Inhalt

Des Siebenden Buches.

[958] Die Begierde rühmliche Thaten nach zu thun / und die Beschreibung derselbten / als eine Wegweiserin zur Tugend / was sie würcke und worzu sie den Hertzog Zeno / Rhemetalces / Malovend Adgandester und die übrige Gesellschafft verleite? Malovends fernere Erzehlung. Der Gottesdienst und priesterliche Würde als der sicherste Kappzaum der Unterthanen bey dem alten Deutschen mit der Königlichen vermählet gewesen. Jener vielfältige und nutzbare Verrichtung. Der Brittannischen Weisen oder Druyden Lebens-Art und Ansehen der Königlichen vorgezogen. Ihres Haupts Verehrung / Unterricht der Jugend und Eydes-Pflicht. Ihre Sprache und Schrifft / Speise fasten und Keuschheit / ingleichen ihrer Seckte Unterscheid. Des deutschen Frauen-Zimmers sonderbare Klugheit / Ansehen / Wahrsagungen und Zauberey. Der Druyden Opffer / Heiligthum und Verehrung gewisser Bäume; Ihre Lehre allzu heilig was vergängliches zu schreiben. Ihre Leichen-Gedächtniße und Meynung von der menschlichen Seele. Der Aberglaube und Veränderung des Gottesdienste gefährlich / die Gemeinschafft einem Reiche nützlich. Blinder Gehorsam ein Werck unvernünfftiger Thiere / wie die Prüfungen der Warheit ein Thun der Menschen. Unter dem Theut oder Thuisto der Schöpffer der Welt oder Mercur angedeutet / welchen die alten Deutschen nebst dem Hercules und vielen andern zu Schutz-Göttern erwehlet. Der Mond in besonderer Betrachtung unter ihnen. Furcht und Einbildung die gröste Gemüths-Kranckheit. Allerhand aberglaubische Urtheile über Sonn und Mond die grösten Lichter der Welt und derer mehrmahlige Verfinsterungen. Des ersten Druys Serapio in Deutschland mit nachdencklichen Reymen eingegrabene Wahrsag- und Propheceyungen. Der klugen und weltweisen Herrschafft nicht allezeit die glücklichste. Glücks-mäßigung aber die schwerste. Der Druyden anfängliche Andacht in Scheinheiligkeit / ihre von außen-gläntzende Tugenden in Laster / ihre vorgegebene Einigkeit in Zwytracht verwandelt / biß solche einer der tieffsinnigsten Druyden Divitiack ans Licht gestellet und verdammet. Seine darüber ausgestandene Verfolgung. Eine neuere mehr auf die Vernunfft gegründete Lehre verursachet unter den höchsten Häuptern Deutschlands grosse Unruhe. Grosse Niederlage der Eubagischen Gallier auf ihres unglücklichen Fürstens Rubonors Beylager. Der Samnitischen Weiber frevelhaffter Gottesdienst geduldet. Der Bataver und Menapier durch den Degen erworbene Freyheit. Vier an Tugend und Tapfferkeit zu einer Zeit herrschenden Fürsten Deutschland so schädlich / als vier Sonnen dem Himmel. Unter denen der Cheruskische Hertzog Aembrich die Würde der Feld-Herrschafft davon trägt. Des Hertzogs der Alemänner Ariovists kluges Urtheil über solcher ausgeschlagenen Würde. Des von seiner Herrschafft verfallenen Fürstens Orgetorichs wieder den Ariovist unglücklicher Auffstand zum[959] Feuer verdammet / aber vom Pöfel mit Gewalt erlöset. Seine und seines Eydams Domnorichs und Fürsten Darico Entschlüssung vom schlauen Julius Cäsar mit ihrem grossen Verlust hintertrieben. Des Julius und eines Römischen Adlers von den Helvetiern ausgestandene Gefahr / und darauf erfolgter Friede. Des Julius neue Kriegs-Flucht wieder die Deutschen und dem Könige Ariovist gethanes hochmüthiges Anmuthen. Dessen hertzhaffte Antwort vom Römischen Rath wieder Cäsarn selbst gebilliget. Beyder Zusammenkunfft und Unterredung. Cäsar bedienet sich wieder den Ariovist theils der Leuen-Haut / theils des Fuchsbalges / so sich endlich mit übelausschlagender Verrätherey endiget. Ariovists nebst seiner bey sich habenden Deutschen und ihres in der Wagenburg gelassenen Frauen-Zimmers bezeigter blutiger Kampff / und einiger Ritter dabey empfangener Geschlechts-Nahmen. Der Gefangenen Auswechselung und Friede durch den zwischen dem Cherusker Hertzog Aembrich und der Catten Hertzogẽ Arabarn entstandenen Krieg befördert. Hertzog Aembrichs vergrösserte Herrschafft durch Besiegung der Quaden und Unterdrückung der Barden und Eubagen Deutschland besorglich. Der Diener mißbrauchte Gewalt ihrem Herrn und Unterthanen gefährlich. Des Königs Ariovists von seinen vertriebenen Vetter Arabar beym Feld-Herrn Aembrich vergeblich eingelegte Vorbitte. Der beyden Cattischen Fürsten Roßna und Cimbers dardurch erregter Aufstand und Anfall des Cheruskischen Gebiets / welchem Coßibellin