augen haben.

Auf! ruste dich ins Hertz dis Messer zu vergraben!

SOPHONISBE.

Halt Syphax!

SYPHAX.

Steht uns auch zu sterben nicht mehr frey?

SOPHONISBE.

Nicht übe wider dich selbst grimme Tyranney.

SYPHAX.

Ach! hett ich dis beginnt schon in der zarten Jugend!

SOPHONISBE.

Bey Unglück Ungeduld ist Zagheit / keine Tugend.

SYPHAX.

Sol ich in steter Furcht noch für mehr Schimpffe stehn?

SOPHONISBE.

Die Sonne kan nach Blitz noch schön zu Golde gehn.

SYPHAX.

Ich hoffe nun nichts mehr von Menschen oder Göttern.

SOPHONISBE.

Dir blickt ein Sonnenstrahl schon nach so grausen Wettern.

SYPHAX.

Ein Sonnenstrahl? von wem?

SOPHONISBE.

Von Mir.

SYPHAX.

Ach! falsches Liecht!

Elende Sonne! gib mirs Messer!

SOPHONISBE.

Kennst du nicht

Mehr deine Sophonisb'?

SYPHAX.

Ihr Götter!

SOPHONISBE.

Deine Sonne /

Die diese Nacht durchstrahlt / des Kerckers Angst in Wonne /

Die Band' in Freyhek kehrt.

SYPHAX.

Wie? Syphax träumet dir?

Höhnt ein Gespenste dich?

SOPHONISBE.

Mein Fürst / nein! glaube mir.

Die Sorge für dein Heil führt mich zu deinen Ketten.

SYPHAX.

Kommt Sophonisbens Geist hieher?

SOPHONISBE.

Ich dich zu retten.

SYPHAX.

Ich höre meinen Schatz / schau aber einen Mann.

SOPHONISBE.

Schau: in was Treu und Noth sich nicht vermummen kan!

SYPHAX.

Wie? ist / mein Engel / sie ein Römisch Kriegs-Knecht worden?

SOPHONISBE.

Die Liebe / liebstes Haupt / ist aus des Proteus Orden /

Die sich zu allen macht / nimbt jede Farb an sich

Wie ein Chamæleon. Die hat / mein Engel / mich

Auch in dis Kleid versteckt / dir Hülf und Rath zu bringen.

SYPHAX.

Was kan aus der Gefahr für Hülffe mir entspringen?

SOPHONISBE.

Verwechsele mit mir nur Augenblicks dein Kleid.

SYPHAX.

Ach / Ausbund wahrer Treu!

SOPHONISBE.

Verspiele keine Zeit.

Der Wächter Aufsicht läßt uns nicht viel Wesens machen.

SYPHAX.

Wil sie mich denn befreyn / sich opfern diesen Drachen?

SOPHONISBE.

Beförder deine Flucht. Ich weiß auch mir schon Rath.

SYPHAX.

Wer schleußt die Fessel mir auf?

SOPHONISBE.

Sophonisbe hat[285]

Schon Schlüssel.

SYPHAX.

Kan mein Geist die Treue noch begreiffen?

Jedoch / ich wil auf mich die Hencker lassen schleiffen

Schwerdt / Hacken / Spisse / Beil / die Augen-Lieder mir

Wegschneiden / und mich stelln gerader Sonnen für /

Ich wil mehr Pein stehn aus / als Regulus ertragen /66

Eh als mein Frey-sein dich sol in die Fessel schlagen.

SOPHONISBE.

Das letzte kan / mein Schatz / durchaus nicht anders sein.

SYPHAX.

Ich wil eh sterben!

SOPHONISBE.

Schleuß / mein Engel / mich nur ein /

Versichert: daß hierdurch mein Heil eröffnet werde.

SYPHAX.

Ach! was drückt meinen Geist für Wehmuth und Beschwerde!

SOPHONISBE.

Geh unerschrocken fort! es wird kein Mensch dich nicht

Rechtfertigen. Ja / weil dein Mund gutt Römisch spricht

Wirst du dich auf den Fall wol zu verreden wissen.

SYPHAX.

Laß dich / mein Trost / noch einst zu gutter letzte küssen!

SOPHONISBE.

Die Götter leiten dich! der Himmel sey dein Schutz!

Wie aber? schafft auch dis dir / Sophonisbe / Nutz?

