Inhalt

Des Neunten Buchs.

[1466] Germanicus kömmt mit dem gefangenen deutschen Frauen-Zimmer auf einem Garten-Hauß vor Rom an. Thußnelda schickt sich geduldig in ihr Verhängnüß. Sie wird durch den Titus Cäsonius Priscus und Aelius Sentius Saturninus bedient. Sejanus besucht und beschenckt sie im Nahmen des Käysers; setzt auch durch seine Zusage ihr Gemüth in grosse Ruhe / welche aber bey der Besichtigung des vom Tiberius überschickten Kästleins zerstöret wird. Hoffnung und Furcht wechseln bey ihr ab. Die Legionen aus Deutschland kommen auff dem Marßfeld an. Germanicus hält sein Siegs-Gepränge. Unterschiedene Bilder werden dabey schaugetragen. Hierauff folgen die Gefangenen / Beroris / Dietrich / Libys und andere; ingleichen zwey Wägen voll Frauenzimmer / mit verschleyertem Gesicht / unter welchen Thußnelda am meisten von dem zuschauenden Volck betauret wird. Germanicus erscheinet auff einem herrlichen Triumph-Wagen / deßgleichen Agrippina auff einem andern in Gesellschafft ihrer Kinder. Er hält am Capitolinischen Berge eine Danck-Rede gegen seine Gesellschafft / ladet sie zu einem Gastmahl und unterschiedlichen Schauspielen ein / und lässet hingegen die Gefangenen in das Tullianum zum Todte hinführen. Unterdessen speiset Tiberius mit denen beyden Burgermeistern / dem Thracischen Fürsten Rhemetalces /dem Sejanus und dem Weltweisen Seleucus in seinem Palast. Rhemetalces soll bey der Taffel erzehlen / wie es in Thracien zustehe; berichtet demnach / daß sein Vater Rhascuporis / und dessen Bruders-Sohn Cotys eine gute Zeit in Gräntz-Streit gelebet / endlich habe jener mit diesem Frieden gemacht / ihn auch zu Gast gebeten / aber unter der Mahlzeit unvermuthet gefangen nehmen lassen. Tiberius fraget ihn / ob er sich noch nicht zu verheyrathen gedencke? Rhemetalces verneinet es / weil Zirolane ihm untreu geworden. Der Käyser will sie zwar nicht gantz entschuldigen / weil er selbst ein Exempel weiblicher Leichtsinnigkeit an der ihm zweymahl angetraueten Julia erfahren habe. Jedoch beweiset er so wohl selbst / als durch ein nachdenckliches Schäffer-Spiel / daß die Eyffersucht öffters ungegründet / und also unverantwortlich sey. Als nun alle Zuschauer das Schau-Spiel / so der Käyser vor seine Erfindung außgegeben hatte / loben /entdecket Seleucus / daß dessen Verfasser der Gallische Poet Pelias sey. Tiberius kan kaum seine Beschämung und Verbitterung hierüber verbergen / biß die Taffel auffgehoben wird. Worauff er dem Frevler ins Elend zu gehen aufferleget / der sich hierbey so bezeiget / wie man von einem bauerstoltzen Schul- Fuchs hoffen[1467] darff. Indem die Burgermeister und Rhemetalces vom Käyser weggehen / erfähret dieser ungefähr von jenen / daß sein vermeinter Mit-Buhler Zirolanens Bruder / und also seine Eyfer-Sucht gegen sie unbillig / ja würdig sey / daß das lächerliche Schäffer-Spiel auff dieselbe gedeutet werde. Folgenden Tages übergiebet er seines Vaters Briefe dem Käyser und Römischen Rath auff dem Capitolium; woselbst beschlossen wird / daß Pomponius Flaccus in Thracien /Germanicus in Armenien / und Drusus in Illyricum reisen soll. Nach geendigten Rath-Sitz begleitet Rhemetalces nebenst dem Sejanus den Tiberius auff das Lust-Hauß / in welchem Germanicus vor dem Triumph sich auffgehalten hatte / und