der Britannier Hertzog mit einem mächtigen Heere / der Cimbern Hertzog Friadlev mit seinem Beyfall folget. Seine Stürtzung mit dem Pferd / und seine vom Donner abgeworffene Geschlechts-Seule eine Vorsagung seiner und dessen Bundsgenossen erfolgten Unglücksfälle. Aembrichs befestigte Macht in Deutschland. Ausser Landes gehet ein der Deutschen und Belgen Freyheit nachtheiliger Comet am Cäsar wieder auf. Undanck und Verrätherey bereitet ihm bald da bald dort einen Sieges-Krantz / dem Vaterlande aber die Fessel der Dienstbarkeit. Boduognats des Hertzogs der Belgen tapffer verfochtene und durch erwünschete Friedens-Vorschläge behauptete Freyheit / deren Verlust die eigenen Spaltungen als der Römer Tugend befördert. Verrätherey sein eigener Hencker am boßhafften Ufo. Neuer Krieg in Deutschland über der den Druyden eingeräumten grossen Gewalt zwischen dem Feld-Herrn Aembrich / dem Hemunderer Hertzoge Brittan / dem Longobardischen Fürsten Siegbrand /dem Svioner Könige und übrigen Bundsgenossen. Aembrichs und der Seinigen grosse Niederlage. Gothors vielfältige Siege / Arabars Erholung. Cäsars hierbey in Gallien gesuchter Vortheil; der Deutschen vernünfftige Warnigung erfolget. Eines deutschen Ritters Heldenmäßige Entschlüssung beym erzürnten Cäsar vor feine Landes-Leute ein Schlacht-Opffer zu werden. Cäsars an zweyen deutschen Fürsten vergessenes Völcker-Recht vom Römischen Rath höchst empfunden. Cäsar suchet bey den Sicambern dreuende die Ausfolgung der geflüchteten Usipeter und Tencterer. Sein seltzamer aber unglücklicher Brücken-Bau über die Mosel. Seine Ehr und Kriegssucht ziehet ihn nach der Deutschen tapffern Wiederstande in das unter bürgerlichem Kriege seuffzende Britannien. Des Feld-Herrn Aembrichs aus sonderbarer Staats-Klugheit verworffene Hülffe der mächtigen Römer. Cäsars ausgerüstete Kriegs-Flotte von Feind und Wellen / insonderheit von Bondicea einer Königlichen[960] Britannischen Jungfrau glücklich bestritten und zurück in Gallien gejagt. Verwirrter und in voller Kriegsfla e sich befindender Zustand in Deutschland / worinnen der Gottesdienst zwar der Vorwand / das Absehen aber der hohen Häupter die Ober-Herrschafft ist. Was Fürsten / was klugen und treuen Dienern gelegen /und wie jene mit diesen die Bemühungen / nicht aber die Würde theilen sollen; des Feld-Herrn Aembrichs und König Ariovists / Gotharts und Hertzog Brittons gegen einander gestellte Kriegs-Macht; des allzuhitzigen Königs Gotharts tödliche Verwundung dienet zur Lehre: daß ein Krieges-Haupt nicht in der Spitze stehen / sondern wie das Hertze im Leibe zum allerletzten sterben / und ihr Tod möglichst zu verhölen seyn solle. Des Feld-Obersten Terbals Verrätherey wieder den Feld-Herrn Aembrich. Seine Straffe. Thorheit zuweilen eine Gefärthin der Klugheit. Ob der Fürsten Hoheit von keinen Gesetzen umschräncket / und einen Ubelthäter ohne Verhör zu verdammen und entschuldigen sey? Schlacht zwischen dem Feld-Herrn Aembrich und dem Könige Ariovist eine Beförderung des Friedens / mit Mäßigung der Druydischen Macht und Ertheilung der den Barden und Eubagen zeither verschränckten Freyheit ihres Gottesdienst. Vielen Fürsten Beschwerführung beym Feld-Herrn Aembrich über Cäsars Thätligkeiten. Dessen versicherte Freundschafft. Aembrich weiß der Römer Beleidigungen durch seine Vernunfft zu mäßigen / und durch seine Klugheit seinen Sohn Segimer noch bey Leb-Zeiten wieder das sonst gewöhnliche Wahl-Recht zum Nachfolger zu erklären. Aembrich rächet der Deutschen und Belgen Unrecht durch Cäsars Niederlage am Rhein; ziehet sich hierauff seinem eigenen Brande zu. Induciomar der Hertzog der Trevirer belägert den Römischen Labienus / wird aber in einem Ausfall erschossen. Die den Feld-Herrn Aembrich nicht erwartenden Trevirer werden durch feindliche Hinterlist an der Mosel meist erleget / die übrigen unter das Römische Joch gebracht und vom Cingetorich beherrschet. Die Entlegenheit bey Nachbarn der Nagel daran ihre Freundschafft hencket. Die Römer überfallen den gantz sichern Feld-Herrn Aembrich und Cattivolck seinen Bruder auf einem Lust-Hause; der erste kommet durch die Flucht / dieser durch seinen erkiesten Tod dem Cäsar aus den Händen. Cäsar läst den ihm verdächtigen Fürsten Acco nebst viel Semnonern und Carnuten zu tode prügeln / durch welche Grausamkeit er wieder sich die Gallier und andere