Die Ketten schwirrn umb mich; doch in den leisen Ohren

Klingt Masanissens Wort; sein Schall ist unverlohren!

Er fühle meinen Schmertz. Wer dieses Fühlen hat /

Kan unverliebt nicht sein. Mein Syphax / was für Rath?

Wenn Masanissens Hand uns Liebes-Körner streute?

Dörft ich / mein Engel / dich wol setzen auf die Seite?

Nein / Sophonisbe / nein! der Himmel straft und haßt

Den Meineyd / der bald dis / bald jenes Bild umbfaßt.

Wie würd uns Syphax nicht verfluchen und verdammen?

Ja würde Masaniß uns mit sammt unsern Flammen

Nach einst-gebüster Lust nicht als ein Gift verspein?

Weil Laster nach der That uns selbst bald Eckel sein.

Jedoch / was widerstehn wir leitenden Gestirnen?

Mein Syphax / pflegen doch die Götter nicht zu zürnen:

Daß heute man dis Bild / ein anders morgen ehrt.

Ja / was ist / das die Zeit uns nicht ersinnen lehrt?

Der Witz mus aus der Noth ihm eine Tugend machen.

Er hält auch mich und's Reich schon für verlohrne Sachen /

Der Sophonisben nicht mit Rechte fluchen kan /[286]

Die seine Ketten bricht und ihr an Hals legt an;

Die Ketten / durch die ich selbst traue Masinissen /

Als Zeichen meiner Treu ins Liebes-Garn zu schlüssen.


Masinissa. Sophonisbe.


MASINISSA.

Was schwermet Syphax noch in dieser Einsamkeit?

Was zanckt er mit sich selbst? Verräther / itzt ists Zeit:

Daß deine Herschens-sucht so Gift als Geist ausblase;

Daß Masanissens Stahl in deinen Därmern rase /

Den du / Friedbrüchiger / des Reiches hast entsetzt.

Was seuftzt? was murmelt er? laßt hören / was er schwätzt?

SOPHONISBE.

Ja! Masinissa / ja! vollstrecke deine Rache!

Du hast nicht schlechten Grund / ich eine böse Sache.

MASINISSA.

Reitzt der Verzweifelte mich selbst zum straffen an?

SOPHONISBE.

Weil / ausser durch den Tod / ich nicht genesen kan.

MASINISSA.

Weil du dich selbst verdammst und deine böse Lüste /

So kriege Tod und Stich.

SOPHONISBE.

Ja stoß durch diese Brüste!

MASINISSA.

Huf Himmel! ich erstarr!

SOPHONISBE.

Wie? daß der Dolch entfällt?

MASINISSA.

Wie? hat der Syphax sich in eine Frau verstellt?

Laß uns die Wunder-Werck was eigen doch betrachten!

SOPHONISBE.

Wil Masanissa nicht mich Sophonisbe schlachten?

MASINISSA.

Ihr Götter! bin ich noch bey Witze? träumet mir?

Ist Sophonisbe dis? ist Syphax nicht mehr hier?

SOPHONISBE.

Sie ist es / grosser Fürst / sie kniet für Masanissen.

MASINISSA.

Ließ mein Manastabel sie in den Kercker schlüssen?

Der Schwefel sol sein Lohn / die Faust sein Hencker sein!

SOPHONISBE.

Nein! meine Treu schleust mich in diesen Fesseln ein.

MASINISSA.

Die Treue? leg uns aus dein seltzam Ebentheuer.

SOPHONISBE.

Welch Ertzt zerschmeltzet nicht durch heisses Liebes-Feuer?

MASINISSA.

Es dünckt mich / was du sagst / ein leer- und blosser Traum.

SOPHONISBE.

Verzeihe / grosser Fürst. Ich darf mein Laster kaum

Eröfnen.

MASINISSA.

Sags / was ists? was nennst du dein Verbrechen?

SOPHONISBE.

Die Zunge stammelt mir / wenn ich es aus wil sprechen.

MASINISSA.

So starrt der Mund für dem / was Hertz und Hand vollbracht?

SOPHONISBE.

Ich hab aus dieser Kluft den Syphax loos gemacht.

MASINISSA.

Und sie hat sich für ihn in Ketten schrauben lassen?

SOPHONISBE.