entschuldiget unterwegens seine Zirolane beym Käyser / die er vorigen Tages einer Untreu beschuldiget hatte. Ihr Geist / oder vielmehr sie selbst / erscheinet ihm auff dem Saal des Garten-Hauses und giebet ihm einen Korb voll Bänder; darüber der Käyser zu schertzen anfähet / endlich aber den Fürsten versichert / daß seine Clotildis / oder so genannte Zirolane / nicht im Triumph erwürget worden. Sie kommen beyde in Thußneldens Zimmer /allwo der Käyser einige Ursachen anführet / warumb er die Hertzogin in Italien zu kommen bemühet /ingleichen dem Germanicus vergönnet habe / etliche Weibesbilder mit verdecktem Gesicht im Triumph auffzuführen / welche gantz Rom für die Deutschen Fürstinnen gehalten. Rhemetalces bittet seine dazukommende Clotildis umb Vergebung / die ihm aber sauer gemachet wird. Sie gehn hiernächst alle zur Taffel / biß auff den Sejanus / der aus Eyfersucht gegen seinen Herrn nach Rom wiederkehret. Die Speisen werden in drey Trachten auffgetragen / da denn bey jeder ein Schau-Essen sich findet / so eine Liebes-Vermahnung vor Thußnelden in sich enthält. Das erste ist die Stadt Rom zwischen denen vier Jahres-Zeiten / das andere Venus zwischen denen vier Elementen / das dritte Cato zwischen denen vier Altern der Menschen. Diese geben Gelegenheit / nicht nur zu allerley Schertz und Rätzeln / sondern auch zu etwas ernstlichern Gesprächen von schwangern Leibes-Früchten und von dem Cato / der seine Frau verschencket hat. Der Käyser läst sich und den Rhemetalces in der Sänffte wieder nach Rom tragen / nachdem er Thußnelden die Freyheit gegeben / ihren kleinen Herrmann dessen Vater zuzusenden. Mitler Zeit ist Sejanus bey der Sentia und offenbahret ihr Thußneldens Leben / auch unterschiedliche Geheimnisse des Käysers. Segesthes kömmt dazu und fähet an eyffersüchtig zu werden. Des Morgends drauff muß Sejanus den Beroris / Dietrich / Libys und andere vornehme Gefangene / die der Käyser Thußnelden geschencket hat / zu ihr hinaus bringen / kömmt aber mit der Entdeckung seiner Liebe bey ihr unrecht an; daher er voll Zorn und Rachgier wieder nach Rom gehet. Umb Mittag langet der trunckene Tiberius von dar bey Thußnelden an und bezeiget sich sehr unbescheiden gegen sie / weßwegen ihn Catta über den Hauffen stösst. Er befiehlet deswegen dem Saturninus / sie mit dem Beil hinrichten zu lassen. Als er zu Rom den Rausch ausgeschlaffen hat / begütigt ihn Sallustius / daß er der Catta das Leben schencken will. Dieses aber verhindert der boßhaffte Sejanus. Tiberius /Sejanus und Sallustius ko en wieder im Lusthauß an. Daselbst legt Thußnelda durch[1468] den Saturninus eine Vorbitte für die Catta vergeblich ein. Ihrem itztgenanten Abgeschickten aber bürdet der Tyrann zu seiner Bestraffung auf / daß er selbst die Cattische Fürstin enthaupten soll. Thnßnelda will ihm kein Gehör mehr verstatten. Indem nun Saturninus die Catta zum Tode abholet / erinnert Sallustius den Käyser / daß die Gesetze nicht zuliessen / eine Jungfrau zu tödten. Der leichtfertige Sejan giebt den Rath / Saturninus müsse die Catta vor ihrer Hinrichtung schänden / damit sie nicht als Jungfrau sterben dürffe. Catta schickt sich zum Tode / verweiset dem Wüterich / daß er das Gesetz / so ihr zum Vortheil dienen solte / zu ihrem Schaden mißbrauche; wird