Bundsgenossen aufwiegelt / und dannenher mit dem Feld-Herrn und übrigen Deutschen einen gewissen Frieden eingehen muß / um die Gallier im Zaume und Gehorsam zu halten. Des Gallischen Adels und der Bellowackischen Jungfrauen Heldenmäßiges Gelübde gegen den Cäsar. Dessen und alle Klugheit Kräffte werden für der himmlischen Versehung zur Ohnmacht. Dem Cäsar stehen die Deutschen wieder die Gallier bey. Die in der Festung Alesie ausgestandene Hungers-Noth so groß: daß auch ein Mensch des andern Speise werden und selbst die Natur der eussersten Noth aus dem Wege treten muß. Menschen-Fleisch eine unnatürliche und im Geblüt nichts als Fäulnüß nach sich ziehende Speise / so schädlich als Gifft. Die Ubergabe Alesiens stürtzt den Vercingetorich zu Bodem / Gallien aber unter den Fußschemel der Römer. Cäsars Grausamkeit in Ugellodun wieder den Fürsten Guturvat und übrige Gefangene. Cäsars und Pompejus Ehrsucht sucht seinen Zunder durch bürgerliche Kriege; der erste aber seine Siege wieder diesen in der Deutschen[961] und ihrer Fürsten Erdmunds und Acrumers Hülffe. Eines Bruckerisch- und Chasnarischen Ritters ungemeine Helden-That und Treue mit einem herrlichen Gedächtniß-Maale von Ertzt und Marmel verehret; Jenes in Gefangennehmung des Dejotars; dessen in Uberdeckung des Cäsars von den feindlichen Pfeilen. Des grossen Pompejus schimpflicher Tod; Cäsar befestigt seine Herrschafft über Rom und die halbe Welt durch Hülffe der Deutschen / biß solche endlich der Neid und das Verhängniß zerdrümmert. Sein zu Rom gehaltene vielerley Siegs-Gepränge schläget die vom Antonius ihm unter dem Bilde des gefesselten Rheins zugemuthete Heuchlerische Ehre / als einen unerträglichen Schimpff der Deutschen ab. Der Ruhstand in Deutschland ihm selbst schädlich. Die Todfeindschafft der Catten und Cherusker wo sie herrührend? ob von einem wiedrigen Einflusse der Gestirne oder einer andern geheimen Würckung der Natur /oder aber von Eigen-Nutz als dem Zanck-Apffel aller Thiere? Heucheley bey Hofe die dienstbarste Sclavin. Der Fürsten Fehler und Gebrechligkeiten als Tugend und Zierathen von Unterthanen nachgeäffet. Die Gemüther des weiblichen Geschlechts unergründlich /ihre Herrschafft über die Männer unersättlich. Fürstliche Heyrathen haben nicht die Liebe / sondern des Landes Wolfarth zum Zweck. Segimers Vorhaben seine unfruchtbare Gemahlin Asblaste zu verlassen uñ Vocionen zu heyrathen. Jener Flucht und nachdencklicher Abschieds-Brieff bringet diese in höchste Raserey: Dem Feld-Herrn Aembrich als Vatern ziehet die hieraus und aus andern Unglücks-Fällen geschöpffte Bekümmernüß den Tod zu. Seines erlauchteten Hauses und zerritteten Reiches letzte und ruhmbare Vorsorge durch Befestigung des edlen Friedens. Neue Kriegs-Flamme zwischen König Arabarn und den Cheruskern. Des Kaysers Augustus mit diesen wieder die Rhetier und Vindelicher gemachtes Bündniß /deren Weiber unmenschliche Tapfferkeit. Des Augustus Lebens-Gefahr bey Belägerung der Stadt Mebulun; der Innwohner verzweiffelte Gegenwehr / ihr und der ihrigen selbst eigene Einäscherung. Was eines Uberwinders Ruhm sey: Nicht vieler Leichen und Steinhauffen Meister zu werden / sondern seinem überwundenen Feinde vergeben / damit dieser verlohrne Hoffnung der Gnade sich nicht in Verzweiffelung verwandele? Kaysers Augustus Sieg wieder die Pannonier und Feinde mit den Cheruskern. Dieser samt ihrer Bundsgenossen der Quaden vom Cattischen Heerführer Stordeston und König Arabars Sohne erlittene Niederlage. Den Römischen Hülffs-Völckern und ihren Adlern wird aus Mißtrauen der Flug über den Rhein geweigert. Augustus zerfällt auffs neue mit dem Antonius / und also Rom wieder Rom. Die Ubier und Usipier Hertzoge werden bey nahe der gantzen Herrschafft entsetzet; dem Cheruskisch bebenden Hause gehet am tapffern Segimer ein neuer Glücks-Stern; dem gantzen Deutschland aber die erwüntschete Friedens-Sonne auf. Hierbey erlangen die Barden und Eubagen ihre Gewissens-Freyheit. Der tugendhafften Asblaste und ihres Vaters Surena am Königlichen Hofe Orodes veränderlicher Zustand lehret: daß die Entziehung verdienter Ehre dem beschimpffeten nur zu grösserm Ruhm gereiche; Und jener am meuchelmörderischen Maxorthes ausgeübte gerechte Rache: daß das sonst schwächere Geschlecht das stärckere an Tugend und Waffen besiegen könne.