Sechster Auftritt.


[42] Die Försterin allein, dann Weiler und später der Förster.


FÖRSTERIN das Fenster schließend. Er kommt noch immer nicht zurück, der Robert, und der Herr Pastor auch nicht.

WEILER indem er durch die Mitte tritt. Na, wenn der nicht auf die Nase fällt! Aber wer ist's denn nun eigentlich? Ob mir die Frau Försterin was aufgehoben hat? Aber ich hab' ohnehin keinen Appetit. Hm.

FÖRSTERIN. Kalt wird's geworden sein. Holt einen Teller mit Speisen aus dem Ofen, Brot usw. dazu aus dem Schrank und setzt es auf den Tisch zur Linken.

WEILER. Wir werden alle einmal kalt. Setzt sich zum Essen.

FÖRSTER ist seitwärts eingetreten. Hat Er den Hirsch wieder gespürt da aus dem Lutzdorfer?

WEILER. Will dich stolzieren. Aber so ist's. Sowie's heißt Mann und Frau, Herr und Diener – dann ist Lieb' und Freundschaft heidi!

FÖRSTER. Und was heißt das mit dem Stolzieren?

WEILER. Mit allen vier Beinen stand er da am Grenzbusch im Hafer drin und fraß.[42]

FÖRSTER. Wer?

WEILER. Der Hirsch da aus dem Lutzdorfer.

FÖRSTER nachdrücklich. Ein Hirsch hat Läufte, und keine Beine, und frißt auch nicht, sondern er äset.

WEILER. Meinetwegen.

FÖRSTER seine Mahlzeit besorgend. Aber was ist denn nur?

WEILER. Hm.

FÖRSTERIN. Ob man's nun erfährt? Wenn man nichts wissen will, da wird er nicht fertig.

FÖRSTER bleibt vor ihm stehen; streng. Weiler, hört Er?

WEILER. Na, der Buchjäger da. Sechs Zoll ist der heut gewachsen, hat gleich seinen Hut mit den Tressen aufgesetzt und seinen Hirschfänger umgetan und zwei Bittre und ein sechs Kümmel mehr getrunken als gewöhnlich; hat aber auch einen Weg nötig, noch halb so breit wie sonst.

FÖRSTER. Ist Er fertig?

WEILER. Beinah'! Aber wer ist denn nun eigentlich der richtige Förster von Düsterwalde? Der weist schon die Holzhauer zum Durchforsten an, da muß er's doch sein? Aber Ihr thut auch, als wärt Ihr's noch?

FÖRSTER. Ich bin's auch noch; ich bin Förster von Düsterwalde und niemand sonst.

WEILER. Ihr wollt's durchsetzen? Aber ich will Euch sagen, wer heutzutage recht behält. Pantomime des Geldzählens. Wer den längsten Atem hat. – Wer kommt da so eilig?


Quelle:
Otto Ludwig: Werke. Leipzig und Wien [1898], S. 42-43.
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