aber / dem allen ungeacht / genöthigt / sich mit dem Saturninus in eine Schlaffkammer versperren zu lassen. Inzwischen werden Beroris / Dietrich / Libys / der kleine Herrmann /die Gräfin von der Lippe und andere Gefangene nach Deutschland erlassen. Tiberius schiebt der Catta Todt biß auf morgen auf / damit sie sich die Nacht hindurch über ihrer erlittenen Schande desto länger qvälen möge. Dem Saturninus hingegen gebeut er /eine Triumph-Mahlzeit auszurichten / weil er die Cattenburg glücklich erobert. Es wird bey derselben so unmenschlich gesoffen / daß iedermann in tieffen Schlaff geräth. Tiberius hat einen Traum / dessen Bedeutung sich zeiget / als Catta soll zum Tode geführet werden / und weder sie / noch auch Thusnelda / oder Ismene / Clotildis / Rhamis und die Gräsin von Nassau im gantzen Hauß anzutreffen ist. Man findet endlich Briefe von Thußnelden / Catta und Clotildis an den Tiberius / Agrippinen und Rhemetalces / welcher letztere eben diesen morgen dem Käyser aufzuwarten gekommen war. Tiberius erzürnet sich hefftig über des Frauenzimmers Flucht. Bey der nächsten Raths-Versa lung ni t Germanicus die Armenische Reise auf sich / Rhemetalces aber empfängt münd- und schrifftliche Antwort auf seines Vaters Brief und begiebt sich wieder in Thracien. Marbods Abgesandten an den Käyser ko en auf dem Marsfeld an und suchen Hülffe wider Hertzog Herrmañen. Denn Marbod und Ingviomer hatten eine Schlacht wider diesen am Havelstrom verlohren; so war auch jener mit dem Boleßla und Britomartes in Uneinigkeit gerathen und hatte sie durch seine Unbescheidenheit bewogen /gantz-unvergnügten Abschied zu nehmen; weßwegen Adelgund nachmahls ihrem Vater zuredet und ausführet / wie man Freunde erhalten und ihre wohlgemeynte Erinnerungen nicht übel aufnehmen solle. Marbod trotzt auf die Gunst derer Römer und zu dessen Beweiß / ordnet er den Kulenburg und Tanneberg nach Rom ab; welche aber nicht erhalten / was ihr Herr gehoffet. Adgandester schreibt an den Tiberius umb Gifft / solches wider Herrmannen zu gebrauchen. Der Käyser läst den Brieff im Rath ablesen und erkläret sich / daß er dergleichen Meuchelmord nicht verlange. Es wird demnach zum Schein eine abschlägliche Antwort aufgesetzet und an Arpus gesandt / mit Bitte / es an seinen Vetter Adgandestern bestellen zu lassen. Dem Luitbrand aber / der den Brief nach Rom gebracht hatte / giebt Sejanus heimlich das verlangte Gifft. Die Soldaten / so Thußnelden zu suchen ausgeschickt waren / kommen unverrichteter Sache wieder. Sentia befragt sich bey einer Zauberin und erhält einen Ausspruch / daß ihr Vater Saturninus zu des Frauenzimmers Flucht beförderlich gewesen / welches[1469] auch sich also in der Warheit befand / indem dieser kluge und tugendhaffte Mann durch sonderbare List nicht allein Cattens Ehre unverletzt erhalten / sondern auch ihr und ihrer Gesellschafft durch den Kellermeister Aristides zur Freyheit geholffen hatte. Sentia zeigt dem Tiberius an / was sie erfahren. Dieser begehrt / sie solle nachsinnen / wie man den Saturninus des Lasters der verletzten Majestät wahrscheinlich beschuldigen könte. Im weggehen findet sie ein Pergament / welches unter dem Titel einer Lobschrifft ein blosses Schmäh-Geticht wider den Käyser ist. Hierüber entstehn allerley Gespräche zwischen