[962] Die verkleidete Asblaste vor Gerichte gebracht / aber wunderbarer Weise vom Feld-Herrn Segimer erlöset. Surena des an seiner Tochter verweigerten Richter-Amts halber hingerichtet. Segimer wegen der entheiligten Persischen ewigen Flamme in Kercker geworffen / zum Feuer verdammet / von Asblasten seiner Gemahlin erkennet / auff gleiche Art errettet / endlich doch alle beyde gefänglich behalten worden. Die Liebe hat weder Gesetze noch Meß-Stab. Phraatens des Königlichen Persischen Printzens blinde Liebe gegen die tugendhaffte Asblaste. Dieser ehliche Treue und ersonnene List bringet den Segimer aus dem Gefängniß / folgends als das Haupt der deutschen Hülffs-Völcker unwissend der Römer / wieder die Parther in Krieg / darinnen diese geschlagen / des Labienus Kopff zu Athen vom Antonius den Grichen zum Schau-Essen auffgesetzet. Pacors Niederlage verlieret die eitele Einbildung: daß das Glücks-Rad den Lauff der Sonnen / und der Sieg gewisse Oerter und Zeiten halten müsse. Das Geschlecht Rittberg woher es den Nahmen? der Frieden zwischen dem Antonius und denen Parthern bringet dem Segimer beym Römischen Rathe viel Ehren-Bezeugungen / aber desto weniger Hoffnung zu seiner noch gefangenen Asblaste zu wege. Segimer bekommt durch eine Kriegs-List Orodens zwey Schoß-Kinder Pharnabazes und Oroßmanes zur Auslösung Asblastens gefangen / welche letztere Phraates mit Gifft hinzurichten befiehlet /von der in den Pharnabatz verliebten Ternamenen aber durch seltzames Begebniß erlöset wird. Phraates wirfft sich zum Könige wieder seinen Vater auff / gebraucht sich hierzu gewisse Zauber-Künste. Grosse Laster durch grössere ausgeführet vor Tugend / die Herrschafft ohne Wollust vor unvollkommen gehalten. Asblastens und Segimers unverhoffte und so viel erfreulichere Zusammenkunfft. Die Freyheit der beyden Parthischen Fürsten Pharnabazes und Oroßmanes wird beym wütenden Phraates zum Todten-Bret. Phraates dardurch von Freund und Feinden verhast. Deutschland wird gleichsam durch Segimers und Asblastens Zurückkunfft aus einer befallenen Ohnmacht erwecket; alle benachbarten Völcker in Ruhstand gesetzet. Des Janus Tempel vom Augustus zu Rom gesperret. Fürst Herrmann der Erhalter der deutschen Freyheit von Asblaste gebohren. Der Menschen eigene Thaten setzen gute und böse Sterne in den Creiß ihrer Geburts-Lichter. Augustus Begierde alle seine Vorfahren wie an Pracht und Herrligkeit / also an Grausamkeit und Undanck gegen seine Hülffs-Völcker die Celten und Dacier zu übertreffen. Des Feld-Herrn Gesandten hierüber geschöpffte Empfindligkeit; Der Dacier und Bastarnen Auffstand. Erörterte Staats-Regel: ob die Unterthanen durch Uberfluß oder überhäuffte Schatzungen im Zaum und Gehorsam zu halten? Alle zur Pracht und Hoffart gereichende Dinge sollen mit grossen Zöllen beleget / die unentbehrlichen Lebens-Mittel aber dem Armuth zum besten davon befreyet werden. Augustus darinnen begangener Fehler. Gewisse Mittel den Fürsten bey Liebe / den Diener bey Ehren / die Länder beym Gehorsam zu erhalten. Augustus neu-aufgerichtetes Gewerb und Niederlage am Rhein den Deutschen nach theilig / den Catten unerträglich. Der Handlung und Kauffmannschafft Werth und Unwerth / ob / und wie weit solche dem Adel anständig? die Römische Grausamkeit wieder die Catten ziehet ihnen von deren Lands-Leuten[963] einen neuen Krieg auf den Halß / darinnen dem Römischen Marcus Vinicius der Sieg zugeschrieben / und vom Kayser August ein Siegs-Bogen aufgerichtet wird. Staats-Klugheit der Fürsten / dem vergänglichen Rauch und die leeren Hülsen eitler Ehre theuer zu verkauffen. Mecenas des Augustus geheimster Staats-Rath hat an Verstand und Treue keinen seines gleichen. Sein Urtheil vom Agrippa und seinen grossen Verdiensten. Ingviomer des Feld-Herrn Segimers Bruder nimt sich wieder die Römer und den Heerführer Agrippa der Gallier Freyheit an. Verwirrter Zustand in Spanien wieder Uberwinder die Römer. Ingviomer gehet durch Vermittelung des Segesthes / durch Beförderung des Printzens Divitiaks zur Römischen Raths-Würde / und also zu seinem grösten Vortheil mit dem Agrippa einen Frieden ein. Ingviomer vom Augustus hochgehalten / seiner deutschen Leibwache vorgesetzt / letzt auch mit herrlichen Geschencken wieder in sein von Kriegs-Flamme loderndes Deutschland gelassen. Der Hermunderer grosser Freyheits-Eyver und Umschränckung ihrer Hertzoglichen Gewalt. Ihres