So ists! weil ich für ihn mir wünsche zu erblassen.[287]

Großmächtger Herr und Fürst! verzücke nicht den Stich;

Bepurper diese Brust. Nimm für den Syphax mich

Zu deinem Opfer an. Ich weiß: daß mein Beginnen

Halsbrüchig Laster sey. Ich werde viel gewinnen /

Wenn deine blöde Magd / die für dir säuftzend kniet /

Und nach dem Tode girrt / durch deine Faust sich siht

Durch keinen Römer falln.

MASINISSA.

Durchlauchste Sophonisbe /

Machstu die Fabel wahr von der getreuen Thisbe?

O Demant-feste Treu! O Liebe / die für ihr

Kein gleiches Beyspiel hat! die Tugend wigt in dir

Noch deine Schönheit weg. Was starrst du / Masanisse?

Läst du die Göttin noch umbarmen deine Füsse?

Brich der Andromede verdammten Stahl entzwey!

Verschweig ihr länger nicht: daß Sophonisbe sey

Des Masinissa Sonn / Aug-Apffel / Göttin / Engel;

Er tiefster Sclav und Knecht.

SOPHONISBE.

Ich kenne meine Mängel.

Entweihe deinen Mund durch ekeln Lobspruch nicht.

MASINISSA.

Ich fange Flamm und Glutt von deiner Tugend Licht.

Ich brenne / durch den Blitz der Schönheit angezündet!

Wie bald wird nicht beilegt / der mehrmals überwindet?

Wie fällt in Fässel der / der sie löst andern auf!

Schau: wie der Liebe Blitz durch Pfeil-geschwinden Lauf

Den Grimm wie Wachs zerschmeltzt / des Siegers eisicht Hertze

Wie Schwefel zündet an; wie der Begierden Kertze

Des Hasses Rauch zertreibt! wie Masanissa brennt;

Der dich die Siegerin / sich den Besiegten nennt!

SOPHONISBE.

Verfinster deinen Glantz nicht in so düstrer Höle.

Die ersten Regungen in einer zarten Seele

Sind keine Wolcken nicht / nur leichter Hägerauch /

Den Sonn und Witz bald tilgt. Und er / mein Fürst / wird auch /

Eh als es Mittag wird / mit klärern Augen sehen.

MASINISSA.

Nein! meine Flammen wird Vernunft und Zeit aufwehen!

Ich habe dieser Glutt zwar Anfangs widerstrebt;

Doch ich floh wie ein Reh / in dem der Pfeil schon klebt.

Ich wolte mit Gewalt die Augen von dir kehren;

Doch ich empfand: daß sie von Arth der Adler weren /

Du ihr schön Sonnenradt. Ja hette meine Pein[288]

Mir Ruh und Schlaff vergönnt / würd es ein Traum zu sein

Mich düncken! aber ach! ich brenn und werde brennen!

Das Epheu läßt sich nicht gantz von der Staude trennen /

Ich nicht beseelt von dir! Ja / ausser dir bin ich

Todt. Denn ich habe ja kein ander Hertz als dich.

Mein Abgott / Sophonisb'; Ich falle dir zu Fusse;

Ach! kühle meinen Brand mit einem feichten Kusse!

Geuß in mein siedend Hertz zwey Tropfen reiner Gunst.

Wie wird mir? Himmel hilf! kreucht durch so heisse Brunst

Das Eis des Todes uns und Ohnmacht in das Hertze?

Mein Lebens-Wachs zerrinnt / weil meine Liebes-Kertze

Mit allzu grosser Glutt das Adern-Oel greift an.

Ach! daß sich nicht die Seel in dich verwandeln kan!

SOPHONISBE.

Mein Fürst / mein Augen-Trost; zwar meine Seele schwimmet

In diesen Flammen auch / worvon dein Hertze glimmet:

Der Himmel aber spricht uns diesen Brand nicht gutt /

Entzeucht den Ampeln's Oel / geust Wasser auf die Glutt.

MASINISSA.

Welch Unmensch mag so schwartz dir Stern und Himmel mahlen?

SOPHONISBE.

Mein Auge wirft mit Fug nur auf den Syphax Strahlen.

MASINISSA.

Der flüchtge Syphax ist dir ein verlohrnes Ziel?

SOPHONISBE.

Ich blieb sein Eh-Gemahl / als gleich sein Glücke siel.

MASINISSA.

Die Stratonice freyt noch bey Selevcus Leben.67

SOPHONISBE.