ihr und ihm. Endlich thut sie den Vorschlag / Tiberius solte /weil sie des folgenden Tages mit ihrem Gemahl nach Deutschland reisen müste / ein Frühstück anstellen und dazu so wohl sie / als ihren Vater und Gemahl /einladen / da sie denn unter dem Abschied-nehmen die Stachel-Schrifft in dessen Kleider heimlich stecken wolte. Diß geschieht. Drauf / als Segesthes und Sentia weg sind / fällt dem Saturninus das Pergament zwischen denen Kleidern hervor / worüber er / als ein Verletzer der Majestät / angegriffen / verurtheilt und vom Tarpejischen Felß hinab gestürtzt wird. Libys /Beroris / Dietrich und ihre Gesellschafft kommen zu Budorgis an und bringen dem Feldherrn seinen Sohn und Thußneldens Schreiben. Jubil bekömmt auch Cattens Brieff zu seiner grossen Vergnügung / bald drauf aber zu seiner desto grössern Betrübnüß / eine schrifftliche Nachricht von Sentien aus Rom / daß Catta durch den Saturninus geschändet und vom Käyser zum Tode verurtheilt worden. Er wird durch die Antwort des Libys in dieser Meynung gestärcket. Als er hierüber sich äuserst bekümmert / tröstet ihn Selmnitz und thut den Vorschlag / er möchte / an statt der Catta / Leitholden heyrathen. Der Hertzog schreibt deßwegen an die Gräfin von Bentheim / die ihn ehemahls zur Liebes-Treu gegen Leitholden eifrigst ermahnet hatte; schicket auch den Dießkau nach Mattium mit Brieffen / worinnen er bey Hertzog Arpus sich beklaget / daß das seiner Tochter begegnete Unglück ihn unfähig mache / sich mit dem Cattischem Hause zu befreunden. Hermann sendet den Grafen Stirum und Ritter Malzan nach Rom / wegen der Catta / Thußnelda und ihrer übrigen Gesellschafft den Käyser zu besprechen. Zu Mattium geht Freud und Leid durch einander. Denn anfangs gebiert Adelmunde einen Sohn. Nachmahls erhält man die verdrüßliche Nachricht / daß Catta und Rhamis zu Rom im Triumph geführet und erwürget worden. Drauff widerleget dieses Beroris / als er dem Hertzog Arpus der Catta Brieff übergiebet. Hiernechst kö t Dießkau mit Sentiens und Jubils Brieffen von der Schändung der Catta an / worüber Arpus und Erdmuth fast vor Kummer vergehn. Dieser verwandelt sich in Vergnügung / indem Malovend / unter dem Nahmen Ahlefeld / Brieffe von Agrippinen bringt / daraus erhellet / daß Catta weder Ehre / noch Leben eingebüsset habe. Malovend liebelt sich beym Arpus ein und erhält die Zusage / daß Catta sein soll werden / wenn sie wieder nach Hauß käme; ingleichen / daß er ihn bey denen sä tlichen Deutschen Fürsten wieder außsöhnen wolle. Arpus zeiget dem Dießkau Agrippinens Brieff / und begehret von Jubiln / als Schwieger-Sohn /nichts mehr zu wissen. Indessen nun Malovend in Armenien gehet / die Catta zu suchen / langet Dießkau bey seinem Herrn wieder an / welcher von[1470] der Gräfin von Bentheim Brieffe erhalten hatte / daß Leitholde seine Liebe anzunehmen unfähig sey. Allein so sehr verzweiffelt er sich im Anfang geberdet / so löblich fasset er den Schluß / seinen Liebes-Gedancken so lange Anstand zu geben / biß er Marboden das Hermundurische Land wieder abgenommen habe. Gottwald kö t von der Jagt nach Budorgis in Begleitung Adgandesters / der als ein Kohlenbrenner ihn bewirthet / nachmahls sich vor einen Gothonischen Edelmann auß- und dem jungen Fürsten viel leichtfertige Einschläge