Hertzogs Brittons Vermählung mit des Königs der Bastarnen Deldo Tochter denen Eubagen wegen ihres der Druyden zugethanen Gottesdiensts / verhast und zum Auffstand ursachlich. Eigen-Nutz des Menschen Augapffel. Brittons Staats-Fehler. Gemeine Wohlfarth das gröste Gesetz. Hertzog Britton wird genöthiget seiner beyden Reichs-Räthe Blut-Urtheil zu unterzeichnen. Königlicher Purper vor dem Anrühren / Fürstliche Hoheit vor Gewalt und Aufruhr zu bewahren. Der Druyden Auffstand wieder die Eubagen unter dem Hertzog Brittons. Dessen verfehltes Mittel in Begnädig- und Bestraffungen: Marbods Zurückkunfft von Rom in sein Vaterland. Seine Ankunfft / Aufferziehung und Ansehen bey den Römern / insonderheit bey dem Tiberius und des Kaysers Tochter Julia Agrippens Ehfrau. Ihre entbrandte Liebe gegen ihn. Die Liebe eine Schwäche der grösten Leute und die Röthe ihr Verräther. Die Entdeckung eigener ist der Schlüssel fremder Geheimnüße. Juliens / Tiberius und Marbods Glück-Spiel in dem Aponischen Brunnen mit dem güldenen Würffel. Juliens unkeusche Liebe wird verrathen; Der unschuldige Marbod der dringenden Zeit aus dem Wege zu treten / und Rom zu verlassen genöthiget; bey denen Hermundurern und Marckmännern zum Kriegs-Obristen wieder den Britton erkläret / auch bald hierauf wegen seines erhaltenen Sieges vor einem Erhalter ihrer Freyheit ausgeruffen. Des Marckmännischen Adels gröster Glantz und Hochhaltung die Geryonische Weissagung. Facksarifs und Marbods beyder Kriegs-Obristen Hertzhafftigkeit und Sieg wieder den Britton und seine ihn verführende Gemahlin. Das Glück ist der Apffel im Auge der Klugheit und die Hertz-Ader in der Tapfferkeit. Britton wegen seines Argwohns von den Seinigen vollends verlassen fällt in die eusserste Knechtschafft. Der Ehr-Geitz kan keinen über noch neben sich leiden. Harneckigkeit ist so wenig als ein kollernd Pferd durch einen allzuharten Zaum zu bändigen. Marbods Staats-Künste ihm das Volck und Kriegs-Heer zu verbinden. Auffruhr das schädlichste Gifft und Mord-Schlange raubet dem Britton das Leben. Ob und wie weit gekrönte Häupter den Gesetzen und des Volcks Urtheil unterwürffig? der Cheruskische und viel andere Gesandten bemühen sich das bey aller[964] Welt über den Fürsten verhaste. Blut-Urtheil mit allerhand Staats- und Rechts-Gründen zu hintertreiben. Der Saamen der Verrätherey unaustilglich. Dessen Wachsthum unbeständig / der die Stauden seines Glücks mit Blute tinget / und auff Gräber pflantzet. Fürstliche Geschlechter gleichen der Keule Hercules und dem Spisse Romulus / wie und auf was Weise? Fürstliche Kinder durch Verzärtelung / wie die Alten durch der Höflinge Heucheley verterbet. Ehrsucht der Fürsten Leit-Stern zu allen Lastern /der Purpur ihr Deck-Mantel. Die bürgerliche Herrschafft vor die Freyheit die sicherste / hat zum Angel- Stern den Wohlstand des Volcks. Freyheit dem Pöfel mehr schädlich als nützlich. Die Anmassung der Gewalt über Fürsten als wahre Ebenbilder Gottes auf Erden ein Raub des Himmels. Ein der Königlichen Hoheit an die Seite gesetzter Reichs-Rath soll wie der Mond von der Sonnen seinen Glantz; Nicht aber von jenem die Verfinsterung erwarten. Facksarifs Gemahlin heiliger doch vergeblicher Eyver in Erlösung des zum Tode verdammten Brittons. Dessen hertzhaffte Entschlüssung: daß ohne Schuld gewaltsam sterben ein blosser Zufall / das Leben aber mit schimpflichen Bedingungen erretten / ein selbst Mord der Ehre sey: der Märckmännische Adel gedrückt / und ihnen das Recht der Erstgeburt / wie auch die Reichs-Raths-Würde entzogen. Fürst Jubile Brittons Sohn von den Märckmännern und Sedusiern zum Oberhaupt erwehlet. Marbods Wiederstrebung und seine sieghaffte Waffen machen ihn zum Landvogt und höchsten Kriegs-Haupte. Jubils Niederlage und genothdrängte Flucht in der Burier Land. Marbod befestiget durch Vertilgung der grösten im Königreiche seine Herrschafft. Fürstliche Hoheit hat das Gebiete über alle Völcker / über die Fürsten der Vortheil. Marbods Staats-Regel ein Reich ruhig zu beherrschen. Der Fürsten gewaffnetes Heer der beste Sach-Redner. Der Degen das einige Messer alle Gordische Zweiffels-Knoten aufzulösen. Durch Erweiterung der Landes- Gräntzen werden nicht allezeit dessen Kräffte vergrössert. Das im Kriege vergossene Menschen-Blut eine Tinte der Ehrsucht / daraus die Kriegs-Leute ihre Siegs-Fahnen