Selevcus hat mit Willn dem Sohne sie gegeben.

MASINISSA.

Auch Syphax kan nun nicht mehr eyfersichtig sein.

SOPHONISBE.

Das Unglück äschert nicht der Liebe Pfeiler ein.

MASINISSA.

Hat Asdrubal mich dir zum Bräutgam doch erwehlet.68

SOPHONISBE.

Carthago aber hat mich ihm / nicht dir vermählet.

MASINISSA.

Zernichtet Kaccabe69 mit Fug der Eltern Schluß?

SOPHONISBE.

Das Vaterland geht für / dem alles weichen muß.

MASINISSA.

Das Kriegs-Recht scheidet sie / und schenckt sie meinen Händen.

SOPHONISBE.

Wil er umb meine Gunst sein gantzes Heil verschwenden?

MASINISSA.

Wahrhafte Liebe scheut ein scheles Auge nicht.

SOPHONISBE.

Er weiß / mein Fürst / was Rom für strenges Urtheil spricht.

MASINISSA.

Hat Rom im Lieben uns Gesätze vorzuschreiben?

SOPHONISBE.

Ich werde Scipions Gefangne sollen bleiben.[289]

MASINISSA.

Nimmt Cyrtha Scipio / nicht Masinissa ein?

SOPHONISBE.

Die grösten Fürsten solln der Römer Werckzeug sein.

MASINISSA.

Ich bin Roms Sclave nicht / es heißt mich Bunds-Genossen.

SOPHONISBE.

Sie wolln stets erndten ein / wo andre gleich gegossen.

MASINISSA.

Dich Sophonisbe nicht / weil Masinissa lebt.

SOPHONISBE.

Ich sorge: daß mir dis den Sterbekittel webt!

MASINISSA.

Ich wil den Bund mit Rom / eh als den Eyd dir brechen.

SOPHONISBE.

Ich darf / mein Schutz-Gott / dir nun nicht mehr widersprechen.

Die Flamme läßt in mir sich länger nicht verhöln.

Laß einen heissen Kuß den todten Mund beseeln.

Denn Küssen ist der Kern / die Seele ja der Liebe.

Itzt folgt nach Thränen Lust / und Sonnenschein aufs Trübe.

Ich bin aus mir entzückt / ersäuft von Glück und Lust!

Ich opfere mein Hertz und wiedme meine Brust

Zum Tempel.

MASINISSA.

Himmel hilf! wil sie in Ohnmacht fallen?

SOPHONISBE.

Laß Labsal saugen mich aus deinen Mund-Korallen.

MASINISSA.

Streut zweyer Sonnen Nacht der Thränen Thau von sich?

SOPHONISBE.

Mein Brand zerschmeltzt die Seel und fleucht aus mir in dich!

MASINISSA.

Und meine lächst nach dir! Ich sincke für dir nieder!

Ich gebe dir dein Reich mit meiner Seele wieder.

Das Einhorn lägt sein Horn / das Zepter seiner Macht /

So in der Frauen Schoos.70 Laß uns / mein Licht / bedacht

Stracks auf die Hochzeit sein / und aus dem Kercker gehen.

Vollzogner Heyrath kan Rom schwerer wiederstehen.


[290] Der Schauplatz bildet ab den Tempel.


Reyen


Der Liebe / des Himmels / der Regiersucht unter der Person des Jupiters; des Abgrunds / der Grausamkeit unter der Person des Pluto; der Erde / der Tugend / unter der Person des Hercules; des Wassers / der Ehre / unter der Person des Jason.


DIE LIEBE.

Der Zirckel der Natur umbschrenckt

Nicht mein Altar / nicht meines Tempels Zinnen /

In einem meiner Finger henckt:

Daß euer Leben euch die Parcen spinnen.

Kommt nun / Hell / Erde / Himmel / Meer /

Kommt streut mir opfernd Weyrauch her.

DER HIMMEL.

Du bist mein Kind / die Götter opfern mir;

Der Donner kämpft für meines Zepters Würde.

Was zückst du denn dich meiner Gottheit für?

Dein Tempel ist für meinem eine Hürde.

DIE LIEBE.

Eh als der Himmel stand / war ich.

Er buhlt der Welt liebäugelnde von ferne /

Und schmückt mit tausend Augen sich.

Sein Kleid und Antlitz sind verliebte Sterne /

Beer / Ochs / Orion / Adler / Schwan71

Zeigt meine Macht / sein Feuer an.