gegeben hatte / die Marckmännische Cron zu erlangen. Er beschenckt den Betrüger und lässet ihn heimgehn; beredet die von ihm in der letzten Schlacht gefangenen Marckmänner / Wartenberg und Zevusch / einen Auffstand wider Marboden zu erregen / und läßt sie hierauff nach Boviasmum reisen. Stirum und Malzan kommen ohne Thußnelden wieder. Herrmañ schreibet daher an Aßblästen / ob er seine Gemahlin iemahls wieder sehen werde? Dero dunckele Antwort beweget ihn zu Todes-Gedancken. Segesthes ertappet seine Sentia mit Bojocaln im Bette; dannenhero er ihm die Ohren abschneidet / die Ehebrecherin aber so lange öffentlich prügelt / biß sie sich den Kopff an einem Baum entzwey stösset. Im Teutschburgischen Häyn wird ein Reichs-Tag gehalten und Segesthes / Segimer / Sesitach / Malovend und Bojocal in das Fürsten-Bündniß wieder auffgenommen. Die drey ersten wollen den letztern / als einen Ehebrecher / nicht darinnen leiden; darüber kö ts zum Wort-Wechsel und endlich zu einem Kampff zwischen dem Segesthes und Bojocal / derer jener den Sieg gewinnt und das Leben einbüßt / dieser hingegen das Leben behält und seine Ehre verliehrt. Als nun Segimer seines Bruders Länder erbt / wollen Beroris und Dietrich ihren Bruder Melo nöthigen / das Sicambrische Hertzogthum mit ihnen zu theilen. Jedoch ist jener auff Zureden des klugen Winsheims zufrieden /so bald er das geistliche Ober-Haupt aller Eubagen wird. Dietrich aber hat das Glück / daß die Bataver an statt des Cariovalda ihn zum Ober-Statthalter beruffen. Mitlerzeit verschweren sich Wartenberg /Zevusch / Hincko / Branick / Jaroßla / Crocus / Adalbert / Bohußla / Zyto und viel andere Marckmänner /(zu denen sich auch Luitbrand gesellet /) wider Marboden; doch zu ihrem Verderben / weil ein Bettel-Weib dem König ihre Nahmen etliche Wochen zuvor schrifftlich eingehändiget hatte. Dieser meinet / sein Schutz-Geist sey unter so verächtlicher Gestalt erschienen; richtet daher demselben zu Ehren etliche Denckmahle auff / und ordnet allerley Lust- und Ritter-Spiele an. Alldieweil aber Luitbrand in der Marter / wiewohl fälschlich / erhalten / daß Inguiomer / Adelgund und Vannius seine Mit-Verschwohrnen gewesen / hält Marbod ihnen solches mit harten Worten vor und machet / daß sie alle drey unvergnügt und erzürnt davon reisen. Gleichwie er nun drey wahre Freunde sich hiermit zu Feinden gemacht: also bildet er sich an der Bettel-Frau einen sonderbahren Freund / ja Schutz-Geist vergeblich ein / nachdem sie sein Tod-Feind / Adgandester / gewesen. Dieser / so bald er Marboden gewarnet / begiebet sich in ritterlicher Kleidung nach Godanium unter dem Britannischen Nahmen Kenelm und überredet daselbst den Adel durch allerley Arglist zum Bündniß wider Marboden und Haß gegen Gottwalden. Der königliche Stadthalter / Graff Witgenstein / hält auff seines[1471] Herrns Geburts-Tag ein prächtig Ritter-Spiel / wobey denn ein grausamer Aufflauff entstehet und Kenelm zuletzt an statt Marbods zum Gothonischen / Esthischen und Lemovischen Hertzog gemacht wird. Die Lygier und Burier unterwerffen sich dem Sarmatischen König Jagello / die Marsinger aber dem Feld-Herrn Herrmann. Jubil fällt mit Cherußkischen Hülffs-Völckern ins Hermundurische / jaget die Marckmänner heraus und wird zum König des Landes bey einem kostbahrn