färben. Kriegs-Leuten eine Schande durch Schweiß erwerben / was sie durch Blut haben können. Fürsten sind sterblich / nicht aber ihre Völcker und Reiche. Marbod wiegelt das Kriegs-Heer wieder den Reichs-Rath auf / bemächtiget sich dadurch des Brittonischen Stuhls mit scheinbarer Verweigerung des Königlichen Titels / und entschleust den Krieg wieder die Bojen. Hohe Ankunfft und Geblüt muß der Tugend weichen. Der Freyheit bester Sitz nebst des Volckes gröstem Heil die einköpfichte Herrschafft. Marbods geheimes Verständnüß mit etlichen der vornehmsten Bojen; Sein glückliches Vornehmen verjaget ihren nicht sonderlich darüber bekümmerten Hertzog Critasirn aus dem Lande. Die Unempfindlichkeit über den Verlust so schädlich / als die übermäßige Herrschenssucht. Die Empfindligkeit dagegen das eintzige Erhaltungs-Mittel aller Thiere. Erb- und Wahl-Königreiche nebst deren Vorzug. Marbods allzu grosser Eyver wieder die Bojen verbländet ihm den Verstand / wie allzu grosser Glantz die Augen. Sein mit einem Bojischen Ritter hefftiger Kampff und Niederlage. Ursprung der beyden Geschlechter Nothhafft und Tannenberg. Marbods seltzames Begebniß in einer Höle mit einem alldar gefundenen wohlthätigen alten Greiße[965] und Einsiedler. Der Mensch das grimmigste der Thiere und seine in der Boßheit zunehmende ausgetheilte Jahre. Abbildung der Zeit und Vergängligkeit. Tugendhafftes Leben der sicherste Ancker und der vollkommenste Glücks-Stern / ausser diesem alles Eitelkeit. Des Einsiedlers Lehre von der Ruhe des Gemüths und wahren Glückseligkeit. Die Weißheit ein selbst-ständiges Wesen keines eusserlichen Glantzes benöthigt. Die Ehrsucht das unersättlichste Laster unter allen. Die Herrschafft die beschwerlichste Dienstbarkeit. Die Freyheit des Gemüths ein ander Himmelreich. Jeder Grundzeug der Natur ein Auffenthalt menschlicher Gebrechen. Die Ehre der Tugend Zunder / des Lebens Kleinod. Des Leibes / des Hertzens und des Gemüths Wachsthum. Die unvernünfftigen Thiere den vernünfftigen an Jahren und Alter überlegen. Des Volcks Eigenthum ist das Seinige bewahren / eines Fürsten seine Herrschafft vergrössern. Das Alterthum gebieret gegen der gegenwärtigen Zeit eitel Riesen- und Wunderwercke. Die Hertzen und Gemüther der danckbaren Nach-Welt sind vor der rühmlich verstorbenen Asche die herrlichsten Todten-Köpffe. Unterscheid zwischen einem unsterblichen Nach-Ruhme und einer ewigen Schande. Ein tugendhafft Leben balsamt allhier unsern Athem / nach dem Tode die Asche ein. Ubermäßige Ruhmsucht wem sie gleiche? Schatten der Ehre fliehet die Verfolgenden / und folget den Fliehenden. Ruhm-Sprüche ohne Verdienste Schattenwerck ohne Leib / und Grab-Schrifft auf leeren Gräbern. Marbod nimt des Einsiedlers Lehre und Warnigung als eine göttliche Würckung mit Thränen an / verflucht dagegen den Hoff mit seiner heuchlerisch- und betrüglichen Ehre. Der Mensch hat in andern Fehlern Luchs-in seinen eigenen Maulwurffs-Augen. Der selbst-Erkäntniß Nutzbarkeit. Die viehischen Neigungen im Menschen verborgen. Seine Fehler erkennen / schon eine halbe Vollkommenheit. Das Gewissen die Meß-Ruthe unsers Lebens. Die eusserlichen Sinnen und Glieder die Abbildungen der Seele / das Haupt alleine der Sitz des Verstandes. Ein Reich von zweyen Fürsten die gröste Mißgeburt. Die eintzele Zahl zum Herrschen; Die Vielheit zu gehorsamen nur geschickt. Kluge Räthe der Fürsten Augen. Des Hertzens und der Augen genaue Verknipffung. Der rechtmäßige Ohren-Gebrauch bey Fürsten. Der Wollust ein Englisches Antlitz / aber ein Drachen-Schwantz zugeeignet. Ein guter Nahme der beste Geruch der Gemüther und ein tugendhaffter Fürst ein Spiegel seiner Unterthanen. Der Mund ein Pinsel des Gemüths und eine Schreibe-Feder der Gedancken. Die Zunge das schädlichste und nützlichste Glied des Haupts / der Fürsten Steuer-Ruder im Schiffe der Reiche. Fürsten eine erhobene Glocke / der Klang ihr Verräther. Kürtze der Redner Meisterstücke / eines Fürsten Eigenthum. Der Donner die Sprache Gottes und sein Bild auf Erden. Fürsten müssen sich die Vernunfft / am meisten aber das Licht der göttlichen Versehung leiten lassen; Alle Menschen auf dem Welt-Meer GOtt zum Angel-Sterne / das Gewissen zur Magnet-Nadel haben. Des Einsiedlers dem Marbod gethane Offenbahrung: daß er Ariovist der Alemanner Hertzog sey. Unterschiedene Geburts-Maale ein und anderer