5.

Nu frewt euch lieben Christen gmeyn

und last uns frolich springen,[422]

Das wyr getrost und all ynn eyn

Mit lust und liebe singen,

Was Gott an uns gewendet hat

Und seyne susse wunder that,

Gar thewr hatt ers erworben.


Dem teuffel ich gefangen lag,

Im tod war ich verloren,

Meyn sund mich quelet nacht und tag,

Darynn ich war geporen.

Ich fiel auch ymer tieffer dreyn,

Es war keyn gutts am leben meyn,

Die sund hat mich besessen.


Meyn gutte werck die golten nicht,

Es war mit yhn verdorben,

Der frey will hasset Gotts gericht,

Er war zum gutt erstorben.[423]

Die angst mich zuuerzweyffeln treyb,

Das nichts den sterben bey mir bleyb,

Zur hellen must ich sincken.


Da iamert Gott ynn ewigkeyt

Meyn ellend uber massen,

Er dacht an seyn barmhertzigkeyt,

Er wolt mir helffen lassen.

Er wand zu myr das vater hertz,

Es war bey yhm furwar keyn schertz,

Er lies sein bestes kosten.


Er sprach zu seynem lieben son,

Die zeyt ist hie zurbarmen,

Far hyn meyns hertzen werde kron

Und sey das heyl dem armen,

Und hilff yhm aus der sunden not,

Erwurg fur yhn den bittern tod

Und las yhn mit dyr leben.


Der son dem vater ghorsam ward,

Er kam zu myr auff erden

Von eyner iungkfraw reyn und zart,

Er solt meyn bruder werden,

Gar heymlich furt er seyn gewalt,

Er gieng ynn meyner armen gstalt,

Den teuffel wollt er fangen.


Er sprach zu myr, halt dich an mich,

Es soll dyr itzt gelingen,

Ich geb mich selber gantz fur dich,

Da will ich fur dich ringen,[424]

Denn ich byn deyn und du bist meyn,

Und wo ich bleyb da soltu seyn,

Uns soll der feind nicht scheyden.


Vergiessen wird er myr meyn blut,

Dazu meyn leben rauben,

Das leyd ich alles dyr zu gut,

Das hallt mit festem glauben.

Den tod verschlingt das leben meyn,

Meyn unschuld tregt die sunde deyn,

Da bistu selig worden.


Gen hymel zu dem vater meyn

Far ich von disem leben,

Da will ich seyn der meyster deyn,

Den geyst will ich dyr geben,

Der dich ym trubnis trosten sol

Und lernen mich erkennen wol

Und ynn der warheyt leytten.


Was ich gethan hab und gelert,

Das solltu thun und leren,

Damit das reych Gotts werd gemert

Zu lob und seynen ehren.

Und hutt dich fur der menschen satz,

Dauon verdirbt der edle schatz,

Das las ich dyr zu letze.

Quelle:
Martin Luther: Werke. 120 Bände, Band 35, Weimar 1888 ff., S. 420-425.
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