Singe-Spiel ernennet. Bald hernach erfährt er / was sich mittlerzeit in der Nachbarschafft begeben. Es hatten nehmlich viel Marckmännische Grafen und Ritter ein neues Bündniß wider den Tyrannen Marbod gemacht und dem Feld-Herrn Hermann ihre Cron angetragen. Dieser sendet deßwegen den Gottwald mit einem fliegenden Heer nach Maroboduum / der auch solches glücklich einni t / und den Wüterich nöthigt / ins Römische Gebiet zu fliehen und den Käyser umb Hülffe anzuruffen / der ihm aber nur eine freye Wohnung und königl. Unterhalt zu Ravenna verordnet. Gottwald beredet die vornehmsten unter denen Reichsständen / ihn / anstatt Herrmanns / zum König zu machen / und sucht vergeblich solche Untreu durch etliche Geschencke uñ ein Entschuldigungs-Schreiben bey dem Feldherrn wieder gut zu machen. Sobald nun Jubil alles dieses vernimmt / geht er mit einem mächtigen Heer hinüber ins Marckmännische Königreich /überwindet Gottwalden und zwinget ihn / nach Marbods Exempel / zu denen Römern zu fliehen / von denen er zu Forum Julium einen Auffenthalt bekömmt / nicht lange hernach aber vor Kummer stirbt. Währender Zeit kömmt Herrmann zu Boviasmum an / und wird zum Marckmännischen König gekrönet. Stifftet daselbst eine immer-während Freundschafft mit Jubiln. Unterschiedene Freuden-Bezeugungen werden ihm zu Ehren angestellt / worunter die letzte ein Fischer-Rennen auff der Mulda ist. Diesem sieht auch Kenelm zu / weil er sich unbekanter Weise ins Marckmännische Land begeben hatte / umb den vom Sejanus überschickten Gifft wider Herrmannen zu gebrauchen. Er wird aber ungefehr vom Ufer ins Wasser gestossen / halb todt auff die Festung getragen und daselbst vor Adgandestern erkant. Aus Furcht eines grössern Unglücks verschlinget er eine von seinen Gifft-Kugeln / wird hierdurch rasend / stürtzt sich zum Fenster hinaus / und er säufft in der Mulda. Sein Cörper wird auffgefischt und nach Godanium geschickt / daselbst aber in die Weichsel geworffen und der abwesende Inguiomer zum Gothonischen / Esthischen und Lemovischen Hertzog von den Land-Ständen erwehlt. Dieser fängt unterdessen einen gefährlichen Krieg mit Hermannen an / den er so wohl bey dem Arpus und Segimer / als auch bey denen Cherußkern selbst in den Verdacht gebracht hatte / als ob er ein anderer Marbod werden und gantz Deutschland umb seine Freyheit bringen wolte. Es kö t endlich zur Schlacht nicht ferne vom Hartz-Wald / welche Inguiomer verliehrt. Doch fällt er zwey Nacht hernach in Herrmañs Lager und nimmt ihn mit Hülffe des verrätherischen Segimers gefangen / der biß anher sich als ein Freund und Bundsgenosse gegen den Feld-Herrn angestellet hatte. Weil dieser Ehr-vergessene Chassuarier von Herrmannen verwundet war und den kalten Brand bekömmt / muß Inguiomer ihm auff den Fall seines Todes versprechen / Herrmannen das Leben zu nehmen. Er stirbet einige Zeit darnach und der[1472] Bructerische Hertzog wird gezwungen / seinem Wort zu Folge / an Arnheimen Befehl zu ertheilen / den Marckmännischen König enthäupten zu lassen. Das abgeschlagene Haupt wird auff den höchsten Schloß-Thurm zu öffentlicher Schau gestellet; der Cörper hingegen verbrannt und begraben. Ein unbekanter machet eine nachdenckliche Grab-Schrifft auff Herrmannen / dessen Leben der Barde Holenstein beschreiben