DER HIMMEL.

Auf rüste dich Regiersucht für mich aus!

Laß Jupiter dein Zepter nicht verachten.

Schlag / was dein Reich trotzt / durch den Blitz in Graus!

Laß diese Kinder mir zum Opfer schlachten.[291]

DIE LIEBE.

Für mir muß Jupiter selbst knien /72

Ein Guckuck sein / ein güldner Regen werden.

Reißt Kinder ihm den Mantel hin;

Weißt: daß er sey ein Satyr auf der Erden.

Brecht ihm die Donner-Keil entzwey /73

Lehrt: daß mein Pfeil ihr Meister sey.

DIE HELLE.

Wer Jupitern und Kronen gleich besigt /

Läßt doch den Pful der Hellen unversehret.

Die Lieb erstickt / ihr Anmuths-Reitz erliegt /

Wo man nur Ach und Ketten schwirren höret.

DIE LIEBE.

Auch bis zur Helle dringt mein Strahl.74

Mein Pfeil steckt noch in Ariadnens Brüsten /

Und Didons Geist fühlt Liebes-Kwal.

Dringt Orpheus nicht gereitzt von süssen Lüsten75

In Abgrund zur Eurydice

Und Theseus zur Proserpine?

DIE HELLE.

Auff! Grausamkeit / die meine Nacht verwahrt!

Auff! Pluto / auf! bewafne dich mit Flammen.

Beweis' allhier / wie Rach und Grimm gebahrt.

Zertreib den Schwarm der Kinder stracks vonsammen.

DIE LIEBE.

Die Grausamkeit wird für mir bleich.

Ein Polifem erstarrt für Galatheen.76

Selbst Pluto läst sein finster Reich /77

Gereitzt durch Brunst der Ceres Tochter stehen.

Geht / Kinder / schleppt ihn fürs Altar /

Reicht mir der Hellen Schlüssel dar.78[292]

DIE ERDE.

Wenn in der Glutt gleich Hell und Himmel kracht;

Nehrt meine Schoß doch Seelen ohne Flammen.

Leucatens Fels vertilgt der Liebe Macht /79

Silemnus Bach theilt Seel und Brunst von sammen.80

DIE LIEBE.

Durch mich wird Cyrth- und Troja Graus.

Die Erd ist in den Himmel selbst verliebet /

Sie schmückt im Frühling sich schön aus /

Nur: daß sie ihm geschwängert Anmuth giebet.

Der Tyger Grimm / der Schlangen Gift

Verraucht / wenn sie mein Liebreitz trifft.

DIE ERDE.

Alcides auf! greif diesen Drachen an!

Der Tugend weicht jedwedes Ungeheuer.

Wer Hell und Neid / und Löwen tödten kan /

Bleibt unversehrt wie Salamand'r im Feuer.81

DIE LIEBE.

Die Tugend wird mein glüend Brand.

Geht / Kinder / reißt die Keule weg dem Riesen /82

Gebt ihm den Rocken in die Hand.

Nun spinne / wie dirs Omphale gewiesen!

Ja Oeta sol ein Leichen-Stein

Und meine Glutt dein Holtzstos sein.

DAS WASSER.

Das Wasser läscht / fängt aber keine Glutt.

Wie sol nun's Meer dir heisses Opfer bringen?

Selbst Phaethon kühlt sich in meiner Flutt.83

Und Syrinx kan bey mir dem Pan entspringen.

DIE LIEBE.

Die Lieb hatt' ihre Wieg in dir.

Jedweder Fisch / jedwede Schnecke brennet.[293]

Neptun wird rasende für mir:

Daß er der Ceres wie ein Pferd nachrennet.84

Ja des verliebten Alpheus Bach85

Kreucht durchs Meer Arethusen nach.

DAS MEER.

Auf! Jason / auf! hier ist mein Drey-Zancks-Stab.

Spritz aus hierdurch die Brände der Begierde.

Denn Ehr und Ruhm gewinnt der Wollust ab;

Das güldne Flüs86 ist deiner Seele Zierde.

DIE LIEBE.

Die Lieb hat dirs zuwege bracht /

Medeens Brust muß vor mein Pfeil zertrennen.

Geht / prüft / ihr Kinder / meine Macht /

Versucht ob nicht der Drey-zancks-Stab kan brennen.