gekrönter Häupter. Das Abstürtzen von König-Stühlen rühret von Lastern / wie das freywillige Absteigen von Tugend her. Das Glücke der Jugend Schoß-Kind / der Alten Wechselbalg. Der Einsiedler oder vielmehr Ariovist erzehlet dem Marbod seiner und[966] anderer Fürsten Staats-Fehler / und das mit einem vermeintlichen nächtlichen Gespenste oder seinem guten Geiste gehaltene Gespräche. Dieser ihre Lebens-Art. Kunst recht zu leben / wol zu herrschen und selig zu sterben. Der Kindheit / Jugend und Alters Eigenschafften. Das Glück eine Buhlerin der lebhafften / eine Stieff-Mutter der verlebten. Je vollkommener der Fürst / ie mehr der Verleumdung unterworffen. Der Unterthanen Pflicht gegen die Obern. Sterbe-Kittel dem Purper vorzuziehen. Des menschlichen Lebens Elend und Nichtigkeit. Kein Unterscheid zwischen Fürsten und Betlers-Knochen. Prächtige Grabmähle machen nicht so wol der Verstorbenen Thaten / als ihre Eitelkeit berühmt. GOtt der eintzige Angel-Stern unserer Seelen-Ruhe wie und wo er zu finden? Einsamkeit ein Vorschmack des Himmels mit einer des Greißen Höhle überschriebenen sinnreichen Denckschrifft. Dessen und Ariovists Vergesellschafftung. Marbods ihm bezeigte Ehrerbietigkeit und Folge zu seiner Höle. Beyder inzwischen erfolgtes Begebniß und Unterhalt. Der Mensch das unersättlichste aller Thiere. Sonderbare Schätzbar- und Herrligkeit der erlangten Höhle / und das darinnen dem gantzen Deutschland verborgene Reichthum. Der Goldgruben und Aertzte Unterscheid und Eigenschafft. Mißbrauch des herrlichsten Goldes der schädlichste Hütten-Rauch. Dieser Wunder-Höhle verborgene Qvellen / Wässer und Ströme. Im Menschen der kleinen Welt alle Wunderwercke der grossen befindlich. Spring-Brunnen den Frauen-Brüsten zu vergleichen. Das Meer auf gewisse Art der Ursprung der Brunnen; die Brunnen in einer andern der Ursprung des Meeres. Das Meer der Eßig der Welt genennet. Deutschlands vielfältige Sauer-Saltz-Feuer- und andere Brunnen. Ein des Fürsten Thuisco unverweseten Cörper in sich habendes Christallinenes Riesen-Feld das gröste Wunder der offt angezogenen Höhle / und vornehmstes Grabmaal der gantzen Welt. Natter findet in weichem Agtstein ihr Grab. Gräber vom Donner und Erdbeben befreyet / doch so wol als die Leichen der Verweßligkeit unterworffen. Der Eitelkeit Herrschafft hat so wol unter als über der Erden ihr Gebiete / ja über Sonn und Sterne. Dieser verspürte Verminder-Vermehr- und Vergrösserung. Alles was nicht die Tugend zum Grunde / die Ewigkeit der Seele zum Absehen hat / ist vergänglicher Rauch. Die Sonne der gerechten Seelen Kleid. Thuiscons Ruhm und Grabeschrifften. Sein Schatz und Schutz-Bild Deutschlands / wie bey andern Völckern andere. Der Eintracht Riesen-Wercke. Nichts kan dem Geitz als eine Hand-voll kalte Erde sättigen. Hochmüthige Fürsten dem Egyptischen Memnons-Bilde gleich wie und auf was Weise? Die Erkäntniß seiner eigenen Nichtigkeit ist die Helffte seiner Verewigung. Vergnügung der Welt sind eitel zur Schaue ausgelegte betrügerische Waaren und Blendungen. Marbods Zurückkehr aus der Höle / Ariovists Begleitung und dabey überfallener schneller Tod / darüber sein vertrauter Bär sich vom Felsen stürtzet. Ariovists Beerdigung nach Art der alten Deutschen / welche die übrigen Zierathen nur eine Beschwer der Todten gehalten. Marbod und seine Gefärthen nehmen hierauf mit Thränen Abschied / werden von einem Wald- und Wasser-Geiste erschrecket; von einem Lufft-Geiste übel; endlich von einem fünff hundert jährigen Wurtzel-Manne wol empfangen. Ursache seines hohen Alters. Seine Vergnügligkeit und Abscheu vor allen Welt-Händeln und der[967] Menschen Boßheit. Zwey bey der Zackenbach befindliche Warmebrunnen. Allerhand mit dem Wurtzel-Manne über gewisser Thiere Eigenschafften und Gespenstern geführte Reden. Riesengebürge von Gespenstern beschrien. Des Wurtzel-Manns ihnen denckwürdig eröffnete Geheimnüße / Verehrung und Abschied. Der Deutschen insonderheit der Marsinger Gewonheit im Heyrathen nebst der Frea Feyer und Straffe der Ehbrecher. Die am Riesengebürge befindliche zwey warme Brunnen nebst denen darinnen badenden Schönheiten / aller ersinnlichen Lust- und Liebes-Spielen / worbey die Schäfferey das Kleinod erlanget. Der Bober-Fluß das Vaterland der Deutschen Tichter-Kunst. Des Ritter Schaffs mit des Marsingischen Fürsten Leutholds Tochter herrliches