wil. Atticus zu Rom giebt ihm einen grossen Lob-Spruch in seinen Jahr-Büchern. Inguiomers Verfahren wird von denen meisten Deutschen Fürsten übel auffgenommen. Ein grosses Heer von Hermundurern /Marckmännern / Langebarden / Semnonern und Marsingern fällt ins Cherußker-Landein / Hermañs Gefängnüß und Todt zu rächen. Inguiomer liefert und verliehrt eine Schlacht / wird gefangen und in ein Gezelt / zu Anhörung seines Urtheils / gebracht / allwo er mit grosser Erstaunung Thußnelden / Erato / Rhamis / Catta / Jubiln / Flavius / Siegmund und Malovenden sitzen sieht. Er wird nach einigen Wort-wechseln verdammt / daß er bey Herrmanns Grabe / dessen Geist zur Versöhnung / geschlachtet und verbrannt werden soll. Thußnelde schickt zwantzig tausend Mann voran / den Ort zu instehendem Rach-Opffer zu zubereiten. Sie folget mit denen übrigen / lässet den marmorsteinernen Aschen-Topff außgraben / und / da sie ihn umbfangen und mit ihren Thränen benetzt /gleich wieder beysetzen und eine Spitz-Seule darüber aufführen. Die Barden besingen Herrmanns rühmliches Leben und kläglichen Tod. Indemnun der Oberste Druide dem vor dem Altar knienden Inguiomer die Kehle abzustechen sich gefaßt macht / entsteht ein Geschrey: König Herrmanns Geist komme / seinem Sühn-Opffer beyzuwohnen. Der vermeinte Geist versichert Thußnelden und die andern Leid-tragende /daß er noch lebe / nimmt Inguiomern in seine Freundschafft wieder auff und hält hiernächst mit der gantzen Durchläuchtigen Gesellschafft einen höchstvergnügten Einzug in Teutschburg. Besucht daselbst die Hertzogin Adelgund / welche mit der kleinen Velleda etliche Wochen zuvor nieder kommen war. Bey der Taffel wird erzehlet / wie Adelgund Herrmanns Leben gerettet / und hingegen ihn vermocht / Inguiomern von der Auffopfferung eiligst zu befreyen. Hierbey wird des Seleucus erwehnet / der eine Stachel-Schrifft wider des Augustus Vergötterung gemacht und deßwegen gehenckt worden. Inguiomer berichtet / was ein Wahrsager seiner Tochter Velleda bey der Geburt geweissaget habe. Folgenden Morgends wird Herrmann und Thußnelde in ihrem Zimmer von der sämtlichen fürstlichen Gesellschafft besuchet. Erato giebt Nachricht / wie sie von ihrem Zeno aus dem Cattischen Jäger-Hause abgeholet worden / und zwar durch Hülffe des Zauberers Osthanes / welcher seinen Lohn von denen bösen Geistern beym Ambra-Fluß bekommen; ingleichen wie Pythodoris / des Pontischen Königs Polemons Wittwe und Gemahlin des Königs in Cappadocien Archelaus / den Zeno erst vor ihren Pflege-Sohn und hernach vor den jüngern Artaxias / Armenischen Reichs-Erben / erkanthabe. Des Flavius und der Erato Beylager wird auff den funffzehenden April angesetzt. Bey der Mittags-Taffel giebet Siegmund Anlaß zu einem Gespräch von gemeinen Irrthümern. Flavius ertheilt Nachricht / was massen er durch seiner Mutter Aßblaste Straff-Predigt an der Emse zwar gerührt worden / doch noch immer in Römischen Kriegs-Diensten verblieben sey / weil er in Deutschland so viel Her und Einkommen[1473] zu erlangen nicht verhoffet. Thußnelde füget hinzu / wie sie durch den Aristides so wohl aus ihrem Gefängniß auff dem Marßfeld / als auch aus Lebens-Gefahr zu Athen errettet worden; und wie sie nebenst ihrer gantzen Gesellschafft mit dem Flavius in Freundschafft