Kommt nun / Hell / Himmel / Erde / Meer /

Kommt streut mir opfernd Weyrauch her!

JUPITER, PLUTO, ALCIDES, JASON, HIMMEL, ABGRUND, ERDE UND WASSER.

Wir legen uns fußfällig fürs Altar.

Wir opfern mit den Nahmen unsre Hertzen.

Der Wörtter Brand macht selbst das Feuer wahr /

Schaut: wie sie sich erhelln von ihren Kertzen.

DIE LIEBE.

Schaut: wie ein Theil als Sternen glüht.

Ihr Kinder / geht / ziert euch mit ihren Flammen;

Weil ja ihr Schimmer ferner siht /[294]

Ihr setzet zwar die Wörtter itzt zusammen;

Die Nachwelt aber wird schaun an;

Was reine Liebe würcken kan.


Des Römschen Reiches Jupiter

Wird überm Meer Europens Perl ihm holen.

Der Teutschen Hercules und Herr

Hat Omphalen sein Hertze schon befohlen.

Die grosse Keyserin und Braut

Wird kurtzweiln mit der Löwen-Haut.


Es wird ein edler gülden Flüß87

Als Phasis hat / der Strom Manzanar hegen.

Der Jason / der von Argos stieß /

Wird selbst so denn sein güldnes Flüß anlegen

Dem Löwen / der / O güldne Zeit!

Dem güldnen wieder fleh verfreyt.

HIMMEL, ABGRUND, ERDE, WASSER, JUPITER, PLUTO, ALCIDES UND JASON.

Wir falln zu Fuß / uns opfernd eurer Hold;

Der Himmel halt euch in stets-grüne Blüthe

Durchlauchtigster / Großmächtger Leopold

Durchlauchtigste / Großmächtge Margarite.

Quelle:
Daniel Casper von Lohenstein: Afrikanische Trauerspiele. Stuttgart 1957, S. 277-295.
Lizenz:
Kategorien:
Ausgewählte Ausgaben von
Sophonisbe
Sophonisbe

Buchempfehlung

Schnitzler, Arthur

Reigen

Reigen

Die 1897 entstandene Komödie ließ Arthur Schnitzler 1900 in einer auf 200 Exemplare begrenzten Privatauflage drucken, das öffentliche Erscheinen hielt er für vorläufig ausgeschlossen. Und in der Tat verursachte die Uraufführung, die 1920 auf Drängen von Max Reinhardt im Berliner Kleinen Schauspielhaus stattfand, den größten Theaterskandal des 20. Jahrhunderts. Es kam zu öffentlichen Krawallen und zum Prozess gegen die Schauspieler. Schnitzler untersagte weitere Aufführungen und erst nach dem Tode seines Sohnes und Erben Heinrich kam das Stück 1982 wieder auf die Bühne. Der Reigen besteht aus zehn aneinander gereihten Dialogen zwischen einer Frau und einem Mann, die jeweils mit ihrer sexuellen Vereinigung schließen. Für den nächsten Dialog wird ein Partner ausgetauscht indem die verbleibende Figur der neuen die Hand reicht. So entsteht ein Reigen durch die gesamte Gesellschaft, der sich schließt als die letzte Figur mit der ersten in Kontakt tritt.

62 Seiten, 3.80 Euro

Im Buch blättern
Ansehen bei Amazon

Buchempfehlung

Romantische Geschichten III. Sieben Erzählungen

Romantische Geschichten III. Sieben Erzählungen

Romantik! Das ist auch – aber eben nicht nur – eine Epoche. Wenn wir heute etwas romantisch finden oder nennen, schwingt darin die Sehnsucht und die Leidenschaft der jungen Autoren, die seit dem Ausklang des 18. Jahrhundert ihre Gefühlswelt gegen die von der Aufklärung geforderte Vernunft verteidigt haben. So sind vor 200 Jahren wundervolle Erzählungen entstanden. Sie handeln von der Suche nach einer verlorengegangenen Welt des Wunderbaren, sind melancholisch oder mythisch oder märchenhaft, jedenfalls aber romantisch - damals wie heute. Nach den erfolgreichen beiden ersten Bänden hat Michael Holzinger sieben weitere Meistererzählungen der Romantik zu einen dritten Band zusammengefasst.

456 Seiten, 16.80 Euro

Ansehen bei Amazon