Beylager und dabey gehaltene Turnier- und andere Spiele /worbey der Frembdling Marbod erkennet / verfolget /und von einem ihn vergesellschafftenden unbekandten Ritter Vannius noch errettet wird. Marbods unverhoffte Zurückkunfft in sein Land erwecket Schrecken und Freude. Bringet die Alemannische Fürstin Vocione durch einen ihrem Vater dem Ariovist in der Höhle abgezogenen Ring in ein Bündnüß. Marbods Sieg wieder die Meineydigen Bojen und Königlicher Einzug in die Stadt Boviosinum. Des überwundenen Critosirs Hertzhafftigkeit; Seiner Gemahlin höchstvernünfftige Demuth. König Marbods öffentliche Krönung. Der Bojen Abschwerung und Räumung des Märckmannischen Gebiets. Der Stadt Boviosinum Nahmen in Marbods Stadt verändert. Der Lygier und schwartzen Arier Verfechtung ihres vermeinten Gottesdiensts wieder dein Marbod. Hermegildis die Hertzogin der Naharvoler Großmüthigkeit in Vertheidigung Corradun. Der Gothunen Einfall; Jubils Auffenthalt beym Feld-Herrn Segimer. Marbod macht viel neue Ritters-Leute. Des Vannius Herkunfft von den Königen der Quaden; Seine Verdienste gegen den Marbod; behauptet durch dessen Hülffe seiner Vorfahren Königreich zu Trotz und Verdruß der Cherusker und Römer. Des Drusus Tod. Augustus Rache. Tiberius Nero statt jenes an Kindes Statt angenommen. Ubermäßig grosse Weinstöcke und Trauben am Fluße Lixus. Hertzog Arnolds Gemahlin Gertruds Schönheit und Bekümmerniß über ein von ihr gebohren Mohren-Kind. Der Schwangern Einbildung eine seltzame Mahlerey und Bildschnitzerey: kein Schild der Unschuld wieder die Eiversucht bewährt. Das Band der Mutter- und Kinder-Liebe unzertrennlich. Die Brüste von Natur nicht zu Aepffeln der Wollüste / sondern zu heiligen Lebens / Wunder- und Nahrungs-Brunnen erschaffen. Unterscheid zwischen der natürlichen Mütter- und Ammen-Schaaffs und Ziegen-Milch. Die Natur muß der Vernunfft und dem göttlichen Verhängnüße weichen. Wollust und Heucheley des Hoffes schädliche Lock-Vögel. Kinder und Pflantzen arthen mehr nach der Beschaffenheit ihrer Pflegung / als nach dem Einflusse der Geburts-Sternen. Gertrudens Mohren-Kind wird unter fremder Auffsicht erzogen: dessen veränderte Farbe und tugendhafftes Wachsthum / Nahme und Erkäntniß. Dieses jungen Bethonischen Fürstens Gottwalds Ansehen beym Mersingischen Hertzoge Bolcko. Des Vaters Hertzog Arnolds Tod. Des Sohnes Gottwalds Todes-Gefahr von Gertruden wunderbahrer Weise abgewendet / an seinen natürlichen Merckmahlen erkennet /und zu des Reiches rechtmäßigem Nachfolger erkläret. Seiner wieder ihn verhetzten Schwester Mormeline Verheyrathung an den mächtigen[968] Marbod. Der Deutschen unruhiger Zustand ziehet ihnen des Kaysers Augustus Römische Waffen unter dem Heerführer Tiberius Nero auf den Halß. Des Deutschen oder Cheruskischen Feld-Herrn Tod. Fürsten Tod selten der allgemeinen Zerbrechligkeit / sondern ins gemein gewaltsamen Ursachen zugeschrieben. Des Römischen Sentius Siegs-Gepränge. Dem Tiberius der Nahme eines deutschen Feld-Herrn zugeeignet. Der Grund-Stein des Eigen-Nutzes ein Fallbret des gemeinen. Des Tiberius sich vergrössernde Siege in Deutschland. Der Longobarder Sitten und Gebräuche / Unerschrockenheit in Worten und Wercken. Tiberius bedreuet den mit den Longobardern im Bündniß stehenden Marbod mit Krieg. Seine den Römischen Gesandten gethane hertzhaffte Antwort und gezeigte Gegenwehr bringet den Tiberius auff bessere und friedlichere Gedancken. Das auf den deutschen Feld-Herrn Hertzog Hermann zu Rom vom Tiberius aufgeblasene Kriegs-Feuer wird vom Kayser August wieder den allzumächtig werdenden Marbod fruchtloß und zum Schimpff der Römer ausgeschüttet. Die Dalmatier und Pannonier vom Marbod verlassen. Der Fürsten Bündniße auf kein ander Hefft als den Vortheil; des Pöfels Anschläge aber auf eitel Blutstürtzungen gerichtet. Aller und ieder Völcker sonderbare Gemüths-Neigung. Marbods vorsichtige Herrschens-Kunst. Staats-Klugheit hat alles zu ergrübeln / nicht auszuüben. Vorbereitungen zu des Feld-Herrn Herrmanns angestellten Beylager: der Cheruskischen Halb-Riesen und anderer dabey befindlichen Völcker; vornehmlich aber des Feld-Herrn selbst höchst-prächtiger Ein- und Aufzug zu Deutschburg.

Quelle:
Daniel Caspar von Lohenstein: Großmütiger Feldherr Arminius, Erster Theil, Leipzig 1689, S. 958-969.
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