wieder gerathen / ein Soldat geworden und nach Carien vorangeschiffet sey. Flavius gedencket / welcher gestalt er den zum Feg-Opffer besti ten Aristides als einen Beleidiger der Käyserlichen Majestät denen Atheniensern abgenommen und mit sich in Carien gebracht /daselbst zum Tode verurtheilt und doch zu einer sichern Flucht und Rettung verholffen. Wie Erato berichtet / werffen sich Vonones und Orodes zu Armenischen Königen auff. Allein jener wird gar bald von dem Creticus Silanus / unter dem Schein erwiesener Ehre / des Reichs entsetzt und in Syrien geschafft. Zeno giebt sich / als Artaxias / bey denen Armeniern und dem Tiberius an; beyderseits sind willig / ihm zu seinem väterlichen Erbtheil zu verhelffen. Flavius setzt die Geschichte fort und fügt der Gesellschafft zu wissen / wie er und Artaxias in Armenien eingebrochen seynd und Artaxata belägert haben. Thußnelda rühmt / daß Flavius sie aus der Todtes-Gefahr errettet / als Orodes einen Außfall auff die Belägerer gethan. Sie giebt auch Nachricht / wie sie und Ismene Artaxata erstiegen und in Lebens-Gefahr gerathen / davon aber befreyet worden / als König Artabanus seinem Sohn Orodes durch etliche Abgesandten andeuten lassen / daß er Armenien verlassen solte; welches auch nachmahls geschehen. Sie lieset die Schrifft ab / die Aßblaste ihr bey ihrer Vermählung gegeben / mit der Erinnerung / sie nicht ehe / als in Artaxata / anzusehn. Sie führt endlich aus / wie Germanicus in Armenien angekommen / und Artaxias gekrönet worden; deßgleichen / wie Agrippina ihr erzehlet / warumb sie ihres Germanicus Todt befürchte; wie Rhemetalces zu Artaxata angelanget und von des Cotys und der Ada Tod / so wohl auch Gefangenschafft des Rhascuporis / ein und anders ihr kund gethan habe. Sie beschließt ihre Rede mit der Nachricht von ihrer Abreise aus Armenien und Ankunfft zu Teutschburg. Malovenden trifft hierauff die Reihe / anzuzeigen / warumb er nicht mehr des Jubils Mitbuhler sey. Worauff Siegmund hinzu thut / wie es ihm ergangen / seit daß er den Thumelich zu Mäyntz auffopffern sollen. Catta /Jubil und Malovend erheben sich nach Mattium zum Arpus. Hertzog Melo lässet dem Feld-Herrn den Heyraths-Schluß zwischen seinem Sohn Franck und Leitholden anmelden und sich durch Herrmanns Gesandten erbitten / daß das Beylager auff einerley Zeit und Ort / als des Flavius seines / verlegt wird. Aristides kö t aus denen Nordischen Königreichen an und berichtet / was daselbst vor Veränderungen durch den Tod des Frotho und Erichs sich zugetragen haben. Tiribaces / ein Armenischer Gesandter / giebt Nachricht von der Vermählung des Artaxias und der Ismene /wie auch des Rhemetalces und der Clotildis / ingleichen vom Tode des Rhascuporis / Vonones und Germanicus. Die Cherußkischen Stände überliefern Herrmannen eine königliche Cron / die er aber dem Flavius mit dazu gehörigen Landen schenckt. Unterschiedene hohe Personen kommen zu Teutschburg an / woselbst auff den funffzehenden April das dreyfache Beylager des Flavius und der Erato / des Jubils und der Catta / des Francks und der Leitholde mit standesmäßiger Pracht vollzogen wird.

Quelle:
Daniel Caspar von Lohenstein: Großmütiger Feldherr Arminius, Zweyter Theil, Leipzig 1690, S. 1466-1474.
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